Auf zum ewigen Frieden und zu
optimierter Global-Fairness:
gegen Gewalt, Extremismus und negative Irrationalität -
omnis obstat Cruci Romanae

Musikalischer Auftakt:
"
Spiel mir das Lied vom Tod"
- Once upon a time in the West (Ennio Morricone 1968) -
Die ersten Takte der zart, aber stringent geführten,
melancholisch-einsamen Melodie der Mundharmonika spiegelt
die im vorletzten Absatz des Textes dargestellte grenzenlose
und ultraeiskalte Verlassenheit eines jeden Menschen

Vorwort

Ohne dies jemals so gewollt zu haben, bekam ich während meiner langjährigen Laufbahn an einer Bildungsanstalt für Jugendliche in Serie praxisnahe Kompakt- und Intensivkurse in Sachen Macht und Gewalt verpasst (jede Menge "negative learning") und durfte kurz vor dem Abgang beim selben Instruktor in einem Abschlußkurs diese wenig erfreulichen Themen in Aufsätzen - wie z. B. in der Erörterung von B. Brechts "Geschichten vom Herrn Keuner: Maßnahmen gegen die Gewalt" - theoretisch abhandeln, die der Lernzielkontrolle wegen ausführlich diskutiert und dann beurteilt wurden. Theorie und Praxis haben sich, so könnte man spotten, prima ergänzt. Da ich zu diesen Themen auch persönliche Gedanken und Meinungen äusserte, bin ich ganz nebenbei vom Instruktor auch noch ausgeforscht worden (man nennt das auch "cold reading"), in wieweit ich über die ungerechte und unfaire, damals aber gängige Alltags-Gewalt-Praxis reflektieren konnte. Freilich sind Fortgeschritten- und Expertenkurse dieser Art an den Universitätsfakultäten, die ich besucht habe, weitergeführt worden. Neben vielen anderen sind auch diese sonderbaren, problematischen und aufgezwungenen, m. E. vollkommen unnötigen, weil überflüssigen Negativ-Erfahrungen Ursache für die nachfolgenden Zeilen, in denen sie dargestellt, analysiert und in positive Ideen und konstruktive Vorschläge transferiert werden. Ich schreibe im folgenden einfach "frei von der Leber weg": genauso, wie Marion Gräfin Dönhoff Authentizität definierte: "... Echt sein, sich nicht vom Zeitgeist oder den Werbeagenturen stilisieren lassen, keine Konzessionen an Publikum, Mode oder Karriere machen, ohne Furcht sein, eigenen Maßstäben und Intuitionen folgen...." Anlass für die nachfolgenden Zeilen war der Gesamteindruck bei meiner Teilnahme am Dokumentarfilm "Menschliches Versagen" (2008), in dem es um die Problematik straffreien Auslebens und hemmungslosen Profitierens von verschiedenen Varianten verwerflicher Gewaltanwendung in einem Unrechtssystem ging. Wegen der bedauerlicherweise essentiellen gesellschaftlichen Bedeutung dieser Themen halte ich es für meine sittliche Pflicht, auch als Naturwissenschaftler mich nach gründlicher geistiger Auseinanderzusetzung dazu konkret zu äussern; im Gegensatz zu den vielen vielen anderen, die der Feigheit, des Opportunismus und der Karriere wegen dazu öffentlich gar nichts sagen. Freilich stelle ich mich der großen Verantwortung, die jeder Wissenschaftler hat; die z. B. von den Göttinger Sieben am 18.11.1837 wegen der Unzumutbarkeit staatlicher Willkür und von den Göttinger Achtzehn am 13.04.1957 wegen der Gefahr des atomaren overkills - vom Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt im Drama "Die Physiker" (1962) bestens thematisiert - wahrgenommen wurde. Vorbildlich das couragierte Schreiben aus dem Jahr 1945 von Lise Meitner an Otto Hahn, in dem sie ihm unfrisiert die Leviten liest: er trage ganz gewiss Mitschuld an den Gräueln des Zweiten Weltkrieges wegen Passivität, Unfairness und Opportunismus (In: Bollmann, S. 2008: Frauenbriefe aus fünf Jahrhunderten. Seiten 133-134. E. Sandmann Verlag, München). Auch die Nobelpreisträger A. Einstein, R. Willstätter und H. Wieland zeigten mit ihren Lebenswegen klar auf, wie essentiell wichtig es ist, als Wissenschaftler zur rechten Zeit Zivilcourage zu zeigen, wenn es um den Erhalt von Humanität, Moral und Fairness geht. Leider gibt es nur wenige eingeschriebene Gesellschaften (wie z. B. die Pugwash-Bewegung), die sich mit dem großen Themenkomplex "Gesellschaft, negative Aggression, Wissenschaft, Technik, Fortschritt, Ökonomie, Ökologie, Moral, Globalfairness & Verantwortung" befassen. Freilich stehe ich zu meinem politisch völlig unkorrekten Verhalten, weitab vom unpolitischen mainstream in der sogenannten "Konsensgesellschaft". Denn wenn so viel danebengegangen und Dasein absichtlich so gefährlich und riskant gemacht worden ist, dann kann man gerade als Wissenschaftler nicht mehr arrogant im Elfenbeinturm thronen, sein akademisches Steckenpferdchen reiten und seelenruhig dabei zusehen, wie sich draussen ein Zeitfenster nach dem anderen irreversibel schließt: wie z. B. im universitären Sonderforschungsbereich "Wissensspeicher des Mittelalters / der Frühen Neuzeit", in dem den sich wandelnden Techniken und Formen der Wissenserschließung, -aufbereitung, -archivierung und -vermittlung zwischen 1500-1800 nachgegangen wird; sicher ein sehr braves, hochgelehrtes und besonders löbliches, aber in weiten Teilen schon längst abgegrastes Unterfangen, das aber die aktuellen Probleme garantiert nicht bessern kann und der Zaungast sich verwundert fragt, ob es nicht wichtigeres zu forschen gäbe auf dieser für den Steuerzahler teuren und derzeit weitgehend nutzlosen "Insel der Glückseligen". Ganz bewusst schreibe ich in diversen Abschnitten polemisch, also "in der Sprache des Feuers". Freilich stehe ich auch zu all den Felern und Widersprüchen, die in den nachfolgenden Zeilen zu lesen sind, die mir angekreidet und vorgeworfen werden können; sie entstanden auch deshalb, weil ein Naturwissenschaftler sich auf sozoilogisch-politisch-philosophisches Terrain gewagt hat und anfing, seinen Inneren Monolog samt all seinen Widersprüchlichkeiten als Entwurf eines geistigen Testaments öffentlich schriftlich kundzutun. Ich schreibe auch, weil ich seit Jahren in große Sorge gerate, sobald ich das Weltgeschehen zu betrachten beginne. Freilich sehe ich nachfolgende Zeilen auch als detaillierte, an alle gerichtete, freiwillige Selbstauskunft über mein grandioses Nichtwissen; macht nix, tat nix und tut nix. Ob in den nachfolgenden Zeilen jemals "Wahre Sätze" im Sinne Ernest Hemingways zu finden sein werden, mag da- oder vielleicht dorthingestellt sein und kann getrost bezweifelt werden. Es ist mir auch egal, wenn der, der versucht, beim besten Willen die Wahrheit zu schreiben, ganz schnell erwischt wird.
Ich meine, dass in allen Gesellschaftsbereichen zu einem humanitären und gewaltminimierten Kommunikationsmodus und zu einer vernünftigen, ehrlichen und fairen Beisammenseins-, Diskussions- Streit-, Feler und Versöhnungskultur gefunden werden muss, damit sich Gemeinschaften (Gruppe, Paar, Familie, Gesellschaft, Staat, Staatengemeinschaft) tatsächlich zivilisiert nennen dürfen. Jeder weiß, wie weit wir immer noch von wahrer Zivilisiertheit und echter Humanität entfernt sind:
- Wo waren Verantwortlichkeit und Selbstreflexion derjenigen, die zunächst begeistert mit anschoben, als der Holocaust und die Angriffskriege ausgeführt wurden, um nur ein paar Jahre später, so in etwa neun Monate vor Beginn der Babyboom-Jahre (ca. 1955) erst hemmungslos-triumphal beim Valenci über den Millionengräbern der killing-fields im Osten zu tanzen, dann sich schnackserlfidel zu vermehren und in grandioser Sturheit das so erschaffene Frischfleisch mit derselben braunen Ideologie zu infizieren, indem versucht wurde, in die sich entwickelnden Gehirne gewaltsam schädliche Erziehungsinhalte wie z. B. Dünkel einzubauen ("Gell, des woast, dass mia fei was bessas san!": eine der geistigen Grundlagen für das Herrenmenschentum)?
- Ja wo bleibt sie nur, die Rehabilitation aller erkennungsdienstlich behandelten, festgehaltenen, geächteten, juristisch belangten, arrestierten, in Polizeikesseln (z. B. WAA Wackersdorf (1986-87), Endlager im Salzstock Gorleben-Rambow bei Lüchow-Danneberg im Wendland (1979-80)) gequälten, gedemütigten und verspotteten, fristlos entlassenen und auf Beobachtungs- und Berufsverbotslisten gesetzten Atomkraftgegner, als wenige Tage nach der Havarie am 13.03.2011 im japanischen Fukushima die Regierungskoalition wendehälsig den Grünen ihr Hauptargument eiligst und gierig-brutal entriss, indem sie nur ein halbes Jahr nach dem AKW-Laufzeitverlängerungsbeschuß scheinheilig verkündete, Atomkraft sei nun ganz plötzlich doch zu gefährlich und alle AKWs müssten binnen ca. 10 Jahren abgeschaltet werden. In Anbetracht der historischen Entwicklung dieser beiden Parteien erscheint das nur unglaubwürdig und lächerlich. Sollen etwa auch die über vier Jahrzehnte mit deutscher Gründlichkeit exekutierten, nun aber nachträglich ungültig gewordenen staatlichen Sanktionsmaßnahmen und Urteilssprüche gegen Atomkraftgegner nun allesamt verjährt sein? Sollen all die für die sogenannte Innere Sicherheit (vor Atomkraftgegnern) ausgegebenen Milliardensummen nun allesamt umsonst gewesen sein? Will denn niemand mehr die Folgen logisch und ehrlich zu Ende denken und dementsprechned zu handeln? Ja wo ist sie denn nur geblieben, die Glaubwürdigkeit solcher "Entscheidungsträger"?

Im folgenden wird der Begriff Gewalt (Der Brockhaus Philosophie 2009: 143-144, 2. Auflage) in einer erweiterten Bedeutung vorgestellt: es ist traurig und sehr schade, dass Gewaltanwendung dauerhaft notwendig ist, um leben, d. h. nur ein wenig dasein zu können: bei jedem Schritt über Wiesen- und Waldboden werden ungezählte Insekten und Kleinstlebewesen zertreten und zerquetscht ("Hoppla, jetz kim I"; "Weg do. Mia san mia und mia san hoid do"). Jedes Gebäude, jede Ackerfläche, jedes Industrie- und Bergbauareal, jede Straße, jeder Flughafen, jede Autobahn, jede Stadt verdrängt zahllose andere tierische oder pflanzliche Lebewesen sowie Teile der eigenen Spezies Mensch (Selbstverdrängung). Jeder Atemzug nimmt anderen höheren Lebewesen ein Quantum Sauerstoff. Jede mit Agrardiesel oder fossilen Brennstoffen erzeugte motorgetriebene Kraftwirkung (Kraftrad, Auto, Laster, Flugzeug, sonstige Maschine) verringert die Ressourcen für mögliche Nachkommen und trägt zum Klimawandel bei. Jeder selbst erzeugte oder gekaufte Bissen Nahrung bedingt Nachteile für andere bzw. den Tod anderer tierischer oder pflanzlicher Lebewesen und fehlt später. Trotzdem bekommt man regelmäßig Appetit auf tierische und/oder pflanzliche Produkte: und wie sie schmecken, wenn der Hunger da ist, man Witterung aufnimmt, der Speichel zu fließen beginnt, man sich in rücksichtsloser Gier auf die Beute stürzt und selbstvergessen und herzhaft reinbeißt. Erst kommt das Fressen, und dann vielleicht ein bischen Moral, wenn alle satt geworden sind und sie alle wieder genug Platz haben. Luftdicht und steril verpackte Teile toter Tiere und Pflanzen werden so nach ihrer Zubereitung appetitlich präsentiert, wanden von deh Zähnen zerkleinert in die Mägen und werden weiter verdaut und verwertet. Mit der z. T. gefährlichen, ekligen, langwierigen und anstrengenden Nahrungsherstellung (Aufzucht, Jagd, Selektion, Töten, Schlachten, Ausweiden; Säen, Bestellen, Bewässern, Ernten) muss sich wegen heutiger arbeitsteiliger Organisation der Verbraucher in den meisten Fällen nicht mehr befassen, und dann schmecken ihm die Produkte noch besser. Jeder aktive Eingriff des Menschen in die belebte oder unbelebte Natur ist Gewalt. Jede Entstehung eines weiteren Lebewesens steigert den Verbrauch an Ressourcen, die später fehlen werden. Es irritiert und verstört, dass Leben nur auf Kosten anderer Leben sowie der Besetzung und dem Verbrauch ihrer Lebensräume möglich ist; man wird - und das mit unvorstellbarer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit - implizit schuldig am Tod oder der Verhinderung/Entwicklung anderen Lebens: man isst ja nur, weil man - ohne das gewollt haben zu können - in die Welt geschmissen wurde und seitdem selbst unbedingt möglichst lange und möglichst gut leben möchte. Das ist weder beruhigend noch ästhetisch, sondern nur peinlich und demütigend; von dieser Seite her betrachtet erscheint es unmöglich, sich des Lebens zu erfreuen, weil das eigene Leben den Tod und/oder die Verhinderung vieler anderer Leben bedeutet. Der Alles- und Oberfresser Mensch kann niemals die Krönung der Schöpfung gewesen sein. Das zum Leben notwendige Dasein der Nahrungskette und das Leben in und mit ihr kann man nur dann ertragen, wenn größte Empfindsamkeit, Verantwortlichkeit, Nachdenklichkeit und Sorgfalt die Lebensweise bestimmen. Leben und gelebt werden; fressen und gefressen werden; verdrängen und verdrängt werden, verbrauchen und verbraucht werden, töten und getötet werden: diese unerhörte Normalität des Brutalen, diese irritierende Notwendigkeit des Grausamen, diese natürliche und grauenvolle Grundvoraussetzung zum Lebendigsein - euphemistisch als funktionierende Nahrungskette bezeichnet - ist zutiefst unästhetisch, grässlich, blutig-roh und muss letzter Grund sein für die Komplementarität von Leben und Tod. Leben kannibalisiert sich im Malstrom der Nahrungskette seit Milliarden Jahren selbst, um weiterzubestehen, aber auch, um sich anzupassen und sich zu entwickeln. Es ist eine Aporie, ein auswegloses Dilemma, dass Leben ohne ein Minimum an notwendiger natürlicher Gewaltanwendung nicht führbar ist. Verzichtet man auf dieses Minimum, landet man bei der Karl-Valentinischen Selbstverhinderung: man verhungert oder man wird gefressen. Die gewaltfreie Alternative zum lebendigen Dasein ist nur die Abwesenheit alles Lebendigen. Das einzig tröstlich Positive, was von dieser Global-Makabrität alles Lebendigen - diesem unendlichen Gewalttanz - eine Zeitlang bleibt, ist - scheinbar widersprüchlich - Kultur, Intellekt, Entwicklung, die erworbenen Fähigkeiten, Probleme friedlich und positiv zu lösen sowie ästhetischer Sinn. Die Grundvoraussetzung zum Am-Leben-Bleiben, das permanente Grauen des Fressen-und-Verdrängen-Müssens anderen Lebens, stellt eine kaum beachtete - weil verdrängte -, dafür aber überwältigend große moralische Verpflichtung dar. Nach diesem Sachverhalt kann keine Rede mehr sein von einem "Geschenk des Lebens". Auch der Begriff Friede erscheint - ausser im Zusammenhang mit dem Begriff Friedhof - unter diesem Aspekt absurd; es erstaunt und überrascht positiv, dass er dennoch gedacht werden kann und manchmal auch angestrebt wird, wenn für alle wieder Energie und genug zum Essen da ist. Wie wenig genannte moralische Verpflichtung geachtet wird, zeigen die hohen Stellenwerte von Materialismus, Egoismus und vom Denken an die Ausschaltung der Konkurrenz.
Seitdem es so etwas wie den Menschen gibt, übt er wegen seiner angeborenen
Aggressionskonstanten, seinen Grundbedürfnissen sowie den inzwischen weit darüber hinaus gehenden Ansprüchen und Begehrlichkeiten Gewalt sowohl gegen die belebte als auch gegen die unbelebte Natur aus. Ein kleiner Teil seines Gewaltgebarens ist in zivilisierten und maßvollen Formen der Fortpflanzung, des Jagens nach, des Sammelns und Erzeugens von Nahrung in der Tier- und Pflanzenwelt, des Suchens und Hervorholens von Rohstoffen aus der Erde, der Schaffung von Bauten, Verbindungswegen, Transport- und Kommunikationsmitteln sowie des Erwerbs von neuem Wissen, technischen Fähigkeiten und Gütern notwendig, um Dasein zu ermöglichen und erträglich zu gestalten. Hierbei wird jedoch vorausgesetzt, dass bei dieser Form der Gewaltanwendung gewährleistet sein muss, dass der Mensch keinem seiner Mitmenschen und Nachkommen weder direkt noch indirekt, weder kurz- noch langfristig schadet. Der ganz große restliche Teil seines Gewaltgebarens, der in mimetischer Rivalität, in seinen Verführ- und Manipulierfähigkeiten, in seinen archaischen Macht-, Gier- und Vorteilnahmeimpulsen, aber auch in seiner Gleichgültigkeit, Trägheit, Selbstzerstörung und seinem Nihilismus gründet und was ihn seit vielen Jahrtausenden in Dauerkonflikt mit seinesgleichen und seiner Natur/Umwelt gebracht hat, ist nicht notwendig und deshalb verwerflich.

Der zornige Aufschrei "Nie wieder!" und der Warnruf "Wehret den Anfängen!" (Ovid) dürfen sich nicht nur auf wenige große Gewalt-Themen wie den Krieg oder die Abwehr roter, brauner, korrupter und wirtschafts-, medien- sowie gefälligkeitsdiktatorischer Systeme beschränken:

- nie wieder darf entsprechendes geschehen, dass der 16-jährige Schüler Thomas M. sich nach Erhalt einer schlechten Note im Schulfach Englisch das Leben nahm (Münchner Merkur Nr. 33/34, Seiten 11/10, 10./11.02.2011);
- nie wieder darf Entsprechendes geschehen, dass der zwanzigjährige Arztsohn und hochbegabte Physikstudent Egmont barfuß und in abgerissener Kleidung am Fließband der Geschirr-Rückgabestation einer Mensa stand und sich mit zurückgereichter Nahrung seiner übersatten Kommilitonen versorgte, um weniger hungern zu müssen;
- nie wieder darf geschehen, dass Entscheidungsträger die Grundlagen ehrlicher und korrekter Wissenschaftlichkeit verraten, indem sie sie wegen partei- und wahltaktischen Kalküls zur Disposition stellen (KTMNJJPFJSFvuzG-Plagiatsaffäre in der BRD im Februar 2011);
- nie wieder darf ein Entscheidungsträger ein völkerrechtlich unzulässiges Ereignis wie folgt öffentlich jubelnd kommentieren: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, ....... zu töten. Das ist es, was jetzt für mich zählt." (02.05.2011). Da schämt man sich. Solche Worte sind hochtoxisch wie EHEC und politisches HUS: sie sind gegen jeden friedenssichernden und de-eskalierenden Gedanken, gegen humanitären Standard; sie lobpreisen einen Vorgang, der unwürdiger war als die Exekution der Todesstrafe: eine Hinrichtung ohne rechtsstaatlichen Prozess. Auch der Geringste hat in einem Rechtsstaat ein Recht auf Menschenwürde (Ferdinand von Schirach). Nur Unrechtssysteme erteilen Aufträge an Todeskommandos; nur Idioten heissen das gut und applaudieren laut. Kein Politiker tat öffentlich lauthals Freude kund, als sich Ende April 1945 der AH und Ende 1976 die Führung der RAF selbst richteten; auch nicht, als am 30.12.2006 der Strick S. Hussein das Genick brach.
- nie wieder darf es eine Entsprechung folgenden Geschehnisses geben, welches darin bestand, dass der Weltbürger, Kosmologe, Nobelpreisträger, Rebell, Friedensaktivist und große Menschenfreund Professor Dr. Albert Einstein am 18.04.1955 in Princeton (New Jersey, USA) die letzten Stunden seines Lebens von seinen Freunden und Bekannten alleinegelassen in einem Krankenhaus verbringen musste und deshalb auch seine letzten Worte für immer verloren sind, weil die wachhabende Krankenschwester die Deutsche Sprache nicht verstand.
- nie wieder darf entsprechendes geschehen wie die willentliche Zerstörung eines Paradieses: der südpazifischen Rongelap - Rongerich - Bikini - Atolle durch den Wasserstoffbombentest "Castle Bravo" (15 MT) am 28.02.1954.
Das "Nie wieder" und "Wehret den Anfängen" bezieht sich freilich auch auf Entsprechungen aller im Epilog genannten anthropogenen verwerflichen gewaltsamen Handlungen. Leider werden diese Grundsätze immer wieder gebrochen; wie z. B. derzeit
- in England, wo das Thema Holocaust mit der angeblichen "Begründung" aus dem Geschichtsunterricht gestrichen wurde, Moslems könnten sich beleidigt fühlen (Freiheit und Recht, Dez. 2010/3+4: 16);
- in den USA, wo immer weniger Highschool-Biologielehrer die Evolutionstheorie Charles Darwins auf akzeptable Weise unterrichten, um Kontroversen mit diversen Weltanschauungen zu vermeiden (
M. B. Berkman & E. Plutzer: Defeating Creationism in the Courtroom, But Not in the Classroom.- Science, 2011; 331 (6016): 404).
Dazu zähle ich auch die von oberster Stelle in der BRD in rüdem Tonfall geäusserte autoritäre "Basta" - "Alternativlos" (Unwort des Jahres 2010) - Position, die dem Steuerzahler Milliardenkosten aufbürdet und einen peinlichen Regress in die restriktiv-diktatorische "Keine-Experimente"-Haltung der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bedeutet.

Es geht im folgenden um Gewaltausübung des Menschen gegen seine Mitmenschen. Einige der Gegebenheiten, strukturellen Eigenschaften, Verhältnisse, Gewichtungen, traditionellen Wertvorstellungen und gedanklichen Treiber in den Komponenten seines Systemkonglomerats verleiten immanent zur Anwendung anthropogener verwerflicher Gewalt:
- Im Finanz- und Wirtschaftskapitalismus sind es Wachstum ad infinitum (Wachstumsfalle) (siehe "Wachstumsbeschleunigungsgesetz"), Leistung, Effizienz, Eigennutz ("Geiz ist geil"), Konkurrenz, Rationalisierung, Akkumulation, Beschleunigung, Mobilitätszwang (bestens beschrieben in Paul Virilios Dromologie), Konsum-, Umsatz- und Gewinnsteigerung, eigene Profitmaximierung ("Gier ist gut"), Wettbewerb sowie Verdrängung und Übernahme. Dieses System präsentierte den Verbrauchern u. a. technisches Gerät ohne Ausschaltknopf. An den Börsen werden im Nanosekundentakt Kursschwankungen zum eigenen Vorteil ausgenutzt (Hochfrequenzhandel). Viel zu oft werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert. Das ist globalisierter Wirtschaftskrieg. Dieses System enthält weder demokratische noch pazifistische noch rechtsstaatliche Elemente (H. Schmidt 2011). Es sollte doch selbstverständlich sein wie ein ungeschriebenes Gesetz, Geld nur so zu erwerben, dass damit für andere kein Schaden entsteht. Schwindender Entscheidungsspielraum wegen steigenden Zeitdrucks erhöht die Fehlerquote und damit die Labilität aller vom Menschen eingerichteten und gesteuerten Systeme (Beschleunigungskrise). Diese Art optimierte Monetarisierung / Kommerzialisierung / Ökonomisierung ist inzwischen wegen angeblicher Sparzwänge auch auf diverse Einrichtungen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen übertragen worden und hat zu vielen Ungerechtigkeiten, Härten und Qualitätsverlusten in Krankenhäusern, Altenheimen, Hospizen sowie Schulen und Universitäten geführt; wie z. B. der wegen Einrichtung des G8 entstandene doppelte Abiturjahrgang 2011, der für Studienanfänger besonders ungünstige Wissenerwerbsbedingungen bedeutet. Entsprechendes geschah nach Teil-/Privatisierung öffentlicher Einrichtungen wie z. B. Post und Bahn. Starke Ärgerfaktoren wie Zunahme des Niedriglohnsektors (Lohndumping, -diebstahl), der Arbeitslosenmassen (sie sorgen für solide und nachhaltige Erpressbarkeit aller Arbeitnehmer auf breiter und langzeit-gesicherter Basis), Ausdünnung des Mittelstandes, starke Ungleichverteilung von Vermögenswerten (2011 verfügte 1% der US-Bevölkerung ca. 38% des Gesamtkapitals dieses Landes), Bankencrashs wegen riskanten Spekulationsverhaltens an den in den 80er Jahren durch R. Reagan und M. Thatcher deregulierten Finanzmärkten - bedrückend das arrogante Verhalten von mit Staatsgeldern gestützten "systemrelevanten" Banken, welche die unanständige und für Normalverdiener absurd, provokant, ungerecht und schädlich erscheinende Praxis der Auszahlung üppigster Boni und Abfindungen an Manager ungerührt fortsetzten - und über die Jahrzehnte aufgelaufene unerträglich hohe Staatsverschuldungen (2,16 Billionen Euro öffentliche Gesamtschulden in der BRD im Jahr 2011 und 52 Billionen Euro Gesamtschulden 2012 europaweit) - wirtschaftlich destabilisierende Faktoren - sind Mitursachen für Angst, Verunsicherung, politische und Radikalisierung, Qualitätsdefizite im familiären Zusammenhalt und im Gefolge für die Erhöhung der Gewaltbereitschaft; leider auch der von Jugendlichen aus vorwiegend sozial schwachen Familien (Kirstin Heisig 2010: Das Ende der Geduld). Zutiefst beschämend die Dauerdiskussionen über den sogenannten Mindestlohn und seine Höhe. Wirtschaftliche Auspressung einer Gemeinschaft erzeugt negative Aggression, die sich in öffentlichen Diskussionen über Gesetzesvorlagen betreffend ein sogenantes Familienwahlrecht und eine Strafsteuer für die Minderheit der Kinderlosen abreagiert, wodurch diese verletzt und diskriminiert wird (BR 2: 15.02.2012, 12-13 Uhr)
. Wirtschaftlicher Erfolg genießt oberste Priorität: die Umwelt sowie die Gesundheit des Bürgers sind ihm nachgeordnet: Schadstoff-Immissionen und Lärm vielbenutzter Flug-, Autobahn- und Schnellstraßen-Trassen müssen Tag und Nacht erduldet werden. Am 23.01.2012 fanden im Luftraum über der BRD in Summe ca. 6500 Flugbewegungen statt (DER SPIEGEL 5: 106-111 vom 30.01.2012). Vermehrt am ökonomischen Erfolg, an der Fertilität und am Verbrauch ausgerichtete Kriterien und Aspekte bei der Bewertung von Mitmenschen ("wieviel verdienst Du?", "wieviel Kinder hast Du?, gehen die auch aufs Gymnasium und schreiben lauter Einser?"; "was fährst Du für ein Auto?", wohin fliegst Du in den Urlaub?") verstärkte die Spirale der Abwertung sozial (vermeintlich) Schwächerer und erzeugten selbstgerechte menschenfeindliche Pseudoeliten sowie eine apathische, orientierungslose Unterschicht (W. Heitmeyer in DER SPIEGEL 50: 71-72 vom 12.12.2011). Sparzwänge und Stellenstreichungen führten zudem sparten- und ressortübergreifend zu unerträglichen Kameraden- und Kollegenschweinereien auf dem Arbeitsmarkt und in den Arbeitsteams (Ausschalten der Konkurrenz, Mobbing, Verdrängen, Aufsteigen, Geld- und Kindermachen um jeden Preis; jeder ist ausschließlich sich selbst der nächste). Steuerparadiese, fehlende Transaktionssteuern und das Bankgeheimnis ermöglichen Managern, Firmenbossen, reichen Erben, Ölscheichs, Despoten etc. pp. risikolos verlustfreies Bunkern von Schwarzgeld und unfairen Handelsgewinnen und festigt so ihre Positionen (das ist finanztechnische Stabilisierung von Gewalt). Der Treiber "non olet" - moralbefreiter Handel - verführt zu Waffengeschäften und zu intensiven und lukrativen Wirtschaftsbeziehungen zu diktatorischen Staaten und zur Festigung ihrer Unterdrückungssysteme; "non olet" führte auch am 21.07.2011 zur Versteigerung von Dr. med. Josef Mengeles Tagebüchern (ca. 3400 Seiten in 31 Bänden, die angeblich auch Gedichte und "philosophische" Betrachtungen enthalten) für 245000 Dollar in einem Auktionshaus in Stamford bei New York: eine nie dagewesene Obszönität und ein weiterer großer Schritt in Richtung eines ökonomisch-merkantilistischen Totalitarismus, in dem alles käuflich und straffrei schändbar sein wird. Peinlich die Einlassung von Politikern der frühen Grünen-Fraktion mit Oberst M. Gadhafi im Jahr 1982, als schon bekannt war, dass dieser ins Ausland geflüchtete Oppositionelle ermorden ließ (DIE ZEIT 46: 51 vom 10.11.2011). Es ist moralischer Wahnsinn, enge Wirtschaftsbeziehungen zum Reich der Mitte zu pflegen, in dem jährlich (2011) ca. 4000 Köpfe rollen (siehe auch: Yiwu, Liao 2011: Für ein Lied und hundert Lieder. Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. S. Fischer, Frankfurt a. M.). Es ist der Tod von Moral und Humanität, wenn Handel, Konjunktur, Wirtschaft und Geld Prioritäten gesetzt werden vor den Menschenrechten und der -würde (DER SPIEGEL 46: 138-141 vom 14.11.2011). Und wenn dem tatsächlich so ist, dann bedeutet dies wirtschaftstechnische, transnationale Stabilisierung eines diktatorischen Systems. Die logische Folge davon ist, dass ein in diese Richtung stabilisierend wirkender Staat sich nicht demokratisch-rechtsstaatlich nennen darf, solange er derart agiert.
- In der Werbe- und Konsumwelt wird zwecks Marketing mit allen erdenklichen, auch unfairen, weil das Unbewusste ansprechenden, raffinierten psychologischen Tricks und massiver Manipulation versucht, bei möglichst vielen Menschen gute Laune und Kauflust zu erzeugen und diese zu steigern; mit dem peinlich-trivialen Ziel, dass Repräsentanten diverser Zielgruppen möglichst viele und teure Objekte oder Dienstleistungen ordern, egal, ob sie von Nutzen sind oder überflüssig oder nur Luxus. Der Erfüllungszwang solcher in Serie in die Gehirne gepflanzten, fremd-stimulierten Pseudo-Bedürfnisse (erzeugt durch kaufimpuls-gebende unbewusste Gedanken oder Assoziationen an Kompensation, Abgrenzung, Status, Geltung, Selbstaufwertung, aber auch Dazugehörigkeit, Dabeisein, Konformität, etc. pp.) führt nicht selten zu Verschuldung. Die Exposition gegenüber den wild und frei agierenden Mächten der Werbung führt zur beschämenden Degradation vieler freier Menschen zu fremdgesteuerten Konsumenten bzw. manipulierten Verbrauchern. Das entspricht einer Entwürdigung, da der freie Wille auf diese Art gewaltsam eingeschränkt wird. Das ist Gewalt in Form mißbrauchter Psychologie.
- In der Film-, Werbe- und Modewelt werden wegen lockender lukrativer Geschäftsmöglichkeiten mit der Vermarktung eines Schönheitsideals elfengleiche, junge und noch hoffnungsvolle Menschen mit utopischen Versprechungen (Traumkarriere, Ruhm, Freiheit, Wohlstand, Geld) angelockt, rekrutiert, brutaler Selektion/Musterung (Casting) nach fragwürdigen Kriterien unterworfen und manipuliert ("Du solltest noch ein wenig abnehmen, dann können wir weiterreden, my darling; Du musst nach New York zum photoshooting, sweetheart"). Oft helfen törichte Eltern dabei mit. Wegen der zu erreichenden itsy-bitsy-Mannequin-Idealmaße von Übermorgen werden monate-, oft jahrelange selbstquälerische, gesundheitlich riskante Abmagerungskuren, gepaart mit anstrengenden Trimmaktionen ausgeführt, die nicht selten zu körperlichem Ruin, schweren seelischen Erkrankungen (Anorexia nervosa) und mitunter auch zum Tod durch Verhungern führen. Die selektierten, auf kindlich oder sinnlich gestylten oder sexy gepuschten Models werden dann in der Werbe-, Film- und Modebranche so lange benutzt, bis sie verbraucht sind, rausgeworfen und ersetzt werden. Das Model-Business und die "Schönheitsindustrie" (Trendsetter, Model-scouts (Späher), Vermittler (Menschenhändler) bei Model-Imperien, Medien, Werbeagenturen, Modelschulen, Modefirmen, Haarstudios, Fotografen, Dekorateure, Schönheitssalons) machen gut Kasse. Die jungen Menschen, von denen einige auf diese Art ihr Studium finanzieren wollen, bekommen am wenigsten. Das ist nichts anderes als moderne Sklaverei, Mißbrauch Abhängiger, Ausnutzung und verwerfliche "Utilitarisierung von Humanressourcen". Siehe auch GEO 12: 92-106, 2011. Die provozierenden, durch den Blätterwald der Welt gejagten Hochglanzbilder von Stars, Cover- und Glamourgirls sowie Supermodels samt ihren frisierten Stories kränken und frustrieren einerseits Millionen Leser und schaffen andererseits vollkommen falsche und schädliche Vorbilder bei vielen Jugendlichen. Löblich die leider nur wenigen Zeitschriften-Redaktionen, die sich seit kurzem weigern, Fotostrecken blasser, magersüchtiger Models auf ihre Seiten zu setzen: Bilder von Körpern, an denen zu erkennen ist, wie sich ihre Skelette von innen immer weiter nach aussen herausarbeiten und aus deren Augen Hunger nach Essen und Sehnsucht nach ehrlicher Anerkennung schreien.
- Im Bildungswesen sind es die unmittelbar geltenden Leistungs-, Bewertungs- und Selektionsgrundsätze, die gesellschaftliche Teilspaltungen und Polarisierungen erzeugen: diese Treiber führen zur Ausgrenzung Behinderter (daran wird auch der Inklusionsgedanke wenig ändern), zur Gründung von Eliteeinrichtungen im Rahmen sogenannter "Hochbegabten- und Exzellenzinitiativen" und zur sogenannten "Restmüllschule" (ehemals Hauptschule); sie erzeugen Scheinüberflieger (beängstigend flexible Auswendiglerner mit Gummirückgrat und Papageienwissen: "Schtrebabazn"), aber auch wegen überzogener Strenge, mangelhaftem bis ungenügendem pädagogischem Geschick, zu viel "Stoff" in viel zu kurzer Zeit (G8; Durchpeitschen der Lerninhalte ohne Rücksicht darauf, ob das alles verstanden wurde. Pausenlos abzuschreibende, vollgekritzelte Tafeln bzw. Projektionsflächen. Wundgeschriebene Finger; vollgeschmierte Schulhefte; keine Zeit mehr für sich selbst oder zum Spielen; Megafrust, Verständnislosigkeit, Langeweile; millionenfaches Blicken auf die Klasszimmeruhr. Gewalt, Einschüchterung und Unterdrückung vernünftigen Lernens und Wissenserwerbs durch rücksichtsloses Tempomachen, um den Lehrplan durchzuboxen und dem Rektor bzw. Lehrgangsleiter zu gefallen; egal, wie es den Erziehungsbeauftragten dabei ergeht), zu hohen Anforderungen und verzweifelte und frustrierte, in die Depression getriebene Scheinversager. Solide und nachhaltige Wissensvermittlung kann doch nur in einem positiven, erfreulichen Lernklima stattfinden. Lange Zeit durfte im Schulunterricht der Füller ausnahmslos nur mit der rechten Hand geführt werden. Und es gibt sie immer noch und sie entstehen immer wieder neu: 1) Schulen - z. T. konfessionsgebunden - mit nach Geschlechterzugehörigkeit sortierten Jugendlichen (Murnauer Tagblatt Nr. 215; 17.-18.09.2011; Seite 7; DER SPIEGEL 38: 66 vom 19.09.2011); 2) die in der Pauschalbewertung gipfelnde oberlehrerhafte Arroganz: kluger Lehrer gegen dummen Schüler.
- Im universitären Lehr- und Forschungswesen ist es der Trend hin zu computergestützten Modellrechnungen mittels mathematischer Programme. Eingegebene Daten und Faktoren können unterschätzte oder ignorierte Risiken bedeuten und zu Bewertungen, Rahmenbedingungen und Prognosen führen und Planungsrichtungen empfehlen, die sich im Nachhinein als problematisch, schädlich, gefährlich oder besonders kostspielig herausstellen. Der Treiber "publish or perish" führte zur vernichtend dummen Aussage, dass "die Publikation wichtiger ist als die Wahrheit" (DER SPIEGEL 27: 128-129, 04.07.2011). Der Zwang zum erfolgreichen Fundraising verführte oft schon zu geschönten Darstellungen geplanter Projekte und zu frisierten Präsentationen vorläufiger Ergebnisse, damit zu Fehlleitungen vom Mitteln, die das Erreichen tatsächlich wichtiger Ziele verzögern oder verhindern. Neid, Mißachtung, Egoismus, Arroganz, Geltungssucht und Niedertracht - die Ingredienzien törichter Ränkespiele - , Dumm-, Faul-, Träg- und Befangenheit sowie Gleichgültigkeit bei akademischem Personal verhindern oft die Förderung, Integration und Empfehlung begabter Studenten, Doktoranden und sonstiger Wissenschaftler (braindumping, Unterdrückung, Gleichmachen). Zitierkartelle bremsen den wissenschaftlichen Fortschritt und vermüllen diverse Fachzeitschriften mit wertloser und/oder falscher und/oder tendenziöser Information. Viele der von der Gemeinschaft finanzierten Wissenschaftler - selbsternannte, stolz und eitel einherschreitende und herabschauende Herrenmenschen - verbergen sich nicht selten kryptisch-elitär-arrogant hinter ihrer oft absichtlich komplizierter als notwendig gehaltenen Fachsprache (termini technici); dieses Gebaren frustriert, erniedrigt und demütigt eine große Zahl wissbegieriger "Normalsterblicher": Veräppelung ihres Anrechts auf verständliche Information. Defizite in der Vermittlung moralischer Werte und ökologischer Zusammenhänge an vielen Universitäten sind Ursache, dass diplomierte Fachidioten ihr Wissen in der Wirtschaft bedenkenlos und bedingungslos anwenden. So z. B. Rohstoffgeologen, die ihrer Explorationstätigkeit immerfort willig, sorgfältig und allzeit bereit nachkommen, egal wofür die neu entdeckten Bodenschätze verwendet werden. So ist es derzeit möglich geworden, kurz mal übers Wochenende über den Nordatlantik zum shopping und Amusement nach New York zu jetten. Na also! Non olet!
- Im Medizin-, Pharmazie- und Gesundheitswesen führen der Abzahlungsdruck teurer medizinischer Geräte und triviale Verlockungen preislich höher veranschlagter Therapien zu gefälschten Indikationen sowie zu überflüssigen, schädlichen und teuren Behandlungen zum gesundheitlichen und finanziellen Nachteil für Patienten und Krankenkassenmitglieder (DER SPIEGEL 33: 116-126; 2011); der solidarische und gutgemeinte Grundsatz des finanziellen Einstehens "Aller für Alle" im Krankenkassensystem verleitet nicht wenige Mitglieder zu einer mit riskanten, für alle immer teurer werdenden und mit gefährlichen gesundheitlichen Folgen behaftete Ernährungs- und Lebensweise und implizit zum Sinnlosverbrauch agrarischer Produkte, die anderen fehlen. Die ärztliche Unterversorgung ländlicher Areale (2011-12) und damit implizite Notsituationen ist inakzeptabel und mit dem hippokratischen Eid der Medizinerzunft unvereinbar. Medizinischer Experimentier- und Machbarkeitswahn: betreffend Fertilisationstechnologie ist die menschenverachtende und m. E. sittenwidrige Verdienstoption "Leihmutterschaft" erzeugt worden, die von in wirtschaftliche Not geratenen Frauen als allerletztes Mittel der Wahl ausgeführt wird; zu Gebährmaschinen deklassiert sind sie während Schwangerschaft und Entbindung großer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt. Betreffend medizinisch nicht indizierte Schönheitsoperationen werden in der ästhetischen Chirurgie mögliche Risiken für die manipulierten Kandidatinnen heruntergeredet, überhöhte Preise eingefordert und auch ungeeignetes Implantat-Material verwendet (DIE ZEIT 2: 27-28 vom 05.01.2012).
- Seit Bestehen des Versicherungswesens wird es wegen des zugrunde liegenden Solidarsystems auf moralisch verwerfliche Weise immer wieder ausgenutzt: in betrügerischer Absicht gemeldete Anträge auf Übernahme fingierter Schadenfälle oder hochriskantes, unfallträchtiges Verhalten von PKW-Lenkern im Straßenverkehr bürden dem Kollektiv der Versicherungsnehmer Gewalt in Form stetig steigender Beitragsleistungen auf.
- Im Nachrichten- und Medienwesen sind es qualitätsmindernde Treiber wie Sensationsgier, schnellstmögliche Berichterstattung (Echtzeitübertragung), Exploitation, Quote und Verkaufszahlen, welche die Unkultur medialer Grausamkeit und Gewalt (R. Murdoch-Skandal 2011) (DER SPIEGEL 5: 130-133 vom 30.01.2012) sowie der volksverdummenden scripted reality (erfundene Wirklichkeit) hervorrief.
- Im Justizwesen sind es Vorverurteilung, Beeinflussbarkeit der Rechtssprechenden und Schöffen, personelle Ausdünnung, Erfolgszwang - d. h. Durchbringen möglichst vieler Anklagen - und manchmal haarsträubende fachgutachterliche Inkompetenz, welche zu zahlreichen Fehlleitungen bei den Urteilsfindungen führen (DER SPIEGEL Nr. 22: 56-67, 30.05.2011) und somit vielen Angeklagten Gewalt in Form von Unrechtsprechung antun. Der Treiber "Unzuständigkeit", der sich aus den Komponenten Trägheit, Egoismus, Gleichgültigkeit, Feigheit, Vorurteil, Bequemlichkeit und Fremdenhass (Xenophobie) zusammensetzt, führte in der Europäischen Rechtssprechung betreffend die Abschiebepraxis gegenüber Asylsuchenden zu menschenrechtsverletzenden Härten (z. B. Dublin-2-Verordnung);
- Im Militärwesen sind es das Aufrechthalten und Verteidigen von Fronten (Abgrenzung), Geheimniskrämerei, Wettrüsten, Spionage, Befehlsautomatismus, hierarchische Organisation, Verlust von Individualität durch Uniformierung, Verlust von Menschlichkeit (Verrohung) durch Feindbilder, Zielen, Schießen und Vernichten sowie Verlust der Würde durch allzeitige Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft (Neitzel, S. & Welzer, H. 2011: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Fischer, Frankfurt a. M.). Diese Einrichtung übt durch Hinterlassen militärischer Altlasten auf die Zivilbevölkerung zusätzlich Gewalt aus; u. a. in Form von Kontamination durch Schadstoffe in Böden oder durch Unglücksfälle auf vermintem Terrain;
- Im Forstwesen sind es u. a. traditionell bestehende Vorurteile gegen Freßfeinde (Luchs, Wolf, Problem-Bär, Adler, etc.) und die Verlockung einer reichen und bequemen Trophäenernte, die einen zahlenmäßig viel zu hohen Rot- und Schalenwildbestand in den Wäldern nach sich zieht. Rasches Holzwachstum und vereinfachte Holzernte verleitete zur Anpflanzung von vorwiegend Fichten- oder Tannen-Monokulturen. Wegen des auf diese Art in seiner Vitalität und Biodiversität eingeschränkten und dezimierten Ökosystems Wald erhöht sich das Gefährdungsrisiko für die Bevölkerung durch Wildunfälle auf den Straßen, durch erhöhte Schnee- und Windbruchgefahr und durch Lawinenabgänge im geschwächten Schutzwald am Berg;
- Im Bauwesen gilt ebenfalls Wachstum ad infinitum, obwohl die Bevölkerungszahlen in den Industrienationen rückgängig sind bzw. nur schwach zulegen. Im Jahr 2011 wurden in Bayern täglich im Durchschnitt 18 Hektar Fläche durch Straßen-, Funktions- und Häuserbau versiegelt; Baufirmen werden bei Ausführung dieser Aufträge in der Regel steinreich. Die sich ständig erhöhenden, laufenden Instandhaltungskosten der von den Firmen erstellten Objekte werden einer nicht in adäquatem Maße steigenden Zahl von Steuerzahlern bzw. Verbrauchern aufgelastet. M. E. wird viel mehr und zu aufwendig gebaut als wirklich notwendig; siehe Stuttgart21. Bei gleichzeitiger Zurückdrängung von naturbelassenem Areal (Flächenverbrauch, -versiegelung) steigen der Energie- und Rohstoffverbrauch sowie die Umwelt- und Naturbelastungen (schädliche Immissionen, Lärm). Hingegen kommen die Renovierung und Dämmung von Altbauten sowie die Installation von Anlagen zur Nutzung grüner Energien (Fotovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen, etc.) mit dem Ziel, das Nullenergiehaus zu etablieren und der Energiewende - weg von der klimaschädlichen Nutzung fossiler Energierohstoffe - näher zu kommen, viel zu langsam voran. Das ist Gewalt gegen zukünftige Generationen, weil auf deren Kosten und Lebensqualität ein bequemerer Weg bis an sein abscheuliches Ende gegangen wird.
- Die Agrarindustrie ruiniert mit ihrer Massen- und Billigproduktion von Fleisch- und Milchwaren sowie Tierfutter die wirtschaftliche Existenz traditioneller Bauernhöfe; des öfteren beschert sie dem Verbraucher unhygienische, qualitativ schlechte oder biochemisch belastete Produkte (Gammelfleisch-, Dioxin-, Hormonmast-Skandale, etc.). Großzügiger Antibiotika-Einsatz in der Tiermast führte beim Verbraucher zur Verbreitung gefährlicher resistenter Keime (DER SPIEGEL 4: 130-133 vom 23.01.2012). Entgegen geltenden Tierschutzgesetzen werden überzüchtete Nutztiere z. T. immer noch unter katastrophalen Bedingungen gehalten und geschlachtet. Ihr geschwächtes Immunsystem führt zu Seuchen-Epidemien, die gelegentlich auch auf den Menschen übergreifen (EHEC, Vogelgrippe, Rinderwahn etc.). Zweckentfremdung landwirtschaftlicher Flächen und land-grabbing (Roman Hesse, FIAN Köln) zwecks subventionierter Produktion von Agrar-Treibstoffen führt zu künstlicher Verknappung von Nahrungsgrundstoffen. Massen-Tierhaltung, Übernutzung und Überdüngung degradiert die Bodenqualität, erzeugt zuviel Treibhausgase wie Kohlendioxid, Lachgas und Methan, beeinträchtigt das Grundwasser und die Lebensqualität von Anrainern durch Immissionen (organische Schadstoffe) und Geruchsbelästigung im Umfeld dieser Einrichtungen DER SPIEGEL 3: 46-47 vom 16.01.2012).
- Montan- und Steine-Erden-Industrie (Bergbau) hinterlassen dort, wo Umweltrechte fehlen oder nicht umgesetzt werden, vielerorts technogene Wüsten in einer degradierten Umwelt. Schadstoffe aus undicht gewordenen industriellen Absetzanlagen beeinträchtigen die Qualität von Grundwasser, Boden und Atmosphäre, was zur Schwächung des Gesundheitszustandes bei den Anrainern sowie zur Degradation der Tier- und Pflanzenwelt führt. Importiertes Bergbaugerät samt Billiglöhnern erledigen den Abbau. Alle finanziellen Gewinne aus dem Verkauf der Rohstoffe gehen an den Anrainern vorbei. Ihnen bleiben nur Verluste und Schäden: die zerstörte Landschaft, die Altlasten samt umwelt- und gesundheitlichen Risiken, auf Ramschniveau herabgestufte Immobilienpreise und eine endgültig zerstörte Heimat. Beispiele: die Goldbergbau-Folgeschäden durch große Mengen aufsteigender, saurer und toxischer Grubenwässer im südafrikanischen Witwatersrand, die das Grundwasser und natürliche Wasserquellen mit Säure und Schwermetallionen kontaminieren; ganz ähnliches geschieht in Australien (DIE ZEIT 2: 21 vom 05.01.2012) und in der Mongolei, wo man auf der Suche nach den begehrten Seltenen Erden ist.
- Im fast vollständig durchkommerzialisierten Leistungssportwesen ist es das gnadenlose und brutale Besser - Höher - Weiter - Schneller - Stärker - Leichter - Wendiger - Ausdauernder - Riskanter um jeden Preis, was Doping für Viele - inzwischen leider auch im Breitensport - unwiderstehlich macht und des öfteren zu Impotenz, Frühinvalidität (BR 2 am 09.01.2012 von 16-17 Uhr) oder vorzeitigem Ableben führte. M. E. befinden sich fast alle auf diese Art vereinnahmten Leistungssportler in einer Glaubwürdigkeitskrise: Betreiben sie nun ihren Sport aus Freude an der Bewegung oder wegen winkenden Geldes oder lockender Titel? Und sollte nicht auch mal der gewinnen dürfen, der sich im Wettkampf am meisten angestrengt hat: wie z. B. der hundertjährige Inder Fauja Singh, finisher (8h 25min 16sec) des Toronto-Marathons am 16.10.2011.
- In der Bürokratie......
- Im Tourismus..... BR2 14.01.2012: 13-14 Uhr: Georg Beierle: Wenn kein Schnee mehr vom Himmel fällt....
- Im Patriarchat sind es Unterdrückung der Frau, unerträgliche, sich auf Tradition, Gewohnheits- und Naturrecht berufende Rechthabereien familiärer Despoten ("cholerisch brüllende Hausteufel": rabenschwarze Genies, Olympiasieger und Weltmeister kollossaler geistiger Selbstbeschränktheit), Leugnung des freien Willens und der Vereitelung des Selbständigwerdens von Abkömmlingen (Andreas Altmann 2011) durch jahrelange Umerziehungsversuche, die Erzwingung von Kadavergehorsam, Unterwerfung und der Erbwürdigkeit durch Abkindern. Permanant verweigern sie Anerkennung und Lob, um ihr eigenes schwaches Selbstwertgefühl hochzuhalten. Bei akuten Konfliktsituationen ist fast immer nur die Rede vom "verlorenen Sohn" und so gut wie nie die Rede von "verlorenen Eltern". Unsäglich unfair die sich permanent fortsetzende Unterdrückung der jüngeren, als "verloren" gebrandmarkte Generation durch die ältere, die sie erschaffen hat, die deshalb wie selbstverständlich immer recht hat und dies brutal-autoritär-gewaltsam durchsetzen möchte. Nur in seltenen löblichen Ausnahmefällen wird das Thema "törichte Eltern/Erzieher" angegangen, wie z. B. in "Erinnerungen einer Überflüssigen" (Lena Christ (1905)), "Rebel without a cause (1955)", "A Clockwork Orange (1971)", H. Gerstenmeyer (2004): "Jim Morrison & the Doors - Die kompletten Songtexte", Schirmer / Mosel, München; Küchmeister, K. et al. (2011): Franziska Gräfin zu Reventlow 1871-1918, Wallstein Verlag). Dabei sind es nur unausgesprochene Allgemeinplätze bzw. offene Geheimnisse, dass Eltern auch nur Menschen und damit fehlbar sind und Erziehung wohl eines der schwierigsten und anstrengendsten Langzeitunterfangen ist, auf das ein Mensch sich einlassen kann. Die problematische Hauptkonsequenz aus genannter Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung ist: ein Staat kann langfristig nur schwache demokratische Strukturen aufbauen, wenn ein ganz und gar nicht unerheblicher Teil seiner kleinsten Einheiten - die Familien - demokratisch immer noch nicht gefestigt ist.
Zur langzeitlichen Unterdrückung der Frau: Thukydides (460-ca.400 v.Chr.) stellte lapidar fest: "Die besten Frauen sind die, von denen man nichts sieht und nichts hört." Cato Minor äusserte ca. 50 v.Chr.: "Stellte man sie gleich, wären sie überlegen". Thomas von Aquin: " Das Weib ist etwas Mangelhaftes und Mißlungenes". L. Wittgenstein kannte angeblich nur "idiotische Frauen". Einige weitere Philosophen zementierten die Unterdrückung und Mißachtung der Frau mit angeblich "theoretisch-wissenschaftlichen" Begründungen. Siehe auch die Weiberschelten von A. Schopenhauer, F. Nietzsche und O. Weininger. Die Rede vom sogenannten "schwachen Geschlecht" samt seiner kleineren Gehirnmasse sowie das Bagatellisieren und Lächerlich-/Verächtlichmachen des unbezahlten Berufes Hausfrau - "da Dotschn ramt an Dreck weg!" - sind bodenlos unverschämt. Nach wie vor endet in den allermeisten Fällen der berufliche Werdegang von Frauen an einer "gläsernen Decke", was bedeutet, dass etwa die Hälfte der Humanintelligenz betreffend den kulturellen Fortschritt unwirksam, weil unterdrückt bleibt. In Herrenclubs, Männerzirkeln und Pinguinparaden feiert Mann/Boss/Chef/Direckter/Professor/Manager/Abteilungsleiter/Minister/Präsident/Vorsitzender/etc.pp. (und sonstige Fantasietitel) sich selbst (DER SPIEGEL 5: 75 vom 30.01.2012). Symptomatisch hierfür ist freilich die Tatsache, dass bis 2011 nur 10 Nobelpreise an Frauen vergeben wurden. Gewalt manifestiert sich auch im Unglück verkuppelter, um ihre Entscheidungsfreiheit gebrachte Abkömmlinge: die in vielen Fällen Ungewollten sind auf diese unanständige Art in die Wüste geschickt und entsorgt wurden. Als unsäglich demütigende, seelisch-sexuelle Gewalt gegen Frauen interpretiere ich die im Jahre 2000 möglich gewordene Option "Leihmutterschaft": Bezahlte Benutzung des Körpers einer Frau als Gefäß, als schnellen Brüter; siehe dazu auch GEO 12: 138-160; 2011. Noch unsäglicher der von UNO und WHO als menschenrechtsverletzend bewertete "Initiationsritus" in einigen Staaten Afrikas (z. B. im patriarchalischen Sierra Leone) betreffend Mädchen: ihre fgm: female genitale mutilation, exekutiert an einem geweihten, heiligen Ort. Dieser Gewaltakt wird von den in geheimen Frauenbünden organisierten Verstümmlerinnen als Maßnahme zur Vervollkommnung der Frau gesehen (BR 2 am 02.01.2012: 11-12 Uhr).
- In den Weltanschauungen sind es u. a. Intoleranz, Körper-, Bildungs-, Fortschritts- und Frauenfeindlichkeit. Zu letzterem: Zitat Apostel Paulus "Der Mann ist das Haupt der Frau". Treffend dazu eine Äußerung von anderer Seite: "Gott hat das Weib im Zorn erschaffen!" In der Epiphanie (Altgr.: plötzliches Sichtbarwerden einer Gottheit: hier die Erscheinung Gottes in der Welt in Christus) wird freilich nur vom Männlichen und seiner rießigen Mächtigkeit geschwärmt: "....ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seinen Schultern; man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß.... etc. pp.".
- Im amerikanischen Rechtswesen führte der primitiv-archaische Treiber Rache/Vergeltung zur Einrichtung der Einpersonen-Gaskammer und dem willkürlichen Hinauszögern des Vollzugs der Todesstrafe über mehrere Jahrzehnte: beides kann als ins Optimum entwickelte Grausamkeit interpretiert werden. Freilich dürfen die Angehörigen von Opfern der Exekution beiwohnen und nach Vollzug jubelnd Beifall spenden.
- Eine weitere Form alltäglicher Gewalt entsteht durch Korrumpierung (G. Orwell (1945): Animal Farm: "Alle sind gleich, aber einige sind eben gleicher"): in anfänglich demokratisch geführten, politischen, sozialen oder wissenschaftlichen Einrichtungen macht sich ein Personalgeflecht breit, das aus Gründen der Vorteilnahme Programme und Arbeitsziele willentlich sabotiert (Beispiele: Robert Jungk: Der Atomstaat; DER SPIEGEL Nr. 21: 114-120 vom 23.05.2011, Nr. 52: 24-26 vom 23.12.2011) und einer flächendeckend manipulierten, dadurch entwürdigten und entmündigten "Konsensgesellschaft" Nachteile, Engpässe sowie unzumutbare Verzögerungen, Teuerungen und Risiken aufdrängt (So ist es ist ganz in Ordnung, dass die Transrapidstrecke zwischen München Hbf und MUC nicht entstanden ist). Da ist dann ein System entstanden, in dem "der Dreck oben schwimmt", in dem Nieten und Ignoranten den Professorentitel tragen und von denen einer sich erdreistete, coram publico zwei Mercedes-Geländewagen für Ägypten-Exkursionen auf Staatskosten zu ordern und gleichzeitig seine Diplomanden und Doktoranden verhungern zu lassen (Zitat: "Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert"). Anders gesagt: allmähliche Aufweichung und kontinuierliche Degradation eines demokratisch-neutralen Regelsystems samt seiner moralischen Werte bei gleichzeitiger Verharmlosung schwerer Regelverstöße. Folgen solchen Verhaltens konnten 2010-2011 in den Beinahe-Staatsbankrotts von USA, Griechenland, Irland, Portugal und Italien beobachtet werden. Korruption und Filz sind auch dann implizit bewiesen, wenn über Jahrzehnte stets dieselbe politische Partei die Regierung eines in die Pseudodemokratie abgeglittenen Staates stellt. Bestechung bewirkte, dass der Widerstand brasilisanischer Ureinwohner gegen das riesige, ökologisch sehr bedenkliche und wirtschaftlich als prekär eingestufte Xingu-Wasserkraftwerk gebrochen wurde (DIE ZEIT 39: 17-19; 22.09.2011). Viel zu selten und oft zu spät wird korrigierend eingegriffen, indem z. B. auf diese Art unproduktiv gewordene Landesämter und Ämter aufgelöst, untergeordnet, verkleinert oder zusammengelegt werden. Besser wäre: Sofortige Entlassung aller korrupten Bestandteile des Personals, damit diese alleine zu Hause auf eigene Kosten ihre Korruption und Faulheit weiterführen können.
Diktaturen werden so stabilisiert, dass der Despot es dem Teil der besser gestellten Unterdrückten so gut gehen lässt, dass es diesen egal wird, wie es dem Rest der Unterdrückten geht.

Soviel zur strukturellen Gewalt, zu der es freilich noch viel mehr zu sagen gäbe. Zusammengefasst bleiben die Haupttreiber Steigerungs-, Konformitäts- und Selektionszwang ad infinitum sowie Manipulation, Vorteilnahme und Unterdrückung um jeden Preis. Diese Treiber, die Hauptbestandteile verwerflicher anthropogener Gewalt, sind seit Menschengedenken todtraurige, scheinbar konstant präsente Alltagserscheinungen.

Befehlsketten - implizite Strukturen in den obligatorisch hierarchisch strukturierten Organisationen von Gemeinschaften (ein literarisch bestens verarbeitetes Beispiel hierfür ist "Der Process" von Franz Kafka) - und technische Apparate erleichtern, verstärken, fokussieren und beschleunigen wegen ihrer Distanzierungs-, Automatisierungs-, Anonymisierungs-, Robotisierungs-, Potenzierungs- und Entpersonalifizierungseffekte die Anwendung von Macht. Das ist fatal. Beispiel: Computergestützte Fernlenktechnik, die mittels Drohnen (Reaper - Sensenmann) GPS-gesteuerte Bomben metergenau ins Ziel setzen und die Wirkung der Aktion per Video in die Zentrale funken (siehe auch GEO 01: 61-62, 2012).
Eine Vielzahl findiger Individuen hat das im Mißbrauchsfall grauenvoll wirkende Instrument exekutierter / mobilisierter Macht - die Gewalt, welche gleichbedeutend ist mit überzogenem Freiheitsgebaren - inzwischen institutionalisiert und kultiviert. Die Scheu vieler Menschen vor Entscheidungsfindung, Verantwortung, Freiheit und Eigenständigkeit, ihre Schwäche sowie ihre Angst vor den bzw. vermeintliche Hilflosigkeit wegen der bis dato noch nicht geklärten Daseins- und Sinnfragen unseres existentiellen Woher-Warum-Wohin sowie aus diesem Dilemma entstandene Fesselungen an traditionelle Denkmodelle und von weltanschaulichen Organisationen dringend und wärmstens empfohlene schablonierte Lebensentwurf-Modelle sind dafür verzweckt und mißbraucht worden. Das ist unerträglich.

Der Text wendet sich gegen verwerfliche Gewalt jeder Art sowie gegen Grausamkeit, Fundamentalismus und Extremismus und damit verknüpfte individuelle und organisierte Manipulation (letzteres ist bestens beschrieben in A. Elter 2005: Die Kriegsverkäufer - Geschichte der US-Propaganda 1917-2005), Dummheit und Lügerei; es wird dazu aufgerufen, mehr Vernunft, Humanität, Zivilcourage, Emphatie, Verantwortlichkeit, Ausgeglichenheit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Fairness und kritisch-begrenzte Toleranz zu leben. Nur so wird vertrauliches und friedliches Beisammensein wieder erreichbar und dauerhaft. Ich stimme nicht mit den Ansichten des Philosophen John Gray und des Medientheoretikers Norbert Bolz überein, dass Humanität nur ein Aberglaube sei (DER SPIEGEL Nr. 9: 136-140; 2010) und "Geld funktionaler Ersatz für unmöglich gewordene Ideen des Humanismus" geworden sein soll. Da es Einrichtungen für Wissenschafts- und Technikfolgeforschung gibt, denke ich nicht, dass die Philosophie tot ist, weil sie angeblich mit den neuesten Erkenntnissen in den Wissenschaften nicht mitgehalten hat (S. Hawking & Mlodinow 2010: 11: Der große Entwurf). Freilich diskutieren Philosophen wie B. Kanitscheider und seine Kollegen z. B. in "Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie" und "Philosophia naturalis" die Folgen dieser Erkenntnisse für den Menschen.

Tradierte, implementierte Gewalt: Impliziter Zwang und immanente Gewalt im System einer Weltanschauung:
Das Römische Kreuz ist ein kaschiertes, vor vielen Jahrhunderten institutionalisiertes Gewaltsymbol. In einer längeren Textpassage wird ausgeführt, dass dieses Folterinstrument - Emblem einer rezidiv der Dekadenz verfallenen weltanschaulichen Organisation - kein Zeichen für Hoffnung, Trost, Heil und Todesüberwindung sein kann, sondern in Wirklichkeit nur größte Angst, Unterdrückung, Gewalt und Grausamkeit bedeutet. Es wird dargelegt, welche Folgen es hat, wenn der Großteil der Gesellschaft über die ursprüngliche Bedeutung, den primären, ganz und gar banalen und bodenständigen Zweck eines zur heiligsten Ikone auserkorenen Folter-Utensils seit langem nicht mehr reflektiert und dieses Nachdenklichkeitsvakuum, diese geistige Oberflächlichkeit, gedankenlos weitertradiert.

Stellvertretend für sehr viele Erziehungsbefohlene - ehemalige, derzeitige und zukünftige - mache ich mittels Schilderung traumatischer Erlebnisse deutlich, welch schädliche Wirkung die programmatische Multiplikation und Verbreitung pädagogischer Inhalte hat, die aus Erzählungen über gewaltsame und grausame Handlungen bestehen und die keine vernünftige und logisch nachvollziehbare Vermittlungsnotwendigkeit erkennen lassen; vorgetragen von authorisierten Vertretern von Bildungsinstitutionen und von einer weltanschaulichen Organisation.

Die entsetzliche, singulär beschämend lange Liste anthropogener Gewalteruptionen mit Todesfolge - die ich nach meinen in ca. dreißig Jahren gemachten Erfahrungen und erhaltenen Eindrücke in deutschen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen hier allesamt als Kreuzigungen im übertragenen Sinne interpretiere - ist selbstverständliches und grundsolides Argument gegen die Existenz einer übergeordneten Institution, die angeblich das Weltgeschehen gütlich und weise steuert; und implizit gegen die nur für den eigenen Vorteil erfundenen und Milliarden anderen gewaltsam aufgedrängten Macht-, Geltungs- und Herrschaftsansprüche ihrer selbstinthronisierten irdischen Vertreter, die seit gut 17 Jahrhunderten "Das Böse" nicht erklären und erst recht nicht aus der Welt schaffen können und wollen, sondern nur davon reden. Die Faktoren Gewalt, Zwang und Leid können nicht Teile eines großartigen Schöpfungsplans einer vernünftigen und gutmeinenden überirdischen Institution gewesen sein. Der im September 2011 vom Oberinterpreten des angeblich Allmächtigen geäussete Punkt, Gott lasse dem Menschen die Entscheidungsfreiheit, Böses zu tun, ist reine Spekulation und Ausflucht. Das gebetsmühlenartig vorgebrachte Pseudoargument der "Unerklärbarkeit des Willen Gottes" ist nichts anderes ist als ein verharmlosender Ausdruck für supreme Despotenwillkür und zudem ein ungültiger, weil nur trivialer und billiger Allgemeinplatz. Es ist seiner vollkommenen Unverständlichkeit und monströsen Irrationalität wegen zutiefst erschütternd und unfassbar, dass sich so viele Menschen über so lange Zeit mit so etwas Geringem wie nur primitiv-simpler Willkür - das ist nichts anderes als beliebiges Gewähren von Gnade oder Ausführen von Terror - haben abspeisen lassen, weil sie glaubten, in der Unterwerfung einen vermeintlichen Vorteil, nämlich ihr Seelenheil im Jenseits, zu finden. Willkür bedeutet zudem vollständiges Ignorieren der Bedürfnisse, Äusserungen und Reaktionen von Mitmenschen; infolgedessen wird mit ihnen wie mit Sachen verfahren. Willkür bedeutet somit Versachlichung von Menschen bzw. Untergebenen. Das ist vollendete Unmenschlichkeit.

Freilich lasse ich jeder Person ihre Weltanschauung, solange sie diese maßvoll und nicht extremistisch lebt: mit ihr nicht aggressiv wirbt, sie anderen nicht aufzwingen möchte, sie nicht als "Argument" für das Ausgrenzen oder gar Morden "Ungläubiger" missbraucht sowie andere und sich selbst damit nicht unterdrückt, ausbeutet und aus der Wirklichkeit drängt.

Für die Folgen aller seiner Entscheidungen und Handlungen sowie die sich sowohl unmittelbar als auch langfristig daraus ergebende Qualität und Beständigkeit des Daseins, Zusammenlebens und Koexistierens zeichnet einzig der Mensch verantwortlich; wer denn sonst; niemand anders steuert als nur der Mensch; und nur er ist für alles verantwortlich. Alleine auf sich selbst geworfen wird er sein Dasein nur dann dauerhaft friedlich gestalten können, wenn er selbst, wie Friedrich Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" feststellte, die negativen, weil verwerflichen Seiten seiner Aggressivität und Irrationalität überwunden, endgültig abgelegt und dritter Klasse begraben hat. Nach C. De Duve (Die Ursünde 2010) ist sein an der natürlichen Selektion - eine kurzsichtige Handlungsweise, weil sie meistens sofortigen Nutzen statt langfristigen, nachhaltigen Vorteil anstrebt - orientiertes Handeln dabei das größte Problem. Die am dauerhaften Vorteil und Nutzen für alle ausgerichteten Handlungsweisen kann der Mensch nur durch mühsames Erlernen in den Griff bekommen, weil in seiner Genetik dazu kein Programm angelegt ist. Wenn seine Art überleben will, wird sie in diesen sauren Apfel beissen müssen, indem sie es lernt.

Das nun folgende ist sorgfältig recherchiert und wohl begründet. Der Text enthält mehrere drastische Passagen. Wer die seelisch nicht verkraftet, möge bitte diese Absätze überspringen oder die URL wechseln; niemand muß das lesen: im Gegensatz zu eigenen traumatischen Erfahrungen will ich niemanden zwingen, solche Inhalte aufzunehmen, die sensiblen Menschen möglicherweise den Rest ihres Lebens Probleme bei der mentalen Bewältigung bereiten. Zudem empfehle ich nur denen im Text fortzufahren, die eine vernünftige Position zur Meinungsfreiheit vertreten.

Ausführung

Kreuzigung ist exzessiver Terror, unvorstellbar grausame Folter, Sadismus und Perversion pur. Wie unendlich traurig, dass der Mensch auch das als entehrende Tötungsart für Vertreter des männlichen Geschlechts erfunden hat (Brockhaus 2000 Band 3, Seite 2554, 9. Auflage) und über viele Jahrhunderte praktizierte. Jeder zum Tod am Römischen Kreuz verurteilte wird erst in extremis und dann ad exitum getrieben: Kreuzigung bedeutet, eine Person coram publico langsam sterben zu lassen, indem sie - nackt fixiert an Hand- und Fußgelenken - an einem aufgerichteten Holzbalkenkreuz bis zum Eintritt des Todes hängen gelassen wird (Maslen, M. W. & Mitchell, P. D. (2006): Medical theories on the cause of death in crucifixion.- Journal of the Royal Society of Medicine 99: 185-188, London, UK). "Sedile" und "Suppedaneum" verlängern - v. a. bei körperlich gesunden und kräftigen Männern - den Todeskampf auf viele Stunden oder gar Tage. Das Sterben in genannter Stressposition am Römischen Kreuz kann auch durch aufgezwungene Selbststrangulation geschehen, weil das an den fixierten Armen zerrende Körpergewicht die freien Atmungsbewegungen des Thorax auf Dauer zu sehr einschränkt. Daraus resultiert eine der Varianten des Erstickenlassens, die besonders lange dauert; in diesem Fall wirkt das Römische Kreuz wie ein Zeitlupengalgen. Demgegenüber erscheint das ca. 20-minütige Verenden / Krepieren in einer Hitlerdeutschen oder Amerikanischen Gaskammer als Gnade.
Die Tötungsmethode Kreuzigung wurde auch bei Massenhinrichtungen angewandt: z. B. an den vom Prätor Marcus Licinius Crassus gefangen genommenen 6000 Sklaven und verarmten landlosen Freien, die nach verlorener Schlacht - das war die sogenannte Spartakus-Revolte (73 v.Chr.) gegen unmenschliche Lebensverhältnisse wie Unterdrückung und Knechtschaft - 71 v.Chr. längs der Via Appia zwischen Capua und Rom kollektiv gekreuzigt wurden. In der westlichen Welt war die Kreuzigung bis ins Jahr 313 n.Chr. im Katalog gerichtlicher Strafen angeführt.

Extremistisch/Extrem (aus dem Lateinischen abgeleitet) bedeutet "das Äusserste", "das Entfernteste", "das Ärgste". Verwerfliche menschliche Gewalt jeder Art und besonders die mit absichtlicher Grausamkeit verknüpfte ist zweifellos grenzüberschreitend, weil sie sich ausserhalb des Geltungs- und Wirkungsbereiches des humanitären Codex bzw. des Common Sense (John Locke) befindet. So interpretiere ich wegen ihrer suprem grausamen Wirkung die Kreuzigung als extrahumanitäre und somit extremistische Handlungsweise, die von inhumanen Individuen angeordnet und/oder ausgeführt wurde und wird. Die erste schriftlich belegte Kreuzigung fand in Jahr .... v.Chr. statt. Kreuzigungen sind nach Angaben des Journalisten und Schriftstellers Arkadi Babtschenko in den Tschetschenienkriegen (1994-1996, 1999-2000) exekutiert worden.

Das Römische Kreuz ist Wahrzeichen einer international präsenten weltanschaulichen Organisation, welche in törichter Weise wie alle anderen weltanschaulichen Organisationen die höchste und letzte Wahrheit ausschließlich für sich selbst beansprucht, diese und freilich - wie regelmäßig in Weihnachtsansprachen beteuert - auch den Frieden verbreiten möchte und vorgibt, für bestes moralisches Gut einzustehen und entsprechende Tugenden vorbildlich, makellos und lupenrein zu leben. Auch wenn ich einige kulturelle Einrichtungen genannter weltanschaulicher Organisation in Ordnung nenne sowie einigen von ihr finanzierten Kunstschöpfungen Respekt entgegenbringe, so erscheinen mir ihre bedenklich vielen und erstaunlich umfangreichen Schlagschattenseiten wie z. B.
- rezidiv angehäufte und egoistisch-geizig einbehaltene Güter wie exorbitante Mengen an Immobilien und Geld (DER SPIEGEL Nr. 24, 14.06.2010: 66-69; schamlos der Spenden-EC-Geldautomat in einer Bürgersaalkirche in einer Landeshauptstadt), Wissen und Information, gefährliche, weil permanent Unfrieden stiftende Intoleranz in Form des totalitären Anspruchs auf alleinige Deutungshoheit (Der Oberhirte: "Ich bin nur ein kleiner Gärtner, .... Ein Gärtner ist auch dazu da, die Schädlinge zu vernichten und das Unkraut auszusortieren" (DIE ZEIT Nr. 50, Seite 62; 09.12.2010)), Hochmut, Unaufgebbarkeit des Missionsgedankens, ihre großen Bedenken gegen die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1717, Sendungsbewusstsein, undemokratisches Gebaren (der Oberhirte ist Vertreter einer absolutistischen Monarchie), Privilegiertheit (Befreiung von der Grundsteuer in Italien: SZ Nr. 1: 21 vom 02.01.2012), Rechtsbeugung, unangemessene und penetrante Einmischung in moralisch-ethische Fragen, inhumane Positionen zu Scheidungsrecht, Sexualität (nur "fruchtbarer Geschlechtsverkehr" ist erlaubt) und Fortpflanzung (z. B. §218-Streit, "Memminger Hexenjagd" im August/September 1988; der Oberhirte verkündete im Jahr 2010 vor Malteser Bürgern: "Seid stolz darauf, dass Euer Land ein stabiles Familienleben fördert, indem es Scheidung und Abtreibung ablehnt." In: DER SPIEGEL 23: 2011:104, 06.06.2011), Intransparenz, Kungeleien und Kumpaneien mit politischen Parteien und besonders reichen weltlichen Organisationen (DER SPIEGEL Nr. 37: 82-83; 2010), Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller, Unterdrückung der Frauen, Ächtung und Bekämpfung aller anderen Weltanschauungen (z. B. die vom weltanschaulichen Extremisten Terry Jones angekündigte Koranverbrennung am 11. Sept. 2010 und ihre Durchführung am 20.03.2011, was zu Gewaltausbrüchen mit 17 Toten in Afghanistan führte), Unterlaufen der gesetzlich festgelegten Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht (z. B. die im Dezember 2010 öffentlich angedachte und erwogene Möglichkeit einer Ansprache des Oberhirten im Deutschen Bundestag und seine Realisierung am 22.09.2011), Fortschrittsfeindlichkeit, Mißachtung der Naturwissenschaften, Geringschätzung (entsprechend den Nazis) von Intellektualität, Philosophie, Psychologie und Psychiatrie, Heuchelei und Unehrlichkeit (ein hoher Würdenträger verkündete Ostersonntag, den 04.04.2010 kurz vor seinem Sturz in den moralischen Orkus: "Ich habe ein reines Herz") -
sehr problematisch. Es wurde viel zu lange und zu oft schales Wasser sowie schimmlig und steinhart gewordenes Brot gepredigt, aber heimlich eisgekühlter Schampus gesüffelt und leckere Trüffelchen vernascht. Walther von der Vogelweide klagte schon im 12. Jhd. entsprechende Mißstände an. Große Teile dieser weltanschaulichen Organisation sind noch verlogener als der von strenggläubigen Künstlern in pseudofrommen Bildern und Plastiken dargestellte Lendenschurz von Gottes Sohn, als er an der Geißelsäule und am Römischen Kreuz hing. Auf einer Konferenz im Jahr 1139 ist aus materiellen Gründen der Zölibat - angeblich ein besonderes Geschenk Gottes - für Amtsträger allgemeinverbindlich bestätigt worden, um Alimente-Zahlungen abzublocken und noch mehr Erbschaften einzuheimsen. Viele Vertreter dieser weltanschaulichen Einrichtung haben ihren über Jahrhunderte gepriesenen, beteuerten, unentwegt gepredigten und von den Gläubigen streng eingeforderten Tugendkatalog, dem zufolge Unschuld, Reinheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit, Armut (ein urchristliches Ideal, dem die meisten Würdenträger schon seit langem entsagt haben: so residiert z. B. derzeit einer von denen auf Staatskosten im vom kgl. Architekten Franz Cuvilliér gebauten Rokoko-Palais Holnstein in der Landeshauptstadt Bayerns und wird zudem mit einem Einkommen von monatlich ca. 10.000.- Euro zugeschüttet), Zurückhaltung, Selbstlosigkeit, Entsagung, Einhalten der Fastenzeiten (dazu zählte auch die Adventszeit), Treue, körperliche und geistige Disziplinierung und Ertüchtigung, Demut, Frömmigkeit, Bescheidenheit, Duldsamkeit, Genügsamkeit, Selbstbeherrschung, Sparsamkeit, teilhaben lassen, Teilen (Brüderlichkeit), Generosität, Gönnerhaftigkeit, Zuversichtlichkeit, Edelmut, Redlichkeit, Nüchternheit, Schlichtheit, Besonnenheit, Sanftmut, Friedfertigkeit, Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit, Gleichmut, Fleiß, Pflichtbewußtsein, Sorgfalt, Sittsamkeit, Lauterkeit, Gründlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Mildtätigkeit, Selbstlosigkeit, Opfersinn, Mitleid, Mitgefühl, Einfühlung, Nächsten-, Feindes- und Wahrheitsliebe, Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhhaftigkeit (T. von Aquin: "Veritas est adaequatio rei et intellectus"), Rechtschaffenheit, etc. pp. zu leben sind, schändlich oft übergangen und verraten. Viele dieser unbequemen Wahrheiten sind von einer sehr mutigen Person am 31.10.1517 veröffentlicht worden; eine Handlung, die diese fast mit ihrem Leben bezahlt hätte. Die Säkularisation vom 25.02.1803 beendete zum wiederholten mal die moralisch verwerfliche, weil nur profane Geld- und Güteranhäufung (ein Verhalten, das sich im Sprachgebrauch des normalen Volkes niederschlug: z. B. Silbersonntag; Fettmönch = Münze (H.J.C von Grimmelshausen: der abenteuerliche Simplicissimus, Seite 369)), Machtkonzentration und Monopolstellung dieser weltanschaulichen Einrichtung. Nach dem 08.05.1945 wurde bekannt, dass diese nach Intervention von Bayernkönig Ludwig I. inzwischen wieder erstarkte weltanschauliche Organisation sich in der NS-Zeit nur für die Rettung ihrer im KZ Dachau internierten Geistlichen einsetzte, sehenden Auges aber konvertierte Juden - wie z. B. die Philosophin Dr. Edith Stein - durch Verweigerung von Visa vor Verfolgung und Ermordung in den Gaskammern hitlerdeutscher Konzentrationslager nicht schützte sowie Massenmördern wie z. B. SS-Hauptsturmführer Dr. med. Josef Mengele und Adolf Eichmann Fluchthilfe über die Rattenlinie ins Ausland gewährte; freilich ist diese weltanschauliche Organisation auch dafür nie zur Rechenschaft gezogen worden; freilich setzten sich im Jahre 1951 Amtsträger dieser weltanschaulichen Organisation für die Begnadigung von Kriegsverbrechern ein, die bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt wurden (DIE ZEIT Nr. 5: 18 vom 27.01.2011). Sie war und ist immer opportunistisch auf der Seite der Mächtigeren, egal, ob diese Rechtsstaatlichkeit ausführen oder nicht. Sie engagierte sich auch zu wenig gegen Menschenrechtsverletzungen durch Militärjuntas in Lateinamerika und Afrika. In Anbetracht des nicht enden wollenden großen Elends auf der Welt ist es nicht vermittelbar, dass diese weltanschauliche Organisation große Kontingente an Zeit und Mitteln verschwendet für zahlreiche Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Bedenklich auch die seit ca. 40 Jahren laufende Praxis mildtätiger, mit ihr assoziierten Organisationen, die Altkleiderspenden an full-profit-Unternehmen weitergeben (DIE ZEIT 45: 33 vom 03.11.2011).
In einer Erklärung zur "Zukunft der Schöpfung" äusserten führende Vertreter dieser weltanschaulichen Organisation auf einer Konferenz im Jahre 1980 ihren wahren "Respekt" vor dem Leben, der Kreatur: da der Mensch ihrer Meinung nach die Krone der Schöpfung sei, "... ist er berechtigt, Leistungen und Leben der Tiere in Anspruch zu nehmen". (DER SPIEGEL vom 17.01.2011, Nr. 3: 41). Solch ein lapidar-zynisch geäusserter Anspruch auf schmackhafte Produkte aus Tier-KZs macht sprachlos. Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer sah dies jedoch ganz anders, indem er den unbedingten Respekt vor jeder Kreatur forderte.
Im Jahr 2010 sind die Tatbestände Mißbrauch und Mißhandlung in Serie an Erziehungsbefohlenen in Internaten, Waisenhäusern, Behinderten- und Taubstummenheimen dieser weltanschaulichen Organisation bekannt geworden; die Internate betreffend ist in einem Fall nachgewiesen, dass eine dieser Gewaltanwendungen gegen einen Jugendlichen mit der Segnungszusage "Du bist Gottes geliebtes Kind!" verbunden wurde (DER SPIEGEL 30: 42-44; 25.07.2011). Die erste Reaktion von maßgeblicher Stelle auf diese Fakten lautete: "Die Kirche ist ein Kunstwerk, das befleckt wurde; die Schönheit aber bleibt intakt." Freilich ist keinem der Opfer wirklich geholfen worden; freilich war keines der Opfer bei der kurz und knapp gehaltenen öffentlichen Entschuldigung am 11.06.2010 durch den Oberhirten geladen gewesen; freilich begann die vollmundig angekündigte und angeblich rückhaltlose Aufklärung erst nach massivem öffentlichem Druck extra zögerlich und wird - was denn sonst - in seichten Gewässern stranden; freilich kam von oberster Stelle für verantwortliche Anstalt-Chefs Entlastung; freilich sind alle diese Anstalten problemlos von derselben Organisation weitergeführt worden; freilich bekamen die Mißhandelten und Mißbrauchten nur sehr geringe finanzielle Entschädigung und Mittel für psychotherapeutisch-psychiatrische Hilfeleistungen. Freilich fanden - man staune - vor diesen Anstalten sogar Sympathiekundgebungen für diese weltanschauliche Organisation statt. Und freilich beruht es auf der noch stärker ausgeübten Unterdrückung der Frauen, dass noch fast keine entsprechenden Geschehnisse aus Mädcheninternaten öffentlich bekannt geworden sind (Andreas Altmann 2011: 32-34).
Diese weltanschauliche Einrichtung ist entgegen ihrem Leitspruch "Geben ist seliger denn nehmen" heute - auch wegen der über die Jahrhunderte angesammelten Eingänge ungezählter Geschenke und Erbschaften törichter Gläubiger, die damit die Macht dieser weltanschaulichen Organisation zementieren und entsprechend dem Ablass Seelenheil erkaufen möchten - die weltweit reichste und deshalb mächtigste und einflußreichste Organisation, welche es sich leichthin leisten kann, geltendes Gesetz zu ignorieren und die Wissenschaft wiederum bevormunden möchte, indem sie neben bischöflichen Studienförderungen erneut weltanschaulich gepolte Wissenstransfereinrichtungen ins Leben rief, die dreist den Universitätstitel für sich beanspruchen und diesen selbstverständlich auch mit offizieller Genehmigung führen dürfen. Es bleibt bis auf weiteres unverständlich, dass in diesen Einrichtungen auch naturwissenschaftliche Inhalte wie z. B. "Physische Geographie" gelehrt werden: Es könnte aber sein, dass dort verbreitet wird, wie, warum und wann der Glaube Berge wohin versetzt. Folge dieser unheilvollen Entwicklung: Nahe Ableger dieser weltanschaulichen Organisation drängeln nach, indem sie Privatschulen (Bibeltreue Grundschulen und Freie Christliche Gymnasien) gründen, in denen Sexualkunde unterdrückt und die Darwin'sche Bioevolution in Frage gestellt wird (DIE ZEIT 42: 88 vom 13.10.2011). Es ist höchste Zeit, diese Intrusions-, Bevormundungs-, Verdrängungs- und Manipulationsversuche betreffend ein weltanschaulich neutrales Bildungssystem aufzuhalten und zu unterbinden.
Das alles hat mit wahrer und weltanschaulich neutraler Bildung, mit sogenanntem Weltgewissen, echter Seelsorge und Humanität gar nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Kreditverlust im aufgeklärten Teil der Gesellschaft. Es versteht sich von selbst, dass bei diesem historischen Entwicklungsverlauf und aktueller Sachlage eine weitere Ausführung des ihr zugesprochenen Kulturvermittlungsauftrags problematisch erscheint und seine Aufrechterhaltung bedenkenlos in Frage gestellt werden darf. Viele weitere Kritikpunkte am Verhalten, an Erscheinung, Struktur und am Selbstverständnis dieser Institution findet man u. a. in den Schriften von John Wycliffe,
Jan Hus, Giordano Bruno, Giacomo Girolamo Casanova (Memoiren (Nachdruck), Kaiser, 1989, Klagenfurt), Hildegard von Bingen, David Hume (Treatise of human nature 1740), Heinrich Heine, Ludwig Ganghofer (Der Ochsenkrieg, Der Klosterjäger), Ludwig Thoma (z. B. "Der Kindlein" in den Lausbubengeschichten), Kurt Tucholsky, Oskar Maria Graf (Das Leben meiner Mutter); Lynn White (1967): The historical roots of our ecological crisis. Hans Küng (Unfehlbar? (1970), Existiert Gott? (1978)), U. Krolzik (1983): Ökologische Probleme und das Naturverständnis des christlichen Abendlandes. Eugen Drewermann (Kleriker: Psychogramm eines Ideals (1990), Psychoanalyse und Moraltheologie (1992), Die Spirale der Angst: der Krieg und das Christentum (1991)), Hartlieb, E.(1996): Macht Euch die Erde untertan? Victor Stenger (2009): The new atheism. Taking a stand for science and reason. Richard Dawkins (Der Gottesbetrug (2008), Die Schöpfungslüge (2010)), Anthony Grayling (The reason of things. Living with philosophy (2002), Against all gods. Six polemics on religion and an essay on kindness (2007)), A. Verrecchia (2009): Giordano Bruno. Nachtfalter des Geistes, Geoffrey Robertson (The case of the pope: Vatican accountability for human rights abuse (2010)), Christian René de Duve (Die Genetik der Ursünde (2010), Spektrum Akademischer Verlag), Gerd Lüdemann, DIE ZEIT (24.06.2010, Nr. 26), GEO 01 Jan. 2011: 136-158, H. Schmidt (2011): Religion in der Verantwortung. Gefährdung des Friedens im Zeitalter der Globalisierung.; Christopher Hitchens (2003: Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft. 2007: Der Herr ist kein Hirte; Wie die Religion die Welt vergiftet); Martin Urban ( ) Die Bibel - Eine Biographie, Galiani Verlag; etc. pp.. G. Hasenhüttl äusserte: "Die Kirche ist ein vergifteter Fluß, der einer Kläranlage bedarf (DIE ZEIT Nr. 52:1 vom 22.12.2010).

Moralisch positives Verhalten besteht darin, sich so zu verhalten, dass der Mensch die Daseinsqualität aller anderen Lebewesen, auf die er Einfluß hat, verbessert (Peter Singer in: Zeit Magazin Nr. 12 vom 17.03.2011. Lit.: P. Singer 2010: Wie sollen wir leben?; Hans Jonas: Prinzip Verantwortung).

Durch die Schaffung dieser ein mehr als äusserst fragwürdiges Jenseits vertretenden weltanschaulichen Organisation mit ihren ganz und gar nur diesseitigen baulichen Einrichtungen, personellen Austattungen und nicht demokratisierbaren Strukturen hat der Mensch einen Großteil der problematischen, weil selbstschädigenden Seiten seiner Irrationalität und Emotionalität sowie seiner seelischen Schwäche zum Nachteil großer Bevölkerungskreise - also seiner selbst - materialisiert und institutionalisiert.

Kreuzigung, ihres extremistischen Signals wegen besonders verwerflich, gehört erstaunlicher Weise zum Urgestein, dem kristallinen Kernbestand der Weltanschauung genannter Glaubensgemeinschaft: ".....litt und starb am Kreuz, um hinwegzunehmen die Sünden der Welt". Dies belegt ein hierfür spezifischer, seit dem zweiten Jhd.n.Chr. bestehender Jahrestag im kalendarischen Zyklus. Dass davon abgesehen dieser entsetzlichen Handlung - eine Gruppenidentität stiftende rituelle Exekution durch bestialisches Zu-Tode-Foltern - bis heute große öffentliche Aufmerksamkeit in Form medialer Präsenz garantiert ist, zeigt u. a.

  • die regelmäßig wiederkehrende Thematisierung in Theateraufführungen mit Kultstatus, in denen diese Handlung fast immer ästhetisiert und somit böswillig und/oder scheinheilig verfälscht gebracht wird und
  • der große Publikumserfolg von Mel Gibsons Film aus dem Jahr 2004 mit seinen vollkommen übersteigerten Darstellungen von Leid und Gewalt. Großartig und aggressiv in den Medien angekündigt, war diese Gewalt- und Blutorgie nichts weiter als vorläufiger Endpunkt einer Reihe älterer Streifen über immer dieselben Tränendrüsen-, Heils- und Welterrettungs-Themen: Mitleid sowie vermeintliche moralische Erhöhung einer Kultfigur, von der behauptet wird, sie habe ungerecht zugefügtes Leid klag-, sang- und klanglos ertragen und sei damit zum Weltmeister, größten Helden, Selbstopferer und Seelenretter geworden. Es erstaunt, dass die Serie wegen Ideenlosigkeit und Langeweile nicht floppte.

Diese von fantastischen Einspielergebnissen gekrönten, virtuellen, bluttriefenden Gewalt-Spektakel erinnern an die Zustände im antiken Rom in der Zeit vor Kaiser Konstantin I., als zu den angekündigten öffentlichen Hinrichtungen verurteilter Christen bis zu 60.000 Zuschauer in den Circus Maximus und das Colosseum strömten und ihr qualvolles Sterben nebst Schändung begafft wurde. Mitleid war und ist nicht nur einer der Gründe für die massiven Anteilnahmen am realen oder virtuellen Zu-Tode-Foltern: Tatsache ist, dass damals wie heute viele Menschen von realer und/oder virtueller Gewalt fasziniert sind: wegen einer leider oft gelebten seelischen Eigenschaft, der derzeit viele Medien und die Unterhaltungsindustrie zwecks Quote und Verkaufszahlen mit ihren Programminhalten hemmungslos-idiotisch entgegenkommen und sie ausnützen. Aber es ist ein höchst fragwürdiges, peinliches und prekäres Verhalten, sich an Leid und Gewalt zu ergötzen; egal, ob diese real oder virtuell präsentiert werden. Hier zeigt sich ein notorisch problematisches, zeitlich offenbar invariantes Wesensmerkmal vieler Menschen. Das Paradoxon erstaunt, dass virtuelle öffentliche Bestrafungen und Hinrichtungen im sich "zivilisiert" nennenden Europa großer Beliebtheit erfreuen, obwohl reale Entsprechungen hierzulande seit langem offiziell verboten sind.

Die Kreuzform war ein schon in der Steinzeit geschätztes kultisches Heils- und Glückszeichen: der vertikale Balken stand für aufsteigendes Leben, der horizontale für den Tod. Es ist ein geistiger Dauerkonflikt geschaffen worden, als aus der Kreuzform eine Reihe ähnlich gebauter Folter- und Exekutionsinstrumente entwickelt worden ist, aus der eine Konstruktionsvariante Römisches Kreuz genannt wurde und an dem Ur-Aktivisten einer sektenähnlichen Gruppe - das waren fanatisierte Gründungsmitglieder genannter weltanschaulicher Organisation - endlich den innigst ersehnten Märtyrertod qualvollst sterben durften: dulce et decorum est mors martyrum. Ihr Selbstopfer, ihre Blut- und Schweißströme, ihr Schmerz- und Gnadengebrüll sowie ihre Erstickungs- und Todesschreie am Römischen Kreuz symbolisieren emotionales Epizentrum bzw. Ground Zero dieser Weltanschauung. Tertullius im Zeitalter der Märtyrer (202-213 n.Chr.): "Semen Christianorum est sanguis martyrum." Im Jahr 431 n.Chr. ist das Römische Kreuz als offizielle Ikone des mentalen Kerns dieser Glaubensgemeinschaft definiert worden. Seit ihrem Bestehen wird das Römische Kreuz als "Heilszeichen der Menschheit" (Kommentar: welch unverschämte, extremistische Anmaßung, alle Menschen hierunter vereinnahmen zu wollen!) und "Symbol und Zeichen des durch Gott im Tod und in der Auferstehung Gottes Sohnes gewirkten Heils" (Brockhaus 2000: 2553, 9. Auflage) von Würdenträgern, Funktionären und zahlreichen Anhängern dieser Glaubensgemeinschaft unablässig gepriesen und verehrt; der Vollständigkeit halber haben einige Gemeinden zusätzlich das Baby-Psalm-Singen eingeführt. Das Zeichen okkupiert markante Lokalitäten und Plätze, ist in fast alle Lebensabschnitte und -bereiche vieler Menschen sowie ihrer Einrichtungen diffundiert und ist bei Einweihungen öffentlicher Einrichtungen zuvorderst zugegen. Seine penetrante Dauerpräsenz, die einer vollständigen Induktion peinlich nahe kommt, wurde auch schon - mehrfach von höchster juristischer Instanz abgesegnet (wie z. B. am 18.03.2011 durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg) - kultusministeriell angeordnet. Als zig-millionenfache, mehr oder weniger ästhetisierte oder zum Piktogramm reduzierte Repliken ist es in Gerichtssälen, Gefängnissen, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Hospizen, Aussegnungshallen, Vortragssälen, Todeszellen, Erziehungs-, Bildungs- und Militäreinrichtungen, auf Friedhöfen, auf Bergesgipfeln, an Feldwegen und in Autobahnkapellen, in den Herrgottswinkeln von Gaststätten, Berghütten, Herbergen und Wohnzimmern, in den Nachttisch-Schubladen von Hotels, auf Flaggen, Ehrenabzeichen und in dazugehörigen Dokumenten sowie in den Medien, im Netz, und auch in den Schönen Künsten (Musik, Malkunst, Bildhauerei, Dichtung, Literatur, etc.) sowie in der Volkskunst präsent. Es begleitet stets die Feierlichkeiten zu den wichtigsten Lebensstationen von Mitgliedern dieser weltanschaulichen Organisation: Taufe und Nottaufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit, Jubiläen, Letzte Ölung, Grablegung und posthum Gedenktage; das Römische Kreuz begleitet aber auch die Feierlichkeiten anlässlich Hütten-, Gräber-, Altar- und Kräuterweihen sowie Fluß-, Traktoren- Oldtimer- und Motorradsegnungen. Es markiert Lokalitäten (z. B. Kesselberg, Sudelfeld), wo Menschen der Tod ereilte. In stilisierten Miniaturen wird es auch devot als Schmuckaccessoir oder Tatoo getragen. Es gibt auch Kreuze aus Steinsalz in unterirdischen Salzbergwerkskapellen, Kreuze aus Pommes frittes sowie - jahreszeitlich begrenzt - Kreuze aus Schnee und Eis. In klaren Sonnwendnächten leuchten in Kreuzform angeordnete Bergfeuerchen ins Tal. Südlich des Äquators erstrahlt am wolkenfreien Nachthimmel ein augenfälliges Arrangement besonders heller Fixsterne, das als "Kreuz des Südens" bezeichnet wird. Das Römische Kreuz findet man in den Zentren der bisweilen finster und gruftähnlich gestalteten Versammlungsstätten - das sind große, massiv gebaute, schon von Weitem sichtbare, steinerne, oft eiskalte, da ungeheizte Echokisten - , in dem es - bisweilen samt Korpus mit Heiligenschein und Strahlenkranz - hochaufgerichtet vor einer von geweihten Kerzen gesäumten Opferstätte postiert ist. Vor ihm müssen sich alle still versammeln und niederknien; zu ihm müssen alle andächtig aufsehen und ihm zu mal hochschwebend fiepsend-pfeifenden, mal wild herabbrausenden, brüllend-dröhnenden Orgelklängen - der von allen Seiten her echoverstärkten Stimme des Herrn der Herrlichkeit - huldigen; alle müssen das Römische Kreuz anbeten; ganz in seiner Nähe müssen in Demutshaltung Missetaten bekannt und muß nach eindringlicher und strenger Ermahnung zur Besserung gehorsamst Buße getan werden.
All dies wird verstärkend flankiert, indem "der Deutsche Staat zu dieser weltanschaulichen Organisation eine wohlwollende Neutralität (sic!) pflegt, ihr geistiges Denkmodell schätzt, ihre Einrichtungen finanziell fördert, und er im Glauben eine Kraft sieht, die der Gesellschaft eine Orientierung geben kann und somit zur Stabilität des Staates beiträgt." (DIE ZEIT 30.09.2010; Nr. 40: 70). Fazit: von einer fast vollständig säkularisierten Gesellschaft, wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt meinte, kann bei solchen Gegebenheiten keinesfalls die Rede sein: 18% Nichtgläubige im Jahr 2010 im ehemaligen Westdeutschland (DER SPIEGEL 30: 106-108, 25.07.2011) sind zu wenig. Und wie kann es denn wahr sein, dass eine antidemokratisch strukturierte weltanschauliche Organisation einen sich demokratisch nennenden Staat stabilisiert? Ja Kruzifixnochamoi, Himmiherrgottsackramment, zur Hölle und zum Teufel mit diesen kindischen und frechen Dumm-Lügereien, die sich nur die Mächtigsten leisten können und die letztendlich alles Demokratisch-Fair-Friedliche willentlich zerstören! Hier ist zum Leidwesen des steuerzahlenden Volkes ein "total mess" (Riesenmisthaufen) erschaffen worden.

Von der geistigen Grundstruktur dieser weltanschaulichen Einrichtung haben ihre Entscheidungsträger notwendig gewordene Reformen über Jahrhunderte hinweg bis heute mit großem Erfolg ferngehalten.

Zigtausende, armselige Arbeiter, Handwerker, Bauern und schließlich fromme Kunstmaler und Bildhauer waren es, die im Mittelalter gezwungen wurden, für Gottes Lohn am Bau und an der Ausstattung zig-tausender genannter Einrichtungen - in der Regel die höchsten, größten und stabilsten Bauten der Gemeinden - über mehrere Monate - über Jahre hinweg - mitzuwirken. Das war zusätzliche Fron unter dem Kreuz. Sie erhielten in dieser Zeit auch keine Unterstützung für Kost und Logis für diesen anstrengenden und gefährlichen Dienst im Zeichen des Kreuzes. Ganz ähnlich erging es den Sklaven, die einige tausend Jahre zuvor in Altägypten die Pyramiden zu errichten hatten.

Nach langjährigen gründlichen Überlegungen und noch länger dauernden eigenen Erfahrungen bin ich ausser Stande, gedanklich jemals nachzuvollziehen, dass das Römische Kreuz angeblich seelisches Heil, Frieden, Erlösung und Todesüberwindung für die Menschheit symbolisieren soll; ich kann dieser m. E. ultra-grotesken, weil kompletten Bedeutungsinversion nicht folgen und schreibe deshalb, was das Römische Kreuz nach meiner Sicht in Wirklichkeit bedeutet; und das ist ganz einfach folgendes:

- Es ist ein todtrauriges "memento mori": so sexy wie der Tod. Unerträglich banales und eindeutiges Signal und Symbol, ähnlich dem klapprig-dürren Sensenmann und hohl-bleichen Totenschädel von Freund Hein: eine wahre, aber überflüssige Todes-Metapher, die größte Angst verbreiten soll wegen der Kürze des Lebens und der Sterblichkeit. Aber das sind Allgemeinplätze, über die sich fast jeder selbst vollkommen im Klaren ist. Daran braucht man nicht ständig erinnert zu werden. Das ist nur lästig, penetrant, verunsichernd und macht sehr schlechte Laune. Ich weiß um meine Endlichkeit, um die Begrenztheit und den unaufhaltsamen Verfall meiner körperlichen und geistigen Kräfte und um die Vergänglichkeit, den Wandel, das quasi-perpetuum-mobile der Metamorphosen aller Dinge, die einen umgeben: sie zerfallen, lösen sich auf, bilden Neues: alles fließt, bewegt, differenziert und entwickelt sich; ausser genannter weltanschaulicher Organisation. Überall ist Vergänglichkeit und natürliche Endlichkeit: ich atme sie, fühle sie mit jedem Pulsschlag, sehe sie beim Blick auf die Uhr, auf den Kalender, in den Spiegel, auf meinen Schatten, auf die Erde, ins Gebirge, übers Meer, in den Sonnenuntergang und ins All; sie ist allgegenwärtig. Aus seiner Geworfenheit heraus kann der Mensch nichts anderes wahrnehmen als Vergänglichkeit. Die Erkenntnis war nicht leicht, dass ich nur anfangen, aber nichts wirklich zuende bringen kann ausser meinem Leben. Es ist somit vollkommen unnötig, über diesem abgrundtiefen Ozean der Endlichkeit, auf dem sich höhere Lebewesen nur kurze Zeit halten können, noch ein Römisches Kreuz schweben zu lassen. Leben bedeutet doch etwas ganz anderes als nur "sein Kreuz tragen" (Der Oberhirte am 25.04.2005: "...Wenn er vom Kreuze spricht, das wir auf uns nehmen sollen, ..."). Das ist eine einseitige, die Psyche schwer beeinträchtigende, destruktive Sichtweise, die wie Angst, Zwang und Depression nur noch mehr Endlichkeit und Elend bringt. Echtes Leben ist, sofern man es rechtzeitig und fest entschlossen anpackt und sich erringt: innere Sonnenwärme, Begeisterung, großes Interesse, Staunen, intensives Denken, Muße, tiefes Begreifen, Komplexität, Pluralismus, Fairness, Mut, Optimismus, Verantwortung, friedliches und unbeschwertes Beisammensein, Solidarität, Zufriedenheit, Gelassenheit, helles Licht, große Liebe, positive Entwicklung, Erfüllung. Die Behauptung, die größte Befreiung für den Menschen bestünde darin, nicht ständig glücklich sein zu wollen (DER SPIEGEL 30: 116, 25.07.2011) halte ich in Anbetracht des Elends auf der Welt für abwegig. Dauerhaft Glücklichkeit erfahren zu haben ist mehr als Trost genug. So verbreitet keine Skeletthand mit Sanduhr mehr Angst und Panik; der Wunsch nach Unsterblichkeit und die Idee vom Jenseits weichen zurück und lösen sich - auch angesichts bangen Wissens um kosmische Verlassenheit (s. u.) - allmählich auf. Der lapidare Schlußsatz "Ihre/Seine Zeit war gekommen" bedeutet m. E. die friedliche Akzeptanz der Endlichkeit eines erfüllten Lebens:
- "Mei Arbeit isch tan", sagte Bergführer Stabeler senior, nachdem er, ohne auf das Protestgeschrei vom Docktermanndl und vom Dorfpfarrer zu hören, mit seinem Sohn Much ein letztes mal über den Alten Weg durch die Nordwand seines Hausbergs gestiegen war und er ihm - als letzten Punkt in seinem Testament - auf dem Gipfel diesen Berg - den Haunold - vermacht hat.
- "Durch meine Tat habe ich meine Lebensaufgabe erfüllt. Ich wüsste nicht, was ich noch auf dieser Welt zu tun hätte, auch wenn ich jetzt entlassen würde.", bilanzierte cand. med. Alexander Schmorell (*16.09.1917 Orenburg/Russland) von der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" in der Zeit zwischen der Verkündung seines Todesurteils am 19.04.1943 und seiner Exekution durch das Fallbeil am 13.07.1943 in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim bei München, Hauptstadt der Bewegung von 1933-1945.
- Steve Jobs stellte fest, dass einerseits "die Sterblichkeit die beste Motivation ist und andererseits der Tod die beste Erfindung des Lebens ist, weil er den Wandel katalysiert (DER SPIEGEL 41: 77 vom 10.10.2011). Sinnfindung in der Vergänglichkeit.

Der Preis für das Leben - welcher Qualität, Intensität und Dauer es auch immer sein möge - ist und bleibt endgültig der Tod. So kurz, betont, fair/unfair und einfach ist das: "So lang bist net gwen (13,7 Milliarden Jahre), so kurz duast lebn (max. 100 Jahre) und so lang bist hi (> 100 Milliarden Jahre)": das ist das ultrakurze und singuläre Transitdasein jedes Menschen; vergleichbar mit der Geringfügigkeit eines Lichtquants im sichtbaren Bereich zu all den anderen, die im Laufe aller Sonnenleben im Kosmos entstanden sein werden. Mehr geht nicht; es gibt kein Ewiges Licht, kein Durchschreiten eines pearly gate, kein second life, keinen Neustart, keine Fortsetzung in irgend einem sogenannten Jenseits, kein Elysium, kein Paradies, kein Arkadien, keine himmlischen Gefielde, keine ewigen Jagdgründe, schon gar keine zweite und erst recht nicht eine dritte Erde. Wir können nur versuchen, uns im Hier und Jetzt rechtzeitig selbst zu erlösen - siehe vorletzter Absatz. Der letzte Wasserfall stürzt lautlos in ein unermesslich tiefschwarzes Meer, dessen Spiegel in der Ferne unendlich flach wird: Umschreibung eines immerfort stillen, gedanklich noch nicht greifbaren und deswegen noch offenzulassenden Zustandes: vorläufig bezeichnet als philosophisches, zeit-, materie-, raum- und dimensionsloses Nichts anstelle des Zustandes bzw. dynamischen Vorganges, der derzeit als "das Leben" bezeichnet wird: das Nicht-Sein nach dem Erlöschen der neuronalen Feuer - das ist die unendliche Banalität des Totseins. Und auf lange Sicht werden wir alle scheitern und tot sein. So viel Abschied, Ende und immerwährendes Verlassensein in alle Zeiten werden nie mehr gewesen sein. Ganz gewiss werden wir uns für immer verloren haben. Aus die Maus, Schluss die Nuss. Ganz alleine mit sich selbst stirbt - entwickelt sich - jeder hinein ins Nichts. Da darf dann ganz gewiss jeder mal - unfreiwillig - der Erste sein. Niemand kommt davon: in jedem wächst unbedingt der Tod heran. All diese Punkte sind unschlagbare Motive, die derzeitigen gesellschaftlichen Umgangsformen qualitativ zu verbessern: seid doch freundlicher und fairer zueinander in dieser kurzen Zeit; und versucht doch nicht, einander unablässig betrügen und umbringen zu wollen!

Die Sehnsüchte nach ewiger Jugend, dem Jungbrunnen und/oder der Glaube an eine Wiederkehr in einer besseren Welt sind nur Selbstbetrug und grandiose Irrationalität:

  • selbstverständliches und zutiefst bedauerliches, herzzerreißendes, weil vergebliches Wunschdenken vieler behinderter und unheilbar kranker Menschen;
  • Wunschdenken vieler geschwächter, weil permanant unterdrückter, ausgebeuteter, betrogener und versklavter Individuen sowie solcher, die ihre Lebenssituationen nicht rechtzeitig ins Positive steuern wollten oder konnten;
  • Wunschdenken emotional verarmter Individuen in kommunikativ erkalteten Wohlstands-, Luxus-, Leistungs- und Onlinegesellschaften;
  • Wunsch- und Traditionsdenken vieler Menschen, die Opfer natürlicher, technischer und humanitärer Katastrophen (Erdbeben, Tsunami, Bergsturz, Industrieunfall, Havarie, Bergwerksunglück, Krieg, Flucht, Vertreibung) sowie ungesühnter Verbrechen wurden und
  • Überheblichkeit, Egoismus, Gier, Größenwahn, Selbstbetrug, Eskapismus und Wirklichkeitsverweigerung.

Zur Akzeptanz der Begrenztheit medizintechnischer Kunst: wenn man das Leben - oder einen Abschnitt davon - als unendlich mühsam gewordene Versuchsreihe ansieht, permanent größte Probleme in Serie lösen zu müssen, dann könnte man in allerletzter tragisch-trauriger Konsequenz das Totsein auch als möglicherweise geringeres Übel und somit bessere Alternative sehen; konkret: will man weiterhin da sein nur als gequälte Sisyphosexistenz? Das stellt unmittelbar die Frage nach individueller Daseinsqualität, wie sie empfunden wird und ob sie erträglich scheint. Freilich muß auch wegen Mißbrauchsgefahr noch lange, intensiv und gründlich über Euthanatos nachgedacht werden: ob nach angemessener Frist der Entschluß zur irreversiblen Ausführung der Überschreitung des point of no return, der Gang über die Schwelle ins Nichtsein, eine menschlichere, weil schmerz- und angstbegrenzende Option sein kann zu einem verlängerten Dasein, das aber nur mehr unerträglichen Schmerz, Angst oder sehr niedrige, weil würdelos gewordene Lebensqualität bedeutet. Fließbandsterben in Hospizen darf nicht zur Normalität werden; diese Einrichtungen dürfen nicht zu Mülleimern bzw. Zwischenlagern degradieren, in denen x-fach therapierte und finanziell gehäutete, geschlachtete und ausgeweidete Patienten kurz vor ihrem Ableben entsorgt werden.

Die von genannter weltanschaulicher Organisation an restriktivste Bedingungen geknüpften vagen Versprechen der Unsterblichkeit und Verheißungen des Seelenheils werden von vielen unsicheren, schwachen und geschwächten Menschen, die in den Irrationalitäts-, Traditions-, Inkonsequenz- und Ängstlichkeitsfallen zappeln, gerne gehört und deshalb geglaubt; aber das ist nur Seelenfängerei: unmoralische Verzweckung der emotional prekären Lage sehr vieler Menschen: bedingt durch die gnadenlosen Walze der Zeitlichkeit, die jedes höhere Leben unerbittlich plättet und zermalmt und das Damokles-Schwert, das gefallen sein wird, ehe letzte Sinn- und Daseinsfragen ausreichend beantwortet werden konnten.

Je mehr Leid und Verunsicherung, je mehr Probleme im Hier und Jetzt, desto größer die Versuchung, sich von der scheinbar unerträglich widriger Wirklichkeit abzuwenden und sich dem Wunschdenken und Glauben hinzugeben in der Hoffnung auf ein besseres zweites Leben, das nach dem Jammertal des Diesseits ganz bestimmt im himmlischen Jenseits stattfinden wird. Ganz zu diesem Zweck stürmten im September 2010 selbsternannte Heilsverkünder zur eingestürzten San-Josè-Mine in Chile, um allen in 700 Metern Tiefe eingeschlossenen Bergarbeitern Miniatur-Bibeln samt Leselupen und vom Oberhirten gesegnete Rosenkränze über ein Versorgungsrohr zukommen zu lassen. Auch deshalb wurde im Jahr 2010 die Missionstätigkeit im erdbebenzerstörten Port-au-Prince auf Haiti intensiviert; im flutzerstörten Pakistan (2010) ist dieselbe Taktik selbstverständlich weitergeführt worden; gleiches dürfte die Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen in Japan vom 11.03.2011 und Bangkok (08.-11.2011) begleiten. Die milden Worte "Kommet zu mir, Ihr Mühseligen und Beladenen!" trifft entsprechende Notsituationen recht gut. Dazu passt auch die Ächtung von Verhütung, Abtreibung, Präimplantationsdiagnostik sowie Forschung an embryonalen Stammzellen, welche diese weltanschauliche Organisation aussprach, um die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung individuellen körperlichen und seelischen Leides sowie wirtschaftlichen Elends und das der Vermassung zu erhöhen; der so erzeugte Distress kann nicht groß genug sein, damit den Individuen immer weniger Zeit bleibt, innezuhalten, Atem zu schöpfen, in aller Ruhe nachzudenken, ihre Situation zu überblicken, zu verstehen, vernünftig zu beraten, zu entscheiden und entsprechend zu handeln.

Die allermeisten Würdenträger genannter fortschritts- und wissenschaftsfeindlichen weltanschaulichen Organisation haben den angeblich göttlichen Auftrag "Seid fruchtbar und mehret Euch!" über die Jahrhunderte vorwiegend in reproduktionsbiologischem und materialistischem Sinne verbreitet und ihn mit dem tradierten Aufruf (in Richtung Naturbeherrschung) "Bevölkert die Erde, unterwerft sie Euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen" (Genesis 1. 28) (was nach neueren Erkenntnissen in der Ökologie nichts anderes war als eine Empfehlung zur kollektiven Selbstzerstörung) zudem bekräftigt, wobei sie die damit einhergehenden ökologischen Probleme und Risiken, die später detailliert aufgezeigt wurden im Werk "Grenzen des Wachstums" (Club of Rome 1972), absichtlich komplett ignorierten und übergingen und damit schwere Schuld auf sich luden. Welch unheilvolle Gesamtentwicklung - trotz warnender Stimmen seit der Epoche der Romantik - diese weltanschauliche Organisation mit dem alttestamentarischen Anspruch auf Herrschaft über die Erde - dominium terrae - , mit ihren Ächtungen, Manipulationen und gezielten Einmischungen im verein mit einem sich in einen maßlosen, entgrenzten Wachstumswahn hineinsteigernden kapitalistisch-dissozialen Weltwirtschaftssystem aus der Taufe gehoben, mitangeschoben und ins Rollen gebracht hat, zeigen eindrucksvoll krasse Disparitäten und die Geschichte der Weltbevölkerungs- und Welthungerstatistik: 2011: 80000 Tonnen Brot werden jährlich in der BRD weggeworfen; jeder Bundesbürger fraß im Durchschnitt jährlich 61 kg Fleisch; Ende 2011 zählte die Forbes-Liste weltweit 1210 Milliardäre: diesen Superreichen geht es gegenläufig zur Finanzkrise immer besser und deren Vermögen ist seit 2010 um 20% gestiegen (DIE ZEIT Nr. 1: 55 vom 29.12.2011); global leiden 925 Millionen Menschen schweren Hunger; 6000 Kinder verhungern täglich. Bedrückend die irreversiblen Verluste an Ressourcen und Biodiversität, die wachsende Umwelt- und Klimaproblematik sowie das in den derzeit noch reichen G20-Ländern zeitgleich dazu laufende, absurde, unerträglich beschämende, obszöne und ekelerregende Elend hedonistischen, prall-satt-überdrüssig-langweilig-besoffenen Luxuslebens (nebst peinlichsten Wohlstandskrankheiten) in den Porsche Cayenns, Maseratis, Zweit- und Drittwohnungen, Villen samt Swimmingpools, Penthäusern mit vorgewärmten Wasserbetten, Golf- und Swingerclubs, Freßtempeln, 5-Sterne-Hotels mit Sektbars und auf Kreuzschifffahrten, Jacht-Turns, firmengesponsorten Eventpartys, etc. Weitere Fakten: Im Jahr 2010 waren 1 Milliarde Menschen überernährt, doppelt soviele aber litten an Mangelernährung, Durst und medizinischer Unterversorgung. Von August 1999 bis Oktober 2011 hat sich die Weltbevölkerung um eine Milliarde auf sieben Milliarden Individuen erhöht; in den vier Stunden, die zum Lesen dieses Textes notwendig sind, legt die Weltbevölkerung derzeit (2012) um einen gemittelten Wert von ca. 45000 Individuen zu. Pro Jahr werden von ca. sieben Milliarden Individuen 11,5 Milliarden Tonnen Erdöleinheiten an Energie verbraucht (ca. 146 m³ Sprit pro Sekunde) und eine Stoffmenge von 91 Milliarden Tonnen bewegt. Die Meerwasserversauerung lag 2011 um 30% über dem vorindustriellen Wert. Das kann nicht folgenlos bleiben. Hier sind alle Schleusen sperrangelweit aufgerissen und offengehalten worden für einen wegen impliziter Zugzwänge alles zerstörenden Sturzstrom dekadenten Sinnlosverbrauchs (z. B. shoppismus (DER SPIEGEL 13.12.2010, Nr. 50: 56-65) und travellismus in Wohnwägen oder Billigfliegern), der nur in einer Globalverelendung enden kann (Wilfried Bommert 2009: Kein Brot für die Welt, Riemann Verlag). Und es gibt immer noch diese renitenten polemischen wohlstandsversehrten Fundamentalisten, die behaupten, es sei damit nicht genug. Indirekt habe ich - ohne dies gedanklich begreifen zu können - von 1957 bis 2011 den Zuwachs von ca. vier Milliarden Menschen erlebt; noch weniger kann ich die Gesamtfolgen dieser sehr bedenklichen Tatsache einschätzen. Diese Entwicklung hin zur gefährlichen und labilisierenden Vermassung ist auch moralisch problematisch, weil sie den natürlichen Instinkt und angeborenen Reflex zum Helfen und Heilen untergräbt; ich behaupte: Überbevölkerung mindert humanitäres Verhalten: "Wozu noch helfen oder retten, es sind doch sowieso schon genug Leute da, und wenn ich denen helfe, dann werden es später noch mehr und das wäre kontraproduktiv, weil die mir und meinen Nachkommen alles wegfressen; sollen die anderen doch verrecken", könnte man zynisch-lapidar denken. "Small is beautiful", sagte schon der Ökonom Fritz Schumacher und meinte damit bestimmt nicht die derzeit grassierende Lohnzurückhaltung, sondern die schon vor Jahrzehnten überfällige Rückkehr der Weltwirtschaft zum vernünftigen menschlichen Maß. Gratulation an diese weltanschauliche Organisation, ihren willigen Zuträgern und ihren Helfern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, denn besser kann man die Daseinsangst - ohne Furcht kein Glaube! - vieler Menschen und die Größe potentiellen Leides zukünftiger Generationen kaum steigern, die - so meine ich - ohne Rücksicht auf moralische Aspekte nach verheerenden Ressourcenkriegen und Implosion der biologischen Supernova in einer heißen Energie- und Rohstoffwüste mit stinkenden Müll- und Leichenbergen ein bitterarmes Dasein werden fristen müssen. Die Waffensegnungen und Kriegspredigten genannter weltanschaulicher Organisation und ihre Vor-Ort-Präsenz in Krisengebieten (militärische Seelsorge) sind zur Genüge dokumentiert. Sie tat auch nichts Substantielles gegen den Irrsinn oberirdischer Atombombenversuche. Diese konnten erst nach jahrelangen Bemühungen der UNO am 10.10.1963 durch den "Comprehensive Test Ban Treaty" verboten werden, nachdem der Garten Eden mit einem Global-Fallout von 27×10exp9 Curie Jod-131 und 34×10exp9 Curie Cäsium-137 (M. Kriener in DIE ZEIT Nr. 16: 20 vom 14.04.2011) schon verseucht war. Ökologisches Engagement dieser weltanschaulichen Organisation wie
- Kard. Höffners Argumentationen in den 80er Jahren in Köln gegen die Atomkraft,
- das päpstliche Lob der Ökologiebewegung bei seinen Ansprachen in Loreto 2007 und im Deutschen Parlament 2011 sowie
- der derzeit (2011-2012) laufende sogenannte christliche Widerstand gegen die 3. Startbahn auf dem MUC
kann nicht mehr glaubwürdig sein, weil das viel zu spät kommt.
Ihr Engagement zur Verhinderung von militärischen Auseinandersetzungen, Fehden und Bürgerkriegen lässt zu wünschen übrig: es beschränkte sich auf die im 10. Jhd.n.Chr. von den Griechen und den Römern (Pax Romana) übernommene Einrichtung des sog. "Gottesfriedens" und der "Waffenruhe Gottes" gegen feudale Gewalt (Eva Illouz in DIE ZEIT 52: 53 vom 22.12.2011) - dem Beginn der Europäischen Friedensbewegung - , der im 12. Jhd. vom Landfrieden (von Königen und Kaisern erlassenes allgemeines Friedensgebot) abgelöst wurde. Schön, dass als Folge davon im Ersten Weltkrieg am Weihnachtsabend die Waffen ruhten und französische und reichsdeutsche Soldaten gemeinsam feierten. Die 1944 in Frankreich entstandene Pax-Christi-Bewegung kann als Fortsetzung gesehen werden. Die insgesamt geringe befriedende Wirkung dieser Einrichtungen auf die Weltgeschichte mit all ihren Waffengängen zeigt zweierlei: zu schwaches Friedens-Engagement bei den Initiatoren und die konstante Gewaltbereitschaft in den sich befehdenden Gruppen.

Aber so kann das doch nicht gemeint gewesen sein mit dem konstruktiven Auftrag, den "Garten Eden" sorgfältig zu bestellen, liebevoll zu behüten und nachhaltig zu pflegen (1. Buch Mose 2,15). Von treuhänderischen, hütenden und verantwortungsvollen Bestrebungen, die Erde den Nachkommen verbessert zu hinterlassen - so die erst im 20. Jhd. erfolgte, abenteuerliche Neuinterpretation dieses dominium-terrae-Auftrags (der m. E. in Wirklichkeit nur wenig Spielraum lässt für Interpretation) - ist m. E. nichts vorhanden.

Was spricht gegen die aus Vorangegangenem abgeleitete Behauptung, dass die weltanschauliche Organisation, welche vorgibt, seelsorgerisch und zum Wohle der Menschen tätig zu sein, in Wirklichkeit oft das Leid absichtlich belässt oder gar mehrt, um den Glaubensdruck zu erhöhen und damit an Einfluß zu gewinnen? Sie hätte doch genug Mittel, z. B. die Erdbebenschäden in L'Aquila und Port au Prince vollständig zu sanieren; statt dessen belässt man die Opfer jahrelang in Not und Elend und instruiert, man solle doch den lieben Gott um Hilfe bitten. Mutter Theresa, selbsternannte Missionarin der Nächstenliebe, dachte ganz ähnlich, als sie "Gott in der Verkleidung des Elends" zu erkennen glaubte und deshalb die Anwendung von Schmerzmitteln in ihren Krankenhäusern in Kalkutta einschränkte, damit ihre Patienten, je mehr sie leiden, umso näher bei Gott sind. So sieht pervertierte Nächstenliebe einer weltanschaulichen Extremistin also aus. Ich kann nicht verstehen, dass bei solcher Handlungsweise ein Friedensnobelpreis fällig wurde. Könnte der Mensch den "Garten Eden", das Paradies, schon auf der Erde teilweise verwirklichen - Immanuel Kant schrieb deshalb ganz diesseitig "Zum ewigen Frieden" - , hätte der Mensch immer weniger Grund zu glauben und ein glückliches Jenseits zu erhoffen. Deshalb wird vieles und noch mehr getan und unterlassen, damit es möglichst wenig Frieden und möglichst viel Unglücklichkeit gibt und die Not mit ihrem impliziten Glaubensdruck nachhaltig gesichert auf hohem Niveau fortbestehen. So verkündete deshalb in der Osterwoche 2011 genannte weltanschauliche Organisation gemäß dem Nächstenliebe-Modell von Mutter Theresa, dass angeblich "der Mensch kein Recht habe, sich mittels Medizintechnik aus seinem Leid davonzustehlen".

- Das Römische Kreuz steht aber, wie eingangs schon festgestellt, in seiner realen Wirkung nicht nur für unsägliche Qual, sondern auch für tiefste Demütigung, maximale Beschämung, Peinlichkeit und Sklaventod, größte Befriedigung von Voyeurismus und vollständige Satisfaktion heißester Sadistenlust: "...some impale their private parts,..." (L. A. Seneca in Maslen & Mitchell 2006: 185). Das erkennt man auch an der zynischen Wahl des Exekutionsstandortes - eine Anhöhe (Schlußpunkt, Endstation, letzter Höhepunkt) - , dem erzwungenen Beisein von Angehörigen, und an der Positur, in die der von spezialisierten Sadisten gnadenhalber besonders gründlich vorpräparierte, nackte und bluttriefend-zerfleischt-zerhackte Körper mit rohester Gewalt endgültig fixiert wird: offene, weit ausgebreitete Arme bei anfänglich aufrechter Haltung signalisieren - in solch einer Situation diametral widersinnig - Macht, Freude, Erfüllung, Hoffnung, Sehnsucht, Verzückung, Ekstase, Verlangen, Hingabe, aber auch Ohnmacht und Wehrlosigkeit. Auf jeden Fall wird der Gequälte in dieser Zwangspose komplett lächerlich gemacht. Der ans Kreuz Genagelte symbolisiert, materialisiert und zentriert in sich die ultrabrutale Wirkung aller roh-nackten, despotischen, totalitären und doktrinären Macht sowie den daraus brachial hervorberstenden, brüllenden, gigantisch-monströsen Malstrom aus weißglühenden Gewalt-Protuberanzen. Das Römische Kreuz ist vollkommenste Mutti, Supernanny aller Beschränktheiten und absoluter, jungfräulich-reinster Zwang. Kreuzigung bedeutet physische Hineinzwängung eines Lebens in den nullten Freiheitsgrad: Zerquetschung, Einstampfung und Zusammenpressung einer menschlichen Existenz zum Punkt, dem Nichts: den schändlichsten Sklaventod. Ich kann das Römische Kreuz nur als das sehen, wofür es ursprünglich verwendet wurde: als grausamstes Tötungsmittel, das dem entstellten und festgenagelten Mann - bedeckt von einem ecklig-surrenden Schwarm stechender und gierig saugender Insekten - unter beißendem Hohn, Spott, zotigen Anfeuerungsrufen und schlussendlich johlendem Beifall, Gegröhl und Gekreische dummgeiler Gaffer auf entwürdigendste Weise die letzten Körpersekrete während des finalen Erstickungsanfalls aus seinem zyanotischen, blaurot-violett verfärbten Körper herauspresst: erzwungener, in einer ejaculatio seminis eskalierender Kontrollverlust in extremis: öffentlich inszenierter, mega-giga-tera-peta-exa-obszöner, bestialischer Foltervergewaltigungsmord, Pervertissimo, letzter Tabubruch, ultimativer Skandal, schwerster, exzessiver Frevel, Totalschändung: Armageddon barbarischer, triumphaler Inhumanität. Das Grausamkeitsmaß betreffend besteht da gar kein Unterschied mehr zu diversen Ritualmorden archaischer Gemeinschaften. Es besteht kein Zweifel mehr, dass mit dieser singulären Grenzüberschreitung der Mensch das, was er als Hölle bezeichnet, selbst mit Bedacht geschaffen und mit "setzen, sehr gut!" (Note 1* bzw. 15 Punkte) erfolgreich verbreitet hat. Für frei denkende und frei lebende, positiv gesinnte und vernünftige Menschen ist es ausgeschlossen, ein Objekt, das für diesen Zweck erfunden und angewandt wurde, anzubeten sowie seine Protagonisten in Ehren zu halten. Fesselung, Flagellation und Strangulation zählen ausserdem zu den seit Alters her bestens bewährten, sado-masochistischen, sexuell-perversen Praktiken, die von genannter weltanschaulicher Organisation wegen besonderer Schädlichkeit für Leib und Seele in den Bann gelegt wurden. Zutiefst verwerflich in diesem Zusammenhang ist auch das das Grauenvollste, Grässlichste und Schrecklichste ästhetisierende 2010-Werbeplakat für die zu diesem Gräuelthema einschlägig bekannten und bedauerlicherweise weltberühmten "Festspiele" (und all ihrer Ableger), die - abgesehen von Verboten in der Zeit der Aufklärung - seit 1634 n.Chr. in zehnjährigem Turnus abgehalten werden. Die im Jahr 2010 zusätzlich aufgeführte Kinderpassion ist Steilvorlage, die Debatte über mißbrauchte Erziehungsbefohlene um die Punkte Zwang und Manipulation auszubauen: Kinder, die sich in einer freien und offenen Gesellschaft seelisch gesund entwickeln können, beschäftigen sich freiwillig nie mit Gedanken an Folter und Tod; so etwas geschieht nur in seelisch, humanitär und weltanschaulich degradierten Zwangsgemeinschaften: im NS-System log Baldur von Schirach dem angeblich arischen Jungvolk - Pimpfen und Jungmädeln - vor, sie seien nur deshalb erschaffen worden, um für Deutschland zu sterben. Das zerstört jede empfindsame Seele ähnlich folgendem Zweizeiler aus dem Gesangsbuch einer weltanschaulichen Organisation: "Oh Welt, ich muss Dich lassen, sterben ist mein Gewinn!".

Das Römische Kreuz symbolisiert somit nach meiner Sicht nicht seelisches Heil, geistigen Halt, Erlösung und Todesüberwindung, sondern nur Gewalt, Folter, Vergewaltigung, supremen Sadismus, Perversion und Mord. Positive Assoziationen sind mit dem Römischen Kreuz unvereinbar.

Ronald Reagan appellierte am 12.06.1987 vor dem Brandenburger Tor an der Berliner Mauer an den Premier der damaligen UDSSR: ".... Mr. Gorbachew, tear down this wall!"
So empfehle ich dem Oberhirten: "Dear Mr. pope, chop off and dump this Roman Cross!"

Einer Monsterdampfwalze gleich zerstörten vom Missionseifer besessene Extremisten und Fundamentalisten dieser weltanschaulichen Organisation mit Feuer, Schwert und dem verlogenen Schlachtruf "Gott will es!" in aller Welt eine Vielzahl archaisch-natürlicher Weltanschauungen (hier begann die Entgötterung der Natur, die sich nachträglich als für das ökologische Gleichgewicht so verhängnisvoll erwies), indem sie zahllose unbeugsame, zu "Heiden" degradierte Ureinwohner mordeten und auf den gewaltsam geschaffenen riesigen Brachen eine öde und triste, aber bestens kontrollier- und steuerbare weltanschauliche Monokultur pflanzten, indem sie, wiederum unter massiver Anwendung von Zwang, Gewalt und Gehirnwäsche, erfolgreich eine bedenklich große Anzahl Gläubiger (Im Jahr 2010 zählte diese Organisation ca. zwei Milliarden "Werkzeuge Gottes") unter dem Dirigat des Römischen Kreuzes und dem strengen Leitsatz "ora et labora" sorgfältig züchteten. Ihnen sind mit Bedacht über viele Jahrhunderte Spaß und Freude am Leben gründlich und nachhaltig verdorben sowie der freie Wissenserwerb in Literatur, Technik, Naturwissenschaften und Medizin vermasselt worden. So durfte ausserhalb der Mauern von Klosterbibliotheken nur in der Bibel geforscht werden. Und das sollte bis heute so weitergehen. Doch solche unerträglichen Beschränkungen ließen immer weniger Schäflein über sich ergehen. Beispiel eines steinernen Zeugen resilenten Strebens nach Erkenntnis - das ist sinnliche und verstandesmäßige Wahrnehmung - und "nackter Wahrheit" steht vor dem Eingang der Ecole de Médecine in Paris: es ist die steinerne Statue einer sich selbst entkleidenden Frau. Die Plastik trägt den treffenden Titel: "Die Natur entschleiert sich vor den Augen der Wissenschaft" (DIE ZEIT Nr. 48: 60 vom 25.11.2010).
In traditionell rückwärtsgewandter Sturheit verkündete zu den Themen freier Wissenserwerb, Aufklärung und Intellekt ein frisch gekürter Oberhirte in seiner ersten Botschaft vom 20.04.2005 "... die dringendste Notwendigkeit einer......Reinigung des Gedächtnisses, ... um die volle Wahrheit ... aufzunehmen" (gerade er sollte doch eigentlich wissen, dass nach L. Wittgenstein "....kein Mensch direkten Zugang zur Wahrheit hat.") und am 24.12.2011: "... dann müssen wir vom hohen Roß unseres aufgeklärten Verstandes herabsteigen, .... unsere falschen Gewissheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, ... geistig zu Fuß gehen, ... verzichten auf die Fixierung auf das Materielle, Meßbare, Greifbare....". Die wirklich Klugen und Weisen saßen noch nie hoch zu Roß, sind nicht stolz und kennen ganz bestimmt keine Lebenssituation, in der sinnvoll sein kann, den Verstand auch nur vorübergehend abzuschalten.

Erfindung und globale Verbreitung des Römischen Kreuzes (Beispiel: GEO 02/2007: 96) - egal unter welchem Aspekt - stellt ein besonders schweres humanitäres Versagen, einen Zivilisationsbruch dar. Die mit dieser Generalisierung implizit aufgezwungene Hauptbotschaft, jedes Unrecht widerstandslos ad exitum hinzunehmen, ist inakzeptabel. Der bekannte Spruch "Schlägt Dir jemand auf die linke Wange, dann halte ihm doch auch noch die rechte hin" ist menschenverachtend, denn dieses absichtlich empfohlene Fehlverhalten, diese Selbstverleugnung und aufgedrängte Passivität unterdrückt den natürlichen und gesunden Ego-Reflex der Selbstverteidigung und Selbsterhaltung, schwächt die Position Bedrängter und steigert deren Leid, damit diese - anstelle in ihrem Selbstwert und Selbstvertrauen - vermeintlich im Glauben Halt finden.

Was nutzt es Gläubigen nun, wenn sie in froher Hoffnung auf moralische Erhöhung und einen besseren Platz im Jenseits ungerecht zugefügtes Leid in Serie erdulden? Sie werden hier im realen Leben nur noch weiter gequält, unterdrückt, ad exitum ausgepresst und in ihrer letzten Stunde - am bitteren Ende ihres Sinnloswartens auf Godo - abgrundtief enttäuscht und frustriert ihre ultraeiskalte kosmische Einsamkeit und Verlassenheit einsehen und in bodenlos-ohnmächtigem Zorn erkennen, dass sie dauerhaft um ihre Lebensqualität und um ihre letzte größte Hoffnung schändlich und feige betrogen worden sind. Beispiel: "Wo bleibt er denn nur, mein lieber guter Heiliger Michael, wann erhört er mich denn endlich und hilft mir?", hörte ich eine Zeit ihres Lebens tiefgläubige Kindergärtnerin wenige Stunden vor ihrem Tod zweifelnd fragen. Sie zweifelte umso mehr, weil kein Verkünder des Herrn sich wegen seiner angestammten Arroganz herabließ, sie in ihren letzten Daseinstagen zu besuchen, ihr Trost zu spenden und Zuwendung zu geben: er war sich offensichtlich zu gut, nur eine alt gewordene Kindergärtnerin zu besuchen. Sophie Scholl äusserte in einem ihrer Briefe an Fritz Hartnagel, dass sie "...Gott nicht finden kann...". Auch Mutter Theresa zweifelte, indem sie schrieb: "In mir ist kein Gott". Das lapidare Sprichwort - "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott" - zielt in dieselbe Richtung.

Die Ideen von einer möglichen Existenz Gottes und dem Jenseits sind so vage und substanzlos, dass sie dauerhaft argumentativ unangreifbar bleiben: sie sind weder falsi- noch verifizierbar; solch gehaltlose Gedanken sind nur unbrauchbar. Keiner wird jemals feststellen und dann erklären können, woraus Jenseits und Gott - aussergedanklich - bestehen und wie beides entstanden sein soll.

Es war im August 2010 in einer Aussegnungshalle dieser weltanschaulichen Organisation, als ein Spender göttlichen Heils coram publico die obligatorische Anstands-Bankrotterklärung offenbarte, indem er in einer Standardfloskel sinngemäß verkündete, man "....müsse das Leid, das der Tod einer jungen Frau den Hinterbliebenen gebracht hat, einfach aushalten." Ein Mehr an Banalität und Trostlosigkeit kann man den im Leid Erstarrten und vorübergehend wehrlos gewordenen wirklich nicht aufladen.

Schon vor 300 Jahren ist im anonym veröffentlichten Traktat "Der Gottesbetrug" diese Weltanschauung als Verblendung erklärt worden (DIE ZEIT Nr. 21: 19 vom 20.05.2010). Voltaire äusserte die Ansicht, dass "...der Aberglaube die ganze Welt in Brand setzt und nur die Philosophie ihn wieder löschen kann". Jurek Hronowski (*1922 Zloczów, Polen †2006 Warschau), ehemals streng gläubig, hat nach mehrmaligen Internierungen in den KZ Auschwitz und Sachsenhausen seinen Glauben an den gerechten Gott verloren und genannte weltanschauliche Gemeinschaft verlassen. Ich selbst halte diese und auch die anderen Weltanschauungen für verschiedene Varianten ein und derselben gefährlichsten Illusion, die der Mensch jemals erdacht sowie bis dato erfolgreich und dauerhaft verbreitet hat: sie haben sich inzwischen zum Vorteil sehr Weniger und Nachteil sehr Vieler laufende Perpetuum-Mobile-Geld- und Unterdrückungsmaschinen mit integrierten Postenverteilungsapparaten entwickelt; diese bequemen und in sich geschlossenen Kartelle, Selbstbedienungsläden, Austragshäuschen und Karrieresteigbügelhalter sind inzwischen leider auch von einigen Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen erfolgreich imitiert worden.

Ein Folterinstrument wie das Römische Kreuz ist als Heils-, Friedens-, Erlösungs- und Todesüberwindungsmetapher vollkommen ungeeignet. Eine größere Diskrepanz zwischen Wirklichkeit - physischer Wirkung - und idealisierter, güldener Verklärung als beim Römischen Kreuz ist undenkbar und offenbart hemmungs- und grenzenlose Wirklichkeitsverweigerung sowie die unendlich groß scheinende Macht mißbrauchter Manipulation und entgrenzter Demagogie. Wegen der suprem grausamen physischen Wirkungsweise des realen Römischen Kreuzes kann seine tatsächliche, unverfälschte und direkte Botschaft nichts anderes sein als Extremismus pur. Die Ikonen aller anderen weltanschaulichen Gemeinschaften haben keinen derart problematischen und fragwürdigen, inhumanen und extremistischen Realkern, bestehend aus dem dreckigen Halbdutzend Zwang, Vergewaltigung, Sadismus, Perversion, Folter und Mord. Nur die unvorstellbar große, in ihren Ursachen noch nicht verstandene und kaum vermessene menschliche Irrationalität und Emotionalität, ihre hartnäckige Persistenz, Unverbesserlichkeit und leichte Ausnutzbarkeit - die Macht der Dummheit (Umberto Eco in DIE ZEIT 40: 51 vom 29.09.2011) - sind substantielle Argumente, warum diese Ikone trotz ihrer unmenschlichsten realen Bedeutung seit nunmehr 17 Jahrhunderten Bestand hat: viele Menschen sind in erschütterndem Ausmaß manipulierbar (selbst beim vermeintlichen Privatissimum der Familienplanung), oberflächlich, unkritisch, träge, scheuen Verantwortung ("Um Gottes / Himmels Willen!", "Gott sei Dank!", "...Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden, ...", "Der Herr ist mein Hirte", "In Deine Hände empfehle ich meinen Geist"), verkennen die Gefahr der Gewöhnung, fliehen vor der gedanklich angeblich zu anstrengenden Komplexität begeistert und erleichtert in einfachste Welterklärungen attraktiv erscheinender Despoten, kapitulieren vor der süßen Bequemlichkeit der Gewohnheit, haben sich größte Angst vor Obrigkeit, Tod und einem phantasierten Jüngsten Gericht einjagen lassen ("ohne Furcht kein Glaube"), hegen und pflegen ihre Kleingeisterei, Spießerei, Zwergerei, ihr schlechtes Gewissen und akzeptieren gerne, mit unverschämt törichten Versprechungen eines imaginären Jenseits vielleicht irgendwo da oben hinter Schäfchenwolken hingehalten, belogen und betrogen zu werden. Wie riskant es werden kann, wenn man nicht genau hinsehen will oder sich nicht interessiert, zeigte z. B. der Verlauf des atomaren Wettrüstens, das auch deshalb derart ausufern konnte, weil die Bilder von der Zerstörungskraft dieser Waffen in der Öffentlichkeit meist distanziert-abstrakt blieben und zu selten ins unerträglich-gräßliche Detail gingen (DER SPIEGEL 25/2011: 122-125). Ein weiteres Beispiel für immer weiter tradierte, organisierte Verdummung sei hier die im Jahr 2008 gegebene Antwort eines fünfjährigen Enkels auf die Frage von Großmutter, was denn Opa nun im Himmel oben machen wird: "Den ganzen Tag Fußball schauen"; hier ist die von Neil Postman 1985 ("Wir amüsieren uns zu Tode") prognostizierte Infantilisierung der Gesellschaft durch Infotainment Wirklichkeit geworden. Der bekannte Spruch "Selig die Armen im Geiste, denn ihnen ist das Himmelreich" passt recht gut dazu und ist eine verkappte, zynische Empfehlung, eigenständiges Denken besser bleiben zu lassen und vom Baum der Erkenntnis nicht zu essen, weil es den Menschen sonst so ergeht wie Adam und Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies.
Wunder sind genauso unmöglich wie die Transsubstantiation und das Herabsteigen vom Römischen Kreuz; eine Jungfrau kann nicht gleichzeitig biologische Mutter sein; keine gesunde Schwangerschaft dauert nur 16 Tage: 08.12.: Mariae Empfängnis; 24.12.: Christi Geburt. Es gibt keine Dreieinigkeit wegen 3 ungleich 1; eine geistige Erleuchtung kam noch nie "vom Himmel" herab"; auch mit bestem Willen kann niemand
- aus einem Klumpen Lehm einen Mann erschaffen,
- auch nach 1000 Jahren biotechnischer Forschung aus der Rippe eines Mannes eine Frau erschaffen,
- zubereitete Fische vermehren,
- Wasser in Wein oder Steine in Brot verwandeln,
- über eine Wasseroberfläche gehen (so wie es das 2010-Werbeplakat mit dem Motto: "Damit Ihr Hoffnung habt!" zweier weltanschaulicher Organisationen suggerieren wollte, als sie für ihre geplanten Aktionen auf einem gemeinsamen Konvent vom 12.-16.06.2010 warben),
- durch persönliches Leiden alle Sünden der Welt hinwegnehmen (wieso gibt es dann den Beichtstuhl, die Buße, das Märchen vom Jüngsten Gericht und wieso müssen in jedem Rechtsstaat Legislative, Jurisdiktion und ein Polizeiapparat präsent sein?),
- allein durch Berührung Kranke heilen,
- von den Toten auferstehen,
- vom Himmel hoch herabkommen oder in diesen wieder auffahren,
- alle Geschehnisse gleichzeitig beobachten und steuern,
- über alle zu Gericht sitzen.
Niemand hat nach dem Beichten und dem Erhalt der "Absolution" all seine Missetaten ungeschehen gemacht. Himmel, A.... und Zwirn! Lächerlich, schreiend dumm die Reihe mobiler, leuchtend weißer Beichtstühle auf dem Weltjugendtag 2011 in Madrid.
All das ist über viele Jahrhunderte weitergeführte, perfektionierte Indoktrination von Irrationalität und Inkonsequenz (wie z. B. auch das statement: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"): damit soll in übertragenem Sinne den Gläubigen dauerhaft eingebleut und glaubhaft gemacht werden, dass 1+1=3 ist. Probleme sind auf diese Art noch nie gelöst, sondern nur vergrößert worden.
Herr Hirnbeiß meint: "Un wenn des a so is, nacha kennan ma Fünfe oiso do grod sei lassn. Gell, You Bazi Du."
Information ist entweder an Materie oder Strahlung gebunden und damit transportabel. Immaterielles wie die von genannter weltanschaulicher Organisation erfundenen "Seele" ist somit intransportabel. Es steht inzwischen naturwissenschaftlich ausser Zweifel, dass alle Vorgänge im unendlich großen Kosmos mit seinen Universen so einfach wie möglich ablaufen. Deshalb ist es ausgeschlossen, dass Stoff- oder Informationsflüsse aus dem Kosmos hinüber in ein sogenanntes Jenseits gelangen können. Der Mensch verliert im Moment des Sterbens kein Gewicht, weil eben keine Seele aus ihm ins "Jenseits" entweicht. Es gibt keine Seelenwanderungen: das Märchen vom Jenseits ist nur Verfälschung, Veräppelung und Trivialisierung der ernstesten vorstellbaren Wirklichkeit für den denkenden Menschen, der sie zu ergründen versucht. Von der Vernunft her betrachtet ist es einfachste, vornehmste und oberste Pflicht jedes Bürgers, sich ohne fremder Anleitung und Einmischung seines eigenen gesunden Verstandes zu bedienen, an seinen Kern- und Halbschatten zu arbeiten, nach Ordnung der Gedanken Position zu beziehen und entsprechend zu handeln: selbst zu steuern, zu bestimmen, zu wirken und gründlich dafür zu sorgen, dass Lügen nur ganz kurze, am Besten gar keine Beine haben; ausserdem muß er lernen, davon zu lassen, sein eigenes Scheitern auf andere abzuwälzen und dauernd zu versuchen, unfaire Vorteile nehmen zu wollen. Nur so wird das Elend der
Großen Prokrastination - das ist stures Untätigbleiben um jeden Preis und Verschieben/Weiterwälzen wichtiger Entschlüsse, Handlungen und wesentlicher Bedürfnisse in eine vage Zukunft oder gar ein erhofftes besseres Zweitleben - erfolgreich beendet. Andernfalls kapituliert man vor den Problemen und Anforderungen der Alltagswirklichkeit und gibt sich der Weltflucht, dem Eskapismus hin. Für die Mitmenschen, die im Hier und Jetzt selbstwirksam agieren, ist man dann wertlos und zu einer schweren Last geworden. Viele Menschen täten gut daran, in ihren grauen Zellen die Quanti- und Qualitätsverhältnisse zwischen Ratio und Emotio zugunsten ersterer zu verändern; freilich fällt das schwer, weil evolutionär der irrational-emotionale Anteil viel größer angelegt ist. Aber dann würden sie auch erkennen, warum es möglich war, dass entgegen dem Darwinschen Gesetz des "survival of the fittest" eine seit ca. 1700 Jahren in den geistigen Grundstrukturen ihres Weltbildes erstarrte und fossilisierte Organisation sich behaupten sowie Macht und Einfluß mehren konnte. Es ist unvernünftig, wenn die sich demokratisch nennende BRD in der Friedenspolitik aktiv, aber gleichzeitig weltdrittgrößter Waffenexporteur ist und im Juli 2011 heimlich 200 Leopard-Panzer an Saudi-Arabien verkaufen wollte. Es sind Undenkbarkeiten, die der Oberhirte am 26.09.2006 in der Regensburger Ansprache brachte, als er verkündete, dass "Vernunft pathologisch eingeengt sein kann,... Glaube vernünftig ist und ... Vernunft und Glauben zueinander finden können". Weite Bereiche dieser weltanschaulichen Organisation sind nichts weiter als gelebte, materialisierte, organisierte, institutionalisierte, verzweckte, verstärkte, hochgezüchtete und ausgenutzte menschliche Negativ-Emotionalität (v. a. Angst), Inkonsequenz und Irrationalität. Die Riesenherde abgerichteter Gläubiger, Cash-Kühe und Goldesel, die - entsprechend der Zehntenabgabe im Mittelalter - per ganz diesseitiger Steuergesetzgebung ihre Jenseits-Prediger und Unterdrücker alimentieren muss (DER SPIEGEL Nr. 30, 26.07.2010, S. 30), befindet sich seit Jahrhunderten kollektiv-unbewusst stationär in einem locked-in Status: in den weltanschaulichen Narrenpferch gezwängt wogt, wabert, hastet, hechelt und rotiert nach verzweckten astronomischen Zyklen die Untergebenheit in endloser Wiederkehr ineinander verschachtelter Idiotenkarussele um sich selbst: vom Tageszyklus der Gebetsstunden bis zum Jahreszyklus spezifischer Feiertage. Freilich werden dabei auch all die verspottet und verachtet, die an Weihnachten alleine sind. Ein Dummheitsgebaren kann nur dann zu solch kolossaler Größe kumulieren, wenn über sehr viele Generationen auch die negativen Komponenten der Tradition unbewertet, unreflektiert, unbearbeitet, unbesehen und kommentarlos weitergepflanzt, gehegt und gepflegt worden sind; man steigt doch nie in den gleichen Fluß. Ich selbst hatte als Kind vorübergehend die Vorstellung, dass alle Erwachsenen lange schwarze Mäntel tragen und allesamt unendlich vernünftig und weise sind. Nach unvorstellbar großer Enttäuschung weiß ich nun, dass in Wirklichkeit unerträglich viele sogenannte Erwachsene nicht mal ihre Pflicht-Basis-Hausaufgaben erledigt haben, indem sie wahres und ehrliches Nachdenken unterließen oder untätig blieben und wegen ihrer Verantwortungslosigkeit ihren Abkömmlingen schwerstens geschadet haben. Es wäre ausnahmsweise einmal gut, wenn Albert Einstein mit der Feststellung unrecht gehabt hätte, dass die menschliche Dummheit genauso unendlich ist wie das Weltall.

Hier soll auch der im Murnauer Tagblatt (Nr. 124: 1) am 02.06.2010 veröffentlichte Freud'sche Versprecher einer Pfarrgemeinderatssprecherin kommentiert sein, die meinte, dass "Das ...Heiligste... und nicht wir Menschen im Zentrum stehen": auf welche Abwege eine Gesellschaft gerät, wenn im Brennpunkt des allgemeinen Interesses anstelle des sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Wohlergehens sowie positiver Bildungs- und Wissensoptimierung des einzelnen Menschen ein wie auch immer gearteter Idealismus steht, haben u. a. Nationalismus, Marxismus, Nationalsozialismus und Kommunismus gezeigt. Die Wurzeln des derzeit grassierenden, mit Bildungmisere und Rückbau humanitär-sozialer Sicherungssysteme, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Lohndumping durch Zeit- und Leiharbeitsverhältnisse (DIE ZEIT 46: 25 vom 10.11.2011), sowie wachsender Währungs- und Finanzlabilität einhergehenden Turbo-, Raubtier-, Abenteuer-, Casino- und Zockerkapitalismus liegen in den ausbeuterischen Feudal- und Lehnswesen des späten Mittelalters, die ihrerseits auf die Sklaverei zurückgehen. Weitere Auswüchse, z. B. aus der Frühzeit der Industrialisierung, sind im von Gerhart Hauptmann beschriebenen Hungerelend der Schlesischen Weber dokumentiert, deren Revolte Anfang Juni 1844 vom Preussischen Militär brutal und blutig niedergeschlagen wurde. Den von der Arbeitgeber- und Geldlobby in die öffentliche Diskussion gepressten "Sozialkapitalismus" oder "sorgenden Kapitalismus" halte ich für ein toxisches Konstrukt, das nicht mehr ist als rhetorischer Bestandteil gelb-schwarzer Beschwichtigungspolemik. Es darf doch nicht sein, dass der für die meisten Menschen selbstverständliche und natürliche Wunsch nach adäquat bezahlter und fairer Arbeit zum Erwerb des Lebensunterhalts von vielen Arbeitgebern derart vermiest und durch Lohndumping entwertet wird. Die mögliche Erfüllbarkeit des natürlichen Wunsches des Menschen nach Selbsterhaltung durch Arbeit, das natürliche Bestreben nach Selbstwert durch Arbeit sowie das daraus erwachsende existentielle Bedürfnis nach Erwerbstätigkeit werden als Geiseln mißbraucht.

Es ist nur ein Allgemeinplatz, dass nationalsozialistisches Gedankengut sich gerade dort schnell verbreiten konnte, wo diese weltanschauliche Organisation vorab massiv und nachhaltig Angst, Irrationalität und Inkonsequenz in die Köpfe der Menschen eingetrichtert hat. Die Schädlichkeit von Idealismen ist allgemein bekannt und dokumentiert [DIE ZEIT (Nr. 22: 22) vom 27.05.2010]. Im futuristischen Roman "Die Entbehrlichen" von Schriftstellerin Ninni Holmqvist wird dargelegt, wie Idealismen eine Gesellschaft in abscheuliche Abgründe von unmoralischem Utilitarismus, Inhumanität und Würdelosigkeit ziehen: das beginnt mit massiver Demütigung kinderlos gebliebener Singles und Paare durch Internierung, geht weiter mit ihrer Erniedrigung zu Zwangsorganspendern für erkrankte kinderreiche Elternteile und gipfelt in ihrer Ermordung, nachdem sie sich unter dem Einfluß manipulativen Zwanges zur sogenannten Endspende selbstverständlich "freiwillig" gemeldet haben.

Fazit: es ist ein bodenlos inhumaner, unfairer und menschenverachtender Hauptcharakterzug genannter weltanschaulicher Organisation, ganz normale, alltägliche und selbstverständliche, große seelische und intellektuelle Schwächen vieler Menschen wie Ängstlichkeit, Irrationalität und Inkonsequenz manipulativ zu steigern und diese absichtlich verstärkten Mängel nur zum eigenen Vorteil und zum Nachteil vieler Millionen anderer zu verzwecken, um ein Unterdrückungs- und Ausbeutungssystem am Laufen zu halten und ein bequemes Auskommen zu haben. Nur so wird es erklärbar, dass Menschen zu Kügelchen geformtes Papier kaufen und essen, das mit frommen Sprüchen bedruckt worden ist. Es ist unfassbar, dass 2010 ca. 50% aller erwachsenen Einwohner der BRD immer noch an die Existenz von Engeln glaubten (STERN Nr. 52: 58 vom 22.12.2010) und es ist sehr erstaunlich, dass auch solche Bürger als mündig erklärt sind und wie selbstverständlich ihrer Wahlpflicht nachkommen dürfen. Ähnliches geschah tatsächlich in Belgien (DIE ZEIT 43: 17-19 vom 20.10.2011).

Problem- und zwangloses Einhalten des wesentlichen - den Menschen selbst betreffenden - Kerns der Zehn Gebote braucht bei positiver Einstellung zum Leben, zum Miteinander, zur Fairness und zur Humanität keine weltanschauliche Zwangsjacke mit eingesetzten Handschellen; gleiches gilt für eine den Tugenden konforme Lebensführung. Freilich bin ich mir darüber im Klaren, dass es viel zu viele Mitglieder in dieser weltanschaulichen Gemeinschaft gibt, die zu keiner positiven Lebenseinstellung fähig sind, die noch nie auch nur das geringste Interesse an Tugend, Gemeinschaftssinn und Moral hatten, dies in aller Form hemmungslos und ungehindert leben und bei denen gut- und ernstgemeinte Langzeit-Versuche einer Einflußnahme wie "Wandel durch Annäherung" dauerhaft wirkungslos bleiben. Es macht fassungslos, dass auch solche unverbesserlichen Kreaturen / Wesen selbstverständlich genau dieselbe medizinische Premium-Versorgung genießen und genau dieselben sozialen Dienste in Anspruch nehmen dürfen wie alle anderen, damit solche Leben zur größten Freude aller anderen nach allen Regeln der Kunst so lange wie möglich weitergeführt werden können. Wunderbar; wie strahlend schön, nett und gerecht das doch ist, möglichst wenig zu geben und ein Maximum aus dem System herauszuziehen! Man sollte deshalb mehr darüber nachdenken, ob es sinnvoll sein und praktikabel gemacht werden kann, für jeden ein nicht verhandelbares "Sozial- und Solidarkonto betreffend Gemeinschaft, Solidarität, Freunde und Familie" einzurichten, das jeder nach seinem persönlichen Ermessen mit Positivem und wahrer, ehrlicher Menschen- und Nächstenliebe füllen kann und in Abhängigkeit vom Sozial-Solidarkontostand Qualität und Quantität seiner Ansprüche gegenüber der Gemeinschaft bemessen werden: damit meine ich z. B. die Höhe von Erstattungen durch Krankenkassen und Solidarleistungen des Staates.

Was insistieren weltanschauliche Organisationen auf der Existenz höherer Instanzen, die angeblich alles schufen und steuern und warum mißachten sie die Wissenschaften: die Erkenntnisse über die Ultra-Tiefe der Zeit (bekannt geworden im Jahr 1898 mit der Entdeckung der Radioaktivität und der Halbwertszeiten durch M. & P. Curie) sowie die Entwicklung der Natur, ihrer Selbstorganisation und Gesetzlichkeiten und der Bioevolution, die aus den Komponenten der zufälligen Mutation, der natürlichen Selektion und der Kooperation bestehen (Nowak, M. & Highfield, R. 2010: SuperCooperators: why we need each other to succeed.- Free Press, N. Y.)?. Fast 14 Milliarden Jahre Zeit mit fortlaufender und immer feinerer, durch die Entropie gesteuerte Differenzierung der Materie sind vergangen und haben neben höheren Lebewesen, dem Bewußtsein und dem sinnsuchenden Menschen das hervorgebracht, was der Mathematiker Pythagoras erstmals Kosmos nannte, über dessen Werden und Vergehen Albert Einstein, Edwin Hubble und Stefen Hawking großartige Hypothesen schrieben und dessen irdische biosphärische Stoff-Flüsse der Zoologe Ernst Haeckel erstmals im Begriff Ökologie - dem großen gemeinsamen Haushalt - zusammenfasste. Hineingeworfen in diese archaische, unfassbar alte, unermesslich große und komplexe Struktur sieht sich der nach den Ursachen der Natur und seiner selbst fragende faustische Menschentyp zunächst hoffnungslos überfordert und von vielen natürlichen Formen, Geschehnissen und Tatsachen geängstigt und befremdet; dazu gehören auch die nach wie vor ungelösten Fragen über die Entstehung von Zeit, Raum, Masse/Energie, über die Entwicklung der Strukturen und Naturgesetze im Kosmos und inwieweit das, was er über seine Sinne wahrnimmt, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Deshalb setzte der Mensch in der Zeit vor der Entdeckung der Naturgesetze (der wissenschaftliche Determinismus von Laplace 1749-1827) in einer gedanklichen Welt, die er Jenseits nannte, übergeordnete Instanzen, die damals für alles Unverständliche in der Natur und Ängstigende wie die Vergänglichkeit standen und die bei den Alten Ägyptern erstmals zu einer einzigen Instanz, dem Sonnengott Aton, zusammengeführt wurden. Freilich wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte viele dieser Ideen klammheimlich von anderen weltanschaulichen Organisationen abgegriffen und plagiiert, nachdem diese versucht hatten, die Kulturschöpfungen ihrer Vorgänger zur Gänze auszulöschen; Beispiel: Zerstörung der altgriechischen Arthemis- und Serapis-Tempel durch die Christen; nur 1% der altgriechischen Kunstschöpfungen haben diese weltanschaulich motivierte, rasende Zerstörungsgewalt überdauert.

Genannte weltanschauliche Organisation wollte den Menschen beibringen, dass sie sich damit zufrieden geben sollen, die Welt und die Natur nicht zu verstehen (Richard Dawkins) und dass das Wissen nicht von seinem göttlichen Ursprung getrennt werden darf. Es ist selbstverständlich, dass in den wenigen Jahrhunderten, in denen nach tausendjährigem Verbot des freien Denkens, Forschens und des sich Fortbildens - nach der langen Agonie des Dumm- und Unmündighaltens der Bevölkerung - , nämlich der dogmatischen Zensur der freien und unabhängigen Wissenschaft und Informationsquellen und dem absichtlichen Wegschließen von Wissen in öffentlich nicht zugänglichen Bibliotheken - zwischen Frühem Mittelalter und Renaissance - ohne Gefahr für Leib und Leben nach Wesen und Ursachen dieser Struktur geforscht werden darf, noch keine Erklärungen da sein können und diese großen Fragen vorerst offen bleiben müssen. Genauso unmöglich war die Erschaffung der Welt in angeblich sechs Tagen. Das seit 17 Jahrhunderten unerträglich vorlaut geäusserte Postulat der Existenz einer höheren Instanz kann doch erst dann möglicherweise gerechtfertigt sein, wenn nach vielen vielen Jahrtausenden intensiver, freier, unabhängiger und uneingeschränkter, geduldiger wissenschaftlicher Forschung keine letzte Erklärung für Entstehung, Entwicklung und Dasein der Natur und ihrer Gesetzlichkeiten gefunden werden konnte.

Zudem muss geklärt werden, ob der Gesamtintellekt der Menschheit geeignet ist, möglicherweise vorhandene Gründe für das Zustandekommen dieser größten vorstellbaren Gesamtkomplexität - der Natur - zu erkennen und zu verstehen. Denn wenn dem nicht so ist, weil der Mensch seine Wahrnehmungsbereiche technisch nicht genügend erweitert oder neu gefundene Strukturen und Vorgänge noch nicht verstanden hat, dann ist auch die von dieser weltanschaulichen Institution postulierte höhere Instanz nicht notwendig: denn der Schlüssel zur letzten Erklärung könnte in dem Bereich der Natur liegen, der dem Menschen bei seinem derzeitigen technisch-intellektuellen Stand noch nicht zugänglich oder verständlich ist.

Nur in Gedanken sei die kühne und optimistische Annahme gemacht, der Mensch habe nach vielen vielen Jahrtausenden intensiver wissenschaftlicher Aktivität wirklich und nachweislich alles in allen Dimensionen der Natur (einschließlich jener der strings-, branes- und der M-Theorien mit all ihren Nachfolgemodellen) gesehen, erforscht und extrapoliert und keine letzte Erklärung für ihr Zustandekommen, ihre Gesetzlichkeiten und ihre Strukturentwicklung gefunden und auch keinen Sinn in ihrem Dasein erkennen können. Dann ist eben tatsächlich kein letzter Sinn vorhanden; und ich sehe darin auch gar kein Problem. Die Natur hat sich selbst aus dem gebildet, was mangels Begreifbarkeit bis dato als das Physikalische Nichts bezeichnet wird; menschliches Dasein kann in diesem Fall keinen von der Natur gegebenen Sinn haben; ausser man schafft ihn selbst. Das Postulat einer höheren, übernatürlichen und "sinnstiftenden" Instanz ist in diesem Fall auch nicht notwendig. Ähnlich sehen das S. Hawking und L. Mlodinow (2010): Der große Entwurf.

Es macht betroffen und traurig, es enttäuscht sehr und stößt ab, dass diese weltanschauliche Organisation so unfair geblieben ist, das spätestens seit den altgriechischen Philosophen etablierte logische Denken, die Vernunft und die Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschung seit bald 2000 Jahren gewaltsam und nachhaltig zu unterdrücken, zu ignorieren und zu übergehen (DIE ZEIT Nr. 49: 66 vom 01.12.2011), um ihre Macht, Vorteile, Pfründe und ihren Einfluß zu sichern und zu retten. Damit ebnete sie der Entstehung einer stetig sich vertiefenden und verbreiternden intellektuellen Kluft zwischen Wissenschaft/Philosophie und genannter Weltanschauung den Weg und trug somit zur Erhöhung von Spannungen zwischen Gruppierungen in der Gesellschaft bei. Das ist schuldbeladenes, konfliktförderndes Verhalten durch stures Beharren ad infinitum auf dem status quo ante. Dazu kommt, dass diese weltanschauliche Organisation auch nach so vielen Jahrhunderten fortwährender, göttlich-güldener, glühender Verheißung auf ein ewiglich-seliges Jenseits immer noch nicht gestehen will, wo denn nun ihr derart gepriesenes ausserwissenschaftliches, immaterielles, "übernatürliches" Jenseits tatsächlich - in realiter - gefunden, besucht und begangen werden kann: min. 80 Milliarden Kindlein Gottes - vom Australopithecus sediba über Homo neanderthalensis bis zu Johannes Heesters - müssten sich nach min. 80 Milliarden Wiederauferstehungen dort inzwischen versammelt haben und - in der Hoffnung auf Erhörung und Erhöhung - in alle Ewigkeiten dem Chef huldigen, frohlocken und jubelnd lobpreisen. Statt eines himmlischen Lokaltermins samt Protokoll, live-Übertragung, webcam, Fotodokumentation und notarieller Beurkundung blieb alles bei "Dein Reich komme". Es kann kein Sein ausserhalb der unendlichen Natur geben: das Jenseits besteht nur in Gedanken, die mit dem Tod erlöschen, da mit diesem die Neuronen ihre Aktivität endgültig eingestellt haben. Warum lenken die Vertreter genannter weltanschaulicher Organisation nicht endlich ein, geben klein bei und gestehen zähneknirschend, dass - materialistisch-bodenständig gesehen - sich das sogenannte Jenseits ganz und gar diesseitig nur auf einem Seegrund, in den Lüften, in einer Urne, vorübergehend in den Mägen sowie auf und unter der Erde befinden kann? Man könnte weiter spotten und sagen, dass sich das sogenannte Jenseits ganz diesseitig in nichts anderem als der Bodenbildung konkretisiert. Und es ist doch tatsächlich so: Ohne die auf dem Boden wachsenden Pflanzen und von ihnen lebenden Tiere kann kein Mensch existieren; Boden - einer der wichtigsten Garanten des Fortbestands des Menschen - ist demzufolge lebendige Zukunft - das rein diesseitige Jenseits - für die Spezies Mensch.

Warum hat diese weltanschauliche Organisation nicht versucht, mit den modernen, sich entwickelnden Wissenschaften und der Philosophie besser zusammenzuarbeiten, um ihre Denkmodelle zu erneuern und zu aktualisieren? Freilich weiß man spätestens seit Sir Karl Raimund Popper und Werner Heisenberg, dass in den Naturwissenschaften nichts verifizierbar ist und nicht absolut genau gemessen werden kann; aber die Ergebnisse moderner Forschung kommen der Wirklichkeit um sehr viele Größenordnungen näher als die seit nunmehr 17 Jahrhunderten immer gleichen abgedroschenen und inzwischen von vielen peinlich belächelten, weil veralteten Erklärungen - z. B. über Weltentstehung (in sechs Tagen schuf Er Himmel und Erde und am siebten ruhte Er) und Menschwerdung (Adam und Eva) - genannter weltanschaulicher Organisation. Der Psychoanalytiker Paul Watzlawick meint: wenn man nach langem Suchen und großer Ungewissheit endlich einen Sachverhalt erklären zu können meint, kann der dafür eingesetzte emotionale Einsatz so groß gewesen sein, dass man Fakten, die der Erklärung widersprechen, lieber für unwahr oder unwirklich erklärt oder ignoriert, anstelle die eigene Erklärung den neuen Fakten anzupassen (DIE ZEIT Nr. 49: 66 vom 01.12.2011). Das ist nur Recht haben wollen um jeden Preis, was mit echtem Wahrheitsbewusstsein unvereinbar ist. Das per Dogma vom Oberhirten als geschlossen definierte System der christlichen Offenbarung ist somit in geistiger Unbeweglichkeit erstarrt; er hat es selbst begraben. Dazu passt eine Denkschrift aus dem Jahr 2009, die besagt, dass kein Standpunkt über den Weltanschauungen akzeptiert werden kann. Einem vernünftigen Menschen mit positiver Lebenseinstellung kann die Wahl nicht schwer fallen, wenn er zwischen Stagnation-Restriktion-Stillstand-Endstation-Einfalt-Phlegma und Wandel-Dynamik-Fortschrittlichkeit-Aufbruch-Komplexität-Wissbegierde zu entscheiden hat.

Es ähnelt einem trivialen, feigen und billigen, weil auf das irrationale, zutiefst menschlich-allzu-menschliche "Prinzip Hoffnung" setzenden Taschenspielertrick, von vielen dringend erwartete und deshalb gerne geglaubte, in Wirklichkeit aber vollkommen substanzlose Behauptungen in die Welt zu setzen, die bis dato weder bewiesen noch widerlegt werden konnten: dass nämlich nach dem ersten Leben eben nicht endgültig Schluss ist und ein zweites in viel besserer Qualität folgt, eine übergeordnete Institution alles regele, all dies aber weiterhin ad infinitum in einer statischen "Großen Verborgenheit" bleibe ("Älabätsch, 'ich bin der ich bin da und sigst mi ned!'"). Es ist menschenverachtend und -verspottend, wenn solche billigen und skandalös seichten Trick-Behauptungen auf grundlegende, ernste Daseinsfragen abzielen, diese zu trivialisieren und auf Abwege zu leiten versuchen, indem die Einmaligkeit/Singularität von Leben relativiert und somit seine essentielle Schutzwürdigkeit, Bedeutung und Wichtigkeit herabgesetzt und demontiert wird. Dies erachte ich für besonders verwerflich und gefährlich, weil die sehr unwahrscheinliche These von der "unbegrenzten Weiterführbarkeit von Leben - auch wenn nur in Form sogenannter Seelen - im Jenseits nach der Wiederauferstehung" der Ehrfurcht vor dem einzigen realen Leben im Hier und Jetzt abträglich ist; dass das Leben - nachdem vor vielen Jahrtausenden der Jenseitsgedanke erstmals gefasst und diese Illusion in den damals noch räumlich getrennten Kulturen in verschiedene, in ihren Grundstrukturen aber sehr ähnliche Weltanschauungskonzepte eingebettet wurde - seither weniger geschützt war und man sich seither nicht mehr um seine optimale Erhaltung bemüht. Jeder weiß, worauf ich hier anspiele. Der erste jemals gefasste Gedanke an bzw. die erste Idee über ein Jenseits hat wahrscheinlich mit einer der Schattenseiten der Evolution des menschlichen Gehirns zu tun: als die Neuronen eine kritische Anzahl, Dichte und Vernetzungsqualität erreicht hatten, waren in besonderen mentalen Zuständen (Trance, Schock, Fieberwahn, Traum, etc.) virtuelle ausserkörperliche Erfahrungen möglich, die irrtümlicherweise als "real" wahrgenommen wurden und damals zur Annahme verleiteten, dass Körper und Geist/Seele trennbar seien.
Es gäbe viel mehr Frieden, wenn man die großen Fragen des Woher-Warum-Wohin offen gelassen sowie Manipulation und dogmatische Verzwängung der Gedanken jedes einzelnen Menschen über sein Dasein unterlassen hätte. Die überwältigend große humanitäre Katastrophe hätte nie geschehen dürfen, dass ein dem physikalischen Prinzip der Versklavung - begründet im natürlichen synergetischen Effekt (Haken & Wunderlin (1991): Die Selbststrukturierung der Materie) - ähnelnder Vorgang auf Intellekte in menschlichen Kollektiven übertragen und ausgebreitet worden ist. Nur durch global geltende, gesetzlich festgelegte, neutral, ehrlich und konstant überwachte Macht-, Monopol- und Manipulationsbeschränkungen kann die Einschränkung und Demontage der Freiheit, der Würde und des freien Willens des Menschen und der weitere Mißbrauch oben ausgeführter menschlicher Schwächen, was potenziell weitere humanitäre Katastrophen bedeutet, verhindert werden, wie sie derzeit z. B. in Form fanatisierter, vollkommen aus Vernunft und Wirklichkeit gedrängter Selbstmordattentäter Realität geworden sind, die irgendein weltanschauliches Modell gewaltsam herbeibomben wollen, um sich nach vollbrachter Heldentat auf 77 Jungfrauen im Himmel zu stürzen.
Was bleibt denn noch vom freien Willen eines Menschen übrig, wenn er ein schabloniertes Lebensentwurfmodell einer der Weltanschauungen sorgfältig ausführt? Fast gar nix mehr, meine ich.

Wie beispiellos und gigantisch erfolglos das - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - mehr halbherzige und geheuchelte als ernstgemeinte Ringen dieser weltanschaulichen Organisation um eine gerechtere Welt oder einen besseren Menschen war, zeigt untenstehend ein Exzerpt aus der Endlosliste verwerflicher anthropogener Gewalt mit Todesfolge.

Die Tatsache der "Erfindung" und Verbreitung des Römischen Kreuzes einschließlich des Aktes der Kreuzigung beschämt die Menschheit ganz besonders; ähnlich denke ich über die "Schaffung" der Deutschen Konzentrationslager und die "Endlösung": von den Seiten der Vernunft, Moral, Humanität und Empathie her zugleich betrachtet gibt es für niemanden einen Grund mehr, froh zu sein und ein unbeschwertes, von Glücklichkeit erfülltes Dasein zu führen, seitdem das geschehen ist. "Ist das ein Mensch?" - hätte der KZ-Überlebende und Schriftsteller Primo Levi aus Turin ebenso fragen können - , der solch irritierende und größte Besorgnis erregende Brutalität mittels negativer (schwarzer / schädlicher) Kreativität ausgedacht und in die Tat umgesetzt hat. Jeder kennt die alles vernichtende Antwort; aber viel zu wenige überlegen, was zu einer Besserung führen könnte. Es ist unerträglich, absurd, verstörend, ekelerregend und unverständlich, dass glückliches Leben zeitgleich (gleichgültig nebeneinander) zur Ausführung der Kreuzigung und während der Betriebszeit der KZs bestand und weiterging. Unsäglicher Hunger und Durst, entsetzlicher Schmerz, vollkommene Erschöpfung, abgrundtiefe Verzweiflung, Todesangst, bestialische Folter, maximierte Peinlichkeit, Vergewaltigung, Schändung und Mord neben Voll- und Liebesrausch, Orgien, gähnender Langeweile, Hedonismus, Überdruss, Entertainment, Luxusleben, Verschwendung, Ausschweifung, Völlerei und geilsten Lust- und Freudentänzen: das kann man dann interpretieren als den globalisierten Totentanz von Alfred Hrdlitschka oder als ein Ertrinken in Paul Celans zeitlosem Weltozean aus Schwarzer Milch. Ähnlich dem Schriftsteller Ernst Toller kann ich nicht verstehen, warum sich so viele Menschen immer mehr Monstrositäten, Unerträglichkeiten, Unsäglichkeiten, Tabubrüche und humanitäre Versagen antun und damit nicht aufhören können, weil sie es wollen und - weil sie ganz genau wussten und wissen, dass sie Böses taten und tun - anschließend verzweifelt versuchen, ihre Missetaten zu kaschieren, zu verdrängen, vergessen zu machen, abzuwälzen oder anderen unterzuschieben. Haben so viele Menschen das wirklich nötig? Wie dreckig und niedrig soll's denn noch werden? Viel einfacher wäre doch, solche kapitalen Dummheiten zu unterlassen. Der Teil meiner Arbeit ist erst dann getan, wenn ich diesen mentalen Irrsinn genau verstanden habe, der alles zerstören und alles schänden will; wenn ich weiß, welche Knopfdrücke im Limbischen System eines menschlichen Gehirns die Ratio vorübergehend oder dauerhaft ausser Kraft setzen und wie solche Reaktionen verhindert werden können und was zu einer Besserung führen kann. Ein Lösungsansatz dazu könnte sein, Funktionsweisen der Hirnregionen besser zu erforschen und zu verstehen, in denen "Glaube", Sehnsüchte, Träume und Gefühle verortet sind: das sind Brodmann-Region 10, rechter medialer präfrontaler Kortex, Nucleus accumbens und Amygdala (DER SPIEGEL Nr. 50: 58 vom 13.12.2010). Vielleicht wird dann auch erklärbar, warum nach dem ersten Blutrausch (1914-1918) der Deutschen noch unbedingt ein zweiter (1939-1945) - einschließlich der Shoa - sein musste.

Über das gräßliche Geschehen der Kreuzigung mit speziell dazu ausgeklügelten rituellen Vorbereitungen ist mir von diversen "Fachkräften" in deutschen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche mehrmals, hochdosiert und in ihrer widerlich-ekelhaften Penetranz derart verletzend kundgetan worden, dass man dies für empfindsame junge Menschen leichthin als letal bezeichnen kann. Das geschah, ohne dass ich damals jemals davon hören wollte oder jemals danach gefragt hätte. Ich bringe dazu zwei Beispiele:

Zunächst von einer "Fachkraft" für Kindererziehung: Fräulein Gertraud F. ereiferte sich stundenlang über das Leben von Gottes Sohn und besonders gerne und erregt über seinen Leidensweg, euphemistisch zur "Passionsgeschichte" erhoben, die dem zweiunddreißigjährigen jungen Mann widerfuhr und die sie mit vielen ekligen Details wiederholt darbot. Sie verdeutlichte ihre Ausführungen, indem sie verdeckte großformatige Bilder mitbrachte und diese nach langer und spannender Ankündigung an der Schreibtafel enthüllte und in der ihr eigenen Art trefflichst kommentierte; gebannt starrten unsere jungen Augen aufgerissen auf diese entsetzliche Bilderserie rohester Gewalt: es waren Repliken von "Gefangennahme", "Geißelung", "Dornenkrönung", "Verspottung", "Ecce Homo", "Kreuztragung", "Kreuzanheftung", und "Kreuzigung" aus der Kleinen Kupferstich- und Holzschnittpassion Albrecht Dürers. Unbewusst entfuhr unseren Mündern ein fasziniertes Ooh und Aah. Fräulein Gertraud F. pries seine edle und vorbildliche Körperhaltung an der Steinsäule; v. a. die grazile Voranstellung seines linken Beines auf dem Fußballen. Sie klärte uns mit hochrotem Kopf über die absolute Notwendigkeit und Ordentlichkeit des Lendenschurzes von Gottes Sohn auf und berichtete detailliert darüber, wie Bündel von Lederriemen mit daran befestigten Metall- oder Knochensplittern - Geißeln genannt - mit größtem Effè auf Körperpartien und "sogar ins Gesicht" geschlagen - "reingedonnert" - wurden. Bei Blatt 10 wurden wir instruiert, dass der edle, weil weiße Körper von Gottes Sohn ganz im Gegensatz zu den Körpern der beiden Schächer sehr schön und besonders ordentlich, sogar vorbildlich am Römischen Kreuz hinge; ergänzend hörten wir, worin der Unterschied zwischen dem Drei- und dem Viernagelkreuz besteht. Freilich, so erklärte sie, habe zum Heil aller Sünder auf der ganzen Welt dieser größte Held - der Heiland, Sohn des Herren - alle Qualen "sehr tapfer" und klaglos-schweigend hingenommen und "den Kelch geleert". Ich erinnere auch die Begriffe, mit denen sie uns Kindern das Sterben am Römischen Kreuz begreiflich zu machen versuchte: sie lauteten "Krepieren" und "Verrecken". Sobald der Kopf nach unten hing und nachdem ein besonders lauter Schrei erfolgt ist, so erklärte sie uns, sei mit Sicherheit der Tod eingetreten. Solche Erzählungen und Bilder waren mir unheimlich, beschämten mich, machten mich sehr nervös und erzeugten in mir Unruhe und Angst. Mir war das gar nicht recht. In meinen damaligen Schreib- und Zeichenheftchen findet sich ein mit wackligen Strichen gezeichnetes Römisches Kreuz und mehrmals das geschriebene Wort Kreuz: die Rechtschreibübung für den Großbuchstaben K des Alphabets der deutschen Sprache lautete damals Kirche - Kelch - Kreuz - Kerzen - Kinder, was genau in eine Zeile passte; zudem hatte ein jeder der Gruppe ein Fleißheftlein anzulegen, in das er Heiligenbildchen der Serie "ars sacra" sorgfältig einzukleben hatte; unter diesen befanden sich in meinem Heft auch solche mit Szenen der Dornenkrönung und die Kreuzigungsgruppe. Fräulein Gertraud F. führte uns Kindlein des Lebendigen Gottes zu guter Letzt auch noch höchstpersönlich zum real sichtbaren Tod: über den Friedhof in die damals kleine Aussegnungshalle zu einem offenen Sarg, wo ich Gevatter Boandlkramer im gelbgrau-wachsblassen, erstarrten und eingefallenen Gesicht einer uralten Frau erstmals erkannte.

Jahaha, so sind wir Lämmlein Gottes damals von Gertraud F. "gelockt und auf die Weide geführt worden". So erfuhren wir in diesem weltanschaulichen Unterricht von einem Adam und einer Eva in einem Paradies, einem Apfel, einer Schlange, einem Sündenfall, von einer Vertreibung, von Engeln und Erzengeln, einer Sintflut, einer Arche Noah, von einem Jesuskindlein, das so gescheit war und so lieb zu allen Menschen, von einem Heiligen Geist, einer Dreifaltigkeit, einer Erbsünde, einem Luzifer, einem Jüngsten Gericht, das pausenlos jubelnd und frohlockend himmlische Gerechtigkeit feiert, einer Wiederauferstehung, einem donnernden Höllensturz aller Sünder in endlose Tiefe, einem heißen Fegefeuer, einem Teufel oder Satan tief drinnen in der schwarzen Hölle und der Tatsache, dass ein Mensch vom Kopf Richtung Fuß immer dreckiger werde und man besser dort auch gar nicht hinsehen und erst recht dort nicht hinfassen soll. Diese "Tatsache" aber, dass der menschliche Körper ein Gefäß der Sünde sei, schien mir damals seltsam, denn uns wurde wenig später froh verkündet, der Mensch sei zweifellos die Krone der Schöpfung. Freilich mussten wir wegen unserer vielen lässlichen Sünden auch Beichten lernen. Beichtspiegel auswendig lernen und Probeknien im Beichtstuhl waren deshalb angesagt: bei letzterem wurde die vollkommen korrekte und kerzengerade - ideale - Körperhaltung jedes einzelnen Kindlein Gottes von Herrn Monsignore M. höchstpersönlich sorgfältig kontrolliert und kommentiert: der kleinste der Gruppe musste coram publico auf der obersten Stufe im Beichtstuhl probeknien; dann der größte auf der untersten Stufe: tja, da war ich dann selbst dran und das erniedrigende Knien, diese Zwangs-Demutshaltung, fühlte sich sehr seltsam und peinlich-blöde an.

Freilich zeitigten diese hochkonzentrierten Manipulationsversuche schon bald sehr erfolgreich und durchschlagend Wirksamkeit in eine Richtung, die - mangels jeglicher Vernunft auf Seite der Verantwortlichen und Erziehungsbeauftragten - nicht vorhersehbar war und deshalb nicht verhindert werden konnte: besonders aggressive Individuen der Gruppe - nämlich die mit den geringsten Lern- und Erfolgserlebnissen in der Anstalt - packten den Schwächsten, verschleppten und entkleideten ihn, banden ihn an einen Baum und verletzten seinen mageren und schwachen Körper mit Schlägen schwer. Später fanden Spaziergänger den Verlassenen und halfen. Der Fall wurde polizeilich untersucht und kam vor Gericht. Freilich zwang man den Mißbrauchten und Mißhandelten, die verbleibenden Jahre zusammen mit seinen Peinigern bis zum Abgang in derselben Gruppe zu bleiben.

Fazit: Es besteht kein Zweifel, dass in dieser Bildungsanstalt Jugendliche sehr früh schon auch auf Grausamkeit, Unvernunft, Rohheit, Irrationalität und Inkonsequenz konditioniert wurden. Und man glaubte wohl, dass sie mit diesem Rüstzeug besonders wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden könnten. Ich erinnere konkret, in jener schrecklichen Zeit selbst die hochnotpeinliche Frage gestellt zu haben, ob es denn gewesen sein kann, dass der Papst damals auch einmal gefoltert worden ist. Viel sinnvoller wäre doch gewesen, anstelle obiger Horrorgeschichten und heiligen Märchen den Jugendlichen mehr von der realen Welt, der Natur zu zeigen, vernünftig zu erklären und ihr Verständnis für Schönes und Interessantes in der Natur zu wecken und individuell zu fördern. Da ist wegen all dieser gefährlichen, verantwortungslosen, eselsgleichen Gefälligkeiten gegenüber einer weltanschaulichen Organisation über viele Jahrzehnte in dieser Bildungsanstalt bei Tausenden von Erziehungsbefohlenen sehr viel an intellektuellem Weiterkommen verzögert und versäumt sowie ihre Seelenleben schwer bzw. irreparabel beeinträchtigt worden (braindumping (Blödmachen) durch Dummhalten, Ängstigen, Einschüchtern, etc.).

In der Mittelstufe einer Bildungseinrichtung für Jugendliche berichtete Kaplan Günter M. schon wieder sehr detailliert darüber, wie und warum Gottes Sohn am Römischen Kreuz starb: vergleichend bemühte der Diener Gottes dazu lange Passagen aus einem Bericht über ein in der NS-Zeit als "kriegswichtig" eingestuftes Menschenexperiment, das in einem Hitlerdeutschen Konzentrationslager als Reihenuntersuchung lief. Der Bericht war in einem dünnen Büchlein mit schwarzem Einband abgedruckt. Was der Menschenhirte daraus vortrug, war sinngemäß folgendes:
Die Wehrmacht ließ im KZ erproben, wie lange ein an den Handgelenken gefesselter und daran aufgehängter Mann in dieser Stressposition überleben kann. Man wollte damit quantitative Daten wissenschaftlich erbringen, wieviel Zeit Fallschirmspringern der Reichsluftwaffe noch blieb, wenn sie, anstatt direkt problemlos auf dem Boden zu landen, mit den Armen in den Seilen angeschirrt in Ästen von Bäumen oder an sonstigen Hindernissen hängenblieben. Mehrere NS-Militärmediziner übten sich deshalb in Biomonitoring: sie standen im Kreis um den so aufgehängten, nackten Versuchskandidaten und protokollierten alles, was bis zum Exitus geschah. Vom weiteren Bericht des Verkünders himmlischer Omnipotenz erinnere ich klar folgendes:
- mehr als einhundert Klimmzüge der Versuchsperson, die sie mit großem Kraftaufwand tätigte, um den vom eigenen Körpergewicht eingeengten Thorax zu entlasten und so vorübergehend mehr Atemluft zu bekommen;
- vom Henker ausgeführtes Anhängen von 15 kg Gewicht an die Fußknöchel der Versuchsperson, damit sich Zyanose (Blausucht: das ist die durch starken Sauerstoffmangel verursachte Blaurotverfärbung der menschlichen Haut) und Asphyxie (Pulslosigkeit) rascher einstellten und es den NS-Militärmedizinern nicht zu langweilig wurde;
- Versuchsperson konnte wegen des Zusatzgewichts bald keine Klimmzüge mehr ausführen, bekam schwere Atemnot und Zyanose;
- Abhängen des Gewichtes. Versuchsperson konnte mit erneuter großer Kraftanstrengung die Klimmzugtätigkeit wieder aufnehmen und auf diese Art ihre Atemnot ein wenig mindern;
- Bildung einer Schweislache auf dem Boden unter der Versuchsperson;
- erneutes Anhängen von 15 kg Gewicht. Versuchsperson konnte trotz größter Kraftanstrengung die Klimmzüge nicht mehr ausführen und litt zunehmend unter schwerer Atemnot und Zyanose;
- Abhängen von 15 kg Gewicht. Versuchsperson konnte wegen Erschöpfung keine Klimmzüge mehr ausführen und bekam immer mehr Atemnot und schwerste Zyanose;
- nach Stunden des Hängens folgten in schnellem Rhythmus verzweifelt geschriene, kurze und gepresste Atemstöße der Versuchsperson und schließlich der besonders laute Todesschrei;
- wiederholte Ausführung des Menschenexperiments: sowohl mit über dem Kopf geschlossenen als auch mit ausgebreiteten Armen.
Die militärmedizinische "Expertengruppe" kam bei dieser Reihenuntersuchung auch zu dem "wertvollen, weil kriegswichtigen Forschungsergebnis", dass bei letzterer "Versuchsanordnung" die Durchführung des Menschenexperiments bis zur Herbeiführung des Exitus ein wenig länger dauerte.

Mit ausgebreiteten Armen rief der Verkünder des Lebendigen Herrn anschließend "froh und gelöst" in die in den Zustand der Schockstarre und der tiefsten seelischen Erschütterung getriebene, komplett erschlagen schweigende Runde, dass es "für Gottes Sohn ein Leichtes gewesen war, die Nägel am Römischen Kreuz zu ertragen", er aber auf gleiche Weise wie alle Versuchspersonen dieser KZ-Reihenuntersuchung erstickt ist, weil er - am Römischen Kreuz in den Armen hängend - auf Dauer doch zu wenig Atemluft bekommen hat. Der finale Erstickungsschrei jeder für dieses KZ-Menschenexperiment verwendeten/ausgewählten Versuchsperson hat die gleiche Ursache wie jener vom Sohn des Herren am Römischen Kreuz. Genau so hat es ein Interpret des Allmächtigsten in die Runde gesprochen, die von solchen grässlichen Geschehnissen wirklich nie etwas wissen wollte.

Während des Vortrags dieses nachgeordneten "Verwalters von Geheimnissen Gottes" wurde mir sehr unwohl und ich wurde immer nervöser. Seine bedrohlichen, brutalen und entsetzlichen Worte wurden mir immer peinlicher; meine negative innere Anspannung stieg sehr stark an, ich fühlte mich unerträglich beschämt, errötete stark und wollte den Raum dieser "Bildungsanstalt" sofort verlassen, weil ich wusste, dass ich hier gezwungen wurde, im wahrsten Sinne des Wortes Unsägliches anzuhören. Heute nenne ich die Situation, der ich damals ausgesetzt war, eine verbalsadistische; ich war zugleich Opfer und Zeuge, als eine Gruppe Erziehungsbefohlener von einer offiziell autorisierten Person mit dem Titel eines nachgeordneten Stellvertreter Gottes kollektiv verbal vergewaltigt wurde. Ich wollte damals schnell fort, weil mir die Situation unerträglich wurde. Aber ich hatte wegen meines Unterdrücktseins und eingebleuten Gehorsams keinen Mut zu fragen, ob ich den Bildungsanstaltsraum verlassen dürfe. Also blieb ich trotz größten Widerwillens. Erst Jahrzehnte später konnte ich über diese extreme Verbalgrausamkeit reden, die ich in einer deutschen Bildungsanstalt aushalten musste.

Mir war dieser Vortrag aus dem Bericht über ein KZ-Menschenexperiment vollkommen, fast bis zum Erbrechen unerträglich. Und das aus zweierlei Gründen: zum einen der Bericht über das unmenschliche Geschehen an sich; zum anderen die Tatsache, dass man gezwungen war, sich Unsägliches anzuhören. Ich wandte mich deshalb so bald wie möglich von diesem Verkünder göttlichen Heils ab und wechselte die Art der Bildungsveranstaltung. Aber in der Parallelgruppe war es nicht sehr viel besser: denn dort erzählte eine besonders unsensible "Fachkraft" mit dem akademischen Titel "doctor rerum philosophorum" davon, wie im Dreißigjährigen Krieg schwedische Soldaten das deutsche bäuerliche Volk sadistisch quälten: die "Fachkraft" trug den entsprechenden Textabschnitt aus dazu verfügbarer Literatur (es war der barocke Schelmenroman von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch. 1. Buch, 4. Capitel, Seiten 24-26, Insel Verlag, 1956, Nachdruck) ausführlich, süffisant und genüsslich vor. Sinngemäß sind - neben anderen - folgende Passagen in konkreter Erinnerung geblieben: "......den Männern wurden Pferde-Exkremente oral eingeflößt ... und von den Frauen sah man nichts mehr; aber man konnte ihre Schreie hören." Und ich sah die "Fachkraft" tatsächlich dabei grinsen, als sie das vortrug. Wie peinlich und beschämend, dachte ich damals. Diese gottverdammt verreckte Drecksau, denke ich heute. Noch blöder wurde es, als sie uns bei anderer Gelegenheit weismachen wollte, das Verbum "scheiden" sei sprachlich ableitbar von einem ähnlich lautenden Wort, bei dem an Stelle des Kleinbuchstaben d ein Doppel-s geschrieben steht. Jahaha, so zeitweilig unerträglich ordinär und diskriminierend war das damals in einer höheren deutschen Bildungsanstalt, die zur Universitätsreife führen sollte!

Ich kam also den in die Lehrinhalte immer wieder eingeflochtenen Verbalsadismen mit den immer gleichen Ekelthemen über Maximalgrausamkeiten [Vergewaltigung, Folter: "... richtig feste leiern auf dem Streckbrett ..." (H. S., ehemaliger Historiker dieser Anstalt), Sadismus, Mord] oder diskriminierende Zoten (frank und frei dröhnte ein sichtlich amüsierter Chauvi: "Apfelärschchen oder Birnenpopöchen?") nicht aus, egal wohin ich mich in dieser Bildungseinrichtung wandte. Durch diese seelischen Rohheiten ist mir großer psychischer Schaden (Unsicherheit, Angst, übersteigerte Scham, etc.) zugefügt worden. Denn verbale Gewalt und unnötig ausführliche, dazu zynisch und verächtlich gebrachte Erzählungen über grausame Handlungen - beides Grenzüberschreitung - bewirken bei empfindsamen Kindern und Jugendlichen die Erzeugung großer Angst und führen bei den weniger sensiblen zu Abstumpfung und Verrohung. In jedem Fall werden ihre in Entwicklung befindlichen Seelenleben empfindlich gestört, deformiert und ungünstig beeinflusst. Freilich gewinnt man, sofern man es denn nötig hat, auch auf diese primitive Art Macht, erzwingt mit diesem zutiefst unfairen und feigen Druck Gehorsamkeit, Unterwürfigkeit, Anpassung und presst alle gewaltsam hinab in Richtung Obrigkeitshörigkeit, Duckmäuserei und Kadavergehorsam. Solch ein System birgt aber Labilität in sich, weil der Druck ständig erhöht werden muss, was ab einem gewissen Quantum vom Stressor nicht mehr geleistet werden kann. Viel besser hingegen ist aus Vernunft, Gerechtigkeit, fachlicher Kompetenz, Empathie, Fairness, Menschenliebe und kritischer Toleranz entstandene natürliche Autorität, die das archaische Primitivmittel der Unterdrückung nicht kennt.

Und weil solche zweifellos besonders widerwärtigen und verwerflichen, von fast allen Eltern, Erziehungsbeauftragten, -managern und sonstigen Entscheidungsträgern geduldeten "Ergänzungen" zu pädagogischen Inhalten jahrzehntelang stets hinter den sorgfältig verschlossenen Türen der Bildungsanstalten aus den Mündern menschlich sehr schwacher und deshalb unsensibler und extremistischer "Fachkräfte" mit Mach 1 über die Gehörgänge in die Köpfe der Jugend hineingeschossen wurden und mit ihren nadelspitzen Widerhaken darin stecken blieben, stehen diese Legionen von Missetaten an Jugendlichen endlich - und sei es auch sehr viele Jahre später - an der Stelle, wo sie schon längst hingehören: nämlich am Pranger, der vor Rückfällen bzw. Wiederholungen abschreckt.
Zweifellos klingt hier die im Jahr 2010 angelaufene öffentliche Diskussion über den
Mißbrauch Erziehungsbefohlener in weltanschaulich gedeckelten Erziehungseinrichtungen an.

Schlussbemerkung: Ein System, das auch solche besonders schwachen Aspiranten aufnimmt, die sich vorab seelisch brechen und zerquetschen haben lassen und dem Kadavergehorsam frönen, steht mit eineinhalb Beinen im Korruptionssumpf und ist dabei, sich selbst qualitativ zu entwerten und seine Autorität selbst zu demontieren. Indem es versucht, ein neutrales, faires und demokratisches Gesellschafts- und Bildungsfundament zu unterlaufen und das Prinzip der Offenen Gesellschaft (Sir Karl Raimund Popper) willentlich zu zerstören. Ich verachte die korrupten Bestandteile solch eines Systems und höre sie jetzt schon, die Hass-Schreie dieser hochdekorierten, vielgeehrten und finanziell bestens ausgestatteten willigen Vollstrecker, Epigonen und Emeriti.

Epilog

Die Auswirkungen negativer Aggression - das ist die in jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung vorhandene Gewaltkonstante - beeinträchtigt die Qualität des Daseins zeitlos und überall: wo Mensch haust, verhindert er wegen der weitgehend frei ausgelebten negativen Komponenten seiner natürlichen Aggression - das ist verwerfliche Gewalt im weiteren Sinne: definiert durch physische, verbale und seelische Gewalt sowie seine stillen, sanften, verdeckten, maskierten, pseudopassiven und indirekten Varianten (Täuschen, Verhindern, Unterwandern, Des- und Nichtinformieren, Manipulieren, Drängen, Vereiteln und Unterlassen (nicht helfen, alleinelassen)) - friedliches Zusammensein: mobbt, betrügt, verleumdet, bestielt, verrät, beraubt und quält seinesgleichen und trampelt es tot. Die Zahl der an der Austragung von Konflikten Beteiligten reicht vom Minimum eins (Autoaggression) über Millionen (Angriffs-, Eroberungs- und Rohstoffkrieg) bis zu mehr als einer Milliarde (Weltanschauungskrieg, Kalter Krieg). Die Weiterung von Gewalt geschieht auch durch Import von Konflikten, schädlichen Verhaltensweisen und problematischen Lebensstilen in fremde Kulturen einer globalisierten Welt (John Gray in der Zeitschrift Prospect). Es scheint, dass der Mensch von seinen verwerflichen negativen Aggressionshandlungen nicht genug bekommen kann und deshalb sich selbst sein größter Gegner ist. Von daher gesehen ist es nur absichtliche Desorientierung durch Vertreter oben genannter weltanschaulicher Organisation, ein Wesen mit solch problematischem Sozialverhalten als "Krone der Schöpfung" über Jahrhunderte hinweg pauschal und undifferenziert zu würdigen: eine kapitale Lügen-Wasserstoffbombe, eine Heuchelei, die die Vollendung einer Entwicklung suggerieren möchte, welche aber der Wirklichkeit diametral widerspricht. In der globalisierten Umsetzung wahren humanitären Handelns und generalisierter Globalfairness soll der Mensch doch erst mal beweisen, dass er nicht das Gegenteil der Krone der Schöpfung ist: nämlich nur ein kläglicher Klodeckelhirsch. Es darf nicht sein, dass Harmonien zum größten Teil nur mehr in den virtuellen Räumen der Musik, des Theaters, der Literatur und der Mathematik bestehen. .

Verallgemeinert und im übertragenen Sinn interpretiere ich Kreuzigung wie folgt: einer Person wird willentlich zu Unrecht oder willkürlich ein Problem bereitet, das sie sicher in den Tod zwingt. Sehr viele Einzelpersonen, Gruppen oder Großkollektive konnten bis heute den Versuchungen nicht widerstehen und haben in diesem Sinne - oft fantasievoll modifiziert und kaschiert - gehandelt, indem sie andere eigenhändig mordeten oder entsprechende Aufträge erteilten, um ihre Macht zu halten oder sich Vorteile zu verschaffen, wie z. B. die 94 Millionen Morde im Namen des kommunstischen Ideals (Freiheit & Recht April 2011/1+2: Seiten 11-16). Im folgenden ein sehr kurzer Auszug aus der Liste anthropogener Gewaltausbrüche mit Todesfolge auf dem Welt-Schlachthof (DIE ZEIT Nr. 18: 52 vom 28.04.2011), unserem inzwischen wohl irreparabel zerstörten Paradies; es ist das Exzerpt einer Tatsachen-Endlosliste über die Nichtexistenz Gottes. Es folgen treffende Argumente, die verdeutlichen, wie gering für sehr viele Menschen der Anreiz war und ist, das Humanitäre zu leben, das Johann Wolfgang von Goethe im Leitsatz "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" fokussierte. Anders gesagt geht es um eine frustrierend endlos scheinende Kette widerlich-ekliger Tabubrüche, die eine tiefe Betroffenheit und Nachdenklichkeit provozieren dahingehend, warum das über so lange Zeit so geblieben ist und ws geschehen muss, damit es endich besser wird.

Eine kurze Liste anthropogener Gewalteruptionen mit Todesfolge
DIE LANGE ZEIT DER LEICHEN

  • Die Mordopfer während des Angriffskrieges (334-326 v.Chr.) von Alexander dem Großen auf Ländereien, die heute Iran, Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisien, Turkmenistan und Indien genannt werden;
  • die von christlichen Fanatikern zerschlitzte, zerschnittene, in Stücke gerissene und verbrannte Philosophie- und Mathematikgelehrte Hypathia (*370 n.Chr. Alexandria †03. 415 n.Chr. Alexandria); ihr Leitspruch war: "Alles Wissbare wissen wollen";
  • die Mordopfer während der Kreuzzüge zwischen 1096-1270 n.Chr.;
  • die Mordopfer der Hexen- und Werwolfverfolgung im Europa des 14.-18. Jhds., deren Zahl auf 50.000-80.000 geschätzt wird;
  • die Verbrennung des als Erzketzer verurteilten Theologen, Universitätsrektors und Reformators Jan Hus (*1369 Husinec/Böhmen †06.07.1415 Konstanz) auf dem Scheiterhaufen der Inquisition, weil er seine Auffassungen ähnlich jenen von John Wycliffe nicht widerrief: sie setzten sich gegen klerikalen Pomp und Luxus, Ablasshandel, Macht- und Gewinnstreben der Kirche sowie gegen das absichtliche Belassen der Bevölkerung in Armut ein. Jan Hus wurde nach Folterung und monatelanger Inhaftierung nackt und geschoren coram publico durch die Straßen von Konstanz zum Richtplatz geführt, dort festgebunden, mit Pech übergossen und angezündet. Auch die Gebeine von John Wycliffe wurden von den Inquisitoren exhumiert und verbrannt. Notabene: Das Verbrennen von Ungläubigen oder "Sündern" sah man damals nach Ansicht von Thomas von Aquin als Reinigung (Purgatorium) ihrer vom Teufel verdorbenen Seelen an; aus gleichem Grunde ist das angeblich zwischen Dies- und Jenseits angesiedelte "Fegefeuer" erfunden worden, damit die durch Feuer "Gereinigten" doch noch "in den Himmel kommen". Bis dato (2011) ist weder das Todesurteil gegen Jan Hus aufgehoben noch ist der Ermordete rehabilitiert worden;
  • die Veranlassung der Ertränkung von Agnes Bernauer am 12.10.1435 durch Herzog Ernst;
  • die blutige Niederschlagung 1524/1525 des Bauernaufstandes, der sich gegen die ungerechte feudale Ordnung (Leibeigenschaft, römisches Landrecht, hohe Lasten, etc.) wendete; machtmißbrauchende Fürstbischöfe befahlen willkürlich Vernichtung oder Begnadigung: so entschied unter den Galgen das Würfellos, wer von den gefangen genommenen Aufständischen weiter Frondienst leisten durfte und wer nicht;
  • Tötung von Millionen Ureinwohnern im Rahmen der sogenannten Kolonisation Nord- und Südamerikas, Australiens, Afrikas, Indiens, Indonesiens etc. und der weltanschaulichen Bekehrung ihrer Einwohner durch Kolonialarmeen und Missionare aus den Ländern England, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Portugal und dem Deutschen Reich;
  • Folter, Erhängung und Verbrennung des reformorientierten Mönchs Girolamo Savonarola (*21.09.1452 Ferrara †23.05.1498 Florenz) als angeblichen Schismatiker und Häretiker;
  • die Verbrennung des als Ketzer verurteilten Naturphilosophen Giordano Bruno (*1548 Nola bei Neapel †17.02.1600 Rom), der auch auf dem Scheiterhaufen der Inquisition zu seiner Überzeugung stand, dass das heliozentrische System und die Grenzenlosigkeit des Weltalls der Wirklichkeit am nächsten kommen (VERRECCHIA, A. 2009: Giordano Bruno. Nachtfalter des Geistes);
  • die Todesopfer wegen Vereitelung und Blockierung intellektueller und technischer Entwicklung: des vom Frühen Mittelalter bis zur Renaissance bestehenden, dogmatisch begründeten Verbots medizinischer und naturwissenschaftlicher Forschung;
  • das Verhungern- und Verdurstenlassen Neugeborener in abgeschlossenen Kellergrüften von Nonnenklöstern;
  • die Erschießung von Abraham Lincoln (*12.02.1809 Hodgenville Ky. †15.04.1865 Washington D.C.), dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten und Überwinder der amerikanischen Sklaverei, durch den Fanatiker J. W. Booth;
  • die Vertreibung und Abdrängung des Herero-Stammes im Jahre 1904 in die Omahekewüste durch Lothar von Trotha, Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe im damaligen Deutsch-Südwestafrika;
  • die Ermordung des Dramatikers und russischen Kulturattachés August von Kotzebue (*03.05.1761 Weimar †23.03.1819 Mannheim) durch den Theologiestudenten und Burschenschaftler K. L. Sand durch Messerstiche;
  • die Erschießung des verarmten Wilderers Georg (Girgl) Jennerwein (*1848 in Haid bei Holzkirchen; †06.11.1877 Rinnerspitz in den Schlierseer Bergen) durch königliche Jäger;
  • der Völkermord an den Armeniern 1915-1916 (bis zu 1,5 Millionen Tote) und 1917-1918 durch türkisches Militär;
  • die Erschießung der Politikerin Rosa Luxemburg (*05.03.1871 Zamosc/Polen †15.01.1919 Berlin) und des Politikers Karl Liebknecht (*13.08.1871 Leipzig †15.01.1919 Berlin) durch Freikorpsoffiziere;
  • die Erschießung des Publizisten und Ersten Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern Kurt Eisner (*14.05.1867 Berlin †21.02.1919 München) durch A. Graf Arco-Valley;
  • Die Erschießung des Demokraten und Gründungsvaters der ersten deutschen Republik, Herrn Matthias Erzberger (*20.09.1875 Münsingen-Buttenhausen †26.08.1921 Bad Peterstal-Griesbach) durch Heinrich Schulz und Heinrich Tillessen, Mitglied der Organisation Consul. Erzberger war Initiator der Friedensresolution (19.07.1917) des Reichstages;
  • die Flächenbombardierung der Stadt Guernica am 26.04.1937 durch die "Legion Condor" der Deutschen Wehrmacht;
  • die Ermordung (1938-1945) mandschukischer und koreanischer "Trostfrauen" in japanischen Militärbordells durch Serienvergewaltigung, absichtliche Infizierung oder Hinrichtung;
  • das Verhungern-, Verdursten- und Erfrierenlassen von ca. 1,1 Millionen Zivilisten während der fast 900-tägigen Blockade (08.09.1941-27.01.1944) Leningrads, ausgeführt im Vernichtungsfeldzug der Reichswehr Hitlerdeutschlands gegen die UDSSR;
  • die Umsetzung der in der Wannseekonferenz in Berlin am 20.01.1942 beschlossenen "Endlösung" der damals so bezeichneten "Judenfrage" durch Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann, Rudolf Höß, Amon Göth, etc.;
  • die Ermordung des französischen Widerstandskämpfers Jean Moulin (*20.06.1899 Béziers †08.07.1943 Metz) durch Folter, ausgeführt vom SS-Hauptsturmführer und Gestapochef Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon;
  • die Justizmorde an Mitgliedern der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose", ausgeführt vom NS-Volksgerichthof. Die Vollstreckungen der am 22.02.1943 im Münchner Justizpalast durch Blutrichter Roland Freisler gegen Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst verkündeten Todesurteile erfolgten selbtägig - vier Stunden später - in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim durch das Fallbeil; dem im Auditorium Maximum der Ludwig-Maximilians-Universität bekanntgegebenen Vollzug der Todesstrafen (Amtsdeutsch: "... Angelegenheit ohne Zwischenfall erledigt ...") zollte die Mehrzahl der Münchner Studentenschaft johlenden Beifall; eine Reaktion, die das humanitär-moralische Versagen fast der gesamten damaligen Münchner Studentenschaft eindeutig beweist;
  • die Ermordung von ca. 220.000 Einwohnern (Soforttote) der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 06. und 09.08.1945 durch die Abwürfe zweier Atombomben: es waren die mittels des amerikanischen Manhatten-Projekts hergestellte Uranbombe "Little Boy" und die Plutoniumbombe "Fat Man", deren gleißende Lichtblitze bei 10000 Bar Druck und über 1 Million Grad Celsius Vakuum-Löcher in die Menschheitsgeschichte stanzten: Löcher des Stillstandes, der Erstarrung, Leere, Trostlosigkeit, Leblosigkeit, grenzenloser, kosmischer Verlassenheit (DER SPIEGEL Nr. 25/2011: 122-125);
  • das Sterbenlassen des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg (*04.08.1912 Stockholm †17.07.1947 Lubjanka-Gefängnis in Moskau), der in Budapest 1944/45 als Mitglied des War Refugee Board mittels Ausreisebewilligungen viele tausend ungarische Juden vor ihrer Vernichtung durch die Nazis rettete;
  • Folterung und Erschießung von Tasumbu Tawosa, genannt Patrice Émery Lumumba (*02.07.1925 Katako-Kombé, Prov. Kasai, Kongo †17.01.1961 Prov. Katanga, Kongo), dem ersten Ministerpräsidenten des am 30. Juni 1960 unabhängig gewordenen Kongo; Lumumba setzte sich für Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Belgien, einen kongolesischen Einheitsstaat und eine positiv neutrale Aussenpolitik ein;
  • die Erschießung des Friedensnobelpreisträgers und Bürgerrechtlers Dr. Martin Luther King (*15.01.1929 Atlanta †04.04.1968 Memphis) durch Vertreter des Ku Klux Klan; erst am 16.10.2011 ist in der US-Hauptstadt Washington für ihn ein Denkmal eingeweiht worden;
  • die Todesopfer wegen der Verweigerung von Visa und Asyl für politisch oder weltanschaulich Verfolgte;
  • die Vernichtung und Ermordung mißliebiger, verdächtiger oder oppositioneller Gruppen und Minderheiten oder Millionen Einzelpersonen - sogenannte Ketzer, Freiheitskämpfer, Unabhängige, Saboteure, Zersetzer, Widerständler, Subversive, Revolteure, etc. pp. - durch Unterdrückungs- und Terrororganisationen, die von Gewaltherrschern, Machthabern sowie politischen und/oder weltanschaulichen Organisationen eigens dafür eingerichtet worden sind:
  • Römisch-katholische Kirche: 380-381 n.Chr. bis 19. Jhd.: Heiliges Offizium und Heilige Inquisitions-Gerichte;
  • Zaren: Zaristische Armeen;
  • Wladimir Iljitsch Uljanow alias Lenin: Tscheka: Außerordentliche Kommission zum Kampf gegen Konterrevolution und Sabotage; GPU: Gossudarstwennoje Polititscheskoje Uprawlennije: Staatliche politische Verwaltung;
  • Adolf Hitler: Gestapo, SD, SS, VGH, militärische Standgerichte, KZs;
  • Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili alias Stalin: große Tschistka [Säuberung] samt Holodomor durch NKWD [Narodny Komissariat Wnutrennich Del: Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten]; fortgesetzt unter den Ersten Staatssekretären Chruschtschow - Breschnew - Andropow - Tschernenko - Gorbatschow - Jelzin als KGB: Komitee für Staatssicherheit; Nachfolgeorganisationen: Ministerium für Sicherheit, Föderaler Dienst der Gegenaufklärung, Föderale Sicherheitsdienst, etc. pp..; Details siehe S. Courtois (1997): Das Schwarzbuch des Kommunismus;
  • Pol Pot: Rote Khmer; KZ S-24;
  • Francisco Franco Bahamonde: Junta, Falange;
  • Jean-Bedel Bokassa: Revolutionsrat;
  • Mao Tsedong: Rote Garden;
  • François und Jean-Claude Duvalier: Volontaires de la Sécurité Nationale: haitianische Tontons Macoute;
  • Augusto Pinocet Ugarte: DINA: Dirección de Inteligencia Nacional, CNI: Central Nacional de Información;
  • Reza Pahlevi: SAVAK;
  • Rafael Leónidas Trujillo y Molina: militär. Geheimdienstkommando (Servicio de Inteligencia Militar);
  • Idi Amin Dada: Ugandische Armee;
  • Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Erich Honnecker, Egon Krenz: SSD, MfS, Stasi;
  • Saddam Hussein: Republikanische Garden;
  • George W. Bush: CIA, exterritorialisierte KZs Abu Ghureib, Guantanamo, Salt Pit, etc.;
  • und viele weitere politische oder weltanschauliche Entsprechungen;
  • die Vernichtung von Millionen Sklaven und Zwangsarbeitern durch Schwerstarbeit und unmenschliche Lebensverhältnisse;
  • Die blutige Niederwalzung des antistalinistischen Arbeiteraufstands in der DDR am 17.06.1953 durch russische Panzerkommandos;
  • Erwürgung und Erschlagung der Schwestern Patria, Teresa Maria und Dr. jur. Minerva Mirabal 1960 in der Dominikanischen Republik. Sie gehörten der politischen Opposition gegen den Tyrannen Trujillo an;
  • Erschießung des Pazifisten und Romanistik-Germanistik-Lehramtsstudenten Benno Ohnesorg (*15.10.1940 Hannover †02.06.1967 in Westberlin) während einer Anti-Schah-Demonstration durch den Polizisten und verdeckten Informellen Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes, Karl-Heinz Kurras (DER SPIEGEL 4: 36-44 vom 23.01.2012);
  • die Schüsse von Hilfsarbeiter Josef Bachmann am 11.04.1968 auf den Studentenführer Alfred Willi Rudolf (genannt Rudi) Dutschke (*07.03.1940 Schönefeld †24.12.1979 Arhus), an deren Spätfolgen er starb; ersterer war durch tendenziell einseitige "Berichterstattung" der BILDzeitung manipuliert;
  • die Erschießung unbewaffnet demonstrierender Zivilisten am Bloody Sunday (30.01.1972) in Londonderry (Nordirland) durch Soldaten der Britischen Armee;
  • Geißelnahme und Erschießung elf israelitischer Athleten durch die palästinensische Terrororganisation "Schwarzer September" während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München;
  • die millionenfachen Auftragsmorde durch Militärs und Soldaten diktatorischer Staatssysteme, geplant und ausgeführt in Angriffs- und Vernichtungskriegen;
  • das am 16.06.1976 durch südafrikanische Polizeikräfte ausgeführte Massaker in Soweto an Schülern, die gegen ein ungerechtes Bildungssystem demonstrierten;
  • die Mordopfer durch Terrorattentate der sogenannten Roten Armee Fraktion und ihren politischen Entsprechungen;
  • die Mordopfer durch Braunen Terror;
  • Erschießung des Bischofs Oscar Arnulfo Romero y Galdámez (15.08.1917 Ciudad Baroios †24.03.1980 San Salvador) durch einen rechtsradikalen Auftragsmörder. Romero setzte sich für die Armen, für mehr soziale Gerechtigkeit, politische Reformen und gegen die Militärdiktatur des Landes ein.
  • Die Erschießung von Schwedens Ministerpräsidenten Sven Olof Joachim Palme (*30.01.1927 Stockholm †28.02.1986 Stockholm); er war Anwalt der Drittweltländer und Leiter der Unabhängigen Kommission für Abrüstung und Sicherheitsfragen;
  • die blutige Niederschlagung einer studentischen Demokratiebewegung am 03.-04.06.1989 auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens durch chinesisches Militär;
  • die durch willentliche Vernachlässigung verursachte erhöhte Sterblichkeit von weiblichen Neugeborenen und jungen Mädchen in China;
  • Verfolgung und Ermordung kurdischer Minderheiten im Irak, u. a. durch Giftgas (1988);
  • Die Ermordung von Amadeu Antonio Kiowa (*12.08.1962 Quimbele, Angola †06.12.1990 Eberswalde) durch rassistisch motivierte Naziskins;
  • Die Erschießung des dpa-Korrespondenten und SZ-Reporters Egon Scotland (*07.10.1948 Hagen †26.07.1991 Sisak, Kroatien) durch einen Scharfschützen aus dem Kommando des Tschetniks Dragan Vasiljkovic zu Beginn des Kroatienkriegs. In dieser Auseinandersetzung starben weitere 44 Kriegsberichterstatter;
  • das von Ratko Mladic und Radovan Karadzic kommandierte Srebrenica-Massaker vom 11.-17.07.1995 an min. 8.000 Bosniaken;
  • Hinrichtung des nigerianischen Bürgerrechtlers, Schriftstellers, Fernsehproduzenten, Universitätsdozenten und Regierungsbeamten Kenale Beeson Saro-Wiwa (*10.10.1941 Bori, Nigeria †10.11.1995 Port Harcourt, Nigeria) nach einem Schauprozess durch den Strang;
  • Die Erschießung des Friedensnobelpreisträgers und Verständigungspolitikers, des israelitischen Premierministers Jitzchak Rabin (*01.03.1922 Jerusalem †04.11.1995 Tel Aviv) durch den politischen Extremisten Jigal Amir;
  • Sexueller Mißbrauch und Ermordung von Mädchen und jungen Frauen durch den Belgier Marc Dutroux in den Jahren 1995-1996;
  • die Mafiamorde an unbeugsamen und aufrechten Zivilisten, Händlern, Antimafia-Mitgliedern und Politikern;
  • die Tötung des systemkritischen Philosophen und Schriftstellers Rudolf Bahro (*18.11.1935 Swieradow Zdroj, Polen †05.12.1997 Berlin) durch geheimdienstlich ausgeführte Verstrahlung;
  • das Verhungern- und Verdursten-Lassen von Kleinkindern durch ihre leiblichen Eltern;
  • Walter (*26.01.1962 Dillingen †03.03.1999 Florence in Arizona) und Karlheinz (*20.10.1963 Augsburg †24.02.1999 Florence in Arizona) LaGrande, die man nach ihrem Todesurteil 1984 wegen Bankraubmords 15 Jahre in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung warten und sie kurzfristig vor Vollstreckungstermin wählen ließ zwischen Giftspritze oder Einpersonen-Gaskammer;
  • die gezielte Erschießung des Demonstranten Carlo Giuliani (*14.03.1978 Rom †20.07.2001 Genua) durch die Italienische Polizei, als sich diese mit Globalisierungskritikern des G8-Gipfeltreffens eine Straßenschlacht lieferte;
  • Durchschneidung der Kehle und Enthauptung des investigativen Journalisten Daniel Pearl (*10.10.1963 Princeton, New Jersey, USA; †ca.29.01.2002 Karatschi, Pakistan) durch Chalid Scheich Mohammed;
  • Die Erschießung von Dr. Zoran Djindjic (*01.08.1952 Bosanski Šamac †12.03.2003 Belgrad) durch den Scharfschützen Zvezdan Jovanovic, Vizekommandant der Roten Barette, Slobodan Miloševics Polizei-Sondereinheit. Der demokratisch orientierte Ministerpräsident Serbiens engagierte sich gegen nationalistische und kommunistische Kräfte sowie gegen Korruption und mafiöse Strukturen;
  • Ermordung der schwedischen Politikerin Ylva Anna Maria Lindh (*19.06.1957 Enskede †11.09.2003 Stockholm) durch Messerstiche, ausgeführt vom Neonazi Mijailo Mijailovic;
  • die Verbrennung des gefesselt auf einer Schaumstoffmatratze liegenden Ouri Jallow aus Sierra Leone am 07.01.2005 in Zelle 5 im Keller des Polizeireviers Dessau;
  • Entführung, Mißbrauch, Mißhandlung und Ermordung von Kindern, organisiert und gefilmt von päderastisch-perversen Kreisen; die Videos werden im Internet gehandelt;
  • Die Erschießung der Bürgerrechtlerin und Beschützerin des Brasilianischen Regenwaldes Dorothy Mae Stang (*07.07.1931 Dayton, Ohio, USA 12.02.2005 Anapu, Para, Brasilien) durch Auftragsmörder, bezahlt vom Großgrundbesitzer Vitalmiro Bastos Moura;
  • das Versagen von Protektion für kritisch-oppositionelle Journalisten in Russland: die russisch-amerikanische Reporterin Anna Stepanowna Politkowskaja (*30.08.1958 †07.10.2006) war eines der ersten Mordopfer;
  • Erschießung des türkisch-armenischen Journalisten und Menschenrechtlers Hrant Dink (*....†2008) durch einen Auftragsmörder. Dink setzte sich gegen die Tabuisierung des Völkermords an den Armeniern ein;
  • die Todesopfer durch Al Quaida- und Taliban-Terrorismus sowie Entsprechungen;
  • Die Erschießung von Tennessee Noel Llewellyn Eisenberg (*23.11.1984 †30.04.2009 Regensburg) durch Polizeikräfte wegen angeblicher Notwehr oder Nothilfe;
  • Die Erschießung der Philosophiestudentin Neda Agha-Soltan (*23.01.1983 Teheran †20.06.2009 Teheran) durch den Basij-Milizionär Abbas Kargar Javid, als gegen die manipulierte Wiederwahl des Präsidenten protestiert wurde;
  • die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini (*07.10.1977 †01.07.2009) im Saal des Dresdner Landgerichts um 10.23 Uhr durch min. 16 Messerstiche, ausgeführt vom islamfeindlichen Russlanddeutschen Alex Wiens;
  • Die Erschlagung von Manager Dominik Brunner am 12.09.2009 am S-Bahnhof Solln bei München durch verrohte Jugendliche;
  • Die Erschießung des israelischen Schauspielers, Filmregisseurs und politischen Aktivisten Juliano Mer-Khamis (*29.05.1958 Nazaret †04.04 2011 Dschenin, Westjordanland), der sich für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern einsetzte;
  • die wegen Mißbrauchs, Mißhandlung und Mobbings in den Selbstmord Getriebenen;
  • Kindersoldaten, die bei Zwangseinsätzen ihr Leben lassen mussten oder als Selbstmordattentäter (Radio-Meldung am 01.05.2011) missbraucht wurden;
  • Die Ermordung von 77 Personen am 22.07.2011 in Oslo und auf der Insel Utöya durch den antiislamischen Rechtsextremisten und Freimaurer Anders Behring Breivik; der narzistische, aber voll schuldfähige Einzeltäter verwendete Sprengstoff und eine Schußwaffe;
  • Erschießung des Staatsanwalts Tilman Caspar Turck (*31.03.1980 †11.01.2012) im Amtsgericht Dachau durch den angeklagten Betrüger Rudolf R.
  • Afrikanische Flüchtlinge, die nach ihrer finanziellen Auspressung auf untauglichen Booten im Mittelmeer ausgesetzt wurden und nach dem Kentern ertranken;
  • die Todesopfer wegen absichtlicher Unterlassung längst überfälliger Gesetzgebungen (z. B. Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen, Begrenzung der PS-Zahl eines Autos, Waffenverbot, Energiekontingent pro Person, etc.), erreicht durch Lobbyarbeit der Wirtschaft sowie Manipulation und Bestechung von Entscheidungsträgern, die von der Ökonomie-Lobby vor sich hergetrieben werden;
  • die Todesopfer wegen fehlender Selbstbeschränkung bei Realisierung und Anwendung des technisch-machbar-Gewordenen; wie z. B. die Havarien der NASA-Weltraumfähre Challenger (Besatzung: 7 Personen) am 28.01.1986 und des Atom-U-Bootes K-141 Kursk (Besatzung: 112 Personen) am 12.08.2000;
  • die schleichende Degradation, Entwürdigung und Ermordung von Arbeitnehmern, Zeit- und Leiharbeitern (Neosklaven), die aus den niedrigen Beweggründen Habgier, Machterhalt und Geiz durch Lohndiebstahl, Arbeitszeitverlängerung, Arbeitsverdichtung und Einschüchterung in einen tödlichen Regress ihres Gesundheitszustandes getrieben werden: geschehen bei 18 Arbeitnehmern der Firma France Telecom, die deshalb Selbstmord verübten;
  • Die Todesopfer durch Umwelt- und Technik-Katastrophen, die des wirtschaftlichen Wachstums und monetären Profits wegen bewusst in Kauf genommenen und von korrupten Politikern abgesegnet werden.

Diese wenigen Fälle sollen hier stellvertretend für sehr viele Millionen Kreuzigungen im übertragenen Sinne stehen. Und es werden - ohne baldige Aussicht auf Besserung bzw. Humanisierung - noch mehr in dieser Größenordnung folgen. Das Schwarzbuch mit der vollständigen Liste verwerflicher anthropogener Gewalt mit Todesfolge muss geschrieben und veröffentlicht werden. Mit seinem Buch "Das Böse" (2011) und mit ihrer Ausstellung "A living man declared dead and other chapters" (2011) (Im Archiv der Tragödien. DER SPIEGEL 38: 136-138, 19.09.2011) haben der Schriftsteller T. Eagleton und die Fotokünstlerin T. Simon einen Anfang gemacht. Die vollständige Liste ist unbezwingbares Argument gegen die Existenz einer übergeordneten steuernden Instanz, über die hartnäckig und wider besseres Wissen behauptet wird, sie sei das beste, vernünftigste, weiseste und gerechteste Wesen und regele überall alle Geschehnisse in Güte (Thomas von Aquin) sowie gegen die Existenzberechtigung seiner selbstinthronisierten irdischen Vertreter. Die Rechtfertigung des "Bösen" - im Rahmen der Augustinischen Prädestinationslehre, die zudem den freien Willen des Menschen verneint - als Wille Gottes ist inakzeptabel. Die im September 2011 geäusserte Meinung des Oberinterpreten Gottes, der Herr lasse seinen Menschen die Freiheit, sich für das Böse zu entscheiden, ist hilflos und unverständlich; gleiches gilt für die am 19.09.2011 gegebene Empfehlung, die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott neu zu entwickeln. Auch die im Jahre 1710 von Gottfried Wilhelm Leibniz geäusserten Ideen, - dass durch Vorsorge und vollendeten Harmoniebestrebens des Weltenlenkers auch durch Böses letztendlich Gutes entstünde, dass der sich selbst überlassene Mensch dank seiner steuernden Vernunft den Weltengang zum Besseren wenden könne und dass er deshalb in der "besten aller möglichen Welten" lebe - , haben sich als nicht haltbar erwiesen. Die in eine ferne Zukunft, vielleicht sogar in eine gedachte zeitliche Unendlichkeit verschobene positive Wirksamkeit des Bösen erachte ich als problematisch und gefährlich. Ein konkret nachgewiesener Fall, dass durch Böses später tatsächlich Gutes entstand, ist bis dato nicht bekannt geworden. Diese Position verhöhnt zudem alle Opfer, weil sie Böses rechtfertigt und notwendig macht. Ausserdem ist im Umkehrschluß noch kein Fall bekannt geworden, dass aus Gutem später Böses geworden sei.

Beispiele für reale Selbstkreuzigungen im übertragenen Sinne:
-
Janusz Korczak (*22.07.1878 oder 1879 Warschau †wenige Tage nach dem 05.08.1942 im KZ Treblinka): Der polnische Arzt, Pädagoge und Kinderbuchautor ließ die ihm anvertrauten 200 jüdischen Waisenhauskinder aus dem Warschauer Ghetto nicht alleine in der Verzweiflung und ging mit ihnen ihren und seinen letzten Weg in eine Hitlerdeutsche Gaskammer. Den Nazi-Schergen, die sein Handeln nicht verstanden, rief er zu: "Nicht jeder ist ein Schuft!";
- Die Pazifistin Alice Herz (*25.05.1882 BRD †26.03.1965 Detroit USA) verbrannte sich selbst, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren;
- Der Theologe Oskar Brüsewitz (*30.05.1929 Willkischken, Memelland, Litauen †22.08.1976 Halle a. d. Saale, Sachsen-Anhalt) verbrannte sich selbst, um gegen die Unterdrückung der freien Ausübung einer Weltanschauung durch die SED-Diktatur in der DDR zu protestieren;
-
Jan Palach (*11.08.1948 Melník; †19.01.1969 Wenzelsplatz in Prag), Philosophiestudent, verbrannte sich selbst, um gegen die Rücknahme der Reformen der Regierung Alexander Dubceks zu protestieren;
- Hartmut Gründler (*11.01.1930 Hümme †21.11.1977 Hamburg), ein weitsichtiger, umweltpolitisch engagierter Lehrer, wählte nach erfolglosen Hungerstreiks und offenen Briefen die Selbstverbrennung, um gegen die Atompolitik der Regierung der BRD zu protestieren (DIE ZEIT Nr. 17: 18; 20.04.2011);
- Siehe auch die Liste politischer Selbstverbrennungen unter der Adresse http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_political_self-immolations
- freiwillige Helfer, die bei ihren Arbeits - und Rettungseinsätzen in havarierten Atomkraftwerken (Tschernobyl 26.05.1986, Fukushima 13.05.2011, etc. pp.) wissentlich eine möglicherweise tödliche Strahlendosis riskierten. Die kurz-lapidare Antwort ging um die Welt, als einer der letal verstrahlten Ukrainer Reaktor-Arbeiter im Krankenhaus nach seinem Gesundheitszustand gefragt wurde, den er als "normalno" bezeichnete.

Beispiele für virtuelle Kreuzigungen im übertragenen Sinn:
- Lady Macbeth war in die düsteren und verbrecherischen Handlungen ihres machtbesessenen Ehemannes, dem König von Schottland, involviert. Später quälte sie sich zunehmend mit schweren vernichtenden Schuldgefühlen, die sie über die Grenze ihrer moralisch-psychischen Belastbarkeit hinaus brachten. Beim nächtlichen Schlafwandel versuchte sie immer wieder vergeblich, das Blut, das sie an ihren Händen wähnte, zu entfernen (erste literarische Dokumentation einer Zwangshandlung). In ihrer ihr selbst unerträglich gewordenen Einsamkeit und Verzweiflung richtete sie schließlich all ihre negative Aggression gegen sich selbst, indem sie - sich selbst kreuzigend - von der Burgmauer in den Tod sprang. Düster-phantastische Verfilmung des tragischen Shakespeare-Werkes durch Regisseur Roman Polanski.
- Anna Seghers umschrieb mit dem treffenden Titel "Das 7. Kreuz" die Leiden von KZ-Gefangenen inmitten der barbarischen Nazi-Tyrannei.
- Michel, die Hauptfigur in Aldous Huxleys Roman "Schöne neue Welt", lebte als Aussenseiter in einem doktrinären Staatssystem und geriet durch dessen unmenschliche Regeln sowie erniedrigende und entwürdigende Gebräuche in unlösbare Probleme und Konflikte mit sich selbst, was ihn - "den Wilden" - schließlich in den Freitod - die Selbstkreuzigung - trieb.

Versuch einer Zusammenfassung und eines Ausblicks:
es wird ein zeitlich persistenter geistig-moralischer Mangel erörtert, der fatalerweise sehr viele Menschen kennzeichnet und eine kolossale und erstaunliche, immer bedrückendere, weil zunehmende Differenz zum technisch-wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit darstellt. Diese sich öffnende Schere bedeutet auch wachsende Gefahr; bildlich: ein Monster im mit Ehrenabzeichen dekorierten Militäranzug hockt in der Kommandozentrale aller atomaren Gefechtsstationen einer im Sinkflug befindlichen Supermacht, aktiviert den Roten Knopf und brüllt: "Mission accomplished!". Trotz vielfältiger und ernsthafter Zivilisierungsbemühungen wie
Deklaration der Menschenrechte im Jahr 1789, Abschaffung von Lehnswesen, Leibeigenschaft und Sklaverei, Teilabschaffung und Ächtung von Folter und Todesstrafe, Einrichtung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Abschaffung der Apartheid und Ächtung von Rassismus, Wahrheits- und Versöhnungskommissionen, Formulierung und Durchsetzung von Bürgerrechten, Magna Charta Libertatum, Habeas-Corpus-Akte, Demokratisierung, die am 19.12.1948
durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen erfolgte einstimmige Beschließung (Ratifizierung am 12.01.1953) der von Raphael Lemkin formulierten und unterbreiteten Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes (Genozid), Russell-Einstein-Manifest, Grundrechte auf gute Bildung, Arbeit (adäquat bezahlt und angemessen) und ausreichend Nahrung, Universal Declaration of Human Responsibilities (1987), Gleichberechtigung von Frau und Mann, dauerhaft umweltgerechte und ökologisch tragfähige Entwicklung (Brundtland-Kommission 1987: sustainable development), Kinderrechte, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (2006), stärker werdende Rufe nach Fairness in Produktion, Handel und Entlohnung, Welthungerhilfe, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen, Bündnisse gegen Gewalt, SALT-Verträge, Weltsozialforum, Transparency International, Friedensforschung, veröffentlichte naming-and-shaming-Listen, etc. pp.
stagnieren oder regredieren Individuen und/oder Kollektive in ihrem kulturellen Entwicklungsgrad, indem sie 1) wegen Statuserhalt oder -erwerb, Gierbefriedigung, Vorteilnahme und soziopsychologischem Druck (Konformität) Machtmißbrauch in Form exzessiver Gewaltausübung und Unterdrückung pflegen und 2) Gewaltdarstellungen konsumieren und in beiden Fällen 1)-2) nicht wahrnehmen, wie sie selbst dabei immer weiter entmenschlichen und sich selbst erniedrigen. Erstere Verhaltensweise ist typisch für sogenannte "selbsternannte Herrenmenschen", welche die Gleichberechtigung aller Menschen leugnen: das sind die eingangs genannten inhumanen, extremistischen Individuen, die auch in Ermangelung jeglichen Selbstwertgefühles und jeglicher Würde anstelle von Humanität und Fairness nur Gewalt, Nihilismus und Selbstzerstörung kennen und ausserstande sind, ihre in vollen Zügen hemmungslos gelebte und genossene verwerfliche natürliche Gewaltkonstante zurückzunehmen oder diese selbst zu erkennen. Wie z. B. viele NS-Generäle, die nit ihrem Kadavergehorsam, ihrer verqueren Pflichtauffassung und blindem Überzeugungswillen dazu beitrugen, dass der zweite Weltkrieg länger dauerte und auch mehr Opfer forderte (Ian Kershaw 2011: Das Ende. Siehe auch DIE ZEIT 5: 16 vom 26.01.2012). Entsprechende Fälle sind u. a. treffend beschrieben worden in E. Klee (2011): "Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945." Zweiteres, die Faszination von Gewaltdarstellungen, beruht u. a. darauf, dass der Mensch, angeregt von medialen Inhalten und seiner Fantasie, in geschützten Bereichen (Theater, Oper, Kino, etc.) oder virtuellen Räumen (Romane, TV, Internet, PC-Spiele) seine negative Aggressivität experimentell oder spielerisch ausleben kann ("Katharsis"), ohne anderen dabei unmittelbar zu schaden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass exzessiver Konsum trivialer Medienangebote die Intelligenz mindert (M. Spitzer); solch ein Verbrauchsverhalten zeitigt also problematische Auswirkungen. In dem Zusammenhang müssen endlich wissenschaftlich fundierte Tatsachen erbracht werden, wie der Konsum von Gewaltdarstellungen in den Medien Psyche und Sozialverhalten von Menschen beeinflusst. Erste Ergebnisse in der sozialpsychologischen Forschung zeigen, dass der Anteil an Gewalttätern und Sadisten ca 5% der Bevölkerung ausmacht, längere Gewaltexposition die Hemmschwelle bei Menschen senkt und derart beeinflusste Individuen verrohen (DER SPIEGEL 14/2011: 42-49). Eine sichere Folge daraus ist, dass Kindererziehung in Nachkriegsjahren kaum gelingen kann. Mich irritiert, dass die Morde in deutschen Bildungseinrichtungen für Jugendliche (Villingen, Erfurt) durch labil gewordene, weil gemobbte, vernachlässigte und durch übermäßigen Konsum von PC-Gewaltspielen degradierte und manipulierte Aussenseiter pauschal als "Amokläufe", also planloses Töten, offiziell klassifiziert wurden. Ich denke eher, dass die in die Verzweiflung Getriebenen vor Ausführung ihrer Suizide versuchten, durch gezielte Attentate möglichst viele ihrer Peiniger mitzureißen; natürlich geschah dies in eben jenen Anstalten, wo sie über Jahre gequält wurden. Ich denke, dass die aus verständlichem Grunde verstockt - wie Altnazis - schweigende Restgruppe der überlebenden Mobber und untätig gebliebenen Verantwortlichen seither ein unerträglich schlechtes Gewissen quält; und freilich ist das nur recht so.

Die Meinung des Evolutionspsychologen und Gewaltforschers Prof. Steven Pinker (Univ. Harvard, USA), dass die Zeit der Aufklärung in Europa eine nachhaltige, stetig wirkende, humanitäre und moralische Entwicklung in Richtung Gewaltverzicht und globalisierter Friedfertigkeit hervorgebracht habe (S. Pinker 2011: Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit. S. Fischer Verlag), teile ich nur eingeschränkt: denn zum einen ist es riskant und moralisch problematisch, als spezialisierter Forscher auf dem weiten und unübersichtlichen Feld stetig praktizierter Gewalt mit seinen sich wandelnden, schwierig einzuschätzenden und zu bewertenden Komponenten Entwarnung zu geben, indem man eine "beispiellose Phase des Neuen Friedens" erkannt zu haben meint (S. Pinker in DER SPIEGEL: 42: 152-155, 17.10.2011und GEO 12: 134-135, 2011). Und zum anderen meine ich, dass in Anbetracht der vielen im 20. und 21. Jhd. neu entwickelten direkten und indirekten sowie exportierten Gewaltformen, ihren komplexen Vernetzungen und ihren zeitlichen Fernwirkungen auf zukünftige Generationen (Vernichtungskrieg, Überbevölkerung, Verdichtung, Ressourcenverknappung, Klimawandel, etc.) von der Vernunft und dem Hausverstand her kaum Anlass zu Optimismus betreffend globaler Gewaltminderung gegeben sein kann. Sinnvoller wäre doch gewesen, eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung über die Evolution anthropogener Gewalt zu schreiben.

Vernünftige, zukunftsfähige Zivilisation kann nur als langzeitbeständiger Prozess fortschreitender Gewalteingrenzung, -extraktion und -zurückdrängung in einer global immer weiter vernetzten Gesellschaft verstanden werden. Es muss darüber nachgedacht werden, warum der zeitliche Durchläufer der Beständigkeit der verwerflichen menschlichen Gewaltkonstanten parallel zum sozialen Evolutionsprinzip - darunter verstehe ich den Zivilisationsdruck in Richtung ständiger Qualitätsverbesserung des Zusammenlebens zwecks Minderung kollektiven Schmerzes im weiteren Sinne (S. Freud) - besteht und - wenn ja - warum dies leider so ist.
Der Philosoph Günther Anders fasste dieses Problem unter dem Titel "Die Antiquiertheit des Menschen" (1956) zusammen: Viele Menschen seien "Analphabeten der Angst," - der Emphatie, der Empfindsamkeit, Sorgsamkeit und der Ästhetik (Ergänzung durch den Verfasser) - und ihrem Handeln und Produzieren moralisch nicht gewachsen: "Zerbomben können wir zwar Hunderttausende; ....beweinen oder bereuen aber nicht." (DER SPIEGEL Nr. 12: 124-125 vom 21.03.2011).

Je länger die Liste der Gewalt fortgeschrieben wird, desto problematischer, schlechter vermittelbar, peinlicher und unverträglicher wird ihr Transfer an Erziehungsbefohlene, wenn diese sich in Bildungsanstalten mit der Menschheitsgeschichte zu befassen haben; mit Hilfe des Internets, entsprechenden Sachbüchern in Bibliotheken sowie Dokumenten in Archiven kann begonnen werden, diese Liste - eine Tabelle mit vielen Millionen Zeilen - zu erstellen. Jugendliche können daraus nur schließen, dass der durchschnittliche Mensch in der Masse aus der Geschichte seiner verwerflichen negativen Aggressionshandlungen - seinen schweren Fehlern - und ihren verheerenden Folgen nichts lernt: statt der unerbittlich korrekten Verbreitung ernüchternder historischer Geschehnisse und lehrreicher Wirklichkeit praktiziert er vielmehr organisiertes Sakralisieren, Heroisieren, Euphemisieren, Vergessen, Bagatellisieren, Verdrängen, Leugnen, Kaschieren, Ignorieren, Lügen und Verbieten und begeht damit immer größere Feler in Endlosschleife. Beispiele:
- der bei entsprechenden Gelegenheiten immer wieder zitierte schönfärberische Satz "Dulce et decorum est pro patria mori";
- die im 17. und 18. Jhd. in Auftrag gegebenen Schlachtenbilder, welche die grausamen und blutigen Kämpfe gezielt verfälscht, nämlich heroisierend und gewaltverherrlichend darstellen; wie z. B. die "Alexanderschlacht" von Albrecht Altdorfer und die "Belagerung von Kosel" von Wilhelm Kobell;
- das Verbot des Antikriegsbuchs "Jugend ohne Gott" (Ödon von Horvath) und des Antikriegsfilms "Im Westen nichts Neues" im Deutschen Reich: Letzteres ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Erich Maria Remarques, das als größtes Vermächtnis aller im ersten Weltkrieg Gefallenen interpretiert wird;
- die Sakralisierung, Erhöhung, Aufwertung und Verherrlichung bewaffneter Auseinandersetzungen als "ultima ratio", "Totalen Krieg" oder "Heiligen Krieg"; das erste Militärmuseum in Deutschland, das detailliert Leid und Gräuel der Kriege explizit darstellt (DER SPIEGEL 27: 104-107 vom 04.07.2011), ist erst im Jahr 2011 eröffnet worden;
- die Bezeichnungen der Schießwaffe Colt als "Peacemaker" und der Neutronenbombe als "saubere Atombombe";
- die Verharmlosung des "Freundeskreises Heinrich Himmler" als "Gremium der Funktionslosigkeit": in diesem Männerzirkel, der sich bis 1944 in Berlin monatlich versammelte, freundeten sich Repräsentanten aus Wirtschaft, Industrie, Verwaltung und Politik an und koordinierten ihre ideellen und materiellen Interessen (DIE ZEIT 40: 21 vom 29.09.2011);
- das Ignorieren, Vergessen wollen, Bagatellisieren, Maskieren und Verdrängen von NS-Verbrechen bis heute und der Tatsache, dass in diesem Land echte und nachhaltige Entnazifizierung leider nur in den seltensten Fällen tatsächlich realisiert wurde (DIE ZEIT Nr. 5: 18 vom 27.01.2011; Nr. 23: 21-22 vom 01.06.2011); ein quälender Mißstand sich steigernder Verlogenheit, der in den Studenten- und Arbeiterprotesten 1967/1968 öffentlich kritisiert, angeprangert und Gegenstand einer bundesweiten Rebellion wurde. Dieses Dauerleugnen des NS-Schweigekartells sowie einerseits das Vorenthalten und Vereiteln von Restitution für Opfer sowie andererseits die bevorzugte Entschädigung und Wiedereinstellung ehemaliger Täter und Mitläufer ist vollkommen zurecht als die "Zweite Große Schuld" Deutschlands in die Weltgeschichte eingegangen (siehe auch DER SPIEGEL 1: 32-39 vom 02.01.2012);
- die Leugnung der Tatsache, dass beide Atombombenabwürfe auf japanische Städte zu den erfolgten Zeitpunkten gar nicht notwendig waren: die Zusendung entsprechenden Filmmaterials vom ersten Atombombentest (16.07.1945 bei White Sands nahe Alamogordo, New Mexico, USA), Information über die Sprengkraft weiterer und sofort einsatzbereiter Bomben und über ihre Positionierung nahe Japan hätten den Tenno zur Kapitulation bewogen;
die zynisch-eiskalten Begriffe "Dienst an der Waffe" - der nichts anderes bedeutet, als auf Staatskosten monatelang einzuüben, wie man sich am besten verhält, um am praktikabelsten und effektivsten zu töten - und "keine Gefangenen machen" - was die sofortige Tötung aller im Kampf Unterlegenen bedeutet;
- die spätestens seit der Schrift "Grenzen des Wachstums" (1972) in Endlos-Serie praktizierte Verdrängung der Endlichkeit der Ressourcen, der wachsenden Problematik der Überbevölkerung und der Unlösbarkeit vieler Umweltprobleme, wie z. B. das der sogenannten Endlagerung radioaktiver Reststoffe (konkret: es kann auf makroskopischer Ebene der in ständiger Wandlung befindlichen oberen Erdkruste kein dauerhaft abgeschlossenes System geben!) und der Überdüngung der Atmosphäre mit Treibhausgasen; Probleme, die von gekauften und korrupten Wissenschaftlern - wie z. B. die Mietmäuler und Öko-Saboteure Nigel Lawson (GB), Fritz Vahrenholt (BRD), William Kininmonth (AU) und Fred Singer (USA) - mittels Scheinargumenten öffentlich kleingeredet oder als unwahr präsentiert werden, wodurch seriöse Wissenschaft diskreditiert, torpediert und die Öffentlichkeit verunsichert werden soll (DIE ZEIT 7: 35-37 vom 09.02.2012). Das Verdrängen der Endlichkeit der Verfügbarkeit vieler Ressourcen hat nebenbei noch einen tiefenpsychologischen, irrationalen Grund: ihre zeitliche Begrenztheit - ihre begrenzte Verfügbarkeit, in Hubbert-Kurven dargestellte "Lebenszeiten" - wird von den meisten Menschen genauso gerne verdrängt wie ihre eigene Sterblichkeit;
- die Begriffe Zeit- und Leiharbeit, die nichts anderes als entwürdigende und weit unterbezahlte Tätigkeiten bedeuteten;
- die bagatellisierenden und unverschämt-zynisch relativierenden Behauptungen 1) eines "guten Menschenhirten" im Jahr 2010, dass sexueller Mißbrauch von Kindern ja auch im weltlichen Bereich Gang und Gäbe sei und 2) eines BP-Managers, dass austretendes Erdöl am defekten Deepwater Horizon Bohrloch im Golf von Mexiko angesichts der Größe der Weltmeere unbedenklich sei.

Sigmund Freud stellte fest, dass anlagebedingt in der menschlichen Psyche unterschiedliche Anteile an Eros und Thanatos bestehen und gelebt werden. Es kann nur der nihilistisch-selbstzerstörerische Todestrieb sein, wovon verwerfliche Gewaltimpulse ihren Ausgang nehmen, über deren Dasein die allermeisten Menschen jedoch selbst reflektieren und über deren Ausführung sie selbst - willentlich - bestimmen können. Das behaupte ich auch eingedenk der aktuellen Diskussion, ob ein

wissenschaftlich fundierter, eindeutiger Nachweis tatsächlicher Willensfreiheit (freier Wille als Illusion?), die mit der Studie "Hirnforschung und Willensfreiheit" das Problem Determinismus-Indeterminismus (Libet-Experiment) aufgriff, noch gelingen kann. Es erscheint paradox, dass der extrem hohe Komplexitätsgrad des und die vielen biologischen Variablen im menschlichen Gehirn ein nichtdeterministisches Ganzes hervorbringen, obwohl seine Grundbestandteile - die Moleküle - streng deterministisch den Naturgesetzen unterliegen, wenn sie chemisch reagieren (S. Hawking & L. Mlodinow: 2010: 35, Der große Entwurf). Die Diskussion über den freien Willen wird weitergehen, ob es denn wirklich möglich ist, dass sehr viele deterministisch funktionierende Einzelteile ein indeterministisch agierendes Ganzes erzeugen können (dazu bestehen ähnlich gelagerte Probleme in der rein physikalischen Welt: z. B. Klimaprognose, Erdbeben- und Blitzschlag-Vorhersagen); ebenso die Diskussion über das Problem, ob der Wille eines Menschen wegen der großen Anzahl vererbter mentaler biologischer Programme (Triebe, Reflexe, Instinkte) mit ihren evolutionsbedingt oft überwältigend intensiven Ausführungs- und Erfüllungszwängen, wegen der Fähigkeit zu spontanen und/oder emotionalen Reaktionen (z. B. Affekt, Begeisterung), wegen der Fähigkeit zu besonderen mentalen Zuständen (z. B. Trance, Schockzustand, Extase, Hypnose, Traum, Rausch, Delir), wegen diverser mentaler Erkrankungen (Wahn, große Ängstlichkeit, Sucht, Zwang, Depression, Schizophrenie, Narzismus, etc.) und dem von S. Freud entdeckten Unbewussten nur bedingt frei sein kann; die split-brain Experimente der Arbeitsgruppen um M. Gazzaniga (Who's in charge? Free will and the science of brain. Ecco, New York, 2011) weisen eher in Richtung eines deterministisch arbeitenden Gehirns. Gazzaniga meint, dass unser Handeln nur deshalb indeterministisch erscheint, weil wir ständig mit der Umwelt und den Mitmenschen komplex interagieren und dass die linke Hirnhemisphäre permanent ein selbständiges Ich und eine eigene virtuelle Realität simuliert (DER SPIEGEL 50: 149-152 vom 12.12.2011). Ich selbst bin aber der Ansicht, dass der menschliche Wille zum allergrößten Teil wirklich frei ist: je sorgfältiger man das, was man unmittelbar ausführen möchte, reflektiert, von aussen betrachtet und vernünftig und ruhig überdenkt, desto freier wird der eigene Wille. Auch Reaktanz und Trotz sind Indizien für die weitreichende Freiheit des menschlichen Willens (DIE ZEIT Nr. 46: 17-19 vom 10.11.2011).

So offenbart fast jeder weitere verwerfliche Gewaltevent erneut menschliches Dauer-Versagen: träges, zähes, verstocktes, dummes und dumpfes Verharren des Menschen in seiner scheinbar unverbesserlichen Unfähigkeit zur gewaltfreien Problem- und Konfliktlösung, zur Gewaltprävention, De-Eskalation, Mediation und zum positiven Miteinander, weil er der Versuchung immer wieder nachgibt, schwach wird, soziopsychologischem Druck (situative Gruppendynamik, Autoritäten) und systemischen Faktoren (Umstände, Einflüsse) nicht standhält (Philip Zimbardo 2008: Der Luzifer Effekt) und seinen Macht-, Habgier- und Vorteilnahme-Impulsen - seinem überzogenen Egoismus - freien Lauf lässt; ähnlich einer immer wieder an eine Fensterscheibe stoßenden Fliege. Das sich verbreiternde Wissen über solch peinliche Langzeit-Stagnation wird aber auf Dauer bei den nachkommenden Generationen immer mehr Angst, Depression, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung hervorrufen sowie ganz zurecht einen unermesslichen, bodenlosen Zorn, gedankenlos oder absichtlich in solch eine immer weiter entstellte und degradierte, weil über Jahrtausende vieldimensional gewaltbesudelte Welt - die größte denkbare moralische Kloake - geworfen und mit allen zwischenzeitlich angehäuften, weil prokrastinierten Problemen alleine gelassen worden zu sein. Laufend werden immer mehr Risiken sowie ökonomische, ökologische und moralische Schulden auf kommende Generationen weitergewälzt (DIE ZEIT 43: 1 vom 20.10.2011). Der Begriff vom "Geschenk des Lebens" (donum vitae) und der Empfangsgruß "Willkommen im Leben" klingen da wegen ihrer Einseitigkeit nur mehr harmlos oder peinlich oder verlogen oder zynisch. Genauso wie man Leben und die Freude daran "schenkt", öffnet man im gleichen Zug unwiderbringlich auch das Tor für potentiell noch mehr Ärger, Distress, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Konfrontation mit weitergeschobenen Problemen, Armut, Siechtum, Vergänglichkeit und Tod; ist der Mensch dann auf der Welt, drischt den Rest seines Leben Gewalt auf ihn ein; wie z. B. in der brutalisierten Arbeitswelt, in der der zum ganz normalen, harmlosen Lebenwollen notwendige, essentielle Wille zum Broterwerb von den frei agierenden, gewaltsamen Kräften der Marktwirtschaft zu einem quälenden Desaster und Dauerstress degradiert worden ist. Es ist unerträglich, aus der Liste der Gewalt ableiten zu können, dass sich das verwerfliche negative Aggressionspotential des Menschen gar nicht bis nur unwesentlich verringert hat und Egoismus/Monetarismus neben Killizismus, Bellizismus bzw. Militarismus/Paramilitarismus fortbestehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass gewaltminimiertes Zusammenleben und gewaltminimierter Dialog zusammen mit einer ehrlichen, vernünftigen und fairen Diskussions-, Streit- und Versöhnungskultur viel erfreulicher und besser sind und die Lebensqualitäten aller offenen Gemeinschaften ins Positive wenden bzw. im Positiven halten. Das Ausleben verwerflicher negativer Aggression lädt nur noch mehr absichtliche, gewollte Endlichkeit auf die naturgegebene Endlichkeit drauf. Es gäbe kein besseres Geschenk an die Jugend als ein nachhaltig gesichertes, inert gemachtes, gewaltminimiertes System demokratischen Zusammenseins; Bundespräsidenten-, Bundeskanzler-, Bundesminister-, Landesminister-, Kreisrats-, Gemeinderats- und Eltern-, Paar- und Gruppen-Eigenschaft sollte vor allem anderen zuerst in diese Richtung wirken. Hier könnten endlich die großen und besonders wichtigen, weil vertrauenstiftenden, aber leider längst überfälligen Nachweise geführt werden, dass die ältere Generation tatsächlich auch an das Wohlergehen ihrer Abkömmlinge denkt, sie liebt und deshalb gewillt ist, positive Nachhaltigkeit betreffend dauerhafte Gewaltminimierung zu realisieren. In diesem Fall wären der Aufsatz "Der kommende Aufstand" eines Anonymus, die Streitschriften "Empört Euch" und "Engagiert Euch" von Stéphane Hessel sowie die Attac- und Occupy-Bewegungen (2011), allesamt deutliche und ernstzunehmende Manifestationen gesellschaftlichen Unbehagens, erst gar nicht entstanden. Es muss von verwerflicher negativer Aggression jeder Art abgelassen werden. Gewalt hat noch nie ein Problem gelöst, sondern stets mindestens eines draufgesetzt; ausser es handelt sich um die tragisch-traurigen Zwangsfälle des Tyrannenmordes, der Selbstverteidigung, der Verhinderung von Genozid/Massenmord und dem Schutz und Erhalt demokratisch-rechtsstaatlich-offener Staats- und Gesellschafts-Strukturen. Am Ende der Liste der Gewalt bzw. der LANGEN ZEIT DER LEICHEN darf nicht die Selbstauslöschung - kollektive Selbstkreuzigung - der Menschheit stehen. Es müssen - und das ist eine conditio sine qua non - Sozialtechniken erdacht, erlernt und verbreitet werden, die helfen, die aus Thanatos schwarzen Tiefen immer wiederkehrenden Eruptionen der verwerflichen negativen Komponenten der Aggressionskonstanten des Menschen zu kompensieren und in positive Aggression umzuwandeln; und die zur Einsicht leiten, die vom Thanatos ausgehenden Impulse ins Positive zu wenden, anstatt sie unverändert direkt zu exekutieren, wenn man meint, die Gelegenheit dazu sei günstig. Die durch diese Verhaltensänderung frei werdenden, unvorstellbar großen Energien - neue Ressourcen - können eingebracht werden zur soziokulturellen Weiterentwicklung, wodurch möglicherweise der selbst-evolutionäre Schritt hinein in eine gewaltminimierte, um Größenordnungen friedlichere Daseinsform und entsprechend bessere Lebensqualität für den Menschen realisiert werden kann.

Der Menschheit muß es gelingen, sich selbst zu überleben. Das Zusammenleben wird nur dann besser, wenn mehr Vernunft, Realismus, Fairness, Zivilcourage und Altruismus gelebt werden; auch wenn letzteres zusätzlich der Stabilisierung und Förderung der eigenen Reputation dient (DER SPIEGEL Nr. 51: 126-128, 20.12.2010). Freilich darf da nicht übertrieben werden. Niemand erträgt dauerhaft die totale Diktatur der Tugenden; jeder weiß, wie schwierig es sein kann, in der Diskussion mit einem notorischen Provokateur sachlich und vernünftig zu bleiben. Und jedem ist klar, wie schnell Tugendhaftigkeit in Restriktion umschlagen kann. Es soll hier auch keiner einseitigen und öden "Wissenschaftsgläubigkeit" das Wort geredet werden. Ein maßvoll gelebtes und kontinuierlich selbstreflektiertes positives Irrational-Sein wie Spielen, Nonsens, Blödeln, Gaudi, Witz, Märchen, Fantasy, Sagen, Humor, Kabarett (Dieter Hildebrandt, Polt, Biermösl-Blosn, Django Asyl, Bruno Jonas), Komik (Wilhelm Busch, Karl Valentin & Liesl Karlstadt, Walt Disney, Stan & Olli, Goscinny & Uderzo, Loriot), Spontaneität, Ehrgeiz, Schlamperei, Sport, Bergsteigen, Klettern, Ziellosigkeit, Tagträumerei, Wirtshaus- und Bistro-Sitzen, Fasching, Weinseeligkeit, a kloane Wiesn, a wengerl Mode & Chic, Urlaub, Liebe, Sex, Hoffen, Optimismus, Begeisterung, Staunen, Abenteurertum, Experimentieren, Ludwig II, Romantisieren, Sentimentalität, Sturm & Drang, etc. ist unbedingt notwendig. Ohne positive Irrationalität wären Musik, Malerei, Schriftstellerei, Theater, Oper und Kino um vieles ärmer und Edmund Percival Hillary wäre es nicht möglich gewesen, am 29.05.1953 seinen Fuß auf den Gipfel des Mount Everest zu setzen. Positive Irrationalität beflügelt auch den technischen Fortschritt und die Wissenschaften; dazu nur zwei Beispiele von vielen: ohne Ehrgeiz, Begeisterungsfähigkeit und Optimismus hätte im Jahr 1969 der Mensch nie den Flug zum Mond unternommen; Tagträumerei war es, die dem Chemiker August Kekulè von Stradonitz im Jahr 1865 eine Assoziation von der Ringstruktur des Benzol-Moleküls vorgaukelte. Bei positiver Kreativität und Intuition ist es allerdings anders: von beidem kann es nie genug geben. Aber alles Weitere - von Aberglaube, Akupunktur, Astrologie über Esotherik, Handauflegen, Hexerei, Homöopathie, Intelligent Design, Kreationismus, Okkultismus, Schamanie, Telepathie, Übernatürlichkeit, Weltuntergang im Fernsehen und Weissagung - bis hin zur hier gegen Ende erst- und letztmalig genannten Religion, die ich als inzwischen längst überholtes und gefährliches, weil beton- und eises-starr gebliebenes Denk- und autoritär-patriarchalisches Herrschafts- und Unterdrückungsmodell mit Wurzeln in den Anfängen der Entwicklung der Menschheit interpretiere - muss auf ein vernünftiges und erträgliches Maß reduziert, letzteres vielleicht sogar wegen seiner Gefährlichkeit aufgegeben und begraben werden (Entreligionisierung), weil der Mensch damit der Gefahr zu nahe kommt, sich selbst und andere zu sehr einzuschränken, zu verletzen, zu versklaven, zu verselbstleugnen, zu erniedrigen, zu entselbsten, kleinzuhauen und abzuwürgen; ausserdem hatte genannte Weltanschauung noch nie vernünftige Antworten auf drängende Fragen der Zeit und ist wegen ihres den freien Menschen entwürdigenden totalitären Anspruchs - wie alle anderen Weltanschauungen auch - unbrauchbar; sie verbreiten in endlos scheinender Wiederkehr nichts anderes als metaphysische Placebos. Die Tatsache, dass kraft dogmatischer Festlegung mit dem Taufritual alle Mitglieder Zeit ihres Lebens an diese weltanschaulichen Organisation gebunden sind, ist mit dem freien Willen und der Selbstbestimmung eines Menschen unvereinbar.

Freilich bin ich mir bewusst, dass auch solche Weltsichten und Pseudowissenschaften in begrenztem Maße selbstheilende und stärkende Kräfte - ähnlich dem Placeboeffekt und der Meditation - aktivieren können. Aber ich bin mir noch nicht darüber im klaren, was anstelle der Weltanschauungen treten soll, wenn sich tatsächlich nachweisen lässt, dass die meisten Menschen ohne Glauben im Leben nicht zurechtkommen: weil parallel zu den Aggressions-, Dummheits- und Manipulierbarkeitskonstanten, die selbstverständlich auch mich selbst betreffen, auch noch eine Glaubenskonstante in den meisten Menschen angelegt ist; weil viele irrtümlich meinen, für ihre diesseitigen Mühen und Plagen eine Belohnung im Jenseits verdient zu haben.

Carpe diem: genieße nach getaner Arbeit das Leben, denn es ist später, als man denkt. Lerne das Schöne exzessiv erleben. Die allermeisten Menschen brauchen einen Teilausgleich in Form von möglichst vielen und intensiven Glücksgefühlen, weil sie wegen einer überall und für alle geltenden, unausweichlichen und stocknüchternen Gewissheit, nämlich dem gesicherten Wissen um ihre Vergänglichkeit und grandiose Verlassenheit, sich nachhaltig tief gekränkt, zurückgesetzt, dauerhaft geängstigt und tief deprimiert fühlen. Das ist eine der Konsequenzen aus der evolutionären Entwicklung des menschlichen Gehirns: der Fähigkeit des Intellekts zum Bewusstsein, zur Empathie und zur Reflexion, in Folge dessen der Mensch die Daseinsfragen formulieren und er schaudernd und erschrocken seine Verlassenheit erkennen konnte, aus der einerseits angstbedingt irrational-problematische Haltungen wie Glauben und Hoffen - und daraus entwickelte Weltanschauungen mit all ihren bekannten Nachteilen und Gefahren - , andererseits neugierig-rationale Positionen wie logisches Fragen und tiefes Nachdenken - das Philosophieren: alles ergründen wollen - entstanden.

Dieses meines Erachtens erstaunliche Verhalten des Gekränktseins gründet zum einen wiederum in der Irrationalität des Menschen und zum anderen darin, dass er sich über Jahrhunderte hat gerne belügen lassen, er sei die Krone der Schöpfung, seine Seele sei unsterblich und "seine" Erde, um die sich wie selbstverständlich und wie von ganz alleine alles dreht, sei natürlich die Zentrale aller Welten. Aber bei der Durchmusterung der neu erkannten Horizonte - die aktuell erkenn- und interpretierbare Wirklichkeit - bleibt dem Vernünftigen nur mehr die Demut, denn es hat sich herausgestellt, dass in der Natur das Glücklich-, Zufrieden- und Erfülltsein und ein vermeintlich sinnstiftendes Auserwähltsein des Menschen durch göttliche Vorsehung nirgendwo erkennbar ist; es werden keine Gesetze oder Argumente gefunden werden können, die dies belegen; auch solche werden nie gefunden werden können, dass die Natur so etwas wie den Menschen braucht: er ist für sie nicht systemrelevant. Sein Platz im Multiversum ist nur ein beliebiger, seine Lebenszone im Sonnensystem ist erschreckend schmal und immerfort gefährdet, sein Dasein zufällig; seine Herkunft liegt nach Erkenntnis von C. Darwin nachweislich im Tierreich, evolutionär entstandene biologische Programme und das Unbewusste (S. Freud und C. G. Jung) schränken nachweislich seinen freien Willen recht oft ein, Diversität und Qualität seines genetischen Materials sind nur Mittelmaß (DIE ZEIT 40: 1 vom 29.09.2011), das Dasein gelingt nur, wenn er beständig anderes Leben frist und verdrängt, seine durchschnittlichen Eigenschaften stagnieren seit Anbeginn seines Daseins und sind alles mögliche, nur nichts Besonderes im positiven Sinne. Höflich gesagt ist das nur ein sehr bescheidener, beschämender und unbefriedigender Dauerzustand. Und auf lange Sicht werden, wie das Prinzip von Radiation und Extinktion in der irdischen Bioevolution zeigt, alle seine Artgenossen tot sein. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Walze der Zeitlichkeit auch mit dem kleinen Häuflein Menschheit mit all seinen technischen und energetischen Prothesen keinerlei Probleme haben wird. Kann schon sein, dass ein Teil der Menschheit die Folgen großer Meteoritenimpakte, Vulkanausbrüche, Erdbeben und selbsterzeugter ökologischer Krisen übersteht. Möglicherweise noch vorhandene Reste seiner Hinterlassenschaften verschmoren - wenn die Sonnenmasse dazu ausreicht - in ca. sechs Milliarden Jahren zur Unkenntlichkeit in der Photosphäre der Sonne im Stadium des Roten Riesen und werden anschließend von den Gammablitzen ihres Supernova-Stadiums subatomisiert. Sollte die Sonnenmasse zu gering sein, erstarren genannte anthropogene Relikte über Jahrhundertmilliarden in einer kosmischen Kältewüste. Wie dem auch sei: alles weitere schluckt später eines der Schwarzen Löcher im All, die in ca. 10exp100 Jahren verdampft sein werden (GEO 02: 70-83, 2012). Das wars dann auch schon; da bleibt von der Menschheit nicht mal ein Stäubchen Asche; als wäre kein Mensch jemals gewesen; alle Zeitfenster werden sich dann in unendlich gleichgültiger Unbelebtheit immerfort geschlossen haben: Aus die Maus, Schluss die Nuss. So kann das Gemälde von Caspar David Friedrich "Das Eismeer oder die verlorene Hoffnung" auch gedeutet werden. Die Standardmodelle der Historischen Geologie und Kosmologie lassen überhaupt keinen Zweifel daran, dass es auf ganz lange Sicht für den Menschen kein happy end geben kann; ausser er versucht auf gut Glück anderswo weiterzusiedeln, indem ein Teil von ihm sich rechtzeitig auf eine lange Reise ins Ungewisse in den extrasolaren Raum begibt und versucht, auf einem anderen Planeten - der bestimmt keine zweite Erde sein wird - das Dasein ein wenig zu verlängern. Dieser latente Daseinsschmerz wegen eines und diese Weltangst vor Totalentwurzelung (Simone Weil) und einem unermesslichen singulären Nichtsein in Unendlichkeit in alle Zukunft - dieser "horror vacui" im übertragenen Sinne - kann nur dadurch gemindert werden, dass der Mensch versucht, wirksamere und wahrhaftigere, qualitativ bessere Formen des Zusammenlebens und des Kommunizierens als die derzeitigen zu entwickeln, umzusetzen und zu leben; siehe vierter Absatz. Dass dies dringend nötig ist, zeigt auch die weite Verbreitung seelischer Erkrankungen wie Depression, Angst und Zwang mit implizitem Drogenmißbrauch. Kurzum: seid doch freundlicher und fairer zueinander!
Alle Bestandteile positiver Humanintelligenz müssen zusammenwirken, sich konzentrieren und in vernünftige, realistische Richtungen wirken, um die ins Haus stehenden, selbst erzeugten, über Jahrzehnte weitergeschobenen und zu riesigen Gebirgen aufgelaufenen Gewalt-, Sozial-, Öko-, Ressourcen-, Vermassungs-, Überforderungs-, Weltanschauungs- und Umweltprobleme der Menschheit zu mindern; denn in den nächsten vier Jahrzehnten müssen die wichtigsten Weichenstellungen der Menschheitsgeschichte getätigt werden (DER SPIEGEL Nr. 25/2011: 128-133); alle, die vernünftig und unabhängig geblieben sind und Verantwortlichkeit verspüren, müssen sich möglichst bald an einen Tisch setzen, um die wegen negativ-irrationalen Handelns aufgetürmten Probleme so friedlich, so gerecht und so bald wie möglich ehrlich, fair und nachhaltig zu lösen; ansonsten besteht hohes Risiko, dass im 21. Jhd. die Menschheit sich selbst nicht überlebt. Sie wird bestimmt kein Wunder retten; wir können uns Irrationalität und Inkonsequenz derzeit nur mehr in ganz geringer Dosierung leisten. Freilich ist mir auch andererseits klar, dass ein Zuviel an Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung des Irrationalen zu Repression und Gewalt führt (Eva Illouz in DIE ZEIT 52: 53 vom 22.12.2011). Diese Krise ist dennoch einmalige Chance, Vernunft und positive Humanintelligenz durchzusetzen sowie ihnen die essentiellen Stati, Geltungsbereiche und Wirkungsräume zukommen zu lassen, die ihnen zustehen. In Anbetracht der Liste anthropogener Gewalt mit Todesfolge und der wegen moralfreiem Profitstrebens ins Prekäre gekippten Umwelt-, Ressourcen-, Sozial- und Finanzsituationen ist es so, dass sich die Menschheit gebärdet wie der Metzger auf dem Schlachthof, das Gula in Schlaraffien und das Trampeltier im Glashaus: der Mensch hat aber nun mal nur ein einziges Leben und eine einzige Erde - sein Dasein und seine Bio-Geosphäre - , beides sollte er sich so friedlich und so lange wie möglich im Bestzustand erhalten, will er dauerhaft Glücklichkeit erfahren. Eine zweite Erde ist natürlich genauso wenig erreichbar wie das Jenseits. Auch das vom NASA-Funktionär
Jesco von Puttkamer (DER SPIEGEL 28/2009) und dem Astrobiologen Dirk Schulze-Makuch (DER SPIEGEL Nr. 25/2011: 116-117) angedachte "terraforming" auf dem Mars halte ich für unerträglichen Exkapismus und nur einen für die Steuerzahler extrem teuren, weil nutzlosen und nicht anwendbaren akademisch-technischen Schrebergarten verantwortungsloser, arroganter und egoistischer Astrowissenschaftler, die sehr wichtig sein wollen. Freilich werden inzwischen immer mehr Exoplaneten - erdähnliche Objekte in den Lebenszonen extrasolarer Planetensysteme - dank verfeinerter optischer Detektionssysteme indirekt nachgewiesen; diese sind aber min. zwei Dutzend Lichtjahre entfernt und somit für den Menschen unerreichbar; da werden nur vollkommen irreale, letztendlich schädliche Hoffnungen geweckt. Dem Vernünftigen bleibt nichts anderes als Anthropo- und Ökozentrismus.
Sich wegen vermeintlicher Ausweglosigkeit nur in den Glauben und ins Hoffen zu flüchten, führt nicht weiter. Einen ausreichenden Glücklichkeitslevel kann der Mensch nur in sich selbst erzeugen, indem er 1) eine optimistische Grundeinstellung pflegt, 2)seiner selbst besser und tiefer bewusst wird sowie Bedeutung und Schönheit seiner positiven Fähigkeiten erkennt, wertschätzt und umsetzt, 3) für seine Gemeinschaft objektiv Positives schafft und damit seinem Dasein einen eigenen tiefen Sinn gibt sowie 4) maßhaltend und ständig selbstreflektierend seine positive Irrationalität (siehe zwei Absätze oberhalb) lebt. Es macht vollständig glücklich, wenn man die Bedeutungen der innerhalb ca. drei Milliarden Jahren irdischer Bioevolution entstandenen Phänomene Wahrnehmung, Bewusstsein, Reflexion, Empathie sowie freie Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten im positiven Sinne erkannt hat, zu denen gesunde Sinnesorgane und ein gebildeter Intellekt befähigen, und sie selbstwirksam zu positiven Aktionen nutzt. Zum Glücklichsein braucht es meines Erachtens fast nichts, ausser ein wenig Selbstachtsamkeit, Sensibilität und Kontemplation: nur ein bewusster Blick aus dem Auge hinein in die unendlich schöne Diversität der Natur (Beispiele: wie schön, wenn eine windgekräuselte Wasseroberfläche im Sonnenlicht hell flimmert; wenn Laubbäume im Sommerwind rauschen und ihre Blätter im Sonnenlicht irisierend funkeln und blitzen) oder eine bewusst gehörte/gelesene Passage aus einer/einem wunderbaren Komposition/Text oder die zündende Idee eines argumentativ treffenden Satzes in einem eigenen Aufsatz oder das Wissen über bzw. die Erinnerungen an die strahlend-hell glänzenden Sterne der Wahrhaftigkeit guter Menschen ("Ich will helfen!") genügen schon, um mit eigener Vergänglichkeit und kosmischer Verlassenheit immer wieder - zeitlebens - versöhnt zu werden. Mehr braucht es nicht; und mehr geht wohl aber auch ganz sicher nicht.

Aus der nur durch Nachdenken erschlossenen maximalen Wertschätzung des Menschseins, abgeleitet aus dem Begreifen, Annehmen und Verinnerlichen seiner Singularität, Verletzbarkeit, Fragilität und grenzenlosen Verlassenheit, kann nichts anderes erwachsen als eine unüberwindbare gedankliche Barriere bzw. Hemmung, verwerfliche anthropogene Gewalt zu praktizieren; und der Wunsch, jedes Dasein so friedlich, freundlich, angenehm, fair und schön zu gestalten wie irgend möglich. Siehe Epikur. Dann stünden wir nach Jahrtausende langen gefährlichen Irrlenkungen durch diverse Weltanschauungen endlich vor den ganz irdischen Toren unseres "Garten Eden".
Kurzgefasst: hat jeder die ultraeiskalte kosmische Verlassenheit seiner selbst und die aller anderen Menschen begriffen und verinnerlicht, ist keiner mehr imstande, Böses zu tun. Das wäre endlich mal eine singuläre Grenzüberschreitung im positiven Sinne.

Dieser Text wird ständig fortgeschrieben und so lange verbessert,
bis ein ausnahmsweise wirklich vernünftig Gebliebener
diesen mit gutem Gewissen wie folgt kommentieren kann:
"what a beautiful mind".

Quellen & Literatur:
-Internet; DIE ZEIT, DER SPIEGEL, Bayerischer Rundfunk 2;
-Brockhaus 2000, 5 Bände. 9. Auflage.
-B. Magee (1998): Geschichte der Philosophie. 244 Seiten. coventgarden.
-Der Brockhaus. Philosophie. Ideen, Denker und Begriffe. 2009. 2. Auflage.

Erster Entwurf: November 2008; online: 01.01.2011; letzte Ergänzung: 11.02.2012

Dr. Hubert Engelbrecht

Zurück

Vita