Auf zum ewigen Frieden
und zu
optimierter Global-Fairness:
gegen den Globalmeltdown der Vernunft,
gegen das gezielte Erzeugen von Dummheit,
gegen verwerfliche Gewalt, Extremismus
und negative Irrationalität -
omnis obstat Cruci Romanae

Musikalischer Auftakt:
"
Spiel mir das Lied vom Tod"
- Once upon a time in the West (Ennio Morricone 1968) -
Die ersten Takte der zart, aber stringent geführten,
melancholisch-einsamen Melodie der Mundharmonika spiegelt
die im vorletzten Absatz des Textes dargestellte grenzenlose
und ultraeiskalte Verlassenheit eines jeden Menschen

Vorwort

Ohne dies jemals so gewollt zu haben, bekam ich während meiner langjährigen Laufbahn an einer Bildungsanstalt für Jugendliche in Serie praxisnahe Kompakt- und Intensivkurse in Sachen Macht und Gewalt verpasst (jede Menge "negative learning") und durfte kurz vor dem Abgang beim selben Instruktor in einem Abschlußkurs diese wenig erfreulichen Themen in Aufsätzen - wie z. B. in der Erörterung von B. Brechts "Geschichten vom Herrn Keuner: Maßnahmen gegen die Gewalt" - theoretisch abhandeln, die der Lernzielkontrolle wegen ausführlich diskutiert und dann beurteilt wurden. Theorie und Praxis haben sich, so könnte man spotten, prima ergänzt. Da ich zu diesen Themen auch persönliche Gedanken und Meinungen äusserte, bin ich ganz nebenbei vom Instruktor auch noch ausgeforscht worden (man nennt das auch "cold reading"), in wieweit ich über die ungerechte und unfaire, damals aber gängige Alltags-Gewalt-Praxis reflektieren konnte. Freilich sind Fortgeschritten- und Expertenkurse dieser Art an den Universitätsfakultäten, die ich besucht habe, weitergeführt worden. Neben vielen anderen sind auch diese sonderbaren, problematischen und aufgezwungenen, z. T. auch aussergewöhnlichen, m. E. vollkommen unnötigen, weil überflüssigen Gewalt-Erfahrungen Ursache für die nachfolgenden Zeilen, in denen sie dargestellt, analysiert und in positive Ideen und konstruktive Vorschläge transferiert werden.
So stelle ich gleich zu Beginn den von Immanuel Kant geäusserten gröblichen Spruch zur Debatte: "Wer sich zum Wurm macht, braucht nicht zu klagen, wenn er getreten wird." Meine schlichte Erwiderung dazu: was sind denn das für Leute, die es nötig haben, auf Würmern herumzutrampeln? Wer bringt es fertig, wehrlos Gewordene zu mißhandeln und am Morgen danach so in den Spiegel zu blicken, als sei nichts gewesen? Wiederaufbau statt Totalzerstörung wäre doch viel klüger. Dazu: das "Verhängnis" des Esels ist seine Gutmütigkeit und sein Langmut. Deswegen werden gutmütige Menschen geschunden, mißhandelt, ausgenutzt; sie gelten als dumm, werden nicht ernst genommen und dürfen nichts bedeuten. Gesellschaftliche Verhältnisse dieser Art signalisieren Toleranz ohne Augenmaß und mangelnden Willen zur Durchsetzung des Humanitären.
Ich schreibe im folgenden einfach "frei von der Leber weg": genauso, wie Marion Gräfin Dönhoff Authentizität definierte: "... Echt sein, sich nicht vom Zeitgeist oder den Werbeagenturen stilisieren lassen, keine Konzessionen an Publikum, Mode oder Karriere machen, ohne Furcht sein, eigenen Maßstäben und Intuitionen folgen...." Oder wie der Russische Rocksänger und Komponist Jurij Schewtschuk es ausdrückt: "Seid keine CD-Rohlinge, auf die andere ihre Programme abladen (DER SPIEGEL 10: 94-97 vom 05.03.2012). Frei nach B. Brecht und I. Kertész sage ich es so: "Lasst keinen Globalstall entstehen, in dem schicksallose Schafe ihre Metzger selbst wählen!". Die Quelle der Blötheid findet man nur dann, wenn man unbeirrt gegen den Strom schwimmt. Freilich sind Mitläufertum und Rudeldenken im Schwarm viel bequemer als autonomes Handeln in Verbindung mit unbeeinflußtem und selbständigem Denken, weil man meistens ganz alleine dasteht mit seiner Meinung bzw. Lebensweise und man Angst bekommt vor einer erdrückend großen Mehrheit (DIE ZEIT 10: 40 vom 28.02.2013; DER SPIEGEL 11: 58-65 vom 11.03.2013). Ich garantiere im folgenden für 100% politische Unkorrektheit ad infinitum et exitum. Der Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg erkannte das Hauptproblem in der fatalen, spezifisch menschlichen Kombination von grenzenloser Gleichgültigkeit mit grenzenloser Heuchelei. Ganz richtig deshalb das Statement vom Schriftsteller Imre Kertész: "Das Leben ist ein Kunstwerk. Man muss es aufbauen." Anlass für die nachfolgenden Zeilen war der Gesamteindruck bei meiner Teilnahme am Dokumentarfilm "Menschliches Versagen" (2008), in dem es um die Problematik straffreien Auslebens und hemmungslosen Profitierens von verschiedenen Varianten verwerflicher Gewaltanwendung in einem der größten Unrechtssysteme aller Zeiten ging. Die Zeilen entstanden auch deshalb, weil es sinnvoll ist, den Ausspruch von JFK umzusetzen: "Frag nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst." Ein weiterer Punkt ist, dass für mich der Satz "Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein" aus Gründen der Vernunft und der Verhältnismäßigkeit keine Bedeutung hat; freilich sage ich meine Meinung auch dann, wenn ich Fehler gemacht habe; denn wer nichts sagt, wenn es nötig gewesen wäre, der macht den größten Fehler. Sprichwort: "wenn Du keine Fehler gemacht hast, dann hast Du es nie richtig versucht." Wegen der bedauerlicherweise essentiellen gesellschaftlichen Bedeutung des Themas "Gewalt" halte ich es für meine sittliche Pflicht, als Naturwissenschaftler mich nach gründlicher geistiger Auseinandersetzung dazu konkret zu äussern; im Gegensatz zu den vielen vielen anderen - der schweigenden Mehrheit - , die der Feigheit, des Opportunismus und der Karriere wegen dazu öffentlich gar nichts sagen. Selbstverständlich sehe ich in der Arbeitswelt aber auch die flächendeckende Knebelung der Meinungsfreiheit durch viele autoritäre, intolerante Vorgesetzte, Arbeitgeber und Kapitalanleger ("Wer zahlt, schafft an!", "Wer das Geld gibt, bestimmt die Regeln!" (seltsam: beides betrifft den Steuerzahler freilich nicht), "Wea was sagt oda aufmuckt, fliagt naus!") und dem sich daraus ergebenden erniedrigenden Zwang zur Konformität: "Wess Brot ich ess, des Lied ich sing!". Es ist gut so, dass ich diesbezüglich unabhängig geblieben bin und deshalb meine Meinung frei heraus allen mitteilen kann, auch wenn das vielen nicht passt; lieber bettelarm und prekär als unfrei und abhängig: "Leben in der Wahrheit" (Václav Havel), was denn sonst. Unerträglich für mich die uralte Erkenntnis, dass man ohne Verbrechen nicht zur Macht kommt (Regisseur Peter Stein in DER SPIEGEL 16: 126-130 vom 11.04.2015). So bereitet mir der immer wiederkehrende Gedanke "Wer werde ich einst gewesen sein?" keine großen Sorgen.
Freilich stelle ich mich der großen Verantwortung, die jeder Wissenschaftler hat; die z. B. von den Göttinger Sieben am 18.11.1837 wegen der Unzumutbarkeit staatlicher Willkür und von den Göttinger Achtzehn am 13.04.1957 wegen der Gefahr des atomaren overkills - vom Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt im Drama "Die Physiker" (1962) bestens thematisiert - wahrgenommen wurde. Vorbildlich das couragierte Schreiben aus dem Jahr 1945 von Prof. Dr. Lise Meitner an den Nobelpreisträger Otto Hahn - der es leider auch in die päpstliche Akademie der Wissenschaften geschafft hat - , in dem sie ihm unfrisiert die Leviten liest: er trage ganz gewiss Mitschuld an den Gräueln des Zweiten Weltkrieges wegen Passivität, Unfairness und Opportunismus (In: Bollmann, S. 2008: Frauenbriefe aus fünf Jahrhunderten. Seiten 133-134. E. Sandmann Verlag, München): hier ist es, was Stefan Zweig wie folgt benannte: "was wir brauchen, ist eine ganz andere Art von Mut.". "Wahre Worte sind nicht angenehm und angenehme Worte sind nicht wahr" (Lao Tse). Auch die Nobelpreisträger A. Einstein, R. Willstätter, H. Wieland, C. von Ossietzky, T. Mann, Linus Pauling und die Künstler P. Picasso, J. Beuys und K. Haring, die Musiker Béla Bartók und Gabriela Montero sowie der Schriftsteller und Journalist Kurt Tucholsky zeigten mit ihren Lebenswegen klar auf, wie essentiell wichtig es ist, als Person des öffentlichen Interesses zur rechten Zeit Zivilcourage zu zeigen, wenn es um den Erhalt von Humanität, Vernunft, Moral und Fairness geht; das ist Protest von Vertretern aufgeklärter offener Kultur gegen Restriktion und Degradation: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren" (Zeitzeuge und Holocaust-Überlebender Max Mannheimer, Rosa Luxemburg zitierend). Die Israelitin Stav Shaffir lebt diesen Kampf um mehr Gerechtigkeit authentisch vor (ZEIT MAGAZIN 21: 54 vom 16.05.2013). Uri Avneri: "Man tut, was man tun muss, denn man hat Haltung". Albert Camus sagte es im übertragenen Sinne so: "ein Kulturschaffender kann sich nie den Tragödien seiner Zeit entziehen; seine einzige Rechtfertigung ist die, soweit er dazu nur fähig ist, für jene zu sprechen, die es nicht können" (DER SPIEGEL 45: 150-152 vom 04.11.2013). Es kann wenig beruhigen, dass es nur sporadiasch Individuen gibt, die aus diesem Holz geschnitzt sind (z. B. "Rebellen - Visionäre - Demokraten", Edition Bayern, Hrsg.: Haus der bayerischen Geschichte, Pustet Verlag 2013; die Seiten über FJS schließe ich hiervon freilich aus). Meiner Meinung nach taugen Politiker, Lobbyisten, Wissenschaftler, Techniker sowie Kunst- und Kulturschaffende ohne positive Einstellung zu Leben, Fairness und Moral wenig; zudem halte ich solche Leute wegen ihrer Indifferenz sowie schwarzen, weil negativen Intelligenz und Kreativität für gefährlich. Cody Wilson und seine grauenhafte Erfindung, die Kunststoffpistole für alle, sind hierfür ein treffendes, trauriges Beispiel (DER SPIEGEL 23: 54-58 vom 03.06.2013). Bevor neue Produkte in Serienproduktion gehen, müssen sie erst gründlichen Langzeitverträglichkeitsprüfungen unterzogen werden; Beispiel: wir verdanken dem Fortschritt die stromsparenden LED-Lampen; aber viele von denen strahlen mit höherer Lichtfrequenz und oft mit zu hoher Lichtdichte; ich meine, dass dadurch die Netzhaut eines Auges beschädigt werden kann; ausserdem werden Entgegenkommende - im Radfahr- oder Autoverkehr - geblendet, wodurch mehr Fahrfehler und damit Unfälle sich ereignen werden. Ich verstehe nicht, dass solche Produkte auf dem Markt sind. Leider gibt es nur wenige eingeschriebene Gesellschaften (wie z. B. die Pugwash-Bewegung), die sich mit dem großen Themenkomplex "Gesellschaft, negative Aggression, Wissenschaft, Technik, Fortschritt, Ökonomie, Ökologie, Moral, Globalfairness & Verantwortung" befassen. Es geht um erträgliches, schmerzminimiertes Leben für jede Person in einer Welt mit begrenzten Ressourcen: in ihr kann keine zahlenmäßig gleichbleibende und erst recht keine grenzenlos wachsende Weltbevölkerung betreffend die Dauer-Verfügbarkeit von Ressourcen konfliktfrei und damit gewaltminimiert leben, weil in beiden Fällen die stets begrenzt vorhandenen naturgegebenen Konzentrate im Laufe der Zeit zur Neige gehen und die Konflikte dann eskalieren. So muss auch möglichst bald ein Weg gefunden werden, damit Produktion, Produkte und Dienstleistungen so gestaltet werden, dass ihre Schädigungs- und Gefährdungspotentiale betreffend Arbeiter, Verbraucher und Umwelt immer weiter reduziert werden. Alle Systeme, etablierten Vorgänge und Organisationen müssen regelmäßig neutrale Humanitäts-, Fairness-, Mitsprache- und Demokratieverträglichkeitsprüfungen durchlaufen, wie z. B. der Kapitalismus, das Prinzip der Arbeitsteilung und eine im Text weiter unten genannte weltanschauliche Einrichtung. Die Qualität der Demokratie sinkt, je mehr Kapital sich im Umlauf befindet, je ungleicher es verteilt ist und je stärker die Vertreter und Lobbies der Reichen durch unfaire Blockadehaltungen in politischen Gremien versuchen, die Millionäre und Milliardäre vor Steuerabgaben und Machtverlust zu schützen (DER SPIEGEL 33: 75-76 vom 12.08.2013). Arbeitsteilung senkt die Hemmschwelle zum Mitmachen und mindert Schuldgefühle; wegen dieser fatalen Konsequenz aus der Arbeitsteilung wurde das Vernichtungslager Auschwitz erst effizient (DER SPIEGEL 35: 28-40 vom 25.08.2014) und konnte das Manhattenprojekt mit zweifach durchschlagendem "Erfolg" beendet werden.
Echte und ehrliche Demokraten entwirren erfolgreich jeden gordischen Knoten; echte Diktatoren kürzen die mühsame Prozedur ab und durchschlagen ihn gewaltsam mit einem Schwerthieb. Echte Demokratie ist anstrengend und komplex und bedeutet geduldiges Dialogisieren, Fairness, Transparenz, Neutralität, Teilen, Teilhaben lassen und die Wahrung der Gleichheit aller vor dem Gesetz. In echten Diktaturen brauchen sich Entscheidungsträger diesbezüglich viel weniger Mühe zu geben, weshalb diese Staatsform dauerhaft verführerisch attraktiv bleibt: man unterdrückt durch Terror, Kontrolle und Rechtsbeugung, bereichert sich durch korrupte Geschäfte, lässt andere für sich arbeiten und lebt den Herrenmenschen frei aus. Mit diesen autoritären Staatsformen eng verbundene einfache Welterklärungen werden leider immer attraktiver, weil die Welt des Zusammenlebens immer komplexer und damit anstrengender wird; das ist ein zusätzliches großes Problem, weil sehr vielen Menschen das Durchdenken komplexer Zusammenhänge zu mühsam ist, sie diese deshalb ignorieren oder sich ins Autoritäre oder ins Unpolitische flüchten (ZEIT MAGAZIN Nr. 1: 16-29 vom 30.12.2014).
Freilich stehe ich zu meinem politisch völlig unkorrekten Verhalten weitab vom unpolitischen mainstream in der sogenannten "Konsensgesellschaft". Denn wenn so viel danebengegangen und Dasein absichtlich so gefährlich und riskant gemacht worden ist, dann kann man gerade als Wissenschaftler nicht mehr arrogant im Elfenbeinturm thronen, sein akademisches Steckenpferdchen reiten und seelenruhig dabei zusehen, wie sich draussen ein Zeitfenster nach dem anderen irreversibel schließt: ein Beispiel ist der universitäre Sonderforschungsbereich "Wissensspeicher des Mittelalters / der Frühen Neuzeit", in dem den sich wandelnden Techniken und Formen der Wissenserschließung, -aufbereitung, -archivierung und -vermittlung zwischen 1500-1800 nachgegangen wird; sicher ein kreuzbraves, hochgelehrtes und besonders löbliches, aber in weiten Teilen schon längst abgegrastes Unterfangen, das zudem die aktuellen Probleme garantiert nicht bessern kann und der Zaungast sich verwundert am Kopf kratzt und sich fragt, ob es nicht wichtigeres zu forschen gäbe als mittelalterlich-frühneuzeitliche Gelehrsamkeitsgeschichte, eine für den Steuerzahler nur teure und derzeit weitgehend nutzlose "Insel der Glückseligen". In solchen speziellen Bereichen ("Orchideenfächer") darf m. E. nur dann geforscht werden, wenn ansonsten die meisten großen Probleme dauerhaft gelöst sind. Denn die Probleme können solche Ausmaße annehmen, Aufmerksamkeit absorbieren und Geld aufzehren, dass kein Wissenschaftsbetrieb mehr möglich ist (wir brauchen die Sicherheitsgarantie eines vernünftigen Wissenschaftsbetriebes). Jeder dieser vom Boden der Wirklichkeit abgehobenen Gelehrten in ihren bequemen Elfenbeintürmen, in denen sie nur Luxuswissen schaffen, sollte eine nicht verhandelbare Verpflichtung auferlegt bekommen, einen Teil seiner/ihrer Kräfte auch für die Besserung aktueller Probleme verwenden zu müssen. Ganz bewusst schreibe ich in diversen Abschnitten notwendigerweise polemisch, "in der Sprache des Feuers": cum ira et studio (mit Zorn und Eifer). Betreffend die Mißbilligung von "Enthüllern aus eigenem Recht" - Selbstjustiziare - , ihrer "publizistischen Selbstermächtigung" und dem Ruf nach einer neuen Medienethik (B. Pörksen in SZ 296: 2 vom 22./23.12.2012): wegen des Versagens der meisten Medien bei der publizistischen Ächtung verwerflicher Gewalt und Eindämmung medialer Gewalt erachte ich die Vorwürfe hier als unzutreffend. Diese Seite ist auch keine Entsprechung der "Münkler-Watch": also keine Entrüstungs- oder Hetzseite, die vergiften und manipulieren möchte (SZ 116: 10 vom 22.05.2015). Alle folgenden Vorwürfe sind begründet; was denn sonst. Ich gebe mittels des Mediums Internet unterdrückten Themen mehr Raum. Freilich stehe ich auch zu all den Felern und Wiedersprüchen, die in all den Zeilen zu lesen sind, die mir gerne angekreidet und vorgeworfen werden können; sie entstanden auch deshalb, weil ein Naturwissenschaftler sich auf geisteswissenschaftliches - soziologisch-politisch-philosophisches - Terrain wagte und anfing, seinen Inneren Monolog samt all seinen Widersprüchlichkeiten und Verworrenheiten als Entwurf eines geistigen Testaments öffentlich schriftlich kundzutun. Je mehr man äussert, desto angreifbarer macht man sich - kann schon sein, ist schon recht; ist mir auch egal. Dann zerreißt doch meine Gedanken wie später wilde Tiere meinen Körper. Die Musikerin Gabriela Montero bringt in ihrer Interpretation "Ex Patria" Opus 1 die politisch und gesellschaftlich desolate Situation ihres Heimatlandes Venezuela auf ihre persönliche Art zum Ausdruck; sie transzendiert damit ihr Leid, ihre Wut und ihre Ängste. Ich selbst versuche dies einige Stufen tiefer: ich habe halt nicht mehr als meine begrenzte sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Angst macht die Augen groß (Herta Müller 2012), den Blick weit und spornt das Verstehenwollen an. Schmerz und Einsamkeit schärfen den Blick auf die Gesellschaft, die einen umgibt. Ich schreibe auch, weil ich seit Jahren immer wieder in große Sorge gerate und Unbehagen spüre, sobald ich das Weltgeschehen betrachte und es zu verstehen versuche: es war bestimmt nicht mein Wille, dass der Staat immer mehr Schulden - Mai 2015 waren es ca. 2,193 Billionen Euro - anhäufen soll; es war bestimmt nicht mein Einfluß, der Wirtschafts- und Staatssysteme auf den Plan rief, die langzeitbeständige Millionenheere verzweifelter Arbeitsloser haben entstehen lassen; es war ganz und gar nicht mein Einfluß, der die Weltbevölkerung auf 7,46 Milliarden (Neujahr 2016) Individuen - pfui, wie gefährlich, dreckig, eklig und unzivilisiert! - hat anwachsen lassen, die sich immer öfter um noch vorhandene Ressourcen prügeln werden (humanitäre Organisationen beklagten 2014, dass wegen einer Vielzahl kriegerischer Auseinandersetzungen sie ihre Hilfs- und Versorgungsmaßnahmen für hungernde Bevölkerungsteile in vielen Fällen nicht ausführen können; Ende 2014 wurden nach UNHCR-Report 59,5 Millionen Flüchtlinge gezählt; mehr als nach dem 2. Weltkrieg); ich wollte nie, dass inzwischen über 1 Milliarde PKW und LKW (Stand 2013) die Atmosphäre mit Abgasen belasten; mir ist es gar nicht recht, dass inzwischen weltweit über 400 Kernkraftwerke in Betrieb und viel zu viele atomarer Gefechtsköpfe (Stand Juni 2015: ca. 9200) installiert sind. Die Unbeeinflußbarkeit objektiv problematischer und riskanter Entwicklungen und Zustände frustriert und traumatisiert. Egon Bahr brachte es auf den Punkt, indem er ergreifend schön äusserte: "Ich wollte mithelfen, dass der Frieden bleibt" (ZEIT MAGAZIN 22: 14-25 vom 23.05.2013). Mein Problem dabei ist auch, dass jede Menge großes Unheil und Unrecht ausgeführt werden kann, ohne dass gegen irgend ein Gesetz verstoßen wird und somit der juristische Grundsatz aus dem Jahre 1801 "nulla poena sine lege" - "keine Strafe ohne Gesetz" (Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach) komplett ad absurdum geführt worden ist; dazu zählt bestimmt nicht nur die Verwandtenbeschäftigungsaffäre 2013-2014 im Bayerischen Landtag. Wie töricht die immer weiter um sich greifende Wendehalserei/Drehoferei in der Politik; das ist das Kapern, Entreißen und die Übernahme besserer Ideen der Oppositionen, um, allerdings auf Kosten der Glaubwürdigkeit, weiter an der Macht bleiben zu können. Ein ganz anderer Punkt sind die weltweit verstreuten, unkenntlich gemachten Massengräber der guten Ideen: denn meistens boxen nur die Mächtigen und die eklig lauten Krakeeler (die Extrovertierten) ihre Ideen und Programme gewaltsam und rigoros durch und die oft besser durchdachten Ideen und Programme der weniger Mächtigen und Zurückhaltenderen bleiben in der Regel auf der Strecke (Cain, S. 2012: Still. Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt. Riemann Verlag, München); siehe auch Jens Bergmann (2013): "ich, ich, ich; wir inszenieren uns zu Tode". Schriftsteller Siegfried Lenz - der einen eher zurückgezogenen Lebensstil pflegte - sei hiervon ausgenommen: denn sein Roman "Deutschstunde" hatte eine große und nachhaltige Wirkung auf die öffentliche Diskussion über die NS-bedingte Schuld und über ihre Verdrängung in der Nachkriegszeit.
Freilich sehe ich nachfolgende Zeilen auch als detaillierte, an alle gerichtete, freiwillige und gerne gegebene Selbstauskunft über mein grandioses Nichtwissen; faul, macht nix, tat und tut nix, pennt immer noch. Meine vielen Zeilen sind auch eine ausdrückliche Aufforderung an alle, sich der Muße hinzugeben ("Wiaso bressierts denn allawei so ha?". Motto in einer oberbayerischen Gaststätte: "Der Liebe Gott hat uns die Zeit geschenkt; von Eile hat er aber nichts gesagt") und dabei exzessiv nachzudenken. Eigensinnig leben. "...Ohne Denken keine Wahrheit, und Denken nur im Dialog meiner selbst mit mir selbst..... Der Sokratische Dialog des Denkens. Wo er fehlt, gibt es keine Tiefe mehr, sondern Verflachung. Aus dieser Verflachung kommt das Unheil..." (Hannah Arendt. Ihr Denken veränderte die Welt. Hrsg.: M. Wiebel; Piper Verlag 2013; Seite 27). Nur so kann Friedensarbeit entstehen. Ob in den nachfolgenden Zeilen jemals "Wahre Sätze" im Sinne Ernest Hemingways zu finden sein werden, mag da- oder vielleicht dorthingestellt sein und kann getrost bezweifelt werden. Es ist mir auch egal, wenn der, der versucht, beim besten Willen die Wahrheit zu finden und zu schreiben, ganz schnell als erster erwischt wird (frei zitiert nach Oscar Wilde). Im folgenden nun meine rabenschwarze Prosa-Elegie, mit der ich folgendem Satz von Herta Müller 2012 genügen möchte: "Sprache kann..... retten.". Friedrich Dürrenmatt formulierte es so: "Schreiben ist die Bewältigung der Welt durch die Sprache". Es ist für den Leser nur dann sinnvoll fortzufahren, wenn er Komplexität schätzt und mit ihr zurechtkommt. Wunderbar das von allen Seiten hereinstürmende Beschweigen, nachdem man das Durchdachte formuliert und veröffentlicht hat.
Ich meine, dass in allen Gesellschaftsbereichen zu humanitären und gewaltminimierten Produktions-, Handels- und Kommunikationsmodi und zu einer vernünftigen, ehrlichen und fairen Beisammenseins-, Diskussions- Streit-, Fehler- und Versöhnungskultur gefunden werden muss, damit sich Gemeinschaften (Gruppe, Paar, Familie, Gesellschaft, Staat, Staatengemeinschaft) tatsächlich zivilisiert nennen dürfen. B. Brecht brachte es im Text "Der gute Mensch von Sezuan" (1942) auf den Punkt. Jeder weiß, wie weit wir immer noch von wahrer Zivilisiertheit, echter Humanität und Ehrlichkeit entfernt sind; auch deshalb, weil Schuld und Unrecht oft absichtlich ignoriert und, wenn es überhaupt so weit kommt, dann nur sehr zögerlich, scheinheilig und widerwillig zugegeben und aufgearbeitet werden; Beispiele:
- Wo waren Verantwortlichkeit, Selbstreflexion, Selbstkritik und -erkenntnis derjenigen, die zunächst begeistert mit anschoben, als der Holocaust und die Angriffskriege ausgeführt wurden, um nur ein paar Jahre später, so in etwa neun Monate vor Beginn der Babyboom-Jahre (ca. 1955) erst hemmungslos-triumphal beim Valenci über den Millionengräbern der bloodlands und killing-fields im Osten zu tanzen, dann sich schnackserlfidel zu vermehren und in grandios himmelschreiender Stur- und Blödheit das so erschaffene Frischfleisch mit derselben braunen Ideologie zu infizieren, indem versucht wurde, in die sich entwickelnden Gehirne gewaltsam schädliche Inhalte wie z. B. Dünkel einzubauen: "Gell, des woast, dass mia fei was bessas san!": eine der geistigen Grundlagen für das am 08.05.1945 offiziell beendete arisch-artamanische Herrenmenschentum? Inoffiziell lief jedoch die brühwarm-wuzerlbraune Stinksoße ungehindert weiter; und so kam es, dass ich gerne dabei war beim Völkerball, Lagerfeuer, Wandervogel, Gaukinderturnfest und Eintopf-Essen; Volkssingen "Im Frühtau zu Berge..., etc." hat mir allerdings schon sehr bald nicht mehr gepasst, weil allzu doof.
- Ja wo bleibt sie nur, die Rehabilitation aller erkennungsdienstlich behandelten, festgehaltenen, geächteten, juristisch belangten, arrestierten, in Polizeikesseln (z. B. vor der geplanten WAA Wackersdorf (1986-87) im Taxölder Forst und vor dem Endlager im Salzstock Gorleben-Rambow bei Lüchow-Danneberg im Wendland (1979-80)) gequälten, gedemütigten und verspotteten, fristlos entlassenen und auf Beobachtungs- und Berufsverbotslisten gesetzten Atomkraftgegner, als wenige Tage nach der Havarie am 13.03.2011 im japanischen Fukushima die Regierungskoalition wendehälsig das Hauptargument der Fraktion der Grünen eiligst und gierig-brutal kaperte, indem sie nur ein halbes Jahr nach dem AKW-Laufzeitverlängerungsbeschuß genauso scheinheilig wie unglaubwürdig verkündete, Atomkraft sei nun - hoppala, und jetz kimmt a Drehofer - ganz plötzlich doch zu gefährlich und alle AKWs müssten binnen ca. 10 Jahren abgeschaltet werden. In Anbetracht der historischen Entwicklung dieser beiden politischen Parteien und ihrer unaufgeregten Bemühungen zur Kompensation von Atomstrom durch grüne Energietechnologien erscheint das nur unglaubwürdig und lächerlich. Sollen etwa auch die über vier Jahrzehnte mit deutscher Gründlichkeit exekutierten, nun aber nachträglich ungültig gewordenen Urteilssprüche und staatlichen Sanktionsmaßnahmen gegen Atomkraftgegner nun weiterhin Rechtsgültigkeit haben? Sollen all die für die sogenannte Innere Sicherheit vor Atomkraftgegnern (ein ehemaliger Atomminister und späterer Ministerpräsident degradierte sie damals zu Opfern von "Ratten und Schmeißfliegen!") ausgegebenen Milliardensummen nun allesamt umsonst gewesen sein? Wann werden die Mutigen und Ehrlichen rehabilitiert und geehrt, die gegen eine wegen ihrer objektiven Gefährlichkeit für den Bürger unzumutbare Energietechnik protestierten? Will denn niemand mehr die Folgen logisch und ehrlich zu Ende denken und die Konsequenzen ziehen? Ja wo ist sie denn nur geblieben, die Glaubwürdigkeit solcher "Entscheidungsträger"? Macht doch endlich reinen Tisch und gebt zu, dass Ihr gründlich versagt habt! Notabene: 2012 gab es europaweit 145 Kernkraftwerke, aber kein einziges brauchbares Endlager; ein solches wird auch nie gefunden werden können. Vollkommen klar, dass unter dem Strich der Atomstrom die teuerste Energieform aller Zeiten gewesen sein wird. Bis zu Jahr 2022, in dem angeblich alle KKW Deutschlands abgeschaltet worden sein sollen, werden ca. 17200 Tonnen hochradioaktiven Atommülls entstanden sein (DIE ZEIT 10: 35 vom 28.02.2013).

Im folgenden wird der Begriff Gewalt (Der Brockhaus Philosophie 2009: 143-144, 2. Auflage) in einer erweiterten Bedeutung vorgestellt: es ist traurig und sehr schade, dass Gewaltanwendung dauerhaft notwendig ist, um leben, d. h. nur ein wenig dasein zu können: bei jedem Schritt über Wiesen- und Waldboden werden unzählige Insekten und Kleinstlebewesen zertreten und zerquetscht ("Hoppla, jetz kim I"; "Weg do. Mia san mia und mia san hoid do"). Jede Hütte, jedes Gebäude, jede Ackerfläche, jedes Industrie- und Bergbauareal, jede Straße, jeder Flughafen, jede Autobahn, jede Stadt und jedes Dorf verdrängt zahllose andere tierische oder pflanzliche Lebewesen sowie Teile der eigenen Spezies Mensch (Selbstverdrängung). Jeder Atemzug nimmt anderen höheren Lebewesen ein Quantum Sauerstoff. Jede mit Strom, Erdgas, Biogas, Agrardiesel oder fossilen Brennstoffen erzeugte motorgetriebene Kraftwirkung (Kraftrad, Auto, Laster, Flugzeug, Elektro-Auto, sonstige Maschine) verringert die Ressourcen für mögliche Nachkommen und trägt zum Klimawandel bei. Jede Aktivierung eines Schalters oder Hebels auf die Stellung "Ein" steigert den Verbrauch. All das ist Teil des ökologischen Fußabdrucks eines jeden Menschen. Jeder selbst erzeugte oder gekaufte Bissen Nahrung bedingt Nachteile für andere bzw. den Tod anderer tierischer oder pflanzlicher Lebewesen und fehlt später. Trotzdem bekommt jedes Lebewesen immer wieder Appetit auf tierische und/oder pflanzliche Produkte: und wie sie schmecken, wenn der Hunger im Magen knurrt, man Witterung aufnimmt, der Speichel zu fließen beginnt, man sich in rücksichtsloser Gier auf die Beute stürzt und man ganz selbstvergessen und herzhaft reinbeißt. Der Schmerz des Hungers und der Selbsterhaltungstrieb verringern vorübergehend die Wahrscheinlichkeit, dass über die moralische Problematik jeder Nahrungsaufnahme ernsthaft nachgedacht wird. Erst kommt das Fressen, und dann vielleicht ein bißchen Moral, wenn alle satt geworden sind und jeder wieder genug Platz für sich hat. Luftdicht und steril verpackte Teile tot gemachter Tiere und Pflanzen werden so nach ihrer Zubereitung appetitlich präsentiert, wandern von den Zähnen zerhackt, zermalmt und eingespeichelt in die Mägen und werden weiter verdaut und verwertet. Mit den bisweilen gefährlichen, schmutzigen, ekligen, langwierigen und anstrengenden Varianten der Nahrungsmittelerzeugung und den damit von den allermeisten Verbrauchern akzeptierten, impliziten, z. T. industrialisierten Formen der Gewaltanwendung (Jagd, Pirsch, Schießen, zur Strecke bringen; Aufzucht, Füttern, Selektion, Töten, Schlachten; Roden, Einzäunen, Ackern, Säen, Bestellen, Düngen, Bewässern, Ernten) muss sich wegen heutiger entkoppelter arbeitsteiliger Organisation der Verbraucher in den meisten Fällen nicht mehr abgeben. Er greift nur mehr wegen seines immer wiederkehrenden Bedarfs im Discounter zu; und wegen dieser unpersönlich-kalten Distanzhaltung schmecken ihm die Produkte noch besser. So hat er dadurch in immer größerem Maße Gemeinsinn und moralische Werte aufgegeben (A. Falk & N. Szech: Moral and markets.- Science 340/6133: 707-711, 2013) sowie eigene Anschauung, Verantwortung, Erfahrung sowie Verfahrens- und Prozesskontrolle verloren ("Entschwinden der Wirklichkeit": Bernd Guggenberger) und Verantwortlichkeit delegiert. Diese Art Verbrauch kann auch als virtuelle/indirekte Gewaltausübung bezeichnet werden; denn durch die Nachfrage und den Kauf der Produkte wird weitere Nahrungsmittelerzeugung und damit Lebenszerstörung notwendig gemacht. Um das Ausmaß dieser Tragik so gering wie möglich zu halten, ist es gut, nur so viel zu konsumieren, wie minimal notwendig und weniger gut, mehr zu nehmen, weil dies anderes Leben unnötigerweise verhindert, die Biodiversität einschränkt und auch die eigene Lebensqualität mindert. Charles Patterson und die Philosophin Hilal Sezgin kritisieren Nutztier- und Massentierhaltung; sie fordern nachdrücklich Eintracht und Gewaltfreiheit zwischen Mensch und Tier ein (C. Patterson 2002: Eternal Treblinka: our treatment of animals and the Holocaust. H. Sezgin 2014: Artgerecht ist nur die Freiheit. Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen.- C. H. Beck Verlag, München). Es ist eine wahre Tragödie, dass so vielen Menschen Fleisch so gut schmeckt.
Jeder Eingriff des Menschen in die belebte oder unbelebte Natur ist zwangsläufig Gewalt. Jede Erschaffung eines weiteren Lebewesens steigert den Verbrauch an Ressourcen, die späterem Leben nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Es irritiert und verstört, dass wegen des Selbsterhaltungstriebs eigenes Leben nur auf Kosten anderer Leben, der Besetzung ihrer Lebensräume und dem Verbrauch ihrer Ressourcen möglich ist; man wird - und das mit kaum begreifbarer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit - just do it und denk da nix! - implizit schuld am Tod oder der Verhinderung/Entwicklung anderen Lebens: man isst ja nur, weil man - ohne das gewollt haben zu können - in die Welt geschmissen wurde und, weil die große Mehrheit biologisch so programmiert ist, selbst unbedingt möglichst lange und möglichst gut leben möchte. Jedes Lebewesen und erst recht jeder Mensch zieht also Zeit seines Lebens eine seinem Lebensstil entsprechend dimensionierte, breite und tiefe Schneise des Todes und der Verdrängung anderen Lebens durch die Biosphäre; ähnlich einem Schiff, das durch Wellen pflügt und Wasser zur Seite schiebt. Je mehr Luxus, Wohlstand und Verbrauch, desto mehr Tiefgang, also Zerstörung und Verdrängung anderen Lebens. Man könnte versuchen zu bilanzieren, wieviel anderes Leben inclusive seiner vorzeitigen Ermordung "notwendig" war - verbraucht wurde - für das erfüllte, lange und schöne - eigene - Leben. Dann versteht man besser, was es eigentlich bedeutet, essen zu müssen, damit man noch ein wenig länger da sein kann. Guten Appetit allerseits und prost Mahlzeit! Aus dem Dilemma hilft auch das Tischgebet "Komm Herr Jesus, sei unser Gast, und segne, was Du uns bescheret hast" nicht heraus. Aus diesem moralischen Prekariat hilft auch keinerlei Opferritus heraus. Carmina Burana 130 "Cignus ustus cantat" (Der gebratene Schwan singt) bringt diese Qual melodisch und inhaltlich auf den Punkt; ebenso das Stillleben "Gerupfte Pute 1812" von Francisco de Goya y Lucientes. Das ist wohl die wahre conditio humana molto precaria et desperata am oberen Ende der Nahrungskette; dieser Status ist weder beruhigend noch ästhetisch, sondern nur peinlich und demütigend. 2011 betrug wegen des anthropogenen Einflusses auf die Natur die Extinktionsrate von Tier- und Pflanzenarten ca. 120/Tag (SZ 250: V2/7 vom 29.30.10.2011). Von dieser Seite her betrachtet erscheint es unmöglich, sich eines Lebens dieser Form zu erfreuen, weil schon das eigene Leben implizit den Tod und/oder über lange Zeit die Verhinderung und Verdrängung vieler anderer Leben bedeutet und es von dieser altruistischen Sichtweise her nur in bester Ordnung sein kann, wenn man nach erfülltem Leben dann selbst endlich an der Reihe ist: und es höchste Zeit geworden ist einzusehen, dass ein Ausgleich notwendig ist, indem man sein Feld anderem Leben überlässt, nachdem man sich mit der Unendlichkeit vermählt hat. Die dann beim Sterben unvermeidlichen Schmerzen und Ängste können als qualitativer, nicht aber quantitativer Ausgleich gesehen werden für all die Nachteile, die viele andere Lebewesen auszuhalten hatten, damit dieses eine Leben so lange bestehen konnte. Leben kommt ohne Tod nicht aus. Nach dieser Sicht ist der Tod nach erfülltem Leben interpretierbar als ansatzweise naturgegebene Gerechtigkeit, der kein Mensch auskommt. Wunderbar, recht und gut so. Wer sagt, dass dem Glücklichen keine Stunde schlägt, der hat eben nicht lange und tief genug, sondern - schon wieder - nur an sich selbst gedacht. Wer behauptet, dass der Tod für den Menschen eine unendliche Kränkung sei, denkt - wie vorhin - sehr eingeschränkt: nur an sich selbst. Der Alles- und Oberfresser Mensch kann niemals die Krönung der Schöpfung gewesen sein und wird sie niemals sein. Siehe auch John Gray (2015): Raubtier Mensch. Klett-Kotta, München. 2014 sind in der BRD 792071100 Schlachtungen an Schwein, Rind, Huhn und Schaf mit einem Gesamtgewicht von 8,02 Millionen Tonnen durchgeführt worden; Tendenz steigend (SZ 123: 17 vom 01.06.2015). Das zu dieser Form des menschlichen Lebens notwendige, moralisch aber kaum erträgliche Dasein der funktionierenden Nahrungskette und das Leben in und mit ihr kann man nur dann ertragen, wenn größte Empfindsamkeit, Verantwortlichkeit, Nachdenklichkeit und Sorgfalt die Lebensweise, das Essverhalten und den Konsum im allgemeinen bestimmen. Die Tatsache, dass ich weiß, dass ich nur dann überleben kann, wenn ich anderes Leben im Form von Pflanze oder Tier esse, zwingt mich moralisch dazu, dieses Grauen auszugleichen zu versuchen, indem ich ....Ich denke, es ist nur selbstverständlich und trivial, dass das drei Milliarden Jahre währende irdische Dasein diverser, in ihren Wesen aber stets identisch grausamer Nahrungsketten - man denke sich nur, wieviel Todesangst und Schmerz bei all den Myriaden Beutetieren in diesen Nahrungsketten zusammengekommen sind - mit dem gütigen Wirken eines weisen, sanftmütigen und friedliebenden Gottes unvereinbar ist. Zum Leben darf der Natur nur ein Minimum an Ressourcen entnommen werden; oberste Devise: so wenig verletzen wie möglich. Zudem schuften Arbeitselefanten in Indien beim Holztransport; dressierte Makaken zwingt man zur Akkordernte von Kokosnüssen (DER SPIEGEL 44: 71 vom 24.10.2015). Leben und gelebt werden; besprechen und besprochen werden, planen und verplant werden; fressen und gefressen werden; verdrängen und verdrängt werden, verbrennen und verbrannt werden, verbrauchen und ver-/gebraucht werden, beschließen und beschlossen werden, töten und ermordet werden: diese unerhörte Normalität des Brutalen, diese irritierende Notwendigkeit des Grausamen, diese natürliche und grauenvolle Grundvoraussetzung zum Lebendigsein - ein Teil davon wird euphemistisch als funktionierende Nahrungskette bezeichnet - ist zutiefst unästhetisch, eklig, grässlich, blutig-roh und ist letzter Grund für die Komplementarität von Leben und Tod: durch ihn wird endlich Platz für anderes Leben; er bereitet der Erbärmlichkeit des Essen- und des Raffen- und des an-sich-selbst-denken-müssens endlich ein Ende; er erlöst von noch mehr Schuld. Jeder hat nach einer angemessenen Zeit sein Leben gehabt, und das muss genug sein; es ewig verlängern zu wollen - siehe die unvernünftigen Strömungen in den sich für modern haltenden Gesellschaften, die den Tod überwinden wollen ("forever young" (SZ 39: 08 vom 17.02.2015), Jugendwahn, Anti-Aging-Bewegung, Cryonik) - auf permanente Kosten anderer Leben ist unfair, unsittlich, maßlos, egoistisch und letztlich dumm, weil es Diversität, Entwicklung und Fluss einschränkt. Ewig dasein zu wollen bedeutet gleichzeitig, dass deshalb jede Entwicklung eingestellt werden soll; woran sich die Frage anschließt, ob so ein Zustand erstrebenswert sein kann. Es ist wunderbar und gut so, dass man nach erfülltem Leben endlich sterben muss, weil man dann nicht noch mehr und noch länger anderes Leben zu konsumieren und zu verdrängen braucht. In diesem altrozentrierten Sinne kann man erst in dem Moment glücklich geworden sein, nachdem die eigene Stunde geschlagen hat und dadurch andere Leben ihre Chancen bekommen und somit die Möglichkeit gegeben ist, dass die es dann besser machen, wenn sie sich entfaltet haben. Für diese Erleichterung, anderes Leben nicht mehr verletzen, ermorden und nicht mehr verbrauchen zu müssen, sollten wir dem Tod und der Natur sehr dankbar sein. Es ist bis dato eine Aporie, ein auswegloses Dilemma, dass Leben ohne ein Minimum an notwendiger natürlicher Gewaltanwendung nicht führbar ist. Verzichtet man auf dieses Minimum, landet man bei der Karl-Valentinischen Selbstverhinderung: man verhungert oder man wird gefressen. Die gewaltfreie Alternative zum lebendigen Dasein kann man sich bis dato nur als die Abwesenheit alles Lebendigen vorstellen. Leben kannibalisiert sich im Mahlstrom der Nahrungsketten seit Milliarden Jahren selbst, um weiterzubestehen, aber auch, um in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und anderem Leben zu kooperieren/symbiotisieren, sich anzupassen und sich zu entwickeln. Das einzig tröstlich Positive, was von dieser Global-Makabrität alles Lebendigen - diesem grotesken Skandalon eines unendlichen Gewalttanzes samt Dauer-Fressorgie - eine Zeitlang bleibt, sind - scheinbar widersprüchlich - Kultur, Intellekt, Netzwerke, geistige Entwicklung; sind die erworbenen Fähigkeiten, Probleme manchmal auch friedlich und positiv zu lösen sowie ästhetischer Sinn. Wegen genannter unerträglich ekliger Entstehungs- und Instandhaltungsgegebenheiten ist ihr Erhaltungswert unermesslich. Die Grundvoraussetzung zum Am-Leben-Bleiben, das permanente Grauen und Grausen des Fressen-und-Verdrängen-Müssens anderen Lebens, stellt eine kaum beachtete - weil verdrängte -, dafür aber überwältigend große Verpflichtung dar: einen moralischen Olympus Mons (ist ein ca. 20 km hoher Vulkan auf dem Mars und größter bis dato bekannter Berg auf allen Planeten des Sonnensystem). Unter diesem Aspekt kann keine Rede mehr sein von einem "Geschenk des Lebens". Auch der Begriff Friede erscheint - ausser evtl. im Zusammenhang mit dem traditionellen Begriff Friedhof - hier absurd; es erstaunt und überrascht positiv, dass Friede dennoch gedacht werden kann und manchmal auch angestrebt wird, wenn für alle wieder Energie und genug zum Essen da ist. Wie wenig genannte moralische Verpflichtung be- und geachtet wird, zeigen die hohen Stellenwerte von Materialismus, Egoismus, vom Denken an das Ausschalten der Konkurrenz und dem rücksichtslosen Alt-Werden-Wollen auf Kosten der Jüngeren und der Zukünftigen.
Seitdem es so etwas wie den Menschen gibt, übt er wegen seiner angeborenen, weil evolutionär herausgebildeten
Gewaltkonstanten, seinen Grundbedürfnissen sowie den inzwischen weit darüber hinaus gehenden Ansprüchen und Begehrlichkeiten Gewalt sowohl gegen die belebte als auch gegen die unbelebte Natur aus und toleriert diese Transformationen. Ein kleiner Teil seines Gewaltgebarens ist in zivilisierten und maßvollen Formen der Fortpflanzung, des Jagens nach, des Sammelns und Erzeugens von Nahrung in der Tier- und Pflanzenwelt, des Suchens und Hervorholens von Rohstoffen aus der Erde, der Schaffung von Bauten, Verbindungswegen, Transport- und Kommunikationsmitteln sowie des Erwerbs von neuem Wissen, technischen Fähigkeiten und Gütern notwendig, um Dasein zu ermöglichen, Leid zu mindern und für alle Leben erträglich zu gestalten; dazu zählen auch die kanalisierten und domestizierten, z. T. auch ritualisierten Formen von Krafterprobung und Grenzerfahrungen zur Förderung von Selbstdisziplin, gesundem Durchsetzungsvermögen und Ausdauer (H.-L. Kröber in DIE ZEIT 42: 17-19 vom 11.10.2012). Hierbei wird jedoch vorausgesetzt, dass bei dieser Form der Gewaltanwendung und erzeugten Transformationen gewährleistet sein muss, dass der Mensch keinem seiner Mitmenschen und Nachkommen weder direkt noch indirekt, weder kurz- noch langfristig schadet. Der ganz große restliche Teil seines in weiten Bereichen tolerierten Gewaltgebarens, der in mimetischer Rivalität, in seinen Verführ- und Manipulierfähigkeiten, in seinen archaischen Macht-, Gier- und Vorteilnahmeimpulsen, aber auch in den grandiosen Banalitäten seiner Maßlosigkeit, Gleichgültigkeit, Trägheit, Bequemlichkeit, Selbstzerstörung und seines Nihilismus gründet und was ihn seit vielen Jahrtausenden in Dauerkonflikt mit seinesgleichen und seiner Natur/Umwelt gebracht hat, ist nicht notwendig und deshalb nur verwerflich. Der Mensch hat sich so dauerhaft Probleme mit dem Zusammenleben und seiner Umwelt geschaffen. Er wird seine Situation nur dann verbessern, wenn er sich in eine Richtung weiterentwickelt, in der er von verwerflicher Gewalt lassen kann und so ein vernünftiges und dauerhaft positives Verhältnis zu seinen Mitmenschen und seiner Umwelt hergestellt hat. Da es tatsächlich keine vernünftige Alternative zu einem Transformationsminimum - i. e. dem konflikt- und gewaltminimierten Dasein des Menschen gibt, fordere ich zu generalisierter Hygiene auf: gemeint ist ein grundlegender Werte- und Kulturwandel, der dahin wirken muss, dass die Menschheit sich selbst weniger quält und ihre Umwelt weniger beeinträchtigt.
Es ist an der Zeit, dass jede private und juristische Person über ihre jeweilige individuelle Gewaltgeschichte Rechenschaft ablegen, sie reflektieren und aufarbeiten sollte. Alle Gewaltgeschichten der Vergangenheit und ihre Folgen müssen geschrieben, als solche konkret benannt und diskutiert werden, damit sich die Verhältnisse bessern. Wang Jiyu hat z. B. einen Anfang gemacht (DIE ZEIT 39: 8-9 vom 24.09.2015).

Der zornige Aufschrei "Nie wieder!" und der Warnruf "Wehret den Anfängen!" (Ovid) dürfen sich nicht nur auf wenige große Gewalt-Themen wie den Krieg oder die Abwehr roter, brauner, korrupter und wirtschafts-, medien-, religions- sowie gefälligkeitsdiktatorischer Systeme beschränken:
- nie wieder darf es eine Entsprechung folgenden Geschehnisses geben, welches darin bestand, dass der Weltbürger, Kosmologe, Nobelpreisträger, Rebell, Friedensaktivist und große Menschenfreund Professor Dr. Albert Einstein am 18.04.1955 in Princeton (New Jersey, USA) die letzten Stunden seines Lebens von seinen Freunden und Bekannten alleinegelassen in einem Krankenhaus verbringen musste und deshalb seine letzten Worte für immer verloren sind, weil die wachhabende Krankenschwester die Deutsche Sprache nicht verstand;
- nie wieder darf entsprechendes geschehen wie die willentliche Zerstörung eines Paradieses: der südpazifischen Rongelap - Rongerich - Bikini - Atolle durch den Wasserstoffbombentest "Castle Bravo" (15 MT) am 28.02.1954;
- nie wieder darf geschehen, dass in einer Millionenstadt, die seit 1972 mit dem freundlichen Attribut "Weltstadt mit Herz" für sich selbst wirbt, eine 90-jährige Frau erst zwei Jahre nach ihrem Tod in ihrer Wohnung mumifiziert aufgefunden wurde; sie war zuletzt ganz alleine und niemand hatte sie nach ihrem einsamen Tod vermisst (City Zeitung München im März 2012);
- nie wieder dürfen antidemokratisch agierende politische Parteien wie die NPD mit Steuergeldern unterstützt werden (Kommentar zum sogenannten NSU-Skandal 2012, zum viel zu spät gebrachten Verbotsantrag im Dez. 2013 und dem "Volksveräterin-Vorwurf" vor der Asylunterkunft im sächsischen Heidenau im August 2015 sowie braunen Pegida-Krawallen);
- nie wieder darf entsprechendes geschehen, dass der 16-jährige Schüler Thomas M. nach Erhalt einer schlechten Note im Schulfach Englisch alleine in den Wald ging und in seiner Verzweiflung sich selbst richtete, indem er sich am Ast eines Baumes erhängte (Münchner Merkur Nr. 33/34, Seiten 11/10, 10./11.02.2011);
- nie wieder darf entsprechendes geschehen, dass der zwanzigjährige Arztsohn und hochbegabte Physikstudent Egmont barfuß und in abgerissener Kleidung am Fließband der Geschirr-Rückgabestation einer Mensa stand und sich mit zurückgereichter Nahrung seiner übersatten Kommilitonen versorgte, um weniger hungern zu müssen;
- nie wieder darf geschehen, dass Entscheidungsträger die Grundlagen ehrlicher und korrekter Wissenschaftlichkeit verraten, indem sie sie wegen partei- und wahltaktischen Kalküls zur Disposition stellen (KTMNJJPFJSFvuzG- und Schavan-Plagiatsaffären in der BRD im Februar 2011 und Januar 2013);
- nie wieder darf ein Entscheidungsträger ein völkerrechtlich unzulässiges Ereignis wie folgt öffentlich jubelnd kommentieren: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, ....... zu töten. Das ist es, was jetzt für mich zählt." (02.05.2011). Über diese Form öffentlich tolerierter verbaler Gewalt schämt man sich. Solche Worte sind hochtoxisch wie EHEC und politisches HUS: sie sind gegen jeden friedenssichernden und de-eskalierenden Gedanken, gegen humanitären Standard; sie lobpreisen einen Vorgang, der unwürdiger war als die Exekution der Todesstrafe: eine Hinrichtung ohne rechtsstaatlichen Prozess. Das war nur Selbstjustiz. Auch der Geringste hat in einem Rechtsstaat ein Recht auf Menschenwürde (Ferdinand von Schirach). Nur Unrechtssysteme erteilen Aufträge an Todeskommandos; nur Idioten heissen das gut und applaudieren nach erfolgreicher Ausführung coram publico laut. Kein Politiker tat öffentlich lauthals Freude kund, als sich Ende April 1945 der AH und Ende 1976 die Führung der RAF selbst richteten; auch nicht, als am 30.12.2006 der Strick S. Hussein das Genick brach. Selbst die Massenmörder Anders Behring Breivik und Beate Tschaepe erhielten 2012/2013 einen fairen Prozess.
- nie wieder dürfen Entscheidungsträger mit Bedacht trivialisieren: indem sie nur medienwirksam und populistisch agieren, wie z. B. im Mai 2013 mittels einer Privataudienz beim Oberhirten (was jeden Anders- oder Nichtgläubigen kränkte), bei der über die Themen Europa, Beschäftigung und Geld geplaudert wurde sowie mittels eines Handschlags für einen geständigen Steuersünder (wodurch jeder ehrliche Steuerzahler beleidigt und veräppelt wurde) und ehemaligen Fußballstar: so ein Verhalten wirkt abstoßend und schadet der Demokratie in der Art, dass Politikbetrieb von vielen noch weniger ernst genommen und die Wählerzahlen bei kommenden Urnengängen noch weiter zurückgehen werden;
- nie wieder darf der Bürger einen Entscheidungsträger wählen, nachdem dieser im Vorfeld einer Wahl wohlkalkuliert eine ausländer- und europafeindliche Äusserungen getätigt hatte, indem er im Herbst 2013 eine Autobahnmaut nur für Ausländer vorschlug; er setzte im Winter 2013/14 populistisch noch eins drauf, indem der die Erschwerung des Bezugs staatlicher Hilfsgelder für sog. Armutsflüchtlinge aus Rumänien und Bulgarien forderte. Wasser auf die Mühlen der rechtsnationalen Ausländerfeindlichen ("Sozialtourismus": Unwort des Jahres 2013).
- nie wieder darf ein wegen Steuerhinterziehung im Zehnermillionenbereich zu dreieinhalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung rechtskräftig verurteilter Prominenter in der Jugend-Talentförderung eines Fußballklubs tätig werden (SZ 02: 38 vom 03.-04.01.2015) (Wo blieb der Protest der Erziehungsberechtigten?). Halbstrafe: Nie wieder darf ein solcher nach der Hälfte der Zeit der Gefängnisstrafe ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt werden (SZ 49: 02 vom 29.02.2016). Gegen jede Vernunft wurde er erneut im November 2016 zum Präsidenten des Vereins gewählt.
- nie wieder darf geschehen, dass ein Bürgermeister der Kleinstadt Tröglitz in Sachsen-Anhalt Anfang März 2015 sein Amt niederlegte, weil er wegen seines Engagements für Asylsuchende Zielscheibe von Rechtsradikalen wurde und er keinerlei Rückhalt bei Polizei, Politikern und Bürgern erhielt.
- nie wieder darf das Jubiläum des Sieges der Roten Armee über Hitlerdeutschland am 09. Mai in Form einer riesigen Militärparade in Moskau gefeiert werden.
Das "Nie wieder", "Wehrt Euch wie Demokraten!" und "Wehret den Anfängen" bezieht sich freilich auch auf Entsprechungen aller im Epilog genannten anthropogenen verwerflichen gewaltsamen Handlungen. Leider werden diese Grundsätze immer wieder gebrochen; wie z. B. derzeit
- in England, wo das Thema Holocaust mit der angeblichen "Begründung" aus dem Geschichtsunterricht gestrichen wurde, Moslems könnten sich beleidigt fühlen (Freiheit und Recht, Dez. 2010/3+4: 16);
- in den USA, wo immer weniger Highschool-Biologielehrer die Evolutionstheorie Charles Darwins auf akzeptable Weise unterrichten, um Kontroversen mit diversen Weltanschauungen zu vermeiden (
M. B. Berkman & E. Plutzer: Defeating Creationism in the Courtroom, But Not in the Classroom.- Science, 2011; 331 (6016): 404).
Dazu zähle ich auch die von oberster Stelle in der BRD in rüdem Tonfall geäusserte dumm-autoritäre "Basta" - "Alternativlos" (Unwort des Jahres 2010) - Position, die dem Steuerzahler Milliardenkosten aufbürdet und einen peinlichen Regress in die restriktiv-diktatorische "Keine-Experimente"-Haltung der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bedeutet.

Es geht im folgenden um Gewaltausübung des Menschen gegen seine Mitmenschen. Einige der Gegebenheiten, strukturellen Eigenschaften, Verhältnisse, Gewichtungen, traditionellen Wertvorstellungen und gedanklichen Treiber in den Komponenten seines Systemkonglomerats verleiten immanent zur Anwendung verwerflicher anthropogener Gewalt:
- Im Industrie-, Finanz- und Wirtschaftskapitalismus ("Ich bin 100 Banken!"; "Meine Bank gehört mir!"; "Ich bin der Grundstein für Dein Glück: ich bin Dein Vermögen!"; "Jedes Vermögen erfordet Hingabe!"; "Was wir anfassen, wird zu Gold!"; Ihr Vermögen hat's doch verdient, odr!";) sind es Wachstum ad infinitum (Wachstumsfalle) (siehe "Wachstumsbeschleunigungsgesetz"), Leistung, Effizienz, Eigennutz ("Geiz ist geil"), Konkurrenz, Rationalisierung, Akkumulation, Beschleunigung, Mobilitätszwang (bestens beschrieben in Paul Virilios Dromologie), Konsum-, Umsatz- und Gewinnsteigerung, eigene Profitmaximierung ("Gier - nach noch viel mehr Geld und Sachwerten - ist gut"), Wettbewerb sowie Verdrängung und Übernahme; ja, da ist eine Menge Killerinstinkt gefragt, um die Konkurrenz plattzuwalzen. Es herrscht das Primat der Ökonomie. Verheerend die Entkopplung von Risiko und Haftung durch Verantwortungsdiffusion und -dissipation. Angeblich ist Zeit Geld. Arbeits- und Zeitdruck sowie Mißachtung des Arbeitsrechts verursachten bei Lastwagenfahrern und Omnibuslenkern Überforderung und ein erhöhtes Unfallrisiko. "Kommt Zeit, kommt Rat"; "Gut Ding braucht Weile": diese in Jahrtausenden entwickelte Erfahrung, die sich in diesen Sprichwörtern widerspiegelt, scheint momentan in Vergessenheit geraten zu sein. Immer mehr Arbeitnehmer werden wegen steigenden Leistungsdrucks und wegen Mobbings arbeitsunfähig und dann frühverrentet (BR2: 29.01.2014 12-13 Uhr). Geld durchdringt alle gesellschaftlichen und die meisten privaten Bereiche (Erich Fromm 2005: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft) und kann wegen seiner ihm innewohnenden Triebstruktur, seiner hohen emotionalen Energie - das ist die Möglichkeit zu grenzenloser Bereicherung - (Horst Kurnitzky) eine heftigere Leidenschaft als Sexualität und Spiritualität freisetzen, die den Sog extrem risikobereiten und realitätsfernen Handelns provoziert (Greg Smith 2012: Die Unersättlichen. Ein Goldman-Sachs-Banker rechnet ab. Rowohlt). Es wäre besser, wenn neben dem Denken an Eigennutz (Individualselektion) auch das an das Gemeinwohl (Gruppenselektion) mehr an Bedeutung gewänne (Edward O. Wilson 2013: Die soziale Eroberung der Welt. Eine biologische Geschichte des Menschen. Beck Verlag). Der Polarisator Geld bedeutet auf der einen Seite Vermehrung und Fruchtbarkeit, auf der anderen Verlust und Kastration. Der von materieller Bindung und dem Goldstandard losgelöste Finanzkapitalismus des 20. Jahrhunderts entwickelte ein das Soziale und Vernunft-Ökonomische zerstörendes Eigenleben; siehe dazu auch C. von Braun (2012): Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte. Aufbau Verlag Berlin. Dieses Wirtschaftssystem bescherte den Verbrauchern in der BRD u. a. technisches Gerät ohne Ausschaltknopf, Männerunterhosen ohne "Zugriff", vorgeschälte und eingeschweißte Bananen aus Österreich, Einwegpfeffermühlen und Einweggrills, Freibenzin-Lose in Keks-Packungen, Speckschokolade, Äpfel und Erdbeeren aus China, Saitlinge aus dem Nahen Osten, Torferde aus Südamerika, Kartoffeln aus Australien, Weintrauben aus Südafrika, Lammkeulen aus Neuseeland, Rotwein und Kirschen aus Chile, Spargel aus Peru sowie Bier aus Oberbayern. Der Verkauf technischen Gerätes mit laufzeitgekoppelten Sollbruchstellen ist Realität (Kreiß, C. 2014: "Geplanter Verschleiß", Europa Verlag, München). In den USA ist es möglich geworden, Policen auf andere Menschenleben abzuschließen. "Braucht's des wirkli, ha?" "I am not amused." "I prefer not to". "Ia schpinnts ja allesamt vom Boa weg!" Wirtschaft und Geldlobby scheuchen die ihr hörig gemachten Politiker vor sich her und zwingen sie, unter Androhung von Entlassungen, Abwanderung oder Outsourcing ihre Profitinteressen zu bedienen (siehe auch Gerhard Schick 2014: Machtwirtschaft - nein danke! Für eine Wirtschaft, die uns allen dient. Campus Verlag). Wie gefährlich es werden kann, wenn die Politik von Großindustrie und sozial reaktionären Machteliten gesteuert und gefördert wird und Militarismus die Politik vor sich hertreibt, zeigte der Weg von AH und seinen Gefolgsleuten zur Macht (DIE ZEIT 4: 16-17 vom 17.01.2013). Über 100 Jahre ließ man private Rüstungsunternehmen ihre Tötungsgeräte exportieren, obwohl bekannt war, dass sie die Kriegsgefahr dadurch erhöhen; erst 2013 ist das erste globale Waffenhandelsabkommen unterzeichnet worden (DIE ZEIT 50: 21 vom 04.12.2014). Es gilt, die grenzenlosen Herrschaftsansprüche und Einflußnahmen der Welt-AGs, Globalkartelle, Global Player und Konzerne zurückzudrängen. Es kann nicht sein, dass sich eine Wirtschaftsdiktatur zu stabilisieren beginnt, indem sie es Politikern, Entscheidungsträgern und sonstigen Profiteuren so gut gehen lässt, dass es denen egal wird, wie es dem Rest ergeht.
So wurde im Juli 2012 der Entwurf zur Änderung des Melderechtsrahmengesetzes, die Firmen und Adresshändlern den Zugriff auf Bürgerdaten erleichtert, ohne Aussprache im Parlament verabschiedet. Erst am 27.02.2013 beschloß man, dass Adressdaten erst dann weitergereicht werden dürfen, wenn die Betroffenen auf Anfrage dem zugestimmt haben. Elektronisierung der Geldflüsse, nämlich der fortschreitende Ersatz von Münzen und Scheinen durch EC-Karte und online-banking, verleitet wegen dieser Distanzschaffung zum realen Geld - das sind/waren die Münzen und Scheine im Geldbeutel - und der extrem vereinfachten, blitzschnellen Zugriffsmöglichkeit auf die Girokonto-Gesamtressourcen samt Dispo zu noch mehr Verbrauch. Gleichzeitig kann das Kaufverhalten der Verbraucher über eingelesene elektronische Kennungen überwacht und die Angebotspaletten noch besser angepasst werden. Beängstigend, dass ein Banker auf dem Monitor per Mausklick Millionenbeträge, die er nur verwaltet, einsetzen oder verschieben kann (Siehe auch Christian Erich Elger
& Friedhelm Schwarz 2009: Neurofinance: Wie Vertrauen, Angst und Gier Entscheidungen treffen. Freiburg : Haufe Verlag GmbH & Co KG). An den Börsen werden im Nanosekundentakt Kursschwankungen zum eigenen Vorteil ausgenutzt (Hochfrequenzhandel). Geld-, Macht- und Profitgier sowie der Zwang zum Wachstum und zur optimalen Wirtschaftsbilanzoptik (Voodoo-Bilanzen) sowie Gesetzeslücken verlocken unwiderstehlich zu Korruption, Betrug und pseudolegalen Finanzpraktiken; Konzernjuristen helfen nach und halten somit das financial fairplay weiterhin auf Distanz (DIE ZEIT 18: 13-15 vom 25.04.2013). Viel zu oft werden Gewinne privatisiert, Schulden und Verluste aber sozialisiert: also auch denen aufgebrummt, die dafür nicht verantwortlich sind; das ist ungerecht. Typisch hierfür die Radiomeldung am 13.09.2012, dass jeder BRD-Bundesbürger - vom Neugeborenen bis zu Greis - angeblich 25000.- Euro Schulden habe (logisch, dass die Meldung nie gesendet wird, dass jeder Bundesbürger mit 20000.- Euro im plus ist). In der Detroiter Autofabrik von Henry Ford startete am 16.08.1813 das weltweit erste Fließband. Seitdem befindet sich nicht mehr der Mensch, sondern das System an erster Stelle; Charly Chaplin hat diesen bedenklichen Wechsel im Film "Moderne Zeiten" perfekt charakterisiert. Durch Fabrikautomatisierung, Robotisierung und IT-Fortschritt werden auf Dauer mehr Arbeitsplätze überflüssig gemacht als neue kreiert (Eric Brynjolfsson & Andrew McAfee 2011: Race aganist the machine; 2014: The second machine age: work, progress and prosperity in a time of brilliant technologies) und so wird mehr in Informationstechnologie als in Personal investiert (DER SPIEGEL 18: 62-64 vom 29.04.2013). Der digitale Kapitalismus zerstört - u. a. wegen seiner Hypereffizienz - mehr gesellschaftliche Werte als er neue schafft (Andrew Keen 2015: Das digitale Debakel. Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können). Dieses Wirtschafts- und Finanzsystem enthält weder demokratische noch pazifistische noch rechtsstaatliche Elemente (Altbundeskanzler H. Schmidt 2011): es ist globalisierter Wirtschaftskrieg, der alles über die Jahrhunderte mühsam errungene Soziale und Humanitäre auszehrt, skelettiert, Disparitäten unerträglich steigert und die Sklaverei wiederbrachte (SZ 108: 03 vom 12.05.2015); das ist möglicherweise eine der Vorstufen des 3. Weltkriegs. Eine Gesellschaft, in der es nur mehr darum geht, sich gegenseitig das Wasser abzugraben, begräbt letztendlich sich selbst. Schon Horkheimer und Adorno kritisierten die Herabwürdigung des Menschen auf einen Markt- und Kostenfaktor im Kapitalismus. "Diese Wirtschaft tötet." (Nov. 2013, Jorge Mario Bergoglio). "Alles ist heute ökonomisiert. Mich kotzt das an" (Kunstmaler Erich Fischl). "Die Dominanz des Geldes macht mich wahnsinnig." (Harald Lesch in SZ 24: 21 vom 30.01.2015). Beschämend die in den Medien verbreitete Nachricht, dass Arbeitnehmer besonders gerne eingestellt werden, wenn sie jung sind und gleichzeitig Elternteil einer Familie, weil die sich dann alles gefallen lassen, um nur ihre junge Familie durchzubringen.
Echte Demokratien können niemals marktkonform sein (Frank Schirrmacher 2013: Ego - das Spiel des Lebens, Blessig). Die Nazis faselten vom Menschenmaterial, die heutige Markt- und Kommerzgesellschaft ist sehr stolz auf ihr Humankapital. Gerettet werden nur unter marktwirtschaftlichem Aspekt als "systemrelevant" erachtete Einrichtungen, die "too big to fail" sind; der pleitegehende, weil vermeintlich systemirrelevante Kleinunternehmer, Mittelständler oder Privatier kann sehen, wo er bleibt ("too small to survive") oder den Strick nehmen. Die Nazis nannten es kriegswichtig, die Informationskapitalisten nennen es systemrelevant. Ein Finanz- und Wirtschaftssystem taugt nur dann etwas, wenn es allen ausser denen, die absichtlich nicht arbeiten wollen oder Arbeit nur simulieren, nachhaltig gesichert gut geht: solche Arbeitnehmer haben auch ein Grundrecht auf den Erwerb einer Immobilie und nach über 40 Jahren ehrlicher Arbeit ein Grundrecht auf einen Gnadenhof in der Heimat: es ist nicht in Ordnung, dass 80% der Familien in der BRD in Miete leben und immer mehr Rentner aus finanziellen Gründen in Altenheime im Ausland abgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass wegen Unterbezahlung von Arbeit und Überteuerung von Immobilien ein Arbeitnehmer keinen Grund oder Wohnraum in Laufe seines Arbeitslebens erwerben kann. H. Deichmann: "ein Unternehmen muss für die Menschen da sein". Sina Trinkwalder, Augsburg 2014: "Die ... Aufgabe eines Unternehmens heute ist die Maximierung der Menschlichkeit, nicht die Steigerung des monetären Gewinns". Thomas Piketty spricht die Probleme und Ungerechtigkeiten, die sich aus der wachsenden Konzentration und Ungleichverteilung von Kapital ergeben, direkt an: Le capital au XXIe siècle; edition du Seuil, 2014. Im Dezember 2012 waren europaweit 5,7 Millionen junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos (DIE ZEIT 7: 11 vom 07.02.2013), entsprechend 23,5% (DER SPIEGEL 21: 86-87 vom 18.05.2013); 2015 waren es schon 7,5 Millionen arbeitslose Europäer zwischen 15 und 24 Jahren (SZ 243: 05 vom 22.10.2015). In der BRD sind ca. 20% der 15-24jährigen arbeitslos gemeldet (DIE ZEIT 40: 25-26 vom 26.09.2013). Eurostat nannte im Mai 2014 europaweit 27 Millionen Arbeitslose. Ethisches Handeln und vernünftiges Maßhalten, nicht Gewinnoptimierung und nicht "Konsumsicherung um jeden Preis" müssen Kernbestand der Ökonomie werden (DER SPIEGEL 12: 112-116 vom 19.03.2012); Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat einen Anfang gemacht. Und weiter: es sollte doch selbstverständlich sein wie ein ungeschriebenes Gesetz, Geld nur so zu erwerben, dass damit anderen kein Schaden entsteht; und nur so viel Geld zu erwerben, wie man wirklich braucht. Von diesen Denkansätzen her verbieten sich Spekulationen auf Nahrungsmittel, Waffenverkäufe sowie Kreditvergaben an die Waffenindustrie von selbst. Das "Argument", die Rüstungsindustrie und die Kleinwaffenherstellung wegen des Erhalts von Arbeitsplätzen fortzuführen, ist wegen des weltweiten Elends, das exportierte Waffen aus Deutschland erzeugen, nur zynisch (DIE ZEIT 51: 13-16 vom 12.12.2013). Der wissentliche Export von Kleinkaliberwaffen samt Munition in Krisenregionen ist eine moralische Katastrophe, der schätzungsweise mehr als 275000 Menschen inzwischen zum Opfer gefallen sind (SZ 150: 3 vom 03.07.2014; 159: 06 vom 14.07.2014); siehe auch Jürgen Grässlin (2013): Schwarzbuch Waffenhandel - Wie Deutschland am Krieg verdient; Heyne-Verlag. Erfreulich das UN-Abkommen, das internationalen Waffenhandel einschränkt (ZEIT MAGAZIN 19: 26-27 vom 02.05.2013). Und freilich können Gesetze erlassen werden, die bewirken, dass nur fair produzierte und ungefährliche Ware gehandelt sowie importiert/exportiert wird. Die andere Seite ist aber, dass der Geldgier nur schwer Grenzen setzbar sind, weil man meint, mit viel Geld seine eigenen Grenzen überwinden und noch mehr Macht erreichen zu können; "Jedes aufs Geld ausgerichtete Leben ist der Tod" (Albert Camus: Das Ideal des Einfachheit. Eine Biographie: Iris Radisch 2013, Rowohlt). Schwindender Entscheidungsspielraum wegen steigenden Zeitdrucks erhöht die Fehlerquote und damit die Labilität aller vom Menschen eingerichteten und gesteuerten Systeme (Beschleunigungskrise). Diese Art optimierte Monetarisierung / Kommerzialisierung / Ökonomisierung ist inzwischen u. a. wegen angeblicher Sparzwänge auch auf diverse Einrichtungen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen übertragen worden und hat zu vielen Ungerechtigkeiten, Defiziten, Härten und Qualitätsverlusten in Krankenhäusern (ZEIT MAGAZIN 21: 12-24, 16.05.2012), Altenheimen, Hospizen, Haft- und Verwahranstalten sowie Schulen und Universitäten geführt. Der bayerische kultusministerielle Sparkurs führte im Schuljahr 2014/15 zu 6 Millionen ausgefallenen Unterrichtsstunden (SZ 137: R17 vom 16.06.2016). Der Sparkurs betrifft auch den wegen Einrichtung des G8 entstandenen doppelten Abiturjahrgang 2011, der für Studienanfänger besonders ungünstige Wissenerwerbsbedingungen bedeutet hat; dazu gehört weiter die Vernachlässigung der medizinischen Erforschung seltener Krankheiten und der Entwicklung entsprechender Therapien, weil mit diesen Randprodukten keine ordentlichen Gewinne eingefahren werden können; Resultat dieses Sparens waren im Jahr 2013 die Entstehung von ca. 1 Million Krankenhausinfektionen - von denen ca. 40000 letal verliefen - in der BRD, die v. a. durch Einsparungen im Hygienesektor bedingt wurden (Radio Deutschland am 29.11.2014); und in England sind 2011 150, 2012 200 und 2013 400 Bibliotheken aus Spargründen geschlossen worden sind. Museen dürfen nicht in Wirtschaftsbetriebe umgewandelt werden, die möglichst viel Geld in ihre Kassen spülen müssen. Entsprechendes geschah nach Teil-/Privatisierung öffentlicher Einrichtungen wie z. B. Post und Bahn. Starke Ärgerfaktoren wie Zunahme des Niedriglohnsektors (Lohndumping, -diebstahl, Ausbeutungslohn), der Arbeitslosenmassen (sie sorgen für solide und nachhaltige Erpressbarkeit aller Arbeitnehmer auf breiter und langzeit-gesicherter Basis), Ausdünnung des Mittelstandes, starke Ungleichverteilung von Vermögenswerten (2011 verfügte 1% der US-Bevölkerung über ca. 38% des Gesamtkapitals dieses Landes: das entspricht ökonomischem Neofeudalismus; die einhundert reichsten Inder verfügten 2012 über ein Vermögen, das 25% des indischen Bruttosozialprodukts entspricht (SZ 89: 11 vom 17.04.2013)), Bankencrashs wegen riskantem Spekulationsverhaltens an den seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch Ronald Reagan und Margret Thatcher deregulierten Finanzmärkten - bedrückend das arrogante Verhalten von mit Staatsgeldern geretteten "systemrelevanten" Banken, welche die unanständige und für Normalverdiener absurd, provokant, ungerecht und schädlich erscheinende Praxis der Auszahlung unanständig üppiger Boni und Abfindungen an Manager ungerührt fortsetzen (nach dem alten Prinzip: die Großen lässt man laufen und deswegen hängt man die Kleinen; bedauerlich das Ergebnis des Volksbegehrens von 03.03.2013 in der Schweiz, die Eidgenössische Volksinitiative 1:12 für gerechte Löhne und gegen Exzesse bei Manager-Gehältern; erfreulich die Initiative "Vermögende für eine Vermögensabgabe"
http://www.appell-vermoegensabgabe.de/index.php5) - und über die Jahrzehnte aufgelaufenen, unerträglich hohen Staatsverschuldungen (2,116 Billionen Euro öffentliche Gesamtschulden in der BRD im Jahr 2013; 52 Billionen Euro Gesamtschulden 2012 europaweit; 200 Billionen Dollar Gesamtschulden global 2015 (DER SPIEGEL 36: 66-72 vom 29.08.2015)) - wirtschaftlich und politisch destabilisierende Faktoren - sind Mitursachen für Angst, Verunsicherung, politische Radikalisierung, Qualitätsdefizite im familiären Zusammenhalt und im Gefolge für die Erhöhung der Gewaltbereitschaft; leider auch der von Jugendlichen aus vorwiegend sozial schwachen Familien (Kirstin Heisig 2010: Das Ende der Geduld). Täglich müssen Bedürftige den demütigenden Gang zur Tafel erneut antreten; sie sparen, indem sie nur einmal pro Woche warmes Essen zubereiten und kostenpflichtige Arztbesuche meiden (DER SPIEGEL 37: 50 vom 10.09.2012); 2013 sind in der BRD täglich ca. 1,5 Millionen Personen versorgt worden (DER SPIEGEL 52: 38-39 vom 21.12.2013); siehe auch Stefan Selke (2013): Schamland - die Armut mitten unter uns. "Der Kampf gegen die Beschämung armer Menschen ist mein Lebensthema " (Dr. jur. Lilli Kurowski, Sozialarbeiterin und Juristin, München; SZ 175: R6 vom 01.08.2014). 2013 bestanden nach Ver.di in der BRD 10.000 Milliarden Euro Privatvermögen, wovon mehr als ein Drittel davon sich in der Hand von 1% der Bevölkerung befand; das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW stellte fest, dass europabezogen die Ungleichverteilung von Vermögen in der BRD maximal ist (DER SPIEGEL 10: 57 vom 01.03.2014). Nach dem Weltarbeitsmarktbericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO vom 17.05.2016 sind in Europa wegen Arbeitslosigkeit und geringfügig bezahlter Beschäftigung 17,2% der Bevölkerung als arm, auch wenn sie Sozialleistungen beziehen; sie verfügen dann nur mehr über max. 60% eines mittleren länderbezogenen Einkommens. In England ist die Zahl der Bedürftigen von 2008 bis 2012 um 400% gestiegen, weil der hochverschuldete Staat mittels Sozialkürzungen seine Haushaltsbilanzen bessern möchte (DER SPIEGEL 49:102-104 vom 03.12.2012). Der Trend zur fortschreitenden Unterbezahlung körperlicher Arbeit - wie z. B. bei Paket- und Briefzustellern, im Baugewerbe, Bergbau, in Landwirtschaft, Gastronomie etc. - ist Unverschämtheit und Demütigung; die Optionen Leih- und Zeitarbeit verstärken diesen Mißstand. Billigjobben ist Zwangsarbeit für die Reichen. Erfreulich die am 21.01.2013 geäusserte Aufforderung des Arbeitgeberpräsidenten an Firmen, die Höhe des Zeitarbeiterlohns endlich anzugleichen. Die materiell-monetäre Entsprechung einer menschenwürdigen Existenz in der BRD ist im Jahre 2012 auf ein öffentlich gewährtes Almosen von Euro 374.- monatlich (2013: Euro 382.-; 2014: Euro 391.-) festgelegt worden. Soziales ist nicht ökonomisierbar. Bedrückend und gleichzeitig beängstigend die über Jahre bis zu seiner flächendeckenden gesetzlichen Verankerung (01.01.2015) gegangenen Diskussionen über den sogenannten Mindestlohn, über die Höhe seines Betrags und die trotzdem fortgesetzten Bemühungen zu seiner Vermeidung, Verhinderung bzw. Unterlaufung: so musste am 13.05.2015 das Bundesarbeitsgericht verordnen, dass der Mindestlohn auch an Feiertagen, bei Krankheit und Urlaub für den Arbeitnehmer voll gilt. Dieser öffentliche und polemisch geführte Streit offenbart klar die Macht verwerflicher Profitgier der Wirtschaftler und die Befangenheit der meisten Sozial- und Wirtschaftspolitiker.
Es ist gegenüber dem Kollektiv der Kleinverbraucher/Steuerzahler eine bodenlose Unverschämtheit, es per Gesetz/Verfügung auszubeuten, indem es die privilegierten Großfirmen geschenkten Stromkosten (DER SPIEGEL 13: 60-62 vom 24.03.2014) sowie Arbeitnehmern vorenthaltenen Löhne auszugleichen gezwungen wird. 1,4 Millionen Arbeitnehmer erhielten 2012 weniger als Euro 5.-/Std.. Der vom paritätischen Wohlfahrtsverband verausgegebene Armutsbericht 2013 zeigt einen Höchststand an sozialer Disparität in der BRD: 12,5 Millionen Personen gelten als arm (SZ 42: 5 vom 20.02.2015), Lohnfragen sind leider meist Machtfragen und eben keine Gerechtigkeitsfragen. BR2 meldete am 25.07.2013: Marktforscher haben herausgefunden, dass europaweit in der BRD die höchste Rate an Geringverdienern besteht. Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung wird der Anteil sogenannter atypischer Beschäftigungsverhältnisse in der BRD immer größer; zudem bewirkt die derzeitige Gesetzgebung eine Benachteiligung der niederen Steuerklassen zugunsten der höheren: fiskale Gewalt (BR2 am 06.09.2013). Billigarbeit lohnt sich nur für die Wirtschaftsbosse, kommt aber dem Steuerzahler teuer zu stehen (BR2, 17.05.2013, 9-10 Uhr). Wo nur das Profitdenken grassiert, gehen das Soziale, Humanitäre und der gesellschaftliche Zusammenhalt in die Binsen. Chronische Unterbezahlung einerseits und niedrige Sozialleistungen des Arbeitgebers andererseits erzeugen Sozialfälle in Serie, deren Unterhalt wiederum von allen getragen werden muss, wodurch Lebensqualität und Kaufkraft der Kleinverbraucher am meisten beeinträchtigt werden. Die Zinssenkung von 0,75% auf 0,5% am 02.05.2013 durch die EZB mindert die Renditen privater Altersvorsorgen vieler Kleinsparer, die damit in die Altersarmut gedrängt werden (DER SPIEGEL 19: 62-71; 2013). Dieses finanzielle Zwangskorsett führt u. a. dazu, ungesunde und oft unfair produzierte Billigprodukte beim Discounter kaufen zu müssen. Da kann dann auch keine Rede mehr davon sein, dass "der Verbraucher durch sein freies Konsumverhalten steuert, was produziert wird". 2014 belief sich die durchschnittliche Miete in der Metropole San Francisco auf Dollar 3200.-; Obdachlose, unter ihnen auch ehemalige Hochqualifizierte, verbringen den Tag in der Zentralbibliothek (DER SPIEGEL 44: 118-120 vom 27.10.2014); alle zwei Jahre findet sinnvoller Weise eine behördliche Zählung der Obdachlosen in der Metropole statt.
Wie sind die Ende November 2012 von der parlamentarischen Opposition angedachten Euro 850.- Monats-Mindestrente für 45 Jahre lückenlose Erwerbs- bzw. Rentenbiographie vereinbar mit den Euro 199000.- Ruhegehalt (Ehrensold; samt Limousine, Chauffeur, Büro und Bürokraft) des Kurzzeit-Bundespräsidenten vom Juni 2010 bis Februar 2012? Fünf Millionen Beschäftigte in der BRD erhielten 2012 einen Lohn wie im Jahr 1985 (C. Löbbert in SZ 296: V2/1 vom 22./23.12.2012). Typisch, dass der immer weiter steigende Unterschied zwischen Arm und Reich v. a. als ökonomisches Problem wahrgenommen wird, weil dieser Zustand laut OECD das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt (SZ 116: 01 vom 22.05.2015). Wirtschaftliche Auspressung einer Gemeinschaft erzeugt negative Aggression und soziale Spannungen, die sich z. B. in öffentlichen Diskussionen über Gesetzesvorlagen betreffend ein sogenantes Familienwahlrecht und eine Strafsteuer für die Minderheit der Kinderlosen abzureagieren versucht, wodurch diese verletzt und diskriminiert wird (BR 2: 15.02.2012, 12-13 Uhr)
. Weil die moralische Diskussion aus dem öffentlichen Raum outgesourct worden ist, genießt wirtschaftlicher Erfolg in der Marktgesellschaft oberste Priorität (DER SPIEGEL 46: 160-165 vom 12.11.2012): die Umweltqualität sowie die Gesundheit der Bürger sind ihm nachgeordnet: Schadstoff-Immissionen und Lärm hochfrequentierter Flug-, Autobahn- und Schnellstraßen-Trassen müssen Tag und Nacht geduldet werden. Am 23.01.2012 fanden im Luftraum über der BRD in Summe ca. 6500 Flugbewegungen statt (DER SPIEGEL 5: 106-111 vom 30.01.2012). Der Lärm von Baustellen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten, die in städtischen Innenräumen per Sondergenehmigung auch nächtens betrieben werden dürfen, müssen von den Anwohnern ertragen werden. Anstatt über die Medien auf einen Minimalgebrauch von PKW und Nutzfahrzeugen hinzuwirken, erdachten Entscheidungsträger sogenannte Umweltzonen in Großstädten; das ist kontraproduktiv, weil die grüne Plakette eine trügerische Sauberkeit suggeriert und das Vielfahren und Gasgeben kein schlechtes Gewissen mehr bereitet. Per Gesetzgebung ist die Pharmaindustrie davon befreit worden, Altmedikamente zurückzunehmen; statt professionell entsorgt zu werden, landen diese Gefahrstoffe im Hausmüll oder im Brauchwasser mit entsprechenden Risiken und Nebenwirkungen für Umwelt und Verbraucher. Klar, dass die Grünen im Jahr 2012 keine Parteispendengelder von der Industrie bekamen. Fast dreissig Jahre dauerte es, bis finanzielle Mittel zur Entsorgung des toxischen Sondermülls bereitgestellt wurden, der bei der großen Chemiekatastrophe im Indischen Bhopal vom 02. auf den 03.12.1984 entstanden ist und bei dem ca. 30000 Menschen in einer Methylisocyanat-Gaswolke erstickten (DER SPIEGEL 26: 98-99 vom 25.06.2012); nicht sanierte große Mengen primitivst entsorgter, hochgiftiger chemischer Altlasten - Schwermetalle, Herbizide und Pestizide - beeinträchtigen seit diesem Unfall Umwelt und Lebensqualität; Verletzte und Hinterbliebene wurden nur mit Bagatellbeträgen abgespeist; verantwortlich ist für diesen "cold case" niemand mehr (DER SPIEGEL 49: 82-86 vom 01.12.2014). Das Handbuch zum "Gesundheits-Management bei Chemievorfällen" listet auf, dass zwischen 1998 und 2007 weltweit ca. 100000 Menschen starben; insbesondere bei Produktionsstandorten.
Vermehrt am ökonomischen Erfolg, an der humanbiologischen Fertilität, an der Karriere und am Verbrauch ausgerichtete Kriterien und Aspekte bei der Bewertung von Mitmenschen ("wieviel verdienst Du?", "wieviel Kinder hast Du?, gehen die auch aufs Gymnasium und schreiben lauter Einsa?"; "welches Auto fährst Du?", wohin fliegst Du in den Urlaub?") verstärkten die Spirale der Abwertung sozial (vermeintlich) Schwächerer und erzeugten selbstgerechte menschenfeindliche Pseudoeliten sowie eine apathische, orientierungslose Unterschicht (W. Heitmeyer in DER SPIEGEL 50: 71-72 vom 12.12.2011). Erfolg mag vielleicht schön und gut sein; über seine Qualität entscheidet, wie lange er Bestand hat, welche Mittel angewendet wurden, damit er zustande kam und ob diese moralischen Kriterien genügen. Im Februar 2012 zählte man in der BRD ca. 100 Milliardäre, 17000 Einkommens- und 830000 Vermögensmillionäre; der Global Wealth Report von Boston Consulting nannte in der BRD 839 "ultra-high-net-worth-house-holds" in denen mehr als 100 Millionen Dollar vorhanden sind (DER SPIEGEL 9: 62-72 vom 27.02.2012). In der BRD saßen 2013 10% der Bevölkerung auf 52% des gesamten Vermögens und die vermögensschwächere Hälfte der BRD hatte - komplementär - im selben Zeitraum weniger als 1% Anteil am gesamten Vermögen der BRD (SZ 20: 01 vom 26.01.2016). Die obersten 10% der Haushalte Amerikas hielten 2012 75% des Gesamtvermögens der USA (DIE ZEIT 41: 32-33 vom 04.10.2012). In Indien gab es 2012 120000 Dollarmillionäre. 2013 gab es weltweit 1426 Vermögensmilliardäre - fast nur Männer - mit einem Gesamtvermögen von 5,4 Billionen Dollar; Anzahl und Vermögen der Milliardäre wuchs innerhalb eines Jahres um 16 % bzw. 17% (Chrystia Freeland 2013: Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite). Überschrift: "Wegen Reichtums geschlossen". 2015 gab es global 1826 Milliardäre, die über 7,05 Billionen US$ verfügten. 0,7% der Weltbevölkerung hält 45,2% des Weltvermögens in Händen. 71% der Weltbevölkerung hingegen verfügt nur über 3% des Weltvermögens SZ 281: 09 vom 05.-05.12.2015). Laut der Hilfsorganisation Oxfam hatten 2015 62 Superreiche ebenso viel Eigentum wie 3,7 Mrd. Menschen, die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Bei dieser Entwicklung wird die Wahrscheinlichkeit vergrößert, dass viel Geld sich in den Händen von nur dummen oder charakterlich problematisch veranlagten Leuten befindet. Geld potenziert die Macht, Wirksamkeit und Persistenz von Blödheid, Nichtsnutz, Schädlichkeit und Bosheit. Solche absurden Geld- und Güteranäufungen passen in der inzwischen komplett vernetzten Welt ganz und gar nicht zu den dazu unvermeidlichen komplementären Erscheinungen: Armut und Not; Hungerbäuche, von Noma zerfressene Gesichter, von Tuberkulose zerstörte Lungen und von Lepra verstümmelte Gliedmaßen der Ärmsten in den Drittweltländer. Viel besser wäre, die "Zeit des Lichts" wäre für alle schön. Der französische Historiker und Politiker Charles Alexis Henri Clérel de Tocqueville vermerkte schon 1831 enttäuscht, wie sehr sich die Vereinigten Staaten Geld und Gier verordnet haben (SZ 174: 11 vom 01.08.2014). Ich denke, dass die schon Anfang des 19. Jhds. von Honoré de Balzac formulierte Vermutung leider in vielen Fällen zutrifft, dass "hinter jedem großen Vermögen ein Verbrechen steht". Grundgesetz Artikel 14: "Eigentum verpflichtet; sein Gebrauch soll zum Wohle der Allgemeinheit sein." In der BRD wandert immer mehr Vermögen in die oberen 10% der Bevölkerung, wodurch soziale Spannungen erhöht werden (Wehler, H.-U. 2013: Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland. C. H. Beck); das ist Refeudalisierung (DIE ZEIT 19: 29 vom 02.05.2013). Sparzwänge und Stellenstreichungen führten zudem sparten- und ressortübergreifend zu unerträglichen Kameraden- und Kollegenschweinereien auf dem Arbeitsmarkt und in den Arbeitsteams (Ausschalten der Konkurrenz, Mobbing, Verdrängen, Aufsteigen, Häuslebauen, Nesten, Geld- und Kindermachen um jeden Preis; jeder ist ausschließlich sich selbst der nächste) (DER SPIEGEL Nr. 16: 56-64 vom 16.04.2012). Steuerparadiese, das Bankgeheimnis und die Option "Abschleichen" - wegen großer Lücken im globalen Transaktionssteuernetz - ermöglichen Managern, Firmenbossen, reichen Erben und Clans, Ölscheichs, Despoten etc. pp. risikolos verlustfreies Bunkern von Schwarzgeld und unfairen Handelsgewinnen und festigen so ihre Positionen (das ist finanztechnische und -juristische Stabilisierung von Gewalt). Das geplante neue Steuerabkommen zwischen BRD und Schweiz wäre Gewinn und Persilschein für unsolidarische Steuerflüchtlinge gewesen (DER SPIEGEL Nr. 16: 34-35 vom 16.04.2012). In Deutschland werden Paketdienstfahrer brutal ausgebeutet (ZEIT MAGAZIN 23: 14-23 vom 31.05.2012). 2012 gab es in Indien 13 Millionen Kinderarbeiter, die z. T. in Schuldknechtschaft lebten. Kinderarbeit in türkischen Haselnuss- und brasilianischen Kakaoplantagen beschert deutschen Haushalten preiswerte Süßwaren für das Fest der Liebe (DIE ZEIT 52: 21-23 vom 17.12.2014). Eingesperrte Indische Lohnsklavinnen schuften in der Textilbranche für einen Monatssold von umgerechnet 1 (einen) Euro (DIE ZEIT 13: 33 vom 22.03.2012); in China inhaftierte politische Dissidenten leisten für denselben "Lohn" Zwangs-Akkordarbeit, indem sie z. B. Christbaumschmuck für die BRD herstellen müssen (DER SPIEGEL 21: 96-97 vom 21.05.2012). DDR-Häftlinge mussten für westdeutsche Firmen Zwangsarbeit leisten (BR2 03.10.2013, 18-19 Uhr). Indische und nepalesische Gast-Sklavenarbeiter arbeiteten sich bei Tagestemperaturen bis zu 50°C in Katar zu Tode (DER SPIEGEL 40: 94 vom 30.09.2013). Bergarbeiter der südafrikanische Platinmine Lonmin bei Marikana erhalten monatlich umgerechnet Euro 400.- und zahlen für 5m² Wohnfläche in einer Wellblechhütte, in der es keinen Strom und kein fließendes Wasser gibt, Euro 50.- Miete (BR aktuell am 02.09.2012, 8.30-9 Uhr). Slum-Tycoons machen in Nairobi und anderen Megacities cash mit überteuerten Mieten für Schrotthütten (BR2 9-10 Uhr vom 13.09.2013). Die durch die Länder der Welt trampelnde Lohndrückerkarawane bewirkte, dass in China 80000 Lohnsklaven (i-slaves) für die Herstellung des iPod schuften; sie nächtigen in firmeneigenen Schlafsälen mit 2000 Stück Lagerplätzen (Sept. 2012); verständlich, dass wegen des Preisdrucks bei der Produktion Umweltbelange unberücksichtigt bleiben müssen. Im Petrodollar-reichen Saudi-Arabien müssen 1,5 Millionen eingesperrte Arbeitssklavinnen aus Äthiopien und dem Fernen Osten unter elendsten Bedingungen Hausangestelltendienste leisten (BR2 am 30.11.2012 von 9-10 Uhr). In einer Großschlachterei bei Waldkraiburg arbeiteten im Jahr 2012 Rumänische Lohnsklaven für einen Monatsgehalt von ca. 180.- Euro. Eine Baufirma ließ 8 Rumänen für 68 Cent/Stunde auf einer Baustelle in München arbeiten (SZ 143: R8 vom 25.06.2015). Lohnsklaven aus Schlachtfabriken in Niedersachsen nächtigten im Wald oder in Ställen (DIE ZEIT 51: 21-23 vom 11.12.2014). Tausende von Gastarbeitern, welche die Infrastruktur für die olympischen Winterspiele 2014 erstellten, wurden nach erledigter Arbeit größtenteils ohne Sold des Landes verwiesen. Billigstlöhner arbeiten in illegalen Schiffs-Abwrackbetrieben in Fernost, wo Standards betreffend Arbeitssicherheit, Entlohnung und Umweltschutz nicht eingehalten werden SZ 204: 36 vom 05./06.09.2015). Nach Daten der International Labour Organization (20.05.2014) werden jährlich 110 Mrd. Euro illegale Gewinne durch Dumpinglöhne und sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse erzielt - betroffen sind 21 Millionen Erwachsene und Kinder; neueren Schätzungen zufolge sind es sogar 36 Millionen Leibeigene (DER SPIEGEL 49: 100-102 vom 01.12.2014); Studien des Global Slavery Index zufolge sind es 45,8 Millionen Menschen, die wie Tiere auf einer Farm gehalten werden, obwohl Sklaverei - ausser in Nordkorea - verboten ist (SZ 124: 15 vom 01.06.2016). Und Achille Mbembe meint, dass die rassistische Komponente des Kapitalismus ("Menschenmaterial") immer weiter dafür sorgen wird, dass Versklavung weiter um sich greifen wird. Anstatt Lohnerhöhung setzen viele Arbeitgeber auf Gamification, das die Motivation steigern soll: so macht man Selbstausbeutung schmackhaft.
Schlussbemerkung: man setze in Gedanken anstelle eines Marshmallow die Weltressourcen und anstelle einer Testperson die Weltwirtschaft. Mit gutem Grund darf dann behauptet werden, dass die Weltwirtschaft diesen Belohnungsaufschub-Test, bei dem Verzichtsfähigkeit und Selbstbeherrschung geprüft werden, seit ihrem Dasein noch nie bestanden hat.
Der Treiber "non olet" - moralbefreiter Handel - verführt zu Waffengeschäften und zu intensiven und lukrativen Wirtschaftsbeziehungen zu diktatorischen Staaten und zur Festigung ihrer Unterdrückungssysteme. Terrorismus als Geschäftsidee (Shelley, Louise 2014: Dirty entanglements: corruption, crime and terrorism.- Cambridge Univ. Press). Die Profite aus gut entwickelter und organisierter Konfliktökonomie bewirken, das Kriege über lange Zeit finanzierbar bleiben (Konfliktforscher Prof. Phillipe Le Billon in DIE ZEIT 53: 28 vom 23.12.2014). "Non olet" führte auch am 21.07.2011 zur Versteigerung von Dr. med. Josef Mengeles Tagebüchern (ca. 3400 Seiten in 31 Bänden, die angeblich auch Gedichte und "philosophische" Betrachtungen enthalten) für 245000 Dollar in einem Auktionshaus in Stamford bei New York: eine nie dagewesene Obszönität und ein weiterer großer Schritt in Richtung eines ökonomisch-merkantilistischen Totalitarismus, in dem alles käuflich und straffrei schändbar sein wird. Peinlich die Einlassung von Politikern der frühen Grünen-Fraktion mit Oberst M. Gadhafi im Jahr 1982, als schon bekannt war, dass dieser ins Ausland geflüchtete Oppositionelle ermorden ließ (DIE ZEIT 46: 51 vom 10.11.2011). Es ist moralischer Wahnsinn, enge Wirtschaftsbeziehungen zum Reich der Mitte zu pflegen, in dem jährlich (2011) ca. 4000 Köpfe rollen (siehe auch: Yiwu, Liao 2011: Für ein Lied und hundert Lieder. Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. S. Fischer, Frankfurt a. M.; DIE ZEIT 11: 17-19 vom 07.03.2013), Sippenhaftung praktiziert wird und manipulationsbedingt die meisten das Gefängnissystem nicht erkennen können, in dem sie sich befinden (Hu Jia in SZ 124: 10 vom 01.06.2014). Es ist der Tod von Moral, Humanität und dem sozialen Prinzip, wenn Handel, Konjunktur, Wirtschaft, Utilitarismus und Geld Prioritäten gesetzt werden vor den Menschenrechten und der -würde (DER SPIEGEL 46: 138-141 vom 14.11.2011). Und wenn dem tatsächlich so ist, dann bedeutet dies zudem wirtschafts- und finanztechnische, transnationale Stabilisierung eines diktatorischen Systems. Die logische Folge davon ist, dass ein in diese politisch bedenkliche Richtung stabilisierend wirkender Staat sich nicht demokratisch-rechtsstaatlich nennen darf, solange er derart agiert; zudem kann eine in diese Richtung gesteuerte Entwicklung niemals Wille der Mehrheit von freien Bürgern eines Staates gewesen sein, dessen Vertreter ein externes Gewaltsystem stabilisieren helfen. Wirtschaftliche Gründe, Streben nach Wohlstand, Fortschritte in der Medizintechnik und ethischer Kollaps einer modernen Konsumgesellschaft sind es, die seit Jahrzehnten in indischen und chinesischen Kleinfamilien die Geschlechterselektion und den Femizid (selektive Abtreibungen, Genderzid, Mädchenmord) vorantreiben (DIE ZEIT 12: 23-24, vom 15.03.2012). Im wirtschaftlich desolaten Spanien blüht seit 2008 der Reproduktionstourismus DER SPIEGEL 19: 89-90 vom 06.05.2013).
Die Geschichte zeigt, dass fortschreitende soziale und materielle Spaltungen und Polarisierungen von Gesellschaften ihre Verletzbarkeiten insgesamt, auch auf der Seite der Wohlhabenden, erhöht; zwei Beispiele für die Gefährlichkeit des Guggenbergerschen Entschwindens der Wirklichkeit: die erste Begebenheit:
"Was, ihr habt kein Brot? Dann esst halt Kuchen!", rief zu Beginn der Französischen Revolution eine Adelige den Aufständischen in der Straße zu. Die zweite Begebenheit fand Anfang des 19. Jhds. in der reichen Gesellschaftsschicht Palermos statt: eine schon in die Jahre gekommene Adelige steht das erste mal in ihrem Leben in einer Küche und sagt: "ein schönes Zimmer ist das hier; aber könnt ihr mir sagen, wozu all diese Gegenstände gebraucht werden?".
Zur unverschämt-provokanten Behauptung "Gier ist gut" oder "Gier ist schön": nach Wiktionary ist die Gier zunächst ein übermäßiges, maßloses Verlangen. Wenn man z. B. - wie daselbst als Kind erlebt - wegen Krankheit vom Hausarzt drei Tage auf Nulldiät gesetzt war, wird man selbstverständlich in dieser Zeit immer gieriger nach Nahrung und verliert womöglich die Selbstbeherrschung, wenn man am dritten Tag im Bett liegend zur Mittagszeit wittert, wie Brathuhnduft durchs Haus wabert. Das ist ein Beispiel für natürliche, entschuldbare Gier als normalerweise lebenserhaltende und -stabilisierende Reaktion auf ein tatsächlich bestehendes Defizit, wie es fehlende/s/r Nahrung, Kommunikation, Geborgenheit, Freundschaft, Liebe, Information, aber auch Land, Besitz, Licht, Wärme, Freizeit, Natur, etc. sein können. Vorbildlich das junge Mädchen, das es in den bitterarmen Nachkriegsjahren zu Wege brachte, täglich die zur Schulspeisung erhaltenen Lebensmittel trotz großen Hungers für zuhause aufzubewahren, um sie dort mit ihren vier Geschwistern zu teilen. Entschuldbare, verständliche Gier nach Geld und Sachwerten wird provoziert, wenn man z. B. ungerechter Weise wissentlich und absichtsvoll nicht beachtet und übergangen worden ist, als Güter verteilt wurden. Gier nach mehr Geld wird auch dann selbstverständlich, wenn der Arbeitslohn zu gering und/oder der Arbeitsdruck zu hoch ist. Dem notgedrungen immer größer werdenden Handlungsdruck wird mittels Streik bzw. Verweigerung nachgekommen, wodurch der nötige Ausgleich erzwungen wird. Grotesk das zeitgleiche Nebeneinander zweier Millionenheere: bestehend einerseits aus zur Untätigkeit gezwungenen Arbeitslosen und andererseits aus gestressten, weil ausgebeuteten Arbeitnehmern. Gier kann die Daseinsqualität verbessern, wenn sie Forschung und Wissenschaft vorantreibt; da darf die Neu-Gier bzw. Wissens-Gier dann auch mal ruhig eine Zeitlang grenzenlos, unermesslich und maßlos sein, wenn sie Motor des Fortschritts ist, das Erforschte die Lebensqualität aller dauerhaft bessert und das Ökosystem nicht beeinträchtigt wird. Gier im Sinne von Unersättlichkeit ist Treiber sowohl des Fortschritts als auch der Zerstörung (Thomas Sedlacek: Die Ökonomie von Gut und Böse. Hanser Verlag, München). Gier wird dann problematisch, wenn die Verhaltensweisen und Handlungen, zu denen diese Form des "brain-pull" antreibt, unnötige Schäden oder problematische Veränderungen an Sachen oder Personen entstehen lassen: wenn der/die Gierige z. B. nicht aufhören kann zu essen, zu trinken, zu arbeiten, zu rauchen, zu perfektionieren, Sport zu treiben, promisk zu leben, einzukaufen (shoppismus) nach exklusiven Vorteilspreisen (Schnäppchen; der Schnapp des Tages) zu jagen (dumpismus), dem Glücksspiel sich hinzugeben, zu reisen (travellismus), Rauschmittel zu konsumieren, immer mehr zu gelten und immer mehr zu erwerben/raffen (Hab-Gier: mit niemandem teilen wollen: "Alles gehört nur mir ganz alleine.": das Dagobert Duck Syndrom). Aber das ist nur rücksichtsloses Abwürgen und Verdrängen anderen und des eigenen Lebens (siehe oben). Da nähert sich die unstillbare Gier der Sucht, die den Betroffenen selbst und sein gesamtes Umfeld gewaltsam schädigt. Das gilt auch für die auf den Welt-Finanzmärkten eingerichteten, ganz großen Geld-Akkumulations-Systeme: es gibt viel zu viele Millionäre und Milliardäre, die trickreich dieses System zu ihren Gunsten auszunutzen wissen, denen die unfairen Gewinne aber immer noch nicht genug sind und die davon nichts abgeben und mit niemandem teilen wollen; gut, dass die Gewinnspannen derzeit recht gering sind (DER SPIEGEL 23: 78-81 vom 04.06.2012). Nur wer wenig braucht, ist souverän (Nico Paech). Kein Vernünftiger braucht für sein bisschen Leben jemals so viel Geld. Kein Mensch kann während seines Erwerbslebens mit eigener Hände Arbeit jemals so viel Geld zusammengetragen haben. 1% der Menschheit nennt 40% des Weltkapitals sein Eigen (Dennis Gastmann 2014: Geschlossene Gesellschaft: Ein Reichtumsbericht). Das mit (sozial)marktwirtschaftlich sehr bedenklichen und unfairen Methoden (z. B. Spekulation, Investment) ergatterte Geld geht anderen ab. Geldmachen als Götzendienst: mehr und mehr haben wollen (Platos pleonexia). Es wurde inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass materieller Reichtum niemals endgültig glücklich machen kann, egal, wieviel man davon hat: es mindert das Glücksempfinden (SZ 49: 01 vom 01.03.2015). Wachsende Kapitalhäufen wie z. B. die Berge aus Geldsäcken und Goldbarren-Paletten in den Bankhäusern der Schweiz bedeuteten immer schon steigende Gefahr und Labilität, weil sie Begehrlichkeiten schüren, Risiken steigern und die Machtverhältnisse verzerren. Gleiches gilt auf der komplementären, der ausgebeuteten und verarmten Seite: wo Geld und Arbeitsmöglichkeiten weniger und die Lebensperspektiven der Desperados immer schlechter werden, gibt es immer mehr Kriminalität, Sektierertum sowie politischen und weltanschaulichen Extremismus; die Europawahl 2014, auf der Radikale und Populisten triumphierten, kann hierfür als Beispiel gelten. Das ist unvernünftig und es darf nicht sein, dass ein dereguliertes Weltfinanz- und -wirtschaftssystem immer mehr Risiken erzeugt sowie soziale und politische Sprengsätze in Serie zündet. "Der Kapitalismus handelt nur nach den Geboten kältester Zweckmäßigkeit (Carl von Ossietzky). Kapitalismus würgt, wenn es sein muß, schnell und zuverlässig den Verbündeten von gestern ab und fusioniert mit dem Feind (SZ 18: 49 vom 23./24.01.2016). Wirtschaft und Geld sind für dem Menschen da und nicht umgekehrt. Erfreulich, dass inzwischen der Verein "Kritische Aktionäre" und Initiativen wie "demokratische Banken"/"ethisches Investment" gegründet worden sind. Es ist höchste Zeit, das für alle schädliche und labile, nach oben offene Akkumulationssystem in ein stabiles Suffizienzsystem mit Sättigung umzubauen (Wuppertal Institut; Tim Jackson 2011: Wohlstand ohne Wachstum. Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt. oekom Verlag, München). Diese Begrenzung gilt selbstverständlich auch für die fortschreitende Ökonomisierung / Vernutzwertung der Natur (Bsp.: Erteilung von Patenten auf gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere). "There are enough resources in the world for everybodie's needs, but not for everybodie's greed" (Mahatma Ghandi). Soviel zur gier-, geld- und machtgetriebenen Weltwirtschaft. Wie angenehm, dass kein Wirtschaftssystem dieser Welt jemals die Produkte meiner Kreativität vernutzwerten kann. Erfreulich die ZEIT KONFERENZ "Moral & Ethik - Perspektiven unternehmerischer Verantwortung" am 06.05.2013 in Stuttgart; ebenso die stärker werdenden Rufe nach einem Wirtschaftsethikrat, der Bildung politisch und weltanschaulich neutraler Verantwortungseliten und einer Orientierung am Gemeinwohl (DIE ZEIT 18: 60 vom 25.04.2013). Unkontrolliertes Wachstum kann nur im Systemkollaps enden, weil zumindest das Element der Nachhaltigkeit fehlt. Einer solchen Katastrophe wird in einer makabren Bilderstrecke Ausdruck gegeben, wo Hundshaie, Delphine und Seevögel einen großen Stachelmakrelenschwarm zur Gänze auffressen (GEO 07: 56-57, 2013). Es bedrückt, dass staatliche Organe ihrer gesetzlich festgelegten Schutzverpflichtung zum Erhalt der Lebensgrundlagen seiner Bürger nicht mit ganzem Willen nachkommen.
Das System wird dann zugrunde gehen, wenn Moral, Humanität und Recht ökonomisiert und mit diesen gehandelt werden können.
- In der Werbe- und Konsumwelt wird zwecks Marketing mit allen erdenklichen, auch unfairen, weil das Unbewusste ansprechenden, raffinierten psychologischen Tricks und massiver Manipulation versucht, bei möglichst vielen Menschen gute Laune und Kauflust zu erzeugen und diese zu steigern ("kaufe mich!", "ich kost fast nix!", schallt es froh von allen Seiten); mit dem peinlich-trivialen Ziel, dass Repräsentanten diverser Zielgruppen möglichst viele und teure, emotional durchdesignte Objekte oder Dienstleistungen ordern, egal, ob sie von Nutzen sind oder überflüssig oder nur Luxus. Dumm-Mottos: "Kauf Dich glücklich!", "Iss mehr, wieg weniger!", "Wer will, der kriegt!", "Klick Dich reich!", "Du darfst!", "Genug gefastet!", "Blumen sind nett, aber Rasen ist geil!", "Kauf viel, spar viel!", "Wir bauen für Sie!", "Shopping. Immer. Überall", "Eigen. Will ich.". "Wir sind nur für Sie da!", "Preise, die süchtig machen"; "Preise, die richtig Spaß machen!". Die Erfüllungszwänge solcher in Serie in die Gehirne gepflanzten, fremd-stimulierten Pseudo-Bedürfnisse (erzeugt durch kaufimpuls-gebende unbewusste Gedanken oder Assoziationen an Kompensation, Abgrenzung, Status, Geltung, Selbstaufwertung, aber auch Dazugehörigkeit, Dabeisein, Konformität, optimale Distinktion, Angst vor Entindividualisierung, etc. pp.) führt nicht selten zu privater Verschuldung; nach Statista ereigneten sich 2014 in der BRD 115.269 Privatinsolvenzen. Das Dauerbombardement aggressiver Werbung: alles und noch mehr wird getan, damit das Konsumklima tropisch-heiß bleibt und der Kaufrausch möglichst lange anhält; siehe auch DIE ZEIT 18: 21-22 vom 26.04.2012. Die Konsumforscherin Lucia Reisch nennt das emotionale Konditionierung der Verbraucher in einem schnellebigen Markt mit raschen Produktzyklen, was jedoch die Häufigkeit des Wegwerfens noch funktionierender Geräte erhöht (DIE ZEIT 27: 56 vom 26.06.2014). Das vom PR-Strategen Edward Bernays entwickelte social engineering - Schaffung von Übereinstimmung und Appellieren an unbewusste Wünsche - zur Steuerung von Menschenmassen wird inzwischen global mit großem Erfolg angewandt; das ähnelt einer "restlosen Mobilisierung menschlicher Dummheit" (Kurt Schumacher). In der angeblich legendären Luxuseinkaufsstraße Fifth Avenue in New York haben die Läden an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang geöffnet (SZ 174: 20 vom 31.07.2014). Unfair die mit Sex kombinierte Werbung, weil dadurch das Dopamin-gesteuerte Belohnungssystem im Gehirn angeregt wird, ein hoher, Hormon-gesteuerter Impuls zur sofortigen Bedürfnisbefriedigung zu wirken beginnt, der riskantes Kaufverhalten fördert und vernünftige Kritikfähigkeit sowie abwägendes Verhalten bei Vielen vorübergehend mindert oder gar abschaltet. Ebenso unfair ist die Werbung mit Kindern (z. B.: Vögel gucken mit Papa. Paris ab Euro 89.-). Noch unfairer die von der Lebensmittelindustrie geförderten Forschungen, die auf eine ganz und gar unnötige Steigerung des Verzehrs von Lebensmitteln hinwirken, indem man den Produkten Substanzen mit suchterzeugendem Potential wie Fett, Zucker und Salz u. a. feindosiert beimengt (DER SPIEGEL10: 122-130 vom 04.03.2013; Moss, M. 2013: "Salt Sugar Fat. How the food giants hooked us". Random House New York). Entsprechend genannter weltanschaulicher Organisation nutzt die Lebensmittelindustrie Schwachstellen in den Gehirnen von Kindern und Erwachsenen profit- und machtorientiert aus (DIE ZEIT 20: 15-17 vom 08.05.2013). Es ist nur unmoralisch, alkoholische Produkte zu bewerben, durch deren Konsum in der BRD jährlich 74000 Personen elend sterben und wegen deren Wirkung jährlich 59800 Gewalttaten geschehen (1,3 Mio Alkoholabhängige deutschlandweit; SZ 116: 01 vom 22.05.2015; Apotheken Umschau 15.09.2013: 22-26). Indem Werbung bei vielen Personen immer mehr Aufmerksamkeit bindet, mindert sie die freie Lebenszeit des Individuums; weil Werbefirmen jedwede Informationen über das Individuum sammeln und zu nutzen versuchen, zeigen sie ihre politisch-problematische Dimension, die jener von Geheimdiensten ähnelt: Kontrolle, Verlust von Privatsphäre und Grundrechten (DER SPIEGEL 32: 102-103 vom 05.08.2013). Die Exposition gegenüber den wild und frei agierenden Mächten viraler Werbung führt zur beschämenden Degradation nicht weniger Menschen zu fremdgesteuerten Konsumenten bzw. manipulierten Verbrauchern. Politik und Justiz sehen dem Erwachsenen- und Kindermarketing, dem konsumlastigen Umbau ihrer Gedanken-, Wunsch- und Gefühlswelten und dem Mißbrauch von Kinder- und Erwachsenenmärchen einfach nur zu; von Konsumkompetenz, Konsumenten- und Verbraucherschutz ist da keine Rede mehr. Das entspricht einer Entwürdigung, da der freie Wille auf diese Art gewaltsam eingeschränkt wird. Manipulation ist eine sehr effiziente Art von Erzeugung flächendeckender und nachhaltiger Blödheit. Das ist Gewalt; Mißbrauch von Erkenntnissen aus Biochemie, Psychologie und Gehirnforschung. So was tut man einfach nicht, weil es unmoralisch ist; erfreulich die Erkenntnis, dass das "Neuromarketing" nur ein abstrakter Begriff bleiben wird. Ich bin der Ansicht, dass die Lebens- und Genussmittelindustrie einen Teil ihrer Gewinne aus dem Verkauf von Tabak-, Zucker- und Alkoholwaren aus trivialen, sehr leicht ersichtlichen Gründen an die Krankenkassen und das Gesundheitswesen abzugeben hat. Das gilt auch für diverse Kneipen und Gaststätten, die mit dem slogan "all You can eat/drink" werben und auch für alle Fleisch- und Würstlbarone. Nach Befunden von Marco Evers hat die Tabakindustrie 100 Millionen Menschen auf dem Gewissen, die sie im 20. Jhd. durch Bewerben zum Konsum ihrer gesundheitsschädlichen Produkte verführt hat (DER SPIEGEL 07: 128 vom 10.02.2014). Weil die Erlöse derzeit in den reichen westlichen Staaten sinken, begann die Tabakindustrie in Malawi, Simbabwe, Sambia und Mozambique zu punkten: in diesen armen und finanziell abhängig gemachten Tabak-Anbauländern, die das internationale Abkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums nicht ratifiziert haben, lässt man immer mehr und immer billiger von Sklaven und Kindern Tabakpflanzen herstellen, verarbeiten und bewirbt mangels Nichtrauerschutz erfolgreich die Produkte (SZ 139: 38-39 vom 18./19.06.2016).
- In der Film-, Werbe- und Modewelt werden wegen lockender lukrativer Geschäftsmöglichkeiten mit der Vermarktung eines Schönheitsideals elfengleiche, junge und noch hoffnungsvolle, weil unerfahrene Menschen mit utopischen Versprechungen (Traumkarriere, Ruhm, Freiheit, Wohlstand, Geld) angelockt, rekrutiert, brutaler Selektion/Musterung (Casting) nach fragwürdigen Kriterien unterworfen und manipuliert ("Du solltest noch ein wenig abnehmen, dann können wir weiterreden, my darling"; "Du musst nach New York zum photoshooting, sweetheart"). Oft schieben törichte Eltern dabei mit an. Wegen der zu erreichenden itsy-bitsy-Mannequin-Idealmaße von Übermorgen werden monate-, oft jahrelange selbstquälerische, gesundheitlich riskante Abmagerungskuren, kombiniert mit anstrengenden Trimmaktionen ausgeführt, die nicht selten zu körperlichem Ruin, schweren seelischen Erkrankungen (Anorexia nervosa, Depression) und mitunter auch zum Tod durch Verhungern führen. Die selektierten, auf unschuldig-kindlich oder sinnlich gestylten oder sexy gepuschten Models werden dann im Idiotenkarussel der Werbe-, Film- und Modebranche so lange benutzt, bis sie verbraucht sind, rausgeworfen und - wie Sachen - ersetzt werden. Das Model-Business und die "Schönheitsindustrie" (Trendsetter, Model-scouts (Späher), Vermittler (Menschenhändler) bei Model-Imperien, Medien, Werbeagenturen, Modelschulen, Modefirmen, Haarstudios, Fotografen, Dekorateure, Schönheitssalons) machen gut Kasse. Die jungen Menschen, von denen einige auf diese Art ihr Studium finanzieren wollen, bekommen am wenigsten. Und die Foto- und Erotik-Shootings verbessern nur die Auflage der Zeitschriften, fast nie die eigene Karriere; sie bedeuten zudem Verlust der eigenen Image-Kontrolle: denn von solchen veröffentlichten Bildern kann sich später fast niemand mehr emanzipieren, weil man - freilich mit Genuss und Schadenfreude - immer wieder darauf reduziert wird (DIE ZEIT 14: 17-19 vom 29.03.2012). Nix wars wieder mal mit der versprochenen Himmelfahrt ins Kapital und ins ewige Glück. Das ist nur moderne Sklaverei, Mißbrauch Abhängiger, Ausnutzung und verwerfliche "Utilitarisierung von Humanressourcen". Siehe auch GEO 12: 92-106, 2011. Die provozierenden, durch die imageformenden Medien und Blätterwälder der Welt gejagten Hochglanzbilder von Topstars, Cover- und Glamourgirls sowie Supermodels samt ihren frisierten Stories kränken und frustrieren einerseits Millionen Leser und schaffen andererseits vollkommen falsche und schädliche Vorbilder bei vielen Jugendlichen. Löblich die leider nur wenigen Zeitschriften-Redaktionen, die sich trotz Auflagenminderung inzwischen weigern, Fotostrecken blasser, magersüchtiger Models auf ihre Seiten zu setzen: Bilder von Körpern, an denen zu erkennen ist, wie sich ihre Skelette von innen immer weiter nach aussen herausarbeiten und aus deren Augen Hunger nach Essen und Sehnsucht nach ehrlicher Anerkennung schreien. Der den Mädchen und jungen Frauen suggerierte Lebensinhalt, anderen gefallen zu wollen, ist sinnlos, entwürdigend, idiotisch und schreddert das Selbstwertgefühl dieser Zielgruppe (DER SPIEGEL 13: 146-147 vom 25.03.2013). Es ist seltsam irritierend, dass viele Modegurus diese menschlichen Katastrophen seelisch unberührt lässt. Siehe auch: Sara Schätzl (2015): Hungriges Herz. Mein Leben mit der Bulimie; 280 Seiten; Schwarzkopf & Schwarzkopf. Laurie Penny (2012): Fleischmarkt. Der weibliche Körper im Kapitalismus. 128 Seiten, Edition Nautilus; -- (2015): Unsagbare Dinge. Es kann nur gerecht sein, wenn auch in dieser Sparte wegen des Verursacherprinzips die Firmen der Mode- und Werbewelt und die willigen Verbreiter und Verstärker ihrer "Botschaften" an den Gesundheitskosten betreffend die Heilung von Bulimie, Depression, Zwang, Anorexie, etc. beteiligt werden.
- Im Schulwesen sind es die unmittelbar geltenden Leistungs-, Bewertungs- und Selektionsgrundsätze, die gesellschaftliche Teilspaltungen und Polarisierungen erzeugen: diese Treiber führen zur Ausgrenzung Behinderter (daran wird auch der Inklusionsgedanke wenig ändern), zur Gründung von Eliteeinrichtungen im Rahmen sogenannter "Hochbegabten- und Exzellenzinitiativen" und zur sogenannten "Restmüllschule" (ehemals Hauptschule); sie erzeugen Scheinüberflieger (beängstigend flexible Auswendiglerner mit Gummirückgrat und Papageienwissen: die "Schtrebabazn", die ekligen Vorteilsammler mit ihrem Aasgeruch), aber auch wegen überzogener Strenge, mangelhaftem bis ungenügendem pädagogischem Geschick, zu viel "Stoff" in viel zu kurzer Zeit Scheinversager. Ca. 300000 Schüler verweigern in der BRD den Unterricht (DER SPIEGEL 38: 54-60 vom 16.09.2013). G8: Durchpeitschen der Lerninhalte ohne Rücksicht darauf, ob das alles verstanden wurde. Ungesunde Hektifizierung. Versagensangst und Stress wegen übersteigerter und irrealer elterlicher Erwartungshaltungen: derzeit treten zwischen 50% und 80% nach der 4. Klasse ins Gymnasium über (zu meiner Zeit (1968) waren es ca. 10%), aber von denen kommt nur ein Drittel bis zum Abitur. Teure Nachhilfeeinrichtungen werden von finanziell besser gestellten Erziehungsbefohlenen an den Wochenenden und in den Ferien überrannt; das ist unfaire Vorteilnahme gegenüber den finanziell Schwächeren. Ödes Nachoxen und Nachbüffeln; siehe auch DER SPIEGEL 17: 32-40 vom 22.04.2013. Auswendig-Lern-Bulimie. Überforderung. 2015 gaben nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung Eltern in der BRD für Nachhilfestunden ihrer Kinder 879 Millionen Euro aus, aber auch dafür, dass gute Leistungen ihrer Kinder noch besser wurden; das entspricht jedem 7. Schüler zwischen 6-16 Jahren, also insgesamt 1,2 Millionen Schülern (SZ 22:06 vom 28.01.2016). Nach einer Testphase werden im G8 inzwischen alle Schüler funktionalisiert für das derzeitige marktwirtschaftliche System, wogegen immer mehr Eltern, Lehrer und Mediziner Einspruch erheben (SZ 161:03 vom 16.07.2014). Weil das Personal des KM es bis 2012 nicht für nötig hielt, die Lehrinhalte einem Effizienzscreening zu unterwerfen und sie rechtzeitig und angemessen anzupassen und zu entrümpeln: Schimpansium statt Gymnasium. Der Schraubstock: Pausenlos abzuschreibende, vollgekritzelte Tafeln bzw. überladene Projektionsflächen. Wundgeschriebene Finger; vollgeschmierte Schulhefte; keine Zeit mehr für sich selbst oder zum Spielen oder Gedankenaustausch mit Freunden (DIE ZEIT 12: 75-76 vom 15.03.2012). Schulbücher werden in der BRD nur selten auf Lernwirksamkeit überprüft; Lehrer vertiefen sich zu selten in die Verständniswelten der Schüler/-innen (GEO 05: 82-100, 2013). Megafrust, Verständnislosigkeit, Langeweile; millionenfaches Blicken auf die Klasszimmeruhr: "...wann isses endlich aus?". Artikel 31 der UNO-Kinderrechtskonvention: "Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße Erholung". Viele Erziehungsbeauftragte können immer noch nicht vermitteln, was der tiefere Sinn des Wissenserwerbs ist; sie versäumen es, echtes Interesse und Freude am Lernen zu wecken und verhindern dadurch, dass die gebrachten Lerninhalte nachhaltig in den Langzeitgedächtnissen abgespeichert werden, damit sie sich später weiterentwickeln können. Gewalt, Einschüchterung und Unterdrückung vernünftigen Lernens und Wissenserwerbs durch rücksichtsloses Tempomachen, um den Lehrplan durchzuboxen und den Ansprüchen der Vorgesetzten zu genügen; egal, wie es den Erziehungsbefohlenen dabei ergeht, zu hohen Anforderungen und verzweifelte und frustrierte, in die Depression getriebene Scheinversager: brainwaisting. Die ängstigende Ödnis und Eisesleere der Leistungsgesellschaft zerstört jede positive Kreativität und proliferiert Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Opportunismus; Schüler sind keine Lernautomaten. Solide und nachhaltige Wissensvermittlung kann doch nur in einem positiven, erfreulichen und entspannten Lernklima stattfinden. Pädagogen sollten doch ihre Zöglinge mögen; nur so wird garantiert, dass die gebrachten Inhalte ins Langzeitgedächtnis gehen. Oft oder gar permanent schlecht gelaunte Pauker haben in dieser Hinsicht eine verheerende Wirkung, weil sie mit ihrem unsympatischen Verhalten in den Schülern Lernwiderstände erzeugen, die Inhalte nicht im Langzeitgedächtnis verankert werden und stets mit negativen Assoziationen verknüpft bleiben. Einen größeren Schaden kann man Schülern und dem kulturellen Fortschritt insgesamt nicht zufügen. Drei- bis vier Wochen weniger Ferien pro Jahr würde den durch das G8 entstandenen Zeitstress für Schüler und Lehrer wesentlich entschärfen; aber diese sinnvolle Maßnahme wird durch die staatlichen Sparmaßnahmen und die Tourismusindustrie verhindert. Entscheidend für den Lernfortschritt ist nach Meinung des Lernforschers John Hattie (Lernen sichtbar machen, Schneider Verlag 2013): Ein fehlerfreundliches Lernklima und die ständige Prüfung der Wirksamkeit des Unterrichtsstils und seine permanente Selbstkorrektur (DIE ZEIT 19: 36 vom 02.05.2013). Lange Zeit durfte im Schulunterricht erst der Griffel und dann der Füllfederhalter ausnahmslos nur mit der rechten Hand geführt werden. Und es gibt sie immer noch und sie entstehen immer wieder neu: 1) Schulen - z. T. konfessionsgebunden - mit nach Geschlechterzugehörigkeit sortierten Jugendlichen (Murnauer Tagblatt Nr. 215; 17.-18.09.2011; Seite 7; DER SPIEGEL 38: 66 vom 19.09.2011), obwohl Konfessionsschulen in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach einem durch Dr. Hildegard Hamm-Brücher initiierten Volksbegehren in Bayern von Gemeinschaftsschulen offiziell abgelöst wurden; 2) die in der oberlehrerhaft-arroganten, generalisierenden Wertung gipfelnde Aussage: Lehrer klug - Schüler dumm: unter diesen Voraussetzungen kann niemals eine gute Beziehungsqualität zwischen Schülern und Lehrern entstehen. Zudem: Das G8-Abiturwissen reicht oft nicht an der Universität, weshalb angehende Studenten zusätzlich immer öfter Nachhilfe nehmen (DIE ZEIT 20: 65 vom 08.05.2013). Die meisten Schüler wollen nicht abgerichtet werden, damit sie "besser funktionieren", sondern in einem freundlichen Lernklima die Fähigkeiten zu Gestaltern erwerben. Ausserdem: Die Vermittlung der Werke von Koryphäen in Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften im konfus-verwässerten G8-Schnelldurchlauf entspricht nur einer massiven Herabwürdigung ihrer Arbeiten, Erkenntnisse und Lebenswerke.
-Im universitären Lehr- und Forschungswesen ist es u. a. der Trend hin zu computergestützten Modellrechnungen mittels mathematischer Programme. Eingegebene Daten und Faktoren können unterschätzte oder ignorierte Risiken bedeuten und zu Bewertungen, Rahmenbedingungen und Prognosen führen und Planungsrichtungen empfehlen, die sich im Nachhinein als problematisch, schädlich, gefährlich oder besonders kostspielig herausstellen. Der Treiber "publish or perish" führte zur vernichtend dummen Aussage, dass "..die Publikation wichtiger ist als die Wahrheit" (DER SPIEGEL 27: 128-129, 04.07.2011). Es ist so peinlich wie bei Schulaufsätzen: die Qualität der Inhalte und nicht die Quantität - Seitenzahlen / Anzahl der Publikationen - ist entscheidend.
"Viel arbeiten - wenig publizieren." (Serologe Paul Ehrlich *1854 †1915). Ca. 200 Milliarden Dollar wurden 2014 für Sinnlos-Studien und entsprechende Publikationen in der Biomedizin verbraten (DER SPIEGEL 40: 114 vom 26.09.2015). Schlecht bezahlte Zeitverträge - z. T. Viertelstellen - in Serie bewirken, dass akademische Koryphäen abwandern, weil sie an den Universitäten keine ökonomische Perspektive erreichen können (DIE ZEIT 50: 37 vom 04.12.2014). Das 2007 eingeführte Wissenschaftszeitvertragsgesetz entpuppte sich als Katastrophe. Akademisches Prekariat: Doktoranden arbeiten an der Münchner Kleintierklinik unter sittenwidrigen Arbeitsumständen: ihre Arbeitszeiten werden nicht dokumentiert und sie erhalten ca. Euro 10.- pro Monat Lohn (SZ 42: R1 vom 20.02.2015). Akademischer Kapitalismus macht sich breit, indem Unternehmen die finanzielle Unterversorgung von Universitäten durch den Staat ausnutzen. Universitätspersonal lässt sich von Unternehmen finanzieren und verrät die unabhängige Wissenschaft, indem es bestellte Expertisen, Studien und Gutachten nach vorgegebenen Resultaten liefert: die Hochschulen laufen Gefahr, Sklaven der Wirtschaft zu werden (DIE ZEIT 11: 75 vom 12.03.2015); hier bewirkt fortschreitende Ökonomisierung und Utilitarisierung, dass Geld wichtiger geworden ist als objektive wissenschaftliche Erkenntnis. Zwischenfazit: Aus den Universitäten kann nur dann wirklich etwas werden, wenn das Forschungs- und Lehrpersonal keinerlei Interesse hegt an Geld, Macht und Karriere, sondern nur an Wissenschaft, Verantwortung und positiver Kooperation. Investitiert wird in Forschung nur mehr in Bereichen mit hoher kurzfristiger Nutzenerwartung; der Rest verkümmert. Universitäre Querdenker erhalten Förderungsabsagen, Standard-mainstreamer Zusagen (SZ 14: 14 vom 19.01.2015). Das ist das Ende der Freiheit, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Wissenschaften (DIE ZEIT 32: 13-17 vom 01.08.2013): auch wegen der Käuflichkeit moralisch minderwertiger Akademiker, die des Profites und des Vorteils wegen ihren Namen hergeben für einseitige oder gefälschte Publikationen. Es darf an den Universitäten keine staatlichen Forschungsvorgaben, Vernetzungen mit der Wirtschaft oder Drittmittelabhängigkeiten geben. Der Zwang zur Veröffentlichung überraschender oder spektakulärer Ergebnisse zum Zwecke der Selbstdarstellung als Wunderkind bzw. zweiter Einstein auf dem Goldtablett verleitet zur Präsentation gefälschter wissenschaftlicher Ergebnisse (DER SPIEGEL 35: 122-124 vom 27.08.2012). Der Zwang zum erfolgreichen Fundraising verführte oft schon zu geschönten Darstellungen geplanter Projekte und zu frisierten Präsentationen vorläufiger Ergebnisse, damit zu Fehlleitungen und Verschwendung von Mitteln, die das Erreichen tatsächlich wichtiger Ziele verzögerten oder verhinderten. Der Bologna-Prozess - eine zwischen 1999 bis 2010 durchgeführte und Studienreform genannte Maßnahme zur Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraumes bedeutet: Verschulung des Studiums, Schmalspur-Studium, engmaschiges Netz an Prüfungen und Praktika, enger und vollgestopfter Studienplan, Förderung von Punktesammelmentalität: Erwerb von Credits genannten Leistungspunkten in einem modularisierten Studium, Abwürgung ausseruniversitären Engagements, Einschränkung selbständigen Denkens, Zeitdruck (>40 Stunden Woche), Streberei, Karrieredenken, Mobbing unter Studenten (selbst erlebtes Beispiel: "Ich denke, es ist Zirkon. Was erkennst Du unter dem Mikroskop?" "Ich sehe da nur ein bißchen Schmutz"). Datenflut, Fachidioterie und kein gesellschaftliches, politisches oder familiäres Engagement und keine Querdenkerei mehr, ökonomisches Effizienzstreben, Mainstream- und Konformitätsorientierung, indirekte Förderung von Materialismus und intellektuellem Mittelmaß, Degradation der Bildung durch ihre Ökonomisierung, Verlust von Kreativität und freiem Forschergeist, Kollektivismus, Verlust an Sciodiversität, gewaltsame Komplettschredderung des Humboldt'schen Bildungsideals (ZEIT ONLINE, Bologna-Prozess: Macht Studieren dumm? Studium http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess).
Es ist doch wirklich so: Zeitdruck - "fertig werden müssen" - tötet originales Forschen, Ausprobieren und würgt die Entwicklung eigenständiger Thesen restlos ab: wer nicht rechtzeitig durch den Schornstein geht, der taugt angeblich nichts. Nahezu jeder dritte Studierende brach 2014 das Studium ab (DIE ZEIT 53: 67 vom 23.12.2014). Sehr viele Studenten wollen ihre Persönlichkeit entwickeln, einen breiten Wissenshorizont erwerben und nicht zu Robotern abgerichtet werden (DIE ZEIT 20: 66 vom 08.05.2013). Ausserdem: kein demokratischer Staat kann ernsthaft damit zufrieden sein, ein Bildungssystem eingerichtet zu haben, das Schul- und Universitätsabsolventen erzeugt, die nur egoistisch, unreif und völlig angepasst sind; von oberster Stelle abgesegnet werden hierbei Steuergelder mißbraucht, um ein Heer unpolitischer junger Menschen heranzuziehen, die keine Fragen zu stellen und im Wirtschaftsbetrieb reibungs- und alternativlos zu funktionieren haben; das ähnelt dem "funktionalen Menschen", den Imre Kertész erkannt hat: "...Einmahlen und Einsaugen eines Menschen in einen Mechanismus, wodurch er sich dadurch so sehr verändert, dass er sich und sein Leben nicht mehr wiedererkennt, weil er sich selbst verloren hat" (DIE ZEIT 38: 47-48 vom 12.09.2013); diesen Vorgang hat der Künstler Wolfgang Lettl im Werk "Röhre 1988" bestens visualisiert. Ich wiederhole: Die Ödnis und Leere der Leistungsgesellschaft tötet jede positive Kreativität und Individualität. G8 und Bologna-Reform ähneln rücksichtsloser kommunistischer Planwirtschaft. Der Soziologe Christian Dries spricht von einer Demontage der Wissenschaft (SZ 103: 02 vom 06.05.2015). Der Philosoph Odo Marquard meint, dass in einer sich immens rasch wandelnden Zeit, die ein immer weiteres Auseinanderdriften von Erfahrungswelt und Zukunftserwartung bedingt, Lebenshaltungen wie Skepsis, Langsamkeit, Reflexion und Vergänglichkeitsbewusstsein unerlässlich sind (SZ 108: 12 vom 12.05.2015). Forschen, Lehren und Publizieren unter wachsendem finanziellen, zeitlichen, bürokratischen und personellen Druck: Nur 7 Wissenschaftler von Zehntausenden brachten die akademische Misere auf den Punkt: "Wir können das nicht verantworten." (DIE ZEIT 24: 59-61 vom 11.06.2015).
Schon Jahre vor dem Start genannter Studienreform hörte ich statt "Wie kann ich Ihnen helfen?" oder "Wo liegen Ihre Probleme?" oder "Wann sollen wir uns wieder besprechen?" immer nur "Wann geben Sie endlich ab?". Braucht man zu lange, weil man keine Unterstützung hat, falsch instruiert und alleine gelassen wird und mit den Problemen überlastet ist und nicht klar kommt, folgt automatisch Spott, Mobbing und Isolation: durch die Fakultätsflure schwirrt und wabert das Geschwätz, giftige Genatter und dreckig-zynische Gehünde vom Faulpelz und/oder Dilettanten und/oder Dummkopf, der an seiner Misere angeblich nur selbst Schuld hat; aber das ist nur "blaiming the victim". Ich selbst habe erlebt, dass in einer dieser Universitätsfakultäten versucht wurde, eine absolut ernst gemeinte, geduldige und an die Grenzen physischer und psychischer Belastbarkeit gehenden Suche nach der Wahrheit mit allen Mitteln zu verhindern; wie schade. Schändung der Prinzpien von Albertus Magnus: Neiddenken, Mißachtung, Egoismus, Arroganz, Geltungssucht und Niedertracht - die Ingredienzien törichter akademischer Ränkespiele - , Dumm-, Faul-, Träg- und Befangenheit sowie Gleichgültigkeit bei einem nicht unerheblichen Teil des Universitätspersonals verhindern oft die Förderung, Integration und Empfehlung begabter Studenten, Doktoranden und externer Wissenschaftler (braindumping, Unterdrücken, Gleichmachen: selektive Exklusion). Sie sorgen beharrlich und mit großem Erfolg dafür, dass garantiert nichts besseres nachkommt und niemand sich entwickeln kann, der sie in ihrer ganzen Blödheit entlarven könnte. Negativselektion. Das ist absichtliches Verhindern kulturell-wissenschaftlichen Fortschritts. Zitierkartelle, Lobbyismus und miserables Reviewing bremsen den wissenschaftlichen Fortschritt und vermüllen diverse Fachzeitschriften mit belangloser, wertloser und/oder falscher und/oder tendenziöser Information. Viele der von einer Millionenschar von Steuerzahlern ernährten Wissenschaftler -- selbsternannte, stolz einherschreitende und herabschauende, eitle, besserwisserische und neunmalkluge, sich für blitzgescheit und apriori überlegen haltende, schnoddrige Herrenmenschen mit einschüchternden Herrscher- und Eroberer-Gesten sowie bisweilen seltsamen Allüren -- verbergen sich nicht selten elitär-arrogant hinter ihrer oft absichtlich komplizierter als notwendig gehaltenen Fachsprache; dieses herablassende Gebaren - ein furchtbares, ekelhaftes Gewaltgehabe - frustriert, erniedrigt und demütigt eine große Zahl wissbegieriger und aufgeweckter "Normalsterblicher", die sie mit jedem ihres geschraubten Bandwurmsatz-Geschwurbels merken lassen, wie dumm und ungebildet sie eigentlich sind: Veräppelung ihres Anrechts auf verständlich gebrachte Information. Der verheerende Kollateralschaden ist ausserdem, dass der Dummheit Vorschub geleistet wird: denn viele der auf diese Art Frustrierten verabschieden sich endgültig vom Mehr-Wissen-Wollen. Logisch, dass Akademiker dieser Sorte zur Kompensation ihrer Minderwertigkeitskomplexe verwerfliche Gewalt - Verbalsadismus, überzogene Strenge sowie sexuelle Übergriffe/Nötigungen - gegen Studenten und Studentinnen ausüben. Defizite in der Vermittlung moralischer Werte, ökologischer Zusammenhänge und mangelnde bis fehlende Interdisziplinarität (hochgradig versäulte Elfenbeintürmlerei) an vielen Universitätsfakultäten sind Ursache, dass diplomierte Einser-Fachidioten ihr akademisch-technisches Wissen in Wirtschaft und Grundlagenforschung bedenken- und bedingungslos anwenden, nur um schnell cash und Karriere zu machen. So z. B. Rohstoffgeologen, die ihrer Explorationstätigkeit immerfort willig, sorgfältig und allzeit bereit nachkommen, egal wofür die neu entdeckten Bodenschätze verwendet werden. So ist es im 20. Jahrhundert auf diese Art tatsächlich möglich geworden, so kurz mal übers Wochenende über den Nordatlantik zum shopping und Amusement nach New York zu jetten. Es ist absurd, schädlich und schimpflich, dass es derzeit gar keine Rolle zu spielen scheint, wofür mühevoll gesuchte, riskant geborgene, gefahrvoll transportierte und aufwendigst veredelte Produkte verwendet werden; Hauptsache, sie werden verkauft. Non olet. Noch nie kam von den Rohstoffexploratoren und -produzenten die entscheidende Frage an den Verbraucher oder die verarbeitende Industrie, warum Rohstoffe in solch absurd riesigen Mengen benötigt werden und für welche Zwecke? Und noch nie erfolgte die Reaktion der Exploratoren: "Ja aber dafür explorieren und produzieren wir nicht, weil das nur Verschwendung ist und diese der Nachhaltigkeit und der Umwelt schadet".
In Gedanken nochmal zurück zur unerlässlichen Freiheit und Unabhängigkeit - Garanten einer offenen Gesellschaft - von Lehre und wissenschaftlichen Forschens an der Universität:
Wie kann es sein, dass an einer Universität mitdem Prädikat "Elite" die Fakultäten Nr. 1 und 2 von Katholischer und Evangelischer Theologie eingenommen werden? An einer Universität wird - parallel zu den Geisteswissenschaften - in den Naturwissenschaften nach Erkenntnis und Wahrheit gesucht und dieses daraus entstandene erkenntnisbasierte Wissen sorgfältig vermittelt. In genannten Fakultäten - deren Erstplatzierungen innerhalb der 20 Fakultäten kein Zufall ist - hingegen werden nur Dogmen - vorgegebene "Wahrheiten", die bekannterweise die Offenheit von Gesellschaften einschränken - verbreitet, mittels denen erkenntnisbasierte Wissenschaft über ca. 1000 Jahre bis zum Zeitalter der Aufklärung verboten war und anschließend weiterhin unterdrückt und verhindert wurde, nur um an der Macht bleiben zu können. Weil Theologie mit Vernunft, Logik, Empirie und Wissenschaft nichts zu tun haben kann, diese aber dennoch universitäre Fakultäten besetzen, ist dies ein Indiz, dass Lehre und Forschung an dieser Universität nicht frei sind.
Bedenklich die Tatsache, dass einer der Leiter einer universitären Arbeitsgruppe für Umweltgeschichte in seinem Lebenslauf betont, er habe neben Geschichte, Literatur, Philosophie, Drama und Sprachen auch Religion und Theologie studiert. Ergebnis: bekennende Atheisten kommen bei Stipendienvergabeverfahren nie zum Zug.
Unverständlich die Tatsache, dass im Sommersemester 2015 im interdisziplinären Promotionsprogrammangebot "Umwelt und Gesellschaft" einer Fakultät für Geo- und Umweltwissenschaften als Kooperationspartner 1) ein Institut für Technik-Theologie-Naturwissenschaften, 2) ein Bildungszentrum für Umwelt und Kultur in einem oberbayerischen katholischen Kloster und 3) ein akademischer Betreuer mit den Wissensschwerpunkten "Theologie, Sozial- und Umweltethik" empfohlen werden. Es kann nicht sein, dass Vertreter einer solchen Organisation, in deren Programm über viele Jahrhunderte gegen jede Vernunft der Grundsatz "dominium terrae" - Herrschaft über die Natur - enthalten war, nun Doktoranden betreffend das Thema Umwelt beraten.
- Im Medizin-, Pharmazie- und Gesundheitswesen führen der Abzahlungsdruck sehr teurer medizinischer Geräte und die vom Abrechnungssystem DRG (diagnosis related groups) vorgegebenen Fallpauschalen zu trivialen und für viele unwiderstehlichen Verlockungen zu gefälschten Indikationen, preislich höher veranschlagten Therapien und somit zu überflüssigen, schädlichen und teuren Behandlungen zum gesundheitlichen und finanziellen Nachteil für Patienten und Krankenkassenmitglieder (DER SPIEGEL 33: 116-126, 2011; 19: 72-74 vom 06.05.2013; ZEIT MAGAZIN 21: 12-24, 16.05.2012); der mit der "Gesundheitsreform" eingeführte und durch "medical controlling" "qualitätssichernde" Zwang zur Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bewirkt, dass sich dieses System immer mehr dem Wohlergehen der Ökonomie annähert und sich vom primären Ziel, dem Wohlergehen des Patienten entfernt; denn der wird im System nur auf einen depersonalisierten ökonomischen Faktor herabgestuft, also schlicht versachlicht: anstelle des Gesundheitsfaktors wird der Kostenfaktor optimiert. Krankheitsbewältigung - Anamnese, Diagnose, Therapie - darf nie zur Ware werden; es ist ein großes moralisches Problem, mit Heilen, Bessern und Lindern Geld zu verdienen wie in einem Wirtschaftsbetrieb (DER SPIEGEL 29: 70-72 vom 14.07.2014). Das seit 2003 geltende Fallpauschalensystem bewirktem, dass, obwohl seit 1995 18,5% mehr Patienten gezählt werden, wegen Wirtschaftlichkeitszwängen 10% des Pflegepersonals eingespart wurden (DER SPIEGEL 44: 121-122 vom 24.10.2015). Vermehrt werden Patienten zu früh nach dem Eingriff in Rehakliniken entlassen (BR2, 9-10 Uhr vom 25.10.2015). Seit 2014 gilt das Fallpauschalensystem auch im Bereich der bislang davon ausgenommenen Palliativmedizin. Es kann nicht in Ordnung sein, wenn der Patient immer mehr in ein Warenpaket umfunktioniert wird. Die Initiative eines "Manifests für eine menschlichere Medizin" ist erfreulich und begrüßenswert (DIE ZEIT 39: 33 vom 20.09.2012); ebenso die Gründung des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte und die Initiative "Unbestechliche Arztinnen und Arzte". Siehe auch Mikich, Sonia 2013: Enteignet. Warum uns der Medizinbetrieb krank macht. C. Bertelsmann Verlag. Es kann nicht sein, dass nur der Mediziner eingestellt wird, der am meisten Geld und die richtige Patientenklientel in die Klinik bringt (DIE ZEIT 53:35 vom 23.12.2014). Moralischer Verfall und verwerfliche Gier führten dazu, dass Patienten aus unteren Gesellschaftsschichten Indiens, Russlands, der Ukraine, Bulgariens, der ehem. DDR und Argentiniens entgegen den Good Clinical Practices und bioethischen Grundsätzen von Europäischen Pharmafirmen als Versuchskaninchen für Medikamententests missbraucht wurden; hunderte Teilnehmer an diesen "offshore-Studien" starben (BR2 24.02.2013, 21-22 Uhr und 20.01.2014, 10-11 Uhr; DER SPIEGEL 20: 36-44 vom 13.05.2013, 40: 116-120 vom 26.09.2015). Das marode, gestaffelte Krankenversicherungssystem Chinas mit obligatorischen Eigenbehalten für Patienten war Ursache dafür, dass Herr Zhen Yanliang - Bauer und Wanderarbeiter - nach arteriellem Verschluß sein nekrotisches Bein in letzter Konsequenz selbst per Säge amputierte und nur so überlebte (DER SPIEGEL 22: 58-62 vom 23.05.2015).
Der solidarische und gutgemeinte Grundsatz des finanziellen "Einstehens Aller für Alle" in den Krankenkassensystemen der westlichen Welt verleitet nicht wenige Mitglieder zu einer mit riskanten, für alle immer teurer werdenden und mit gefährlichen gesundheitlichen Folgen behaftete Ernährungs- und Lebensweise (Völlerei, Sauferei) und implizit zum Sinnlosverbrauch agrarischer Produkte, die anderen fehlen (dazu die passende Spottzeile: "Dieser begnadete Körper samt seinem edlen Geiste ist durch die über Jahrzehnte gehende, regelmäßige und häufige innerliche Anwendung alkoholischer Getränke wie Bier, Wein und Schnapps ("Papiwasser") nachhaltigst und irreparabel verformt worden"); Kinderverschlüsse erschweren den Zugriff auf Essigsäure und Rasierwasser; Erwachsenenverschlüsse sollten den Zugriff auf Spirituosen erschweren. Es ist m. E. ein ungeschriebenes Gesetz, sein Konsumverhalten so zu gestalten, dass einem selbst und allen anderen daraus so wenig Schaden und Beschränkungen (z. B. steigende Krankenkassenbeiträge) wie möglich entstehen und somit die Freiheiten aller maximal bleiben. Freilich ist ein langes und möglichst beschwerdefreies Leben in der Regel schön und erstrebenswert; die moderne Medizintechnik ermöglicht dies immer besser. Aber wer bezahlt all die dafür notwendigen medizinischen Maßnahmen? Was ist dem Kollektiv der Krankenkassenbeitragszahler zumutbar, damit - nur ein Beispiel - ein einzelner von ihnen möglichst lange gesund und möglichst alt wird? Welche Prioritäten oder gar Grenzen setzt man, damit einerseits andere nicht zu kurz kommen, aber andererseits der humanitäre Standard gewahrt bleibt? Dieses ethische Dilemma ist noch nicht gelöst. Notabene: auch die staatlichen Versorgungsämter geraten wegen steigender durchnittlicher Lebenserwartung mit ihren Renten- und Pensionszahlungen zunehmend in Probleme, wenn die Versorgungsleistungen die Summe der vorher geleisteten Beitragszahlungen zu übersteigen beginnen. Es muß überlegt werden, ob es sinnvoll sein kann, wenn die Renten-/Pensionsbiografie länger dauert als die Erwerbsbiografie; das Renteneintrittsalter steht zur Debatte. Die ca. 2011 öffentlich bekannt gewordene und 2016 immer noch bestehende hausärztliche Unterversorgung ländlicher Areale in der BRD und damit implizite Notsituationen ist inakzeptabel und mit dem hippokratischen Eid der Medizinerzunft unvereinbar; erst im Juni 2015 ist deshalb ein Versorgungsverstärkungsgesetz im Bundestag verabschiedet worden. Medizinischer Experimentier- und Machbarkeitswahn: betreffend Fertilisationstechnologie ist die menschenverachtende und m. E. sittenwidrige Verdienstoption "Leihmutterschaft" erzeugt worden, die von in wirtschaftliche Not geratenen Frauen als allerallerletztes Mittel der Wahl ausgeführt wird: deklassiert und zu Gebärmaschinen erniedrigt sind sie während Schwangerschaft und Entbindung großer Gefahr für Leib und Leben sowie seelischem Distress ausgesetzt. Betreffend medizinisch nicht indizierte Schönheitsoperationen werden in der ästhetischen Chirurgie mögliche Risiken für die manipulierten, weil selbstunsicheren Kandidatinnen heruntergeredet, überhöhte Preise eingefordert und auch ungeeignetes Implantat-Material verwendet (DIE ZEIT 2: 27-28 vom 05.01.2012). Hunderte von Ärzten rechneten mit Privatpatienten nicht erbrachte Laborleistungen ab (Untersuchungsausschuß Labor in SZ 46: R15 vom 25.02.2015). Moralischer Kollaps führte dazu, dass in China Krankenhäuser und Gefängnisse zusammenarbeiten, um Geld mit dem Transplantieren von Organen zu machen. In diesem Zusammenhang werden Hinrichtungsmethoden erforscht, welche die Qualität der Organe so wenig wie möglich beeinträchtigen. Westliche Staaten gewähren dabei technisch-wissenschaftliche Hilfeleistungen. Reiche Patienten zahlen auch für solche Organe viel Geld (DIE ZEIT 11: 17-19 vom 07.03.2013; A. Caplan 2012: State organs. Transplant abuse in China). Die Organspendeskandale 2012-2013 (und alle nachfolgenden) in Regensburg, Göttingen, Leipzig und München zeigen eindeutig, dass viele Mediziner den moralischen Anforderungen ihres Berufes nicht gewachsen sind: um Vorteile zu erhalten, bevorzugen sie finanzkräftige Patienten und nehmen damit den Tod der anderen auf den Wartelisten in Kauf. Die Götter in Weiß sind in diesem Metier bedingungslos Herr über Sein oder Nichtsein und deshalb mit überwältigend großer Machtfülle ausgestattet. Den Verlockungen einiger sich daraus ergebenden lukrativen Möglichkeiten können sie nicht widerstehen und lassen sich korrumpieren (BR2 vom 18.07.2013 20-21 Uhr: Das Geschäft mit dem Tod). Eine weitere Folge ist, dass wegen des daraus entstandenen Vertrauensverlustes die Zahl der Anträge auf Organspendeausweise noch weiter zurückgegangen ist, was deshalb die Sterblichkeitsrate bei den Wartenden in die Höhe treibt. Wann personalisiert man endlich und wird konkret, indem man die reichen Patienten öffentlich nennt, die bestochen haben; indem man die Ärzte an den Pranger stellt, die Gelder einheimsten und manipulierten und indem man die Patienten nennt - sofern die Hinterbliebenen zugestimmt haben - , die in der Warteliste zurückgesetzt wurden und deshalb sterben mussten? Siehe auch DER SPIEGEL 30: 40-41 vom 22.07.2013). Der unregulierte Handel mit möglicherweise virenverseuchtem fötalem Kälberserum, das in der Pharmaindustrie für die Herstellung von Medikamenten benötigt wird, ist für den Patienten ein großes Risiko (SZ 183: 03 vom 12.08.2015). Es kann nur verwerfliche Gier nach Geld sein, warum über viele Jahre klinische Studien betreffend Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen neuer und schon zugelassener Medikamente nicht veröffentlicht wurden (DER SPIEGEL 32: 88 vom 01.08.2015). Wenn die Testreihen teuer entwickelter Medikamente nicht die dringend erwarteten Ergebnisse zeitigen, werden die mit den Tests beauftragten Wissenschaftler diskreditiert, kriminalisiert und gefeuert (DER SPIEGEL 03:104-108 vom 16.01.2016). Unerträglich das in TV-Arztserien gebrachte Klischee einer heilen Krankenhauswelt: rund 15000 Patienten starben 2013 in deutschen Kliniken an Behandlungsfehlern. Nebenbemerkung: Weil ich inzwischen begriffen habe, wieviel ich guten Ärzten inzwischen verdanke, frage ich: wo befindet es sich denn, das große Denkmal für alle guten Ärzte dieser Welt?
- In der Geriatrie...Altenheim-Pflege. Pflege-Notstand. Ökonomisierung. Altersheimzimmer-Pflegepreis-Wucher: Enteigung; Deprivatisation; Doppelbelegung von Zimmern; "Alternatives Pflegemodell":
Export (Deportation) finanzschwacher Greise ins Ausland. 2014 ist in den Arbeitsplänen diverser Altenwohnheime für die Nachtschicht nur ein Pfleger für bis zu 90 Personen eingeteilt worden (Radiomeldung am 10.01.2015). Weil die in der Pflege höher eingestuften Personen für die Pflegeorganisationen mehr Profit bedeuten, wird auf aktivierende Pflege in der Regel verzichtet; Personalmangel, schlechte Bezahlung, kaum öffentliches Interesse und das Fehlen einer Initiative/Interessenvertretung für die Pflegebedürftigen machen menschenwürdige Pflege immer seltener und Pflegeeinrichtungen vermehrt zu rechtsfreien Räumen (SZ 241:02 vom 20.10.2015). Die Nationale Suizidpräventionsorganisation Deutschlands weist darauf hin, dass der Anteil an Senioren bei den ca. 10.000 Suiziden pro Jahr bei 50% liegt (SZ 243: 05 vom 22.10.2015).
- Seit Bestehen des Versicherungswesens wird es wegen des zugrunde liegenden Solidarsystems auf moralisch verwerfliche Weise immer wieder ausgenutzt: in betrügerischer Absicht gemeldete Anträge auf Übernahme fingierter Schadenfälle oder hochriskantes, unfallträchtiges Verhalten (Rasen, Drängeln, Trunkenheitsfahrten, Kolonnenspringen, etc.) von PKW-Lenkern im Straßenverkehr bürden dem Kollektiv der Versicherungsnehmer Gewalt in Form stetig steigender Beitragsleistungen auf. Versicherungskonzerne mißbrauchen ihre Macht, um des ökonomischen Vorteils Willen sich vor Schadenregulierungen zu drücken (DER SPIEGEL 30: 10-16 vom 18.07.2015).
- Im Nachrichten- und Medienwesen sind es qualitätsmindernde Treiber wie z. B. Sensationsgier, Kritiksucht, Voyerismus (Verfolgung von Diana Spencer, was zu ihrem verfrühten Tod führte), schnellstmögliche Berichterstattung (Echtzeitübertragung), Exploitation (z. B. Gladbecker Geiseldrama 1988), Quote und Verkaufszahlen, welche die Unkultur medialer Grausamkeit und Gewalt (R. Murdoch-Skandal 2011) (DER SPIEGEL 5: 130-133 vom 30.01.2012) sowie der volksverdummenden scripted reality ("erfundene Wirklichkeit") hervorrief. Es darf nur um die Wahrheit gehen und nicht um die bessere Geschichte.
- Im Justizwesen sind es Vorverurteilung, Beeinflussbarkeit der Rechtssprechenden und Schöffen, personelle Ausdünnung, Erfolgszwang - d. h. Durchbringen möglichst vieler Anklagen - , Arroganz mancher Richter und Staatsanwälte und bisweilen haarsträubende fachgutachterliche Inkompetenz, welche zu zahlreichen Fehlleitungen bei den Urteilsfindungen führen (DER SPIEGEL 22: 56-67 vom 30.05.2011, 20: 58-62 vom 14.05.2012, 29: 46-47 vom 16.07.2012; 21: 96-99 vom 18.05.2013; 30: 42-43 vom 22.07.2013; DIE ZEIT 28: 16 vom 05.07.2012) und somit vielen Angeklagten Gewalt in Form von Unrechtsprechung antun: Donald Stellwag saß von 1994-1998 wegen einer falschen Expertise unschuldig ein (SZ 181: R13 vom 08./09.08.2015). Die finanzielle und personelle chronische Unterversorgung von Polizei und Justizorganen erodiert das Offizialprinzip (DER SPIEGEL 41: 134-137 vom 02.10.2015). Der Treiber "Unzuständigkeit", der sich aus den Komponenten Trägheit, Egoismus, Gleichgültigkeit, Feigheit, Vorurteil, Bequemlichkeit und Fremdenhass zusammensetzt, führte in der Europäischen Rechtssprechung betreffend die Abschiebepraxis gegenüber Asylsuchenden zu menschenrechtsverletzenden Härten (z. B. Dublin-2-Verordnung); siehe auch: Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam (2012): Unerwünscht - Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte.- Bloomsbery Verlag, Berlin. Das amerikanische Rechtssystem bescherte dem Herrn Murat Kurnas 5 Jahre Haft in Guantanamo (DER SPIEGEL 20: 125-127 vom 13.05.2013), dem Herrn Damien Echols 17 Jahre Todeszelle (DER SPIEGEL 21: 96-99 vom 18.05.2013) und der Frau Debra Milke 22 Jahre Todeszelle (SZ 71: 08 vom 26.03.2015; DER SPIEGEL 15: 84-92 vom 04.04.2015). 150 Jahre nach Beendigung der Sklaverei und 50 Jahre nach Beendigung der Rassentrennung sitzen nach wie vor überproportional mehr Farbige in amerkianischen Gefängnissen und Todeszellen ein (Bryan Stevenson 2015: Ohne Gnade: Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA). Wo bleibt die juristische Verhältnismäßigkeit und die juristische Fairness bei folgender Groteske: Kassiererinnen werden in der BRD wegen eines Fehlbetrages von einem Flaschenpfand gefeuert und haben vor Gericht keine Chance auf Verwerfung der Kündigung; ein millionenschwerer geständiger Steuersünder mit schwarzen Konten in der Schweiz wird hingegen zunächst laufengelassen und kann all seine Jobs bedenkenlos weiterführen. Was würde Diogenes dazu sagen? Ja wo ist sie denn nur geblieben, die vom Grundgesetz garantierte Gleichheit aller vor dem Gesetz? Das Gesetz muss auch dort zur vollen Geltung kommen, wo die Macht am größten ist, sonst taugt es nichts. Es schadet dem Frieden, wenn bei technischen Katastrophen wie z. B. in Kaprun (Bergbahnbrand), Bad Reichenhall (Einsturz einer Eissporthalle), Eschede (ICE-Entgleisung) oder Dortmund (Massenpanik bei Großveranstaltung) niemand wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde; selbstverständlich muss das Strafrecht so gestaltet sein, dass nicht nur Individuen, sondern wegen der Verantwortungsdiffusion auch Unternehmen und Behörden zur Verantwortung gezogen werden können (SZ 182: 06 vom 10.08.2015). Es schadet dem Ansehen von Justiz und Justizvollzug noch mehr, wenn die in Untersuchungshaft befindliche Überlebende des NSU-Trios in der Justizvollzugsanstalt Privilegien geniest und dort von der Mehrheit der Insassen und des Wachpersonals hofiert wird (DIE ZEIT 21: 10 vom 12.05.2016).
- Im Militärwesen sind es das Aufrechthalten und Verteidigen von Fronten (Abgrenzung), Geheimniskrämerei, Wettrüsten, Spionage, Befehlsautomatismus, hierarchische Organisation, Verlust von Individualität durch Uniformierung, Verlust von Menschlichkeit (Verrohung: "Allenorten hatte sich ein fröhliches Tommybraten erhoben; von den 8 kam nur einer nach Hause".- In: Richard Wenzl 1930: 33 Richthofen-Flieger) durch Feindbilder, Zielen, Schießen und Vernichten sowie Verlust der Würde durch allzeitige Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft (Neitzel, S. & Welzer, H. 2011: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Fischer, Frankfurt a. M.): "Mann sein heißt Kämpfer sein!" (R. Wenzl 1930: Richthofen-Flieger; Leitwort). Diese Einrichtung übt durch Hinterlassen militärischer Altlasten auf die Zivilbevölkerung zusätzlich Gewalt aus; u. a. in Form von Kontamination durch Schadstoffe in Böden, durch den giftigen und strahlenden Feinststaub von Uranmunition, durch Blindgänger oder durch Sprengfallen auf vermintem Terrain (DER SPIEGEL 51: 110-114 vom 17.12.2012; 15: 52-54 vom 08.04.2013). Unsäglich das Leid Hinterbliebener (DER SPIEGEL 10: 50-56 vom 05.03.2012) bzw. das Leid bei körperlicher und seelischer Invalidisierung (posttraumatisches Stress-Syndrom): krankheitsbedingt arbeitslos gewordene junge Veteraninnen und Veteranen stehen zudem einer gleichgültigen, verständnislosen oder gar ablehnenden Gesellschaft gegenüber, für die sie ihre Köpfe hinhalten durften. 2676 Soldaten - mehr als die Hälfte der Gefallenen - begingen nach der Rückkehr von ihrem Einsatz im Irakkrieg Suizid (ZEIT MAGAZIN 36: 14-25 vom 30.08.2012). In der BRD ist die finanzielle und medizinische Versorgung invalidisierter Veteranen durch Einrichtungen der Bundeswehr miserabel: bei den Behörden werden Anspruchsberechtigte zu Bittstellern degradiert und die Anerkennung von Wehrdienstbeschädigung oft verweigert (DIE ZEIT 49: 20 vom 29.11.2012). Unfassbar hoch die laufenden Kosten für Bewachung und Instandhaltung bzw. Rückbau tausender nuklearer Sprengköpfe, die seit Jahrzehnten in U-Booten und unterirdischen Raketensilos stationiert sind: die USA verfügte 1966 über 31000, die UDSSR 1986 über 40000 dieser Sprengköpfe; 2015 verfügen beide Staaten - angeblich - noch über 4700 bzw. 4500 Stück (SZ 137: 02 vom 18.06.2015). Frage: wohin ist der Rest - 61800 Nuklearsprengköpfe - verbracht worden? Immer höher wird das Risiko, dass kernwaffentaugliches Uran/Plutonium in die Hände von Terroristen oder Diktatoren gerät und erpresserisch oder direkt eingesetzt wird. Der von Militäreinrichtungen in eigener Sache betriebene Werbungs-Fronteinsatz an Bildungseinrichtungen für Jugendliche - Tradierung, Anpreisung und Export potentieller Gewalttechnik - und ihre gesetzliche Statthaftigkeit in der BRD erachte ich als besonders fragwürdig. Nach wie vor stehen die Rüstungs- und Militäretats vieler Staaten in den oberen Etagen ihrer Finanzhaushalte, obwohl am 12.11.2013 in BR2 16-17 Uhr der Journalist Peter Scholl-Latour feststellte, dass die Zeit der Gewinnbarkeit von Kriegen schon seit Jahren vorbei ist.
- Im Forstwesen sind es u. a. traditionell bestehende Vorurteile gegen Freßfeinde (Luchs, Wolf, Marder, Problem-Bär, Adler, etc.) und die Verlockung einer reichen und bequemen Trophäenernte, die einen viel zu hohen Rot- und Schalenwildbestand in den Wäldern nach sich zieht. Die Möglichkeit der Anpflanzung rasch wachsender Nutzhölzer, vereinfachter Holzernte und die Aussicht auf höhere Verkaufserträge verleitete zur Anpflanzung von vorwiegend Fichten- oder Tannen-Monokulturen. Wegen des auf diese Arten in seiner Vitalität, Robustheit und Biodiversität degradierten Ökosystems Wald erhöht sich das Gefährdungsrisiko für die Bevölkerung durch Wildunfälle auf den Straßen, durch erhöhte Schnee- und Windbruchgefahr und durch Lawinenabgänge im geschwächten Schutzwald am Berg. Zu dichter Wildbestand erhöht das Risiko der Übertragung ansteckender Krankheiten auf Nutztiere oder vom Nutztier auf das Wildtier. Da in bestehenden Arealen mit dem Attribut "Nationalpark" per Dogma die Natur sich selbst überlassen werden muss, weiten sich Schäden durch Borkenkäferbefall und verstärkter Verbiss durch Rotwild auf private Nachbarforstareale auf Kosten der Eigentümer aus. Unvergesslich der triste Blick 2007 auf bedrückend riesige Totwaldareale mit tausenden umgestürzten, verdorrten Nadelbäumen im Bayerischen Wald; eine Baumleiche neben der anderen: ein dogmatisch erzeugtes Massengrab (Siehe auch DIE ZEIT 44: 38 vom 25.10.2012); ein weiteres soll demnächst im Schwarzwald entstehen (DER SPIEGEL 48: 62-66 vom 25.11.2013).
- Im Bauwesen gilt ebenfalls Wachstum ad infinitum, obwohl die Bevölkerungszahlen in den Industrienationen rückgängig sind bzw. nur schwach zulegen. Im Jahr 2011 wurden in Bayern täglich im Durchschnitt 18 Hektar Fläche durch Straßen-, Funktions- und Häuserbau versiegelt; Baufirmen werden bei Ausführung dieser Aufträge in der Regel steinreich. Die sich ständig erhöhenden, laufenden Instandhaltungskosten der erstellten Objekte und ihre Modernisierungen werden einer in nicht adäquatem Maße steigenden Zahl von Steuerzahlern bzw. Verbrauchern aufgelastet. Nur der Neubau, nicht aber Instandhaltung und Reparatur von Verkehrswegen wird vom Bund großzügig bezuschusst: die öffentlichen Ausgaben für Schienen- und Straßen belaufen sich für jeden BRD-Bürger auf jährlich Euro 1100.- (DIE ZEIT 22: 39 vom 22.05.2014). M. E. wird viel mehr und zu aufwendig gebaut als wirklich notwendig; siehe Projekt Stuttgart21, von dem der Physiker C. Engelhardt meint, dieses Projekt sei der größte technisch-wissenschaftliche Betrugsfall der deutschen Industriegeschichte (DIE ZEIT 52: 33 vom 19.12.2012). Tröstlich, dass aus der 30km-Transrapidstrecke München-Hbf - MUC nichts wurde. Bei gleichzeitiger Zurückdrängung von Naturareal (Flächenverbrauch, -versiegelung) steigen Energie- und Rohstoffverbrauch sowie Umweltbelastungen (schädliche Immissionen, Lärm); die 3. Startbahn am MUC halte ich für überflüssig und kontraproduktiv angesichts des Ziels, den CO2-Ausstoß in Bayern zu senken; schon der bestehende Zustand ist ein Alptraum für die Anwohner; typisch, dass die Bayerische Regierung den Münchner Bürgerentscheid gegen diese Startbahn nicht akzeptieren möchte. Die voraussichtlichen Kosten für Großprojekte werden unrealistisch kleingerechnet, damit sie leichter genehmigt werden; und dem Steuerzahler werden nach Baubeginn die tatsächlich anfallenden Kosten sowie Instandhaltungsleistungen aufgelastet (DIE ZEIT 03: 33 vom 10.01.2013). Die Renovierung und Dämmung von Altbauten sowie die Installation von Anlagen zur Nutzung grüner Energien (Fotovoltaik, Solarthermie etc.) mit dem Ziel, das Null- bzw. Plusenergiehaus zu etablieren - Energiewende: weg von der klimaschädlichen Nutzung fossiler Energierohstoffe - , kommen viel zu langsam voran. Das ist Gewalt gegen zukünftige Generationen, weil auf deren Kosten sowie deren Umwelt- und Lebensqualität ein temporär bequemerer Weg bis an sein abscheuliches Ende gegangen wird. Durch fortgesetzte Bautätigkeit erzeugte Verdichtung erzeugt in den Städten eine Minderung der Lebensqualität für die Bewohner; und in ländlichen Arealen bewirkt fortgesetzte Bautätigkeit eine weder von Touristen noch von der Mehrzahl der Einheimischen gewünschte Verstädterung, die einen unumkehrbaren Verlust an Natur- und Erholungspotential bedeutet. In China ist wegen einer Immobilienhype zwischen 2011 und 2013 mehr Zement verbaut worden als in den USA im gesamten 20. Jhd. (DER SPIEGEL 36: 66-72 vom 29.08.2015)
- Die Agrarindustrie ruiniert mit ihrer Massen- und Billigproduktion von Fleisch- und Milchwaren sowie Tierfutter, Getreide und auch Energiepflanzen die wirtschaftliche Existenz traditioneller Bauernhöfe und drängt mittels des größtmaßstäblich betriebenen Nutztier- und Nutzpflanzengebrauchs (ist nach meiner Meinung nur schändlicher Mißbrauch biologischer Programme) den ökologischen Landbau an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds; des öfteren beschert sie dem Verbraucher gefälschte, unhygienische, qualitativ schlechte oder biochemisch belastete Produkte (Gammel-(K3)-Fleisch-, Hormonmast-, Pferdefleisch-, Dioxin-, Glyphosat- und Salmonelleneier- Skandale, etc.). Ernteprofit steht weit über dem Bodenschutz. Großflächige Anbautechnik ohne bodenstabilisierende Parzellierung macht Ackerland anfällig gegenüber Erosion durch Wind und fließendes Wasser, was zu permanenten Bodenverlusten führt: jede Sekunde gehen im globalen Mittel 0,2 Hektar Agrarfläche verloren (DIE ZEIT 42: 37 vom 11.10.2012). Massiver Einsatz von Düngemitteln zwecks Ertragssteigerung degradiert die Bodenchemie und belastet Grund- und Oberflächenwässer mit Phosphat und Nitrat. Ca. 45% der Grundwasserkörper der BRD enthalten deshalb inzwischen mehr als 50mg Nitrat pro Liter (DIE ZEIT 36: 33 vom 03.09.2015). Einbringung von Bioziden und die Entsorgung von Gärresten aus Biogasanlagen verstärken dieses Problem (BR2 "Notizbuch" 10-10.30 Uhr am 19.09.2013). Die Tatsache ist problematisch, dass zwecks Erleichterung der Arbeit die zu erntenden Felder kurz zuvor mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzsmitteln, die inzwischen allesamt als krebsfördernd gelten, besprüht werden, damit Nutzpflanzen wie Kartoffeln oder Getreide schneller abreifen und austrocknen (DER SPIEGEL 24:118-122 vom 08.06.2015). Ackerboden kann nicht mehr regenerieren, weil wegen des Profitdenkens keine Brachezeiten -drei Felder Regel - mehr eingehalten werden. Intensiveinsatz von Antibiotika in der Massentiermast führte beim Verbraucher zur Verbreitung gefährlicher multiresistenter Keime wie z. B. LA-MRSA CC 398 (DER SPIEGEL 4: 130-133 vom 23.01.2012; SZ 128: 19 vom 05.06.2014; DIE ZEIT 48: 21-24; 36 vom 20.11.2014). Es werden mehr Antibiotika an gesunde Nutztiere als an kranke Menschen verabreicht (DER SPIEGEL 24: 72-74 vom 06.06.2015). Hochleistungs-Milchkühe sind oft krank und werden im Durchschnitt nur mehr 5 Jahre alt: 35 % von ihnen - 1,4 Millionen Stück - werden laut
Welttierschutzgesellschaft e.V. in Deutschland erkrankungsbedingt jährlich geschlachtet; Milchüberproduktion und Milchpreisdumping verstärken sich gegenseitig negativ (SZ 191: 18 vom 21.08.2015). Die wegen des im Juni 2016 unter 20 Eurocent gefallenen Literpreises für Milch angedachten Subventionen machen nur dann Sinn, wenn gleichzeitig auf eine Reduktion der Milchproduktionsmengen hingearbeitet wird. Entgegen geltenden Tierschutzgesetzen werden überzüchtete Nutztiere z. T. immer noch unter katastrophalen Bedingungen gehalten (wie z. B. das Federvieh in der "Kleingruppe") und geschlachtet; bis 2012 wurden Ferkel ohne Betäubung kastriert. Die geschwächten Immunsysteme der Nutztiere führen zu Seuchen-Epidemien, die gelegentlich auch auf den Menschen übergreifen (EHEC, Vogelgrippe, Rinderwahn etc.). Die präzise juristische Definition von Qualzucht und ihr Verbot muss realisiert und durchgesetzt werden (BR2 Radiowissen 15.03.2013, 9-10 Uhr). Wir - das Tier (Eröffnungsaktion des Umweltkünstlers HE Schult auf dem Tollwood-Sommerfestival 2014). Lukratives Harvesting von Daunen durch Gänse-Lebendrupf (DER SPIEGEL 47: 87 vom 17.11.2014). Blutfarmen in Südamerika: unter Mißachtung von Tierschutzrechten werden in industriellem Maßstab aus dem Blut trächtiger Stuten Hormone extrahiert und für die Steigerung industrieller Ferkelproduktion in Europa verzweckt. Die Pferde leiden unter dem wiederkehrenden Aderlass - pro Woche bis zu 10 Liter - und weil sie so oft als möglich trächtig gemacht werden; die Schweine leiden, weil sie wegen den Hormongaben sich nach dem Wurf nicht ausreichend erholen können; Pferdefarminhaber und Pharmaindustrie machen ordentlich cash. Das ist verwerflich, weil damit nur ein schädliches Überangebot an Billigfleisch erzeugt wird (SZ 224: 22 vom 29.09.2015). Militante Tierrechtler und Veganer machen Druck, damit endlich bessere Tierrechte erlassen und umgesetzt werden (DIE ZEIT 36: 13-15 vom 28.08.2014; SZ Wochenende 217: 1 vom 20./21.09.2014. Wenn der Mensch Tiere tötet und isst - im Jahr 2009 waren es global ca. 60 Milliarden Landtiere - , dann schuldet er ihnen zumindest ein artgerechtes und glückliches Leben vor dem unnatürlichen Tod (GEO 04: 58-84, 2013). Zweckentfremdung landwirtschaftlicher Flächen und land-grabbing (Roman Herre, FIAN Deutschland e. V., Köln) zwecks subventionierter Produktion von Agrar-Treibstoffen führt zu künstlicher Verknappung von Nahrungsgrundstoffen und die damit einhergehende Monokultur zu verstärkter Bodenerosion. Massen-Tierhaltung und Übernutzung degradiert zusätzlich die Bodenqualität, erzeugt viel gefährlichen sekundären Feinststaub (<PM2,5) sowie große Mengen Treibhausgase wie Kohlendioxid, Lachgas und Methan, beeinträchtigt das Grundwasser und die Lebensqualität von Anrainern durch Immissionen organischer Schadstoffe und durch widerliche Geruchsbelästigung im Umfeld dieser Einrichtungen (DER SPIEGEL 3: 46-47 vom 16.01.2012).
- Die Montan- und Steine-Erden-Industrie (Bergbau, Auslandsbergbau) verwandelt zusammen mit Investoren naturgegebene Konzentrate in der Erdkruste in ökonomische Werte. Die Akteure hinterlassen dort, wo Umwelt- und Naturschutzgesetze fehlen oder nicht umgesetzt werden, vielerorts technogene Wüsten (z. B. Norilsk, Kusnezk, Chuquicamata, Fort Murray, Oyu Tolgoi, Fushun, ...) in einer degradierten Umwelt. Schadstoffe aus undicht gewordenen industriellen Absetzanlagen beeinträchtigen die Qualität von Grundwasser, Boden und Atmosphäre, was zur Schwächung des Gesundheitszustandes bei den Anrainern sowie zur Degradation der Tier- und Pflanzenwelt führt. Importiertes Bergbaugerät samt Billiglöhnern erledigen den Abbau. Alle finanziellen Gewinne aus dem Verkauf der Rohstoffe gehen an den Anrainern vorbei. Ihnen bleiben nur Verluste und Schäden: die zerstörte Landschaft, die Altlasten samt umwelt- und gesundheitlichen Risiken, auf Ramschniveau herabgestufte Immobilienpreise und eine endgültig zerstörte Heimat. Beispiele: die Landschafts- und Bauschäden durch den Steinkohle-Bergbau im Ruhrgebiet, wo sich die Verantwortlichen vor den Schadensregulierungen drücken (DER SPIEGEL 8: 62-67 vom 18.02.2013). Die jährlichen Folgekosten der jahrhundertelangen Bergbautätigkeit im Ruhrgebiet (u. a. weiträumige Terrain-Abenkungen bis 15m unter das Rheinniveau) wird nach Auslaufen der Steinkohleförderung 2018 ca. 220 Millionen Euro/Jahr betragen (SZ 128: 21 vom 05.06.2014). Die Abraumlandschaft im Braunkohletagebaugebiet Welzow/Niederlausitz (Magnum Fotograph Paolo Pellegrin in ZEIT MAGAZIN 38: 46-54 vom 12.09.2013) ist eine Albtraumlandschaft. Die Goldbergbau-Folgeschäden bestehen im südafrikanischen Witwatersrand u. a. durch große Mengen aufsteigender, saurer und toxischer Grubenwässer, die das Grundwasser und natürliche Wasserquellen mit Säure und Schwermetallionen kontaminieren; ganz ähnliches geschieht in Australien (DIE ZEIT 2: 21 vom 05.01.2012) und in der Mongolei, wo man auf der Suche nach den begehrten Seltenen Erden ist. Finanziell potente Bergbaufirmen ruinieren wirtschaftlich schwache, aber rohstoffreiche Länder (DER SPIEGEL 32: 90-92 vom 05.08.2013). Der Abbau extrem stark arsenhaltiger Golderze (das Mengenverhältnis von Gold zu Arsen beträgt 1:750) bei Paracatu in Brasilien wird ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Anrainer und die Schadstoffbelastung der umgebenden Natur vorangetrieben (DIE ZEIT 13: 30-31 vom 20.03.2014). Radioaktive Salzsole im undichten und einsturzgefährdeten "Versuchsendlager" Asse II bedeutet teure Sanierung und das Risiko langzeitverseuchten Grundwassers. Im Umland von Asse II sind vermehrt Leukämiefälle bekannt geworden. Massiver Lobbyismus, Systemträgheiten, Pfadgebundenheiten und utopisches Streben nach Autharkie bewirkten, dass der Entwicklung und dem Einsatz der fracking-Technik zur Gewinnung von Erdgas viel zu große Bedeutung beigemessen wird und die Förderung grüner Energietechniken wieder ins Hintertreffen gerät. Ich denke, dass die bessere Klimabilanz von fracking-Gas gegenüber Erdöl und Kohle durch die sonstigen Umweltwirkungen dieser Technik (Grundwassergefährdung, Entsorgung der Frackfluide, etc.) zunichte gemacht wird. Besser wäre doch, diese wohl allerletzten Reserven an fossilen Kohlenwasserstoffen im Untergrund zu belassen, um in tatsächlichen Notfällen Reserven zu haben (DIE ZEIT 7: 23 vom 07.02.2013; SZ 89: 16 vom 17.04.2013; GMIT 51: 6-14 März 2013). Siehe auch Garrett Hardin (1968): The tragedy of the commons.- Science 162/3859: 1243-1248 (http://dx.doi.org/10.1126/science.162.3859.1243). Jährlich subventionieren Regierungen in aller Welt ca. 500 Milliarden Dollar in die industrielle Förderung dieser fossilen Energieträger (Möllers, N. et al. 2014: Willkommen im Anthropozän, Seite 78, Deutsches Museum München). Es ist an der Zeit, dass auch der unbelebten Materie - die Ressource Stein - entsprechend den Lebewesen mindestens ein so hoher moralischer Sonderstatus zugesprochen wird, dass durch ihre Nutzung zumindest Schäden und Veränderungen in der Anthroposphäre minimiert werden (N. Karafyllis). Kohle-, Erdöl- und Erdgas- und Methaneislagerstätten sind nichts anderes als natürlich entstandene fossile Massenansammlungen/Massengräber aus den - teilweise umgelagerten - organischen Relikten von Myriaden Pflanzen und Tieren. Jedes Lebewesen, auch wenn es bereits fossil ist, hat einen Wertestatus. So ist es moralisch äusserst prekär, solche Stoffe aus ökonomischen Gründen zu Energieträgern umzudeuten, auszubeuten, zu Geld zu machen und seit Beginn der Industrialisierung in immer größeren Mengen nur zu verheizen. Dabei sterben diese Lebewesen ein zweites mal - diesmal endgültig - , indem sie zum größten Teil thermisch in anorganische Materie umgesetzt - verbrannt - werden. Paul Celan im übertragenen Sinn: "Da habt ihr ein Grab in den Lüften, da liegts sichs nicht eng....". Grabräuberei und Leichenfledderei: diese eklige globale Massen-Plünderei aus niedrigsten Beweggründen ist zum einen psychologisch schädlich, weil es jedes Selbstwertgefühl, jede Scham und jeden Respekt vor dem Leben zerstört, und zum anderen bringt solches Fehlverhalten garantiert großes Unheil für alle Täter und Nutzer und alle unbeteiligten Lebewesen. Von daher gesehen kann es nur in Ordnung sein, dass wir die Quittung für ein solch schändliches Verhalten erhalten: der drohende Klimawandel und damit verbundene Probleme, der hier nichts weiter ist als die aktuelle Version der jahrtausende alten, autoritär eingebleuten Angst vor biblischen Plagen wegen ungebührlichen Verhaltens; hier der Zorn Gottes über die schändliche ökonomische Nutzung der Relikte seiner von ihm geschaffenen Lebewesen, friedlich eingebettet in den Leib der von ihm geschaffenen Erde. Gebührende Strafen - Dürre- und Hitzewellen, Orkane, Fluten, etc. - wegen Störung der Grabesruhe, Zerstörung der Gräber und unangemessener Eingriff in ein natürliches System.
- Im fast vollständig durchkommerzialisierten Leistungssportwesen ist es das gnadenlose und brutale "noch besser - höher - weiter - schneller - stärker - leichter - wendiger - ausdauernder - riskanter" um jeden Preis, das viele an und über die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit bringt (DER SPIEGEL 03:136-137 vom 13.01.2014). Die Whistleblowerin und Mittelstreckenläuferin Julia Stephanowa hat flächendeckendes, organisiertes Doping russischer Athleten publik gemacht (SZ 26: 31 vom 02.02.2015). Doping ist für viele - inzwischen leider auch im Breitensport - unwiderstehlich geworden, obwohl es bekannterweise des öfteren zu Impotenz, Frühinvalidität (BR 2 am 09.01.2012 von 16-17 Uhr; SZ 227: 57 vom 02.-04.10.2015) oder vorzeitigem Ableben führt (DER SPIEGEL 52: 105 vom 22.12.2012, 31: 88-94 vom 25.07.2015). Das ist Gewalt gegen den eigenen Körper und Unfairness gegenüber den Sportskollegen. M. E. befinden sich fast alle auf diese Art vereinnahmten Leistungssportler in einer Glaubwürdigkeitskrise: Betreiben sie nun ihren Sport aus Freude an der Bewegung bzw. am Überwindenwollen eigener Grenzen oder nur wegen winkenden Geldes oder lockender Titel? Und sollte nicht auch mal der gewinnen dürfen, der sich im Wettkampf am meisten angestrengt hat: wie z. B. der hundertjährige Inder Fauja Singh, finisher (8h 25min 16sec) des Toronto-Marathons am 16.10.2011. Nur die Nummer 1 zählt, die Nummer 2 ist nur mehr belanglos (DER SPIEGEL 17: 52-55 vom 22.04.2013): wie unmenschlich, öde und einseitig. American Football hat sich in eine Richtung entwickelt, die Gewalt belohnt und Psyche sowie Körper - v. a. das Gehirn - beeinträchtigen. Von 2010 bis 2015 haben sich neun NFL-Veteranen das Leben genommen; viele sind invalide (DER SPIEGEL 20: 108-111 vom 09.05.2015).
- In der Bürokratie......, fiskale Gewalt....
- Im Tourismus..... BR2 14.01.2012: 13-14 Uhr: Georg Beierle: Wenn kein Schnee mehr vom Himmel fällt....Billigst-Fernreisen: Gran Canaria ab Euro 25.-; wie es vor 200 Jahren nur Adeligen oder Forschungsreisenden möglich war.. Gewalt gegen zukünftige Generationen wegen sinnentleerten Verbrauchs und Rohstoffraubbaus...Verheizen giftigen Schwerstöls in den Antriebsmaschinen von Luxusdampfern...
- Im Patriarchat sind es Unterdrückung der Frau, unerträgliche, sich auf Tradition, Gewohnheits- und Naturrecht berufende Rechthabereien familiärer Despoten ("cholerisch brüllende Hausteufel": rabenschwarze Genies und Negativ-Olympiasieger in der Disziplin häusliche Gewalt, Anti-Weltmeister in Sachen Selbstgerechtigkeit sowie kollossaler geistiger Selbstbeschränktheit; geistesschlichte Katastrophengestalten), Leugnung des freien Willens und Vereitelung des Selbständigwerdens von Abkömmlingen (Andreas Altmann 2011) durch jahrelange Umerziehungsversuche, die Erzwingung von Kadavergehorsam, Unterwerfung und der Erbwürdigkeit durch Abkindern. Ihre Macht wird durch das im 5. Teil, Kap. 9 von Thomas Manns Roman Die Buddenbrooks gebrachte Zitat "Das rechte Vertrauen der Welt gewinnt man erst, wenn man Hausherr und Familienvater geworden ist" zementiert. Permanent verweigern sie, genau so wie sie es selbst erlebt haben, Anerkennung und Lob, um ihr eigenes schwaches Selbstwertgefühl hochzuhalten und begreifen dabei nicht, dass es "....der beste Weg ist, den Haß von Tyrannen nachzuahmen, um ihre Plätze einzunehmen" (Jorge Mario Bergoglio, 24.09.2015). Da, wo familiäre Macht am größten ist, wird nie eingestanden, dass Unrecht und Fehler begangen worden sind. Sie sind unfähig, ihr eigenes Scheitern und Versagen sowie den Zusammenbruch ihrer Gedankenwelten zuzugeben. In akuten Konfliktsituationen hört man fast immer nur das Gedöns vom "verlorenen Sohn" oder der "gefallenen Tochter" und so gut wie nie ist die Rede von den "verlorenen/gefallenen Eltern". Unsäglich unfair die sich permanent fortsetzende Unterdrückung der jüngeren, als "verloren" gebrandmarkten Generation durch die ältere, die sie erschaffen hat, die deshalb wie selbstverständlich immer recht hat und dies ordinär-brutal-autoritär-gewaltsam durchsetzen möchte: Herrenrecht/Naturrecht der Mächtigen und Gewalttätigen. Siehe auch das Kapitel "Die Schamlosigkeit der Mächtigen" in U. Greiner (2014): Schamverlust; Rowohlt. Siehe auch Arno Gruen (2014): Wider den Gehorsam; Thalia. Weil die jüngere Generation fast immer die Schwächere ist, muss eine Auseinandersetzung mit der älteren als a priori unfair bezeichnet werden. Nur in seltenen löblichen Ausnahmefällen wird das Thema "dumme Eltern/Erzieher" öffentlich ausgebreitet, wie z. B. im Roman "Erinnerungen einer Überflüssigen" (Lena Christ 1905), in den Filmen "Rebel without a cause (1955)" und "A Clockwork Orange (1971)", in der Autobiographie von Walter Chmielewski "Der Sohn des Teufels" (Offizin Verlag Zürich 2015), in den Liedern der Band "The Doors" (H. Gerstenmeyer 2004: "Jim Morrison & the Doors - Die kompletten Songtexte", Schirmer / Mosel, München), in der Kurzgeschichte "Balkon" von Elke Heidenreich (Literatur Spiegel S. 9, Febr.2016, in der Novelle von Kevin Jack McEnroe "Our town" 2015, in der Biografie der Schriftstellerin Franziska Gräfin zu Reventlow 1871-1918 (Küchmeister, K. et al. 2011, Wallstein Verlag) sowie im Interview mit dem Pianisten Lang Lang (ZEIT MAGAZIN 39: 54 vom 24.09.2015). Dabei sind es nur unausgesprochene Allgemeinplätze bzw. offene Geheimnisse, dass Eltern auch nur Menschen und damit fehlbar sind und Erziehung wohl eines der schwierigsten und anstrengendsten, leider nicht immer lösbaren Langzeitunterfangen und Herausforderungen ist, auf welche ein Mensch sich einlassen kann (z. B. konnten die erzieherischen Bemühungen von Aristoteles um Alexander dem Großen seine Entwicklung in Richtung eines größenwahnsinnigen Feldherren nicht aufhalten); und der Gemeinschaft immenser Schaden aufgelastet worden ist, wenn die Erziehungsversuche scheiterten, eingestellt wurden und der Abkömmling sich selbst überlassen blieb; siehe dazu SZ 155: 03 vom 09.07.2014. Die problematische Hauptkonsequenz aus genannter Ungerechtigkeit gegenüber und Ungleichbehandlung von Abkömmlingen ist: ein Staat kann langfristig nur schwache demokratische Strukturen aufbauen, solange ein ganz und gar nicht unerheblicher Teil seiner kleinsten Einheiten - die Familien - immer noch autoritär-despotisch-tyrannisch strukturiert ist, anstelle demokratisch gefestigt zu sein, indem innerhalb der Familien fair und respektvoll in horizontaler und vertikaler Linie miteinander dialogisiert und gelebt wird.
Zur langzeitlichen Unterdrückung der Frau: Petrus: "..., denn Frauen sind des Lebens nicht würdig." Thukydides (460-ca.400 v.Chr.) stellte lapidar fest: "Die besten Frauen sind die, von denen man nichts sieht und nichts hört." Cato Minor äusserte ca. 50 v.Chr.: "Stellte man sie gleich, wären sie überlegen". Thomas von Aquin: " Das Weib ist etwas Mangelhaftes und Mißlungenes". L. Wittgenstein kannte angeblich nur "idiotische Frauen". Einige weitere Philosophen zementierten die Unterdrückung der Frau mit angeblich "theoretisch-wissenschaftlichen" Begründungen (BR2 31.07.2013: 9.30-10 Uhr). Siehe auch die Weiberschelten von A. Schopenhauer, F. Nietzsche und O. Weininger. "Manchen gefällt es, keine Freiheit und keine Sorgen mehr zu haben" (Michel Houllebecq in DIE ZEIT 04: 45 vom 22.01.2015). Gewalt gegen Frauen wird seit Jahrtausenden in vielen Kulturen hingenommen (SZ 258: R2 vom 09.11.2015). Der US-Milliardär D. Trump beleidigte am 09. und 10. August 2015 öffentlich die Moderatorin Megyn Kelly beim Fernsehsender Fox News ungestraft auf ordinärste Weise. Das törichte Gespött vom sogenannten "schwachen Geschlecht" samt seiner kleineren Gehirnmasse, vom Putz-Quali, Küchenabitur, Puddingdiplom, Wollmausdoktor, Damenviertausender sowie das Bagatellisieren, Lächerlich- und Verächtlichmachen des unbezahlten und bis 2014 erwerbs/rentenbiographisch nicht anerkannten Berufes Hausfrau - "da Dotschn ramt an Dreck weg!", "Nur Dienstmädchen laufen!" - sind bodenlos unverschämt. "Denn Du bist nur eine Frau." "Ausser in der Liebe sind die Frauen langweilig" (Albert Camus). Sie wird auch dann nicht ernst genommen, wenn Frau eindeutig nein gesagt hat (Zeit Magazin 14: 16-18 vom 29.03.2012); als hätte sie auch keinen eigenen freien Willen. Def. Mansplaining: Männer äussern Frauen gegenüber ignorant herablassend, redeschwallend, einschüchternd, belästigend und belehrend ihre "überwältigende Gescheitheit" (Rebecca Solnit 2015: Wenn Männer mir die Welt erklären). Der Vorläufer von Facebook war ein Internet-Portal, dessen Chef die Jungs an den amerikanischen Universitäten über die Attraktivität ihrer Kommilitoninnen abstimmen ließ: hot or not? (SZ 137: 09 vom 16.06.2016). Die sprachlichen Verkleinerungs-, Erniedrigungs- und Versachlichungsformeln "little girl", "baby" und "kleines/junges Ding" bringen es auf den Punkt. Junge Frauen durften erst ab 1916 in Bayern das Gymnasium besuchen und als Interne zum Abitur antreten (SZ 113: 39 vom 18.05.2016); Mary Ward (23.01.1585 - 30.01.1645) hat hier einen wichtigen Pfad beschritten. Bis 1977 war es in der BRD gesetzlich festgelegt, dass der Ehemann dem Arbeitsgesuch seiner berufstätig werden wollenden Ehefrau zustimmen musste. Junge Chinesinnen unterziehen sich Schönheitsoperationen, damit sie auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen haben (SZ 20: 21 vom 26.01.2016). Obwohl junge Frauen derzeit bessere Leistungen im Abitur und immer öfter auch im Studium erbringen als die jungen Herren der Herrlichkeit, sind sie in leitenden Positionen der Berufswelt und in übergeordneten Entscheidungsgremien unterrepräsentiert: der berufliche Werdegang von Frauen endet nach wie vor in den allermeisten Fällen an einer "gläsernen Decke", was bedeutet, dass etwa die Hälfte der Humanintelligenz betreffend den kulturellen Fortschritt unwirksam, weil unterdrückt und mißachtet bleibt ("Es gibt keine weiblichen Einsteins. Frauen haben Qualitäten in anderen Berufen, sie sind z. B. gut beim Töpfern" (DIE ZEIT 12: 73 vom 19.03.2015)). Dies dürfte einer der ganz wenigen Fälle sein, in dem die Mehrzahl herrlicher Entscheidungsträger über Jahrtausende hinweg auf vorhandene Ressourcen absichtlich verzichtete, damit diese Enormen am Ruder und Steuer bleiben, so wie es ihnen ihre spirituellen Weltanschauungen vorgeben, die ihnen zudem die Last der Fairness und des Teilens abnehmen. Partizipationsrechte und Mitsprache der Frau bleiben minimal. 2010 waren 73% mehr Frauen als Männer im Niedriglohnsektor (<Euro10,30.-/Std.) tätig (BR2 17.05.2013 9-10 Uhr). Das ist nur praktizierte Käfig- und Bodenhaltung, ausgeführt von einem globalen phallozentrierten Männerkartell. In Herrenclubs, Männerzirkeln und Pinguinparaden feiert Mann/Boss/Feldherr/Chef/Direckter/Brofessa/Mänätscha/Abteilungsleiter/Minista/Präsident/Capitanodilettanto/Vorstandsvorsitzender/blingbling/bungabunga/ etc.pp. (und sonstige Vorteilsammler mit Fantasietiteln) sich selbst (DER SPIEGEL 5: 75 vom 30.01.2012). Frauen leisten 2/3 aller Weltarbeitsstunden, erhalten aber nur 10% der Weltlohnsumme (SZ 250: V2/2 vom 29./30.10.2011). Typisch die Bemerkung des spanischen Politikers Jose Manuel Castellao Bragagna 2012: "Gesetze sind wie Frauen: sie sind dazu da, mißbraucht zu werden". Weitere Tatsachen: bis 2011 sind von der Schwedischen Akademie nur 10 Nobelpreise an Frauen vergeben worden; im Pariser Pantheon sind von 70 Persönlichkeiten nur zwei und in der Münchner Ruhmeshalle von knapp 200 Koryphäen nur fünf weiblichen Geschlechts. Bis 2014 gingen von 847 Nobelpreisen nur 47 (5,5%) an Wissenschaftlerinnen (DIE ZEIT 50: 41 vom 04.12.2014). Noch nie gab es eine Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika; vielleicht ist es 2017 endlich so weit. Nur 20% von 320 Direktorenstellen an Bayerns Gymnasien werden von Frauen gehalten (SZ 130: R15 vom 08.06.2016). Trotz verfassungsrechtlich gesicherter Gleichstellung, Gleichbehandlung und Gleichberechtigung erhält Frau für dieselbe Arbeit bis zu 24% weniger Lohn als Mann (Stand 2012). Gewalt manifestiert sich auch im Unglück verkuppelter, um ihre Entscheidungsfreiheit gebrachte Abkömmlinge: die in vielen Fällen Ungewollten sind auf diese unanständige Art in die Wüste geschickt und entsorgt worden. Die Legalisierung der Prostitution in der BRD 2001 verstärkte den Menschenhandel und verschlechterte Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Frauen; siehe Kajsa Ekis Ekman (2010): Sein und Ware; Rahel Gugel (2010): Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitution und Artikel 3 II Grundgesetz; Dissertation. Als unsäglich demütigende, seelisch-sexuelle Gewalt gegen Frauen interpretiere ich die im Jahre 2000 medizintechnisch möglich gewordene Option "Leihmutterschaft": Bezahlte Benutzung des Körpers einer Frau als Gefäß, als schnellen Brüter; siehe dazu auch GEO 12: 138-160; 2011. Noch unsäglicher der von UNO und WHO als menschenrechtsverletzend bewertete "Initiationsritus" in einigen Staaten Afrikas (z. B. im patriarchalischen Sierra Leone) betreffend Mädchen: die fgm: female genitale mutilation, exekutiert an einem geweihten, heiligen Ort. Dieser Gewaltakt, sehr wahrscheinlich erstmals praktiziert im Alten Ägypten und deshalb pharaonische Beschneidung genannt (SZ 122: 35 vom 30.05.2015), wird von den in geheimen Frauenbünden organisierten Verstümmlerinnen als zu bezahlende Maßnahme zur Vervollkommnung der Frau gesehen (BR 2 am 02.01.2012: 11-12 Uhr). Laut UNICEF werden täglich 6000 solcher Verstümmelungen vorgenommen (DER SPIEGEL 35: 52-56 vom 22.08.2015). Siehe auch den seit Jahrzehnten laufenden Femizid - realisiert durch Abtreibung weiblicher Föten und medizinische/soziale Vernachlässigung von Mädchen - in Indien, China, Aserbaidjan, Albanien, Armenien und Georgien, der zu einer geschätzen Fehlzahl von 117 Millionen Frauenleben geführt hat (DIE ZEIT 12: 23-24 vom 15.03.2012; 13: 23-24 vom 21.03.2013). 70% der 2 Milliarden global Mangelernährten waren im Jahr 2015 Frauen; Ursache hierfür war oft Doppeldiskriminierung (SZ 230: 20 vom 07.10.2015). Die Zahl ungewollter Schwangerschaften - wegen mangelnder Aufklärung, fehlender Verhütung und nicht bestehender Gleichberechtigung - ist 2015 von der Stiftung Weltbevölkerung auf 75 Millionen - das sind ca. 90% aller - geschätzt worden (SZ 297: 09 vom 26.12.2015). Erfreulich der 2014 verstärkte Alphabetisierungsunterricht für Frauen in arabischen Ländern (DIE ZEIT 53: 68-69 vom 23.12.2014). Eltern zwingen ihre Töchter zur cyber-Prostitution, um auf diese Art ihre prekären Einkommensverhältnisse aufzubessern (DER SPIEGEL 11: 56-59 vom 10.03.2014). Erfreulich die landesweiten Proteste gegen Machismo, nachdem eine 23-jährige Inderin am 16.12.2012 in Delhi in einem Bus gruppenvergewaltigt, gefoltert und dabei tödlich verletzt worden ist. "Eine Frau trägt eine viel größere Verantwortung für eine Vergewaltigung als ein Mann.", so einer der Täter, der mit seiner Aussage zur frauenverachtenden Kultur Indiens beiträgt. Todtraurig die Tatsache, dass sich eine 17-jährige Inderin das Leben nahm, nachdem eine Polizeibehörde ihre Anzeige wegen Vergewaltigung nicht aufnehmen wollte und statt dessen riet, einen solchen Mann zu heiraten; statistisch gesehen wird in Indien alle 30 Minuten eine Frau vergewaltigt. Witwenverbrennungen waren dort bis ca. 1995 legal; Witwen gelten dort traditionell als Ballast; zudem bringen sie Unglück (BR2 14-15 Uhr vom 04.09.2013). In Südafrika wird im zeitlichen Mittel alle neun Minuten ein Mensch vergewaltigt (DER SPIEGEL 14: 88-90 vom 30.03.2013). Das Unwort des Jahres 2012 - Opferabo - vergrößert das Problem. Hilfegesuchen von Vergewaltigungsopfern sind hierzulande in ordenseigenen Krankenhäusern wegen ihrer "Ethikrichtlinien" nicht entsprochen worden (DER SPIEGEL 4: 38-39 vom 21.01.2013). Verhütung und damit verbundene gesundheitliche Risiken ist i. d. R. Sache der Frau. Laut
ILO werden weltweit über 11 Millionen Frauen und Mädchen kommerziell sexuell ausgebeutet und pro Person ein Wirtschaftsgewinn von durchschnittlich 21800 Dollar erwirtschaftet. In summa: jede Menge verwerfliche Gewalt gegen das weibliche Geschlecht. Typisch das Foto von der festgenommenen und per brutalem Polizeigriff frontal auf den Boden gepressten Femen-Demonstrantin auf dem Brüsseler EU-Russland-Gipfel: eine mit Protestsymbolen und -zeichen verzierte blanke Frauenbrust, niedergedrückt auf eine kalte und dreckige Asphaltfläche einer Straße (SZ 296: 10 vom 22./23.12.2012). Typisch das milde Verwaltungsgerichtsurteil gegen den Polizisten Frank W. im Disziplinarverfahren am 09.03.2015, der einer gefesselten Frau schwere Fausthiebe ins Gesicht versetzte und deswegen nur degradiert wurde, weil diese Handlung angeblich nur eine reflexhafte "persönlichkeitsfremde Augenblickstat" gewesen sein soll (SZ 57: R1 vom 10.03.2015). Wehe denen, die eines Tages erklären müssen, wie es zu solchen Barbareien kommen konnte und warum man davon über Jahrtausende nicht lassen wollte. Die engagierte Rede der Ehrenbotschafterin der "HeForShe"-Kampagne Emma Watson vor der UN-Vollversammlung (http://ow.ly/BRwua), in der sie an die Realisierung und Einhaltung von Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Menschenrechten appelliert, war überfällig (SZ 221:11 vom 25.09.2014).
- In genannter Weltanschauung sind es u. a. Intoleranz, Körper-, Bildungs-, Fortschritts- und Frauenfeindlichkeit. Zu letzterem: Zitat Apostel Paulus "Der Mann ist das Haupt der Frau". Luther: "Das Weiberregiment nimmt selten ein gut End." Dazu eine Äußerung von anderer Seite: "Gott hat das Weib im Zorn erschaffen!" (Pandora). In der Epiphanie (Altgr.: plötzliches Sichtbarwerden einer Gottheit: hier die Erscheinung Gottes in der Welt in Christus) wird freilich nur vom Männlichen und seiner enormen, rie
ßigen Mächtigkeit geschwärmt: "....ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seinen Schultern; man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß.... etc. pp.". Das Frauenpriestertum wird strikt abgelehnt, weil Frauen keine Weiheämter bekleiden dürfen. Insgesamt blitzt da eine saftige Portion krankhafter Narzissmus auf. Selbstverständlich wird auch in anderen Weltanschauungen diskriminiert: Die Muslims der Insel Bali deuten psychische Erkrankungen als Strafe Gottes: die Erkrankten werden isoliert, eingesperrt und angekettet (DER SPIEGEL 19: 92-96 vom 06.05.2013). Die Buddhisten Myanmars verfolgen, vertreiben und morden die muslimische Minderheit des Landes (DIE ZEIT 21: 58 vom 16.05.2013).
- Im amerikanischen Rechtswesen führte der trivial-primitiv-archaische Treiber Rache/Vergeltung zur Einrichtung der Einpersonen-Gaskammer und dem willkürlichen Hinauszögern des Vollzugs der Todesstrafe über mehrere Jahrzehnte: beides kann als eine ins Super-Supremum entwickelte Grausamkeit interpretiert werden (Zeit Magazin 30: 30-35 vom 19.07.2012; SZ 163: 10 vom 18.07.2014). Freilich dürfen Angehörige von Opfern der Exekution live beiwohnen und nach Vollzug jubelnd Beifall spenden. Spätestens hier ist es, das Ende des Amerikanischen Traums bzw. der Beginn des Amerikanischen Alptraums.
- Eine weitere Form alltäglicher Gewalt entsteht durch Korrumpierung (G. Orwell (1945): Animal Farm: "Alle sind gleich, aber einige sind eben gleicher"). Quod licet Iovi, non est licet tibi bovi. Entsprechend diesem Grundsatz empfing ein geschiedener, wiederverheirateter, nachweislich fremdgegangener und bei dieser Gelegenheit sich selbst verjüngt habender Ministerpräsident Bayerns vom obersten Hirten einer Weltanschauungsgemeinschaft die Hostie. In anfänglich demokratisch geführten, politischen, sozialen, behördlichen oder wissenschaftlichen Einrichtungen macht sich ein Personalgeflecht breit, das aus Gründen der Vorteilnahme Programme, Arbeitsziele und Effektivität willentlich sabotiert (Beispiele: Robert Jungk: Der Atomstaat; DER SPIEGEL Nr. 21: 114-120 vom 23.05.2011, Nr. 52: 24-26 vom 23.12.2011) und einer flächendeckend manipulierten, dadurch entwürdigten und entmündigten "Konsensgesellschaft" Nachteile, Engpässe sowie unzumutbare Verzögerungen, Teuerungen und Risiken aufdrängt. Seilschaften (Altnazis, Klerus, etc.) zerstörten neutral offene demokratische Staatssysteme. Da hat sich ein mit speed-money geöltes System entwickelt, in dem "der Dreck oben schwimmt", in dem Nieten und Ignoranten den Professorentitel tragen und von denen einer sich erdreistete, coram publico zwei Mercedes-Geländewagen für Ägypten-Exkursionen auf Staatskosten zu ordern und gleichzeitig seine Diplomanden und Doktoranden verhungern zu lassen (Zitat: "Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert"); die Niete ist nie nur Zufall. Anders gesagt: allmähliche Aufweichung, kontinuierliche Degradation, Verwulffung, Berlusconisierung und Grecisierung eines demokratisch-neutralen Regelsystems samt seiner moralischen Werte bei gleichzeitiger Bagatellisierung schwerer Regelverstöße. Folgen solchen Verhaltens konnten 2010-2012 in den Beinahe-Staatsbankrotts von USA, Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien beobachtet werden. Siehe auch "Mallorca, wie es sinkt und kracht" (BR2 11.05.2013 von 13-14 Uhr). Korruption und Filz sind auch dann implizit bewiesen, wenn über Jahrzehnte stets dieselbe politische Partei die Regierung eines in die Pseudodemokratie abgeglittenen Staates stellt. In Drittwelt-Staaten geflossene Entwicklungshilfe-Gelder werden von korrupten Regierungen fehlgeleitet. Bestechung bewirkte, dass der Widerstand brasilianischer Ureinwohner gegen das riesige, ökologisch sehr bedenkliche und wirtschaftlich als prekär eingestufte Xingu-Wasserkraftwerk gebrochen wurde (DIE ZEIT 39: 17-19; 22.09.2011), damit Firmen lukrative Aufträge ausführen können. Institutionelle Korruption herrscht im Autorengremium des Manuals für Psychische Störungen DSM; viele dieser Autoren pflegen finanzielle Verbindungen zur Pharmaindustrie, was ihre "pro-industrielle" Denk- und Handelsweise fördert, Nachteile für Patienten bedeutet und die Glaubwürdigkeit ihrer Einrichtung untergräbt (GEO 03: 90-91, 2013). Viel zu selten und oft zu spät wird korrigierend eingegriffen, indem wegen Korruption, Faulheit und Überheblichkeit unproduktiv und immer teurer gewordene Landesämter und Ämter aufgelöst, untergeordnet, verkleinert oder zusammengelegt werden. Besser wäre: Sofortige Entlassung aller korrupten Bestandteile des Personals, damit diese alleine zu Hause auf eigene Kosten ihre hoheitlichen Dienste und Aufgaben - in dem Falle Korruption und Faulheit - weiterführen können. Siehe auch: Hans Herbert von Arnim 2013: Die Selbstbediener. Heyne.
Peter Huth, Jan Engelke und Marc-Paul Paustian 2005: Die Selbstbediener. Wer sich unser Geld einsteckt. Rowohlt. Es dauerte viel zu lange, bis für bayerische Landtagsabgeordnete das Gesetz zur Verwandtenbeschäftigung verschärft worden ist (Mai 2013).
Notabene: der Despot stabilisiert seine Diktatur dergestalt, dass er es einem Teil der Unterdrückten - seinen bedingungslos Loyalen, den Höflingen - so gut gehen lässt, dass es diesen besser Gestellten egal wird, wie es dem Rest ihrer Landsleute geht. Weiterführende Info: Prof. Jens Ivo Engels (2014): Die Geschichte der Korruption. Von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert; Fischer Verlag.

Negativ synergetische, abwärts-spiralisierende Effekte: viele Bestandteile und Eigenschaften dieses Systems kommen Menschen mit narzisstischen Defiziten entgegen und fördern ihre für sie selbst und andere schädlichen Verhaltensweisen: seelisch unterentwickelte oder regredierte Doms (Dominatoren: Perfektionisten, Misanthropen, Egoisten, Egozentriker, Egoshooter, Egomanen und Ego-Extremisten), die, um ihre innere Leere zu füllen, ihr verletztes oder unterentwickeltes Selbstwertgefühl - oft wegen Mangel an Liebe, Zuwendung und Wertschätzung in der frühen Kindheit - zu steigern und ihre Gier und Sucht nach Geltung, Bewunderung und Macht zu befriedigen, alles Erdenkliche tun und lassen, um in der Hierarchie sich immer weiter gewaltsam nach oben zu boxen und nach unten zu trampeln ("Leichen pflastern seinen/ihren Weg."; "Wir räumen den Weg frei."): andere unterdrücken, mobben, rufmorden, hassen, ausschalten oder nichts gelten lassen; siehe auch GEO 09: 64-80 (2012); und die Expertise des Psychoanalytikers Hans-Jürgen Maaz 2013: die narzisstische Gesellschaft: ein Psychogramm; C. H. Beck. Viele der auf Minderwertigkeit und Selbsterniedrigung getrimmten/geprimten Subs (Unterwürfige) lassen sich diese Akte massiver Unterdrückung - vielleicht sogar gerne - gefallen, nur um ihre inneren Konflikte und Spannungen zwischen Selbstwert und Repression zu minimieren. "Seit ich Deine Fessel trage, bin ich frei".- Saadi - Persischer Dichter *1193 †1292 (Aus: Kunst-Werkstatt Karl Schlamminger, Prestel Verlag München 2010). Sie sind dann Leute geworden, die sich gerne bücken und die tatsächlich glauben, dass sie nur dumm sind. Es endet garantiert in Selbstzerstörung, wenn sie meinen, ihre eigene Entscheidungsfreiheit war grenzenlos, als sie sich "freiwillig" unterwerfen. Entgrenzte Hingabe, Selbstaufgabe, Selbstunwirksamkeit, Passivität, Kapitulation, Kontrollverlust, hierarchische Herabstufung, Hörigkeit, Unterwerfung: all das endet stets in individuellen oder kollektiven Katastrophen. Tatsachenberichte über Verlauf und Konsequenzen individueller sexueller bzw. kollektiver weltanschaulicher Unterwerfungen belegen dies; siehe auch DER SPIEGEL 28: 130-132 vom 09.07.2012.
Endloses Herdendasein und endlos wiederkehrende Unterwerfung: gespenstisch irreal anmutend unter diesem Aspekt die Fronleichnamszüge durch kriegszerstörte Großstädte des ehemaligen 3. Reiches (SZ 124: R16 vom 02.06.2015): erst folgten die Schafsherden braunen, dann erneut katholischen Leithammeln. Auch nach so viel Leid erfolgte kein Erkenntnisgewinn, wohin blinder Gehorsam führen kann. Unbeirrte Trippelschritte in Richtung Hoffnungslosigkeit und Unterwerfung.

Soviel zur strukturellen Gewalt, zu der es freilich noch viel mehr zu sagen gäbe (zu den Themen "Macht" und "Gewalt" siehe auch die Veröffentlichungen des norwegischen Mathematikers und Soziologen Johan Galtung sowie die fundierten und ausführlichen Beiträge in Wikipedia). Zusammengefasst bleiben die Haupttreiber Steigerungs-, Konformitäts- und Selektionszwang ad infinitum sowie Manipulation, Vorteilnahme und Unterdrückung um jeden Preis. Diese z. T. sog-erzeugenden Treiber, die Hauptbestandteile verwerflicher anthropogener Gewalt, sind seit Menschengedenken todtraurige und offensichtlich konstant präsente Alltagserscheinungen.

Die Befehlskette - implizite Struktur in obligatorisch hierarchisch organisierten Gemeinschaften (ein literarisch bestens verarbeitetes Beispiel hierfür ist "Der Process" von Franz Kafka) - und technische Apparate erleichtern, verstärken, fokussieren und beschleunigen wegen ihrer Distanzierungs-, Automatisierungs-, Anonymisierungs-, Robotisierungs-, Potenzierungs- und Entpersonalifizierungseffekte (Bernd Guggenberger: das Entschwinden der Wirklichkeit) die Anwendung von Gewalt. Das ist fatal. Beispiel: Computergestützte Fernlenktechnik, die mittels Drohnen (Predator, Reaper-Sensenmann und Nachfolgetypen) GPS- und Laser-gesteuerte Bomben metergenau ins Ziel setzen und die Wirkung der Aktion per Video in die Zentrale funken (siehe auch GEO 01: 61-62, 2012; DER SPIEGEL 50:112-116 vom 10.12.2012).
Eine Vielzahl findiger Individuen hat das im Mißbrauchsfall grauenvoll wirkende Instrument exekutierter / mobilisierter Macht - die Gewalt (sie setzt Macht- und Herrschaftsbeziehungen durch und/oder wirkt grob, unrechtmäßig und sittenwidrig auf Personen ein), welche gleichbedeutend ist mit überzogenem Freiheitsgebaren - inzwischen institutionalisiert und kultiviert. Die Scheu vieler Menschen vor Entscheidungsfindung, Verantwortung, Freiheit und Eigenständigkeit - ihre Schwäche - , ihre Angst vor den bzw. vermeintliche Hilflosigkeit wegen der bis dato noch nicht geklärten oder möglicherweise nie klärbaren Daseins- und Sinnfragen unseres existentiellen Woher-Warum-Wohin sowie aus diesem Dilemma / dieser Schwäche entstandene Fesselungen an traditionellen Denkmodelle und von weltanschaulichen Organisationen - das sind gruppenidentitätsstiftende, miteinander konkurrierende und sich gegenseitig bekämpfende Glücksillusionsindustrien - dringend und wärmstens empfohlene schablonierte Lebensentwurf-Modelle sind dafür verzweckt und mißbraucht worden (DER SPIEGEL 52: 112-123 2012). Das ist unerträglich.

Der Text wendet sich gegen verwerfliche Gewalt jeder Art sowie gegen Grausamkeit, Fundamentalismus und Extremismus und damit verknüpfte individuelle und organisierte Manipulation (letzteres ist bestens beschrieben in A. Elter 2005: Die Kriegsverkäufer - Geschichte der US-Propaganda 1917-2005 und W. J. T. Mitchell 2011: Das Klonen und der Terror: der Krieg der Bilder seit 9/11), Dummheit und Lügerei; es wird dazu aufgerufen, mehr Vernunft, Humanität, Zivilcourage, Emphatie, Verantwortlichkeit, Ausgeglichenheit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Fairness und kritisch-begrenzte Toleranz zu leben. Nur so wird vertrauliches und friedliches Beisammensein wieder erreichbar und dauerhaft. Ich stimme nicht mit den Ansichten des Philosophen John Gray und des Medientheoretikers Norbert Bolz überein, dass Humanität nur ein Aberglaube sei (DER SPIEGEL Nr. 9: 136-140; 2010) und "Geld funktionaler Ersatz für unmöglich gewordene Ideen des Humanismus" geworden sein soll. Da es Einrichtungen für Wissenschafts- und Technikfolgeforschung gibt, denke ich nicht, dass die Philosophie tot ist, weil sie angeblich mit den neuesten Erkenntnissen in den Wissenschaften nicht mitgehalten hat (S. Hawking & Mlodinow 2010: 11: Der große Entwurf). Freilich diskutieren Philosophen wie B. Kanitscheider und seine Kollegen z. B. in "Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie" und "Philosophia naturalis" die Folgen dieser Erkenntnisse für den Menschen.

Implementierte und über Jahrhunderte tradierte Gewalt: Impliziter Zwang und immanente Gewalt im System einer Weltanschauung:
Das Römische Kreuz ist ein kaschiertes, vor vielen Jahrhunderten institutionalisiertes Gewaltsymbol. In einer längeren Textpassage wird ausgeführt, dass dieses Folterinstrument - Emblem einer rezidiv der Dekadenz verfallenen weltanschaulichen Organisation - kein Zeichen für Hoffnung, Trost, Heil und Todesüberwindung sein kann, sondern in Wirklichkeit nur größte Angst, Unterdrückung, Gewalt und Grausamkeit bedeutet. Es wird dargelegt, welche Folgen kollektiv gelebter, weil bequemer Denkverzicht zeitigt: wenn der Großteil der Gesellschaft über die ursprüngliche Bedeutung, den primären, ganz und gar banalen und bodenständigen Zweck eines zur heiligsten Ikone auserkorenen Folter-Utensils seit langem nicht mehr reflektiert und dieses Nachdenklichkeitsvakuum, diese geistige Oberflächlichkeit, in seliger, törichter Gedankenlosigkeit weitertradiert und verbreitet.

Stellvertretend für sehr viele Erziehungsbefohlene - ehemalige, derzeitige und zukünftige - mache ich mittels Schilderung traumatischer Erlebnisse deutlich, welch schädliche Wirkung die programmatische Multiplikation und Verbreitung pädagogischer Inhalte hat, die aus Erzählungen über gewaltsame und grausame Handlungen bestehen und die keine vernünftige und logisch nachvollziehbare Vermittlungsnotwendigkeit erkennen lassen; vorgetragen von authorisierten Vertretern von Bildungsinstitutionen und von einer weltanschaulichen Organisation.

Die entsetzliche, singulär beschämend lange Liste anthropogener Gewalteruptionen mit Todesfolge - die ich nach meinen in ca. dreißig Jahren gemachten Erfahrungen und erhaltenen Eindrücke in deutschen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen hier allesamt als Kreuzigungen im übertragenen Sinne interpretiere - ist selbstverständliches, grundsolides und unschlagbares Argument gegen die Existenz einer übergeordneten Institution, die angeblich das Weltgeschehen gütlich und weise steuert; und implizit gegen die nur für den eigenen Vorteil erfundenen und Milliarden anderen gewaltsam aufgedrängten Macht-, Geltungs- und Herrschaftsansprüche ihrer selbstinthronisierten irdischen Vertreter, die seit gut 17 Jahrhunderten "Das Böse" nicht erklären und erst recht nicht aus der Welt schaffen können und wollen, sondern nur davon reden, wenn sie es für notwendig halten. Die in der Zeit persistenten Tatsachen und Zustände Gewalt, Zwang und Leid können nicht Bestandteile und/oder Folgen eines großartigen Schöpfungsplans einer vernünftigen und gutmeinenden überirdischen Institution sein. Der im September 2011 vom Oberinterpreten des angeblich Allmächtigen geäussete Punkt, Gott lasse dem Menschen die Entscheidungsfreiheit, Böses zu tun, ist reine Spekulation und Ausflucht. Das gebetsmühlenartig vorgebrachte Pseudoargument der "Unerklärbarkeit des Willen Gottes" ist nichts anderes ist als ein verharmlosender Ausdruck für supreme Despotenwillkür ("Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt") und zudem ein ungültiger, weil nur trivialer und billiger Allgemeinplatz. Es ist seiner vollkommenen Unverständlichkeit und monströsen Irrationalität wegen zutiefst erschütternd und unfassbar, dass sich so viele Menschen über so lange Zeit mit so etwas Geringem wie nur primitiv-simpler Willkür - das ist nichts anderes als beliebiges Gewähren von Gnade oder Ausführen von Terror - haben abspeisen lassen, weil sie glaubten, in der Unterwerfung einen vermeintlichen Vorteil, nämlich ihr Seelenheil im Jenseits, zu finden. Die Ausübung von Willkür bedeutet - ähnlich dem Morden - die Versachlichung von Menschen (Albert Camus) und ist somit vollendete Unmenschlichkeit, da ihre Bedürfnisse, Äusserungen und Reaktionen in aller Absicht vollständig ignoriert werden.

Freilich lasse ich jeder Person ihre Weltanschauung, solange sie diese maßvoll haltend und nicht extremistisch lebt: mit ihr nicht aggressiv wirbt, sie anderen nicht aufzwingen möchte, sie nicht als "Argument" für das Ausgrenzen, Ghettoisieren oder gar Morden "Ungläubiger" missbraucht sowie andere und sich selbst damit nicht unterdrückt, ausbeutet, aus der Wirklichkeit und letztendlich aus dem Leben drängt. Ich habe aber auch verstanden, dass ein gemeinsamer und verbindender Glaube an das Überirdische und an eine bessere Welt im Jenseits - Jesse Berings "nützliche Illusionen", Heinrich Heines "Eiapopeia vom Himmel" - seelischen Halt geben, Angst mindern, soziales Verhalten fördern, Gruppenidentitäten stärken und so zum Aufstieg von Zivilisationen beitragen kann (DER SPIEGEL 52: 112-123 vom 22.12.2012). Säkulare Ethik - statt Weltanschauungen - als Basis für Frieden (Tendzin Gyatsho alias Dalai Lama 2015).

Trotz allem: für die Folgen aller seiner Entscheidungen und Handlungen sowie die sich sowohl unmittelbar als auch langfristig daraus ergebende Qualität und Beständigkeit des Daseins, Zusammenlebens und Koexistierens zeichnet einzig der Mensch verantwortlich; wer denn sonst; niemand anders steuert als nur der Mensch; und nur er ist für alles verantwortlich. Und er wird keine andere Wahl haben als schnell und in Demut vor seiner eigenen Dummheit lernen zu müssen, mit den Verlusten und Widrigkeiten leben und auskommen zu können, die er selbst geschaffen hat: schmerzliche Begegnungen seiner selbst (Richard Ford 2012): Er wird den Folgen seiner Handlungen immer öfter begegnen bzw. mit ihnen konfrontiert werden. Alleine auf sich selbst geworfen wird er sein Dasein nur dann dauerhaft friedlich gestalten können, wenn er selbst, wie Friedrich Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" feststellte, die negativen, weil verwerflichen Seiten seiner Aggressivität und Irrationalität überwunden, endgültig abgelegt und dritter Klasse begraben hat. Nach C. De Duve (Die Ursünde 2010) ist sein an der natürlichen Selektion orientiertes Handeln dabei das größte Problem: weil es nur kurzsichtiges Agieren ist, das meistens sofortigen Nutzen statt langfristigen, nachhaltigen Vorteil anstrebt. Die am dauerhaften Vorteil und Nutzen für alle ausgerichteten Handlungsweisen kann der Mensch nur durch mühsames Erlernen in den Griff bekommen, weil in seiner Genetik dazu kein Programm angelegt ist. Wenn aber seine Art langfristig bestehen soll, wird er seine an der natürlichen Selektion orientierte Verhaltensweise ändern müssen. Der Wirtschaftswissenschaftler Robert H. Frank meint dazu, dass sich die Schere zwischen individuellen (meist kurzfristigen) und kollektiven (langfristigen) Interessen nicht zu weit öffnen darf (GEO 10: 68-69, 2012).

Das nun folgende ist sorgfältig recherchiert und wohl begründet. Der Text enthält mehrere drastische Passagen. Wer die seelisch nicht verkraftet, möge bitte diese Absätze überspringen oder die URL wechseln; niemand muß das lesen: im Gegensatz zu eigenen traumatischen Erfahrungen will ich niemanden zwingen, solche Inhalte aufzunehmen, die sensiblen Menschen möglicherweise den Rest ihres Lebens Probleme bei der mentalen Bewältigung bereiten. Zudem empfehle ich nur denen im Text fortzufahren, die eine vernünftige Position zur Meinungsfreiheit und Toleranz vertreten.

Ausführung

Kreuzigung ist exzessiver Terror, unvorstellbar grausame Folter, Sadismus und Perversion pur. Wie unendlich traurig, dass der Mensch auch das als entehrende Tötungsart für Vertreter des männlichen Geschlechts erfunden hat (Brockhaus 2000 Band 3, Seite 2554, 9. Auflage) und über viele Jahrhunderte praktizierte. Jeder zum Tod am Römischen Kreuz verurteilte wird erst in extremis und dann ad exitum getrieben: Kreuzigung bedeutet, eine Person coram publico langsam sterben zu lassen, indem sie - nackt fixiert an Hand- und Fußgelenken - an einem aufgerichteten Holzbalkenkreuz bis zum Eintritt des Todes hängen gelassen wird (Maslen, M. W. & Mitchell, P. D. (2006): Medical theories on the cause of death in crucifixion.- Journal of the Royal Society of Medicine 99: 185-188, London, UK). "Sedile" und "Suppedaneum" verlängern - v. a. bei körperlich gesunden und kräftigen Männern - den Todeskampf auf viele Stunden oder gar Tage. Das Sterben in beschriebener Stressposition am Römischen Kreuz kann auch durch aufgezwungene Selbststrangulation geschehen, weil das an den fixierten Armen zerrende Körpergewicht die freien Atmungsbewegungen des Thorax zu sehr einschränkt und der Körper auf Dauer zu wenig Sauerstoff erhält. Daraus resultiert eine der Varianten des Erstickenlassens, die besonders lange dauert; in diesem Fall wirkt das Römische Kreuz wie ein Zeitlupengalgen. Demgegenüber erscheint das ca. 20-minütige Krepieren in einer Hitlerdeutschen oder Amerikanischen Gaskammer als Gnade.
Die Tötungsmethode Kreuzigung wurde auch bei Massenhinrichtungen angewandt: z. B. an den vom Prätor Marcus Licinius Crassus gefangen genommenen 6000 Sklaven und verarmten landlosen Freien, die nach verlorener Schlacht - das war die sogenannte Spartakus-Revolte (73 v.Chr.) gegen unmenschliche Lebensverhältnisse wie Unterdrückung und Knechtschaft - 71 v.Chr. längs der Via Appia zwischen Capua und Rom kollektiv gekreuzigt wurden. In der westlichen Welt war die Kreuzigung bis ins Jahr 313 n.Chr. im Katalog gerichtlicher Strafen angeführt.

Extremistisch/Extrem (aus dem Lateinischen abgeleitet) bedeutet "das Äusserste", "das Entfernteste", "das Ärgste". Verwerfliche menschliche Gewalt jeder Art und besonders die mit absichtlicher Grausamkeit verknüpfte ist zweifellos grenzüberschreitend, weil sie sich ausserhalb des Geltungs- und Wirkungsbereiches des humanitären Codex bzw. des Common Sense (John Locke) befindet. So interpretiere ich wegen ihrer suprem grausamen Wirkung die Kreuzigung sowie die öffentliche Zurschaustellung des dazu verwendeten Folterinstruments - das Römische Kreuz - als extrahumanitäre und somit extremistische Handlungsweisen, die von inhumanen Individuen angeordnet und/oder ausgeführt wurden und werden. Die erste schriftlich belegte Kreuzigung fand in Jahr .... v.Chr. statt. Japanische Soldaten nagelten während des 2. Weltkriegs chinesische Trostfrauen, die ihnen nicht zu Willen waren, an die Wand. Kreuzigungen sind nach Angaben des Journalisten und Schriftstellers Arkadi Babtschenko in den Tschetschenienkriegen (1994-1996, 1999-2000) sowie vom IS 2014/16 in Syrien und im Irak exekutiert worden.

Das Römische Kreuz ist Wahrzeichen und eines der wichtigsten Mittel im Terror-Management (DER SPIEGEL 21: 109 vom 21.05.2012) - das ist das Steuern und Ausnutzen der Wirkung lähmender Angst vor dem Sterben - einer international präsenten weltanschaulichen Organisation, welche in törichter Weise wie alle anderen weltanschaulichen Organisationen die höchste und letzte Wahrheit ausschließlich für sich selbst beansprucht, diese und freilich - wie regelmäßig in frohen Osterbotschaften, feierlichen Weihnachtsansprachen und anderen Frömmigkeitsevents und Heiligkeitsereignissen beteuert - auch den Frieden verbreiten möchte und vorgibt, für bestes moralisches Gut einzustehen und entsprechende Tugenden vorbildlich, makellos und lupenrein zu leben. Auch wenn ich einige kulturelle Einrichtungen und Wirksamkeiten genannter weltanschaulicher Organisation in Ordnung nenne sowie einigen von ihr finanzierten Kunstschöpfungen Respekt entgegenbringe, so erscheinen mir ihre bedenklich vielen und erstaunlich umfangreichen Schlagschattenseiten wie z. B.
- rezidiv angehäufte und egoistisch-geizig einbehaltene Güter wie exorbitante Mengen an Sachwerten und Geld (DER SPIEGEL Nr. 24, 14.06.2010: 66-69; schamlos der Spenden-EC-Geldautomat in der Bürgersaalkirche einer Landeshauptstadt; gnadenlos der Kirchensteuerbescheid über Eurocent 16.- vom 10.07.2007; Recherchen ergaben, dass genannte Organisation im Jahr 2012 in der BRD über ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe verfügte (DER SPIEGEL 52: 136 vom 22.12.2012; alleine ihr Verwaltungsbezirk Köln verfügt nach eigenen Angaben über ein Gesamtvermögen von 3,3 Mrd. Euro DIE ZEIT 09: 37 vom 26.02.2015)) sowie Wissen und Information, gefährliche, weil permanent Unfrieden stiftende Intoleranz in Form des totalitären Anspruchs auf alleinige, krankhaft narzisstische Deutungshoheit (Der Oberhirte: "Ich bin nur ein kleiner Gärtner, .... Ein Gärtner ist auch dazu da, die Schädlinge zu vernichten und das Unkraut auszusortieren" (DIE ZEIT 50: 62; 09.12.2010)), Hochmut, Selbstgefälligkeit, Unaufgebbarkeit des Missionsgedankens, ihre großen Bedenken gegen die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1717, Sendungsbewusstsein, undemokratisches Gebaren (der Oberhirte ist Vertreter einer absolutistischen Monarchie), Mißbrauch von Gehorsamkeit, Privilegiertheit (war in Italien lange Zeit grundsteuerbefreit (SZ Nr. 1: 21 vom 02.01.2012); führte die Unverlierbarkeit des Weihesakraments für das Bischofsamt ein), Prunksucht (DER SPIEGEL 34: 40-42 vom 20.08.2012, 42: 65-70 vom 14.10.2013), Geldwäsche (DER SPIEGEL 27: 88-91 vom 02.07.2012; erst im Jahr 2011 ist in dieser Organisation das erste Gesetz gegen Geldwäsche erlassen worden (DER SPIEGEL 12: 94-95 vom 18.03.2013)), Rechtsbeugung durch Aufstellen und Einsetzen internen Untersuchungskommissionen, die angeblich Rechtsverstöße verfolgen und aufklären sollen, unangemessene und penetrante Einmischung in moralisch-ethische Fragen, inhumane Positionen zu Scheidungsrecht, Sexualität (nur "fruchtbarer Geschlechtsverkehr" ist erlaubt) und Fortpflanzung (z. B. §218-Streit, "Memminger Hexenjagd" im August/September 1988; der Oberhirte verkündete im Jahr 2010 vor Malteser Bürgern: "Seid stolz darauf, dass Euer Land ein stabiles Familienleben fördert, indem es Scheidung und Abtreibung ablehnt." In: DER SPIEGEL 23: 2011:104, 06.06.2011), Intransparenz, Kungeleien und Kumpaneien mit politischen Parteien und besonders reichen weltlichen Organisationen (DER SPIEGEL Nr. 37: 82-83; 2010), Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller, Unterdrückung der Frauen, Ächtung und Bekämpfung aller anderen Weltanschauungen (z. B. die vom weltanschaulichen Extremisten Terry Jones angekündigte Koranverbrennung am 11. Sept. 2010 und ihre Durchführung am 20.03.2011, was zu Gewaltausbrüchen mit 17 Toten in Afghanistan führte), Unterlaufen der gesetzlich festgelegten Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht (z. B. die im Dezember 2010 öffentlich angedachte und erwogene Möglichkeit einer Ansprache des Oberhirten im Deutschen Bundestag und seine Realisierung am 22.09.2011), Fortschrittsfeindlichkeit, Mißachtung der Naturwissenschaften, offizielle Geringschätzung - ein den Nazis entsprechendes Verhalten - von Intellektualität, Philosophie, Psychologie und Psychiatrie; Heuchelei, Unehrlichkeit; Nichtpositionierung gegenüber der fundamentalistisch-ultrakonservativen, antidemokratischen Randgruppe genannter weltanschaulicher Organisation sowie berufliche Beförderung von ertappten Missetätern nach ihrer Amtsenthebung in interne Austragshäusl und Abstellkammern (1: ein hoher Würdenträger, der am Ostersonntag, den 04.04.2010 kurz vor seinem Sturz in den moralischen Orkus seine Unschuld feierlich verkündete (Zitat: "Ich habe ein reines Herz"), erhielt nach ca. 2 Jahren Auszeit nebst Trockenlegung einen hohen Berater-Posten im Vatikan; 2: eine wegen plagiatsbedingter Titelaberkennung entlassene Bundeswissenschaftsministerin mit Theologiestudium erhielt im Juli 2014 einen Botschafterposten im Vatikan. 3: ein wegen schweren Untreuevorwurfs nach viel zu teurer Auftragserteilungen für den Bau seines Limburger Amtssitzes vom obersten Hirten entlassener Gottesmann wurde im Dezember 2014 Delegat im päpstlichen Rat für Neuevangelisierung);
sehr problematisch. Es wurde viel zu lange und zu oft schales Wasser sowie schimmlig und steinhart gewordenes Brot gepredigt, aber heimlich eisgekühlter Schampus gesüffelt und leckere Trüffelchen vernascht. Walther von der Vogelweide klagte schon im 12. Jhd. entsprechende Mißstände an. Große Teile dieser weltanschaulichen Organisation sind noch verlogener als der von strenggläubigen Künstlern auf frommen Passions-Bildern und -Plastiken dargestellte Lendenschurz von Gottes Sohn, als er erst an der Geißelsäule und dann am Römischen Kreuz hing. Verheerend auch die Breitenwirkung von Haßpredigten gegen Heiden, andere Minderheiten und Sündenböcke, zementiert durch diverse Bibelstellen: "Sollte ich nicht die, die Dich hassen, Herr, hassen und für die, die sich gegen Dich auflehnen, Ekel empfinden? Mit äusserstem Hass hasse ich sie; zu Feinden sind sie mir geworden" (Psalm 139); "Wer nicht mit mir ist, ist wider mich" (Matthäus 12, 30). Siehe auch
Peter Dinzelbacher 2003: Mentalität und Religiosität des Mittelalters - Gesammelte Studien 1, Kitab Verlag. Auf einer Konferenz im Jahr 1139 ist aus materiellen Gründen der Zölibat - angeblich ein besonderes Geschenk Gottes - für Amtsträger allgemeinverbindlich bestätigt worden, um Alimente-Zahlungen abzublocken und noch mehr Erbschaften einzuheimsen. Viele Vertreter dieser weltanschaulichen Einrichtung haben ihren über Jahrhunderte gepriesenen, beteuerten, unentwegt gepredigten und von den Gläubigen streng eingeforderten Tugendkatalog, dem zufolge Unschuld, Reinheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit, Armut (ein urchristliches Ideal, dem die meisten Würdenträger schon seit langem entsagt haben: so residiert z. B. derzeit einer von denen auf Staatskosten im vom kgl. Architekten Franz Cuvilliér gebauten Rokoko-Palais Holnstein mit einigen hundert Quadratmetern Wohnfläche in der Landeshauptstadt Bayerns und wird zudem mit einem Einkommen von monatlich ca. 10.000.- Euro zugeschüttet), Zurückhaltung, Selbstlosigkeit, Entsagung, Einhalten der Fastenzeiten (dazu zählte auch die Adventszeit), Treue, körperliche und geistige Disziplinierung und Ertüchtigung, Demut, Frömmigkeit, Bescheidenheit, Genügsamkeit, Selbstbeherrschung, Sparsamkeit, teilhaben lassen, Teilen (Brüderlichkeit), Güte, Generosität, Gönnerhaftigkeit, Zuversichtlichkeit, Unverzagtheit, Edelmut, Redlichkeit, Nüchternheit, Schlichtheit, Besonnenheit, Sanftmut, Friedfertigkeit, Geduldigkeit, Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit, Gleichmut, Fleiß, Pflichtbewußtsein, Besonnenheit, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Sittsamkeit, Lauterkeit, Gründlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Beständigkeit, Sauberkeit, Mildtätigkeit, Selbstlosigkeit, Opfersinn, Mitleid, Mitgefühl, Sensibilität (Feingespür), Einfühlung, Nächsten-, Feindes- und Wahrheitsliebe, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Wahrhhaftigkeit (T. von Aquin: "Veritas est adaequatio rei et intellectus"), Rechtschaffenheit, etc.pp.ff. zu leben sind, schändlich oft übergangen und verraten. Viele dieser unbequemen Wahrheiten sind von einer sehr mutigen Person am 31.10.1517 veröffentlicht worden; eine Handlung, die diese fast mit ihrem Leben bezahlt hätte. Die Säkularisation vom 25.02.1803 beendete zum wiederholten mal die moralisch verwerfliche, weil nur profane Geld- und Güteranhäufung (ein Verhalten, das sich im Sprachgebrauch des normalen Volkes niederschlug: z. B. Silbersonntag; Fettmönch = Münze (H.J.C von Grimmelshausen: der abenteuerliche Simplicissimus, Seite 369); "wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himml springt"), Machtkonzentration und Monopolstellung dieser weltanschaulichen Einrichtung; inzwischen ist sie längst wieder superreich geworden (In der "Inventur" zwecks Schaffung von "Transparenz" wird 1 Kirchengebäude auf 1 Euro geschätzt: SZ 142: R1 vom 22.06.2016) und ist mit den Reichen und Mächtigen bestens vernetzt. Nach dem 08.05.1945 wurde bekannt, dass diese nach Intervention von Bayernkönig Ludwig I. inzwischen wieder erstarkte weltanschauliche Organisation sich in der NS-Zeit v. a. für die Rettung einiger ihrer im KZ Dachau internierten Geistlichen einsetzte, sehenden Auges aber konvertierte Juden - wie z. B. die Philosophin Dr. Edith Stein - durch Verweigerung von Visa vor Verfolgung und Ermordung in den Gaskammern hitlerdeutscher Konzentrationslager nicht schützte sowie Massenmördern wie z. B. SS-Hauptsturmführer Dr. med. Josef Mengele und Adolf Eichmann "Ablasszertifikate" gab und Fluchthilfe über die Rattenlinie ins Ausland gewährte; freilich ist diese weltanschauliche Organisation auch dafür nie zur Rechenschaft gezogen worden; freilich setzten sich im Jahre 1951 Amtsträger dieser weltanschaulichen Organisation für die Begnadigung von Kriegsverbrechern ein, die bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zum Tode verurteilt wurden (DIE ZEIT Nr. 5: 18 vom 27.01.2011); freilich besetzte sie nach dem 08.05.1945 in größter Eile Areale in den KZs Dachau und Flossenbürg, um sie mit sakralen Symbolen und Einrichtungen auszustatten: mit diesen potjomkinschen Dörfern wollte sie vor der Öffentlichkeit Mitgefühl für ehemalige Inhaftierte heucheln und vielleicht auch ihr schlechtes Gewissen beruhigen. Sie war und ist immer opportunistisch auf der Seite der Mächtigeren, egal, ob diese Rechtsstaatlichkeit ausführen oder nicht. Siehe z. B. Weidner, T. & Rader, H. 2012: Typographie des Terrors. Plakate in München 1933-1945; Seite 47. Sie setzten sich auch nicht für den inhaftierten, ihnen unbequemen Geistlichen K. Aigner ein und entzogen ihm, als er sich im KZ Dachau in Schutzhaft befand, seine Cura (Süddeutsche Zeitung 15./16.09.2012; Nr. 214; Seite V2/6). Siehe auch: "Katholiken, Protestanten und die Machtübertragung".- Studientag der Evangelischen Akademie in Tutzing am 03.03.2013. In der Klärgrube bei einem von katholischen Nonnen betreuten Heim (1925-1961) (Tuan, Prov. Galway, Irland) für unehelich geborene Kinder wurden von der Historikerin C. Corless die Skelette von ca. 800 Individuen entdeckt, die bedingt durch Vernachlässigung und Unterernährung erkrankten und starben (SZ 128: 10 vom 05.06.2014). In Spanien kollaborierte genannte weltanschauliche Einrichtung mit dem Franco-Regime und organisierte profitorientierten Menschenhandel: über Jahrzehnte ausgeführten Kinderraub- und -verkauf (BR2 vom 14.04.2012, 13-14 Uhr; DER SPIEGEL 29: 90-92 vom 16.07.2012). Offizielle Organe dieser Weltanschauung unternehmen nichts Substantielles gegen die Nachfolger des am 01.12.2012 abgeschalteten Internet-Hetzportals kreuz.net, in dem mehrere hundert anonyme Publizisten ein antisemitisches und homophobes Kesseltreiben aufrechthalten (DER SPIEGEL 50: 36 vom 10.12.2012). Sie engagierte sich auch zu wenig gegen Menschenrechtsverletzungen durch Militärjuntas in Lateinamerika (DER SPIEGEL 12: 89-91 vom 18.03.2013) und in Afrika. Bedenklich die seit ca. 40 Jahren laufende Praxis mildtätiger, mit ihr assoziierten Organisationen, die Altkleiderspenden an full-profit-Unternehmen weitergeben (DIE ZEIT 45: 33 vom 03.11.2011). In Anbetracht der nicht enden wollenden Gewalt und des großen Elends auf der Welt ist es nicht vermittelbar, dass diese weltanschauliche Organisation große Kontingente an Zeit und Mitteln verschwendet für zahlreiche Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Seltsam, dass Angesichts des chaotischen und beängstigenden Weltgeschehens das Oberhaupt genannter weltanschaulicher Organisation im Jahr 2012 genügend Zeit und Ruhe fand, seine Trilogie über das Leben von Gottes Sohn mit einem Buch über dessen Kindheitsgeschichte zu vollbringen. Das ist auch deshalb pikanter Eskapismus, weil im selben Jahr auf dem Campus der Universität Debrecen in Ungarn ein 1944 entferntes Denkmal des hitlerverbündeten Miklos Horty wieder eingeweiht und von einem Geistlichen gesegnet wurde.
In einer Erklärung zur "Zukunft der Schöpfung" äusserten führende Vertreter dieser weltanschaulichen Organisation sogar noch gegen Ende des 20. Jhds. - auf einer Konferenz im Jahre 1980 - ihren wahren "Respekt" vor dem Leben, der Kreatur: da der Mensch ihrer Meinung nach die Krone der Schöpfung sei, "... ist er berechtigt, Leistungen und Leben der Tiere in Anspruch zu nehmen". (DER SPIEGEL vom 17.01.2011, Nr. 3: 41). Solch ein lapidar-zynisch geäusserter Anspruch auf schmackhafte Produkte aus Tier-KZs macht sprachlos. Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer sah dies jedoch ganz anders, indem er den unbedingten Respekt vor jeder Kreatur forderte.
Es erstaunt und stößt ab, dass diese weltanschauliche Organisation nichts Effektives gegen die fortschreitende Kommerzialisierung der Adventszeit (Christkindlesmarkt, etc.) sowie des Weihnachts- und Osterfestes tat.
Ich erachte es als eine besonders unverschämte und verletzende Anmaßungen, dass die universellen Menschenrechte angeblich Früchte genannter Weltanschauung sein sollen, sie selbst das sogenannte Weltgewissen repräsentieren und Hüter der Wahrheit sein möchte.
Selbstauskunft bezüglich Intoleranz: Es ist erst wenige Jahre her, dass die letzten Ruhestätten von Selbstmördern sich nicht auf den Friedhöfen genannter weltanschaulicher Organisation befinden durften.
Im Jahr 2010 sind die Tatbestände Mißbrauch und Mißhandlung in Serie an Erziehungsbefohlenen in Internaten (SZ 55: R19 vom 07./08.03.2015;
http://www.welt.de/politik/deutschland/article137783420/Schlaege-bis-die-Kinder-zu-Boden-gingen.html ), Waisenhäusern, Behinderten- und Taubstummenheimen dieser weltanschaulichen Organisation bekannt geworden; die Internate betreffend ist in einem Fall nachgewiesen, dass eine dieser Gewaltanwendungen gegen einen Jugendlichen mit der Segnungszusage "Du bist Gottes geliebtes Kind!" verbunden wurde (DER SPIEGEL 30: 42-44; 25.07.2011; siehe auch André Heller: Süddeutsche Zeitung Magazin 11: 62 vom 16.03.2012). Die erste Reaktion von maßgeblicher Stelle auf diese Fakten lautete: "Die Kirche ist ein Kunstwerk, das befleckt wurde; die Schönheit aber bleibt intakt." Freilich ist keinem der Opfer wirklich geholfen worden; freilich war keines der Opfer bei der kurz und knapp gehaltenen öffentlichen Entschuldigung am 11.06.2010 durch den Oberhirten geladen gewesen; freilich begann die vollmundig angekündigte und angeblich rückhaltlose Aufklärung erst nach massivem öffentlichem Druck extra zögerlich und wird - was denn sonst - in seichten Gewässern stranden; freilich kam von oberster Stelle für verantwortliche Anstalt-Chefs Entlastung; freilich sind alle diese Anstalten problemlos von derselben Organisation weitergeführt worden; freilich bekamen die Mißhandelten und Mißbrauchten nur sehr geringe finanzielle Entschädigungen und Mittel für psychotherapeutisch-psychiatrische Hilfeleistungen. Freilich fanden - man staune - vor diesen Anstalten sogar Sympathiekundgebungen für diese weltanschauliche Organisation statt. Freilich scheiterte schon im Januar 2013 das zwischen Kriminologen und Kirchenvertretern vereinbarte Forschungsprojekt zur juristischen Aufarbeitung der Mißbrauchsfälle wegen mangelnden Vertrauens, präventiver Zensur- und Kontrollwünsche und wegen mangelnden Willens zur Transparenz; und freilich sind in Geheimarchiven verwahrte Akten mit sittlichkeitsrelevanten Inhalten vernichtet worden (DER SPIEGEL 3: 46 vom 14.01.2013; DIE ZEIT 4: 52 vom 17.01.2013). So dauerte es drei Jahre, bis das sozialwissenschaftliche Institut IPP München am 07.03.2013 einen Untersuchungsbericht über ein oberbayerisches Benediktinerkloster vorlegte, der systematischen Mißbrauch und Mißhandlung in seinem Schulinternat bis in die 80er Jahre belegte (ZEIT ONLINE 07.03.2013). Der Mißbrauch an Schutzbefohlenen lief bis 2005 weiter und es dauerte dann nochmal über 10 Jahre, bis ein weltliches Strafgericht einen dieser heiligen Missetäter - Mönch, Priester, Religionslehrer und Präfekt - zu einer siebenjährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilen konnte (SZ vom 10.08.2016).
Fortsetzung folgt: erst nach Beginn unabhängiger Ermittlungen 2015 sind weit mehr - über 230 - als nur 72 Mißbrauchs- und Mißhandlungsfälle zwischen 1953 und 1992 auch bei den Regensburger Domspatzen bekannt geworden (SZ 05: R13 vom 08.01.2016, 13: 03 vom 18.01.2016, 23: 12 vom 29.01.2016); inzwischen haben sich 422 Personen wegen derartige Übergriffe bei einem Ermittler gemeldet (SZ 237: R13 vom 13.10.2016).
Und freilich beruht es auf der noch stärker ausgeübten Unterdrückung der Frauen, dass noch fast keine entsprechenden Geschehnisse aus Mädcheninternaten öffentlich bekannt geworden sind (Andreas Altmann 2011: 32-34). Und freilich empörte sich die Volksseele weitaus mehr, als ein Politiker wegen des Herunterladens kinderpornografischer Dateien 2014 in die Schlagzeilen geriet und dessen Prozess schon für den 23.02.2015 angesetzt wurde.
Diese weltanschauliche Einrichtung ist entgegen ihrem Leitspruch "Geben ist seliger denn nehmen" heute - auch wegen der über die Jahrhunderte angesammelten Eingänge ungezählter Geschenke und Erbschaften törichter Gläubiger, die damit die Macht dieser weltanschaulichen Organisation zementieren und entsprechend dem Ablass Seelenheil erkaufen möchten - die weltweit reichste und deshalb mächtigste und einflußreichste Global-Organisation, welche es sich leichthin leisten kann, geltendes Gesetz zu ignorieren und die Wissenschaft wiederum bevormunden möchte, indem sie neben bischöflichen Studienförderungen erneut weltanschaulich gepolte Wissenstransfereinrichtungen ins Leben rief, die dreist den Universitätstitel für sich beanspruchen und diesen selbstverständlich auch mit offizieller Genehmigung führen dürfen. Es bleibt mir bis auf weiteres unverständlich, dass in diesen Einrichtungen auch naturwissenschaftliche Inhalte wie z. B. "Physische Geographie" gelehrt werden: Es könnte aber sein, dass dort verbreitet wird, wie, warum und wann der Glaube Berge wohin versetzt. Folge dieses unheilvollen Regresses: Nahe Ableger dieser weltanschaulichen Organisation drängeln nach, indem sie Privatschulen (sogenannte Bibeltreue Grundschulen und sogenannte Freie Christliche Gymnasien) gründen, in denen Sexualkunde unterdrückt und die Darwin'sche Bioevolutionslehre in Frage gestellt wird (DIE ZEIT 42: 88 vom 13.10.2011). Es ist höchste Zeit, diese Intrusions-, Bevormundungs-, Verdrängungs- und Manipulationsversuche betreffend ein weltanschaulich neutrales Bildungssystem aufzuhalten und zu unterbinden. Zudem: Bildungsforschung ergab, dass im Gegensatz zur sozialen Herkunft die Konfession keinen Einfluß hat auf den Bildungserfolg (M. Helbig & T. Schneider 2014: Studie Religion und Bildung). Galileo Galilei: "Macht und Autorität, einschließlich der kirchlichen, haben nicht das Recht, sich in die Wahrheitssuche der Wissenschaften einzumischen: haltet euch raus!"
Das alles hat mit wahrer und weltanschaulich neutraler Bildung, mit sogenanntem Weltgewissen und echter Seelsorge gar nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Kreditverlust im aufgeklärten Teil der Gesellschaft. Hierzu passt die Äusserung des Oberhirten Anfang Februar 2015 bei einer Generalaudienz, dass erzieherisches Schlagen von Kindern in Ordnung sein, wenn man dabei ihre Würde bewahrt; und sein Vertreter fügte hinzu, dass dies den Nachwuchs besser wachsen und reifen lässt (
DIE WELT vom 06.02.2015). Es versteht sich von selbst, dass bei diesem historischen Entwicklungsverlauf und aktueller Sachlage eine weitere Ausführung des ihr zugesprochenen Kulturvermittlungsauftrags problematisch erscheint und seine Aufrechterhaltung bedenkenlos in Frage gestellt werden darf. Unproduktiv gewordene Klöster wurden in lukrative Geldmaschinen in Form von Schulinternaten umgewandelt; bei einer dieser "Bildungseinrichtungen" ist verbürgt, dass täglich von 6-11 Uhr morgens das fließende Wasser abgestellt war; mit deftigen Folgen in den sanitären Einrichtungen. Als offizielle Begründung für diese erhebliche Einschränkung von Lebensqualität nannte man die Kühe draussen auf der Weide, die genug Wasser zu saufen haben müssen. Viele weitere Kritikpunkte am Verhalten, an Erscheinung, Struktur und am Selbstverständnis dieser und entsprechender weltanschaulichen Institutionen sowie ihren Glaubensbekenntnissen findet man u. a. in den Schriften von John Wycliffe, Jan Hus, Giordano Bruno, Giacomo Girolamo Casanova (Memoiren (Nachdruck), Kaiser, 1989, Klagenfurt), Hildegard von Bingen, David Hume (Treatise of human nature 1740), Eckermann "Gespräch mit Goethe", Leipzig 1836, Ludwig Andreas Feuerbach (Das Wesen des Christentums 1841 etc.), Heinrich Heine, Ludwig Ganghofer (Der Ochsenkrieg, Der Klosterjäger), Ludwig Thoma (z. B. "Der Kindlein" in den Lausbubengeschichten; "Der Münchner im Himmel"), Kurt Tucholsky, Oskar Maria Graf (Das Leben meiner Mutter); Rolf Hochhut (1963): Der Stellvertreter; Lynn White (1967): The historical roots of our ecological crisis, Hans Küng (Unfehlbar? (1970), Existiert Gott? (1978)), U. Krolzik (1983): Ökologische Probleme und das Naturverständnis des christlichen Abendlandes. Alexander Markus Homes (1981): Prügel vom Lieben Gott. Leonardo Boff (1985): Kirche, Charisma und Macht. Studien zu einer streitbaren Ekklesiologie. Eugen Drewermann (Kleriker: Psychogramm eines Ideals (1990), Psychoanalyse und Moraltheologie (1992), Die Spirale der Angst: der Krieg und das Christentum (1991)), Hartlieb, E.(1996): Macht Euch die Erde untertan?; Petra Morsbach (2004): Gottesdiener, Eichborn Verlag; Victor Stenger (2009): The new atheism. Taking a stand for science and reason. Richard Dawkins: Der Gottesbetrug (2008), Die Schöpfungslüge (2010); Anthony Grayling (The reason of things. Living with philosophy (2002), Against all gods. Six polemics on religion and an essay on kindness (2007)), A. Verrecchia (2009): Giordano Bruno. Nachtfalter des Geistes, Geoffrey Robertson (The case of the pope: Vatican accountability for human rights abuse (2010)), Christian René de Duve (2010): Die Genetik der Ursünde, Spektrum Akademischer Verlag, Gerd Lüdemann, DIE ZEIT (24.06.2010, Nr. 26), GEO 01 Jan. 2011: 136-158, H. Schmidt (2011): Religion in der Verantwortung. Gefährdung des Friedens im Zeitalter der Globalisierung; Christopher Hitchens (2003): Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft. Ders.: (2007): Der Herr ist kein Hirte. Wie die Religion die Welt vergiftet; Martin Urban (2009) Die Bibel - Eine Biographie, Galiani Verlag; ders. (2008): Wie der Verstand überlistet und der Glaube missbraucht wird. Vorlesung.- Grünwald, Komplett-Media; Horst Herrmann (2011): Sex und Folter in der Kirche- 2000 Jahre Folter im Namen Gottes; Bassermann-Verlag; Avijit Roy (2008): The virus of faith; Avijit Roy & Raihan Abir (2011): The philosophy of disbelief; Sam Harris (2012): Das Ende des Glaubens; The moral landscapes; Eva Müller (2013): Gott hat hohe Nebenkosten; Karlheinz Deschner (1962 ...2013): Kriminalgeschichte des Christentums, Bände 1-10, Kurt Flasch (2013): Warum ich kein Christ bin. Bericht und Argumentation; Frido Mann (2013): Das Versagen der Religion: Betrachtungen eines Gläubigen; etc. pp.. G. Hasenhüttl äusserte: "Die Kirche ist ein vergifteter Fluß, der einer Kläranlage bedarf (DIE ZEIT Nr. 52:1 vom 22.12.2010).

Moralisch positives Verhalten besteht darin, sich so zu verhalten, dass der Mensch die Daseinsqualität aller anderen Lebewesen, auf die er Einfluß hat, verbessert (P. Singer in: Zeit Magazin Nr. 12 vom 17.03.2011). Ein Leben kann sich nur dann erfüllen und gelingen, wenn man Anteil nimmt und nicht über die Not der anderen hinwegsieht (Ruth Charlotte Cohn, Psychoanalytikerin). Siehe auch: Peter Singer (2010): Wie sollen wir leben?; Hans Jonas (1979): Prinzip Verantwortung; Karl-Otto Apel: Diskurs und Verantwortung; Janne Teller (2012): Komm (Hanser Verlag). Sybille Berg (2012): Vielen Dank für das Leben. Michael J. Sandel (2012): Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes. Ullstein; Niko Paech (2012): Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie; Oekom; Arno Grün (2013): Dem Leben entfremdet. Warum wir wieder lernen müssen, zu empfinden.

Erfolg und Zukunft gibt es nur im fairen Miteinander.

Durch die Schaffung dieser ein mehr als äusserst fragwürdiges Jenseits vertretenden weltanschaulichen Organisation mit ihren ganz und gar nur diesseitigen baulichen Einrichtungen, personellen Austattungen, fiskalischen Vollzugsgewalten und nicht demokratisierbaren Strukturen hat der Mensch einen Großteil der problematischen, weil selbstschädigenden Seiten seiner Irrationalität und Emotionalität sowie seiner seelischen Schwäche zum Nachteil großer Bevölkerungskreise - also seiner selbst - materialisiert und institutionalisiert.

Kreuzigung, ihres extremistischen Signals wegen besonders verwerflich, gehört erstaunlicher Weise zum Urgestein, dem kristallinen Kernbestand der Weltanschauung genannter Glaubensgemeinschaft: ".....litt und starb am Kreuz, um hinwegzunehmen die Sünden der Welt". Dies belegt ein hierfür spezifischer, seit dem zweiten Jhd.n.Chr. bestehender Jahrestag im kalendarischen Zyklus. Dass davon abgesehen dieser entsetzlichen Handlung - ein Gruppenidentität stiftender Gewaltakt: eine rituelle Exekution durch bestialisches Zu-Tode-Foltern - bis heute große öffentliche Aufmerksamkeit in Form medialer Präsenz garantiert ist, zeigt u. a.

  • die regelmäßig wiederkehrende Thematisierung in Theateraufführungen mit Kultstatus, in denen diese Handlung fast immer ästhetisiert und somit böswillig und/oder scheinheilig verfälscht gebracht wird (ästhetisiertes Grauen) und
  • der große Publikumserfolg von Mel Gibsons Film aus dem Jahr 2004 mit seinen vollkommen übersteigerten Darstellungen von Leid und Gewalt. Großartig und aggressiv in den Medien angekündigt, war diese Gewalt- und Blutorgie nichts weiter als vorläufiger Endpunkt einer Reihe älterer Streifen über immer dieselben Tränendrüsen-, Heils- und Welterrettungs-Themen: Mitleid sowie vermeintliche moralische Erhöhung einer Kultfigur, von der behauptet wird, sie habe ungerecht zugefügtes Leid klag-, sang- und klanglos ertragen und sei damit zum Weltmeister, größten Helden, Selbstopferer und Seelenretter geworden. Es erstaunt, dass die Serie wegen Ideenlosigkeit und Langeweile nicht floppte.

Notabene: das Erdulden von Schmerz als reinigendes Ritual ist auch in anderen Kulturen der Welt verbreitet.

Diese von fantastischen Einspielergebnissen gekrönten, virtuellen, bluttriefenden Gewalt-Spektakel erinnern an die Zustände im antiken Rom in der Zeit vor Kaiser Konstantin I., als zu den angekündigten öffentlichen Hinrichtungen verurteilter Christen ("damnatio ad crucem", ad bestias": http://riversfromeden.wordpress.com/2012/04/07/the-great-persecution/, DER SPIEGEL 46: 144-146 vom 11.11.2013) bis zu 60.000 Zuschauer in den Circus Maximus und das Colosseum strömten und ihr qualvolles Sterben nebst Schändung begafft wurde. Mitleid war und ist nicht nur einer der Gründe für die massiven Anteilnahmen am realen oder virtuellen Zu-Tode-Foltern: Tatsache ist, dass damals wie heute viele Menschen vom Erleben realer und/oder virtueller Gewalt fasziniert sind: wegen einer leider oft gelebten seelischen Eigenschaft, der derzeit viele Medien und die Unterhaltungsindustrie zwecks Quote und Verkaufszahlen mit ihren Programminhalten hemmungslos-idiotisch entgegenkommen und sie ausnützen. Aber es sind höchst fragwürdige, peinliche und prekäre Verhalten, zuschauer- oder verbraucherseits sich an Leid- und Gewaltinhalten zu ergötzen; egal, ob diese real oder virtuell präsentiert werden. Hier zeigt sich ein notorisch problematisches Wesensmerkmal, eine zeitlich offenbar invariante mentale Disposition vieler Menschen. Das Paradoxon erstaunt, dass virtuelle öffentliche Bestrafungen und Hinrichtungen im sich "zivilisiert" nennenden Europa sich großer Beliebtheit erfreuen, obwohl reale Entsprechungen hierzulande seit langem offiziell verboten sind. Anders war es in Phasen der Diktatur wie z. B. in der NS-Zeit, in der zwecks Verbreitung von Terror KZ-Insassen gezwungen wurden, bei Hinrichtungen und Bestrafungen anzutreten und zuzusehen.

Die Kreuzform war ein schon in der Steinzeit geschätztes kultisches Heils- und Glückszeichen: der vertikale Balken stand für aufsteigendes Leben, der horizontale für den Tod. Es ist ein geistiger Dauerkonflikt geschaffen worden, als aus der Kreuzform eine Reihe ähnlich gebauter Folter- und Exekutionsinstrumente entwickelt worden ist, aus der eine Konstruktionsvariante Römisches Kreuz genannt wurde und an dem Ur-Aktivisten einer sektenähnlichen Gruppe - das waren fanatisierte Gründungsmitglieder genannter weltanschaulicher Organisation - endlich den innigst ersehnten Märtyrertod qualvollst sterben durften: dulce et decorum est mors martyrum. Ihr Selbstopfer, ihre Blut- und Schweißströme, ihr Schmerz- und Gnadengebrüll sowie ihre Erstickungs- und Todesschreie am Römischen Kreuz symbolisieren emotionales Epizentrum bzw. Ground Zero dieser Weltanschauung. Tertullius im Zeitalter der Märtyrer (202-213 n.Chr.): "Semen Christianorum est sanguis martyrum." Im Jahr 431 n.Chr. ist das Römische Kreuz als offizielle Ikone des spirituell-sakralen Kerns dieser Glaubensgemeinschaft definiert worden. Seit ihrem Bestehen wird das Römische Kreuz als "Heilszeichen der Menschheit" (Kommentar: welch unverschämte, extremistische Anmaßung, alle Menschen hierunter vereinnahmen zu wollen!) und "Symbol und Zeichen des durch Gott im Tod und in der Auferstehung Gottes Sohnes gewirkten Heils" (Brockhaus 2000: 2553, 9. Auflage) von Würdenträgern, Funktionären und zahlreichen Anhängern dieser Glaubensgemeinschaft unablässig gepriesen und verehrt; der Vollständigkeit halber haben einige Gemeinden zusätzlich das Baby-Psalm-Singen unter dem Kreuz eingeführt. Das Zeichen, ein besonders wirkungsvolles Mittel im Terror-Management genannter weltanschaulicher Organisation, okkupiert markante Lokalitäten und Plätze, ist in fast alle Lebensabschnitte und -bereiche vieler Menschen sowie ihrer Einrichtungen diffundiert und ist bei Einweihungen öffentlicher Einrichtungen zuvorderst zugegen. Seine penetrante Dauerpräsenz, die einer vollständigen Induktion peinlich nahe kommt, wurde auch schon - mehrfach von höchster juristischer Instanz abgesegnet (wie z. B. am 18.03.2011 durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg) - kultusministeriell angeordnet. Als zig-millionenfache, mehr oder weniger ästhetisierte oder zum Piktogramm reduzierte Repliken ist es in Gerichtssälen, Gefängnissen, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Hospizen, Aussegnungshallen, Vortragssälen, Todeszellen, Erziehungs-, Bildungs- und Militäreinrichtungen, auf Friedhöfen, auf Bergesgipfeln, an Feldwegen, in Kapellen an Autobahnen und Radlwegen (Tankstellen für die Seele), in Luxusdampfern, in den Herrgottswinkeln von Gaststätten, Berghütten, Herbergen und Wohnzimmern, in den Nachttisch-Schubladen von Hotelzimmern, auf Flaggen, Ehrenabzeichen und in dazugehörigen Dokumenten sowie in den Medien, im Netz, und auch in den Schönen Künsten (Musik, Malkunst, Bildhauerei, Dichtung, Literatur, etc.) sowie in der Volkskunst präsent. Es begleitet stets die Feierlichkeiten zu den wichtigsten Lebensstationen von Mitgliedern dieser weltanschaulichen Organisation: Taufe und Nottaufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit, Jubiläen, Letzte Ölung, Grablegung und posthum Gedenktage; das Römische Kreuz begleitet zudem auch die Feierlichkeiten anlässlich Hütten-, Gräber-, Altar- und Kräuterweihen sowie Fluß-, Haustier-, Traktoren- Oldtimer- und Motorradsegnungen. Es markiert Lokalitäten (z. B. die vielen Marterl am Kesselberg und am Sudelfeld), wo Menschen der Tod ereilte. In stilisierten Miniaturen wird es auch devot als Schmuckaccessoir oder Tatoo getragen. Es gibt auch Kreuze aus Eisennägeln und Asche, in Form von Steinsalz-Skulpturen in unterirdischen Salzbergwerkskapellen, Kreuze aus Brotstückchen, Elfenbein, Narwalzahn, Pommes frittes sowie - jahreszeitlich begrenzt - Kreuze aus Schnee und Eis. In klaren Sommer-Sonnwendnächten leuchten in Kreuzform angeordnete Bergfeuerchen ins Tal. Südlich des Äquators erstrahlt am wolkenfreien Nachthimmel ein augenfälliges Arrangement sehr heller Fixsterne: eine besonders schöne Naturerscheinung, für die die Gläubigen keine einfältigere Bezeichnung fanden als "Kreuz des Südens". Das Römische Kreuz findet man in den Zentren der bisweilen finster und gruftähnlich gestalteten Versammlungsstätten - das sind große, massiv gebaute, schon von Weitem sichtbare, steinerne, oft eiskalte, da ungeheizte Echokisten - , in dem es - bisweilen samt Korpus mit Heiligenschein und Strahlenkranz - hochaufgerichtet vor einer von geweihten Kerzen gesäumten Opferstätte postiert ist. Vor ihm müssen sich alle still versammeln und in geordneter Formation niederknien; zu ihm müssen alle andächtig aufsehen (das ist das Anblicken-müssen eines Folterinstruments) und ihm zu mal hochschwebend fiepsend-pfeifenden, mal wild herabbrausenden, brüllend-dröhnenden Orgelklängen - der von allen Seiten her echoverstärkten Stimme des Herrn der Herrlichkeit - in Form von gemeinsam in rhytmischen, gesprochenen oder gesungenen Lautäusserungen huldigen; alle müssen das Römische Kreuz anbeten; ganz in seiner Nähe müssen in Demutshaltung Missetaten bekannt und muß nach eindringlicher und strenger Ermahnung zur Besserung gehorsamst Buße getan werden.
All dies wird verstärkend flankiert, indem "der Deutsche Staat zu dieser weltanschaulichen Organisation eine wohlwollende Neutralität (sic!) pflegt, ihr geistiges Denkmodell schätzt, ihre Einrichtungen finanziell fördert, und er im Glauben eine Kraft sieht, die der Gesellschaft eine Orientierung geben kann und somit zur Stabilität des Staates beiträgt." (DIE ZEIT 30.09.2010; Nr. 40: 70). Der Deutsche Staat treibt auch für sie Steuern ein und bezahlt das Personal von Fakultäten, in denen über diese diese Weltanschauung geforscht und ihre Inhalte vermittelt werden (erstens ist all das ist längst nicht mehr nötig und zweitens sollen sie doch selbst zahlen). Das ist strenger politischer Katholizismus. Dazu passt die Tatsache, dass die Bundeswissenschaftsministerin (bis Febr. 2013) der BRD Theologie (sic!) studierte, nicht plagiatsfrei zum Thema "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzung, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" promovierte, ein Buch mit dem Titel "Gott ist größer, als wir glauben" verfasste (DER SPIEGEL 20: 35 vom 14.05.2012) und sich im Juli 2012 für die gesetzliche Statthaftigkeit eines äusserst schmerzhaften und irreversibel körperverletzenden, als sakral definierten Ritus - die Beschneidung von Jungen - aussprach. Das weist in Richtung strenge Dogmatik, die die freie Ausübung eines sakralen Ritus höher wertet als körperliche Unversehrtheit und Menschenwürde. Die in der BRD grundgesetzlich verankerte, rechtliche und organisatorische Trennung von Kirche und Staat wird bis in ihre kleinsten Organisationseinheiten hinab mit Billigung breiter Schichten der Bevölkerung nicht entsprochen; Bsp: Rektorin einer bayerischen Dorfschule ist gleichzeitig Vorsitzende des dörflichen Pfarrgemeinderates. Fazit: von einer fast vollständig säkularisierten Gesellschaft, wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt meinte, kann bei solchen Gegebenheiten keinesfalls die Rede sein; zudem: 18% Nichtgläubige im Jahr 2010 im ehemaligen Westdeutschland (DER SPIEGEL 30: 106-108, 25.07.2011) sind dafür viel zu wenig. Und wie kann es denn wahr sein, dass eine nicht-demokratisch strukturierte weltanschauliche Organisation einen sich demokratisch nennenden Staat stabilisiert? Ja Kruzifixnochamoi, Himmiherrgottsackramment, zur Hölle und zum Teufel mit diesen kindischen und frechen Dumm-Lügereien, die sich nur die Mächtigsten leisten können und die letztendlich alles Demokratisch-Fair-Friedliche willentlich zerstören! Normalerweise ist es doch so, dass nicht-demokratisch strukturierte Organisationen vom Verfassungsschutz erst observiert und dann verboten werden. Hier ist durch permanente, notorische Rechtsbeugung zum Leidwesen der Steuerzahler ein "total mess" (Riesenmisthaufen) erschaffen worden und über Jahrzehnte die Qualität der Demokratie schwer beeinträchtigt worden.

Von der geistigen Grundstruktur dieser weltanschaulichen Einrichtung haben ihre Entscheidungsträger notwendig gewordene Reformen über Jahrhunderte hinweg bis heute mit großem Erfolg ferngehalten.

Unterdrückung und Frondienst: zigtausende, armselige Arbeiter, Handwerker, Bauern und schließlich fromme Kunstmaler und Bildhauer waren es, die im Mittelalter auf fürstbischöfliche bzw. absolutistische Order (Klerus, Feudalherren) gezwungen waren, für Gottes Lohn am Bau und an der Ausstattung zig-tausender genannter Einrichtungen - in der Regel wurden das die höchsten, größten und stabilsten Bauten der Gemeinden; das sind alleine in Bayern weit mehr als 4000 Objekte - über mehrere Monate - über Jahre hinweg - mitzuwirken. Das war zusätzliche Fron unter dem Römischen Kreuz. Sie erhielten in dieser Zeit auch keine Unterstützung für Kost und Logis für diesen anstrengenden und gefährlichen Dienst im Zeichen des Römischen Kreuzes. Die Groteske: steinerne, riesige Prunkbauten - ähnlich den Geld-, Konsum- und Einkaufspalästen unserer Zeit - erstanden so inmitten armseligster Gemeinden: damals Ansammlungen von Holzhütten, die alle paar Jahrhunderte bei Brandkatastrophen eingeäschert wurden. Dazu kam die Leibeigenschaft aller Bauern, die in Bayern erst durch das Wirken von Graf Montgelas ein Ende fand. Eine ganz ähnliche Engführung erlebten Sklaven und Kriegsgefangene, die einige tausend Jahre vorher unter den Peitschenhieben der Vorarbeiter in Altägypten die Pyramiden - Pharaonengräber - zu errichten hatten. Die Lieder "Swing low, sweet chariot" (The plantation singers - American Spiritual, veröffentlicht 1862 von Wallace Willis) und "Ei, uchnem!" (Lied der Wolgaschlepper/Burlaken, veröffentlicht 1889 von Mili Alexejewitsch Balakirew) bringen das Elend der Sklaverei in den USA vor den Sezessionskriegen 1861-1865 und im zaristischen Russland emotional auf den Punkt: da erschlägt einen die Wucht unendlichen Leides und man schämt sich, dass der Mensch zu so etwas fähig ist und davon nicht genug kriegen kann.
Versklavung ist der Domestizierung von Wildtieren ähnlich: Unterwerfung bzw. gewaltsame Willensbrechung mit dem Ziel, ein frei verfügbares Nutzwesen zum Zwecke der Zwangsarbeit zu schaffen. Sklaven sind Menschem mit Nutztierstatus.

Nach langjährigen gründlichen Überlegungen und noch länger dauernden eigenen Erfahrungen bin ich ausser Stande, gedanklich jemals nachzuvollziehen, dass das Römische Kreuz angeblich seelisches Heil, Frieden, Erlösung und Todesüberwindung für die Menschheit symbolisieren soll; ich kann dieser m. E. ultra-grotesken, weil kompletten Bedeutungsinversion nicht folgen und schreibe deshalb, was das Römische Kreuz nach meiner Sicht in Wirklichkeit bedeutet; und das ist ganz einfach folgendes:

- Es ist ein todtrauriges "memento mori": so sexy wie der Tod. Unerträglich banales und eindeutiges Signal und Symbol, ähnlich dem klapprig-dürren Sensenmann und hohl-bleichen Totenschädel von Freund Hein: eine wahre, aber überflüssige Todes-Metapher, die größte, lähmende Angst - Terror - verbreiten soll wegen der Kürze des Lebens: der Sterblichkeit. Aber das sind Allgemeinplätze, über die sich fast jeder selbst vollkommen im Klaren ist. Daran braucht man nicht ständig erinnert zu werden. Das ist nur lästig, penetrant, verunsichernd und macht sehr schlechte Laune. Ich weiß um meine Endlichkeit, um die Begrenztheit und den unaufhaltsamen Verfall meiner körperlichen und geistigen Kräfte und um die Vergänglichkeit, den Wandel, das quasi-perpetuum-mobile der Metamorphosen aller Dinge, die einen umgeben: sie zerfallen, lösen sich auf, bilden Neues: alles fließt, bewegt, differenziert und entwickelt sich; ausser genannter weltanschaulicher Organisation. Überall ist Vergänglichkeit und natürliche Endlichkeit: ich atme sie, fühle sie mit jedem Pulsschlag, sehe sie beim Blick in den Geldbeutel und auf den Kontoauszug, auf die Uhr, auf den Kalender, in den Spiegel, auf meinen Schatten, auf die Erde, ins Gebirge, übers Meer, in den Sonnenuntergang und ins All; sie ist allgegenwärtig. Rational habe ich sie verstanden; emotional bin ich zu ihrer Akzeptanz noch unterwegs, aber schon ziemlich weit. Aus seiner Geworfenheit heraus kann der Mensch nichts anderes wahrnehmen als Vergänglichkeit. Die Erkenntnis war nicht leicht, dass ich nur anfangen, aber nichts wirklich zuende bringen kann ausser meinem Leben. Es ist somit vollkommen unnötig, über diesem abgrundtiefen Ozean der Endlichkeit, auf dem sich höhere Lebewesen nur kurze Zeit halten können, noch ein Römisches Kreuz schweben zu lassen. Leben bedeutet doch etwas ganz anderes als nur "sein Kreuz tragen" (Der Oberhirte am 25.04.2005: "...Wenn er vom Kreuze spricht, das wir auf uns nehmen sollen, ..."). Das ist eine einseitige, die Psyche schwer beeinträchtigende, destruktive Sichtweise, die wie Angst, Zwang und Depression nur noch mehr Endlichkeit und Elend bringt. Echtes Leben ist, sofern man es rechtzeitig und fest entschlossen anpackt und sich erringt: innere Sonnenwärme, Begeisterung, großes Interesse, Staunen, intensives Denken, Muße, tiefes Begreifen, Komplexität, Pluralismus, Fairness, Mut, Optimismus, Verantwortung, friedliches und unbeschwertes Beisammensein, Freude, Solidarität, Zufriedenheit, Gelassenheit, helles Licht, große Liebe, positive Entwicklung, Erfüllung. Die Behauptung, die größte Befreiung für den Menschen bestünde darin, nicht ständig glücklich sein zu wollen (DER SPIEGEL 30: 116, 25.07.2011) halte ich in Anbetracht des nicht enden wollenden, großen Elends auf der Welt für abwegig. Dauerhaft Glücklichkeit erfahren zu haben ist mehr als Trost genug. So verbreitet keine Skeletthand mit Sanduhr mehr Angst und Panik; der Wunsch nach Unsterblichkeit und die Idee vom Jenseits weichen zurück und lösen sich - auch angesichts bangen Wissens um kosmische Verlassenheit (s. u.) - allmählich auf. Der lapidare Schlußsatz "Ihre/Seine Zeit war gekommen" bedeutet m. E. die friedliche Akzeptanz der Endlichkeit eines erfüllten Lebens:
- "Mei Arbeit isch tan", sagte Bergführer Stabeler senior, nachdem er, ohne auf das Protestgeschrei vom Docktermanndl und vom Dorfpfarrer zu hören, mit seinem Sohn Much ein letztes mal über den Alten Weg durch die Nordwand seines Hausbergs gestiegen war und er ihm - als letzten Punkt in seinem Testament - auf dem Gipfel diesen Berg - den Haunold - vermacht hat.
- "Durch meine Tat habe ich meine Lebensaufgabe erfüllt. Ich wüsste nicht, was ich noch auf dieser Welt zu tun hätte, auch wenn ich jetzt entlassen würde.", bilanzierte cand. med. Alexander Schmorell (*16.09.1917 Orenburg/Russland) von der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" in der Zeit zwischen der Verkündung seines Todesurteils am 19.04.1943 durch den NS-Volksgerichtshof und seiner Exekution durch das Fallbeil am 13.07.1943 in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim bei München, Hauptstadt der Bewegung von 1933-1945.
- Steve Jobs stellte fest, dass einerseits "die Sterblichkeit die beste Motivation und andererseits der Tod die beste Erfindung des Lebens ist, weil er den Wandel katalysiert" (DER SPIEGEL 41: 77 vom 10.10.2011). Sinnfindung in der Vergänglichkeit.
- Imre Kertész: ".... Ich habe alle meine Augenblicke schon erlebt. Es ist fertig und ich bin noch da .... Es ist genug. Ich habe alles gehabt, alles, was ich wollte .... Meine Hände wollen nicht mehr. Ich bin sehr müde." (ZEIT MAGAZIN 38: 47-48 vom 12.09.2013).

Der Preis für das Leben - welcher Qualität, Intensität und Dauer es auch immer sein möge - ist und bleibt endgültig der Tod. So kurz, betont, fair/unfair und einfach ist das mit dem Leben, das in Russland als die "Zeit des Lichts" bezeichnet wird: "So lang bist net gwen (13,7 Milliarden Jahre), so kurz duast lem (max. 100 Jahre) und so lang bist hi (> 100 Milliarden Jahre)": das ist das ultrakurze und singuläre Transitdasein jedes Menschen; vergleichbar mit der Geringfügigkeit eines Lichtquants im sichtbaren Bereich zu all den anderen, die im Laufe aller Sonnenleben im Kosmos entstanden sein werden. Minimalistisch gesehen ähnelt Lebenszeit einem musikalischen Ton: vor und nach seinem Erklingen ist nur leeres Nichts. Mehr denn dieses eine Leben geht nicht; es erscheint kein Ewiges Licht nach Durchschreiten eines pearly gate, es gibt kein second life, kein Wiedersehen in einer besseren Welt, keinen Neustart, keine Fortsetzung in irgend einem sogenannten Jenseits, kein Elysium, kein Paradies, kein Arkadien, keine himmlischen Gefielde, keine ewigen Jagdgründe, keinen magischen Lichtstrahl der Erlösung, schon gar keine zweite und erst recht keine dritte Erde. Wir können nur versuchen, uns im Hier und Jetzt rechtzeitig selbst zu erlösen - siehe vorletzter Absatz. Der letzte Wasserfall stürzt lautlos in ein unermesslich tiefschwarzes Meer, dessen Spiegel in der Ferne unendlich flach wird: Umschreibung eines immerfort stillen, gedanklich noch nicht greifbaren und deswegen noch offenzulassenden Zustandes: vorläufig bezeichnet als philosophisches, zeit-, materie-, raum- und dimensionsloses Nichts anstelle des Zustandes bzw. dynamischen Vorganges, der derzeit als "das Leben" bezeichnet wird: das Nicht-Sein nach dem Erlöschen der neuronalen Feuer - das ist die unendliche Banalität des Totseins. Und auf lange Sicht werden wir alle scheitern und tot sein. So viel Abschied, Ende und immerwährendes Verlassensein in alle Zeiten werden nie mehr gewesen sein. Ganz gewiss werden wir uns für immer verloren haben. Aus, Äpfel, Amen. Weg der Speck, aus die Maus, Schluss die Nuss. Ganz alleine mit sich selbst stirbt - entwickelt sich - jeder hinein ins Nichts. Da darf dann ganz gewiss jeder mal - fast immer sehr sehr unfreiwillig - der Erste sein. Niemand kommt davon: in jedem wächst unbedingt der Tod heran. Alle werden wir eines Tages ganz hilflos, reglos, flach und immerfort starr geworden sein. Was von einem bestenfalls bleibt und eine zeitlang weiterwirken kann, ist nur das, was man mit eigenen Händen geschaffen oder selbst zu Papier gebracht hat.

Diese Punkte sind unschlagbare Motive, die derzeitigen gesellschaftlichen Umgangsformen qualitativ zu verbessern: seid doch freundlicher und fairer zueinander in dieser kurzen Zeit; und versucht doch nicht, absichtsvoll noch mehr Vergänglichkeit auszubreiten, indem ihr andere unablässig kränkt, quält, ihnen das Wasser abgrabt und sie umbringt!

Die Sehnsüchte nach ewiger Jugend, dem Jungbrunnen und/oder der Glaube an eine Wiederkehr in einer besseren Welt sind nur Selbstbetrug und grandiose Irrationalität:

  • selbstverständliches und zutiefst bedauerliches, herzzerreißendes, weil vergebliches Wunschdenken vieler behinderter und unheilbar kranker Menschen, die wissen, dass sie vorzeitig gehen müssen;
  • Wunschdenken vieler geschwächter, weil permenant unterdrückter, ausgebeuteter, betrogener und versklavter Individuen sowie solcher, die ihre Lebenssituationen nicht rechtzeitig ins Positive steuern wollten oder konnten;
  • Wunschdenken emotional verarmter Individuen in kommunikativ erkalteten Wohlstands-, Luxus-, Leistungs- und Onlinegesellschaften;
  • Wunsch- und Traditionsdenken vieler Menschen, die Opfer natürlicher, technischer und humanitärer Katastrophen (Erdbeben, Orkan, Tsunami, Bergsturz, Dürre, Impakt; Industrieunfall, Havarie, Bergwerksunglück; Krieg, Flucht, Vertreibung, Epidemien) sowie ungesühnter Verbrechen wurden und
  • Überheblichkeit, Egoismus, Gier, Größenwahn, Selbstbetrug, Eskapismus und Wirklichkeitsverweigerung.

Zur Akzeptanz der Begrenztheit medizintechnischer Kunst: wenn das Leben - oder ein Abschnitt davon - sich zu einer unendlich mühsam gewordenen Versuchsreihe entwickelt hat, in der permanent unter Zeitdruck größte Probleme in Serie gelöst werden müssen, dann könnte man in allerletzter tragisch-trauriger Konsequenz das Totsein auch als möglicherweise geringeres Übel und somit bessere Alternative sehen; konkret: will man weiterhin da sein nur als gequälte Sisyphosexistenz? Das stellt unmittelbar die Frage nach individueller Daseinsqualität, wie sie empfunden wird und ob sie erträglich scheint. Es ist verbürgt, dass viele der grauenhaft verletzten und leidenden Überlebenden - die Hibakusha - der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki sagten, dass sie die Toten beneiden.
Freilich muß auch wegen Mißbrauchsgefahr noch lange, intensiv und gründlich über Euthanatos nachgedacht werden: ob nach angemessener Frist der Entschluß zur irreversiblen Ausführung der Überschreitung des point of no return, der Gang über die Schwelle ins Nichtsein, eine menschlichere, weil scham-, schmerz- und angstbegrenzende Option sein kann zu einem verlängerten Dasein in extremis, das nur mehr unerträglichen Schmerz, größte Angst oder sehr niedrige, weil würdelos gewordene Lebensqualität bedeutet; kann das Nichtsein besser sein als ein Leben in diesem Zustand? Darf man unter diesen Umständen aktive oder passive Sterbehilfe als einen Akt der Humanität bezeichnen? Leben kann nur dann gelungen sein, wenn auch das Sterben würdevoll geschah; ob diese Würde mit einem monate- oder gar jahrelangen Schwebezustand zwischen Leben und Tod vereinbar ist, möge der Leser selbst entscheiden.
Fließbandsterben in Hospizen darf nicht zur Normalität werden; diese Einrichtungen dürfen nicht zu Mülleimern bzw. Zwischenlagern degradieren, in denen x-fach therapierte und finanziell gehäutete, geschlachtete und ausgeweidete Patienten kurz vor ihrem Ableben noch schnell entsorgt werden, damit die immer mehr an ökonomischen Kriterien orientierten Krankenhausstatistiken nicht von zu vielen Sterbefällen getrübt werden (ZEIT MAGAZIN 21: 12-24, 16.05.2012).

Die von genannter weltanschaulicher Organisation an restriktivste Bedingungen geknüpften vagen Versprechen der Unsterblichkeit und Verheißungen des Seelenheils werden von vielen unsicheren, schwachen und geschwächten Menschen, die in den Irrationalitäts-, Traditions-, Inkonsequenz- und Ängstlichkeitsfallen zappeln, gerne gehört und deshalb geglaubt; aber das ist nur Seelenfängerei: unmoralische Verzweckung der emotional prekären Lage sehr vieler Menschen: bedingt durch die gnadenlosen Walze der Zeitlichkeit, die jedes höhere Leben unerbittlich plättet und zermalmt und das Damokles-Schwert, das gefallen sein wird, ehe letzte Sinn- und Daseinsfragen ausreichend beantwortet werden konnten. Der kleinste gemeinsame Nenner aller Weltanschauungen ist die Kernlüge, dass es nach dem Tod mit dem Leben - angeblich in einer anderen Form - weitergeht. Es ist oft ein Leichtes und deshalb unfair, das archaisch Verwurzelte, Irrationale im Menschen zu verzwecken: denn es ist erwiesen, dass selbst aufgeklärte Rationalisten emotionale Komponenten haben und deshalb "magischem Denken" und dem Aberglauben verfallen können; 38% glauben an Engel, 54% der Westdeutschen glauben an einen Gott, 52% glauben an Wunder und 24% glauben an die Wiedergeburt (DER SPIEGEL 52: 112-120 vom 21.12.2013). Die Tatsache, dass evtl. nicht selbst-erkennbare emotionale Komponenten in den Charakteren von Naturwissenschaftlern vorhanden sind, kann ein guter Grund dafür sein, dass sich einige ihrer weltbesten und an den Schaltstellen sitzenden Vertreter zwecks Hege und Pflege erkenntnistheoretischer Diskussionsrunden in die Päpstliche Akademie der Naturwissenschaften haben wählen lassen, die angeblich Forschungsfreiheit gewährt und angeblich unabhängig sein soll. Neu erkannte Wahrheiten lassen sich aber nicht integrieren in eine oder zusammenführen mit einer stur und autoritär vorgegebenen "dogmatischen Wahrheit". In der zutiefst bedenklichen Tatsache, dass sich Wissenschaftler von dieser Akademie haben vereinnahmen lassen und damit die Ideen von Federico Cesi, Galileo-Galilei, Giordano Bruno, Jan Hus und vieler weiterer sogenannter Häretiker verrieten, erkenne ich ein schweres Indiz dafür, dass diese Vereinnahmten die Unabhängigkeit eines Teils der Wissenschaft zerstört und ihr damit sehr geschadet haben. Wissenschaft kann nur als vollkommen unabhängige und neutrale Instanz neue Wahrheiten finden und Erkentnisse hervorbringen.

Je mehr Leid und Verunsicherung, je mehr Probleme im Hier und Jetzt, desto größer die Versuchung, sich von der scheinbar unerträglich widriger Wirklichkeit abzuwenden und sich dem Wunschdenken und Glauben hinzugeben in der Hoffnung auf ein besseres zweites Leben, das nach dem Jammertal des Diesseits ganz bestimmt im himmlischen Jenseits stattfinden wird. Ganz zu diesem Zweck stürmten im September 2010 selbsternannte Heilsverkünder zur eingestürzten San-Josè-Mine in Chile, um allen in 700 Metern Tiefe eingeschlossenen Bergarbeitern Miniatur-Bibeln samt Leselupen und vom Oberhirten gesegnete Rosenkränze über ein Versorgungsrohr zukommen zu lassen. Auch deshalb wurde im Jahr 2010 die Missionstätigkeit im erdbebenzerstörten Port-au-Prince auf Haiti intensiviert; im flutzerstörten Pakistan (2010) ist dieselbe Taktik selbstverständlich weitergeführt worden; gleiches dürfte die Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen in Japan vom 11.03.2011 und Bangkok (08.-11.2011) begleitet haben. Die milden Worte "Kommet zu mir, Ihr Mühseligen und Beladenen!" trifft entsprechende Notsituationen recht gut. Dazu passt auch die Ächtung von Verhütung, Abtreibung, Präimplantationsdiagnostik sowie Forschung an embryonalen Stammzellen, welche diese weltanschauliche Organisation aussprach, um die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung individuellen körperlichen und seelischen Leides sowie wirtschaftlich-sozialen Elends und das der Vermassung zu erhöhen; der so erzeugte Distress kann nicht groß genug sein, damit den Individuen immer weniger Zeit bleibt, innezuhalten, Atem zu schöpfen, in aller Ruhe nachzudenken, ihre Situation zu überblicken, zu verstehen, vernünftig zu beraten, zu entscheiden und entsprechend zu handeln.
Und wenn das angeblich zweite Leben im angeblichen Jenseits so viel besser, friedlicher und angenehmer sein soll als das irdische Leben, warum halten die meisten Anhänger genannter Weltanschauung so sehr am Diesseits fest? Sie möchten möglichst lange gesund bleiben und sehr alt werden und fürchten den Tod; das ist aber ein Widerspruch, weil entsprechend dem Jenseitsglauben der Tod eine Erlösung ist, der das Leiden im Diesseits beendet und für ewige Glückseligkeit im Jenseits sorgt. So interpretiere ich die bei fast jedem Anhänger genannter Weltanschauung vorhandene unendlich tiefsitzende Angst vor dem Sterben als sehr deutlichen und ernstzunehmenden Hinweis auf ein verdrängtes Mißtrauen betreffend die Verlässlichkeit genannten weltanschaulichen Gedankenmodells.

Zur biologischen Vermehrung und Vermassung: Es ist doch so, dass man nie zweimal in den gleichen Fluß steigt oder zweimal ins gleiche Meer hupft; ausserden hört jeder Strand irgend wann mal auf (SZ 250: V2/3 vom 29./30.10.2011): das seit Millionen Jahren wirkende, konstant hochpotente biologische Vermehrungsprogramm des Menschen passt schon längst nicht mehr in die immer mehr von ihm selbst gestaltete Umwelt. Vor rund 7000 Jahren, als es nur ca. 10 Millionen Menschen weltweit gab, war dieses Programm wohl eine evolutionär entstandene essentielle Notwendigkeit: es hat zum Überleben der Menschheit in freier und gefährlicher Wildbahn beigetragen. Seit Beginn der Industrialisierung steigt aber die Weltbevölkerungskurve exponentiell bis überexponentiell an. 1972 ist die Endlichkeit der Globalressourcen erkannt und mit dem Bestseller "Grenzen des Wachstums" geistiges Allgemeingut geworden; zu dieser Zeit belief sich die Weltbevölkerungszahl auf ca. 3,8 Mrd. Individuen. Trotz dieser Erkenntnis ist Ende Oktober 2011 die 7 Milliarden Marke in den Wohlstandsländern problem- und anstandslos überschritten worden. Risiken, Neben- und zeitliche Fernwirkungen des globalen demographischen Wandels hin zur Überbevölkerung werden andernorts im Text diskutiert. So sage ich, dass oben genanntes biologisches Programm, in dem die meisten Menschen ihre traditionelle Existenzbestimmung sehen und es deshalb unbedingt leben wollen, bei den derzeitigen Verhältnissen noch mehr ökologischen, sozialen und politischen Schaden anrichtet, wenn es weiterhin unkontrolliert und unangepasst ausgeführt wird. Grenzenlose biologische Reproduktion ist in Konflikt mit der Begrenztheit irdischer Ressourcen und kann nur im Systemkollaps enden. "Die Menge macht das Gift", sagte schon der Arzt, Naturforscher und Philosoph Philippus Theoprastus Paracelsus im 16. Jahrhundert. Zudem: Worin kann höherer Sinn liegen, Wasser ins Meer zu gießen, Sand in die Sahara zu kippen oder Tauben nach Rom zu tragen? Und welcher Vernünftige setzt seine Abkömmlinge schon gerne in einen völlig überbelegten Stall? Es macht keinen Sinn, Prinzipien zu Tode zu reiten, indem wegen der Tradition und der damit verbundenen gesellschaftlichen Wertschätzung gewaltsam immer das Gleiche geschehen muss, indem jede Generation ihr genetisches Material egoistisch-stur weiterpresst. Wäre es nicht besser, statt dessen dem Sog des mainstreams, dem Gruppendruck und den Vermehrungs-Einflüsterern zu widerstehen, innezuhalten, Abstand und Übersicht zu gewinnen und nachzudenken, was getan werden muss, damit sich die Situation normalisiert? Frage an den Leser: Was ist in solch einer Situation langfristig besser: noch mehr Menschen oder neue, gute Ideen; möge er selbst entscheiden. Was damals gut, erfreulich und nützlich war - hurra, endlich Eltern werden, endlich Kinder - , ist heute - nach jahrhundertelanger traditioneller Übernutzung und Massenanwendung eines Programms mit hochpotenter Wirkung - schlecht und schädlich geworden. Der Mensch hat sein Nest - die Erde - durch Massenproduktion seiner selbst gründlich versaut: der Gast hat dem Wirt mit seiner rasch wachsenden Zahl an Individuen und ihren Ansprüchen zu sehr zugesetzt und durch Ausbreitung seiner selbst der evolutionär essentiell wichtigen Biodiversität sehr zugesetzt. Wie schade, dass der Mensch seine eigene biologische Reproduktionstätigkeit durch verantwortungslose Unmäßigkeit langfristig problematisiert hat. Es wäre viel besser und weniger riskant gewesen, Vernunft gelebt und Maß gehalten zu haben, weil durch diese herkömmliche, standardisierte Verhaltensweise - das man bedenkenlos als biowirtschaftlich-biopolitisch verzwecktes "Pflichtprogramm" bezeichnen kann - kommende Generationen in große Bedrängnis gesetzt werden. Traditionelle Werte müssen spätestens dann aufgegeben oder überdacht und neu definiert/justiert werden, wenn sich herausstellt, dass die damit verknüpften Handlungen und Verhaltensweisen langfristig zu viele schädliche Neben- und Fernwirkungen zeitigen. Es gibt in dem Zusammenhang kein treffenderes Dumm- und Negativ-Zitat für die hier erläuterte Langzeit-Fehlentwicklung als: "Never change a running system". Ich meine: Langfristige Lebensbejahung und Verantwortlichkeit für das Ganze - das ist Wiederherstellung und Erhalt der Biodiversität - besteht unter diesen speziellen Umständen im Ignorieren der Torschlußpanik und in der Verweigerung der bzw. im gelebten Verzicht auf biologische Selbstreproduktion, und zwar so lange, bis sich die Situation wieder normalisiert hat. Unter dem Aspekt der aktuellen globalen demographischen Entwicklung gesehen kann ich keinerlei Verständnis aufbringen für die immer weiter voranschreitende bundesdeutsche Familienförderung und die Einrichtung von Fertilitätskliniken; eine ähnliche Förderung - gipfelnd in der Aktion Lebensborn (entfernte Ähnlichkeit damit haben Agenturen, die 2013 stolz und stramm mit dem Attribut "Elite" werben) - gab es schon im Deutschen Reich 1933-1945. Es ist moralisch nicht in Ordnung, die Einrichtung der Ehe zur Stabilisierung eines Renten- und Wirtschaftssystems funktionalisieren zu wollen, indem man versucht, eine möglichst hohe Fertilitätsrate herbeizumanipulieren: in der NS-Zeit brauchte man den Nachwuchs für Kanonenfutter und heute zum Billigarbeiten und Steuerzahlen. Ich meine: wer sich verjüngt, muss sich sicher sein, dass er für diese Maßnahme ausreichend Ressourcen hat und keine Almosen und Ratschläge vom Staat braucht. Und wer sich nicht verjüngen kann, hat doch auch die Option, humanitär zu handeln, indem das Paar Waisenkinder adoptiert und somit großes Leid mindert. Absurd: das Fertilitäts-Schlußlicht BRD gab 2010 125,5 Milliarden Euro für über 150 gesetzlich festgelegte Leistungen für Familien aus (DER SPIEGEL 6: 22-29 vom 04.02.2013). Ich kann kein Verständnis aufbringen für ein 65-jährige 13-fache Mutter, die sich im Ausland künstlich befruchten ließ und 2015 zusätzlich vier Hochrisiko-Frühchen in Berlin zur Welt brachte; und das alles auf Kosten der Gemeinschaft. Wo ist nur die Vernunft geblieben?
Zur problematischen Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die international bekannte Bildhauerin Louise Bourgeois konnte ihre künstlerische Kreativität erst dann voll entfalten, als ihre Kinder aus dem Haus und ihr Ehemann verstorben waren (MONOPOL. Magazin für Kunst und Leben 3: 51, 2010). Folgt man der Aussage von Marina Abramovic - "....ich kann meine Energie mit niemandem teilen. Mit einem Kind hätten sowohl das Kind als auch die Kunst gelitten. Ich will eine Sache in meinem Leben richtig und perfekt machen, da ist kein Raum für Kompromisse..." (ZEIT MAGAZIN 2: 46 vom 03.01.2013) - , dann ist genannte Familienförderung interpretierbar als staatlich gelenkte und gesetzlich festgelegte Anleitung zur Verbreitung von Mittelmaß, Überforderung und partieller Vernachlässigung. All das mündet auch wegen zu vielen Vereinbarkeitsproblemen oft in zerstörerischer Selbstausbeutung (DIE ZEIT 02: 07 vom 08.01.2015). Ich meine, es ist höchste Zeit, von den das Individuum erniedrigenden quantitätsfixierten biowirtschaftlich-biopolitischen Vermehrungsdenkzwängen wegzukommen und zu Maßnahmen überzuleiten, welche die Erziehungs- und Betreuungsqualität fördern. Freilich ist der Gedanke fast unwiderstehlich verführerisch, den eigenen Nachkommen ausschließlich gute Eigenschaften vererben zu wollen. Es ist aber biologisch unmöglich, kontrolliert nur Gutes weiterzutransferieren. Denn auch die Schattenseiten - die rabenschwarzen Eigenschaften - in einem selbst, die entweder gelebt werden oder rezessiv angelegt sind und die man auch in den verstörenden Verhaltensweisen von Verwandten erkennen kann, werden weitergetragen und weiter modifiziert. Will man also wirklich dieses Tor öffnen und die Möglichkeit schaffen, dass auch all die schrecklichen Eigenschaften weitergegeben werden, die man in sich selbst spürt oder in nächster Nähe sieht? Darf man seine Nachkommen derart exponieren und möglicherweise belasten? Ist das ein Mensch, der wissentlich die Möglichkeit der Vererbung von Abgründen schuf und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhte, dass Leid vermehrt worden sein wird? Kann man diesen Schritt wirklich vor sich selbst und vor der Gesellschaft verantworten, wenn man sich dieser Problematik bewusst geworden ist? Ich selbst habe ihn nicht getan, nachdem der Groschen gefallen war.

Die allermeisten Würdenträger genannter fortschritts- und wissenschaftsfeindlichen weltanschaulichen Organisation haben - konträr zu den Inhalten ihres eigenen Tugendkatalogs (s. o.) - den angeblich göttlichen Auftrag "Seid fruchtbar und mehret Euch!" über die Jahrhunderte vorwiegend in reproduktionsbiologischem und materialistisch-ökonomischem Sinne verbreitet und ihn mit dem tradierten Aufruf (in Richtung Naturbeherrschung) zur Maßlosigkeit (sie ist eine der "sieben Todsünden") - Dominium terrae: "Bevölkert die Erde, unterwerft sie Euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen" (Genesis 1. 28) (was nach neueren Erkenntnissen in der Ökologie nichts anderes war als eine Empfehlung zur kollektiven Selbstzerstörung) zudem bekräftigt, wobei sie die damit einhergehenden ökologischen Probleme und Risiken, die 1972 detailliert aufgezeigt wurden vom Club of Rome, absichtlich komplett ignorierten und übergingen und wegen ihres Nichteinlenkens schwere Schuld auf sich luden. Welch unheilvolle Gesamtentwicklung - trotz warnender Stimmen seit der Epoche der Romantik - diese weltanschauliche Organisation mit dem alttestamentarischen eindeutigen Anspruch auf Herrschaft über die Erde - dominium terrae - , mit ihren Ächtungen, Manipulationen und gezielten Einmischungen im verein mit einem sich in einen maßlosen, entgrenzten Wachstumswahn hineinsteigernden kapitalistisch-dissozialen Weltwirtschaftssystem aus der Taufe gehoben, mitangeschoben und ins Rollen gebracht hat, zeigen eindrucksvoll krasse Disparitäten und die Geschichte der Weltbevölkerungs- und Welthungerstatistik: 2011: 80000 Tonnen Brot werden jährlich in der BRD weggeworfen; jeder Bundesbürger konsumierte im Durchschnitt jährlich 61 kg Fleisch; 2011 wurden in Europa Lebensmittel für 100 Milliarden Euro weggeworfen (Spiegel TV 17.06.2012). 89 Millionen T Lebensmittel werden jährlich EU-weit entsorgt; entsprechend 81,6 kg/Bundesbürger/Jahr (DIE ZEIT 22:39 vom 22.05.2014). BRD 2015: 18 Mio. T Lebensmittel landeten jährlich im Müll, entsprechend 210 kg/Person/Jahr. 2014 kamen 1,3 Milliarden T Lebensmittel weltweit auf den Müll; das entspricht ca. 1/3 aller produzierten Lebensmittel (SZ 143: 29 vom 25.06.2015). Erfreulich die französische Gesetzesinitiative, die es verbietet, dass Supermärkte nicht mehr wegwerfen dürfen, sondern spenden müssen (SZ 117: 29 vom 25.05.2015).
Ende 2011 zählte die Forbes-Liste weltweit 1210 Milliardäre: diesen Superreichen geht es gegenläufig zur Finanzkrise immer besser und deren Vermögen ist seit 2010 um 20% gestiegen (DIE ZEIT Nr. 1: 55 vom 29.12.2011); März 2015 zählte diese Liste schon 1826 Milliardäre mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 6 Billionen $. Global leiden aber 925 Millionen Menschen schweren Hunger; 6000 Kinder verhungern täglich. Im reichen Deutschland schicken Hartz4-Eltern ihre Sprösslinge zum Essen zur Kindertafel.
Bedrückend die irreversiblen Verluste an Ressourcen und Biodiversität, die wachsende Umwelt- und Klimaproblematik sowie das in den derzeit noch reichen G20-Ländern zeitgleich dazu laufende, absurde, unerträglich beschämende, obszöne und ekelerregende Elend hedonistischen, prall-satt-überdrüssig-langweilig-besoffenen Luxuslebens (nebst peinlichsten Wohlstandskrankheiten) in den Porsche Cayenns, Maseratis, Zweit- und Drittwohnungen, Villen samt Swimmingpools, Penthäusern mit vorgewärmten Wasserbetten, Golf- und Swingerclubs, Freßtempeln, in denen auch vergoldeter Reis gereicht wird, Privatjets, Cessnas, 5-Sterne-Hotels mit Sektbars und auf Kreuzschifffahrten, Jacht-Turns ("sich ständig mästend und bespringend"), firmengesponsorten Eventpartys, etc.. Privilegierte und reiche Oldtimer-Fans kaufen - auch wegen Wertzuwachs - immer mehr dieser sog. historischen Fahrzeuge (Zulassungs-Anstieg von 2002 -2012 um 300% auf ca. 260000 Fahrzeuge in der BRD) auf, für die sie pro Jahr nur 191 Euro PKW-Steuer entrichten müssen und für die die gesetzlichen Abgasnormen nicht gelten (HALLO münchen vom 2.6.2012: 2). Zynisch die Festellung vieler Reichen, dass "sie alle über ihre Verhältnisse leben, aber immer noch nicht standesgemäß." Diese Aussage bestätigt wieder, dass Geld ein noch höheres Giererzeugungspotential als Sex aufweist und den Weg ebnet in lebenszerstörende Habgier. Sinnbild hierfür sind der Turmbau zu Babel und die Erzählung über König Midas aus Phyrgien, der beinahe verhungerte, weil alles, was er berührte, sich in Gold verwandelte. Soziologische Studien belegen, dass Reichtum die Unmoral fördert, weil viele dieser Gesellschaftsschicht Gier und Maximierung von Selbstinteresse als positive Eigenschaften sehen
(Proceedings of the National Academy of Sciences, 2012; http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1118373109). Weitere Fakten: Im Jahr 2010 waren 1 Milliarde Menschen überernährt, doppelt soviele aber litten an Mangelernährung, Durst und medizinischer Unterversorgung; siehe auch: Jean Ziegler (2012): Wir lassen sie verhungern.- Bertelsmann Verlag. Darin kritisiert der ehemalige UN-Sonderberichtserstatter die wachsende globale Ungleichverteilung von Gütern und Mitteln sowie die Tatsache, dass alle 5 Sekunden ein Kind verhungert. Er plädiert abschließend für ein Grundrecht auf Nahrung. Fortschritt geht fast immer zu Lasten anderer (DIE ZEIT 16: 34 vom 11.04.2013). Von August 1999 bis Oktober 2011 hat sich die Weltbevölkerung um eine Milliarde auf sieben Milliarden Individuen erhöht; in den vier Stunden, die zum Lesen dieses Textes notwendig sind, legt die Weltbevölkerung derzeit (2015) um einen gemittelten Wert von ca. 45000 Individuen zu. Pro Jahr werden von ca. sieben Milliarden Individuen 11,5 Milliarden Tonnen Erdöleinheiten an Energie verbraucht (ca. 146 m³ Sprit pro Sekunde) und eine Stoffmenge von 91 Milliarden Tonnen (Bergbau, Straßen- und Häuserbau) bewegt. Die Meerwasserversauerung lag 2011 um 30% über dem vorindustriellen Wert; jährlich landet ca. 6 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren.
Das alles kann nicht folgenlos bleiben: Maßlosigkeit, verwerfliche Gier und Größenwahn endeten immer schon in Selbstzerstörung durch Selbstüberschätzung: Beispiele: Betrefffend den militärischen Bereich sind das z. B. die raschen Zerfälle der Großreiche Alexanders des Großen und Cäsars; die Überfälle Napoleons im Jahr 1812 und des AH im Jahr 1941 auf Russland/UDSSR endeten beide in Katastrophen. Die Ende Dezember 1991 erfolgte Auflösung der Sowjetunion wurde vor allem durch die Kosten des grenzenlosen Wettrüstens mit den USA verursacht (DIE ZEIT 41: 24 vom 04.10.2012). Rücksichtslose, auf die wirtschaftliche Auspressung von Arbeitern und Bauern ausgelegte absolutistische und zaristische Staatslenkungen führten zur französischen Revolution bzw. zur Oktoberrevolution mit zehner Millionen Toten. Der aktuelle wirtschaftlich-finanzielle Zusammenbruch Griechenlands (2011-2013) beruht im wesentlichen auf jahrzehntelang fortgeführter maßloser Korruption. Der nächste Kollaps steht in den USA bevor: diese 5% der Weltbevölkerung haben derzeit maßlose 25% Anteil am globalen Erdölverbrauch; und ihre reiche und mächtige Oberschicht, die Republikaner, steigert mit Bedacht soziale und fiskalische Disparitäten ins Unerträgliche (DER SPIEGEL 24: 82-92 vom 11.06.2012); dies wird nach E. Hobsbawn in Selbstzerstörung enden (DIE ZEIT 41: 52 vom 0410.2012).
Mein Fazit: betreffend die derzeitige Weltwirtschaft sind alle Schleusen sperrangelweit aufgerissen und offengehalten worden für einen wegen impliziter Zugzwänge alles zerstörenden Sturzstrom dekadenten Sinnlosverbrauchs (z. B. shoppismus (DER SPIEGEL Nr. 50: 56-65 vom 13.12.2010; 34: 132-134 vom 20.08.2012) und travellismus in Wohnwägen oder Billigfliegern), der nur in einer Globalverelendung enden kann (Wilfried Bommert 2009: Kein Brot für die Welt, Riemann Verlag). Und es gibt immer noch diese renitenten polemischen, wohlstandsversehrten Fundamentalisten, die behaupten, es sei damit nicht genug. Ca. 6 Millionen Jahre Zeit sind vergangen, bis im Jahre 1804 die Weltbevölkerung 1 Milliarde Menschen erreichte. Indirekt habe ich - ohne diese Tatsache gedanklich begreifen zu können - von 1957 bis Oktober 2011 den Zuwachs um vier auf sieben Milliarden Menschen erlebt; noch weniger kann ich die Gesamtfolgen dieser sehr bedenklichen und beunruhigenden Tatsache einschätzen; Preisfrage: wie sollen denn all diese Leute dauerhaft satt werden? Diese Entwicklung hin zur gefährlichen und labilisierenden Vermassung ist auch moralisch problematisch, weil sie den natürlichen Instinkt und angeborenen Reflex zum Helfen und Heilen untergräbt; ähnlich Thomas Malthus (1798: an essay in the principle of population) behaupte ich: Überbevölkerung mindert humanitäres Verhalten: "Wozu noch helfen oder retten, es sind doch sowieso schon genug Leute da, und wenn ich denen helfe, dann werden es später noch mehr und das wäre kontraproduktiv, weil die mir und meinen Nachkommen alles wegfressen; sollen die anderen doch verrecken", könnte man entsprechend dem Selbsterhaltungsprogramm zynisch-lapidar denken. "Small is beautiful", sagte schon der Ökonom Fritz Schumacher und meinte damit bestimmt nicht die derzeit grassierende Lohnzurückhaltung vieler Arbeitgeber, sondern die schon vor Jahrzehnten überfällige Rückkehr der Weltwirtschaft zum vernünftigen menschlichen Maß (In Bayern hoast ma des "Gsundschrumpfn"). Die v. a. klimawandelbedingte Agflation verstärkt soziale und politische Unruhen (GEO 06: 96-97, 2013), wogegen noch kein sicherheitspolitisches Konzept vorliegt. Zudem galt immer schon: Überfluß und Luxus von heute entsprechen stets dem Mangel und Elend von morgen. Gratulation an diese weltanschauliche Organisation, ihren willigen Zuträgern und ihren Helfern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, denn besser kann man die Daseinsangst - ohne Furcht kein Glaube! - vieler Menschen und die Größe potentiellen Leides zukünftiger Generationen kaum steigern, die - so meine ich - ohne Rücksicht auf moralische Aspekte nach verheerenden Ressourcenkriegen und Implosion der biologischen Supernova in einer heißen Energie- und Rohstoffwüste mit stinkenden Müll- und Leichenbergen ein bitterarmes Dasein werden fristen müssen. Die Soldaten- und Waffensegnungen (z. B. die Segnung der AK47 durch einen Patriarchen anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums) sowie Kriegspredigten genannter weltanschaulicher Organisation (militanter Katholizismus der 20er Jahre des vergangenen Jhds.) und ihre Vor-Ort-Präsenz in Krisengebieten (militärische Seelsorge) sind zur Genüge dokumentiert. Auf der vierten Gürtelschnalle eines Reichswehrsoldaten prangte "Gott mit uns!". Ebenso Jagdstaffelflieger und Stahlhelmkamerad Dr. Richard Wenzl in seinen Tagebuchblättern Richthofen-Flieger 1930: 90: "Wir kämpfen für unser Christentum mit Kreuz und Schwert .... wir glauben an die Wiederauferstehung Deutschlands". Ohne Widerworte von genannter Seite konnte der Reichsdeutsche NS-Propagandaminister empfehlen, dass "ein Deutscher Soldat in den Krieg zu ziehen habe wie in einen Gottesdienst." Genannte weltanschauliche Organisation tat auch nichts Substantielles gegen den Irrsinn oberirdischer Atombombenversuche, die v. a. in den damaligen Kolonialgebieten der Atommächte stattfanden (DER SPIEGEL 1: 85-86 vom 31.12.2012). Diese konnten erst nach jahrelangen Bemühungen der UNO am 10.10.1963 durch den "Comprehensive Test Ban Treaty" verboten werden, nachdem der Garten Eden mit einem Global-Fallout von 27×10exp9 Curie Jod-131 und 34×10exp9 Curie Cäsium-137 (M. Kriener in DIE ZEIT Nr. 16: 20 vom 14.04.2011) schon verseucht war. Ökologisches Engagement dieser weltanschaulichen Organisation wie
- Kard. Höffners Argumentationen in den 80er Jahren in Köln gegen die Atomkraft,
- das päpstliche Lob der Ökologiebewegung bei seinen Ansprachen in Loreto 2007 und im Deutschen Parlament 2011 sowie
- der derzeit (2011-2012) laufende sogenannte, mir heuchlerisch erscheinende christliche Widerstand gegen die 3. Startbahn auf dem MUC und die Präsenz von Vertretern dieser weltanschaulichen Organisation auf den Weltklimagipfeln
kann nicht mehr glaubwürdig sein, weil das alles viel zu spät kommt. Darunter subsumiere ich freilich auch die erfreulichen, leider viel zu spät kommenden ethischen Empfehlungen in der 2015 erschienenen Umwelt-Enzyklika, die nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind.
Bis 2014 erfolgte keine kritische Infragestellung der Textstellen in der Bibel, in denen gute Ratschläge und vortreffliche Regeln zum erfolgreiche Kriegführen erteilt werden; Gott selbst ist darin oberster Kriegsherr; Krieg ist Gottes Wille; der Weisheiten letzte Schlussfolgerungen bestehen in den Feststellungen, dass "Krieg nur mit Vernunft geführt werden soll" und "nach dem endzeitlichen Krieg sich ein neuer Himmel und eine neue Erde zeigen wird" (5. Buch Mose 20, 1 ff., 11ff.. Josua 6. Psalm 144. Sprüche 20, 18; 24, 6. Offenbarung 19, 19; 21, 1ff.). So ist es wenig erstaunlich, dass ihr Engagement zur Verhinderung von militärischen Auseinandersetzungen, Fehden und Bürgerkriegen zu wünschen übrig lässt: es beschränkte sich auf die im 10. Jhd.n.Chr. von Griechen und Römern (Pax Romana) übernommene Einrichtung des sog. "Gottesfriedens" und der "Waffenruhe Gottes" gegen feudale Gewalt (Eva Illouz in DIE ZEIT 52: 53 vom 22.12.2011) - dem Beginn der Europäischen Friedensbewegung - , der im 12. Jhd. vom Landfrieden (von Königen und Kaisern erlassenes allgemeines Friedensgebot) abgelöst wurde. Schön, dass als Folge davon im Ersten Weltkrieg am Weihnachtsabend die Waffen ruhten und französische und reichsdeutsche Soldaten gemeinsam das Friedensfest feierten. Die 1944 in Frankreich entstandene Pax-Christi-Bewegung kann als Fortsetzung gesehen werden. Dem ehrlichen Friedensprediger Dr. Martin Luther King ist es gelungen, den strukturellen Rassismus Amerikas aufzubrechen. Weitere Beispiele, in denen Friedens- und De-Eskalationsinitiativen anderer Friedensstifter und weltanschaulicher Charismatiker Erfolge zeitigten, hat der Politikwissenschaftler Markus A. Weingardt (2007) beschrieben; viele Beispiele, so schrieb er selbst, waren es leider nicht, die er fand. Im März 2012 hat das Oberhaupt genannter weltanschaulicher Gemeinschaft es unterlassen, direkte Worte gegen die Gewalt durch Drogenkartelle in Mexiko zu richten; statt dessen rief er öffentlich dazu auf, die Jungfrau Maria um Hilfe zu bitten. Und wäre es im Juni 2012 nicht höchste Zeit gewesen, einige laute und deutliche Worte gegen die Verantwortlichen für die Massaker an Zivilisten in Syrien zu richten? Erfreulich, dass sich seit 1971 die Ordensschwester Giovanna Calabria in Uganda und im Sudan für die Resozialisierung ehemaliger Kindersoldaten einsetzt (ZEIT MAGAZIN 2: 18-25 vom 03.01.2013). Die m. E. insgesamt nur geringe befriedende Wirkung aus weltanschaulicher Richtung auf das Weltgeschehen mit all seinen Waffengängen zeigt zweierlei: viel zu schwaches Friedens-Engagement auf Seite der Vertreter der Weltanschauungen (es reicht eben nicht, am Ende jeder Messe ein "Friede sei mit Euch" oder ein "gehet hin in Frieden" herunterzuleiern) und die konstante Gewaltbereitschaft in den sich befehdenden Gruppen. Erst im Jahre 1953, nach acht Jahren Leugung der und Schweigen über die unmenschlichen Geschehnisse, die Massenmorde in Hiroschima und Nagasaki und erst ein Jahr nach dem ersten "erfolgreichen" Wasserstoffbombentest durch die USA bezog der angeblich erste Stellvertreter Gottes auf Erden Stellung und verurteilte das atomare Wettrüsten als unsittlich und verwerflich (
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1247579/). Das vom Oberhirten 2013 formulierte "Evangelii Gaudium: 2. Kapitel, Punkt I: 52.-60." ist in Ordnung, doch diese Inhalte kommen m. E. viel zu spät. In Ordnung ist auch der Offene Brief von 45 Ordensoberen an einen Ministerpräsidenten wegen seiner unangemessenen Rhetorik gegenüber Flüchtlingen SZ 261: R17 vom 12.11.2015). Weltanschauliche Gemeinschaften tragen zudem zu weiteren Auseinandersetzungen bei: denn sie stehen, wie der Psychologe William James schrieb, einerseits für höchste Ideale und Purismus, aber andererseits wegen ihrer impliziten Dogmatik, antidemokratischen Struktur, individuellen Unfehlbarkeit, Orthodoxie, Intoleranz und ihres höchsten Legitimationsanspruchs sowie Absolutheitsgehabes bei letzten Fragen für fromme Gewalt, selbstzerstörerischen Fanatismus und brutale Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender (GEO 04: 62-84, 2012; DIE ZEIT 27: 56 vom 26.06.2014) und ihresgleichen - wie z. B. den Gegenpapst - , angeblich im Auftrag und abgesegnet von einer "höheren Macht". Beispiel: Erst durch den Westfälischen Frieden 1648 konnte der 30-jährige Krieg, der sich von einem Glaubenskrieg zu einem europäischen Machtkampf auf deutschem Boden entwickelt hat, beendet werden. Siehe auch: Schreiner, K. 2008 (Hrsg.): Heilige Kriege: religiöse Begründungen militärischer Gewaltanwendung: Judentum, Christentum und Islam im Vergleich, München. Ob die im Juni 2014 getätigte Äusserung des Oberhirten vernünftig war, dass es mehr Mut zum Frieden als für den Krieg braucht, wird von mir bezweifelt. Die in der Regel drakonischen Urteile von Untersuchungskommissionen (Inquisition) weltanschaulicher Einrichtungen haben/hatten - angeblich - göttliche Weihe und somit vollkommen zu Recht hundertprozentige Rechtmäßigkeit angeblich bis in alle Ewigkeit; seltsam, dass ein allmächtiger und allwissender Gott Schwäche zeigt, weil er angeblich irdische Soldaten, Helfer und Richter nötig hat (Menschenrechtsaktivistin Seyran Ates in DIE ZEIT 04: 52 vom 22.01.2015). So ist schlichtweg nicht wahr, dass Fundamentalismus nur ein modernes Phänomen und nicht Ausdrucksform einer traditionellen Religion sein soll (J. H. Claussen in DER SPIEGEL 53: 14-21 vom 24.12.2015): im Mittelalter schwangen christliche Gotteskrieger bei ihren Kreuzzügen mit blutrünstigem Gebrüll Messer, Beil und Schwert, heute schultern selbsternannte Märtyrer - oft perspektivlose Desperados aus den youth bulges der Drittweltstaaten - die AK47, binden sich Sprengstoffgürtel um oder lenken gekaperte Flugzeuge oder sprengstoffbeladene Fahrzeuge in weiche Ziele, um mit möglichst hohen Opferzahlen die Terrorwirkung zu maximieren und die Bevölkerung empfänglicher zu machen für autoritär-totalitäre Weltsichten. Ihr Ziel: Der Staat als Gefängnis, ein Schafspferch: ein nationalreligiöses Zwangssystem - weltliche und geistliche Macht konzentriert vereint - wie im mittelalterlichen Europa und derzeit im Nahen Osten - unterdrückt totalitär seine Bevölkerung mit der Religionspolizei und bildet aus oben genannten Gründen eine beständige Gefahr für offen-demokratische Gesellschaften. Fundamentalismus (lt. Brockhaus 2000 definiert als kompromiss- und rücksichtsloses Festhalten an religiösen Grundsätzen) und der davon inhaltlich kaum trennbare Dogmatismus (lt. Brockhaus 2000 definiert als ein unkritisches, nicht begründetes Behaupten religiöser Sätze und Inanspruchnehmen ihrer unbedingten Anerkennung) sind und bleiben somit zwangsläufig eine von mehreren Ausdrucks- und Erscheinungsformen von Religion, solange eine jede dieser religiösen Weltanschauungen auf einer absolut und unabänderlich ausschließlich für sie geltenden Deutungshoheit betreffend letzter und höchster Wahrheit totalitär beharren und keine anderen neben sich tolerieren. Aus dieser Richtung gesehen ist Religion nichts anderes als ein viele Jahrtausende alter Konflikt- und Kriegskatalysator, dessen Gefährlichkeit zunimmt, weil sich die entsprechenden Mentalitäten kaum geändert haben, aber technisch immer weiter verbesserte Waffensysteme zur Verfügung stehen, um die Konflikte auszutragen.
Gesellschaft kann nur so lange frei sein, wie sie das demokratische Prinzip des Zweifelns kultiviert (SZ 243: 05 vom 22.10.2015). Ich denke, dass eine mit Absolutheitsanspruch kombinierte Weltanschauung zu gefährlich ist und deshalb aufgegeben werden muss. Eine demokratische Welt erträgt nichts Totalitär-Absolut-Dogmatisches wie Gott und seine selbsternannten irdischen Vertreter; sie lähmen vernünftige politische Entwicklungen, den wissenschaftlichen und den gesellschaftlichen Fortschritt (L. Feuerbach). In keinem der Evangelien ist die Rede von der Schaffung eines Stellvertreters Gottes auf Erden. Es ist undenkbar, dass nach einer Doktrin des selbsternannten höchsten Stellvertreter Gottes auf Erden jede Demokratie auf den Zehn Geboten gründen muss (DIE ZEIT 49: 66 vom 29.11.2012). Fatal auch in diesem Zusammenhang der verhaltenspsychologische Nachweis in der Zeitschrift Psychological Science, dass Gläubige risikotoleranter sind als Nichtgläubige: Gott als vermeintliche Quelle persönlicher Sicherheit (
http://dx.doi.org/10.1177/095679761456310). In ähnliche Richtung weist eine Untersuchung, aus der hervorgeht, dass Gläubige keineswegs prosozialer handeln als Nichtgläubige (Galen, L. W. 2012: Does religious belief promote prosociality? A critical review.- In: Psychological Bull. 138/5: 876-906 http://dx.doi.org/10.1037)

Aber so kann das doch nicht gemeint gewesen sein mit dem konstruktiven Auftrag, den "Garten Eden" sorgfältig zu bestellen, liebevoll zu behüten und nachhaltig zu pflegen (1. Buch Mose 2,15). Von treuhänderischen, hütenden und verantwortungsvollen Bestrebungen, die Erde den Nachkommen verbessert zu hinterlassen - so die erst im 20. Jhd. erfolgte, abenteuerliche Neuinterpretation dieses dominium-terrae-Auftrags (der in Wirklichkeit wegen seiner eindeutigen Wortwahl keinen Spielraum lässt für Interpretation) - ist m. E. nichts vorhanden. Kann jemand mir sagen, wo ein Mitglied dieser weltanschaulichen Organisation den Planeten Erde inzwischen in einen substantiell besseren Zustand gebracht hat?

Was spricht gegen die aus Vorangegangenem abgeleitete Behauptung, dass die weltanschauliche Organisation, welche vorgibt, seelsorgerisch und zum Wohle der Menschen tätig zu sein, in Wirklichkeit oft das Leid absichtlich belässt oder gar mehrt, um den Glaubensdruck zu erhöhen und damit an Einfluß zu gewinnen? Sie hätte doch genug Mittel, z. B. die Erdbebenschäden in L'Aquila und Port au Prince vollständig zu sanieren: der Oberhirte kommandiert derzeit einen frei verfüg- und verteilbaren Jahresetat von stolzen 110 Millionen Euro aus dem Peterspfennig und den Jahresgewinnen der Vatikanbank (DIE ZEIT 31: 56 vom 26.07.2012). Anstatt mit diesen Mitteln zu helfen, belässt man die Opfer solcher Naturkatastrophen jahrelang in Not und Elend und instruiert, man solle doch den lieben Gott um Hilfe bitten. Mutter Theresa, selbsternannte Missionarin der Nächstenliebe, dachte ganz ähnlich, als sie "Gott in der Verkleidung des Elends" zu erkennen glaubte und deshalb die Anwendung von Schmerzmitteln in ihren Krankenhäusern in Kalkutta einschränkte, damit ihre Patienten, je mehr sie leiden, umso näher bei Gott sind. So sieht pervertierte Nächstenliebe einer weltanschaulichen Extremistin also aus. Ich kann nicht verstehen, dass bei solcher Handlungsweise ein Friedensnobelpreis fällig wurde. Könnte der Mensch den "Garten Eden", das Paradies, schon auf der Erde teilweise verwirklichen - Immanuel Kant schrieb deshalb ganz diesseitig "Zum ewigen Frieden" - , hätte der Mensch immer weniger Grund zu glauben und ein glückliches Jenseits zu erhoffen. Deshalb wird vieles und noch mehr getan und unterlassen, damit es möglichst wenig Frieden und möglichst viel Unglücklichkeit gibt und Not sowie Schmerz mit ihrem impliziten Glaubensdruck nachhaltig gesichert auf hohem Niveau fortbestehen. So verkündete deshalb in der Osterwoche 2011 genannte weltanschauliche Organisation gemäß dem Nächstenliebe-Modell von Mutter Theresa, dass angeblich "der Mensch kein Recht habe, sich mittels Medizintechnik aus seinem Leid davonzustehlen".

- Das Römische Kreuz steht aber, wie eingangs schon festgestellt, in seiner realen Wirkung nicht nur für unsägliche Qual, sondern auch für tiefste Demütigung, maximale Beschämung, Peinlichkeit und Sklaventod, größte Befriedigung von Voyeurismus und vollständige Satisfaktion heißester Sadistenlust: "...some impale their private parts,..." (L. A. Seneca in Maslen & Mitchell 2006: 185). Das erkennt man auch an der zynischen Wahl des Exekutionsstandortes - eine Anhöhe (Schlußpunkt, Endstation, letzter Höhepunkt) - , dem erzwungenen Beisein von Angehörigen, und an der Positur, in die der von spezialisierten Sadisten gnadenhalber besonders gründlich vorpräparierte, nackte und bluttriefend-zerfleischt-zerhackte Körper mit rohester Gewalt endgültig fixiert wird: offene, weit ausgebreitete Arme bei anfänglich aufrechter Haltung signalisieren - in solch einer Situation diametral widersinnig - Macht, Freude, Erfüllung, Hoffnung, Sehnsucht, Verzückung, Ekstase, Verlangen, Hingabe, aber auch Ohnmacht und Wehrlosigkeit. Auf jeden Fall wird der Gequälte in dieser Zwangspose komplett lächerlich gemacht. Der ans Kreuz Genagelte symbolisiert, materialisiert und zentriert in sich die ultrabrutale Wirkung aller roh-nackten, despotischen, totalitären und doktrinären Macht sowie den daraus brachial hervorberstenden, brüllenden, gigantisch-monströsen Mahlstrom aus weißglühenden Gewalt-Protuberanzen. Das Römische Kreuz ist vollkommenste Mutti, Supernanny aller Beschränktheiten und absoluter, jungfräulich-reinster Zwang. Kreuzigung bedeutet Totalkontrolle: physische Hineinzwängung eines Lebens in den nullten Freiheitsgrad: Zerquetschung, Einstampfung und Zusammenpressung einer menschlichen Existenz zum Punkt, dem Nichts: dem schändlichsten Sklaventod. Ich kann das Römische Kreuz nur als das sehen, wofür es ursprünglich verwendet wurde: als grausamstes Tötungsmittel, das einem entstellten und festgenagelten Mann - bedeckt von einem ecklig-surrenden Schwarm stechender und gierig saugender Insekten - unter beißendem Hohn, Spott, zotigen Anfeuerungsrufen und schlussendlich johlendem Beifall, Gegröhl und Gekreische dummgeiler Gaffer auf entwürdigendste Weise die letzten Körpersekrete während des finalen Erstickungsanfalls aus seinem zyanotischen, blaurot-violett verfärbten Körper herauspresst: erzwungener, in einer ejaculatio seminis eskalierender Kontrollverlust in extremis: öffentlich inszenierter, mega-giga-tera-peta-exa-obszöner, bestialischer Foltervergewaltigungsmord, Pervertissimo, letzter Tabubruch, ultimativer Skandal, schwerster, exzessiver Frevel, Totalschändung: Armageddon barbarischer, triumphaler Inhumanität. Das Grausamkeitsmaß betreffend besteht da gar kein Unterschied mehr zu diversen Ritualmorden archaischer Gemeinschaften. Es besteht kein Zweifel, dass mit dieser singulären Grenzüberschreitung der Mensch das, was er als Hölle bezeichnet, selbst mit Bedacht geschaffen und mit "setzen, sehr gut!" (Note 1* bzw. 15 Punkte) erfolgreich verbreitet hat. Für frei denkende und frei lebende, positiv gesinnte und vernünftige Menschen ist es ausgeschlossen, ein Objekt, das nur für diesen Zweck erfunden, angewandt und globalisiert wurde, anzusehen, anzubeten sowie seine Protagonisten in Ehren zu halten. Zudem: Der Blick auf einen Sterbenden ist mir in diesem Fall wegen einseitiger und somit unfairer Intimität unerträglich. Fesselung, Flagellation und Strangulation zählen ausserdem zu den seit Alters her bestens bewährten, sado-masochistischen, sexuell-perversen Praktiken, die von genannter weltanschaulicher Organisation wegen besonderer Schädlichkeit für Leib und Seele in den Bann gelegt wurden. Zutiefst verwerflich in diesem Zusammenhang ist auch das das Grauenvollste, Grässlichste und Schrecklichste ästhetisierende 2010-Werbeplakat für die zu diesem Gräuelthema einschlägig bekannten und bedauerlicherweise weltberühmten "Festspiele" (und all ihrer Ableger), die - abgesehen von gesetzlichen Verboten in der Zeit der Aufklärung - seit 1634 n.Chr. in zehnjährigem Turnus abgehalten werden. Die im Jahr 2010 zusätzlich aufgeführte Kinderpassion ist Steilvorlage, die Debatte über seelisch mißbrauchte Erziehungsbefohlene um die Punkte Zwang und Manipulation auszubauen: Kinder, die sich in einer freien und offenen Gesellschaft seelisch gesund entwickeln können, werden nicht gezwungen, sich ausführlich mit Gedanken über Folter und Tod zu beschäftigen; so etwas geschieht nur in seelisch, humanitär und weltanschaulich regredierten Zwangsgemeinschaften: im NS-System log Baldur von Schirach dem angeblich arischen Jungvolk - Pimpfen und Jungmädeln - vor, sie seien nur deshalb erschaffen worden, um für Deutschland zu sterben. Das zerstört jede empfindsame Seele ähnlich folgendem Zweizeiler aus dem Gesangsbuch einer weltanschaulichen Organisation: "Oh Welt, ich muss Dich lassen, sterben ist mein Gewinn!". Es ist der notorische, scheinbar nicht besserbare geistige Irrsinn der Kreuzesverehrer, der sie am 06.04.2012 wiederum ihre christlichen Lebenslügen in die Welt posaunen ließ, das Römische Kreuz mitsamt seinem corpus - der "Balkensepp" - sei der Baum des Lebens, ein Quell der Kraft und Hoffnung, eine Ermutigung für Menschen in Not sowie Botschaft für eine gerechtere Welt. Es ist bedrückend, wie die Medien diesen volksverdummenden frommen Lügen bereitwillig Raum bieten.

Das Römische Kreuz symbolisiert nach meiner Sicht nicht seelisches Heil, geistigen Halt, Erlösung und Todesüberwindung, sondern nur Gewalt, Folter, Vergewaltigung, supremen Sadismus, Perversion und Mord. Positive Assoziationen sind mit dem Römischen Kreuz unvereinbar. Es steht stellvertretend für viele längst aus der Zeit gekommenen Dogmen und Riten, die durch solche ersetzt werden müssen, die ästhetisch-humanitären Kriterien genügen.

Ronald Reagan appellierte am 12.06.1987 vor dem Brandenburger Tor an der Berliner Mauer an den Premier der damaligen UDSSR: ".... Mr. Gorbachew, tear down this wall!"
So empfehle ich dem Oberhirten: "Dear Mr. pope, chop off and dump this Roman Cross!" So empfehle ich den jüdischen und islamischen Gemeinden: "Stop circumcision immediately now!"

Einer Monsterdampfwalze gleich zerstörten vom Missionseifer besessene Extremisten und Fundamentalisten dieser weltanschaulichen Organisation mit Feuer, Schwert und den verlogenen Schlachtrufen "Gott will es!", "Gott mit uns!" "furor domini!" in aller Welt eine Vielzahl archaisch-natürlicher Weltanschauungen (hier begann die erste Zwangs-Entgötterung der Natur, die sich nachträglich als für das ökologische Gleichgewicht so verhängnisvoll erwies), indem sie zahllose unbeugsame, zu "Heiden" degradierte Ureinwohner mordeten (Verlust an Spiritodiversität) und nach den Spiritoziden (DER SPIEGEL 42: 148-155 vom 14.10.2013) auf den gewaltsam geschaffenen riesigen Brachen eine öde und triste, aber bestens kontrollier- und steuerbare weltanschauliche Monokultur pflanzten und sie, wiederum unter massiver Anwendung von Zwang, Gewalt und Gehirnwäsche, erfolgreich eine bedenklich große Anzahl Gläubiger (Im Jahr 2010 zählte diese Organisation ca. 1,2 Milliarden "Werkzeuge Gottes") unter dem Dirigat des Römischen Kreuzes und dem strengen Leitsatz "ora et labora" sorgfältig züchteten. Ihnen sind mit Bedacht über viele Jahrhunderte Spaß und Freude am Leben gründlich und nachhaltig verdorben sowie der freie Wissenserwerb in Literatur, Technik, Naturwissenschaften und Medizin vermasselt worden. Das sind die Straftatbestände des Dummhaltens sowie des Belassens in Not, Leid und Elend. So durfte ausserhalb der Mauern von Klosterbibliotheken gar nicht und innerhalb dieser nur in der Bibel geforscht werden. Und diese Bremserei, dieses sich Querlegen gegen die natürliche geistige Evolution des Menschen, sollte bis heute so weitergehen. Doch solche unerträglichen Engführungen und widernatürlichen Beschränkungen ließen sich immer weniger Schäflein gefallen. Beispiel eines steinernen Zeugen resilenten Strebens nach Erkenntnis - das ist sinnliche und verstandesmäßige Wahrnehmung - und "nackter Wahrheit" steht vor dem Eingang der Ecole de Médecine in Paris: es ist die steinerne Statue einer sich selbst entkleidenden Frau. Die Plastik trägt den treffenden Titel: "Die Natur entschleiert sich vor den Augen der Wissenschaft" (DIE ZEIT Nr. 48: 60 vom 25.11.2010).
In traditionell rückwärtsgewandter Sturheit verkündete zu den Themen freier Wissenserwerb, Aufklärung und Intellekt ein frisch gekürter Oberhirte in seiner ersten Botschaft vom 20.04.2005 "... die dringendste Notwendigkeit einer......Reinigung des Gedächtnisses, ... um die volle Wahrheit ... aufzunehmen" (gerade er sollte doch eigentlich wissen, dass nach L. Wittgenstein "....kein Mensch direkten Zugang zur Wahrheit hat.") und am 24.12.2011: "... dann müssen wir vom hohen Roß unseres aufgeklärten Verstandes herabsteigen, .... unsere falschen Gewissheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, ... geistig zu Fuß gehen, ... verzichten auf die Fixierung auf das Materielle, Meßbare, Greifbare....". Kommentar: - Das Problem der Fixierung auf das Materielle betrifft genannte weltanschauliche Organisation in allererster Linie selbst. - Die wirklich Klugen und Weisen saßen noch nie hoch zu Roß, sind nicht stolz und kennen ganz bestimmt keine Lebenssituation, in der sinnvoll sein kann, den Verstand auch nur 1 Sekunde lang abzuschalten.

Erfindung und globale Verbreitung des Römischen Kreuzes (Beispiel: GEO 02/2007: 96) - egal unter welchem Aspekt - stellt ein besonders schweres humanitäres Versagen, einen Zivilisationsbruch dar. Die mit dieser angestrebten Generalisierung implizit aufgezwungene Hauptbotschaft, jedes Unrecht widerstandslos ad exitum hinzunehmen, ist inakzeptabel. Die geflügelten Worte "Schlägt Dir jemand auf die linke Wange, dann halte ihm doch auch noch die rechte hin" und "wer einen Stein auf Dich wirft, dem wirf eine Blume zurück" sind menschenverachtend, denn dieses absichtlich empfohlene Fehlverhalten in Form von Selbstverleugnung und diese aufgedrängte Passivität unterdrückt den natürlichen und gesunden Ego-Reflex der Selbstverteidigung und Selbsterhaltung, schwächt die Position Bedrängter und steigert deren Leid, damit diese - anstelle in ihrem Selbstwert und Selbstvertrauen - vermeintlich im Glauben Halt finden. Erfindung und globale Verbreitung des Römischen Kreuzes sowie damit verwobene Seelenheilsbotschaften sind Paradebeispiele negativer, schwarzer Kreativität.

Was nutzt es Gläubigen nun, wenn sie in froher Hoffnung auf moralische Erhöhung und einen besseren Platz im Jenseits ungerecht zugefügtes Leid in Serie erdulden? Sie werden nicht wie nach der Prüfung durch Leidenlassen - das entspricht der alttestamentarischen Hiob-Erzählung - belohnt, sondern hier im realen Leben nur noch weiter gequält, unterdrückt, ad exitum ausgepresst und in ihrer letzten Stunde - am bitteren Ende ihres Sinnloswartens auf Godo - abgrundtief enttäuscht und frustriert ihre ultraeiskalte kosmische Einsamkeit und Verlassenheit einsehen und in bodenlos-ohnmächtigem Zorn erkennen, dass sie dauerhaft um ihre Lebensqualität und um ihre letzte größte Hoffnung schändlich und feige betrogen worden sind. Beispiel: "Wo bleibt er denn nur, mein lieber guter Heiliger Michael, wann erhört er mich denn endlich und hilft mir?", hörte ich eine bis zu diesem Zeitpunkt tiefgläubige Kindergärtnerin wenige Stunden vor ihrem Tod zweifelnd fragen. Sie zweifelte umso mehr, weil kein irdischer Verkünder des Herrn sich wegen seiner angestammten Arroganz herabließ, sie in ihren letzten Daseinstagen zu besuchen, ihr Trost zu spenden und Zuwendung zu geben: dieser Herrenmensch war sich offensichtlich zu gut, nur eine alt und krank gewordene Kindergärtnerin ein letztes mal zu besuchen. Sophie Scholl äusserte in einem ihrer Briefe an Fritz Hartnagel, dass sie "...Gott nicht finden kann...". Auch Mutter Theresa zweifelte, indem sie schrieb: "In mir ist kein Gott". Das lapidare Sprichwort - "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott" - verweist nur auf seine Nichtexistenz. Auch A. Einstein zweifelte, indem er 1954 gegen Ende seines Lebens notierte: "Das Wort "Gott" ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden" (GEO 12: 151, 2012). Ordensschwester G. Calabria: "Manchmal werde ich wütend auf Gott, sehr wütend" (ZEIT MAGAZIN 2: 24 vom 03.01.2013).

Genannte Weltanschauung trumpft auf mit einem hypothetischen, welterschütternden Donner- und Paukenschlag in unbestimmter Zukunft: die drohliche Vorhersage eines Ereignisses, das sich in Wirklichkeit weder ereignen kann noch ereignen darf: es ist die nach dem "Weltuntergang" hoch und heilig versprochene Wiederkehr eines gleißenden Erlösers, Messias, Heilands, Weltenretters auf Erden, der bei seinem "Jüngsten Gericht" die Spreu vom Weizen sondern wird: die Guten - freilich alle Gläubigen: denn nur sie sind die Auserwählten - ins Töpfchen - also hinauf mit denen ins ewige Licht - , die Schlechten - alle Heiden - ins Kröpfchen - also hinab mit denen in den schwarzen Höllenschlund ewiger Verdammnis. Mittels dieser Hinhalterei ad infinitum wird eine große, emotional hochgespannte, Glücklichkeit bis in alle Ewigkeiten erwartende Haltung erzeugt, die das in Wirklichkeit vergebliche, nutzlose und verschwenderische und letztendlich schädliche Hoffen auf und Glauben an das Auserwählt-Sein und das Kommen einer besseren Welt eselsgeduldig aushalten lässt. Da ein Abgleich mit der Wirklichkeit nie stattfinden wird, eignet sich dieses nur erdachte und weisgesagte Ereignis als idealer und dauerhaft gefestigter Projektionsraum für Illusionen von und Fantasien über eine bessere Welt. Die Idee Gott als gedachter Kontrapunkt zur Summe all der Grausamkeiten, die Mensch permanant in Serie erfindet und ausführt. Alle guten Wünsche und Ideale des Menschen - wie unendlich gut, ehrlich, gerecht, weise, mächtig, naturbeherrschend, schöpferisch, etc. pp., - die er manchmal hegt, bündeln sich im maßlosen, wie Diamantschmuck gefährlich gleißenden und die Vernunft überblendenden Fokus der Gottesidee: die gedankliche Idealvorstellung über Gott als vollkommenste Ausprägung des Menschen selbst, als Zielperspektive in räumlicher und zeitlicher Unendlichkeit (BR2 06.06.2012 9.30-10 Uhr). So wird durch ein nie Wirklichkeit werdendes, nur weisgesagtes Ereignis eine Glaubensillusion in vielen Köpfen dauerhaft installiert. Das ist schädlich, weil die Vorstellung über ein möglicherweise besseres Leben im Jenseits die Impulse zur Besserung des Lebens im Diesseits abschwächt und zersetzt; man soll sich eben alles gefallen lassen wie ein "Lamm Gottes". Ergänzend dazu die Idee vom "Jüngsten Gericht" über Lebende und Tote als Gegenpol zur Summe all der Ungerechtigkeiten, die der Mensch inzwischen begangen hat und die angeblich am "Jüngsten Tag" endlich allesamt gesühnt werden. Das inzwischen über 17 Jahrhunderte praktizierte, taktiererische Dauer-Heucheln gerne vernommener günstiger Prognosen, die sich in den haltlosen Tiefen nur gedachter Ewig- und Unendlichkeiten vielleicht erfüllen könnten, ist so wirksam wie unfair. Freilich kann man sagen, dass sich im künstlichen Raum der Mathematik zwei parallele Geraden in einer Ebene in der Unendlichkeit schneiden. Betreffend die Realisation des "Jüngsten Gerichts" ist das nichts anderes als Mißbrauch von Prokrastination und dem gedanklichen Super-Joker des Unendlichen. Und wie wenig Substanz in genannter Weltanschauung tatsächlich vorhanden ist, zeigt schon, dass alleine durch verstärkten Einfluß analytischen Denkens die Überzeugung von der Richtigkeit ihres Denkmodells gemindert wird (Gervais, W. & Norenzayan, A. 2012: Science 336: 493). Zum Denkfehler Mensch-Übermensch-Gott: Der Gedanke an Perfektion bedeutet absolute Wahrheit und suggeriert Entwicklungsstillstand; er ist letztlich totalitär. Perfektion bedeutet das Ende allen Suchens und jeder Weisheit: keine Fragen, keine Neuerungen und kein Lernen mehr, ein Stranden im Nichts. Das kann letztlich nur der Tod sein (GEO 03: 136-149; 2012). Der Gedanke an (Gottes)Allmacht ist gefährlich, da totalitär: er zieht die Überflüssigwerdung der Menschen nach sich (Hannah Arendt. Ihr Denken veränderte die Welt. Hrsg.: M. Wiebel 2913: 79-80).

Die Ideen von einer möglichen Existenz Gottes und dem Jenseits sind so vage und substanzlos, dass sie argumentativ unangreifbar scheinen: sie sind weder falsi- noch verifizierbar; solch gehaltlose Gedanken sind nur unbrauchbar. Keiner wird jemals feststellen und dann erklären können, woraus Jenseits und Gott - aussergedanklich - bestehen und wie beides entstanden sein soll. Und für den Fall, dass behauptet wird, beides sei immer schon dagewesen, dann muss ein Grund dafür angegeben werden und warum so etwas notwendig sein soll. Freilich gehen solche Jenseits-Vesprechungen leicht über gesalbte und geheiligte Lippen, weil garantiert niemand zurückkommt und konkret darüber berichten kann, ob das so leichtfertig Versprochene nun denn wahr oder doch nur gelogen war. Und da möchte ich mich noch einen Schritt weiterwagen und sagen, dass nur solche Leute das Jenseits scheinheilig bedenkenlos lobpreisen, die - vielleicht auch unbewusst - ganz genau wissen, dass mit dem individuellen Tod alles beendet ist und gewiss nichts weitergeht. Zur versprochenen körperlichen Wiederauferstehung angeblich aller Sterblichen: woraus oder wo sollen die wiederauferstehen, deren sterbliche Überreste schon längst Bestandteile irdischer Kreisläufe geworden sind, wie z. B. die Opfer der Titanic-Havarie am 15.04.1912? Woraus oder wo sollen die 100000 Personen wiederauferstehen, die am 06.08.1945 um 8 Uhr16 Minuten und 2 Sekunden morgens vom gleißenden Hitzestrahl der 11,350 kT-Uranbombe Little Boy bei 1 Million Grad Celsius und 10 Kilobar Druck innerhalb einer Zehntelsekunde in ihre chemischen Grundbausteine zerlegt wurden und deren Wasseranteile wenig später aus dem riesigen Atompilz zu ölig-rußigen Tropfen kondensiert auf die Überlebenden abregneten (das war der erste Fall von menschengemachtem Menschenwasser-Regen)? Und wie soll die Person wiederauferstehen, die sich posthum als Organspender zur Verfügung gestellt hat? Und wie hätte Gottes Sohn ganzkörperlich wiederauferstehen können, wo der junge Jesus doch beschnitten war und bei seiner Passion ganz ordentlich geschwitzt, geblutet, geweint (lacrima Christi!) etc. hat?

Zur garantierten Wiederauferstehung der Seele: eine Seele ist als immateriell definiert und kann somit keine Information beinhalten. Sie kann sich mangels Substanz nicht bewegen und deshalb auch nicht wiederauferstehen; siehe einige Abschnitte weiter unten. Wiederauferstehung gibt es nur in den fantastischen Ausführungen einer weltanschaulichen Lehre sowie im Vampirismus.

Es war im August 2010 in einer Aussegnungshalle dieser weltanschaulichen Organisation, als ein Spender göttlichen Heils coram publico die obligatorische Anstands-Bankrotterklärung offenbarte, indem er in einer Standardfloskel sinngemäß verkündete, man "....müsse das Leid, das der Tod einer jungen Frau den Hinterbliebenen gebracht hat, einfach aushalten." Ein Mehr an Banalität und Trostlosigkeit kann man den im Leid Erstarrten und vorübergehend wehrlos gewordenen wirklich nicht aufladen.

Schon vor 300 Jahren ist im anonym veröffentlichten Traktat "Der Gottesbetrug" diese Weltanschauung als Verblendung erklärt worden (DIE ZEIT Nr. 21: 19 vom 20.05.2010). Voltaire äusserte die Ansicht, dass "...der Aberglaube die ganze Welt in Brand setzt und nur die Philosophie ihn wieder löschen kann". Jurek Hronowski (*1922 Zloczów, Polen †2006 Warschau), ehemals streng gläubig, hat nach mehrmaligen Internierungen in den KZ Auschwitz und Sachsenhausen seinen Glauben an einen gerechten Gott verloren und genannte weltanschauliche Gemeinschaft verlassen. Ich selbst halte diese und auch die anderen Weltanschauungen für verschiedene Varianten ein und derselben gefährlichsten, weil für Gewaltherrschaftszwecke mißbrauchte Illusionen, die der Mensch jemals erdacht sowie bis dato erfolgreich und dauerhaft verbreitet hat: sie haben sich zum Vorteil sehr Weniger und Nachteil sehr Vieler laufende Perpetuum-Mobile-Geld- und Unterdrückungsmaschinen mit integrierten Postenverteilungsapparaten entwickelt; diese bequemen und in sich geschlossenen Kartelle, Selbstbedienungsläden, Austragshäuserl und Karrieresteigbügelhalter sind inzwischen leider auch von einigen Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen sehr erfolgreich imitiert worden.

Ein Folterinstrument wie das Römische Kreuz ist als Heils-, Friedens-, Erlösungs- und Todesüberwindungsmetapher vollkommen ungeeignet. Eine größere Diskrepanz zwischen Wirklichkeit - physischer Wirkung - und idealisierter, güldener Verklärung als beim Römischen Kreuz ist undenkbar und offenbart hemmungs- und grenzenlose Wirklichkeitsverweigerung sowie die unendlich groß scheinende Macht mißbrauchter Manipulation und entgrenzter Demagogie. Wegen der suprem grausamen physischen Wirkungsweise des realen Römischen Kreuzes kann seine tatsächliche, unverfälschte und direkte Botschaft nichts anderes sein als Extremismus pur. Die Ikonen aller anderen weltanschaulichen Gemeinschaften haben keinen derart problematischen und fragwürdigen, inhumanen und extremistischen Realkern, bestehend aus dem dreckigen Halbdutzend Zwang, Vergewaltigung, Sadismus, Perversion, Folter und Mord. Nur die unvorstellbar große, in ihren Ursachen noch nicht verstandene und kaum vermessene menschliche Negativ-Irrationalität und Negativ-Emotionalität (Schuldgefühle, Angst, Haß, etc.), ihre hartnäckige Persistenz, Unverbesserlichkeit und leichte Ausnutzbarkeit - die Macht der Dummheit (Umberto Eco in DIE ZEIT 40: 51 vom 29.09.2011) - sind substantielle Argumente, warum diese Ikone trotz ihrer unmenschlichsten realen Bedeutung seit nunmehr 17 Jahrhunderten Bestand hat: viele Menschen sind in erschütterndem Ausmaß manipulierbar (selbst beim vermeintlichen Privatissimum der Familienplanung), oberflächlich, unkritisch, träge, verantwortungsscheu ("Um Gottes / Himmels Willen!", "Gott sei Dank!", "...Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden, ...", "...und führe mich ins Gelobte Land.", "Der Herr ist mein Hirte", "Helf Gott!", "In Deine Hände empfehle ich meinen Geist", "so wahr mir Gott helfe!"), glauben an die Gotteskindschaft aller Menschen, unterwerfen sich selbst, verkennen die Gefahr der Gewöhnung, fliehen vor der gedanklich angeblich zu anstrengenden Komplexität begeistert und erleichtert in einfachste Welterklärungen attraktiv erscheinender Despoten, kapitulieren präventiv vor der süßen Bequemlichkeit der Gewohnheit, hießen massenhaft "diejenigen jubelnd und vor Glück hysterisch kreischend willkommen, die ihnen die Mühe des Sittlichen abnahmen" (Josef Furtmeier 1887-1969), ersehnen Selbstentlastung (Bsp: Ende Januar 2015 wollen lauf Umfrage knapp 60% der Deutschen einen Schlußstrich ziehen unter die Schoah: Jakov Hadas-Handelsman in SZ 35: 02 vom 12.02.2015), haben sich größte Angst vor Obrigkeit, Tod und einem phantasierten Jüngsten Gericht einjagen lassen ("ohne Furcht kein Glaube"), hegen und pflegen ihre Kleingeisterei, Spießerei, Zwergerei (dazu passende statements: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"; "Wer die Armut in sich selbst wahrnimmt, wird die wahre Größe Gottes entdecken"), ihr schlechtes Gewissen und akzeptieren gerne, mit unverschämt törichten Versprechungen eines imaginären Jenseits vielleicht irgendwo da oben hinter Schäfchenwolken hingehalten, belogen und betrogen zu werden. Wie riskant es werden kann, wenn man nicht genau hinsehen will oder desinteressiert bleibt, zeigte z. B. der Verlauf des atomaren Wettrüstens, das bis zum Schwarzen Samstag, den 27.10.1962 auch deshalb derart ausufern konnte, weil die Bilder von der Zerstörungskraft dieser Waffen in der Öffentlichkeit meist distanziert-abstrakt blieben und zu selten ins unerträglich gräßliche Detail gingen (DER SPIEGEL 25/2011: 122-125; DIE ZEIT 41: 24 vom 04.10.2012). Ein weiteres Beispiel für immer weiter tradierte, organisierte Verdummung sei hier die im Jahr 2008 gegebene Antwort eines fünfjährigen Enkels auf die Frage von Großmutter, was denn Opa nun im Himmel oben machen wird: "Den ganzen Tag Fußball schauen"; hier ist die von Neil Postman 1985 ("Wir amüsieren uns zu Tode") prognostizierte Infantilisierung der Gesellschaft durch Infotainment Wirklichkeit geworden. Der bekannte Spruch "Selig die Armen im Geiste, denn ihnen ist das Himmelreich" passt recht gut dazu und ist eine verkappte, zynische Empfehlung, eigenständiges Denken besser bleiben zu lassen und vom Baum der Erkenntnis nicht zu essen, weil es nach diesem angeblichen Sündenfall den Menschen so ergeht wie Adam und Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies. Und je strenger das weltanschauliche Korsett geschnürt ist, desto erfolgreicher und stabiler das Leben in der Gesinnungsgemeinschaft, was sich in den meisten Fällen zudem positiv auf die Fertilitätsraten auswirkt (DER SPIEGEL 52: 112-123 vom 22.12.2012).
Es gibt keine Wunder; interne Untersuchungskommissionen, die auf diese Ereignisse angesetzt wurden und einige Fälle bestätigt haben, arbeiteten nur mit unwissenschaftlichen Methoden. Wunder sind Produkte übersteigerten Wunschdenkens: sie stehen für die angebliche Intervention einer höheren Gewalt bzw. des Überirdischen; sid sind die durch das Wirken Gottes hervorgerufene temporäre Suspension der Naturgesetze bzw. des natürlichen Geschehens; sie sind scheinerfüllte Erklärungslücken; sie sind emotionale Überwältigung sowie Auserwähltheit durch die Vorsehung und sie sind Aufbegehren gegen kosmische Belanglosigkeit (GEO 01: 52-66 2013). Wunder sind genauso unmöglich wie die Transsubstantiation und das Herabsteigen vom Römischen Kreuz; eine Jungfrau kann nicht gleichzeitig biologische Mutter sein, auch wenn das von mehreren Weltanschauungen gleichzeitig behauptet wird; keine gesunde Schwangerschaft dauert nur 16 Tage: 08.Dezember: Mariae Empfängnis; 24.Dez.: Christi Geburt. Es gibt keine Dreieinigkeit wegen 3 ungleich 1; eine geistige Erleuchtung kam noch nie "vom Himmel" herab"; auch mit bestem Willen kann niemand
- aus einem Klumpen Lehm einen Adam - angeblich der erste Mensch (naturlich ein Mann) auf Erden - erschaffen,
- auch nach 1000 Jahren biotechnischer Forschung aus der Rippe eines Adam eine Eva - angeblich die erste Frau auf Erden - erschaffen,
- zubereitete Fische vermehren,
- Wasser in Wein oder Steine in Brot verwandeln,
- über eine Wasseroberfläche gehen (so wie es das 2010-Werbeplakat mit dem Motto: "Damit Ihr Hoffnung habt!" zweier weltanschaulicher Organisationen suggerieren wollte, als sie für ihre geplanten Aktionen auf einem gemeinsamen Konvent vom 12.-16.06.2010 warben),
- durch persönliches Leiden alle Sünden der Welt hinwegnehmen (wieso gibt es dann den Beichtstuhl, die Buße, das Märchen vom Jüngsten Gericht und wieso müssen in jedem Rechtsstaat Legislative, Jurisdiktion und ein Polizeiapparat präsent sein?; und wieso sind alle Gefängnisse überfüllt und die Gerichte wegen einer steigenden Flut von Prozessen überfordert?),
- allein durch Berührung Kranke heilen,
- von den Toten auferstehen und den Lebenden wieder "erscheinen",
- vom Himmel hoch herabkommen oder in diesen wieder auffahren (notabene: es gibt tatsächlich Gotteshäuser, in denen dies an den entsprechenden Feiertagen diese Fabel-Geschehnisse theatralisch imitiert werden),
- alle Geschehnisse gleichzeitig beobachten und steuern,
- über alle Lebenden und Toten zu Gericht sitzen, etc.pp.ff..
"Die letzten werden die ersten sein": noch niemand hat davon berichtet, dass dies tatsächlich geschehen sein soll. Niemand hat nach dem Beichten und dem Erhalt der "Absolution" all seine Missetaten ungeschehen gemacht. Himmel, A.... und Zwirn! Wenn Missetaten angeblich mit so wenig Mühe, so schnell, billig und schmerzlos angeblich ungeschehen gemacht werden können, dann ist das nichts anderes als gerne geglaubter Selbstbetrug und eine weitere Verfehlung: schwere Beleidigung und Übergehung aller Geschädigten und Opfer, da doch in Wirklichkeit nichts Ungeschehen gemacht worden ist. Und das Beichtritual erleichtert das Festhalten am Selbstbetrug der angeblichen Seelenreinigung. Freilich ist es seelisch viel leichter, sich vor einer virtuellen Institution - Gott - zu entschuldigen, als vor dem Opfer persönlich; auch deshalb ist der Beichtstuhl erfunden worden, um Wiedergutmachung sich selbst vorzulügen sowie die Missetäter auszuhorchen und abhängig zu machen. Viel besser für das Täter-Selbstwertgefühl wäre doch, vor die Geschädigten zu treten, zu gestehen und um Verzeihung zu bitten oder sich selbst anzuzeigen. Lächerlich, schreiend dumm die Reihe mobiler, leuchtend weißer Beichtstühle auf dem Weltjugendtag 2011 in Madrid. Das "Absolvo te" ist rein gar nichts wert. Auch deshalb nicht, weil Gottes Auge angeblich seit Anbeginn alles sieht und seine Ohren alles hören und somit die gebeichteten Sachverhalte - wenn sie denn den wirklichen Geschehnissen entsprechend referiert wurden - für ihn keine Neuigkeiten sein können.
All das ist sträflich vereinfachtes Wunschdenken in einer komplizierten, oft widrigen und anstrengenden Wirklichkeit sowie über viele Jahrhunderte weitergeführte, perfektionierte Indoktrination von Irrationalität und Inkonsequenz. Damit soll in übertragenem Sinne den Gläubigen dauerhaft eingebleut und glaubhaft gemacht werden, dass 1+1=3 ist. Probleme sind aber auf diese Art noch nie gelöst, sondern nur vergrößert worden. Herr Hirnbeiß: "Un wenn de moana, dass des a so is, nacha kennan ma Fünfe oiso do grod sei lassn. Gell, You Bazi Du." Noch ein bißchen mehr Blötheid, und wir schießen damit ein Loch in die Sonne.
Verstörend unpassend ist auch der von genannter weltanschaulicher Organisation verbreitete Begriff Friedhof, seiner traditionellen Bedeutung; wenn man genauer darüber nachdenkt, ist er ein Widerspruch in sich: denn Friede kann nur von Lebenden realisiert werden und unter ihnen seine erfreuliche und wohltuende Wirksamkeit entfalten. Der Begriff Friedhof impliziert fataler Weise, dass dauerhafter Friede angeblich nur garantiert ist, wenn man nicht mehr am Leben ist. Zum einen aber stehen alle absichtlich zu Tode gebrachten Personen (siehe Liste im nachfolgenden Epilog) für alles andere, nur nicht für Frieden; die sterblichen Überreste dieser Bedauernswerten werden also in einem Gelände bestattet, dessen Bezeichnung und Zweckbestimmung für sie ungeeignet ist. Zum anderen aber kann der Zustand dauerhaften Friedens äusserst sinnvoll in Lebend- und nur absurd in Totengemeinschaften sein. Somit schadet der Begriff Friedhof der glänzenden Idee des Friedens, weil dieser in genannter Wortkombination nicht mit Leben, sondern nur mit dem Tod assoziiert wird. Es ist nur trivial, dass für Tote der Friede bedeutungslos geworden ist.

Information ist an Masse, also entweder an Materie oder elektromagnetische Strahlung gebunden und damit transportabel. Immaterielles wie die von genannter weltanschaulicher Organisation postulierte "Seele" ist somit ohne Information, somit nicht identifizierbar und obendrein intransportabel. Wo nichts ist, kann nichts bewegt werden bzw. kann sich nichts bewegen. Es kann somit keine Seelenwanderungen ins Jenseits geben. Es steht inzwischen naturwissenschaftlich ausser Zweifel, dass alle Vorgänge im unendlich großen Kosmos mit seinen Universen so einfach wie möglich ablaufen. Deshalb ist es ausgeschlossen, dass Stoff- oder Informationsflüsse aus dem Kosmos hinüber in ein sogenanntes Jenseits gelangen können. Der Mensch verliert im Moment seines Sterbens keine Masse, weil eben keine Seele aus ihm ins "Jenseits" entweichen kann. Es ist vollkommen unmoralisch, mit garantiert nicht bis in das letzte Detail nachprüfbaren Behauptungen - den angeblichen "ewigen Wahrheiten" - zu taktieren und gesichertes Wissen über Tod und Vergänglichkeit zu verzwecken. Das Märchen vom Jenseits ist nur Verfälschung, Veräppelung und Trivialisierung der ernstesten vorstellbaren Wirklichkeit für den denkenden Menschen, der sie zu ergründen versucht. Von der Vernunft her betrachtet ist es einfachste, vornehmste und oberste Pflicht jedes Bürgers, seinen gesunden Verstand nicht manipulieren zu lassen: d. h. sich ohne fremder Anleitung und Einmischung seines eigenen gesunden Verstandes zu bedienen, an seinen Kern- und Halbschatten zu arbeiten, nach Ordnung der Gedanken Position zu beziehen und entsprechend zu handeln: selbst zu steuern, zu bestimmen, zu wirken und gründlich dafür zu sorgen, dass Lügen nur ganz kurze, am Besten gar keine Beine oder Arme haben, also totalamputiert sind; ausserdem muß er lernen, davon zu lassen, sein eigenes Scheitern auf andere abzuwälzen. Nur so wird das Elend der Großen Prokrastination - das ist stures Untätigbleiben um jeden Preis und Verschieben/Weiterwälzen wichtiger Entschlüsse, Handlungen und wesentlicher Bedürfnisse in eine vage Zukunft oder gar ein erhofftes besseres Zweitleben - erfolgreich beendet. Andernfalls kapituliert man vor den Problemen und Anforderungen der Alltagswirklichkeit und gibt sich der Weltflucht, dem Eskapismus hin. Für vernünftig gebliebene Mitmenschen, die im Hier und Jetzt selbstwirksam agieren, ist man dann wertlos und zu einer schweren Last geworden. Viele Menschen täten gut daran, in ihren grauen Zellen die Quanti- und Qualitätsverhältnisse zwischen Ratio und Emotio zugunsten ersterer zu verändern; freilich fällt das schwer, weil evolutionär der archaische, irrational-emotionale Anteil viel größer angelegt ist. Aber dann würden sie auch erkennen, warum es möglich war, dass entgegen dem Darwinschen Gesetz des "survival of the fittest" eine seit ca. 1700 Jahren in den geistigen Grundstrukturen ihres Weltbildes erstarrte und fossilisierte Organisation sich behaupten sowie Macht und Einfluß mehren konnte. Es ist unvernünftig, wenn die sich demokratisch nennende BRD in der Friedenspolitik aktiv, aber gleichzeitig weltdrittgrößter Waffenexporteur (2012) ist und im Juli 2011 heimlich 200 Leopard-Panzer an Saudi-Arabien verkaufen wollte. Es sind Undenkbarkeiten, die der Oberhirte am 26.09.2006 in der Regensburger Ansprache brachte, als er verkündete, dass "Vernunft pathologisch eingeengt sein kann,... Glaube vernünftig ist und ... Vernunft und Glauben zueinander finden können". Weite Bereiche dieser weltanschaulichen Organisation sind nichts weiter als gelebte, materialisierte, organisierte, institutionalisierte, verzweckte, verstärkte, hochgezüchtete und ausgenutzte menschliche Schwäche, Unsicherheit (v. a. bei notorischen Problem-Themen wie z. B. Lebenssinn, Sexualität, Fortpflanzung, Erziehung, Leid, Grausamkeit, Krankheit, Tod), Negativ-Emotionalität (v. a. Angst), Inkonsequenz und Irrationalität. Die Riesenherde/-kohorte abgerichteter Gläubiger, Cash-Kühe und Goldesel, die - entsprechend der Zehntenabgabe im Mittelalter - per ganz diesseitiger Steuergesetzgebung ihre Jenseits-Prediger und Unterdrücker alimentieren muss (DER SPIEGEL Nr. 30, 26.07.2010, S. 30), befindet sich seit Jahrhunderten kollektiv-unbewusst stationär in einem locked-in Status: in den weltanschaulichen Narrenpferch gezwängt wogt, wabert, hastet, hampelt, hechelt und rotiert nach verzweckten astronomischen Zyklen die Untergebenheit in endloser Wiederkehr ineinander verschachtelter Idiotenkarussele um sich selbst: vom Tageszyklus der Gebetsstunden bis zum Jahreszyklus spezifischer Feiertage. Freilich werden dabei auch all die verspottet und verachtet, die an Weihnachten alleine sind. Ein Dummheitsgebaren kann nur dann zu solch kolossaler Größe kumulieren, wenn über sehr viele Generationen auch die negativen und problematisch gewordenen Komponenten der Tradition unbewertet, unreflektiert, unbearbeitet, unbesehen und kommentarlos weitergepflanzt, gehegt und gepflegt worden sind. Ich selbst hatte als Kind vorübergehend die Vorstellung, dass alle Erwachsenen lange schwarze Mäntel tragen und allesamt unendlich vernünftig und weise sind. Nach unvorstellbar großer Enttäuschung weiß ich nun, dass in Wirklichkeit unerträglich viele sogenannte Erwachsene nicht mal ihre Pflicht-Basis-Hausaufgaben jedes als mündig erklärten Bürgers erledigt haben, indem sie wahres und ehrliches Nachdenken unterließen oder untätig blieben, wegen ihrer Verantwortungslosigkeit und ihres kollektiven Denkverzichts ihren Abkömmlingen schwerstens geschadet und deren Lebensqualität eingeschränkt haben. Es gibt zuviel Ignoranz in der Welt; entweder gehorcht man, oder man denkt (Dan Shechtman). Es wäre ausnahmsweise einmal gut, wenn Albert Einstein mit der Feststellung unrecht gehabt hätte, dass die menschliche Dummheit genauso unendlich ist wie das Weltall.

Hier soll auch der im Murnauer Tagblatt (Nr. 124: 1) am 02.06.2010 veröffentlichte Freud'sche Versprecher einer Pfarrgemeinderatssprecherin kommentiert sein, die meinte, dass "Das ...Heiligste... und nicht wir Menschen im Zentrum stehen": auf welche Abwege eine Gesellschaft gerät, wenn im Brennpunkt des allgemeinen Interesses anstelle des sozialen, wirtschaftlichen, und gesundheitlichen Wohlergehens sowie positiver Bildungs- und Wissensoptimierung des einzelnen Menschen ein wie auch immer gearteter Idealismus steht, haben u. a. Nationalismus, Marxismus, Nationalsozialismus, Militarismus und Kommunismus gezeigt.
Die Wurzeln des derzeit grassierenden, mit Bildungmisere und Rückbau humanitär-sozialer Sicherungssysteme, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Lohndumping durch Zeit- und Leiharbeitsverhältnisse (DIE ZEIT 46: 25 vom 10.11.2011), sowie wachsender Währungs- und Finanzlabilität einhergehenden Turbo-, Raubtier-, Abenteuer-, Casino-, Zocker-, Vampir-, Monster- und Extremkapitalismus liegen in den ausbeuterischen Feudal- und Lehnswesen des späten Mittelalters, die ihrerseits auf die Sklaverei zurückgehen. Weitere Auswüchse, z. B. aus der Frühzeit der Industrialisierung, sind im von Gerhart Hauptmann beschriebenen Hungerelend der Schlesischen Weber dokumentiert, deren Revolte Anfang Juni 1844 vom Preussischen Militär brutal und blutig niedergeschlagen wurde. Den von der Arbeitgeber- und Geldlobby - deren Heiligstes heißt Profit - in die öffentliche Diskussion gepressten "Sozialkapitalismus" oder "sorgenden Kapitalismus" halte ich für ein zynisch-toxisches Konstrukt, das nicht mehr ist als rhetorischer Bestandteil gelb-schwarzer Beschwichtigungspolemik. Es darf doch nicht sein, dass der für die meisten Menschen selbstverständliche und natürliche Wunsch nach gesicherten und fair bezahlten Arbeitsverhältnissen zum Erwerb des Lebensunterhalts und Aufbau einer eigenen Existenz von vielen Arbeitgebern derart vermiest und wegen Lohndumpings dauerhaft unerfüllt bleibt. Die mögliche Erfüllbarkeit des natürlichen Wunsches des Menschen nach Selbsterhalt durch Arbeit, sein natürliches Bestreben nach Selbstwert durch Arbeit sowie das daraus erwachsende existentielle Bedürfnis nach langzeitgesicherter Erwerbstätigkeit werden als Geiseln mißbraucht. Beschämend die Aussage, dass der geeignetste Arbeitnehmer derjenige mit Familienanhang ist, weil der sich vom Arbeitgeber alles gefallen lassen muß.

Terror - das Thema "Angst vor dem Sterben" - macht empfänglicher für autoritäre Ideen (Greenberg, Jeff et al. 1990: Journal for Personality and Social Psychology 58: 308-318). So ist es nur ein Allgemeinplatz, dass nationalsozialistisches Gedankengut sich gerade dort schnell wie ein Flächenbrand verbreiten konnte, wo diese weltanschauliche Organisation mit ihrem extremistischen Opferideal - ihrem gräßlichen Leid- und Totenkult - vorab massiv und nachhaltig Angst, Irrationalität und Inkonsequenz in die Köpfe der Menschen eingetrichtert hat: Konditionierung vieler Gläubiger auf das angebliche Ideal der "moralischen Erhöhung durch Erdulden von Leid." Ideologien gründen im Emotionalen. Die Schädlichkeit von Idealismen ist allgemein bekannt und dokumentiert (DIE ZEIT 22: 22 vom 27.05.2010). Im futuristischen Roman "Die Entbehrlichen" von Schriftstellerin Ninni Holmqvist wird dargelegt, wie Idealismen eine Gesellschaft in abscheuliche Abgründe von unmoralischem Utilitarismus, Inhumanität und Würdelosigkeit ziehen: das beginnt mit massiver Demütigung kinderlos gebliebener Singles und Paare durch Internierung, geht weiter mit ihrer Erniedrigung zu Zwangsorganspendern für erkrankte kinderreiche Elternteile und gipfelt in ihrer Ermordung, nachdem sie sich unter dem Einfluß manipulativen Zwanges zur sogenannten Endspende selbstverständlich "freiwillig" gemeldet haben. Ähnliches geschah tatsächlich in Belgien (DIE ZEIT 43: 17-19 vom 20.10.2011).
Fazit: es ist ein bodenlos inhumaner, unfairer und menschenverachtender Hauptcharakterzug genannter weltanschaulicher Organisation, ganz normale, alltägliche und selbstverständliche, große seelische und intellektuelle Schwächen vieler Menschen wie Ängstlichkeit, Unsicherheit, Irrationalität und Inkonsequenz manipulativ zu steigern und diese absichtlich verstärkten Mängel nur zum eigenen Vorteil und zum Nachteil vieler Millionen anderer zu verzwecken, um ein Unterdrückungs- und Ausbeutungssystem am Laufen zu halten und ein bequemes Auskommen auf Kosten der Untertanen und Gläubigen zu haben. Nur so wird verständlich, warum Menschen zu Kügelchen geformtes Papier, das mit frommen Sprüchen bedruckt worden ist, kaufen und dann essen. Es ist unfassbar, dass 2010 ca. 50% aller erwachsenen Einwohner der BRD immer noch an die Existenz von Engeln glaubten (STERN Nr. 52: 58 vom 22.12.2010) und dass 44% der US-Bevölkerung 2012 an die Rückkehr von Gottes Sohn und sein Jüngstes Gericht glaubte und es ist sehr erstaunlich, dass auch solche Bürger für mündig erklärt sind und wie selbstverständlich ihrer Wahlpflicht nachkommen dürfen.

Die in modernen, offenen und demokratischen Systemen gesetzlich garantierte Gleichheit aller Menschen wird, wie im ehemaligen NS-Staat und anderen totalitären Organisationen, auch von genannter weltanschaulicher Organisation u. a. wegen Intoleranz nicht praktiziert: im NS-Regime war es das "Kriterium" angeblicher Rassezugehörigkeit und in genannter weltanschaulicher Einrichtung ist es das Kriterium der Zugehörigkeit zu einer sehr eng ausgelegten Ideologie. In beiden Systemen gehört neben den Zwängen zur Kollektivierung und Gleichschaltung von Individuen die behauptete Ungleichwertigkeit von Menschen zu den zentralen Programmpunkten. Im ersteren Fall waren "erbgesunde Arier" angeblich höherwertig als Juden, Slawen, Behinderte, Farbige, Sinti/Roma, etc.; im zweiteren Fall standen und stehen angeblich die Gläubigen über den Nicht- und Andersgläubigen, den Heiden; und unter den Gläubigen stehen die Herren über den Frauen, weil nur erstere Priester- und Bischofsweihen erhalten dürfen. So werden in beiden Fällen Gesellschaften gespalten, Konflikte geschürt und Pseudomotive für Unterdrückung, Ausbeutung, Diffamierung, Ausgrenzung, Verfolgung, Folter und Massenmord geschaffen. Verbürgt ist, dass für die Erhaltung des Herrenmenschentums in beiden Systemen die problematischen und gewaltbesetzten Schlagworte und Phrasen "Reinheit" und "Unkraut, das aussortiert/ausgemerzt/ausgerottet werden muss" von maßgeblicher Bedeutung waren bzw. sind. In der weiter unten folgenden Liste der Gewalt kann nachgelesen werden, wie in beiden Systemen versucht wurde, die Extermination durch Massenmord an angeblich minderwertigen Menschen zu realisieren: es brannte Feuer in den Krematorien Reichsdeutscher Konzentrationslager, auf den Richtstätten der Inquisition und in den Kolonien in Übersee. Die angestrebte Perfektionierung der rassischen Reinheit der Gesellschaft hätte im NS-System durch die "Endlösung" erreicht werden sollen; die im zweiteren Fall hoch und heilig versprochene Perfektionierung ideeller Reinheit aller Gläubigen wird seit bald 2000 Jahren in ihrer "Erlösung" von allem Übel - das sind v. a. die Heiden - am Tage des Jüngsten Gerichts gepredigt, an dem dann alle bis in alle Zeiten gleichgeschaltet worden sein werden. Vernichtung von Spiritodiversität und gewaltsame Erzeugung dumm-dumpf-homogener, leicht kontrollier- und manipulierbarer Massen; Energiegfreisetzung in Systemen durch vermeintlich bequeme, unsäglich törichte Herden- und Schwarmbildung auf Kosten von Individualität, Dynamik und Intelligenz: versuchter Mord an der mentalen Evolution irdischen Lebens. Solche unmenschlichen, in Rasse- und Glaubenswahnideen gründenden Vorstellungen über "Endziel" bzw. "Endsieg" waren freilich nie erreichbar. Beide Systeme, die mit fragwürdigen bis illegalen Methoden unanständig reich wurden, der Selbstverherrlichung, Prunksucht und Protzerei frönten, Geschlechterdiskriminierung (Unterdrückung der Frauen) praktizierten, um die gewinnende Einvernehmung der Jugend buhlten ("Weltjugendtag", die Organisationen von Taisez, Kolping, u. a., Glaubenskurse und Spiritainment in Jugendkirchen, HJ, BDM, Hilfswerk Mutter und Kind, Kinderlandverschickung, etc. pp.) und ihr hemmungsloses Missions- und Expansionsstreben zudem mit brüsker Aufforderung zu rücksichtsloser humanbiologischer Vermehrung zu verstärken versuchten, um über noch mehr Glaubens- und Arbeitssklaven ("Wachset und mehret Euch", "ora et labora") sowie Kanonenfutterersatz ("vier Kinder dem Führer") (Weidner, T. & Rader, H. 2012: Typographie des Terrors. Plakate in München 1933-1945, Seiten 126-127) verfügen zu können, sind gescheitert. Beide Systeme täuschten und belogen Sterbende: Nazis versprachen den vor die Gaskammertüren getriebenen Deportierten eine warme Dusche und anschließend Unterkunft sowie Essen und Arbeit, damit sich die Opfer weniger wehrten und die Henker mit ihnen weniger Mühe hatten; zwecks Komplettabsorption der dies- und jenseitigen spirituellen Leben der Gläubigen im geschlossenen System christlicher Offenbarung versichern Vertreter genannter weltanschaulicher Organisation den auf dem Sterbebett Liegenden hoch und heilig ihre Wiederauferstehung, ewiges Leben, ewiges Licht und das Himmelreich und bekräftigen dies mit dem Sakrament der letzten Ölung sowie der rituellen Standardfloskel "absolvo te". Gepredigt wird seit bals 2000 Jahren: "Zu Erde wirst Du. Asche zu Asche, Staub zu Staub." Wie, bitte schön, soll denn in solch einem Zustand eine ganzkörperliche Wiederauferstehung möglich sein? Warum lässt sich der Mensch solch ein katastrophales, unerträgliches Ausmaß an Unvereinbarkeiten und Widersprüchen sang- und klanglos gefallen? Ist es wegen Plato's Pleonexia?: Alles haben wollen und noch unendlich viel mehr, also das ewige Leben. Und weil das im Diesseits nicht möglich ist, wird es ins Jenseits verschoben; und wenn die Heilsverkünder davon schwärmen, wird gerne und freudig daran geglaubt.

Problem- und zwangloses Einhalten des wesentlichen - den Menschen selbst betreffenden - Kerns der Zehn Gebote braucht bei positiver Einstellung zum Leben, zum Miteinander, zur Fairness und zur Humanität keine weltanschauliche Zwangsjacke mit eingesetzten Handschellen; gleiches gilt für eine den Tugenden konforme Lebensführung. Freilich bin ich mir darüber im Klaren, dass es viel zu viele Mitglieder in dieser weltanschaulichen Gemeinschaft gibt, die zu keiner positiven Lebenseinstellung fähig sind, die noch nie auch nur das geringste Interesse an Tugend, Gemeinschaftssinn und Moral hatten, dies in aller Form hemmungslos und ungehindert leben und bei denen gut- und ernstgemeinte, sehr anstrengende Langzeit-Versuche einer Einflußnahme wie "Wandel durch Annäherung" dauerhaft wirkungslos bleiben. Es macht fassungslos, dass auch solche unverbesserlichen Kreaturen / Wesen selbstverständlich genau dieselbe medizinische Premium-Versorgung genießen und genau dieselben sozialen Dienstleistungen in Anspruch nehmen dürfen wie alle anderen auch, damit solche Negativ-Leben zur größten Freude aller anderen nach allen Regeln der Kunst so lange wie möglich gedeihlich weitergeführt werden können. Wunderbar; wie strahlend schön, nett und gerecht das doch ist, möglichst wenig zu geben und ein Maximum aus dem System herauszuziehen, nachdem man sich ins Establishment gemogelt hat! "Wer hat, dem wird gegeben": das ist nicht in Ordnung. Man sollte deshalb mehr darüber nachdenken, ob es gerecht und sinnvoll sein und wenn ja, es praktikabel gemacht werden kann, für jeden ein nicht verhandelbares "Sozial- und Solidarkonto betreffend Gemeinschaft, Solidarität, Freunde und Familie" einzurichten, das jeder nach seinem persönlichen Ermessen mit Positivem und wahrer, ehrlicher Menschen- und Nächstenliebe füllen kann und in Abhängigkeit vom Sozial-Solidarkontostand Qualität und Quantität seiner Ansprüche gegenüber der Gemeinschaft bemessen werden: damit meine ich z. B. die Höhe von Erstattungen durch Kranken- und Pflegekassen sowie Solidarleistungen des Staates. Down to the roots, zu unseren nächsten Verwandten im Tierreich: wer bei der täglichen Fellpflege in der Affenhorde sich nicht aktiv einbringt, wird aus der Gemeinschaft ausgestoßen und verreckt alleine. Nur wer gibt, dem wird gegeben; ich denke, diese Form des Spiegelwohlwollens ist in Ordnung.
"Non nocere" - nicht schaden - : das haben alle Ärzte unterschrieben. Fakt ist aber: es schadet jeder Gemeinschaft mit demokratisch-humanitärem, ökologischem und sozialem Wertefundament, wenn Ärzte Leuten helfen, die ihrem Wesen nach nur gleichgültig oder permanent egoistisch oder nie friedfertig sind: Hilfe schadet hier einfach deshalb, weil solche Leute ihre Destruktivität in der Gemeinschaft längere Zeit ausführen können. Es gilt, den Jahrtausende alten und damals nur gut gemeinten, an sich wunderbaren Grundsatz des Hippokrates zu überdenken, der besagt, dass Ärzte bedingungs- und ausnahmslos allen helfen müssen. Inzwischen hat sich aber in vielen anderen Situationen herausgestellt, dass alles Pauschale - wie hier das verständlicher Weise gut gemeinte "allen helfen wollen" - per se und implizit Ungerechtigkeiten und Risiken fördert. Genannter Grundsatz ist auch wegen seiner Harmlosigkeit leider nicht mehr haltbar. So ist es irrational und nur ein Bärendienst, Leuten Hilfe aus der Gemeinschaft zuzusprechen, die der Gemeinschaft aber absichtlich Schaden zufügen; ich halt es sogar für verantwortungslos, solchen Leuten zu helfen. Unverbesserliche Straftäter und notorisch dissoziale Personen haben m. E. genauso wenig ein Recht auf gleichwertige gesundheitliche Versorgung durch die Gemeinschaft zahlender Krankenkassenmitglieder wie Vertreter antidemokratischer Parteien rechtliche Ansprüche haben auf Gelder von den Steuerzahlern. Es bedeutet nur Zwangsarbeit und Mehrbelastung für die Individuen der betroffenen Gemeinschaften, welche per Gesetz genötigt werden, auch für solche Personen diese Mittel bereitzustellen und freizugeben, die der Gemeinschaft zu schaden trachten. Hier klingt Bertold Brechts Abhandlung "Biedermann und die Brandstifter" deutlich an, die eine sehr kluge Parabel über die Schädlichkeit von zu viel Toleranz ist. Es ist an der Zeit, dass sich die Ärzteschaft überlegt, wie sie ihr bewundernswert hochqualifiziertes, leider aber undifferenziert auf alle angewandtes Dienstleistungssystem gerechter einsetzt. Es gilt, ein freilich weniger bequemes, dafür aber sensibles und kluges, feinst differenziertes und abgestimmtes Hilfssystem aufzubauen, das einen m. E. notwendigen Selektionsdruck in Richtung humanitäres, selbstverantwortliches und soziales Handeln bewirkt, der sich von selbst wohl nie einstellen würde. Dies wäre vernünftiges Erziehen - durch Ausführen bedingter Toleranz - hin zu weniger Leid und Risiko sowie zu mehr Gerechtigkeit, Fairness und Verantwortlichkeit in der Gesellschaft. Fazit: Besser mühsam und geduldig jeden Fall unterscheiden als zum Nachteil Vieler bequem pauschalisieren. Non nocere - das sollte nicht nur für Ärzte, sondern auch für alle anderen gelten.

Was insistieren weltanschauliche Organisationen auf der Existenz höherer Instanzen, die angeblich alles schufen und steuern und warum mißachten sie die Wissenschaften: die Erkenntnisse über die Ultra-Tiefe der Zeit (bekannt geworden im Jahr 1898 mit der Entdeckung der Radioaktivität und der Halbwertszeiten durch M. & P. Curie) sowie die Entwicklung der Natur, ihrer Selbstorganisation und Gesetzlichkeiten und der Bioevolution, die aus den Komponenten der zufälligen Mutation, der natürlichen Selektion, der Anpassung und der Kooperation bestehen (Nowak, M. & Highfield, R. 2010: SuperCooperators: why we need each other to succeed.- Free Press, N. Y.)?. Fast 14 Milliarden Jahre Zeit mit fortlaufender und immer feinerer, durch die Entropie gesteuerte Differenzierung der Materie sind vergangen und haben neben höheren Lebewesen, dem Bewußtsein und dem sinnsuchenden Menschen das hervorgebracht, was der Mathematiker Pythagoras erstmals Kosmos nannte, über dessen Werden und Vergehen Albert Einstein, Edwin Hubble, Stefen Hawking und Lisa Randall großartige Hypothesen schrieben und dessen irdische biosphärische Stoff-Flüsse der Zoologe Ernst Haeckel erstmals im Begriff Ökologie - dem großen gemeinsamen Haushalt - zusammenfasste. Vor ca. 6 Millionen Jahren erst hineingeworfen in diese archaische, unfassbar alte, unermesslich große und komplexe Struktur sieht sich der nach den Ursachen der Natur und seiner selbst fragende faustische Menschentyp zunächst hoffnungslos überfordert und von vielen natürlichen Formen, Geschehnissen und Tatsachen geängstigt und befremdet; dazu gehören auch die nach wie vor ungelösten Fragen über die Entstehung von Zeit, Raum, Masse/Energie, über die Entwicklung der Strukturen und Naturgesetze im Kosmos und inwieweit das, was er über seine Sinne wahrnimmt, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Deshalb setzte der Mensch in der Zeit vor der Entdeckung der Naturgesetze (der wissenschaftliche Determinismus von Laplace 1749-1827) in einer gedanklichen Welt, die er Jenseits nannte, übergeordnete Instanzen, die damals für alles Unverständliche in der Natur und Ängstigende wie die Vergänglichkeit standen und die bei den Alten Ägyptern erstmals zu einer einzigen Instanz, dem Sonnengott Aton, zusammengeführt wurden. Freilich wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte viele dieser Ideen klammheimlich von anderen, seltsamerweise konkurrierenden weltanschaulichen Organisationen abgegriffen und plagiiert, nachdem diese versucht hatten, die Kulturschöpfungen ihrer Vorgänger zur Gänze auszulöschen; Beispiel: Zerstörung der altgriechischen Arthemis- und Serapis-Tempel durch die Christen; nur 1% der altgriechischen wunderbaren Kunstschöpfungen wie z. B. der Barberinische Faun, die Aegineten und die Laokoon-Gruppe haben diese weltanschaulich motivierte, verwerfliche, rasende, exterminatorische Zerstörungsgewalt überdauert.

Genannte weltanschauliche Organisation wollte den Menschen beibringen, dass sie sich damit zufrieden geben sollen, die Welt und die Natur nicht zu verstehen (Richard Dawkins) und dass das Wissen nicht von seinem göttlichen Ursprung getrennt werden darf. Es ist selbstverständlich, dass in den wenigen Jahrhunderten, in denen nach tausendjährigem Verbot des freien Denkens, Forschens und des sich Fortbildens - den geistigen Rossbreiten - nach der langen Agonie des Dumm- und Unmündighaltens der Bevölkerung - , nämlich der dogmatischen Zensur der freien und unabhängigen Wissenschaft und Informationsquellen und dem absichtlichen Wegschließen von Wissensquellen in öffentlich nicht zugänglichen Bibliotheken (so entstand Herrscherwissen) - zwischen Frühem Mittelalter und Renaissance - ohne Gefahr für Leib und Leben nach Wesen und Ursachen dieser Struktur geforscht werden darf, noch keine Erklärungen da sein können und diese großen Fragen vorerst offen bleiben müssen. Genauso unmöglich war die Erschaffung der Welt in angeblich sechs Tagen. Das seit 17 Jahrhunderten unerträglich, verdächtig und notorisch vorlaut geäusserte Postulat der Existenz einer höheren Instanz kann doch erst dann möglicherweise gerechtfertigt sein, wenn nach vielen vielen Jahrtausenden intensiver, freier, unabhängiger und uneingeschränkter, geduldiger wissenschaftlicher Forschung keine letzte Erklärung für Entstehung, Entwicklung und Dasein der Natur und ihrer Gesetzlichkeiten gefunden werden konnte. Vernünftigen Menschen bleibt nichts anderes, als in gegenseitiger Rücksichtnahme und allgemeiner Friedfertigkeit ihren Gesamtintellekt beständig voranzubringen und die Ergebnisse der Forschung geduldig abzuwarten: "Man darf nie aufhören zu fragen" (Albert Einstein).

Zudem muss geklärt werden, ob der Gesamtintellekt der Menschheit geeignet ist, möglicherweise vorhandene Gründe für das Zustandekommen dieser größten vorstellbaren Gesamtkomplexität - der Natur - zu erkennen und zu verstehen. Denn wenn dem nicht so ist, weil der Mensch seine Wahrnehmungsbereiche technisch noch nicht genügend erweitert oder neu gefundene Strukturen und Vorgänge noch nicht verstanden hat, dann ist auch die von dieser weltanschaulichen Institution postulierte höhere Instanz nicht notwendig: denn der Schlüssel zur letzten Erklärung könnte in dem Bereich der Natur liegen, der dem Menschen bei seinem derzeitigen technisch-intellektuellen Stand noch nicht zugänglich oder verständlich ist. Anlass zur Hoffnung geben erfolgversprechende Entwicklungsarbeiten an Quantenprozessoren für superschnelle Forschungscomputer (DER SPIEGEL 35: 68-71 vom 26.08.2013, 15: 113-116 vom 04.04.2015) sowie die geplanten Nachfolgemodelle vom Hubble-Teleskop, LIGO, etc..

Nur in Gedanken sei die kühne und optimistische Annahme gemacht, der Mensch habe nach vielen vielen Jahrtausenden intensiver wissenschaftlicher Aktivität wirklich und nachweislich alles in allen Dimensionen der Natur (höhergradige Multiversen; string-, brane- und der M-Theorien mit all ihren Nachfolgemodellen; Forschungen über Symmetriebrüche, Antimaterie, Dunkle Materie und Dunkle Energie) gesehen, erforscht und extrapoliert und keine letzte Erklärung für ihr Zustandekommen, ihre Gesetzlichkeiten und ihre Strukturentwicklung gefunden und auch keinen Sinn in ihrem Dasein erkennen können. Dann ist eben tatsächlich kein letzter Sinn vorhanden; und ich sehe darin auch gar kein Problem. Die Natur hat sich selbst aus dem gebildet, was mangels Begreifbarkeit bis dato als das Physikalische Nichts bezeichnet wird; menschliches Dasein kann in diesem Fall keinen von der Natur gegebenen oder aus ihr ableitbaren Sinn haben; ausser man schafft ihn selbst. Das Postulat einer höheren, übernatürlichen und "sinnstiftenden" Instanz ist in diesem Fall auch nicht notwendig. Ähnlich sehen das S. Hawking und L. Mlodinow (2010): Der große Entwurf.

Es macht betroffen und traurig, es enttäuscht sehr und stößt ab, dass diese weltanschauliche Organisation so unfair geblieben ist, das spätestens seit den altgriechischen Philosophen etablierte logische Denken, die Vernunft und die Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschung seit bald 2000 Jahren gewaltsam und nachhaltig zu unterdrücken, zu ignorieren und zu übergehen (DIE ZEIT Nr. 49: 66 vom 01.12.2011), um ihre Macht, Vorteile, Pfründe und ihren Einfluß zu sichern und über die Zeit zu retten. Damit ebnete sie der Entstehung einer sich stetig vertiefenden und verbreiternden intellektuellen Kluft zwischen sich entwickelnder Wissenschaft/Philosophie auf der einen und genannter statischer Weltanschauung auf der anderen Seite den Weg und trug somit zur Erhöhung von Spannungen zwischen Gruppierungen in der Gesellschaft bei. Das ist schuldbeladenes, konfliktförderndes Verhalten und Zwietracht sähen durch stures Beharren ad infinitum auf dem status quo ante. Dazu kommt, dass diese weltanschauliche Organisation auch nach so vielen Jahrhunderten fortwährender, göttlich-güldener, glühender Verheißung auf ein ewiglich-seliges Jenseits immer noch nicht gestehen will, wo denn nun ihr derart gepriesenes ausserwissenschaftliches, immaterielles, "übernatürliches" Jenseits tatsächlich - in realiter - gefunden, besucht begangen und untersucht werden kann: min. 80 Milliarden Kindlein Gottes - vom Australopithecus sediba über Homo neanderthalensis bis zum Astronauten John Glenn - müssten sich nach min. 80 Milliarden Wiederauferstehungen dort inzwischen versammelt haben und - in der Hoffnung auf Erhörung und Erhöhung - in allen Ewigkeiten dem Chef huldigen, frohlocken und jubelnd lobpreisen. Statt eines himmlischen Lokaltermins samt Protokoll, live-Übertragung, diplomatischem Zeremoniell, Fotodokumentation und notarieller Beurkundung blieb alles bei "Dein Reich komme". Es kann kein immaterielles Sein geben; jeder Gedanke und jedes Gefühl haben materielle Äquivalente, entsprechend bestimmten und nachweisbaren physiko-chemischen Zuständen der Neuronen im Gehirn. Immaterielles existiert nirgendwo in der unendlichen Natur; bestünde immaterielles Sein ausserhalb der Natur, dann wäre es aber nie nachweisbar: das Jenseits besteht nur in Gedanken, die mit dem Tod alle endgültig erlöschen, da mit diesem die Neuronen ihre Aktivität für immer eingestellt haben und dann ist es auch mit dem Jenseits zu Ende. Weg der Speck, aus die Maus, Schluss die Nuss. Warum lenken die Vertreter genannter weltanschaulicher Organisation nicht endlich ein, geben klein bei und gestehen zähneknirschend, dass - materialistisch-bodenständig gesehen - sich das sogenannte Jenseits ganz und gar diesseitig nur auf einem Seegrund, in den Lüften, in einer Urne, vorübergehend in den Mägen sowie auf und unter der Erde befinden kann? Man könnte weiter spotten und sagen, dass sich das sogenannte Jenseits - hier die Zukunft - ganz diesseitig in nichts anderem als dem fortwährenden Prozess der Bodenbildung konkretisiert. Und es ist doch tatsächlich so: Ohne die auf dem Boden wachsenden Pflanzen und von ihnen lebenden Tiere kann kein Mensch existieren; Boden - einer der essentiellen Garanten des biologisch-physischen Fortbestands der Menschen - ist demzufolge lebendige Zukunft - das rein diesseitige Jenseits - für die Spezies Mensch.

Die Vergänglichkeit gilt nicht nur für höhere Lebewesen, sondern auch für in die Jahre gekommenen weltanschaulichen Denkmodelle und ihre Dogmen. Warum hat diese weltanschauliche Organisation nicht versucht, mit den modernen, sich entwickelnden Wissenschaften und der Philosophie besser zusammenzuarbeiten, um ihre Denkmodelle zu erneuern und zu aktualisieren? In eine ähnliche Richtung denken erfreulicherweise Pfarrerinitiativen in der BRD, in Österreich und der Schweiz. Leben bedeutet permanent Wandel, Auslöschung, Anpassung und Entwicklung, vorangetrieben durch beständigen Muster- und Erfahrungsabgleich bei der Bewältigung von Situationen oder Auseinandersetzungen. Leben bedeutet permanentes, möglichst zeitnahes lösen von Problemen und nicht ein Warten auf eine bessere Zeit in irgend einem Jenseits, in dem dann angeblich alle Probleme gelöst sein werden und ewige Seligkeit folgt. Freilich weiß man spätestens seit Sir Karl Raimund Popper und Werner Heisenberg, dass in den Naturwissenschaften nichts verifizierbar ist und nicht absolut genau gemessen werden kann; aber die Ergebnisse moderner Forschung kommen der Wirklichkeit um sehr viele Größenordnungen näher als die seit nunmehr 17 Jahrhunderten immer gleichen abgedroschenen und inzwischen von vielen peinlich belächelten, weil vollkommen veralteten Erklärungen - z. B. über Weltentstehung (in sechs Tagen schuf Er Himmel und Erde und am siebten ruhte Er), Menschwerdung (Adam und Eva), Weltuntergang und Jüngstes Gericht - genannter weltanschaulicher Organisation. Auch die oben genannte Päpstliche Akademie der Wissenschaften brachte in der Richtung fast gar nichts voran. Der Psychoanalytiker Paul Watzlawick meint: wenn man nach langem Suchen und großer Ungewissheit endlich einen Sachverhalt erklären zu können meint, kann der dafür eingesetzte emotionale Einsatz so groß gewesen sein, dass man Fakten, die der Erklärung widersprechen, lieber für unwahr oder unwirklich erklärt oder ignoriert, anstelle die eigene Erklärung den neuen Fakten anzupassen (DIE ZEIT Nr. 49: 66 vom 01.12.2011); Der amerikanische Evolutions- und Soziobiologe Edward O. Wilson äussert dies so: "Wenn das ganze Leben mit einer bestimmten Theorie verbunden ist, kann man nicht mehr davon lassen" (DER SPIEGEL 08: 134-137 vom 18.02.2013). Das ist die aus der Neurologie bekannte Instinktfalle: das nur Recht haben wollen um jeden Preis, was mit ehrlichem Willen zur Wahrheitsfindung - der Wissenschaft - unvereinbar ist. Dogmen sind für die zeitliche Unendlichkeit eingeeiste Lebenslügen. Das per Dogma vom Oberhirten als geschlossen definierte System der christlichen Offenbarung und der Unfehlbarkeit (letzteres, die sogenannte absolute Wahrheit ist nur subjektive Perfektion und seinem Wesen nach totalitär) ist somit in geistiger Unbeweglichkeit bei 0° Kelvin erstarrt; er hat es selbst eingeeist und begraben, er weigert sich, Probleme zu lösen und macht es sich damit sehr leicht. Ein Denkmodell, dessen Urheber oder Erben sich seit Jahrhunderten jeder Auseinandersetzung, Anpassung oder Aktualisierung absichtlich verweigern, das den Anschluß verpasst hat und das deshalb nicht mehr aktualisierbar ist, ist gänzlich unbrauchbar geworden: im übertragenen Sinn haben seine Protagonisten es ermordet, indem sie es nicht erneuerten. Dazu passt eine Denkschrift aus dem Jahr 2009, die besagt, dass kein Standpunkt über den Weltanschauungen akzeptiert werden kann. Auch das versprochene und leider von Vielen gerne geglaubte, sogar verinnerlichte "Ewige Leben" im Jenseits/Himmel nach dem Tod ist nur gedankliche Torheit: denn es bedeutet Systemstillstand, weil das überall geltende Prinzip jeden höheren Lebens - Wandel bzw. Werden und Vergehen - an diesem gedanklichen Ort angeblich nicht gegeben ist und es wegen dieser gedanklichen Prinzipienverletzung nicht bestehen kann. Wie soll denn Ewiges Leben realisiert sein? Steht dort im Jenseits etwa die Zeit still, oder gibt es dort keine Vergänglichkeit, oder kann man dort unendlich alt werden oder ist doch eher nur der Verstand der Gläubigen nach intensiver manipulativer Einflußnahme einer weltanschaulichen Organisation deaktiviert worden? Vernünftigen Menschen mit positiver Lebenseinstellung kann die Wahl nicht schwer fallen, wenn sie zwischen Stagnation-Restriktion-Stillstand-Endstation-Einfalt-Phlegma und Wandel-Dynamik-Fortschrittlichkeit-Aufbruch-Komplexität-Wissbegierde zu entscheiden haben. Zudem ist es vernünftiger und ehrlicher, nach der Wahrheit zu suchen - das ist die große Aufgabe der Wissenschaftler und Philosophen - als an eine seit Jahrhunderten autoritär vorgegebene "Wahrheit" glauben zu müssen, die von jeder Weltanschauung wieder anders benannt und gewaltsam verbreitet wird. Sir John Templeton irrte, als er Verbindungen zwischen Wissenschaft und Spiritualität zu erkennen meinte und die Beiträge weltanschaulicher Organisationen zum kulturellen Fortschritt nur positiv sieht (siehe oben).

Es ähnelt einem trivialen, feigen und billigen, weil auf das irrationale, zutiefst menschlich-allzu-menschliche "Prinzip Hoffnung" setzenden Taschenspielertrick, von vielen dringend erwartete und deshalb gerne geglaubte, in Wirklichkeit aber vollkommen substanzlose Behauptungen sorgfältig kalkuliert in die Welt zu setzen, die bis dato weder bewiesen noch widerlegt werden konnten: dass nämlich nach dem ersten Leben eben nicht endgültig Schluss ist und angeblich ein zweites in - natürlich, was denn sonst? - viel besserer Qualität folgt, freilich eine übergeordnete Institution alles zum Besten für alle regele, all dies aber weiterhin ad infinitum in einer statischen "Großen Verborgenheit" bleibe ("Älabätsch, 'ich bin der ich bin da und sigst mi ned!'"). Es ist menschenverachtend und -verspottend, wenn solche billigen und skandalös seichten Trick-Behauptungen auf grundlegende, ernste Daseinsfragen abzielen, diese zu trivialisieren und auf Abwege zu leiten versuchen, indem die Einmaligkeit/Singularität von Leben relativiert und somit seine Verletzbarkeit, essentielle Schutzwürdigkeit, Bedeutung und Wichtigkeit herabgesetzt und demontiert wird. Dies erachte ich für besonders verwerflich und gefährlich, weil die unhaltbare These von der "unbegrenzten Weiterführbarkeit von Leben - auch wenn angeblich nur in Form sogenannter Seelen - im Jenseits nach der Wiederauferstehung" der Ehrfurcht vor dem einzigen realen Leben im Hier und Jetzt abträglich ist; dass das Leben - nachdem vor vielen Jahrtausenden der Jenseitsgedanke erstmals gefasst und diese Illusion in den damals noch räumlich getrennten Kulturen in verschiedene, in ihren Grundstrukturen aber sehr ähnliche Weltanschauungskonzepte eingebettet wurde - seither weniger geschützt war und man deshalb meinte, sich von da ab nicht mehr um seine optimale Erhaltung bemühen zu müssen; man machte es sich leichter, indem man das sittliche Gebot der Erhaltungswürdigkeit von Leben aufweichte. Jeder weiß, worauf ich hier anspiele. Der erste jemals gefasste Gedanke an bzw. die erste Idee von einem Jenseits könnte wahrscheinlich mit einer der problematischen Phasen während der Evolution des menschlichen Gehirns zu tun haben; vielleicht war es so: als die Neuronen des Connectoms eine kritische Anzahl, Dichte, Struktur- und Vernetzungsqualität erreicht hatten, die den geistigen Zustand des Bewusstseins ermöglichten, waren in besonderen mentalen Situationen (Trance, Schock, Fieberwahn, Traum, etc.) virtuelle ausserkörperliche - transzendente - Erfahrungen möglich, die irrtümlicherweise als "real" wahrgenommen wurden und damals zur Annahme verleiteten, dass Körper und Geist/Seele trennbar seien.
Es gäbe viel mehr Frieden, wenn man die großen Fragen des Woher-Warum-Wohin offen gelassen sowie Manipulation und dogmatische Verzwängung und Einkerkerungen der Gedanken jedes einzelnen Menschen über den Sinn seines Daseins unterlassen hätte. Die überwältigend große humanitäre Katastrophe hätte nie geschehen dürfen, dass ein dem physikalischen Prinzip der Versklavung - begründet im natürlichen synergetischen Effekt (Haken & Wunderlin 1991: Die Selbststrukturierung der Materie) - ähnelnder Vorgang auf Intellekte in menschlichen Kollektiven übertragen und ausgebreitet worden ist, um sie besser steuern und ausnutzen zu können. Das alles wäre nicht geschehen, hätte man Weltanschauungen Privatsache sein lassen (DIE ZEIT 49: 66-67 vom 29.11.2012): Glaubensfreiheit ist in Ordnung, denn diese betrifft einzig das Individuum; Religionsfreiheit dagegen ist nicht nur wegen des Missionsgedankens ein Problem, weil diese das Kollektiv betrifft und somit die Freiheit und Unversehrtheit anderer einschränken kann (Stefan Berg in DER SPIEGEL 52: 36-37 vom 20.12.2014). Nur durch global geltende, gesetzlich festgelegte, neutral, ehrlich und konstant überwachte Macht-, Monopol- und Manipulationsbeschränkungen kann die Entstehung eines Globalstalls aus schicksallosen Schafen durch Weltanschauungen verhindert werden: die Einschränkung und Demontage der Freiheit, der Würde und des freien Willens des Menschen und den weiteren Mißbrauch oben ausgeführter menschlicher Schwächen, was potenziell weitere humanitäre Katastrophen bedeutet, wie sie derzeit z. B. in Form fanatisierter, vollkommen aus Vernunft und Wirklichkeit gedrängter Selbstmordattentäter traurige Realität geworden sind, die als Märtyrer irgendein weltanschauliches Modell gewaltsam herbeibomben wollen, um sich nach vollbrachter Heldentat auf 72 Jungfrauen im Himmel zu stürzen. Diese beiden angesprochenen Defekte können erst dann als überwunden gelten, wenn alle Weltanschauungen zusammen in einem Gotteshaus friedlich in Gleichheit nebeneinander bestehen können, sich gegenseitig respektieren und das Missionieren, Unterdrücken und Beherrschen bis in alle Zeiten aufgegeben worden ist. "Die Zukunft gehört der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung der Kulturen " (Stephan Hessel in: Empört Euch!).
Was bleibt denn noch vom freien Willen eines Menschen in einem Dorf / in einer Kleinstadt übrig, wenn er ein schabloniertes Lebensentwurfmodell einer der Weltanschauungen sorgfältig und gewissenhaft ausführt? Fast gar nix mehr, moan i. Das Wagenburg-Dorf / die Wagenburg-Kleinstadt: wir bleiben garantiert unter uns; niemand anders darf mitbestimmen; Nabelschau, Selbstbeschau, sich selbst feiern: hurra, mia san mia. Ausschluß aller "Fremden" von Mitbestimmung und Integration. Vollendete Selbstbeschränkung dank perfekter Diskriminierung. Endloser Filz und totaler Mief; Stillstand und Erstickung im eigenen braunen Mist. Fremdenfeindlichkeit.

Wie beispiellos und gigantisch erfolglos das - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - mehr halbherzige und geheuchelte als ernstgemeinte Ringen dieser weltanschaulichen Organisation um eine gerechtere Welt oder einen besseren Menschen war, zeigt untenstehend ein Exzerpt aus der Endlosliste verwerflicher anthropogener Gewalt mit Todesfolge.

Die Tatsache der "Erfindung" und Verbreitung des Römischen Kreuzes einschließlich des ultrabarbarischen Aktes der Kreuzigung beschämt die Menschheit ganz besonders; ähnlich denke ich über die "Schaffung" der Reichsdeutschen Konzentrationslager und die "Endlösung": von den Seiten der Vernunft, Moral, Humanität und Empathie her zugleich betrachtet gibt es für niemanden einen Grund mehr, froh zu sein und ein unbeschwertes, von Glücklichkeit erfülltes Dasein zu führen, seitdem das geschehen ist. "Eigentlich glaube ich nicht mehr an den Menschen..." (KZ-Überlebende Renate Lasker-Harpprecht in: DIE ZEIT 19: 11-14 vom 30.04.2014). "Ist das ein Mensch?" - hätte der KZ-Überlebende und Schriftsteller Primo Levi aus Turin ebenso fragen können - , der solch irritierende und größte Besorgnis erregende Brutalität mittels negativer (schwarzer / schädlicher) Kreativität ausgedacht und in die Tat umgesetzt hat. Jeder kennt die alle Hoffnungen vernichtende Antwort; und viel zu wenige überlegen, was zu einer dauerhaften Besserung führen könnte. Es ist unerträglich, absurd, verstörend, ekelerregend und unverständlich, dass glückliches Leben zeitgleich (gleichgültig nebeneinander) zur Ausführung der Kreuzigung und während der Betriebszeit der KZs bestand und weiterging. Unsäglicher Hunger und Durst, entsetzlicher Schmerz, vollkommene Erschöpfung, abgrundtiefe Verzweiflung, Todesangst, bestialische Folter, maximierte Peinlichkeit, Vergewaltigung, Schändung und Mord neben Voll- und Liebesrausch, Orgien, gähnender Langeweile, Hedonismus, Überdruss, Entertainment, Bespaßung, Luxusleben, Verschwendung, Ausschweifung, Völlerei und geilsten Lust- und Freudentänzen: das kann man dann interpretieren als den globalisierten Totentanz von Alfred Hrdlitschka oder als ein Ertrinken in Paul Celans zeitlosem Weltozean aus Schwarzer Milch, die ich hier als treffende Paraphrase über verwerfliche Gewalt interpretiere. Ähnlich dem Schriftsteller Ernst Toller kann ich nicht verstehen, warum sich so viele Menschen immer mehr Monstrositäten, Unerträglichkeiten, Unsäglichkeiten, Tabubrüche und humanitäre Versagen antun und damit nicht aufhören können, weil sie es wollen und - weil sie ganz genau wussten und wissen, dass sie Böses taten und tun - anschließend verzweifelt versuchen, ihre Missetaten zu kaschieren, zu verdrängen, vergessen zu machen, abzuwälzen oder anderen unterzuschieben. Haben so viele Menschen das wirklich nötig? Wie dreckig und niedrig soll's denn noch werden? Viel besser wäre doch, solch kapitale Dummheiten zu unterlassen. Dass aber das Gegenteil der Fall ist, zeigt z. B. die Tatsache, dass die in der ca. 3-jährigen "Betriebszeit" des KZ Auschwitz erreichte gemittelte Mordrate (ca. 1 Mord pro Minute, entsprechend 1,5 Millionen Morde in drei Jahren) während des Genozids der Hutu an den Tutsi im Frühjahr 1994 weit übertroffen wurde: 5 rassistisch motivierte Morde pro Minute, entsprechend einem Massenabschlachten von 800000 Leben in ca. 100 Tagen (UN-Generalmajor Roméo Dallaire in DER SPIEGEL 14: 56-60 vom 31.03.2014). Diese Steigerung kann man auf min. zwei Arten verstehen: dass die meisten Menschen auch aus dem Reichsdeutschen Kernverbrechen Auschwitz nichts gelernt haben oder dass das möglicherweise Gelernte nicht umsetzbar ist.

Der Teil meiner Arbeit ist erst dann getan, wenn ich diesen mentalen Irrsinn genau verstanden habe, der alles zerstören und alles schänden will; wenn ich weiß, welche Knopfdrücke im Limbischen System eines menschlichen Gehirns die Ratio vorübergehend oder dauerhaft ausser Kraft setzen, wie solche Reaktionen verhindert werden können und welche Maßnahmen zu einer Besserung führen können. Ein Lösungsansatz dazu könnte sein, Funktionsweisen der Hirnregionen besser zu erforschen und zu verstehen, in denen "Glaube", Sehnsüchte, Träume und Gefühle verortet sind: das sind Brodmann-Region 10, rechter medialer präfrontaler Kortex, Nucleus accumbens und Amygdala (DER SPIEGEL Nr. 50: 58 vom 13.12.2010). Vielleicht wird dann auch erklärbar, warum sich die Reichsdeutschen ein zweites mal in die Barbarei stürzten: warum nach dem ersten Blutrausch (1914-1918) noch unbedingt ein zweiter (1939-1945) - einschließlich der Shoa - sein musste.

Über das gräßliche Geschehen der Kreuzigung mit speziell dazu ausgeklügelten rituellen Vorbereitungen ist mir von diversen "Fachkräften" in deutschen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche mehrmals, hochdosiert und in ihrer widerlich-ekelhaften Penetranz derart verletzend, also traumatisierend kundgetan worden, dass man dies für empfindsame junge Menschen leichthin als letal bezeichnen kann. Das geschah, ohne dass ich damals jemals davon hören wollte oder jemals danach gefragt hätte. Ich bringe dazu zwei Beispiele:

Zunächst von einer "Fachkraft" für Kindererziehung, die in geschlechtervorsortierten Konfessionsschulen arbeitete und dort zusammen mit Schulschwestern ihre spirituellen schwarzen Rasereien vor Grundschüler/innen ad extenso ausbreitete: Fräulein Gertraud F. ereiferte sich stundenlang über das Leben von Gottes Sohn und besonders gerne und erregt über seinen Leidensweg, euphemistisch zur "Passionsgeschichte" erhoben, die dem zweiunddreißigjährigen jungen Mann widerfuhr und die sie mit vielen ekligen Details wiederholt begeistert darbot. Sie verdeutlichte ihre Ausführungen, indem sie verdeckte großformatige Bilder mitbrachte und diese nach langer und spannender Ankündigung an der Schreibtafel enthüllte und in der ihr eigenen Art trefflichst kommentierte; gebannt starrten unsere jungen Augen aufgerissen auf diese entsetzliche Bilderserie rohester Gewalt: es waren Repliken von "Gefangennahme", "Geißelung", "Dornenkrönung", "Verspottung", "Ecce Homo", "Kreuztragung", "Kreuzanheftung", und "Kreuzigung" aus der Kleinen Kupferstich- und Holzschnittpassion Albrecht Dürers. Unbewusst entfuhr unseren Mündern ein fasziniertes Ooh und Aah. Fräulein Gertraud F. pries seine edle und vorbildliche (würdevolle?) Körperhaltung an der Steinsäule; v. a. die grazile Voranstellung seines linken Beines auf dem Fußballen. Sie klärte uns mit hochrotem Kopf über die absolute Notwendigkeit und Ordentlichkeit des Lendenschurzes von Gottes Sohn auf und berichtete detailliert darüber, wie Bündel von Lederriemen mit daran befestigten Metall- oder Knochensplittern - Geißeln genannt - mit größtem Effè auf Körperpartien und "sogar ins Gesicht" (nicht würdevoll?) geschlagen - "reingedonnert" - wurden. Bei Blatt 10 wurden wir instruiert, dass der edle, weil weiße Körper von Gottes Sohn ganz im Gegensatz zu den Körpern der beiden Schächer sehr schön und besonders ordentlich, sogar vorbildlich (würdevoll?) am Römischen Kreuz hinge; ergänzend hörten wir, worin der wichtige Unterschied zwischen dem Drei- und dem Viernagelkreuz besteht. Freilich, so erklärte sie, habe zum Heil aller Sünder auf der ganzen Welt dieser größte Held - der Heiland, Sohn des Herren - alle Qualen "sehr tapfer" und klaglos-schweigend hingenommen und "den Kelch geleert". Ich erinnere auch die Begriffe, mit denen sie uns Kindern das Sterben am Römischen Kreuz begreiflich zu machen versuchte: sie lauteten "Krepieren" und "Verrecken". Sobald der Kopf nach unten hing und nachdem ein besonders lauter Schrei erfolgt ist, so erklärte sie uns, sei mit Sicherheit der Tod eingetreten. Solche Erzählungen und Bilder waren mir unheimlich, beschämten mich, machten mich sehr nervös und erzeugten in mir Unruhe und Angst. Mir war das gar nicht recht. In meinen damaligen Schreib- und Zeichenheftchen findet sich ein mit wackligen Strichen gezeichnetes Römisches Kreuz und mehrmals das geschriebene Wort Kreuz: die Rechtschreibübung für den Großbuchstaben K des Alphabets der deutschen Sprache lautete damals Kirche - Kelch - Kreuz - Kerzen - Kinder, was genau in eine Zeile passte; zudem hatte ein jeder der Gruppe ein Fleißheftlein anzulegen, in das er Heiligenbildchen der Serie "ars sacra" sorgfältig einzukleben hatte; unter diesen befanden sich in meinem Heftchen auch solche mit Szenen der Dornenkrönung und die Kreuzigungsgruppe. Seltsam, dass damals in dem Zusammenhang der Begriff Folter nicht gebracht und erklärt worden ist. Fräulein Gertraud F. führte - wohl ohne ausdrückliche kultusministerielle Empfehlung im schulpädagogischen Lehrplan - uns Kindlein des Lebendigen Gottes zu guter Letzt auch noch höchstpersönlich zum real sichtbaren Tod: über den Friedhof in die damals kleine Aussegnungshalle zu einem offenen Sarg, wo ich Gevatter Boandlkramer im gelbgrau-wachsblassen, erstarrten und eingefallenen Gesicht einer sehr alt gewordenen Frau erstmals erkannte.

Jahaha, so sind wir Lämmlein Gottes damals von Gertraud F. "gelockt und auf die Weide geführt worden". So erfuhren wir in diesen weltanschaulichen Intensivstkursen von einem Adam und einer Eva in einem Paradies, einem Apfel, einer Schlange, einem Sündenfall, von einer Vertreibung, von Engeln und Erzengeln, einer Sintflut, einer Arche Noah, von einem Jesuskindlein, das so gescheit war und so lieb zu allen Menschen, von einem Heiligen Geist, der vom Himmel herabfuhr, einer Dreifaltigkeit, einer Erbsünde, einem Luzifer, einem Jüngsten Gericht, das pausenlos jubelnd und frohlockend himmlische Gerechtigkeit feiert, einer Wiederauferstehung, einem donnernden Höllensturz aller Sünder in endlose Tiefe, einem heißen Fegefeuer, einem Teufel oder Satan tief drinnen in der schwarzen Hölle und der Tatsache, dass ein Mensch vom Kopf Richtung Fuß immer dreckiger werde und man besser dort auch gar nicht hinsehen und erst recht dort nicht hinfassen soll. Diese "Tatsache" aber, dass der menschliche Körper ein Gefäß der Sünde sei, schien mir damals seltsam, denn uns wurde wenig später froh verkündet, der Mensch sei zweifellos die Krone der Schöpfung. Freilich mussten wir wegen unserer vielen lässlichen Sünden auch Beichten lernen. Beichtspiegel auswendig lernen und Probeknien im Beichtstuhl waren deshalb angesagt: bei letzterem wurde die vollkommen korrekte und kerzengerade - ideale - Körperhaltung jedes einzelnen Kindlein Gottes von Herrn Monsignore M. höchstpersönlich sorgfältig vor Ort kontrolliert und kommentiert: der kleinste der Gruppe musste coram publico auf der obersten Stufe im Beichtstuhl probeknien; und dann - wegen der Gleichschalterei - der größte auf der untersten Stufe: tja, da war ich dann selber dran und das erniedrigende Knien, diese Zwangs-Demutshaltung, fühlte sich sehr seltsam und peinlich-blöde an; mir gefiel das wirklich nicht.

Freilich zeitigten diese hochkonzentrierten Manipulationsversuche schon bald sehr erfolgreich und durchschlagend Wirksamkeit in eine Richtung, die - mangels jeglicher Vernunft auf Seite der Verantwortlichen und Erziehungsbeauftragten - nicht vorhersehbar war und deshalb nicht verhindert werden konnte: besonders aggressive Individuen der Gruppe - nämlich die mit den geringsten Lern- und Erfolgserlebnissen in der Anstalt - packten den Schwächsten, verschleppten und entkleideten ihn, banden ihn an einen Baum und verletzten seinen mageren und schwachen Körper mit Schlägen schwer. Später fanden Spaziergänger den Verlassenen und halfen. Der Fall wurde polizeilich untersucht und kam vor Gericht. Freilich zwang man den Mißbrauchten und Mißhandelten, die verbleibenden Jahre zusammen mit seinen Peinigern bis zum Abgang in derselben Gruppe zu bleiben.

Fazit: - Die Erziehungsbeauftragten gaben - "drohend bewaffnet mit Heiligen Worten" (Zitat aus der Wörth-Passion) - ihr Letztes und ihr Allerbestes bei der Verwirklichung eines generalisierten Schafstalls. - Es besteht kein Zweifel, dass in dieser Bildungsanstalt Jugendliche sehr früh schon auch auf Grausamkeit, Unvernunft, Rohheit, Irrationalität und Inkonsequenz konditioniert wurden. Und man glaubte wohl, dass sie mit diesem in Herz und Hirn eingeträufelten Rüstzeug besonders wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden könnten. Ich erinnere konkret, in jener schrecklichen Zeit selbst die hochnotpeinliche Frage gestellt zu haben, ob es denn gewesen sein kann, dass der Papst damals auch einmal gefoltert worden ist. Viel sinnvoller wäre doch gewesen, anstelle obiger Horrorgeschichten und heiliger Märchen den Jugendlichen mehr von der realen Welt, der Natur zu zeigen, vernünftig zu erklären und ihr Verständnis für Schönes und Interessantes in der Natur zu wecken und individuell zu fördern. Da ist wegen all dieser gefährlichen, verantwortungslosen, eselsgleichen Gefälligkeiten und hündischen Ergebenheitsgesten gegenüber einer weltanschaulichen Organisation über viele Jahrzehnte in dieser Bildungsanstalt bei Tausenden von Erziehungsbefohlenen sehr viel an intellektuellem Weiterkommen verzögert und versäumt sowie ihre Seelenleben schwer bzw. irreparabel beeinträchtigt worden: braindumping (Blödmachen) durch Dummhalten, Ängstigen und Einschüchtern. Niemand hielt dagegen, als genannte weltanschauliche Einrichtung ihr Terrormanagement in staatlichen Einrichtungen pflegte und ausbaute.

In der Mittelstufe einer Bildungseinrichtung für Jugendliche berichtete Kaplan Günter M. schon wieder sehr detailliert darüber, wie und warum Gottes Sohn am Römischen Kreuz starb: vergleichend bemühte der Diener Gottes dazu lange Passagen aus einem Bericht über ein in der NS-Zeit als "kriegswichtig" eingestuftes Menschenexperiment, das in einem Hitlerdeutschen Konzentrationslager als Reihenuntersuchung lief. Der Bericht war in einem dünnen Büchlein mit schwarzem Einband abgedruckt. Was der Gute Menschenhirte daraus vortrug, war sinngemäß folgendes:
Die Wehrmacht ließ im KZ erproben, wie lange ein an den Handgelenken gefesselter und daran aufgehängter Mann in dieser Stressposition überleben kann. Man wollte damit quantitative Daten wissenschaftlich erbringen, wieviel Zeit Fallschirmspringern der Reichsluftwaffe noch blieb, wenn sie, anstatt direkt problemlos auf dem Boden zu landen, mit den Armen in den Seilen angeschirrt in Ästen von Bäumen oder an sonstigen Hindernissen hängenblieben. Mehrere NS-Militärmediziner übten sich deshalb in Biomonitoring: sie standen im Kreis um den so aufgehängten, nackten Versuchskandidaten und protokollierten alles, was bis zum Exitus geschah. Vom weiteren Bericht des Verkünders himmlischer Omnipotenz erinnere ich klar folgendes:
- mehr als einhundert Klimmzüge der Versuchsperson, die sie mit großem Kraftaufwand tätigte, um den vom eigenen Körpergewicht eingeengten Thorax zu entlasten und so vorübergehend mehr Atemluft zu bekommen;
- vom Henker ausgeführtes Anhängen von 15 kg Gewicht an die Fußknöchel der Versuchsperson, damit sich Zyanose (Blausucht: das ist die durch starken Sauerstoffmangel verursachte Blaurotverfärbung der menschlichen Haut) und Asphyxie (Pulslosigkeit) rascher einstellten und es den NS-Militärmedizinern nicht zu langweilig wurde;
- Versuchsperson konnte wegen des Zusatzgewichts bald keine Klimmzüge mehr ausführen, bekam schwere Atemnot und Zyanose;
- Abhängen des Gewichtes. Versuchsperson konnte mit erneuter großer Kraftanstrengung die Klimmzugtätigkeit wieder aufnehmen und auf diese Art ihre Atemnot ein wenig mindern;
- Bildung einer Schweislache auf dem Boden unter der Versuchsperson;
- erneutes Anhängen von 15 kg Gewicht. Versuchsperson konnte trotz größter Kraftanstrengung die Klimmzüge nicht mehr ausführen und litt zunehmend unter schwerer Atemnot und Zyanose;
- Abhängen von 15 kg Gewicht. Versuchsperson konnte wegen Erschöpfung keine Klimmzüge mehr ausführen und bekam immer mehr Atemnot und schwerste Zyanose;
- nach Stunden des Hängens folgten in schnellem Rhythmus verzweifelt geschriene, kurze und gepresste Atemstöße der Versuchsperson und schließlich der besonders laute Todesschrei;
- wiederholte Ausführung des Menschenexperiments: sowohl mit über dem Kopf geschlossenen als auch mit ausgebreiteten Armen.
Die militärmedizinische "Expertengruppe" kam bei dieser Reihenuntersuchung auch zu dem "wertvollen, weil kriegswichtigen Forschungsergebnis", dass bei letzterer "Versuchsanordnung" die Durchführung des Menschenexperiments bis zur Herbeiführung des Exitus ein wenig länger dauerte.

Froh und mit ausgebreiteten Armen rief der Verkünder des Lebendigen Herrn anschließend "froh und gelöst" in die in den Zustand der Schockstarre und der tiefsten seelischen Erschütterung getriebene, komplett erschlagen schweigende Runde, dass es "für Gottes Sohn ein Leichtes gewesen war, die Nägel am Römischen Kreuz zu ertragen", er aber auf gleiche Weise wie alle Versuchspersonen dieser KZ-Reihenuntersuchung erstickt ist, weil er - am Römischen Kreuz in den Armen hängend - auf Dauer doch zu wenig Atemluft bekommen hat. Der finale Erstickungsschrei jeder für dieses KZ-Menschenexperiment verwendeten/ausgewählten Versuchsperson hat die gleiche Ursache wie jener vom Sohn des Herren am Römischen Kreuz. Genau so hat es ein Interpret des Allmächtigsten in eine bedauernswerte Runde gesprochen, die von solchen grässlichen Geschehnissen wirklich nie etwas wissen wollte.

"Sprache kann.....töten." (Herta Müller 2012).

Während des Vortrags dieses nachgeordneten "Verwalters von Geheimnissen Gottes" wurde mir sehr unwohl und ich wurde immer nervöser. Seine bedrohlichen, brutalen und entsetzlichen Worte wurden mir im Fortgang seine Ausführungen immer peinlicher; meine negative innere Anspannung stieg sehr stark an, weil ich ahnte, dass noch Schlimmeres folgen würde und ich fühlte mich unerträglich beschämt, errötete stark und wollte den Raum dieser "Bildungsanstalt" sofort verlassen, weil ich wusste, dass ich hier gezwungen wurde, im wahrsten Sinne des Wortes Unsägliches anzuhören. Heute nenne ich die Situation, der ich damals ausgesetzt war, eine verbalsadistische; ich war zugleich Opfer und Zeuge, als eine Gruppe Erziehungsbefohlener von einer offiziell autorisierten Person mit dem Titel eines subalternen Stellvertreter Gottes kollektiv verbal vergewaltigt wurde. Ich wollte damals schnell fort, weil mir die Situation und die schädliche Information, die ich erhielt, unerträglich wurden. Aber ich hatte wegen meines Unterdrücktseins und eingebleuten Gehorsams keinen Mut zu fragen, ob ich den Bildungsanstaltsraum verlassen dürfe. Also blieb ich trotz größten Widerwillens. Infolge des Trauma-Autismus konnte ich erst Jahrzehnte später über diese extreme Verbalgrausamkeit reden, die ich in einer deutschen Bildungsanstalt aushalten musste. In der psychotherapeutischen Fachsprache wird solch ein Übergriff wie folgt definiert: "ungewöhnlich bedrohliches und intensives Ereignis, das nicht zu den Alltagsbelastungen gerechnet werden kann". Fazit: Hier ist ein Kollektiv von ca. 25 jungen Erziehungsbefohlenen durch den Verbalsadismus eines Erziehungsbeauftragten schwer traumatisiert worden. Es scheint so zu sein, dass ich der erste bin, der darüber öffentlich berichtet hat.

Mir war dieser Vortrag aus dem Bericht über ein KZ-Menschenexperiment vollkommen, fast bis zum Erbrechen unerträglich. Und das aus zweierlei Gründen: zum einen der Bericht über das unmenschliche Geschehen an sich; zum anderen die Tatsache, dass man gezwungen war, sich Unsägliches anzuhören. Ich wandte mich deshalb so bald wie möglich von diesem Verkünder göttlichen Heils ab und wechselte die Art der Bildungsveranstaltung. So fand damals schon das statt, was ein Ethnologe der Universität Frankfurt später wie folgt zusammenfasste: "dass Atheismen sich nicht im Vakuum entwickeln, sondern in Bezug auf ihr jeweiliges Umfeld" (DER SPIEGEL 28: 127 vom 09.07.2012). Aber in der Parallelgruppe war es nicht sehr viel besser: denn dort erzählte eine besonders unsensible "Fachkraft" mit dem akademischen Titel "doctor rerum philosophorum" davon, wie im Dreißigjährigen Krieg schwedische Soldaten das deutsche bäuerliche Volk sadistisch quälten: die "Fachkraft" trug den entsprechenden Textabschnitt aus dazu verfügbarer Literatur (es war der barocke Schelmenroman von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch. 1. Buch, 4. Capitel, Seiten 24-26, Insel Verlag, 1956, Nachdruck) ausführlich, süffisant und genüsslich vor. Sinngemäß sind - neben anderen - folgende Passagen in konkreter Erinnerung geblieben: "......den Männern wurden Pferde-Exkremente oral eingeflößt ... und von den Frauen sah man nichts mehr; aber man konnte ihre Schreie hören." Und ich sah die "Fachkraft" tatsächlich dabei grinsen, als sie das vortrug. Wie peinlich und beschämend, dachte ich damals. Diese gottverdammt verreckte Drecksau, denke ich heute. Es wurde tatsächlich noch blöder, als sie uns bei anderer Gelegenheit weismachen wollte, das Verbum "scheiden" sei sprachlich ableitbar von einem ähnlich lautenden Wort, bei dem an Stelle des Kleinbuchstaben d ein Doppel-s geschrieben steht. Jahaha, so zeitweilig unerträglich ordinär und diskriminierend war das damals in einer höheren deutschen Bildungsanstalt, die eigentlich zur Universitätsreife hätte führen sollen!

Ich kam also den in die Lehrinhalte immer wieder eingeflochtenen Verbalsadismen mit den immer gleichen Ekelthemen über Maximalgrausamkeiten [Vergewaltigung, Folter: "... richtig feste leiern auf dem Streckbrett ..." (H. S., ehemaliger Historiker dieser Anstalt), Sadismus, Mord] oder diskriminierende Zoten (frank und frei dröhnte ein sichtlich amüsierter Chauvi: "Apfelärschchen oder Birnenpopöchen?") nicht aus, egal wohin ich mich in dieser Bildungseinrichtung wandte. Prinzipiell gilt, dass erlebte Gewalt krank macht. Durch genannte seelische Rohheiten ist mir großer psychischer Schaden (Unsicherheit, Angst, übersteigerte Scham, etc.) zugefügt worden. Denn verbale Gewalt und unnötig ausführliche, dazu zynisch und verächtlich gebrachte Erzählungen über grausame Handlungen - beides Grenzüberschreitung - bewirken bei empfindsamen Kindern und Jugendlichen die Erzeugung großer Angst und führen bei den weniger sensiblen zu Abstumpfung und Verrohung. In jedem Fall werden ihre in Entwicklung befindlichen Seelenleben empfindlich gestört, deformiert und ungünstig beeinflusst. All diese jahrzehntelang gebrachte Verbalaggression - vorgetragen von autorisierten Erziehungsbeauftragten und gebracht unter dem Deckmantel eines "Kulturvermittlungsauftrags" - wäre nicht notwendig gewesen. Freilich gewinnt man, sofern man es denn nötig hat, auch auf diese primitive Art Macht, erzwingt mit diesem zutiefst unfairen und feigen Druck Gehorsamkeit, Unterwürfigkeit, Anpassung und presst alle gewaltsam hinab in Richtung Obrigkeitshörigkeit, Duckmäuserei und Kadavergehorsam. Solch ein System birgt aber Labilität in sich, weil der Druck ständig erhöht werden muss, was ab einem gewissen Quantum vom Stressor nicht mehr geleistet werden kann. Viel besser hingegen ist aus Vernunft, Gerechtigkeit, fachlicher Kompetenz, Empathie, Fairness, Menschenliebe und kritischer Toleranz entstandene natürliche Autorität, die das archaische Primitivmittel der Unterdrückung nicht kennt.

Und weil solche zweifellos besonders widerwärtigen und verwerflichen, von fast allen Eltern, Erziehungsbeauftragten, -managern und sonstigen Entscheidungsträgern geduldeten "Ergänzungen" zu pädagogischen Inhalten jahrzehntelang stets hinter den sorgfältig verschlossenen Türen der Bildungsanstalten aus den Mündern menschlich sehr schwacher und deshalb unsensibler und extremistischer "Fachkräfte" mit Mach 1 an die Gehörgänge geschleudert und in die Köpfe der Jugend hineingeschossen wurden und mit ihren nadelspitzen Widerhaken darin stecken blieben, stehen die Verantwortlichen für die Legionen von Missetaten an Jugendlichen endlich - und sei es auch sehr viele Jahre später - an der Stelle, wo sie schon längst hingehören: nämlich am Pranger, der vor Rückfällen bzw. Wiederholungen abschreckt.
Notabene: Bis dato hat sich niemand bei den verbalsadistisch Gequälten entschuldigt.
Zweifellos klingt hier die im Jahr 2010 angelaufene öffentliche Diskussion über den
Mißbrauch Erziehungsbefohlener in weltanschaulich gedeckelten Erziehungseinrichtungen an.

Die Gesetzesgeber und die Entscheidungsträger in Sachen Kulturvermittlung schützten damals Erziehungsbefohlene vor verbaler und psychischer Gewalteinwirkung bei Exposition gegenüber sakralen Ritualen und/oder spirituell-weltanschaulichen Instruktionen nicht und nahmen dafür eine Beeinträchtigung ihrer Menschenwürde durch verbale Gewalt - resultierend in seelisch-psychischen Verletzungen - in Kauf. Und daran hat sich bis heute wenig geändert: die Würde des Menschen ist in der sich demokratisch und zivilisiert nennenden BRD am 14.12.2012 erneut per Gesetz antastbar geworden: weil durch einen entsprechenden Gesetzeserlass der Wert der Freiheit bei Ausübung eines weltanschaulich-sakralen Rituals - hier die medizinisch nicht indizierte Beschneidung von Jungen - höher eingestuft wurde als der Wert körperlicher und seelischer Unversehrtheit eines jeden Bürgers. Ein problematischer Beschluß, weil dieser Präzedenzfall das Tor öffnet für die gesetzliche Erzwingung der Statthaftigkeit weiterer entwürdigender, die körperliche und seelische Integrität verletzender Rituale anderer weltanschaulicher Organisationen. Es ist erschütternd zu erkennen, wie gering der Wille weltanschaulicher Organisationen ist, destruktive Gewohnheiten, Traditionen und Riten um der Menschenwürde Willen endlich aufgeben zu wollen (DIE ZEIT 52: 53 vom 19.12.2012).

Schlussbemerkung: Ein System, das auch solche besonders schwachen Aspiranten aufnimmt, die sich vorab seelisch brechen und zerquetschen haben lassen und dem Kadavergehorsam frönen, steht mit eineinhalb Beinen im Korruptionssumpf und ist dabei, sich selbst qualitativ zu entwerten und seine Autorität selbst zu demontieren. Indem es versucht, ein neutrales, faires und demokratisches Gesellschafts- und Bildungsfundament zu unterlaufen und das Prinzip der Offenen Gesellschaft (Sir Karl Raimund Popper) willentlich zu zerstören. Ihre angeblich demokratisch gewählten Entscheidungsträger aus der seit Jahrzehnten immer gleichen Partei braucht die Abwanderung der Intelligenz - der zweite Braindrain nach der NS-Zeit - nicht zu erstaunen; das System verflacht und verblödet von selbst. Ich verachte die korrupten Bestandteile solch eines Systems und höre sie jetzt schon, die Hass-Schreie dieser hochdekorierten, vielgeehrten und finanziell bestens ausgestatteten willigen Vollstrecker, Epigonen und Emeriti.
Weil ein Zuviel an Angst blind und dumm macht, sehnen sich innerlich intensiv beschädigte sowie abhängig und unselbständig gemachte ehemalige Erziehungsbefohlene an die Stätten zurück, wo sie gequält und unterdrückt wurden; sie bekommen regelrecht Heimweh danach und fühlen sich nur dort zu Hause (Herta Müller 2012). Ähnliches geschah auch mit unschuldigen Gefangenen in US-KZs in Guantanamo, die nach über 14 Jahren Unfreiheit, Folter und Unterdrückung das Gefängnis der Freiheit vorzogen (DER SPIEGEL 15: 44-50 vom 09.04.2016). Hier ist es wieder in etwas abgewandelter Form, das Höhlengleichnis Platos.

Schön, dass es mir nicht so geht und ich kein ewiger Sitzenbleiber geworden bin.

Epilog

Die Auswirkungen negativer Aggression - das ist die in jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung vorhandene Gewaltkonstante - beeinträchtigt die Qualität des Daseins zeitlos und überall: wo Mensch haust, verhindert er wegen der weitgehend frei ausgelebten negativen Komponenten seiner natürlichen Aggression - das ist verwerfliche Gewalt im weiteren Sinne: definiert durch physische, verbale und seelische Gewalt sowie seine stillen, sanften, verdeckten, maskierten, pseudopassiven und indirekten Varianten (Täuschen, Verhindern, Unterwandern, Des- und Nichtinformieren, Manipulieren, Drängen, Vereiteln und Unterlassen (nicht helfen, nichts tun, alleinelassen)) - friedliches Zusammensein: mobbt, betrügt, verleumdet, bestiehlt, verrät, beraubt und quält seinesgleichen und trampelt es tot. Solche Leute möchten ihre eigene Endlichkeit-Vergänglichkeit verlängern und ihre eigene Lebensqualität verbessern auf Kosten anderer. Die Zahl der an der Austragung von Konflikten Beteiligten reicht vom Minimum eins (Autoaggression) über Millionen (Angriffs-, Eroberungs- und Rohstoffkrieg) bis zu mehr als einer Milliarde (Weltanschauungskrieg, Kalter Krieg). Die Weiterung von Gewalt geschieht auch durch Import von Konflikten, schädlichen Verhaltensweisen und problematischen Lebensstilen in fremde Kulturen einer globalisierten Welt (John Gray in der Zeitschrift Prospect). Es scheint, dass der Mensch von seinen verwerflichen negativen Aggressionshandlungen nicht genug bekommen kann und deshalb sich selbst - wie schon Sigmund Freud feststellte - sein größter Gegner ist. Von daher gesehen ist es nur absichtliche Desorientierung durch Vertreter oben genannter weltanschaulicher Organisation, ein Wesen mit solch problematischem Sozialverhalten als "Krone der Schöpfung" bzw. "Ebenbild Gottes" ("eritis sicut deus" - "Ihr werdet sein wie Gott" [Genesis]) über Jahrhunderte hinweg pauschal und undifferenziert scheinheilig zu würdigen: eine kapitale Lügen-Wasserstoffbombe, eine Heuchelei, die die Vollendung einer Entwicklung suggerieren möchte, welche sich aber in Wirklichkeit keineswegs vollzogen hat. Solch ein Wesen ist mitnichten "....das Schönste, was Gott geschaffen hat..." (der Oberhirte im September 2014 anlässlich einer Ansprache vor dem Weltkriegsdenkmal »Fogliano Redipuglia«). In der globalisierten Umsetzung wahren humanitären Handelns und generalisierter Globalfairness soll der Mensch doch erst mal beweisen, dass er nicht das Gegenteil der Krone der Schöpfung ist: nämlich nur ein kleiner und kläglicher Klodeckelhirsch. Der Mensch scheint unheilbar zu sein. Es darf nicht sein, dass Harmonien zum größten Teil nur mehr in den virtuellen Räumen der Malerei, Musik, des Theaters, der Literatur, der Physik und der Mathematik bestehen.

Verallgemeinert und im übertragenen Sinn interpretiere ich Kreuzigung wie folgt: einer Person wird willentlich zu Unrecht oder willkürlich ein Problem bereitet, das sie sicher in den Tod zwingt. Sehr viele Einzelpersonen, Gruppen oder Großkollektive konnten bis heute den Versuchungen nicht widerstehen und haben in diesem Sinne - oft fantasievoll modifiziert und kaschiert - gehandelt, indem sie entgegen dem Ehrenkodex und der Tötungshemmung andere eigenhändig mordeten oder entsprechende Aufträge erteilten, um ihre Macht zu halten (wie z. B. die 94 Millionen Morde im Namen des kommunistischen Ideals: Freiheit & Recht April 2011/1+2: Seiten 11-16) oder sich Vorteile verschafften. "Ein Mensch macht so etwas nicht, ein Mensch hält sich in Zaum" (Albert Camus in Der erste Mensch).
Im folgenden ein sehr kurzer Auszug aus der Liste anthropogener Gewaltausbrüche mit Todesfolge auf dem Welt-Schlachthof (DIE ZEIT Nr. 18: 52 vom 28.04.2011), unserem inzwischen irreparabel zerstörten Paradies; es ist das Exzerpt aus einer Tatsachen-Endlosliste, von der jede Zeile die Nichtexistenz Gottes kristallklar belegt. Unser mit Bedacht selbstfabriziertes Paradies der physischen und seelischen Qualen, unser unermesslich tiefer Weltozean der Unmenschlichkeiten, unser Multiversum der Grausamkeiten und Brutalitäten. Reporter Sebastiao Salgado: "Ich habe solche Grausamkeit gesehen, dass ich den Glauben an uns Menschen verloren habe. ....unsere wahre Bestimmung ist, dass wir uns bewaffnen. Und dass wir uns gegenseitig töten bis zum Ende (DER SPIEGEL 44: 110-115 vom 27.10.2014). Siehe dazu auch
Timothy Snyder 2011: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin, C. H. Beck, 523 Seiten, ISBN: 978-3-406-62184-0; "Krieg ist die Widerlegung aller Reden vom Triumpf des Rechts über die Gewalt" (DIE ZEIT 51: 8 vom 12.12.2013). Vernünftig kann nur sein, wer den Ausnahmezustand vermeidet (Odo Marquard).

Es hagelt im folgenden treffende Argumente, die verdeutlichen, wie gering für sehr viele Menschen der Anreiz war und ist, das Humanitäre zu leben, was Johann Wolfgang von Goethe im Leitsatz "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" fokussierte. Anders gesagt geht es um eine frustrierend endlos scheinende Kette, einen shitstorm widerlich-ekliger Tabubrüche, die sprachlos machen, verstören und tiefe Betroffenheit und Nachdenklichkeit hervorrufen dahingehend, warum das über so lange Zeit so geblieben ist und die Situation sich nicht bessern konnte. Mit jeder weiteren Missetat solcher Dimension selbsttraumatisiert sich die Menschheit ein wenig mehr, was in einem globalkollektiven Trauma-Autismus - das ist das nicht mehr Reden und Diskutieren können über all die Grausamkeiten - enden kann. Die hier erstmals begonnene Liste der LANGEN ZEIT DER LEICHEN kommt der drohenden Sprachlosigkeit zuvor, die wiederum Gefahr in sich birgt, indem sie die Situation negativ verstärkt: weil dann wegen der Sprachlosigkeit nicht mehr darüber verhandelt werden kann, was geschehen muss, damit ein Ausweg aus der Selbstzerstörung gefunden wird. Und wenn sich diese Global-Sprachlosigkeit wie ein Leichentuch über Zivilisierungs-, Humanisierungs- und Gewaltpräventionsmaßnahmen ausgebreitet hat, dann gibt es gar keine Mittel mehr gegen verwerfliche anthropogene Gewalt; das darf nicht sein. Es ist jenseits des Vorstellbaren, dass die schriftstellerischen Bemühungen von Erich Maria Remarques, John Hersey, Norman Mailer, etc. - sie alle schrieben gegen Krieg und verwerfliche Gewalt - allesamt umsonst waren. Und: war all das über Jahrtausende gehende, nie enden oder sich mindernde gewaltsame Sterben und Leiden umsonst, weil niemand daraus lernte und effektive Konfliktlösungsstrategien erdachte? Schmerz und Leid dürfen nicht verdrängt, sondern müssen realistisch transzendiert werden (M. Abramovic in ZEIT MAGAZIN 2: 46 vom 03.01.2013), indem sie effektiv in Richtung ihrer Minderung wirken.

Eine kurze Liste anthropogener Gewalteruptionen mit Todesfolge
DIE LANGE ZEIT DER LEICHEN

  • Die Mordopfer während des Angriffskrieges (334-326 v.Chr.) von Alexander dem Großen auf Ländereien, die heute Iran, Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisien, Turkmenistan und Indien genannt werden;
  • die von christlichen Fanatikern zerschlitzte, zerschnittene, in Stücke gerissene und verbrannte Philosophie- und Mathematikgelehrte Hypathia (*370 n.Chr. Alexandria †03. 415 n.Chr. Alexandria); ihr Leitspruch war: "Alles Wissbare wissen wollen";
  • Die Enthauptung des altgriechischen Physikers und Mathematikers Archimedes (* 285 v.Chr. Syrakus †212 v. Chr. Syrakus) durch einen Römischen Gladiator. Archimedes entdeckte u. a. den Schwerpunkt, den statischen Auftrieb, das spezifische Gewicht, die Kreiszahl P und die Quadratwurzel. Sein bekanntester Ausspruch: "Heureka, ich habe (es) gefunden." Seine der Legende nach letzten Worte waren: ".. noli turbare circulos meos ..: störe meine Kreise nicht!";
  • die Mordopfer während der von fanatisierten Christen ("Gott will es!") ausgeführten Kreuzzüge zwischen 1096-1270 n.Chr.;
  • die Mordopfer der Hexen- und Werwolfverfolgung im Europa des 14.-18. Jhds., deren Zahl auf 50.000-80.000 geschätzt wird;
  • die Verbrennung des als Erzketzer verurteilten Theologen, Universitätsrektors und Reformators Jan Hus (*1369 Husinec/Böhmen †06.07.1415 Konstanz) auf dem Scheiterhaufen der Inquisition, weil er seine Auffassungen ähnlich jenen von John Wycliffe nicht widerrief: sie setzten sich gegen klerikalen Pomp und Luxus, Ablasshandel, Macht- und Gewinnstreben der Kirche sowie gegen das absichtliche Belassen der Bevölkerung in Armut ein. Jan Hus wurde nach Folterung und monatelanger Inhaftierung nackt und geschoren coram publico durch die Straßen von Konstanz zum Richtplatz geführt, dort festgebunden, mit Pech übergossen und angezündet. Auch die Gebeine von John Wycliffe wurden von den Inquisitoren exhumiert und verbrannt. Bis dato ist weder das Todesurteil gegen Jan Hus aufgehoben noch der Ermordete rehabilitiert worden. Notabene: Das Verbrennen von Ungläubigen oder "Sündern" sah man damals nach Ansicht von Thomas von Aquin als Reinigung (Purgatorium) ihrer vom Teufel verdorbenen Seelen an; aus gleichem Grunde ist das angeblich zwischen Dies- und Jenseits angesiedelte "Fegefeuer" erfunden worden, damit die durch die Flammen des Feuer "Gereinigten" doch noch "in den Himmel kommen";
  • die Veranlassung der Ertränkung von Agnes Bernauer am 12.10.1435 durch Herzog Ernst;
  • die blutige und ultra-grausame Niederschlagung 1524/1525 des Bauernaufstandes, der sich gegen die ungerechte feudale Ordnung (Leibeigenschaft, römisches Landrecht, hohe Lasten, etc.) wandte; machtmißbrauchende Fürstbischöfe befahlen willkürlich Vernichtung oder Begnadigung: so entschied unter den Galgen das Würfellos, wer von den gefangen genommenen Aufständischen weiter Frondienst leisten durfte und wer nicht;
  • Tötung von Millionen Ureinwohnern im Rahmen der sogenannten Kolonisation Nord- und Südamerikas, Australiens, Afrikas, Indiens, Indonesiens etc. und der gewaltsamen weltanschaulichen Bekehrung ihrer Einwohner durch Kolonialarmeen und Missionare aus den Ländern England, Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Portugal und dem Deutschen Reich;
  • Folterung, Erhängung und Verbrennung des reformorientierten Mönchs Girolamo Savonarola (*21.09.1452 Ferrara †23.05.1498 Florenz) als angeblichen Schismatiker und Häretiker;
  • die Verbrennung des als Ketzer verurteilten Naturphilosophen Giordano Bruno (*1548 Nola bei Neapel †17.02.1600 Rom), der auch auf dem Scheiterhaufen der Inquisition zu seiner Überzeugung stand, dass das heliozentrische System und die Grenzenlosigkeit des Weltalls der Wirklichkeit am nächsten kommen;
  • die Millionen Todesopfer wegen Vereitelung und Blockierung intellektueller und technischer Entwicklung: des vom Frühen Mittelalter bis zur Renaissance bestehenden, dogmatisch begründeten Verbots medizinischer und naturwissenschaftlicher Forschung;
  • das zu Tode Foltern von Aleksej Petrowitsch (*18.02.1690 Moskau †26.06.1718 Petersburg), nachdem er der Verschwörung gegen seinen Vater, Peter den Ersten - Zar und Großfürst von Russland - verdächtigt wurde; kurzum: Vater ließ Sohn totfoltern;
  • das Verhungern- und Verdurstenlassen Neugeborener in abgeschlossenen Kellergrüften von Nonnenklöstern;
  • die Erschießung von Abraham Lincoln (*12.02.1809 Hodgenville Ky. †15.04.1865 Washington D.C.), dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten und Überwinder der amerikanischen Sklaverei, durch den Fanatiker J. W. Booth;
  • die Vertreibung und Abdrängung des Herero-Stammes im Jahre 1904 in die Omahekewüste durch Lothar von Trotha, Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe im damaligen Deutsch-Südwestafrika;
  • die Ermordung des Dramatikers und russischen Kulturattachés August von Kotzebue (*03.05.1761 Weimar †23.03.1819 Mannheim) durch den Theologiestudenten und Burschenschaftler K. L. Sand durch Messerstiche;
  • die Erschießung des verarmten Wilderers Georg (Girgl) Jennerwein (*1848 in Haid bei Holzkirchen; †06.11.1877 Rinnerspitz in den Schlierseer Bergen) durch königliche Jäger;
  • der Völkermord an den Armeniern (bis zu 1,5 Millionen Tote) 1915-1916 und 1917-1918 durch türkisches Militär;
  • die Erschießung der Politikerin Rosa Luxemburg (*05.03.1871 Zamosc/Polen †15.01.1919 Berlin) und des Politikers Karl Liebknecht (*13.08.1871 Leipzig †15.01.1919 Berlin) durch Freikorpsoffiziere;
  • die Erschießung des Publizisten und Ersten Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern Kurt Eisner (*14.05.1867 Berlin †21.02.1919 München) durch A. Graf Arco-Valley; Sozialdemokrat Kurt Eisner war Urheber des Begriffes "Freistaat Bayern";
  • Die Erschießung des Demokraten und Gründungsvaters der ersten deutschen Republik, Herrn Matthias Erzberger (*20.09.1875 Münsingen-Buttenhausen †26.08.1921 Bad Peterstal-Griesbach) durch Heinrich Schulz und Heinrich Tillessen, Mitglied der Organisation Consul. Erzberger war Initiator der Friedensresolution (19.07.1917) des Reichstages;
  • die Flächenbombardierung der Stadt Guernica am 26.04.1937 durch die "Legion Condor" der Deutschen Wehrmacht;
  • Die Ermordung des Friedensnobelpreisträgers, Pazifisten und Chefredakteurs der Zeitschrift "Die Weltbühne" Carl von Ossietzky (*03.10.1889 Hamburg †04.05.1938 Berlin) durch Misshandlung. Er hatte die geheime, gegen den Versailler Vertrag verstoßende Aufrüstung der Reichswehr entdeckt und publik gemacht;
  • die Ermordung (1938-1945) von ca. 300000 chinesischer, mandschukischer und koreanischer "Trostfrauen" in japanischen Militärbordells durch Serienvergewaltigung, absichtliche Infizierung oder Hinrichtung; siehe auch Ruth Hallo: Die "Trostfrauen". Langenmüller Verlag 2012;
  • das Verhungern-, Verdursten- und Erfrierenlassen von ca. 1,1 Millionen Zivilisten während der fast 900-tägigen Blockade (08.09.1941-27.01.1944) Leningrads, ausgeführt im Vernichtungsfeldzug der Reichswehr Hitlerdeutschlands gegen die UDSSR;
  • die Umsetzung der in der Wannseekonferenz in Berlin am 20.01.1942 beschlossenen "Endlösung" der damals so bezeichneten "Judenfrage" durch Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann, Rudolf Höß, Amon Göth, etc.;
  • Ermordung aller männlichen Einwohner des Dorfes Lidice (Tschechoslowakei) am 10.06.1942 durch ein NS-Vergeltungskommando;
  • die Ermordung des französischen Widerstandskämpfers Jean Moulin (*20.06.1899 Béziers †08.07.1943 Metz) durch Folter, ausgeführt vom SS-Hauptsturmführer und Gestapochef Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon;
  • die Justizmorde an Mitgliedern der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose", ausgeführt vom NS-Volksgerichthof. Die Vollstreckungen der am 22.02.1943 im Münchner Justizpalast durch Blutrichter Roland Freisler gegen Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst verkündeten Todesurteile erfolgten selbtägig - vier Stunden später - in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim durch das Fallbeil; der im Auditorium Maximum der Ludwig-Maximilians-Universität in strammem Amtsdeutsch verbreiteten Nachricht vom Vollzug dieser Todesstrafen - "... Angelegenheit ohne Zwischenfall erledigt ..." - zollte die Mehrzahl der dort anwesenden Münchner Studentenschaft johlenden Beifall; eine Reaktion, die das humanitär-moralische Versagen fast der gesamten damaligen Münchner Studentenschaft eindeutig beweist;
  • Ermordung von ca. 600 Zivilisten in Oradour-sur-Glane am 10.06.1944 durch ein SS-Vergeltungskommando;
  • Doppeltest brandneuester Herrschaftstechnik: Ermordung von ca. 220.000 Einwohnern (Soforttote) der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 06. und 09.08.1945 durch die Abwürfe zweier Atombomben: es waren die mittels des amerikanischen Manhatten-Projekts hergestellte Uranbombe "Little Boy" und die Plutoniumbombe "Fat Man", deren gleißende Lichtblitze bei 10000 Bar Druck und über 1 Million Grad Celsius Vakuum-Löcher in die Menschheitsgeschichte stanzten: Löcher des Stillstandes, der Erstarrung, Leere, Trostlosigkeit, Leblosigkeit, grenzenloser, kosmischer Verlassenheit (DER SPIEGEL Nr. 25/2011: 122-125); "Die technische Zivilisation hat ihren bestialischen Höhepunkt erreicht" (Albert Camus). Jedes Jahr kommen ca. 2500 Spätopfer hinzu. Notabene: Das Langstreckenflugzeug mit "Little Boy" im Bombenschacht ist vor dem Start vom Piloten Tibbet auf den Namen "Enola Gay" getauft, die Mannschaft vor ihrem Einsatz von den Militärpfarrern William Downy und George Zabelka gesegnet worden; diese Gottesmänner haben auch für die gesunde Rückkehr der Einsatzkräfte um die Hilfe des Allmächtigsten gefleht;
  • das Sterbenlassen des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg (*04.08.1912 Stockholm †17.07.1947 Lubjanka-Gefängnis in Moskau), der in Budapest 1944/45 als Mitglied des War Refugee Board mittels Ausreisebewilligungen viele tausend ungarische Juden vor ihrer Vernichtung durch die Nazis rettete;
  • Folterung und Erschießung von Tasumbu Tawosa, genannt Patrice Émery Lumumba (*02.07.1925 Katako-Kombé, Prov. Kasai, Kongo †17.01.1961 Prov. Katanga, Kongo), dem ersten Ministerpräsidenten des am 30. Juni 1960 unabhängig gewordenen Kongo; Lumumba setzte sich für Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Belgien, einen kongolesischen Einheitsstaat und eine positiv neutrale Aussenpolitik ein;
  • die Erschießung des Friedensnobelpreisträgers und Bürgerrechtlers Dr. Martin Luther King (*15.01.1929 Atlanta †04.04.1968 Memphis) durch Vertreter des Ku Klux Klan; erst am 16.10.2011 ist in der US-Hauptstadt Washington für ihn ein Denkmal eingerichtet worden;
  • die Todesopfer wegen der Verweigerung von Visa und Asyl für politisch oder weltanschaulich Verfolgte;
  • die Vernichtung und Ermordung mißliebiger, verdächtiger oder oppositioneller Gruppen und Minderheiten oder Millionen Einzelpersonen - sogenannte Ketzer, Freiheitskämpfer, Unabhängige, Saboteure, Zersetzer, Widerständler, Subversive, Revolteure, etc. pp. - durch Unterdrückungs- und Terrororganisationen, die von Gewaltherrschern, Machthabern sowie politischen und/oder weltanschaulichen Organisationen eigens dafür eingerichtet worden sind:
  • Römisch-katholische Kirche: 380-381 n.Chr. bis 19. Jhd.: Heiliges Offizium und Heilige Inquisitions-Gerichte;
  • Zaren: Zaristische Armeen;
  • Wladimir Iljitsch Uljanow alias Lenin: Tscheka: Außerordentliche Kommission zum Kampf gegen Konterrevolution und Sabotage; GPU: Gossudarstwennoje Polititscheskoje Uprawlennije: Staatliche politische Verwaltung;
  • Adolf Hitler: Gestapo, SD, SS, VGH, militärische Standgerichte, KZs;
  • Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili alias Stalin: große Tschistka [Säuberung] samt Holodomor durch NKWD [Narodny Komissariat Wnutrennich Del: Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten]; fortgesetzt unter den Ersten Staatssekretären Chruschtschow - Breschnew - Andropow - Tschernenko - Gorbatschow - Jelzin als KGB: Komitee für Staatssicherheit; Nachfolgeorganisationen: Ministerium für Sicherheit, Föderaler Dienst der Gegenaufklärung, Föderale Sicherheitsdienst, etc. pp..; Details siehe S. Courtois (1997): Das Schwarzbuch des Kommunismus;
  • Pol Pot: Rote Khmer; KZ S-24;
  • Francisco Franco Bahamonde: Junta, Falange;
  • Jean-Bedel Bokassa: Revolutionsrat;
  • Mao Tsedong: Rote Garden;
  • François und Jean-Claude Duvalier: Volontaires de la Sécurité Nationale: haitianische Tontons Macoute;
  • Augusto Pinocet Ugarte: DINA: Dirección de Inteligencia Nacional, CNI: Central Nacional de Información;
  • Reza Pahlevi: SAVAK;
  • Haji Mohamed Suharto: RPKAD-Miliz: Ermordung von ca. 500.000 Mitgliedern der kommunistischen PKI; Völkermord an den Chinesen Indonesiens;
  • Rafael Leónidas Trujillo y Molina: militär. Geheimdienstkommando (Servicio de Inteligencia Militar);
  • Idi Amin Dada: Ugandische Armee;
  • Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Erich Honnecker, Egon Krenz: SSD, MfS, Stasi;
  • Saddam Hussein: Republikanische Garden;
  • George W. Bush: CIA, exterritorialisierte KZs Abu Ghureib, Guantanamo, Salt Pit, Camp X-Ray, etc.;
  • Baschar al Assad: Syrische Armee, Schabiha-Milizen;
  • Rios Montt: Guatemaltekisches Militär;
  • Islamischer Staat IS; Boko Haram;
  • und viele weitere politische oder weltanschauliche Entsprechungen.
  • die Vernichtung von Millionen Sklaven und Zwangsarbeitern durch Schwerstarbeit und unmenschliche Lebensverhältnisse;
  • die blutige Niederwalzung des antistalinistischen Arbeiteraufstands in der DDR am 17.06.1953 durch russische Panzerkommandos;
  • Erwürgung und Erschlagung der Schwestern Patria, Teresa Maria und Dr. jur. Minerva Mirabal 1960 in der Dominikanischen Republik. Sie gehörten der politischen Opposition gegen den Tyrannen Trujillo an;
  • die Erschießung von John Fitzgerald Kennedy (*29.05.1917 Brookline, Mass., USA †22.11.1963 Dallas, Texas, USA), der sich um die Überwindung des Kalten Krieges und innenpolitisch um die Verbesserung der sozialen Verhältnisse und der Bürgerrechtslage bemühte. Er hat den Dritten Weltkrieg verhindert;
  • Erschießung des Pazifisten und Romanistik-Germanistik-Lehramtsstudenten Benno Ohnesorg (*15.10.1940 Hannover †02.06.1967 in Westberlin) während einer Anti-Schah-Demonstration durch den Polizisten und verdeckten Informellen Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes, Karl-Heinz Kurras (DER SPIEGEL 4: 36-44 vom 23.01.2012);
  • Erschießung von Robert Francis Kennedy (20.11.1925 Brookline, Mass., USA †06.06.1968 Los Angeles, Calif., USA), der sich gegen die Rassendiskriminierung einsetzte und eine De-Eskalierung im Vietnamkrieg anstrebte;
  • Mohandas Karamchand Mahatma Gandhi (*02.10.1896 Porbandar / Kathiawar †30.01.1969 Neu-Delhi). Der Rechtsanwalt und Leiter der indischen Unabhängigkeitsbewegung propagierte gewaltlosen Widerstand wie zivilen Ungehorsam und Nichtkooperation gegen die britische Besatzermacht. Ferner versuchte er, der Ächtung von Parias und den Konflikten zwischen Hindus und Muslims entgegenzuwirken. Er wurde von einem fanatisierten Hindu erschossen.
  • Erschießung des Pater Rudolf Lunkenbein (*1.04.1939 Döringstadt bei Bamberg; †15.07.1976 Merúri, Mato Grosso, Brasilien), der sich für die Landrechte der indigenen Mororo einsetzte, durch Manoel Borges da Silva, dem Chef der Großgrundbesitzer;
  • die Schüsse von Hilfsarbeiter Josef Bachmann am 11.04.1968 auf den Studentenführer Alfred Willi Rudolf (genannt Rudi) Dutschke (*07.03.1940 Schönefeld †24.12.1979 Arhus), an deren Spätfolgen er starb; ersterer war durch tendenziell einseitige "Berichterstattung" der BILDzeitung manipuliert;
  • die Erschießung unbewaffnet demonstrierender Zivilisten am Bloody Sunday (30.01.1972) in Londonderry (Nordirland) durch Soldaten der Britischen Armee;
  • Geißelnahme und Erschießung elf israelitischer Athleten durch die palästinensische Terrororganisation "Schwarzer September" während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München;
  • die millionenfachen Auftragsmorde durch Militärs und Soldaten diktatorischer Staatssysteme, geplant und ausgeführt in Angriffs- und Vernichtungskriegen;
  • das am 16.06.1976 durch südafrikanische Polizeikräfte ausgeführte Massaker in Soweto an Schülern, die gegen ein ungerechtes Bildungssystem demonstrierten;
  • die Mordopfer durch Terrorattentate der sogenannten Roten Armee Fraktion und ihren politischen Entsprechungen;
  • die Mordopfer durch Braunen Terror;
  • Folterung und Erschießung der Studentin und Sozialarbeiterin Elisabeth Käsemann (*11.05.1947 Gelsenkirchen †24.05.1977 Monte Grande, Argentinien) durch Kräfte der Militärjunta von General Videla; Deutsche Behörden, die von der Gefangennahme wussten, blieben untätig (SZ 128: 39 vom 05.06.2014);
  • Erschießung des Bischofs Oscar Arnulfo Romero y Galdámez (15.08.1917 Ciudad Baroios †24.03.1980 San Salvador) durch einen rechtsradikalen Auftragsmörder. Romero setzte sich für die Armen, für mehr soziale Gerechtigkeit, politische Reformen und gegen die Militärdiktatur des Landes ein;
  • 04.11.1981: Vergewaltigung der 17-jährigen Frederike von M. durch den 22-jährigen Ismet H. bei Hambühren/Celle, der sie anschließend mit Messerstichen bestialisch ermordete. Der in 2. Instanz Freigesprochene kann - auch bei neuer Beweislage wegen neuer forensischer Daten - wegen Rechtssicherheit nicht mehr in derselben Sache angeklagt werden;
  • 17.10.1985: Erschießung von Thomas Sankara, fünfter Präsident von Burkina Faso. Der Sozialist setzte sich gegen Korruption, Polygamie, gegen die Beschneidung von Frauen und für Gleichberechtigung und Verhütung ein. Er bekämpfte den Hunger und die Desertifikation des Landes. Sein Dienstwagen war ein Renault 5.
  • Die Erschießung von Schwedens Ministerpräsidenten Sven Olof Joachim Palme (*30.01.1927 Stockholm †28.02.1986 Stockholm); er war Anwalt der Drittweltländer und Leiter der Unabhängigen Kommission für Abrüstung und Sicherheitsfragen;
  • Verfolgung und Ermordung kurdischer Minderheiten im Irak, u. a. durch Giftgas (1988);
  • Erschießung des 15jährigen Emanuele de Giorgi (†17.08.1988 Gladbeck) durch den Geiselnehmer Dieter Degowski;
  • Erschießung der 18jährigen Silke Bischoff (†18.08.1988) während des Gladbecker Geiseldramas;
  • die blutige Niederschlagung einer studentischen Demokratiebewegung am 03.-04.06.1989 auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens durch chinesisches Militär;
  • die durch willentliche Vernachlässigung verursachte erhöhte Sterblichkeit von weiblichen Neugeborenen und jungen Mädchen in China;
  • Die Ermordung von Amadeu Antonio Kiowa (*12.08.1962 Quimbele, Angola †06.12.1990 Eberswalde) durch rassistisch motivierte Naziskins;
  • Die Erschießung des dpa-Korrespondenten und SZ-Reporters Egon Scotland (*07.10.1948 Hagen †26.07.1991 Sisak, Kroatien) durch einen Scharfschützen aus dem Kommando des Tschetniks Dragan Vasiljkovic zu Beginn des Kroatienkriegs. In dieser Auseinandersetzung starben weitere 44 Kriegsberichterstatter;
  • das von Ratko Mladic und Radovan Karadzic kommandierte Srebrenica-Massaker vom 11.-17.07.1995 an min. 8.000 Bosniaken;
  • Hinrichtung des nigerianischen Bürgerrechtlers, Schriftstellers, Fernsehproduzenten, Universitätsdozenten und Regierungsbeamten Kenale Beeson Saro-Wiwa (*10.10.1941 Bori, Nigeria †10.11.1995 Port Harcourt, Nigeria) nach einem Schauprozess durch den Strang;
  • Die Erschießung des Friedensnobelpreisträgers und Verständigungspolitikers, des israelitischen Premierministers Jitzchak Rabin (*01.03.1922 Jerusalem †04.11.1995 Tel Aviv) durch den politischen Extremisten Jigal Amir;
  • Sexueller Mißbrauch und Ermordung von Mädchen und jungen Frauen durch den Belgier Marc Dutroux und seine Ehefrau in den Jahren 1995-1996;
  • die Mafiamorde an unbeugsamen und aufrechten Zivilisten, Händlern, Antimafia-Mitgliedern und Politikern;
  • Massaker am 29.06.1996 durch Erschießen von ca. 1200 politischen Häftlingen im libyschen Abu-Salim-Hochsicherheitsgefängnis, nachdem diese wegen schlechter Haftbedingungen revoltiert hatten. Die Körper wurden anschließend in ein Massengrab geworfen und mit Säure übergossen.
  • die Tötung des systemkritischen Philosophen und Schriftstellers Rudolf Bahro (*18.11.1935 Swieradow Zdroj, Polen †05.12.1997 Berlin) durch geheimdienstlich ausgeführte Verstrahlung;
  • das Verhungern- und Verdursten-Lassen von Kleinkindern durch ihre leiblichen Eltern;
  • Walter (*26.01.1962 Dillingen †03.03.1999 Florence in Arizona) und Karlheinz (*20.10.1963 Augsburg †24.02.1999 Florence in Arizona) LaGrande, die man nach ihrem Todesurteil 1984 wegen Bankraubmords 15 Jahre in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung warten und sie kurzfristig vor Vollstreckungstermin wählen ließ zwischen Giftspritze oder Einpersonen-Gaskammer;
  • die gezielte Erschießung des Demonstranten Carlo Giuliani (*14.03.1978 Rom †20.07.2001 Genua) durch die Italienische Polizei, als sich diese mit Globalisierungskritikern des G8-Gipfeltreffens eine Straßenschlacht lieferte;
  • Durchschneidung der Kehle und Enthauptung des investigativen Journalisten Daniel Pearl (*10.10.1963 Princeton, New Jersey, USA; †ca.29.01.2002 Karatschi, Pakistan) durch Chalid Scheich Mohammed;
  • Die Erschießung von Dr. Zoran Djindjic (*01.08.1952 Bosanski Šamac †12.03.2003 Belgrad) durch den Scharfschützen Zvezdan Jovanovic, Vizekommandant der Roten Barette, Slobodan Miloševics Polizei-Sondereinheit. Der demokratisch orientierte Ministerpräsident Serbiens engagierte sich gegen nationalistische und kommunistische Kräfte sowie gegen Korruption und mafiöse Strukturen;
  • Ermordung der schwedischen Politikerin Ylva Anna Maria Lindh (*19.06.1957 Enskede †11.09.2003 Stockholm) durch Messerstiche, ausgeführt vom Neonazi Mijailo Mijailovic;
  • Erdrosselung des neunjährigen Kindes Jakob von Metzlar durch den Jurastudenten Markus Gaefgen, weil dieser Geld brauchte;
  • die Verbrennung des gefesselt auf einer Schaumstoffmatratze liegenden Ouri Jallow aus Sierra Leone am 07.01.2005 in Zelle 5 im Keller des Polizeireviers Dessau;
  • Erschießung der Elektroinstallateurin und alleinerziehenden Frau Hatun Aynur Sürücü (*17.01.1982 Berlin †07.02.2005 Berlin) durch ihren Bruder Ayhan, der damit einen "Ehrenmord" für die Familie realisierte;
  • Entführung, Mißbrauch, Mißhandlung und Ermordung von Kindern, organisiert und gefilmt von päderastisch-perversen Kreisen; die Videos werden im Internet gehandelt;
  • Die Erschießung der Bürgerrechtlerin und Beschützerin des Brasilianischen Regenwaldes Dorothy Mae Stang (*07.07.1931 Dayton, Ohio, USA 12.02.2005 Anapu, Para, Brasilien) durch Auftragsmörder, bezahlt vom Großgrundbesitzer Vitalmiro Bastos Moura;
  • das Versagen von Protektion für kritisch-oppositionelle Journalisten in Russland: die russisch-amerikanische Reporterin Anna Stepanowna Politkowskaja (*30.08.1958 †07.10.2006) war eines der ersten Mordopfer;
  • Erschießung von 10 Personen (2000-2007) durch das ausländerfeindliche, rechtsextremistische NSU-Terrorkommando ("Zwickauer Zelle"), das von der NPD unterstützt wurde. Rassistische Ermittlungen ermöglichten rassistische Morde. Ämter und Behörden vernichteten widerrechtlich diesbezügliche wichtige Akten und Ermittlungsunterlagen;
  • Erschießung des türkisch-armenischen Journalisten und Menschenrechtlers Hrant Dink (*....†2008) durch einen Auftragsmörder. Dink setzte sich gegen die Tabuisierung des Völkermords an den Armeniern ein;
  • die Todesopfer durch Al Quaida- und Taliban-Terrorismus sowie Entsprechungen;
  • Die Erschießung von Tennessee Noel Llewellyn Eisenberg (*23.11.1984 †30.04.2009 Regensburg) durch Polizeikräfte wegen angeblicher Notwehr oder Nothilfe;
  • Tötung von Sergei Leonidowitsch Magnitzki (*08.04.1972 †11.11.2009) durch "nicht standardgemäße" Haftbedingungen in Moskauer Gefängnissen. Er war Anwalt und Wirtschaftsprüfer und hatte einen Betrugsfall in Form illegaler Steuerrückerstattung aufgedeckt (SZ Magazin 06: 08-15 vom 06.02.2015).
  • Die Erschießung der Philosophiestudentin Neda Agha-Soltan (*23.01.1983 Teheran †20.06.2009 Teheran) durch den Basij-Milizionär Abbas Kargar Javid, als gegen die manipulierte Wiederwahl des Präsidenten protestiert wurde;
  • die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini (*07.10.1977 †01.07.2009) im Saal des Dresdner Landgerichts um 10.23 Uhr durch min. 16 Messerstiche, ausgeführt vom islamfeindlichen Russlanddeutschen Alex Wiens;
  • die Erschlagung von Manager Dominik Brunner am 12.09.2009 am S-Bahnhof Solln bei München durch verrohte Jugendliche;
  • Heimtückische Erstechung von Dr. med. Anja R. am 07.08.2010 durch ihren Adoptivsohn Ujal R., der sich im Zustand nicht ausschließbar aufgehobener Schuldfähigkeit befand. Anja R. hat ihn als dreijährigen Waisen 1992 in Bangladesch aufgenommen.
  • Ermordung der 72-jährigen und der Hexerei verdächtigten Ghanaischen Frau Ama Hemmah (†11.2010 Tema), indem ein Mob sie mit Benzin übergoß und sie anzündete. Vor Gericht kamen deswegen sechs Personen, u. a. ein evangelikaler Priester und eine Pädagogin (GEO 03: 20; 2012).
  • Die Erschießung des israelischen Schauspielers, Filmregisseurs und politischen Aktivisten Juliano Mer-Khamis (*29.05.1958 Nazaret †04.04 2011 Dschenin, Westjordanland), der sich für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern einsetzte;
  • Das Massaker 2011 an Ölarbeitern in Kasachstan (Fassadendemokratie; Boland Atabajew);
  • 28.10.2011: Erschießung des Polizisten Mathias Vieth (41) durch die Brüder Raimund Mayr und Rudolf Rebarczyk. bei einer Verfolgungsjagd bei Augsburg anlässlich einer Routinekontrolle;
  • Kindersoldaten, die bei Zwangseinsätzen ihr Leben lassen mussten oder als Selbstmordattentäter (Radio-Meldung am 01.05.2011) missbraucht wurden; 2012 gab es laut UNO und Terre des Hommes in 20 Ländern ca. 250000 Kindersoldaten (BR2 19.12.2012 von 8-9 Uhr); siehe auch DER SPIEGEL 44: 56-60 vom 28.10.2013);
  • Die Ermordung von 77 Personen am 22.07.2011 in Oslo und auf der Insel Utöya durch den antiislamischen Rechtsextremisten und Freimaurer Anders Behring Breivik; der narzisstisch veranlagte, aber voll schuldfähige Einzeltäter verwendete Sprengstoff und eine Schußwaffe;
  • Erschießung des Staatsanwalts Tilman Caspar Turck (*31.03.1980 †11.01.2012) im Amtsgericht Dachau durch den angeklagten Betrüger Rudolf R.;
  • Die Erschießung des unbewaffneten 17-jährigen Farbigen Trayvon Martini am 26.02.2012 in Sanford bei Orlando (Florida), als dieser einen Kapuzenpulli anzog. Dadurch hat sich ein 28-jähriger Weißer, der freiwillige Sicherheitsmann George Zimmerman, angeblich so sehr bedroht gefühlt, weshalb er sein Recht auf Selbstverteidigung mit aller ihm zur Verfügung stehenden Macht ausübte, indem er gezielt schoß. In einer ersten Vernehmung hielt die örtliche Polizei seine Ausführungen für glaubwürdig und ließ ihn frei. Eine später wegen dieses Ereignisses einberufene Gerichtsverhandlung verließ er am 13.07.2013 als freier Mann;
  • Die Erschießung von 108 Zivilisten am 25.05.2012 in der Stadt Hula (Provinz Homs in Syrien) durch regimetreue Schabiha-Milizen;
  • Physische Attacke am 02.12.2012 auf den angeblich parteiischen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen († 03.12.2012) nach dem Amateurfußballspiel Buitenboys gegen Amsterdam Club Nieuw Sloten, an der er tags darauf starb;
  • die wegen Mißbrauchs, Mißhandlung, Betrugs und Mobbings in den Selbstmord Getriebenen, wie z. B. die 46-jährige englische Krankenschwester indischer Abstammung, Jacintha Saldanha (†06.12.2012), die auf einen Telefonstreich zweier Moderatoren des australischen Radiosenders 2Day-FM hereinfiel, wodurch Indiskretionen über das englische Königshaus verbreitet wurden;
  • Afrikanische Flüchtlinge, die nach ihrer finanziellen Auspressung durch Schleuser auf untauglichen Booten im Mittelmeer ausgesetzt wurden und nach dem Kentern ertranken;
  • Ermordung der 23-jährigen Inderin Jyoti Singh Pandey in Neu-Delhi durch Gruppenvergewaltigung und Mißhandlung mit einer Eisenstange (16.12.2012), die ihr in eine Körperöffnung gerammt wurde. Sie starb am 29.12.2012 an den Folgen ihrer inneren Verletzungen in einem Spezialkrankenhaus in Singapur;
  • Erschießung des tunesischen Oppositionellen Chokri Belaïd (*26.11.1964 06.02.2013) durch religiöse Fanatiker. Der Jurist und Politiker trat für Demokratisierung und Trennung von Staat und Religion ein;
  • Es war nur profane Profitmacherei und Termindruck, warum am 24.04.2013 trotz polizeilicher Warnung Textilarbeiter vom Firmenchef Sohel Rana in seine den Sicherheits- und Bauvorschriften nicht entsprechende und deshalb einsturzgefährdete 8-stöckige Fabrik in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeshs, gedrängt wurden. Das Gebäude kollabierte, wodurch 1129 Billigarbeiter (Euro 60.-/Monat) ums Leben kamen;
  • Erschießung der führenden Oppositionspolitikerin Zahra Shahid Hussain (†18.05.2013 Karachi), Mitglied der "Bewegung für Gerechtigkeit";
  • 21.08.2013: Tod von min. 1429 zivilen Opfern in Enklaven der Stadt Damaskus (Syrien) durch das Nervengas Sarin (Methylfluorophosphonsäureisopropylester) und durch Kontamination von Trinkwasserleitungen;
  • 05.12.2013: Tod von sieben chinesischen Billigarbeitern in einer Textilfabrik in Prato bei Florenz, Italien;
  • Der Istanbuler Junge Berkin Elvan (*05.01.1999 †11.03.2014) wollte am 10.06.2013 Brot kaufen, als ihn eine Tränengasgranate der wegen Bürgerprotesten im Gezi-Park in Alarmbereitschaft versetzten Polizei am Hinterkopf traf und er ins Koma fiel, aus dem er nicht mehr aufwachte.
  • 09.02.2014: Erdrosselung der 70-jährigen Frau Karin K. durch ihre arbeitslose Tochter. Als Motiv wird Scham und Zorn vermutet (SZ 46: R05 vom 25.02.2015);
  • 15.02.2014: Vergewaltigung und Ermordung der 13-jährigen Franziska bei Neuburg an der Donau durch den 26-jährigen Stefan B.;
  • Ermordung von Alfons R. (*26.04.1995 Hamburg †05.2014) alias Jibril Atta (Erzengel-Geschenk) auf einem syrischen Kriegsschauplatz durch Kopfschuß. Er kam in die Ulu-Camii-Moschee am Bahnhof Hamburg-Altona, fand im Islam endlich seine Ersatzheimat für fehlende familiäre Nestwärme, ließ sich zum Salafisten radikalisieren und zum Gotteskrieger rekrutieren;
  • 17.07.2014: Abschuß des Passagierflugzeugs Boeing 777 des Fluges MH17 der Malaysischen Airline durch das Luftabwehrsystem Buk-1M prorussischer Separatisten in der Ostukraine, was zum Tod aller 298 Personen an Bord führte; am Absturzort fanden Manipulationen und Plünderungen sowie eine unwürdige Bergung der Leichen statt;
  • Eric Garner (*15.09.1970 †17.07.2014 New York), ein Asthmatiker, wurde Opfer von Polizeigewalt: der Farbige war unbewaffnet und starb bei Anwendung eines Würgegriffes durch einen weißen Polizisten;
  • Erschießung des 18jährigen, unbewaffenten Farbigen Michael Brown durch den weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson (Missouri, USA) am 09.08.2014. Am 24.11.2014 entschied die Grand Jury, dass gegen den Polizisten kein Verfahren eröffnet wird;
  • 04.11.2014: Das junge pakistanische Ehepaar Shahzad Masih und Shama Bibi - christlichen Glaubens - werden von einem ca. 2000 Personen starken Muslim-Lynchmob bei lebendigem Leib in einem Ziegeleiofen verbrannt, weil es angeblich Koranseiten verbrannt haben sollen;
  • Erschlagung der 22-jährigen Lehramtsstudentin Tugce Albayrak (*28.11.1991 Bad Soden-Salmünster † 26.11.2014 Offenbach am Main) durch den Straftäter Senal M.. Sie zeigte Zivilcourage, indem sie in einem Schnellimbissrestaurant anderen belästigten Frauen helfen wollte;
  • 16.12.2014: Erschießung von ca. 130 Schülern und Lehrern/Lehrerinnen im pakistanischen Peschawar durch die Terrororganisation Tehreek-e-Taliban;
  • 03. oder 08.01.2015: Verbrennung des 26-jährigen jordanischen Piloten Moaz al-Kasaesbe durch IS-Jihadisten, die das Geschehen per Video festhielten und ca. 1 Monat später im Netz verbreiteten;
  • 07.01.2015: Erschießung von 12 Personen der Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris durch die islamistisch gesinnten Brüder Chérif und Said Kouachi; Erschießung von vier Geiseln in einem koscheren Supermarkt in Paris durch den islamistischen Antisemiten Amedy Coulibaly am 09.01.2015;
  • 13.01.2015: Erdolchung des erithreischen Flüchtlings Khaled B. in Dresden durch fremdenfeindliche Einheimische;
  • Erschießung des Staatsanwaltes Alberto Nisman (*5.12.1963 Buenos Aires †18.01.2015 ebenda), der wegen eines Bombenattentats im Juli 1994 auf das jüdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires mit 85 Toten und ca. 300 Verletzten gegen die iranische Regierung ermittelte; die argentinische Regierung versuchte die Aufklärung des Verbrechens zu verhindern.
  • 20.01.2015: Erschießung des Veterinärs Frank M. durch den Landwirt Winfired Z. in Klein Behnitz, Kreis Havelland; Z. wollte damit nicht zulassen, dass wegen einer behördlichen Verfügung die Nutztiere von seinem verwahrlosten Hof aus tierrechtlichen Gründen weggebracht wurden;
  • 22.01.2015: Ermordung der 19jährigen Schwangeren Maria P. mittels Stich- und Brandverletzungen, die ihr von ihrem Freund Eren T. - Vater des Kindes - und Daniel M. zugefügt wurden. Sie ist wegen ihm zum Islam konvertiert. Eren T. lehnte das Kind ab;
  • 31.01.2015: Enthauptung des japanischen Journalisten Kenji Goto durch die IS;
  • 11.02.2015: Erwürgung, Erschlagung und Erstechung der 19-jährigen Psychologiestudentin Özgecan Aslan bei Tarsu (Prov. Mersin, Türkei) durch den Busfahrer Suphi Altindöken; vor ihrem Tod schnitt er ihr die Hände ab, mit denen sie sich gewehrt hatte. Anschließend hat er sie verbrannt und liegengelassen.
  • 27.02.2015: Erschießung des russischen Oppositionspolitikers Boris Jefimowitsch Nemzow (*09.10.1959 Sotschi †27.02.2015 Moskau) durch Attentäter.
  • 08.03.2015: Erschlagung des 11-jährigen Schülers Islam Scherif in einer Kairoer Schule durch eine prügelnde Lehrkraft;
  • 19.04.2015: Tod des Schwarzen Freddie Gray in Baltimore nach schwerer Mißhandlung - Rückenmarksverletzung im Halswirbelbereich - am 12.04.2015 in einem Polizeiwagen;
  • 18.06.2015: Erschießung von neun Farbigen in einer Kirche in Charleston (S-Carolina, USA) durch den rassistisch gesinnten 21-jährigen Dylann Storm Roof; er kaufte die .45-Kaliber Pistole mit dem Geld, das er von seinen Eltern zu seinem einundzwanzigsten Geburtstag bekam;
  • 30.07.2015: Messerattacke auf die 16-jährlige Schülerin Schira Banki durch den orthodoxen Fanatiker Yischai Schlissel, als sie an der Gay Pride Parade in Jerusalem teilnahm; sie erlag den Verletzungen am 02.08.2015;
  • 07.08.2015: Massakrierung des indischen Bloggers Niloy Neel, 40 aus Dhaka mittels Macheten. Der Atheist setzte sich gegen islamistischen Extremismus und Fundamentalismus sowie für die Rechte für Frauen und Minderheiten ein;
  • 14.08.2015: Erdrosselung der gekidnappten 17-jährigen Anneli-Marie R. bei Meißen. Die beiden Täter forderten 1,2 Millionen Euro Lösegeld und begingen den Mord, um später nicht von der Entführten identifiziert werden zu können.
  • Folterung und Enthauptung des Archäologen Chaled al-Assaad (*1933 Palmyra †18.08.2015 Palmyra) in Tadmor/Palmyra durch den IS, als er sich weigerte, den Weg zu versteckten Kunstschätzen zu zeigen. Aufgrund seiner Forschungsergebnisse wurde die archäologische Stätte Palmyra 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt;
  • 17.10.2015: Folterung und Ermordung von Oppositionsleiterin Charlotte Umugwaneza, die sich in Burundi für Antikorruption und Menschenrechte einsetzte;
  • Erschießung von Gisela Mota Ocampo (*13.03.1982 †02.01.2016), der Bürgermeisterin von Temixco in Mexico, die sich gegen organisiertes Verbrechen und Drogenhandel einsetzen wollte. Sie war weniger als einen ganzen Tag im Amt;
  • 01.01.2016: Erschießung der 11-jährigen Janina aus Unterschleichach durch den 53-jährigen LKW-Fahrer Roland E., weil er in der Neujahrsnacht seine Ruhe haben wollte;
  • 01.02.2016: Erschießung des ehemaligen Kindersoldaten Wasil Ahmad, 10 Jahre, in Urusgan/Afghanistan durch Taliban, gegen die er in einer Miliz gekämpft hatte;
  • 03.03.2016: Erschießung der honduranischen Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Berta Caceres durch Auftragsmörder Desarrollos Energéticos;
  • 27.04.2016: Ermordung der syrischen Kinderarztes Dr. med. Muhammad Wassim Moaz im Quds-Krankenhaus in Aleppo bei einem Raketenangriff durch die syrische Luftwaffe;
  • 12.06.2016: Erschießung von 49 Gästen im Club "Pulse" in Orlando, Florida durch den radikalisierten Omar Mateen;
  • 16.06.2016: Ermordung der britischen Labour-Abgeordneten Helen Joanne Cox. Sie setzte sich für eine EU-Mitgliedschaft Englands ein und unterstützte Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen;
  • Erdrosselung der Feministin Qandeel Baloch (*01.03.1990 †15.07.2016) durch ihren Bruder Waseem und Cousin Haq in Multan/Pakistan. Mit ihren Einkünften als Sängerin und Model unterstützte sie über Jahre ihre alt gewordenen Eltern; nach dem "Ehrenmord" sind sie mittellos;
  • 03.08.2016: Hinrichtung des 39-jährigen Whistleblowers und Atomphysikers Schahram Amiri, der "Geheimnisse" über das Iran-Atomprogramm an die USA weitergegeben hat, in Teheran durch den Strang;
  • 11.08.2016: Der 31-jährige Khaled Omar Harrah, Mitglied der Civil Defense Forces (Weißhelme), stirbt während einer zivilen Rettungsaktion in Aleppo durch Bombardierung;
  • die Todesopfer wegen absichtlicher Unterlassung längst überfälliger Gesetzgebungen: z. B. Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen, Begrenzung der PS-Zahl eines Autos, fehlendes Gesetz zur regelmäßigen Überprüfung der Fahrtauglichkeit von Führerscheininhabern (nach WHO ca. 1,4 Millionen Verkehrstote im Jahr 2015); Waffenverbot (DIE ZEIT 48: 45 vom 22.11.2012: viele der 6500 Schusswaffentoten 2012 in den USA würden noch leben), Energiekontingent pro Person, etc.)), erreicht durch Lobbyarbeit der Wirtschaft sowie Manipulation, Bestechung oder Erpressung von Entscheidungsträgern durch die Ökonomie-Lobby: so z. B. hat 2003 das BKA halbautomatische Sturmgewehrtypen für den Verkauf und den Schießsport freigegeben (DIE ZEIT 18: 23 vom 25.04.2013;
  • die Todesopfer wegen fehlender vernünftiger Selbstbeschränkung bei Realisierung und Anwendung des machbar-Gewordenen; wie z. B. bei technischen Havarien: Passagierschiff Titanic (1308 Passagiere, 898 Personen Besatzung) am 14.04.1912, Zeppelin D-LZ 129 Hindenburg am 06.05.1937 Lakehurst, New Yersey, USA (13 Passagiere, 22 Personen Besatzung), NASA-Weltraumfähre Challenger (Besatzung: 7 Personen) am 28.01.1986 Atom-U-Boot K-141 Kursk (Besatzung: 112 Personen) am 12.08.2000, etc. pp.;
  • die schleichende Degradation, Entwürdigung und Ermordung von Arbeitnehmern, Zeit- und Leiharbeitern (Neosklaven), die aus den niedrigen Beweggründen Habgier, Machterhalt und Geiz durch Lohndiebstahl, Arbeitszeitverlängerung, Arbeitsverdichtung und Einschüchterung in einen tödlichen Regress ihres Gesundheitszustandes getrieben werden: geschehen z. B. bei der Firma France Telecom, wo deshalb 18 Arbeitnehmer Selbstmord verübten. Siehe auch: Anna K. (2012): "Total bedient. Ein Zimmermädchen erzählt." Hoffmann & Campe. Der zeitkritische Historiker Achille Mbembe bringt in seinem 2014 erschienenen Werk "Die Kritik der schwarzen Vernunft" das Problem der Afrikanisierung der Welt auf den Punkt: Reichtumsakkumulation als Komplement zu Neosklaverei und Unterdrückung in Zeiten der Globalisierung; das ist nichts anderes als eine Fortführung der Sklavenarbeit im 18.-19. Jhd. auf nordamerikanischen Plantagen, durch die der Kapitalismus Fahrt aufnahm, groß wurde und sich etablierte. Wie damals werden heute neben Waren und Kapital auch Menschen und ihre Arbeitskraft gehandelt. "Neger" ist jeder, der nur für den Mindestlohn arbeitet oder auf andere Art wirtschaftlich ausgenutzt wird und somit zwangsweise zur Kapitalanhäufung auf der Arbeitgeberseite beiträgt. Aushebelung / Umgehung / Unterlaufung / Annullierung tausender Gesetze, die ein menschenwürdiges Dasein zwar garantieren, aber kaum um- und durchgesetzt werden.
  • Die Todesopfer durch Umwelt- und Technik-Katastrophen, die des wirtschaftlichen Wachstums und monetären Profits wegen bewusst in Kauf genommenen und von korrupten Politikern abgesegnet werden.

Was bleibt, wenn man all dieses Grauen vor dem geistigen Auge vorbeiziehen lässt und die Gründe dafür zu verstehen versucht?: Sardonisches Gelächter. Diese wenigen Fälle sollen hier stellvertretend für sehr viele Millionen Kreuzigungen im übertragenen Sinne stehen. Und es werden - ohne baldige Aussicht auf Besserung bzw. Humanisierung - noch weit mehr in dieser Größenordnung folgen. Das Schwarzbuch mit der vollständigen Liste verwerflicher anthropogener Gewalt mit Todesfolge muss geschrieben und veröffentlicht werden. Mit seinem Buch "Das Böse" (2011) und mit ihrer Ausstellung "A living man declared dead and other chapters" (2011) (Im Archiv der Tragödien. DER SPIEGEL 38: 136-138, 19.09.2011) haben der Schriftsteller T. Eagleton und die Fotokünstlerin T. Simon einen Anfang gemacht. Die vollständige Liste ist unbezwingbares Argument gegen die Existenz einer übergeordneten steuernden Instanz, über die hartnäckig und wider besseres Wissen stur behauptet wird, sie sei das beste, vernünftigste, weiseste und gerechteste Wesen und regele überall alle Geschehnisse in Güte (Thomas von Aquin) sowie gegen die Existenzberechtigung seiner selbstinthronisierten irdischen Vertreter. Die Rechtfertigung des "Bösen" im Rahmen der Augustinischen Prädestinationslehre - die zudem den freien Willen des Menschen verneint - als Wille Gottes ist inakzeptabel. Die im September 2011 geäusserte Meinung eines Oberinterpreten Gottes, der Herr lasse seinen Menschen die Freiheit, sich für das Böse zu entscheiden, ist hilflos und unverständlich; gleiches gilt für die am 19.09.2011 gegebene Empfehlung, die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott neu zu entwickeln. Auch die im Jahre 1710 von Gottfried Wilhelm Leibniz geäusserten Ideen - dass durch Vorsorge und vollendetes Harmoniebestreben des Weltenlenkers auch durch Böses letztendlich Gutes entstünde, dass der sich selbst überlassene Mensch dank seiner steuernden Vernunft den Weltengang zum Besseren wenden könne und dass er deshalb in der "besten aller möglichen Welten" lebe - haben sich leider in jeder Hinsicht als unhaltbar und unbrauchbar, nur als Wunschdenken erwiesen. Die in eine ferne Zukunft, vielleicht sogar in eine gedachte zeitliche Unendlichkeit verschobene Option einer möglichen Positiv-Wirksamkeit des Bösen erachte ich als problematisch und gefährlich. Ein konkret nachgewiesener Fall, dass aus Bösem später tatsächlich Gutes entstand, ist bis dato nicht bekannt geworden. Diese Position verhöhnt zudem alle Opfer, weil sie Böses als Quelle/Ressource für potentiell Gutes rechtfertigt, es angeblich notwendig macht, ebenso wie das Leid der Opfer. Ausserdem ist im Umkehrschluß noch kein Fall bekannt geworden, dass aus Gutem später Böses geworden sei.

Beispiele für reale Selbstkreuzigungen im übertragenen Sinne:
-
Janusz Korczak (*22.07.1878 oder 1879 Warschau †wenige Tage nach dem 05.08.1942 im KZ Treblinka): Der polnische Arzt, Pädagoge und Kinderbuchautor ließ die ihm anvertrauten 200 jüdischen Waisenhauskinder aus dem Warschauer Ghetto nicht alleine in ihrer Verzweiflung und ging mit ihnen ihren und seinen letzten Weg in eine Hitlerdeutsche Gaskammer, indem er sie auf dem Transport ins KZ bei ihnen blieb. Den vor Ort ihren "Dienst" verrichtenden Nazi-Schergen, die sein Handeln nicht verstanden und die ihn zur Umkehr bewegen wollten, rief er zu: "Nicht jeder ist ein Schuft!";
- Die Pazifistin Alice Herz (*25.05.1882 BRD †26.03.1965 Detroit USA) verbrannte sich selbst, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren;
- Der Theologe Oskar Brüsewitz (*30.05.1929 Willkischken, Memelland, Litauen †22.08.1976 Halle a. d. Saale, Sachsen-Anhalt) verbrannte sich selbst, um gegen die Unterdrückung der freien Ausübung einer Weltanschauung durch die SED-Diktatur in der DDR zu protestieren;
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Jan Palach (*11.08.1948 Melník; †19.01.1969 Wenzelsplatz in Prag), Philosophiestudent, verbrannte sich selbst, um gegen die Rücknahme der Reformen der Regierung Alexander Dubceks zu protestieren;
- Hartmut Gründler (*11.01.1930 Hümme †21.11.1977 Hamburg), ein weitsichtiger, umweltpolitisch engagierter Lehrer, wählte nach erfolglosen Hungerstreiks und Offenen Briefen die Selbstverbrennung, um gegen die Atompolitik der Regierung der BRD zu protestieren (DIE ZEIT Nr. 17: 18; 20.04.2011);
- Plamen Goranow (*1977 †20.02.2013 Warna, Bulgarien), um gegen Korruption und Machtmißbrauch in der Regierung und den Behörden Bulgariens zu demonstrieren (DER SPIEGEL 19:86-88 vom 06.05.2013);
- Siehe auch die Liste politischer Selbstverbrennungen unter der Adresse http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_political_self-immolations. Grauenhaft die 2011-2012 nicht enden wollende Serie von Selbsttötungen tibetischer Mönche, die auf diese Art für freie Ausübung ihrer Weltanschauung demonstrieren.
- freiwillige Helfer, die bei ihren Arbeits - und Rettungseinsätzen in havarierten Atomkraftwerken (Tschernobyl 26.05.1986, Fukushima 13.05.2011, etc. pp.) wissentlich eine möglicherweise tödliche Strahlendosis erhielten. Die kurze und lapidare Antwort ging um die Welt, als einer der letal verstrahlten Ukrainer Reaktor-Arbeiter im Krankenhaus nach seinem Gesundheitszustand gefragt wurde, den er vor laufender Kamera als "normalno" bezeichnete.

Beispiele für virtuelle Kreuzigungen im übertragenen Sinn:
- Lady Macbeth war in die düsteren und verbrecherischen Handlungen ihres machtbesessenen Ehemannes, dem König von Schottland, involviert. Später quälte sie sich zunehmend mit schweren vernichtenden Schuldgefühlen, die sie über die Grenze ihrer moralisch-psychischen Belastbarkeit hinaus brachten. Beim nächtlichen Schlafwandel versuchte sie immer wieder vergeblich, das Blut, das sie an ihren Händen wähnte, zu entfernen (erste literarische Dokumentation einer Zwangshandlung). In ihrer ihr selbst unerträglich gewordenen Einsamkeit und Verzweiflung richtete sie schließlich all ihre negative Aggression gegen sich selbst, indem sie - sich selbst kreuzigend - von der Burgmauer in den Tod sprang. Düster-phantastische Verfilmung des tragischen Shakespeare-Werkes durch Regisseur Roman Polanski.
- Othello....
- Riccardo Fontana begleitete die in Rom selektierten 8000 Juden auf ihrer Deportation nach Auschwitz in den Tod. Rolf Hochhut (1963): Der Stellvertreter.
- Anna Seghers umschrieb mit dem treffenden Titel "Das 7. Kreuz" die Leiden von KZ-Gefangenen inmitten der barbarischen Nazi-Tyrannei.
- Michel, die Hauptfigur in Aldous Huxleys Roman "Schöne neue Welt", lebte als Aussenseiter in einem doktrinären Staatssystem und geriet durch dessen unmenschliche Regeln sowie erniedrigende und entwürdigende Gebräuche in unlösbare Probleme und Konflikte mit sich selbst, was ihn - "den Wilden" - schließlich in den Freitod - die Selbstkreuzigung - trieb.

Versuch einer Zusammenfassung und eines Ausblicks:
es wird ein zeitlich persistenter, geistig-moralischer Mangel erörtert, der fatalerweise sehr viele Menschen kennzeichnet und eine kolossale und erstaunliche, immer bedrückendere, weil zunehmende Differenz zum technisch-wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit darstellt. Diese sich öffnende Schere bedeutet auch wachsende Gefahr; bildlich: ein Monster im mit Ehrenabzeichen dekorierten Militäranzug hockt in der Kommandozentrale aller atomaren Gefechtsstationen einer im Sinkflug befindlichen Supermacht, aktiviert den Roten Knopf und brüllt: "Mission accomplished!". Trotz vielfältiger und ernsthafter Zivilisierungsbemühungen wie
Deklaration der Menschenrechte durch die Nationalversammlung in Paris im Jahr 1789 (sind garantiert nicht die "Früchte" genannter Weltanschauung), Abschaffung von Lehnswesen, Leibeigenschaft (waren garantiert die "Früchte" genannter Weltanschauung) und Sklaverei, Teilabschaffung und Ächtung von Folter und Todesstrafe, Einrichtung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Abschaffung der Apartheid und Ächtung von Rassismus, Wahrheits- und Versöhnungskommissionen, Formulierung und Durchsetzung von Bürgerrechten, Magna Charta Libertatum, Habeas-Corpus-Akte, Demokratisierung, die am 19.12.1948
durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen erfolgte einstimmige Beschließung (Ratifizierung am 12.01.1953) der von Raphael Lemkin formulierten und unterbreiteten Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes (Genozid), Russell-Einstein-Manifest, Grundrechte auf gute Bildung, Arbeit (adäquat bezahlt und angemessen) und ausreichend Nahrung, Universal Declaration of Human Responsibilities (1987), Gleichberechtigung von Frau und Mann, dauerhaft umweltgerechte und ökologisch tragfähige Entwicklung (Brundtland-Kommission 1987: sustainable development), Kinderrechte, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (2006), stärker werdende Rufe nach Fairness in Produktion, Handel und Entlohnung, Welthungerhilfe, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen, Bündnisse gegen Gewalt, SALT-Verträge, Weltsozialforum, Global Witness, Transparency International, Friedensforschung, Friedensinstitut SIPRI in Stockholm, Hipp-Ethik-Charta, Zonta-International, Fairness- und Sachlichkeitsgebote, nationale Ethikräte, veröffentlichte naming-and-shaming-Listen, Democracy International, Verein für demokratisches Wirtschaften, Verein Frauenwürde, Terre des Femmes, Ärzte ohne Grenzen, Kinderschutzbünde, Safe World for Woman International, Stiftung Fairness, Respect Research Group, civicus: world alliance for citizen participation, Civitas Maxima, civil right defenders, anti-defamation-league, etc. pp.
stagnieren oder regredieren Individuen und/oder Kollektive in ihrem kulturellen Entwicklungsgrad, indem sie 1) wegen Statuserhalt oder -erwerb, Gierbefriedigung, Vorteilnahme und soziopsychologischem Druck (Konformität; unendliche Verbiegsamkeit) Machtmißbrauch in Form exzessiver Gewaltausübung und Unterdrückung pflegen und 2) Gewaltdarstellungen konsumieren und in beiden Fällen 1)-2) nicht wahrnehmen, wie sie selbst dabei immer weiter entmenschlichen und sich selbst erniedrigen. Erstere Verhaltensweise ist typisch für sogenannte "selbsternannte Herrenmenschen" (totalitäre selbsternannte wahnhaft "Allmächtige", die alle anderen und sich selbst überflüssig machen: Hannah Arendt: Ihr Denken veränderte die Welt. Hrsg.: M. Wiebel, Piper 2013), welche die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit aller Menschen leugnen: das sind die eingangs genannten inhumanen, extremistischen Individuen, die auch in Ermangelung jeglichen Selbstwertgefühles, jeder positiven Empathie und jeglicher Würde anstelle von Humanität und Fairness nur Gewalt, Willkür, übersteigerte Freiheit, Nihilismus und (Selbst)zerstörung kennen und ausserstande sind, ihre in vollen Zügen hemmungslos gelebte und genossene verwerfliche natürliche Gewaltkonstante zurückzunehmen oder diese selbst zu erkennen. Wie z. B. viele NS-Generäle, die mit ihrem Kadavergehorsam, ihrer verqueren Pflichtauffassung und ihrem blinden Überzeugungswillen dazu beitrugen, dass der zweite Weltkrieg länger dauerte und auch mehr Opfer forderte (Ian Kershaw 2011: Das Ende. Holger Afflerbach 2013: Die Kunst der Niederlage. Eine Geschichte der Kapitulation.- C. H. Beck. Siehe auch DIE ZEIT 5: 16 vom 26.01.2012). Weitere Fälle sind u. a. treffend beschrieben worden in E. Klee (2011): "Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945." Die Ausführung verwerflicher Gewalt setzt voraus, dass sich der Aggressor über sein Opfer erhebt und den Herrenmenschen gibt; der Mörder spielt sogar den "Lieben Gott" - der angeblich über Leben und Tod entscheidet - und unterdrückt damit seine Tötungshemmung noch besser. Leider ist dazu fast jeder normale Mensch in der Lage, wenn man z. B. Profit machen möchte, seine Macht prüfen will oder wenn angeblich eine "gesellschaftlich markante Rechtfertigung" konstruiert bzw. manipulativ geschaffen worden ist (H.-L. Kröber 2012: Mord - Geschichten aus der Wirklichkeit; Rowohlt). "Gewalt entsteht immer aus autoritärem Denken, das besagt: meine Rechte sind wichtiger als Deine, ich bin mehr wert. Meine Rechte sind so umfassend, dass ich sogar das Recht habe, Dein Leben zu beenden. Du gehörst mir, ich kann Dich wegwerfen und zerstören." (Schriftstellerin Rebecca Solnit in ZEIT MAGAZIN 32: 17-25 vom 06.08.2015).
Zweiteres, die Faszination von Gewaltdarstellungen, beruht u. a. darauf, dass der Mensch, angeregt von medialen Inhalten und seiner Fantasie, in geschützten Bereichen (Theater, Oper, Kino, etc.) oder virtuellen Räumen (Romane, TV, Internet, PC-Spiele) seine negative Aggressivität experimentell oder spielerisch ausleben kann ("Katharsis"), ohne anderen dabei unmittelbar zu schaden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass exzessiver Konsum trivialer Medienangebote die Intelligenz mindert (M. Spitzer: digitale Demenz; siehe auch: Lindsay A. Robertson et al. (2013):
Childhood and adolescent television viewing and antisocial behavior in early adulthood.- Pediatrics http://dx.doi.org/10.1542/peds.2012-1582); solch ein Verbrauchsverhalten zeitigt also problematische Auswirkungen. In dem Zusammenhang müssen endlich wissenschaftlich fundierte Tatsachen erbracht werden, wie der Konsum von Gewaltdarstellungen in den Medien Psyche und Sozialverhalten von Menschen beeinflusst. Ergebnisse in der sozialpsychologischen Forschung zeigen, dass der Anteil an Gewalttätern und Sadisten ca 5% der Bevölkerung ausmacht, längere Gewaltexposition die Hemmschwelle bei Menschen senkt und derart beeinflusste Individuen verrohen (DER SPIEGEL 14/2011: 42-49). Eine sichere Folge daraus ist, dass Kindererziehung während Kriegszeiten und in Nachkriegsjahren kaum gelingen kann (Philanthrop und 1. Friedensnobelpreisträger Henry Dunant: "Krieg tötet auch die Seele"). Mich irritiert, dass die Morde in deutschen Bildungseinrichtungen für Jugendliche (Villingen, Erfurt) durch labil gewordene, weil massiv gemobbte und z. T. vernachlässigte Aussenseiter pauschal als "Amokläufe" (lt. Brockhaus 2000 bedeutet das malaiische Wort Amok: plötzliche Geistesgestörtheit mit starkem aggressivem Bewegungsdrang; wahllose Zerstörungs- und Tötungsversuche), also planloses Töten, offiziell klassifiziert wurden. Ich denke eher, dass die in die Verzweiflung Getriebenen vor Ausführung ihrer Suizide versuchten, durch gezielte Attentate möglichst viele ihrer Peiniger in den Tod mitzureißen; natürlich geschahen diese erweiterten Suizide in eben jenen Anstalten, wo sie über Jahre vernachlässigt und gequält wurden. Die Schüsse am 22.07.2016 in München hingegen geschahen aus ähnlich gelagerter Motivation, trafen aber wohl aus generalisiertem Vernichtungsdrang nicht die Mobber. Ich denke, dass die aus leicht verständlichem Grunde verstockt - wie Altnazis - schweigende Restgruppe der überlebenden Mobber und untätig gebliebenen Verantwortlichen seither ein unerträglich schlechtes Gewissen quält; und freilich ist das nur recht so. Siehe auch: DER SPIEGEL 48: 47-49 vom 25.11.2013.
Die Befunde des australischen Psychologen Mark Dadds geben Anlass zur Hoffnung: das negativ-auffällige Verhalten psychopathischer, emotionslos-kalter Jungen konnte in täglichen, 10 Minuten dauernden Sitzungen gebessert werden, indem die Eltern ihnen mit freundlicher Stimme und Aug in Auge sagten, dass sie sie mögen (DER SPIEGEL 48: 136-138 vom 26.11.2012). Ebenso die Ergebnisse der Forschungen der Arbeitsgruppen um E. Hepper (Personality and Social Psychology Bulletin 40: 8, 2014) und C. Keysers & V. Gazzola (Trends in Cognitive Sciences 18: 4, 2014), die darauf hindeuten, dass Narzissten und sogar Psychopathen zu empathischem Verhalten motiviert werden und dieses erlernen können.

Die Meinung des Evolutionspsychologen und Gewaltforschers Prof. Steven Pinker (Univ. Harvard, USA), nach der die Zeit der Aufklärung in Europa eine nachhaltige, stetig wirkende, humanitäre und moralische Entwicklung in Richtung Gewaltverzicht und globalisierter Friedfertigkeit hervorgebracht habe (S. Pinker 2011: Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit. S. Fischer Verlag), teile ich nur eingeschränkt; ebenso die von Prof. Ian Morris (Archäologe und Historiker der Univ. Stanford, USA), der behauptet, dass langfristig gesehen das produktive Kriegführen für die Menschheit von Nutzen war: es hat angeblich ihr Zusammenleben sicherer und ihr Dasein reicher gemacht; Gewalt ist ihm zufolge in den vergangenen 10000 Jahren insgesamt reduziert worden (Ian Morris 2014: Krieg. Wozu er gut ist). Pinkers Lobpreisung der Menschheit, die sich angeblich betreffend verwerfliche Gewaltanwendung gebessert haben soll, erscheint mir verdächtig: sie ähnelt einer zweiten Krönung der Menschheit, weil mit dem angeblich erreichten Gewaltverzicht die Schöpfung sich optimiert habe: zum einen ist es riskant und moralisch problematisch, als spezialisierte Fachkraft auf dem weiten und unübersichtlichen Feld stetig praktizierter anthropogener Gewalt mit seinen sich wandelnden, schwierig einzuschätzenden und zu bewertenden und neu hinzukommenden Komponenten Entwarnung zu geben, indem man eine "beispiellose Phase des Neuen Friedens" erkannt zu haben meint und dies auch noch laut kundtut (S. Pinker in DER SPIEGEL: 42: 152-155, 17.10.2011; GEO 12: 134-135, 2011). Dass sich die Situation wahrscheinlich anders entwickelt hat, zeigen schon mehrere kleine Gegenbeispiele auf sowohl lokaler als auch globaler Ebene des Zusammenlebens: 1: den archaischen Ritus der Hooligan-Schlägereien, bei dem regelmäßig Kämpfer-Gruppen im sich zivilisiert nennenden Europa übereinander herfallen und auf diese Art ihren Aggressionsstau abbauen (Süddeutsche Zeitung Magazin 11: 32-39 vom 16.03.2012); in Russland gibt es Fan-Gruppen mit sehr ähnlichem Verhalten (Pavel Wolkow in DER SPIEGEL 48: 111 vom 24.11.2014); 2: bei einem Viertliga-Fußballspiel in Brasilien wurde der Schiedsrichter von einem Spieler erstochen, woraufhin die Zuschauer letzteren lynchten: sie zerstückelten seinen Körper und spießten den mit Machete abgehackten Kopf auf einem Zaunpfahl auf (DER SPIEGEL 45: 118-120 vom 04.11.2013). 3: Den besten Aussichten auf totale Freiheits- und Gewalträusche (Wolfgang Sofsky) konnten hunderte, während ihrer Erziehung in Kindheit und Jugend traumatisierte Europäer nicht widerstehen, indem sie sich der in Syrien und Irak gewaltsam ausbreitenden IS anschlossen und ihre dort verliehen bekommenen Lizenzen zum Morden intensiv auslebten (SZ 199: 03 vom 30./31.08.2014; Psychiater Andreas Krüger in DER SPIEGEL 49: 56 vom 01.12.2014); Sozial- und Aggressonsforscher Klaus Wahl nennt dieses Verhalten "Rationalisierung", wenn sich aggressiv und kriminell Veranlagte politisch oder weltanschaulich radikalen Gruppen anschließen, um ihrem starken Drang nach Gewaltausübung eine "höhere Weihe" zu verleihen. Ich denke zudem, dass in Anbetracht der vielen im 20. und 21. Jhd. neu entwickelten direkten (z. B. Massenvernichtung, Drohnen-Technik) und indirekten sowie exportierten Gewaltformen, ihren komplexen Vernetzungen und ihren zeitlichen Fernwirkungen auf zukünftige Generationen (Ressourcenkriege, Überbevölkerung [sie impliziert die aus dem Ruder gelaufene gewaltsame Verdrängung anderen Lebens: ca. 120 Arten starben 2012 täglich im Mittel aus], Verdichtung, Ressourcenverknappung, Klimawandel, etc.) von der Vernunft und dem Hausverstand her kaum Anlass zu Optimismus betreffend globale Gewaltminderung gegeben sein kann. Siehe auch Blain Harden (2012): "Flucht aus Lager 14", Deutsche Verlags-Anstalt München; Manfred Nowak (2012): "Folter. Die Alltäglichkeit des Unfassbaren. Kremayr & Scheriau, Wien.": auch in diesen Beispielen wird gezeigt, in welchem Ausmaß alleine die herkömmlichen, tradierten, hier von Staatsorganen mißbrauchten Gewaltformen und –techniken persistieren. Gegen Pinkers Ansicht spricht auch, dass bei militärischen Auseinandersetzungen das Opferzahlenverhältnis zwischen Zivilisten und Soldaten sich im Laufe des 20. Jhds immer weiter zu Ungunsten ersterer verschoben hat (1. Weltkrieg: 1:10; 2. Weltkrieg: 1:1; danach überwiegen zivile Opfer immer mehr und es fiel - trotz Menschen- und Völkerrechten, Soldaten-Ehrenkodici, Haager und Genfer Konventionen, etc. - nahezu jede Beißhemmung weg) und dass diverse Kriegstechniken der Massenvernichtung erst im 20. Jahrhundert entwickelt und angewendet wurden und ihre Entwicklungsgeschwindigkeit eskalierte: am 22.04.1915 sind von den reichsdeutschen Chemikern O. Hahn, F. Haber und J. Franck industriell hergestellte große Chlorgasmengen im Stellungskrieg bei Ypern als Massenvernichtungsmittel erstmals eingesetzt worden (von Schirach, R. 2012: Die Nacht der Physiker); die erste geplante Vernichtung einer gesamten Stadt - Guernica - fand mittels Flächenbombardierung am 26.04.1937 durch die "Legion Condor" der Luftwaffe der Deutschen Reichswehr statt; Im übertragenen Sinne fand also die Zerstörung Karthagos erneut statt. Acht Jahre später, am 06. und 09.08.1945, erfolgte diese Form der Massenauslöschung in den beiden japanischen Küstenstädten in Sekundenschnelle. Deshalb denke ich nicht, dass die Reliefs der beständig selbst sich neu gestaltenden Gewaltlandschaften der Menschheit langfristig allmählich flacher, glatter und sanfter geworden sein sollen. Sinnvoller wäre doch gewesen, wenn Herr Pinker eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung über die Evolution verwerflicher anthropogener Gewalt geschrieben und treffende Gründe genannt hätte, warum es so kam und es nicht bzw. bestenfalls kaum besser geworden ist betreffend die Anwendung verwerflicher anthropogener Gewalt. "Normale Menschen waren vor 200 Jahren nicht gewalttätiger als heute" (Martin Zimmermann 2013: Gewalt. Die dunkle Seite der Antike). Biophilosoph Eckart Voland ist der Meinung, dass das Gewaltpotential im Menschen über die Zeit unverändert geblieben ist (SZ 150: 22 vom 03.07.2015).
Nun zu Herrn Prof. Morris' Aufwertung - Weihe und Veredelung - des Kriegführens und seinen angeblich positiven Gesamtaspekt: Seine oben zitierte zynische Rechtfertigung und Vernutzwertung des Jahrtausende währenden Bellizismus, der angeblich das Zusammenleben verbessert haben soll, verhöhnt alle Opfer, indem er sie zu angeblich notwendigen Schlachttieren degradiert und verhöhnt alle Versehrten, Veteranen und alle Nachkriegsgenerationen, welche die materiellen und seelischen Folgen dieser Elementarereignisse durchzustehen hatten. Nach dem gedanklichen Modell von Prof. Morris waren all die ungezählten, verfrühten, gewaltsamen und gräßlichen Tode notwendig, vernünftig und nützlich, weil unzählbare Gruppen bei all ihren über die Jahrtausende gehenden Auseinandersetzungen in der Entwicklung ihrer Kommunikationstechnik erstaunlicherweise kaum vorankamen und sie in den meisten Fällen keinen besseren Weg in Richtung Konfliktlösung fanden: anstelle der Diplomatie kam nur die Maximalform negativer Aggression zum Einsatz: der Krieg. Es beschämt, in einem denkbar schlechtesten Vorgang, der angeblich langfristig zur Entwicklung einer besseren Situation - den Frieden - beitragen soll, mit der Hergabe des Lebens nur "wie ein Nutztier gedient" zu haben; da klingt "dulce et decorum est pro patria mori" schon wieder an. Es ist zudem moralisch und wissenschaftlich fragwürdig, ein Maß für Friedlichkeit und Sicherheit nur in statistisch berechneten Prozentzahlen gewaltsamen Sterbens zu sehen; das greift wegen komplexer Gegebenheiten, Entwicklungen und komplexen Geschehens, was zudem Versöhnungen und Friedensschlüsse immer schwieriger macht, viel zu kurz. Es ist nur absurd und widersinnig, einerseits von "Wir sind Killer" zu sprechen und andererseits allen Waffengängen zusammen einen höheren, edlen Sinn zuzusprechen, indem angeblich in Zukunft alle jemals geführten Kriege dauerhaften Frieden gebracht haben werden. Die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch meint hingegen, dass permanentes Kriegeführen selektiv einen Menschentypus erzeugt, der garantiert unfähig ist zum zivilen, friedlichen Leben und nur mehr in bellizistischen Kategorien denken kann (DER SPIEGEL 14: 104-105 vom 28.03.2015). Es ist gefährlich, das Kriegführen zu rationalisieren; natürlich ist Morris‘ Beitrag eine Rechtfertigung des Kriegführens, obwohl er sich im Interview davon distanziert (DER SPIEGEL 02:102-105 vom 06.01.2014). In dem Kontext ist auch das von Morris gebrachte Zitat von Thomas Hobbes (1651: Leviathan, 1658: Über den Menschen) überholt, welches besagt, dass vor Einführung des Staatswesens wegen Selbsterhalt und Machtgier ständiger Krieg aller gegen alle (Gewalt- und Kriegsanarchie) herrschte: die Tötungs- oder Beißhemmung sowie die Kooperation in Gruppen sind evolutionär entstandene notwendige Verhaltenseigenschaften, durch die ein Weiterbestehen von Lebewesen erst ermöglicht wird. Friedensinitiativen und -organisationen wären nach Ansicht von I. Morris obsolet und kontraproduktiv. Weiter spricht gegen seine These, dass sich über die Jahrhunderte das gemittelte globale technische pro-Kopf-Tötungspotential, berechnet aus der jeweils zeitbezogenen Gesamtzerstörungskraft aller weltweit vorhandenen Waffen, sich stetig erhöht hat und seit Beginn der Industrialisierung eskaliert ist (Erfindung und Massenherstellung von Dynamit, Ammonium, mineralischem Phosphor, Salpeter, Giftgas, Kernwaffen, Präzisions- und Repetitionswaffen, etc.). Ein weiterer Punkt ist, dass das Töten im Laufe der Jahrhunderte immer effiziente, leichter, schneller, präziser, einfacher und weniger anstrengend durch beständigen und beharrlich-aggressiven Waffentechnik-Fortschritt gemacht worden ist: früher ging es mit Schwert Mann gegen Mann und das Hineinrammen und Herausreißen des scharf geschliffenen Eisens war eklig und mühsam; heute hält man sich vom Ort maximalen Grauens, dem Mord-Geschehen, vornehm, feige und unfair distanziert: man zieht nur mehr an einem Abzug oder macht einen OK-Mausklick auf einem PC-Monitor im Bunker. Eine Weiterentwicklung dieser Technik sind sogenannte autonome Waffensysteme - Killer-Roboter - , die weder Empathie noch Humanität kennen können, sondern nur auf effizientes und schnellstes Töten programmiert sind. Hier wird einem mathematischen Programm die Entscheidung über Leben oder Tod überlassen. Es erstaunt, dass auch diese, an Zynisnmus und Verantwortungslosigkeit nicht zu toppenden Systeme mit dem Völkerrecht angeblich vereinbar seien. Gerade die Waffentechnik-Eskalation seit Beginn der Industrialisierung, also die damit verbundene Entpersonalisierung, Potenzierung, Automatisierung, Mechanisierung und Simplifizierung zwecks effizienten Tötens sowie die immer weiter verbesserte Distanzschaffung beim Töten - damit es noch leichter von der Hand geht - sprechen dagegen, dass die Menschheit durch all ihre vorangegangenen Kriege angeblich friedfertiger geworden sein soll. Der absurde, idiotische und letztendlich selbstzerstörerische Wettlauf zwecks schnelleren Erreichens militärischer Überlegenheit war, ist und bleibt konstant Haupttreibsatz der Technikentwicklung; und auch dieser Tatbestand ist unvereinbar mit der These von I. Morris, dass Kriegführen produktiv sein kann und solches problembeladene Gebaren letztendlich zum Frieden führt. Freilich ist auch diese Aussage gefährlich und steht unter Generalverdacht, weil schon viele Herrscher täuschten, indem sie Frieden predigten, aber Krieg wollten. Ich frage mich, ob solche Autoren ihr Fachwissen auf diese Art anwenden und verbreiten, weil sie von der globalen Waffenlobby und diversen militärisch-industriellen Megakomplexen zumindest beeinflusst worden sind. Und angesichts des nicht enden wollenden Gewalt-Elends auf der Welt sind Beiträge dieser Art an Verantwortungslosigkeit, Zynismus und Unsensibilität nicht zu toppen. Pfui, mir graut und mich ekelt vor solchen Wissenschaftlern. Wenn seit Beginn der Industrialisierung analog zur beschleunigten Technik- und Wissenschaftsentwicklung eine ebensolche, in Qualität und Quantität vergleichbare Moral- und Vernunftsentwicklung anstelle einer Ego-, Nützlichkeits- und Materialismus-Eskalation stattgefunden hätte sowie umgesetzt und verinnerlicht worden wäre, dann wären oben kommentierte Beiträge niemals geschrieben worden, die nur noch mehr Öl im Feuer sind und erstaunlicher Weise verlegt wurden.

Vernünftige, zukunftsfähige Zivilisation kann nur als langzeitbeständiger Prozess fortschreitender Gewalteingrenzung, -extraktion, -neutralisierung und -zurückdrängung in einer global immer weiter vernetzten Gesellschaft verstanden werden. Es muss darüber nachgedacht werden, warum der zeitliche Durchläufer der Beständigkeit der verwerflichen menschlichen Gewaltkonstanten parallel zum sozialen Evolutionsprinzip - darunter verstehe ich den Zivilisationsdruck in Richtung ständiger Qualitätsverbesserung des Zusammenlebens zwecks Minderung kollektiven Schmerzes im weiteren Sinne (S. Freud) - besteht und - wenn ja - warum dies leider so ist.
Der Philosoph Günther Anders fasste dieses Problem unter dem Titel "Die Antiquiertheit des Menschen" (1956) zusammen: viele Menschen seien "Analphabeten der Angst," - der Emphatie, der Empfindsamkeit, Sorgsamkeit und der Ästhetik (Ergänzungen durch den Verfasser) - und ihrem Handeln und Produzieren moralisch nicht gewachsen: "Zerbomben können wir zwar Hunderttausende; ....beweinen oder bereuen aber nicht." (DER SPIEGEL Nr. 12: 124-125 vom 21.03.2011).
Es geht dabei aber auch um das Erkennen und Einsehen eigener Fehler und die Wucht der Erkenntnis des eigenen Versagens. Ich selbst versuche es mittels Selbstdialog: wenn Zeit ist, blicke ich zurück und stelle mich in Gedanken den eigenen Fehlern und Versagensmomenten und versuche dabei, so viele wie möglich zu erinnern. Und da stehen sie dann alle um mich herum versammelt wie die Bäume in einem dichten und großen Wald und ich sehe im Dämmerlicht jeden einzelnen an und überlege, wie es dazu kam und was ich falsch gemacht habe und warum. Ein selbst produzierter Fehlerwald aus vielen Gedenkstätten und Mahnmalen, auf denen das "Nie wieder!" steht. Ja, das alles ist geschehen, ist nicht mehr zu ändern, es gibt keine Ausrede mehr, es gibt nichts mehr zu beschönigen. Nicht Wegblicken, Davonlaufen oder Verdrängen, sondern seinen eigenen abscheulichen, ekligen Versagensmomenten tief in die Fratzen blicken und die Wucht und Sprengkraft ihrer Erbärmlich- und Niedrigkeiten aushalten lernen. Und weil man all dies so schändlich, abstoßend, peinlich und mißlich empfindet, was einen da selbst betrifft, kann man gar nicht anders als sein Verhalten so zu ändern, dass man demselben nicht nochmal in die Augen blicken muß, weil man nur Wiedergänger geblieben ist. "Erfahrung ist die Summe aller meiner - erkannten (Ergänzung durch den Autor) - Irrtümer" (T. A. Edison). Mir bleibt nur zu hoffen, dass es zumindest weniger neue Fehler werden, die ich noch machen werde. Allgemein gilt: das Nichteingestehen von Fehlern und das sture Weiterführen entsprechender Verhaltensweisen führt stets in individuelle oder kollektive Katastrophen.
Siehe auch: GEO 03: 136-149; März 2012. Langzeitbeständige Verweigerung von Aufarbeitung - negative Resilienz - führt garantiert zum nächsten Krieg. Freilich verstehe ich auch, dass der Gedanke an das Ablassen vom Dünkel des überlegenen Herrenmenschen für viele Alt- und Neonazis unerträglich ist.

Je länger die Liste der Gewalt fortgeschrieben wird, desto problematischer, schlechter vermittelbar, peinlicher und unverträglicher wird ihr Transfer an Erziehungsbefohlene, wenn diese sich in Bildungsanstalten mit der Menschheitsgeschichte zu befassen haben; mit Hilfe des Internets, entsprechenden Sachbüchern in Bibliotheken sowie Dokumenten in Archiven kann begonnen werden, diese Liste - eine Tabelle mit vielen vielen Millionen Zeilen - zu erstellen. Jugendliche können daraus nur schließen, dass der durchschnittliche Mensch in der Masse aus der Geschichte seiner verwerflichen negativen Aggressionshandlungen - seinen schweren Fehlern - und ihren verheerenden Folgen nichts lernt: statt der unerbittlich korrekten Verbreitung ernüchternder historischer Geschehnisse und lehrreicher Wirklichkeit praktiziert er vielmehr organisiertes Sakralisieren, Heroisieren, Euphemisieren, Vergessen, Bagatellisieren, Verdrängen, Leugnen, Kaschieren, Ignorieren, Lügen und Verbieten und begeht damit immer größere Fehler in Endlosschleife. Beispiele:
- der bei passender Gelegenheit immer wieder zitierte schönfärberische Satz "Dulce et decorum est pro patria mori";
- die im 17. und 18. Jhd. in Auftrag gegebenen Schlachtenbilder, welche die grausamen und blutigen Kämpfe gezielt verfälscht, nämlich heroisierend und gewaltverherrlichend darstellen; wie z. B. die "Alexanderschlacht" von Albrecht Altdorfer und die "Belagerung von Kosel" von Wilhelm Kobell. Siehe auch Wolfgang Sofsky (2011): "Todesarten. Über Bilder der Gewalt." Darin wird die Begierde des Tötens und die Ohnmacht des Sterbens veranschaulicht, was den Betrachter erregt und gleichzeitig verstört.
- das Verbot des Antikriegsbuchs "Jugend ohne Gott" (Ödon von Horvath) und des Antikriegsfilms "Im Westen nichts Neues" im Deutschen Reich: Letzteres ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Erich Maria Remarques, das als größtes Vermächtnis aller im ersten Weltkrieg Gefallenen interpretiert wird;
- die Sakralisierung, Erhöhung, Aufwertung und Verherrlichung bewaffneter Auseinandersetzungen als "Heiligen Krieg", "ultima ratio", "bellum iustum" und "Totalen Krieg"; das erste Militärmuseum Deutschlands, in dem detailliert Leid und Gräuel der Kriege explizit dargestellt sind (DER SPIEGEL 27: 104-107 vom 04.07.2011), ist erst im Jahr 2011 eröffnet worden. Unerträglich töricht die Behauptung, dass "der Krieg der Vater aller Dinge sei.", weil sie maximal geballte negative Aggression zum Motor des Lebens und seiner Entwicklung verklärt. Wäre dieser Satz - ein Auswurf übelster, böswilliger Polemik - richtig, dann müsste der Mensch seine zivilisatorischen und kulturellen Bemühungen sofort einstellen und zu den Waffen schreiten;
- die Bezeichnungen der Schießwaffe Colt als "Peacemaker", der Neutronenbombe als "saubere Atombombe" und eines Laser- und GPS-gestützten Bombardements als "chirurgische Operation";
- die Verharmlosung des "Freundeskreises Heinrich Himmler" als "Gremium der Funktionslosigkeit": in diesem Männerzirkel, der sich bis 1944 in Berlin monatlich versammelte, freundeten sich Repräsentanten aus Wirtschaft, Industrie, Verwaltung und Politik an und koordinierten ihre ideellen und materiellen Interessen (DIE ZEIT 40: 21 vom 29.09.2011);
- das Ignorieren, Vergessen wollen, Bagatellisieren, Maskieren und Verdrängen von NS-Verbrechen bis heute und der Tatsache, dass in diesem Land echte und nachhaltige Entnazifizierung leider nur in den seltensten Fällen tatsächlich realisiert wurde (DIE ZEIT Nr. 5: 18 vom 27.01.2011; Nr. 23: 21-22 vom 01.06.2011); ein quälender Mißstand sich steigernder Verlogenheit, der in den Studenten- und Arbeiterprotesten 1967/1968 öffentlich kritisiert, angeprangert und Gegenstand einer bundesweiten Rebellion wurde. Dieses Dauerleugnen des NS-Schweigekartells (Hermann Lübbe: "kommunikatives Beschweigen" als angebliche Voraussetzung für die Integration der Deutschen in den neuen demokratischen Staat) sowie einerseits das Vorenthalten und Vereiteln von Restitution für Opfer und andererseits die bevorzugte Entschädigung und Wiedereinstellung ehemaliger Täter und Mitläufer - Adenauers "Leute, die von früher was verstehen" (DER SPIEGEL 4: 100 vom 21.01.2013) - ist vollkommen zurecht als die "Vierte Große Schuld Deutschlands" (1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg, 3: Holocaust und 4: Holocaust-Leugnung) in die Weltgeschichte eingegangen (siehe auch DER SPIEGEL 1: 32-39 vom 02.01.2012). Dazu kommt, dass rechtsstaatliche Einrichtungen immer noch zu wenig agieren, um alt- und neonazistische Organisationen aufzuspüren und zu verbieten (DIE ZEIT 41: 15-17 vom 08.10.2015). Bis dato habe ich persönlich von keinem einzigen Nazi jemals folgende Worte vernommen: "tut mir leid, was damals geschah und was ich damals tat". Betreffend Verdrängung spricht es Bände, dass es 68 Jahre, drei Monate und 12 Tage dauerte, bis ein Regierungschef der BRD die Gedenkstätte KZ Dachau am 20.08.2013 besuchte, nur um danach Wahlkampf in einem Bierzelt zu machen.
- die Leugnung der Tatsache, dass beide Atombombenabwürfe auf japanische Städte zu den erfolgten Zeitpunkten gar nicht notwendig waren: die Zusendung entsprechenden Filmmaterials vom ersten Atombombentest (16.07.1945 bei White Sands nahe Alamogordo, New Mexico, USA), Information über die Sprengkraft weiterer und sofort einsatzbereiter Bomben und über ihre Positionierung nahe Japan hätten den Tenno zur Kapitulation bewogen; siehe auch R. von Schirach (2012): Die Nacht der Physiker. Behrenberg;
- die zynisch-eiskalten Begriffe "Dienst an der Waffe" - das bedeutet nichts anderes, als auf Staatskosten monatelang einzuüben, wie man sich am besten verhält, um am praktikabelsten und effektivsten zu töten - und "keine Gefangenen machen" - was die sofortige Tötung aller Personen der im Kampf unterlegenen Gegenseite bedeutet;
- die spätestens seit der Schrift "Grenzen des Wachstums" (1972) in Endlos-Serie praktizierte Verdrängung der Endlichkeit der Ressourcen, der wachsenden Problematik der Überbevölkerung und der Unlösbarkeit vieler Umweltprobleme, wie z. B. das der dauerhaft sicheren Lagerung radioaktiver Reststoffe (konkret: es kann auf makroskopischer Ebene der in ständiger Wandlung befindlichen oberen Erdkruste kein dauerhaft abgeschlossenes System, also kein Endlager geben!) und der Überdüngung der Atmosphäre mit Treibhausgasen; sehr ernste und existentielle Probleme, die von gekauften und korrupten Wissenschaftlern - wie z. B. den Mietmäulern und Öko-Saboteuren Nigel Lawson (GB), Fritz Vahrenholt (BRD), William Kininmonth, Tony Abbott und Paul Mulders (AU), Marc Morano und Fred Singer (USA) - mittels Scheinargumenten öffentlich kleingeredet oder als unwahr präsentiert werden, wodurch seriöse Wissenschaft diskreditiert, torpediert und die Öffentlichkeit verunsichert werden soll (DIE ZEIT 7: 35-37 vom 09.02.2012; 48: 17-19 vom 22.11.2012). Das psychische Verdrängen der Endlichkeit der Verfügbarkeit vieler Ressourcen hat nebenbei noch einen simplen, tiefenpsychologischen, irrationalen Grund: ihre zeitliche Begrenztheit - ihre begrenzte Verfügbarkeit, in Hubbert-Kurven dargestellte "Lebenszeiten" bzw. Produktzyklen - wird von den meisten Menschen genauso gerne verdrängt wie ihre eigene Sterblichkeit;
- die Begriffe Zeit- und Leiharbeit, die nichts anderes als entwürdigende und weit unterbezahlte Tätigkeiten bedeuteten;
- die im Jahr 2010 geäusserten, bagatellisierenden und unverschämt-zynisch relativierenden Behauptungen 1) eines "Guten Menschenhirten", dass sexueller Mißbrauch von Kindern ja auch im weltlichen Bereich Gang und Gäbe sei und 2) eines BP-Managers, dass austretendes Erdöl am defekten Deepwater Horizon Bohrloch im Golf von Mexiko angesichts der Größe der Weltmeere unbedenklich sei.
- der nach dem 11.09.2001 in den USA entwickelte Begriff "verbesserte Verhörmethode", der nichts anderes bedeutet als herkömmliche Folter, die exterritorialisiert Anwendung fand in Guantanamo, Salt Pit, Abu Ghureib, etc. pp..
Allgemein gesagt: Lüge, Täuschung, Trixerei, Simulation und Fälschung - also das Gegenteil von ehrlicher Authentizität - sind probate und von vielen angewandte, weil nur mehr selten geahndete Mittel geworden, schädliche Interessen durchzusetzen. Es ist an der Zeit, dass dieses Fehlverhalten eine angemessene moralische Abwertung durch allgemeine gesellschaftliche Ächtung erfährt.

Sigmund Freud stellte fest, dass anlagebedingt in der menschlichen Psyche unterschiedliche Anteile an Eros und Thanatos bestehen und gelebt werden. Es kann nur der nihilistisch-(selbst)zerstörerische Todestrieb sein, wovon verwerfliche Gewaltimpulse ihren Ausgang nehmen, über deren Dasein die allermeisten Menschen jedoch selbst reflektieren und über deren Ausführung sie selbst - willentlich - bestimmen können. Das behaupte ich auch eingedenk der aktuellen Diskussion, ob ein wissenschaftlich fundierter, eindeutiger Nachweis tatsächlicher Willensfreiheit (freier Wille als Illusion?), die mit der Studie "Hirnforschung und Willensfreiheit" das Problem Determinismus-Indeterminismus (Libet-Experiment) aufgriff, noch gelingen kann. Es erscheint paradox, dass der extrem hohe Komplexitätsgrad des und die vielen biologischen Variablen im menschlichen Gehirn ein nicht-deterministisches Ganzes hervorbringen, obwohl seine Grundbestandteile - die Moleküle - streng deterministisch den Naturgesetzen unterliegen, wenn sie chemisch reagieren (S. Hawking & L. Mlodinow: 2010: 35, Der große Entwurf). Die Diskussion über den freien Willen wird weitergehen, ob es denn wirklich möglich ist, dass sehr viele deterministisch funktionierende Grundbestandteile ein indeterministisch agierendes Ganzes erzeugen können (dazu bestehen ähnlich gelagerte Probleme in der rein physikalischen Welt: z. B. Klimaprognose, Erdbeben-, Vulkanausbruch-, Blitzschlag- und -Wirbelsturm-Vorhersagen); ebenso die Diskussion über das Problem, ob der Wille eines Menschen wegen der großen Anzahl vererbter mentaler biologischer Programme (Triebe, Reflexe, Instinkte) mit ihren evolutionsbedingt oft überwältigend intensiven Ausführungs- und Erfüllungszwängen, wegen der Fähigkeit zu intuitiven, spontanen und/oder emotionalen Reaktionen (z. B. Affekt, Begeisterung), wegen der Fähigkeit zu besonderen mentalen Zuständen (z. B. Trance, Schockzustand, Extase, Hypnose, Traum, Rausch, Delir, etc.), wegen diverser mentaler Erkrankungen (Wahn, übersteigerte Ängstlichkeit, Sucht, Zwang, Depression, Psychose, Schizophrenie, Narzissmus, etc.), dem von S. Freud entdeckten Unbewussten und seiner großen Anfälligkeit gegenüber Manipulation (u. a. auch durch Priming; siehe DER SPIEGEL 21: 108-112 vom 21.05.2012) nur bedingt frei sein kann. Der Kriminologe, Psychiater und Psychopathologe Prof. Adriane Raine (2014: The anatomy of violence - The biological roots of crime) stellt fest, dass die Gehirne vieler Gewaltverbrecher spezifische Anomalien aufweisen, diese Einschränkung aber wegen der Gehirnplastizität und positiven epigenetischen Einflüssen nicht zwangsläufig zum Tragen kommen müssen. Die split-brain Experimente der Arbeitsgruppen um M. Gazzaniga (Who's in charge? Free will and the science of brain. Ecco, New York, 2011) weisen eher in Richtung eines deterministisch arbeitenden Gehirns. Gazzaniga meint, dass unser Handeln nur deshalb indeterministisch erscheint, weil wir ständig mit der Umwelt und den Mitmenschen komplex interagieren und weil die linke Hirnhemisphäre permanent ein selbständiges Ich und eine eigene virtuelle Realität simuliert (DER SPIEGEL 50: 149-152 vom 12.12.2011). Nach dem Emotionsforscher Antonio Damasio hat sich Descartes mit "cogito ergo sum" gründlich geirrt: seiner Meinung nach sind Verstand und Gefühl untrennbar ineinander verwoben und wechselwirken unentwegt miteinander, wobei das Gefühl dem Verstand essentielle Orientierung liefert mittels kontinuierlich situationsbewertenden Stimuli aus seinem riesigen Reservoir an ererbt-archaischen und im Laufe des eigenen Lebens hinzugekommenen Erfahrungen und Mustern: den persönlichen "Gewissheiten" (DER SPIEGEL 14: 122-126, 02.04.2012). Rein verstandgesteuertes Handeln - das Ausführen des freien Willens - ist also wegen permanenter Einflußnahme des Gefühls auf den Verstand nur eingeschränkt möglich. Ich selbst bin aber der Ansicht, dass der menschliche Wille zum allergrößten Teil wirklich frei ist: je sorgfältiger man das, was man unmittelbar ausführen möchte, reflektiert, von aussen betrachtet, vernünftig und ruhig überdenkt und sich Zeit lässt, desto freier wird der eigene Wille. Der Psychologe und Ökonom Daniel Kahnemann ("schnelles Denken - langsames Denken", Siedler Verlag, München) meint dazu, Entscheidungsträger müssten über ihr intuitives Handeln besser reflektieren können und sich bei der Optimierung von Entscheidungsfindungen mehr Zeit lassen und diese vorab gründlicher und bewusster überdenken. Auch Reaktanz und Trotz können als Indizien für die weitreichende Freiheit des menschlichen Willens (DIE ZEIT Nr. 46: 17-19 vom 10.11.2011) gewertet werden. Der Gehirnforscher Benedikt Grothe sieht es so: im Kurzzeitbereich einer Entscheidung dominieren die ererbten Programmabläufe, die vorprogrammierte, deterministische Handlungsimpulse im präfrontalen Kortex erzeugen; im Langzeitbereich einer Entscheidungsfindung hingegen wächst wegen der Hirnplastizität der Freiheitsgrad im Handeln, basierend auf Einsicht und Erfahrung und gewährt somit weitgehende Willensfreiheit (Vortrag am 17.02.2012 in Thinkers' Corner, München).

So offenbart fast jeder weitere verwerfliche Gewaltevent erneut menschliches Dauer-Versagen: träges, zähes, verstocktes, dummes und dumpfes Verharren des Menschen in seiner scheinbar unverbesserlichen Unfähigkeit zur gewaltfreien Problem- und Konfliktlösung, zur Gewaltprävention, De-Eskalation, Mediation und zum positiven Miteinander, weil er der Versuchung immer wieder nachgibt, schwach wird, soziopsychologischem Druck (situative Gruppendynamik, Autoritäten) und systemischen Faktoren (Umstände, Einflüsse) nicht standhält (Philip Zimbardo 2008: Der Luzifer Effekt) und seinen Macht-, Habgier- und Vorteilnahme-Impulsen - seinem überzogenen Egoismus - freien Lauf lässt; ähnlich einer immer wieder an eine Fensterscheibe stoßenden Fliege. Das sich verbreiternde Wissen über solch peinliche Langzeit-Stagnation wird aber auf Dauer bei den nachkommenden Generationen immer mehr Angst, Depression, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung hervorrufen sowie ganz zurecht einen unermesslichen, bodenlosen Zorn, gedankenlos oder absichtlich in solch eine immer weiter entstellte und degradierte, weil über Jahrtausende vieldimensional gewaltbesudelte Welt - die größte denkbare moralische Kloake - geworfen und mit allen zwischenzeitlich angehäuften, weil prokrastinierten Problemen alleine gelassen worden zu sein. Laufend werden immer mehr Risiken sowie ökonomische, ökologische und moralische Schulden auf kommende Generationen weitergewälzt (DIE ZEIT 43: 1 vom 20.10.2011), die dann von Leuten abgearbeitet werden sollen, die sie ganz bestimmt nicht erzeugt haben; sie werden wegen weitergereichter Schulden und einer Vielzahl von Systemzwängen - Ewigkeitslasten (wie z. B. die Überwachung und Instandhaltung von Endlagern für Strahlenmüll und Treibhausgase; die Küstenstabilisierung wegen steigenden Meeresspiegels) viel weniger Freiheitsgrade haben als die Verursacher. Ich persönlich will das nicht; das ist mir gar nicht recht. Es muß auch hier das Verursacherprinzip gelten: wer das Problem geschaffen hat, muss es zeitnah lösen. Eigentlich sollte jeder Mensch die Welt in einem verbesserten Zustand verlassen. Der Begriff vom "Geschenk des Lebens" (donum vitae) und der Empfangsgruß "Willkommen im Leben" klingen da wegen ihrer Einseitigkeit, Flachheit und Seichtigkeit nur mehr harmlos oder peinlich oder verlogen oder zynisch. Denn: genauso wie man Leben und die Freude daran "schenkt", öffnet man im gleichen Zug unwiderbringlich auch das Tor für noch mehr Ärger, Distress, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Konfrontation mit weitergeschobenen Problemen, Armut, Siechtum, Vergänglichkeit und Tod; ist der Mensch dann auf der Welt, drischt den Rest seines Leben Gewalt auf ihn ein; wie z. B. in der brutalisierten Arbeitswelt, in der der zum ganz normalen, harmlosen Lebenwollen notwendige Broterwerb von den wild und frei agierenden, gewaltsamen Kräften der Marktwirtschaft zu einem quälenden Desaster und Dauerstress degradiert worden ist und befangene Sozial- und Arbeitsminister dabei tatenlos zusehen. Es ist unerträglich, aus der Liste der Gewalt ableiten zu können, dass sich das verwerfliche negative Aggressionspotential des Menschen gar nicht bis nur unwesentlich verringert hat und Egoismus/Monetarismus neben Killizismus, Bellizismus bzw. Militarismus/Paramilitarismus fortbestehen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass gewaltminimiertes Zusammenleben und gewaltminimierter Dialog zusammen mit einer ehrlichen, vernünftigen und fairen Diskussions-, Streit- und Versöhnungskultur viel erfreulicher und besser sind und die Lebensqualitäten aller offenen Gemeinschaften ins Positive wenden bzw. im Positiven halten. Das Ausleben verwerflicher negativer Aggression lädt nur noch mehr absichtliche, gewollte Endlichkeit auf die naturgegebene Endlichkeit drauf. Es gäbe kein besseres Geschenk an die Jugend als ein nachhaltig gesichertes, inert gemachtes, gewaltminimiertes System demokratischen Zusammenseins; Bundespräsidenten-, Bundeskanzler-, Bundesminister-, Landesminister-, Kreisrats-, Gemeinderats- Gruppen-, Eltern-, Paar- und Single-Eigenschaften sollte vor allem anderen zuerst in diese Richtung wirken. Hier könnten endlich die großen und besonders wichtigen, weil vertrauenstiftenden, aber leider längst überfälligen Nachweise geführt werden, dass die ältere Generation tatsächlich auch an das Wohlergehen ihrer Abkömmlinge denkt, sie liebt und deshalb gewillt ist, positive Nachhaltigkeit betreffend dauerhafte Gewaltminimierung zu realisieren. In diesem Fall wären der Aufsatz "Der kommende Aufstand" eines Anonymus, die Streitschriften "Empört Euch" und "Engagiert Euch" von Stéphane Hessel sowie die Attac-, Occupy- und Blockupy-Bewegungen (2011-2012), allesamt deutliche und ernstzunehmende Manifestationen gesellschaftlichen Unbehagens, erst gar nicht entstanden. Dazu zählt freilich auch das Problem wachsender, seltsamer Weise von spezialisierten Fachinstituten - sogenannten Banken - erzeugten Schuldenlasten - mit ihren impliziten sozialen und politischen Sprengsätzen - , die künftigen Generationen aufgebürdet werden, was deren Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen wird; siehe dazu David Graeber (2012) "Schulden - die ersten 5000 Jahre". Es ist nicht in Ordnung, Schulden abzahlen zu müssen, für die man nicht verantwortlich gemacht werden kann. Es muss von verwerflicher negativer Aggression jeder Art abgelassen werden. Gewalt hat noch nie ein Problem gelöst, sondern stets mindestens eines draufgesetzt; ausser es handelt sich um die tragisch-traurigen Zwangsfälle des Tyrannenmordes, der Selbstverteidigung, der Verhinderung von Genozid/Massenmord und dem Schutz und Erhalt demokratisch-rechtsstaatlich-offener und transparenter Staats- und Gesellschafts-Strukturen. Am Ende der Liste der Gewalt bzw. der LANGEN ZEIT DER LEICHEN darf nicht die Selbstauslöschung - kollektive Selbstkreuzigung - der Menschheit stehen. Es müssen - und das ist eine conditio sine qua non - Sozialtechniken erdacht, erlernt und verbreitet werden, die helfen, die aus Thanatos schwarzen Tiefen immer wiederkehrenden Eruptionen der verwerflichen negativen Komponenten der Aggressionskonstanten des Menschen zu kompensieren und in positive Aggression/Energie umzuwandeln; die zur Einsicht leiten, die vom Thanatos ausgehenden Impulse ins Positive zu wenden, anstatt sie unverändert direkt zu exekutieren, wenn man meint, die Gelegenheit dazu sei günstig. David Eagleman (Incognito, Campus Verlag, 2012) nennt das Impulskontrolle durch mentales Trainieren des Frontallappens im Gehirn. Die durch diese Verhaltensänderung frei werdenden, unvorstellbar großen Energien - neue Ressourcen - können eingebracht werden zur soziokulturellen Weiterentwicklung, wodurch möglicherweise der selbst-evolutionäre Schritt hinein in eine gewaltminimierte, um Größenordnungen friedlichere Daseinsform und entsprechend bessere Lebensqualität für den Menschen realisiert werden kann. Ich meine: betreffend die Auflösung verwerflicher Gewalt muss ein "point of no return" überschritten werden. Und sollte Nelson Mandela recht gehabt haben, dass in jedem auch noch so verwerflichen Menschen ein "Schimmer der Humanität" vorhanden ist (DER SPIEGEL 50: 88 vom 09.12.2013), dann könnte tatsächlich dieser Zustand erreicht werden.

Freilich will ich hier keineswegs von der Möglichkeit einer "Wunderbarmachung der Welt" schwärmen, wie es schon viele Menschenbeglücker und selbsternannte Erlöser - verklärte Charismatiker - versucht haben und freilich gescheitert sind; das ist wegen der Existenz der Gewaltkonstanten nur dilettantisch, töricht, utopisch und schlichtweg unmöglich. Ich leide bestimmt nicht am Jerusalem-Syndrom. Aber der Menschheit muß es gelingen, sich selbst - also die Folgen all ihrer Dummheiten, mit denen sie immer öfter konfrontiert werden wird - zu überleben. Das Zusammenleben wird nur dann besser, wenn mehr Vernunft, Realismus, Fairness, Zivilcourage und Altruismus gelebt werden; auch wenn letzteres zusätzlich der Stabilisierung und Förderung der eigenen Reputation dient (DER SPIEGEL Nr. 51: 126-128, 20.12.2010). Gut, dass sich die Einsicht durchzusetzen beginnt, dass kritische Hilfsbereitschaft weiterführend ist als nur sturer Egoismus (DER SPIEGEL 40: 110-112 vom 30.09.2013; siehe auch: A. Grant 2013: "Geben und Nehmen", Droemer Verlag, München).
Freilich darf da nicht übertrieben werden. Niemand erträgt dauerhaft die totale Diktatur der Tugenden (DIE ZEIT 24: 13-15 vom 06.06.2012); jeder weiß, wie schwierig es sein kann, in der Diskussion mit einem notorischen Provokateur ruhig, sachlich und vernünftig zu bleiben; Beispiel: "....Lampedusa ist doch eine schöne Urlaubsinsel". Und jedem ist klar, wie schnell Tugendhaftigkeit in Restriktion umschlagen kann. Es soll hier auch keiner einseitigen und öden "Wissenschaftsgläubigkeit" das Wort geredet werden. Ein maßvoll gelebtes und kontinuierlich selbstreflektiertes positives Irrational-Sein wie Spielen, Trödeln, Nonsens, Blödeln (wer später schreit, hält länger durch; wer schneller schießt, ist früher fertig; wer schneller säuft, ist eher blau; wer länger schläft, steht später auf; wer tiefer schürft, ist besser drauf; wer öfter denkt, hat mehr vom Leben; wer höher steigt, stürzt tiefer ab; wer besser trifft, ist näher dran; wer länger lebt, ist später tot; nach dem Ende am Schluß ist alles aus, weg und vorbei), Gaudi, Witz, Märchen, Fantasy, Sagen, Humor, Kabarett (Helmut Qualtinger, Dieter Hildebrandt, Polt, Biermösl-Blosn, Django Asyl, Bruno Jonas), Komik/Comics (Wilhelm Busch, Karl Valentin & Liesl Karlstadt, Walt Disney, Stan & Olli, Goscinny & Uderzo, Loriot, Art Spiegelman), Spontaneität, Ehrgeiz, Schlamperei, Sport, Bergsteigen, Klettern, Ziellosigkeit, Tagträumerei, Wirtshaus- und Bistro-Sitzen, Fasching, Weinseeligkeit zusammen mit Dionysos-Silen-Satyr-Faun, a kloane Wiesn, a wengerl Mode & Chic, Urlaub, Liebe, Sex, Hoffen, Optimismus, Begeisterung, Staunen, Abenteurertum, Experimentieren, Ludwig II, Romantisieren, Sentimentalität, Sturm & Drang, etc. ist unbedingt notwendig. "Der Traum/Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" (Francisco de Goya 1799:
Die Phantasie, verlassen von der Vernunft, erzeugt unmögliche Ungeheuer; vereint mit ihr ist sie die Mutter der Künste...). Ohne positive Irrationalität wären Musik, Malerei, Schriftstellerei, Theater, Oper und Kino um vieles ärmer und Edmund Percival Hillary wäre es nicht möglich gewesen, am 29.05.1953 seinen Fuß auf den Gipfel des Mount Everest zu setzen. Positive Irrationalität beflügelt auch den technischen Fortschritt und die Wissenschaften; dazu nur zwei Beispiele von vielen: ohne Ehrgeiz, Begeisterungsfähigkeit und Optimismus hätte im Jahr 1969 der Mensch nie den Flug zum Mond unternommen; Tagträumerei war es, die dem Chemiker August Kekulè von Stradonitz im Jahr 1865 eine Assoziation von der Ringstruktur des Benzol-Moleküls vorgaukelte. Bei positiver Kreativität und vernunftkontrollierter Intuition ist es allerdings anders: von beidem kann es nie genug geben. Aber alles Weitere - von Aberglaube, Akupunktur, Astrologie über Esotherik, Handauflegen, Hexerei, Homöopathie, Intelligent Design, Kreationismus, Okkultismus, Schamanie, Telepathie, Übernatürlichkeit, Weltuntergang im Fernsehen, Weissagung und Wunderwirken - bis hin zur hier gegen Ende erst- und letztmalig genannten Religion: weil ihre Realisierung und das bis ins 21, Jhd. gegangene autoritär-totalitäre Gehabe ihrer Vertreter im diametral-konträren Widerspruch zum Freiheitsstreben der Menschen steht und als inzwischen längst überholtes und immer gefährlicher gewordenes, weil beton- und eises-starr gebliebenes Denk- und autoritär-patriarchalisches Herrschafts- und Unterdrückungsmodell mit Wurzeln in den Anfängen der Entwicklung der Menschheit interpretierbar ist - muss auf ein vernünftiges und erträgliches Maß reduziert, letzteres vielleicht sogar wegen seiner Gefährlichkeit aufgegeben und letzter Klasse begraben werden (Entreligionisierung), weil der Mensch damit der Gefahr zu nahe kommt, sich selbst und andere zu sehr einzuschränken, zu verletzen, zu versklaven, zu verselbstleugnen, zu erniedrigen, zu entselbsten, kleinzuhauen und abzuwürgen; ausserdem hatte genannte Weltanschauung noch nie vernünftige Antworten auf drängende Fragen der Zeit und ist wegen ihres den freien Menschen entwürdigenden totalitären Anspruchs - wie alle anderen Weltanschauungen auch - unbrauchbar; sie verbreiten in endlos scheinender Wiederkehr nichts anderes als metaphysische Placebos, indem sie ad infinitum vertrösten und die Welt schönreden wollen. Die Tatsache, dass kraft dogmatischer Festlegung mit dem Taufritual alle Mitglieder Zeit ihres Lebens an diese weltanschaulichen Organisation gebunden sind, ist mit dem freien Willen und der Selbstbestimmung eines Menschen unvereinbar. Francisco de Goya's oben zitierter Satz gilt auch auf soziologisch-politischem Terrain: allen ist bekannt, welche verheerenden Monster entstehen können, wenn die Unvernunft regiert.

Freilich bin ich mir bewusst, dass auch solche Handlungsweisen, Weltsichten und Pseudowissenschaften in begrenztem Maße selbstheilende und stärkende Kräfte - ähnlich dem Placeboeffekt und der Meditation - aktivieren können. Aber ich bin mir noch nicht darüber im klaren, was anstelle der Weltanschauungen treten soll, wenn sich tatsächlich nachweisen lässt, dass die meisten Menschen ohne Glauben im Leben nicht zurechtkommen: weil parallel zu den Gewalt-, Dummheits- und Manipulierbarkeitskonstanten, die selbstverständlich auch mich selbst betreffen, auch noch eine Glaubenskonstante in den meisten Menschen angelegt ist; weil viele irrtümlich meinen, für ihre diesseitigen Mühen und Plagen eine Belohnung im Jenseits verdient zu haben. In Wirklichkeit ist es aber so: "Es gibt nur das Leben"; "Wir wollen leben, weil es nur das Leben gibt" (DIE ZEIT 46: 49-50 vom 07.11.2013).

Weiterführend halte ich die Denkansätze der amerikanischen Philosophen Sam Harris und des amerikanischen Psychologen Jonathan Haidt: allen Menschen sind, unabhängig von Kultur und Geschichte, eindeutige moralische Werte und Grundlagen eigen. Moral ist keine aus Weltanschauungen und Kulturen entstandene Sittenpraxis der Gesellschaft, sondern eine noch unterentwickelte Disziplin der Naturwissenschaften, weil sie auf universell nachprüfbaren Tatsachen des Handelns und Zusammenlebens gründet. Moralische und ethische Vorstellungen sind somit älter als Weltanschauungen, da aus dem Tierreich vererbt. Der trans- und interkulturelle Kriterienkatalog für menschliches Wohlergehen - Fairness, Teilhaben lassen, Fürsorge, Gewalt- und Schmerzminimierung, Nachhaltigkeit, Bildung, Gleichberechtigung, etc. - ist hiernach mit wissenschaftlichen Methoden aufstell- und objektiv überprüfbar. Dieser neue Zweig der Naturwissenschaft kann also dazu beitragen, die Qualität menschlichen Daseins und Beisammenseins zu verbessern, wenn sie verstärkt die tiefsten und letzten Fragen menschlichen Lebens erforscht - wie da z. B. sind Glück und Lebenssinn - , damit die Globalzivilisation ein vernünftiges gemeinsames allgemeinverbindliches Wertefundament in Händen hält. Es waren fatale Fehler, Wissenschaft und Moral separat gehalten und geglaubt zu haben, dass Vernunft und freies Denken begrenzt wären. Eine traditionsunabhängige Wissenschaft menschlichen Wohlergehens kann Orientierung geben und problematisch gewordene Komponenten von Tradition und Gepflogenheiten zur Diskussion stellen. Wissenschaft ist auch in den wichtigsten Fragen menschlichen Lebens kompetent (DIE ZEIT 2: 48 vom 03.01.2013). Siehe auch De Waal, Frans (2015): Der Mensch, der Bonobo und die zehn Gebote - Moral ist älter als Religion.

Zeit zu leben, Zeit zu lieben, Zeit zu atmen (Reinhard Karl), Zeit zu sterben (Jim Morrison). Arbeite, denke und denke noch mehr (lass das Beten besser sein, denn es macht kaum Sinn, weil es vom Denken abhält und es beeinträchtigt): arbeite körperlich und geistig. Warte nicht auf Sinngeber, sondern löse die Sinnfrage selbst, indem Du was gscheids machst (Carpe diem): "Beeile Dich zu handeln, ehe es zu spät ist, zu bereuen" (Friedensnobelpreisträger Fridtjof Nansen). Dann leben Deine Gedanken nachher weiter. Stirb nicht, bevor Du tot bist. Wir brauchen den Weltdenktag: den Tag der Philosophie, den Tag des Denkens. Und genieße nach getaner Arbeit das Leben, denn es ist später, als Du denkst. Den meisten wird es wohl so ergehen, dass sie erst dann begreifen, was sie hatten, wenn sie es endgültig verloren haben. Und: lerne staunen, dann wirst Du ein besserer Mensch (Journal of Personality and Social Psychology 108: 883; 2015); man kann also mit dem Philosophieren nicht früh genug beginnen; es ist zu spät und drängt das Philosophieren ins Negative und Morbid-Depressive, existentielle Fragen erst nach Verlusten oder in Sinnkrisen zu stellen.
Lerne das Schöne exzessiv erleben. Die allermeisten Menschen brauchen einen Teilausgleich in Form möglichst vieler und intensiver Glücksgefühle, weil sie wegen einer überall und für alle geltenden, unausweichlichen und stocknüchternen Gewissheit, nämlich dem gesicherten Wissen um ihre Vergänglichkeit und grandiose Verlassenheit, sich nachhaltig tief gekränkt, zurückgesetzt, dauerhaft geängstigt und tief deprimiert fühlen. Das ist eine der Konsequenzen aus der evolutionären Entwicklung des menschlichen Gehirns: der Fähigkeit des Intellekts zum Bewusstsein, zur Empathie und zur Reflexion, in Folge dessen der Mensch die Daseinsfragen formulieren und er schaudernd und erschrocken seine Verlassenheit erkennen konnte, aus der einerseits angstbedingt irrational-problematische Haltungen wie Glauben und Hoffen - und daraus entwickelte Weltanschauungen mit all ihren bekannten Nachteilen und Gefahren - , andererseits neugierig-rationale Positionen wie logisches Fragen und tiefes Nachdenken - das Philosophieren: alles ergründen und verstehen wollen - entstanden.

Dieses meines Erachtens erstaunliche Verhalten des Gekränktseins gründet zum einen wiederum in der Irrationalität des Menschen und zum anderen darin, dass er sich über Jahrhunderte hat gerne belügen lassen, er sei die Krone der Schöpfung, ein Ebenbild Gottes, seine Seele sei unsterblich und "seine" Erde, um die sich wie selbstverständlich und wie von ganz alleine alles dreht, sei natürlich die Zentrale aller Welten. Aber bei der Durchmusterung der neu erkannten Horizonte - die aktuell erkenn- und interpretierbare Wirklichkeit - bleibt dem Vernünftig-Einsichtigen nur mehr erbärmliche Demut, denn es hat sich herausgestellt, dass in der Natur das Glücklich-, Zufrieden- und Erfülltsein und ein vermeintlich sinnstiftendes Auserwähltsein des Menschen dank göttlicher Vorsehung nirgendwo erkennbar ist; es werden keine Gesetze oder Argumente gefunden werden können, die dies belegen; auch solche werden nie gefunden werden können, dass die Natur so etwas wie den Menschen braucht: er ist für sie nicht systemrelevant. Sein Platz im Multiversum ist nur ein beliebiger, seine Lebenszone im Sonnensystem ist erschreckend schmal und immerfort gefährdet, sein Dasein zufällig; seine biologische Abstammung liegt nach Erkenntnis von Charles Darwin nachweislich im Tierreich, evolutionär entstandene biologische Programme, das Unbewusste (Sigmund Freud und Carl Gustav Jung) und seine Manipulationsanfälligkeit (Beispiel siehe ZEIT MAGAZIN 24: 24-34 vom 06.06.2013) schränken nachweislich seine Vernunft und seinen freien Willen recht oft ein, er kann nur falsifizieren und niemals verifizieren (C. R. Popper), Diversität und Qualität seines genetischen Materials sind nur Mittelmaß (DIE ZEIT 40: 1 vom 29.09.2011), das Dasein gelingt nur, wenn er beständig anderes Leben tötet, frisst und verdrängt, seine Friedfertigkeitsentwicklung stagniert seit Anbeginn seines Daseins, weil er vom Kriegführen nicht lassen kann und er praktiziert seit jeher absichtsvoll, in aller Ausführlichkeit und mit Bedacht - also bei freiem Willen - das Böse. Und es ist das Beste, was geschehen konnte: dass nämlich Philosophie und Wissenschaft die Menschheit vom hohen Ross des "Auserwähltseins" als "Krone der Schöpfung" auf den steinharten und eiskalten Boden der Wirklichkeit herabgeschmettert haben. Die bestenfalls durchschnittlichen Eigenschaften der Menschheit sind alles mögliche, nur nichts Besonderes im positiven Sinne. Wie peinlich auch seine Manipulationsanfälligkeit; e. g.: ".... es ist erschreckend einfach, Menschen falsche Erinnerungen einzupflanzen, die sie dann für real halten." (DER SPIEGEL 36: 104 vom 02.09.2013). Höflich gesagt ist diese begrenzte Fähigkeit zu höherer Kultur nur ein sehr bescheidener, beschämender und unbefriedigender Dauerzustand.
Und auf lange Sicht werden, wie das Prinzip von Radiation und Extinktion in der irdischen Bioevolution zeigt, alle Artgenossen tot sein. Leben vergeht, Staub bleibt. Es besteht kein Zweifel, dass die Walze der Zeitlichkeit auch mit dem kleinen Häuflein Menschheit mit all seinen technischen und energetischen Prothesen keinerlei Probleme haben wird. Kann schon sein, dass ein Teil der Menschheit die Folgen großer Meteoritenimpakte, Vulkanausbrüche, Erdbeben und selbsterzeugter ökologischer Krisen übersteht. Möglicherweise noch vorhandene Reste seiner Hinterlassenschaften verschmoren - wenn die Sonnenmasse dazu ausreicht - in ca. sechs Milliarden Jahren zur Unkenntlichkeit in der Photosphäre der Sonne im Stadium des Roten Riesen und werden anschließend von den Gammablitzen ihres Supernova-Stadiums subatomisiert. Sollte die Sonnenmasse zu gering sein, erstarren genannte anthropogene Relikte über Jahrhundertmilliarden in einer kosmischen Kältewüste. Wie dem auch sei: alles weitere schluckt später eines der Schwarzen Löcher im All, die in ca. 10exp100 Jahren zerstrahlt sein werden (GEO 02: 70-83, 2012). Das wars dann auch schon; da bleibt von der Menschheit nicht mal ein Stäubchen Asche; als wäre kein Mensch jemals gewesen; alle Zeitfenster werden sich dann in unendlich gleichgültiger Unbelebtheit immerfort geschlossen haben: weg der Speck, aus die Maus, Schluss die Nuss. So kann das Gemälde von Caspar David Friedrich "Das Eismeer oder die verlorene Hoffnung" auch gedeutet werden. Die Standardmodelle der Historischen Geologie und Kosmologie lassen überhaupt keinen Zweifel daran, dass es auf ganz lange Sicht für den Menschen kein happy end geben kann; ausser er versucht auf gut Glück anderswo weiterzusiedeln, indem ein Teil von ihm sich rechtzeitig auf eine sehr lange und sehr unbequeme und ungesunde Reise ins Ungewisse in den extrasolaren Raum begibt und versucht, auf einem anderen Planeten - der bestimmt keine zweite Erde sein wird - das Dasein ein wenig zu verlängern. Dieser latente Daseinsschmerz wegen eines und diese Weltangst vor Totalentwurzelung (Simone Weil) und einem unermesslichen singulären Nichtsein in Unendlichkeit in alle Zukunft - dieser "horror vacui" im übertragenen Sinne - kann nur dadurch gemindert werden, dass der Mensch versucht, wirksamere und wahrhaftigere, qualitativ bessere Formen des Zusammenlebens und des Kommunizierens als die derzeitigen zu entwickeln, umzusetzen und zu leben; siehe vierter Absatz. Dass dies dringend nötig ist, zeigt auch die weite Verbreitung schwerer seelischer Erkrankungen wie Depression, Angst und Zwang, die zudem immer noch eine nur sehr geringe gesellschaftliche Akzeptanz haben (DIE ZEIT 28: 31-33 vom 05.07.2012). Es ist nur dumm, absichtlich Desperados zu züchten, die die Nerven verlieren und sich aufgeben, indem sie ein letztes mal zum Zwecke eines zynischen, weil unfair erweiterten Suizids als Geisterfahrer auf die Autobahn preschen. Kurzum: seid doch freundlicher, ehrlicher und fairer zueinander; auch wenn das weniger Bequemlichkeit verspricht als das permanente Belügen und Betrügen des anderen und seiner selbst (Lutz, M. 2012: Bluff! Die Fälschung der Welt. Droemer). Siehe auch: Marieluise Fleißer: "Fegefeuer in Ingolstadt"; "Der starke Stamm".

"Wo aber Gefahr ist, ist das Rettende auch", meinte vor ca. 200 Jahren Friedrich Hölderlin; hoffentlich hat er damit heute immer noch recht. Es muß schnellstmöglich aus den globalisierten geistigen Roßbreiten herausgefunden werden, in denen sich mächtige Interessengruppen gegenseitig blockieren und alles in Unbeweglichkeit erstarrt ist. In einer globalisierten Welt müssen alle nach den Regeln der Fairness spielen (Barak Obama).
Eine positive Entwicklung ist nur möglich in einem vernünftigen und konstruktiv-fairen Miteinander. Hier ein Beispiel, was garantiert nicht weiterbringt: Sich Querlegen wie ein trotzig-ungezogenes Kind, populistisch Verwirrung stiften und unnötige Probleme erschaffen: "Wir wollen keine Stromtrassen, keine Windräder, keine Kastoren und keine Flüchtlinge, statt dessen aber eine ungerechte Straßenmaut", schallte es im Juni 2015 von bekannter Stelle aus Bayern in die weite Welt. Diese Unfairness und Verantwortungslosigkeit, dieser Egoismus, Eskapismus und Narzissmus macht fassungslos angesichts der Vielzahl von realen Problemen, die ins Haus stehen.
Es wird ein zweites internationales, dieses mal aber friedliches Unterfangen von der Größe, der wissenschaftlichen Kompetenz und der Organisationsqualität des Manhatten-Projekts gestartet werden müssen: unter Leitung eines zweiten Sir Ernest Henry Shackleton müssen alle Bestandteile positiver Humanintelligenz - die Masterminds und hottest brains - zusammenwirken, sich konzentrieren und in vernünftige, realistische Richtungen wirken, um die ins Haus stehenden, selbst erzeugten, über Jahrzehnte weitergeschobenen und zu riesigen Gebirgswogen aufgelaufenen Gewalt-, Sozial-, Öko-, Ressourcen-, Vermassungs-, Überforderungs-, Weltanschauungs- und Umweltprobleme der Menschheit zu mindern; denn in den nächsten vier Jahrzehnten müssen die wichtigsten Weichenstellungen der Menschheitsgeschichte getätigt werden (DER SPIEGEL Nr. 25/2011: 128-133). Da ist auch Risikointelligenz gefragt (siehe Gerd Gigerenzer 2013: Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft. Bertelsmann Verlag). Dabei wird es besonders schwierig sein, den Überblick zu behalten, da sich jedes fünfte Jahr das verfügbare Global-Wissen verdoppelt (BR2 31.06.2012: 9.30-10 Uhr). Siehe auch: Peter Scholl-Latour (2012): Die Welt aus den Fugen. Betrachtungen zu den Wirren der Gegenwart; Ullstein. Die russische Schriftstellerin Ljudmilla Ulitzkaja und Trägerin des Österrreichischen Staatspreises für Europäische Literatur stellt lapidar fest, dass Wissenschaft, Aufklärung, Erkenntnis und Kunst - die kulturelle Entwicklung - nicht vermochten, die negative Aggression des Menschen zu zivilisieren und deshalb der Dritte Weltkrieg schon begonnen hat (DER SPIEGEL 34: 122-123 vom 18.08.2014). Der französische Umweltaktivist Yann Arthus-Bertrand meint sogar, es sei zu spät, pessimistisch zu sein. Es wird lange dauern, bis wir wieder frei und unbeschwert atmen können. Betreffend den Klimawandel sehe ich es so: die momentane Situation ist prinzipiell vergleichbar mit der Zeit vor dem Ausbruch der mittelalterlichen Pest: damals hat die wachsende Bevölkerung Europas immer mehr ihrer schädlichen Abwässer ungeklärt in den Boden verbracht und somit ihre Brunnen selbst vergiftet; Juden sind dafür verantwortlich gemacht, verfolgt und ermordet worden. Heute werden von einer ca. 100mal größeren Weltbevölkerung trotz besseren Wissens riesige Mengen schädlicher Abgase größtenteils ungefiltert in die Atmosphäre verbracht, wodurch v. a. für nachkommende Generationen unkalkulierbare globale Risiken und Gefahren erzeugt werden; mit Generationenverantwortlichkeit hat dieses Verhalten gar nichts zu tun; man kann das auch Schutz-, Vorsorge- und Nachhaltigkeitsverantwortung nennen. Eines sollte doch inzwischen klar sein: Die Atmosphäre, die allen Lebewesen gehört, ist keine Toilette für Abgase, die von der Minderzahl der reichen Länder in viel zu großen Mengen dorthin "entsorgt" werden (seit Beginn der Industrialisierung: 1000 Gt CO2; im Jahr 2011: 33,9 Gigatonnen CO2 (DER SPIEGEL 48: 31-33 vom 26.11.2012; )).
Im zeitlichen Mittel sind das ca. 6,2 Gt/a. Diese Form gefährlichster Drachenkitzelei sollte besser sofort beendet werden. Das wird aber vor allem aus folgendem Grund kein leichter Weg, denn "...es ist schwer, einen Menschen zu bewegen, etwas zu verstehen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen" (Upton Sinclair). Notabene: beim Ausbruch der Sibirischen Flutbasalte vor 252 Millionen Jahren wurden innerhalb von 60000 Jahren 170 Teratonnen CO2 freigesetzt, was einem zeitlichen Mittel von 2,8Gt/a entspricht. Schon diese wesentlich geringere gemittelte Belastung der damaligen Ökosysteme hatte zur Folge, dass 90% der Meereslebewesen und 70% der Landlebewesen ausgelöscht wurden (http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1317692111). Gemittels wird aktuell pro Zeiteinheit 120% mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gebracht als damals während der größten bis dato bekannten Naturkatastrophe, der Zeitenwende Perm-Trias.
Der Stachel-Hulahoop-Tanz der israelitischen Künstlerin Sigalit Landau und das vom Kunstmaler Hieronymus Bosch gezeichnete Metallrad - mit radial nach innen montierten Metallstacheln - , angetrieben von einem darin tretenden nackten Mann, bringen es auf den Punkt: je länger man die für das Wirtssystem schädlichen Rückkopplungen und Wirkungen antreibender Kräfte - die Programme - sich selbst beschleunigender Vorgänge zu ignorieren versucht, desto stärker wird das Wirtssystem zum Negativen hin verändert und letztendlich zerstört, sofern die Programme nicht rechtzeitig modifiziert oder abgeschaltet werden. Beispiele solcher Selbstschädigungen: die negativen Auswirkungen der Industrialisierung auf die Natur,der deregulierte Finanzkapitalismus, die Weltbevölkerungsexplosion, die Digitalisierung, etc.. Wie bei der Atomtechnik darf eben nicht alles realisiert werden, was machbar geworden ist.
Aber alle, die vernünftig und unabhängig geblieben sind, Verantwortlichkeit spüren und diese leben wollen, müssen sich möglichst bald an einen Tisch setzen, um die wegen negativ-irrationalen Handelns aufgetürmten Probleme so friedlich, so gerecht und so bald wie möglich ehrlich, fair und nachhaltig zu lösen; ansonsten besteht hohes Risiko, dass im 21. Jhd. die Menschheit sich selbst nicht überlebt, weil sie im eigenen Misthaufen erstickt ist, bevor sie sich selbst verstanden hat. Stalin darf nicht Recht haben mit seiner Aussage: "Ein Mensch, ein Problem, kein Mensch, kein Problem". Sichere Punkte werden die global geltende Ein-Kind-Politik (das ist das Ende des "Wachset und mehret Euch") und ein pro-Kopf-Energie- und Verbrauchskontingent (Ende der Konsumfreiheit) sein. Es fällt mir schwer, dem Autor Werner Boote gedanklich zu folgen, wenn er die durch das Weltbevölkerungswachstum entstandenen Probleme herabspielt und statt dessen die Hochaltrigkeit vieler Menschen in den industrialisierten Staaten dramatisiert. Remoralisierung, De-Ökonomisierung des Denkens und Dematerialisierung der Weltwirtschaft sind weitere zwingende Hauptpunkte. Wie damals Albert Einstein spricht Bill Gates wegen vieler globaler Fragen und Probleme von der dringenden Notwendigkeit einer unabhängigen Weltregierung (SZ 22:17 vom 28.01.2015).

Am Schwierigsten wird dabei wohl die Remoralisierung der Gesellschaften, weil sie in so großem Ausmaß von Gewalt und Korruption durchdrungen sind und von Disparitäten immer mehr gespalten werden (Arundhati Roy in SZ 89: 11 vom 17.04.2013). "Das einzige Instrument, die Zukunft zu gestalten,... ist die Vernunft." (Politologe und Historiker Zeev Sternhell in DER SPIEGEL 28: 128-131 vom 07.07.2014). Die Menschheit wird bestimmt kein Wunder retten; wir können uns Irrationalität und Inkonsequenz derzeit nur mehr in ganz geringer Dosierung leisten. Es kann nicht sein, dass korrupte und vielfach befangene, ungeregelte und rücksichtslose Finanz-, Wirtschafts- und Vermehrungssysteme das Dasein noch weiter erschweren und riskanter machen. Freilich ist mir auch andererseits klar, dass ein Zuviel an Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung des Irrationalen zu Repression und Gewalt führen (Eva Illouz in DIE ZEIT 52: 53 vom 22.12.2011). Diese Krise ist dennoch einmalige Chance, Vernunft und positive Humanintelligenz durchzusetzen sowie ihnen die essentiellen Stati, Geltungsbereiche und Wirkungsräume zukommen zu lassen, die ihnen zustehen. Es kann nicht sein, dass diverse, sich autistisch gebärdende Finanz-, Wirtschafts-, Weltanschauungs- und Politiker-Kasten alles Soziale und Humanitäre schreddern. In Anbetracht der Liste anthropogener Gewalt mit Todesfolge und der wegen moralfreiem Profitstrebens ins Prekäre gekippten Umwelt-, Ressourcen-, Sozial- und Finanzsituationen ist es so, dass sich die Menschheit gebärdet wie der Metzger auf dem Schlachthof, das Gula in Schlaraffien und das Trampeltier im Glashaus: der Mensch hat aber nun mal nur ein einziges Leben und eine einzige Erde - sein Dasein und seine Bio-Geosphäre - , beides muss er zu einem Optimum entwickeln und so friedlich und so lange wie möglich im Bestzustand erhalten, will er dauerhaft Glücklichkeit erfahren. Zum Erhalt der Gesundheiten - seiner eigenen und die der Natur - kann nur er entscheidend beitragen. Eine zweite Erde ist natürlich genauso wenig erreichbar wie das Jenseits. Auch das vom NASA-Funktionär Jesco von Puttkamer (DER SPIEGEL 28/2009) und dem Astrobiologen Dirk Schulze-Makuch (DER SPIEGEL Nr. 25/2011: 116-117) angedachte "terraforming" auf dem Wüstenplaneten Mars halte ich - auch dann, wenn im Untergrund Wassereismassen fossiler Meere oder Seen gefunden werden - für unerträglichen Eskapismus (siehe auch SZ 227: 38-39 vom 02.-04.10.2015). Auch wenn durch den Import von Treibhausgasen die Marsatmosphäre sich mit Wasserdampf, Stickstoff und Kohlendioxid aus dem sich erwärmenden Marsboden anreichern würde, dann wäre die Schwerkraft des Planeten zu schwach (0,373g = 3,73m/s²), um diese Gase sowie den später durch Photosynthese entstehenden Sauerstoff auf Dauer in der Atmosphäre zu halten. Das ist nur ein für die Steuerzahler extrem teurer, weil nutzloser und nicht anwendbarer akademisch-technischer Schrebergarten verantwortungsloser, arroganter und egoistischer Astrowissenschaftler, die nur sehr wichtig sein und von den wirklichen Problemen ablenken wollen. Ausserdem ist der menschliche Organismus für Langzeit-Weltraumreisen vollkommen ungeeignet (GEO 12: 159; 2012; 09: 22; 2013). Die 2012 angedachten Geldgaben für Marsexpeditionen halte ich in Anbetracht bestehender Probleme für ähnlich moralisch verwerflich wie folgendes Geschehen im 18. Jhd., als der Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier Geld für Experimente verschwendete, bei denen Diamanten im Fokus großer Hohlspiegel verbrannt wurden, während das französische Volk größten Mangel und Hunger litt. Freilich werden inzwischen immer mehr Exoplaneten - erdähnliche Objekte in den habitablen Zonen extrasolarer Planetensysteme - dank verfeinerter optischer Detektionssysteme indirekt nachgewiesen; diese - inzwischen (Februar 2014) ca. 715 an der Zahl - sind aber min. zwei Dutzend Lichtjahre entfernt und somit für den Menschen unerreichbar; und das ist gut so, weil es dann unmöglich ist, dass der Mensch auch dorthin seine verwerfliche Gewalt exportiert und ausbreitet. Da werden nur vollkommen irreale, letztendlich schädliche Hoffnungen geweckt und verantwortungsloser Prokrastination Vorschub geleistet. Für genauso dumm und gefährlich halte ich das angedachte Projekt "Bergbau im All" (DER SPIEGEL 18:110 vom 30.04.2012); töricht die hierfür im Jahre 2015 an zwei "Wissenschaftlerinnen" gewährten Forschungsgelder. Auch R. Gast meint, dass in Anbetracht anderer Menschheitsprobleme die Schaffung einer neuen Generation von Teilchenbeschleunigern nicht rechtfertigbar ist (SZ 117: 35 vom 25.05.2015). Dem Vernünftigen bleibt nichts anderes als Anthropo-, Bildungs-, Wissens- und Ökozentrismus, gleichbedeutend neben permanenter und ubiquitärer Präsenz von Humanität und ihrer unablässigen Qualitätskontrolle und Nachbesserung. Ähnlich sieht es auch Hans Widmer (2013): Das Modell des Konsequenten Humanismus.
Sich wegen Vergänglichkeit oder vermeintlicher Ausweglosigkeit nur in den Glauben und ins Hoffen zu flüchten wie der späte Herr Professor Jürgen Habermas, führt nicht weiter: kein Mensch wird jemals in irgendeiner Form wiederauferstehen. Zudem zeitigt Hoffen problematische Effekte, indem sie seelisch belastende Zustände wie Warten, Leiden und Unsicherheit zeitlich verlängern: wenn dann endlich all das geduldige Ausharren und Durchhalten in der unendlich enttäuschenden, letzten und absoluten Gewissheit eines "alles umsonst gewesen" verendet sind. Einen ausreichenden Glücklichkeitslevel kann der Mensch nur in sich selbst erzeugen, indem er 1) eine optimistisch gefärbte realistische und faire Grundeinstellung pflegt, 2) sich selbst erkennt und seiner selbst besser und tiefer bewusst wird sowie Bedeutung und Schönheit seiner positiven Fähigkeiten erkennt, wertschätzt und umsetzt; bewusst jeden Atemzug und jeden positiven Gedanken genießt, weil nachher garantiert nichts mehr sein kann; 3) für seine Gemeinschaft objektiv Positives schafft und damit seinem Dasein tiefen Sinn und Zufriedenheit gibt (S. Klein 2011: Der Sinn des Gebens) sowie 4) maßhaltend und ständig selbstreflektierend seine positive Irrationalität (siehe ein paar Absätze oberhalb) lebt. Es sollte doch vollständig glücklich machen, wenn man die Bedeutungen der innerhalb ca. drei Milliarden Jahren irdischer Bioevolution entstandenen und immer noch nicht ganz verstandenen - ja und? Macht do nix, des kimmt scho no - Phänomene Wahrnehmung, Bewusstsein, Reflexion, Empathie sowie freie Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten im positiven Sinne erkannt hat, zu denen gesunde Sinnesorgane und ein gebildeter Intellekt befähigen, und sie selbstwirksam zu positiven Aktionen nutzt. Zum Glücklichsein braucht es meines Erachtens fast nichts, ausser ein wenig Selbstachtsamkeit, Sensibilität und Kontemplation: nur ein bewusster Blick aus dem Auge hinein in die unendlich schöne Diversität der Natur ("...endless forms most beautiful....". In: Charles Darwin 1864: The origin of species) (einfachste Beispiele aus anderen Bereichen: wie schön, wenn eine windgekräuselte Wasseroberfläche im Sonnenlicht hell flimmert; wenn Laubbäume im Sommerwind rauschen und ihre Blätter im Sonnenlicht irisierend funkeln und spielend blitzen) oder eine bewusst gehörte/gelesene Passage aus einer/einem wunderbaren Komposition/Text oder die zündende Idee eines argumentativ treffenden und stilistisch gut gelungenen Satzes in einem eigenen Aufsatz oder das Wissen über bzw. die Erinnerungen an die strahlend-hell glänzenden Sterne der Wahrhaftigkeiten guter Menschen (Beispiel: einer von denen sagte vor Jahrzehnten mit überraschender Bestimmtheit drei mir unvergessliche schlichte Worte: "Ich will helfen!") genügen schon, um die ubiquitäre verwerfliche Gewalt auszuhalten und mit der eigenen endgültigen Vergänglichkeit, der condition humana und der kosmischen Verlassenheit immer wieder - zeitlebens - versöhnt zu werden. Mehr braucht es nicht; und mehr geht wohl aber auch ganz sicher nicht. Es wäre vermessen und nur dumm, noch mehr zu wollen.

Es widerstrebt mir, wie der Sozialtheoretiker Hans Joas in seinem Werk "Die Sakralität der Person. Eine neue Genealogie der Menschenrechte (2011)" von einer Sakralität einer jeden einzelnen Person zu sprechen, denn der Begriff "sakral" ist nach oben Ausgeführtem m. E. allzu negativ belastet. Ich bleibe lieber beim weniger Problematischen, ganz und gar nur Profanen, indem ich wie folgt die große Wissens- und Bewusstseinstransfer-Aufgabe formuliere, die alle Erzieher gegenüber Kindern und jungen Erwachsenen realisieren müssen, wenn die Welt nachhaltig friedlicher werden soll: aus der nur durch Nachdenken erschlossenen maximalen Wertschätzung des Menschseins, abgeleitet aus dem Begreifen, Annehmen und Verinnerlichen seiner individuellen Singularität, der Besonderheit seiner Art wegen ihrer milliarden Jahre währenden Entstehungsgeschichte, seiner Verletzbarkeit, Fragilität und grenzenlosen Verlassenheit, kann nichts anderes erwachsen als eine unüberwindbare gedankliche Barriere bzw. Hemmung, verwerfliche anthropogene Gewalt zu praktizieren; und der Wunsch, jedes Dasein so friedlich, freundlich, angenehm, fair und schön zu gestalten wie irgend möglich. Siehe Epikur.

Dann stünden wir nach Jahrtausende langen gefährlichen Irrlenkungen durch diverse Weltanschauungen endlich vor den ganz irdischen Toren unseres "Garten Eden".
Kurzgefasst: es gibt keinen vernünftigen Grund, dass dem Menschen seine singuläre "Zeit des Lichts", die für jeden magisch schön sein kann, getrübt, verkürzt oder gar ausgelöscht wird. Hat jeder die ultraeiskalte kosmische Verlassenheit seiner selbst und die aller anderen Menschen begriffen und verinnerlicht, ist keiner mehr imstande, Böses zu tun. Das wäre endlich mal eine singuläre Grenzüberschreitung im positiven Sinne.

Dieser Text wird ständig fortgeschrieben und so lange verbessert,
bis ein ausnahmsweise wirklich vernünftig und unabhängig Gebliebener
diesen mit gutem Gewissen wie folgt kommentieren kann:
"what a beautiful mind".

Quellen & Literatur:
- Internet; DIE ZEIT, DER SPIEGEL, GEO, SZ, Bayerischer Rundfunk 2;
- Brockhaus 2000, 5 Bände. 9. Auflage.
- B. Magee (1998): Geschichte der Philosophie. 244 Seiten. coventgarden.
- Der Brockhaus. Philosophie. Ideen, Denker und Begriffe. 2009. 2. Auflage.

Erster Entwurf: November 2008; online: 01.01.2011; letzte Ergänzung: 26.12.2016

Dr. Hubert Engelbrecht

 

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