Fragment eines historischen
Hightech-Produktes aus
Bildausschnitt ( 16,5 cm x 4,5 cm) von Seite 147 der Goldkopie des Regensburger Codex Aureus. Abgebildet sind die letzten beiden Zeilen der rechten Spalte samt ihrer Rahmung aus phantasievoll gestalteten und in farblicher Harmonie aufeinander abgestimmten bunten Ornamenten und floralen Mustern. Man beachte, dass die intellektuell und künstlerisch hochbegabten Malermönche Beringarius und Liuthardus sämtliche Buchstaben und Zeichnungen freihändig auf das Büttenpapier aufgetragen haben, ohne dabei den Arm auf das Schreibpult zu stützen. Sie taten dies, um die perfekte Reinheit des Büttenpapiers bei der Bearbeitung zu bewahren und so eine maximale Haftbarkeit der aufzutragenden Goldtinte und der Farben zu erreichen. Wieviel Schmerztoleranz, Nervenstärke, Überwindung, Verzicht, Beharrlichkeit, Eifer, Disziplin, geistige Konzentration und feinmotorische Präzisionsarbeit erforderlich war, dies auf den 252 Seiten des Evangeliars in konstanter Qualität durchzuhalten, überfordert die Vorstellungskraft. Die Feststellung, dass sie einen Gedulds-Marathon durchlitten, ist gewiss eine Untertreibung. Unter gänzlichem Verzicht auf materielle Interessen lebten sie ihre Tugenden und geistigen Ideale. Sie gaben ihr Leben, um diese Werke für alle Zukunft zu schaffen. Ihr Lohn dafür war und ist geistige Unsterblichkeit. Sie zählen ganz gewiss zu den Wegbereitern der positiven Seiten der westlichen Kultur unserer Tage. Ihnen gebührt größte Anerkennung und höchstes Lob. Hier offenbart sich ein Idealfall, wie durch Ausbildung, Unterstützung und Förderung individueller Fähigkeiten hochbegabter und zielstrebiger Menschen der künstlerische und intellektuelle Horizont der Menschheit entscheidend erweitert werden konnte. Die Welt wäre ganz gewiss um so vieles reicher und friedlicher, wenn es mehr solcher positiver Entwicklungen gäbe. Es läßt sich nicht ermessen, wieviel Verlust und Schaden betreffend den kulturellen Fortschritt entstanden sind durch Intoleranz, Gleichmacherei, Blockaden in hierarchischen Strukturen, alte Seilschaften, Geschlechter-, Rassen- und Minderheitendiskriminierung sowie Traditions-, System- und Gruppenzwänge. Beispiele: Auf lange Sicht gesehen
Die durch
Unterdrückung entstandenen kulturellen Defizite können
später nicht mehr ausgeglichen werden, weil - analog zur
irreversiblen Entwicklung der Lebensformen - die zu
Hochbegabungen führenden Konstellationen sich nicht
wiederholen. Die absichtliche Verhinderung der
Freisetzung latenter geistiger Potentiale in den oben
genannten Situationen ist eine der Ursachen für die
derzeit aufgelaufenen inter- und intrakulturellen
Konflikte. "Denn
das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist: © Dr. Hubert Engelbrecht; München |